McAllister gibt Grascha Rückendeckung

Der Ort der Veranstaltung lädt zu allerlei Wortspielen ein: Ein ehemaliger Ministerpräsdent auf einem Segelflugplatz zum Start der heißen Phase des Landratswahlkampfs beim Herausforderer der Amtsinhaberin. Doch es regnete nach einigen Sommertagen mit heißer Luft. Und David McAllister war nicht abgehoben oder über den Wolken, sondern eher launig landete er mit seiner knapp halbstündige Rede bei den Zuhörern.

Im Hangar: David McAllister sprach eine knappe halbe Stunde zu den Gästen.

Er erinnerte sich an die alten Zeiten in Hannover vor 2013, als dort noch er mit der CDU und der FDP regierte. Seine Botschaft war freilich in die Zukunft gerichtet: Der heutige CDU-Europaabgeordnete aus Bad Bederkesa wünschte den Menschen in Südniedersachsen mehr Selbstbewusstsein und Optimismus. Und für Christian Grascha, den von der CDU unterstützten FDP-Landratskandidaten, der einen Neustart proklamiert? „Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du am 12. September Erfolg hast.“ Etwas anderes als diese guten Wünsche hatte freilich auch niemand der Besucher wirklich erwartet.

„Es ist alles drin“, diagnostizierte McAllister bei seinem Besuch in Northeim. Der frühere Regierungschef macht zurzeit Urlaub im Kommunalwahlkampf in Niedersachsen, wie er selbst sagte. Aus persönlicher Verbundenheit zu Christian Grascha sei er nach Northeim gekommen, und aus tiefster Überzeugung, wie der 50-Jährige sagte. „Ich mache das freiwillig, ich will nichts mehr werden.“ Grascha aus seiner „Zweitlieblingspartei“ FDP kenne er aus Hannover, wo sich dieser nach seinem Landtagseinzug 2008 schnell einen Namen gemacht habe, als haushaltspolitischer Sprecher und als Parlamentarischer Geschäftsführer. Grascha sei absolut verlässlich und integer, kenne das politische Geschäft, sagte CDU-Politiker McAllister.

An den Landkreis Northeim habe er nur gute Erinnerungen: Einbecker Bierorden, Reitturnier in Nörten-Hardenberg, Wilhelm-Busch-Museum in Lüthorst, zählte der frühere Ministerpräsident grinsend auf. Und offenkundig gebe es hier jetzt den parteiübergreifenden Wunsch nach Veränderungen, wenn neben der FDP und der CDU auch verschiedene Wählergemeinschaften den Kandidaten unterstützen. „Nach 44 Jahren SPD im Kreishaus ist jetzt der Zeitpunkt, einmal durchzulüften und etwas anderes und neues auszuprobieren“, meint David McAllister. Schon beim letzten Mal mit Dr. Bernd von Garmissen als CDU-Kandidaten sei es ja ganz knapp gewesen.

Erinnerung an alte Zeiten: David McAllister begrüßt Ex-Staatssekretär Dr. Christian Eberl, hier mit Dr. Roy Kühne und Christian Grascha.
Gastgeschenk: Christian Grascha überreichte David McAllister regionale Spezialitäten.
Der Regenguss war nur vor Tür des Segelflieger-Hangars: David McAlllister bei seiner Rede.
Wiedersehen auf dem Flugplatz: David McAllister mit der zurückgetretenen CDU-Kreisvorsitzenden Kerstin Lorentsen.
David McAllister mit FDP-Kandidaten.
David McAllister mit Einbecker CDU-Kandidaten.

Jetzt kommt die Politprominenz

Gilt als glänzender Rhetoriker: David McAllister. Archivfoto 2012

Gilt als glänzender Rhetoriker: David McAllister kommt am 6. März nach Opperhausen. Archivfoto 2012

Kann und will da die SPD mit Politprominenz vergleichbaren Kalibers kontern? Eine Woche vor der Stichwahl für die Landratswahl holt die CDU jedenfalls ihren Landesvorsitzenden David McAllister für eine Wahlkampfveranstaltung in den Landkreis. Der ehemalige Ministerpräsident ist „Auf ein Wort“ mit CDU-Kandidat Dr. Bernd von Garmissen am Sonntag, 6. März, um 18 Uhr im Gasthaus Tappe im Einbecker Ortsteil Opperhausen zu Gast – dort, wo für den 49-jährigen CDU-Bewerber um den Landratsposten mit seiner Nominierung alles begann. McAllister gilt als glänzender Rhetoriker. Der Europaabgeordnete und CDU-Niedersachsenchef hatte bereits vor der Landratswahl eine kurze Video-Botschaft für Dr. Bernd von Garmissen im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht und um Unterstützung für den CDU-Kandidaten gebeten. Nach dem Wahlabend haben die verbliebenen zwei Kandidaten ihre Kampagnen mittlerweile auf „Stichwahl 13. März“ umgestellt, die CDU sogar mit einer neuen Internet-Domain „Bernd kann das besser“. Die spielt auf die Internetseite der SPD-Kandidaten Astrid Klinkert-Kittel an („Astrid kann das“). Mit Spannung wird außerdem erwartet, ob und wie sich heute Abend die FDP und der unterlegene dritte Kandidat Jörg Richert mit einer Wahlempfehlung für einen der beiden Stichwahl-Kandidaten ausspricht. Oder ob er keine solche abgibt. In jedem Fall kümmern sich beide Kandidaten um eine große Mobilisierung für die Stichwahl am 13. März, damit die Wahlbeteiligung nicht noch weiter absackt. Gut so! Politik lebt von Beteiligung, vom Mitmachen, vom Wählen! Dafür ist aber auch notwendig, dass die Wähler ein gut unterscheidbares, profiliertes Angebot haben. Das herauszustellen, haben sich die Parteien in den verbleibenden Tagen noch einmal verstärkter vorgenommen.

Wie der Kreiswahlausschuss heute festgestellt hat, entfielen auf Astrid Klinkert-Kittel (SPD) im ersten Wahlgang 17.070 Stimmen (38,20 Prozent), auf Dr. Bernd von Garmissen (CDU) 15.935 Stimmen (35,66 Prozent). Für Jörg Richert (Einzelwahlvorschlag) votierten 11.681 (26,14 Prozent) der Wähler. Von den 113.779 Wahlberechtigten haben 45.261 gewählt, was einer Wahlbeteiligung von 39,78 Prozent entspricht. 575 Stimmen waren ungültig.

Damit treten bei der Stichwahl am Sonntag, 13. März, Astrid Klinkert-Kittel (SPD) und Dr. Bernd von Garmissen (CDU) gegeneinander an. Für diese Stichwahl gelten grundsätzlich die gleichen Verfahrensregelungen wie für die Hauptwahl, teilte die Kreisverwaltung heute mit. Neue Wahlbenachrichtigungskarten werden nicht verschickt. Die Karten, die bereits vor dem ersten Wahlgang zugesandt wurden, gelten auch für die Stichwahl und sind für die Wahl im Wahllokal mitzubringen. Aber auch wer seine Wahlbenachrichtigungskarte nicht mehr besitzt oder auffinden kann und wahlberechtigt ist (älter als 16 Jahre, seit drei Monaten wohnhaft im Landkreis Northeim), kann am 13. März wählen. Hierzu ist im Wahllokal der Personalausweis vorzulegen.

Auch die Stimmabgabe per Briefwahl ist für die Stichwahl möglich. Alle Wahlberechtigten, die zugleich mit der Hauptwahl auch Briefwahl für die Stichwahl beantragt haben, bekommen die Unterlagen automatisch an die auf dem Antrag angegebene Adresse zugeschickt. Wer per Briefwahl wählen möchte, aber noch keine Unterlagen beantragt hat, sollte dies schnellstmöglich bei seiner Stadt- oder Gemeindeverwaltung tun, rät die Kreisverwaltung.

Nur ja nicht „Hätte, hätte, Fahrradkette…“

Dr. Bernd von Garmissen, Joachim Stünkel, David McAllister.

Dr. Bernd von Garmissen, Joachim Stünkel, David McAllister.

Er tritt nicht auf. Er kommt einfach herein. Früher wurde oft das Niedersachsen-Lied gespielt, wenn David McAllister in einen Versammlungssaal einmarschierte, mit Gefolge. Heute hat ihn der Fahrer vor der BBS in Einbeck aussteigen lassen, der ehemalige Ministerpräsident betritt ohne Musik und Aufhebens das Forum, und es dauert ein paar Augenblicke, bis die ersten Christdemokraten erkennen, dass ihr Landesvorsitzender eingetroffen ist. Dem CDU-Kreisvorsitzenden Joachim Stünkel gratuliert McAllister noch nachträglich zum 61. Geburtstag, beide kennen sich seit langem. Gedächtnis und Büro funktionieren auch ohne MP-Amt.

An diesem späten Nachmittag ist David McAllister als Hauptredner bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Kreis-CDU, weil er die CDU-Kandidaten für den 22. September unterstützen will. Den Landratskandidaten Dr. Bernd von Garmissen genauso wie den Bundestagskandidaten Dr. Roy Kühne.

McAllister bei der Kreismitgliederversammlung. Links am Tisch Dr. Roy Kühne.

McAllister bei der Kreismitgliederversammlung. Links am Tisch Dr. Roy Kühne.

Und McAllister tut dies mit einer Warnung: Im Januar bei der verlorenen Landtagswahl war es extrem knapp. Nur hauchdünn habe man verloren. Und deshalb gelte ganz besonders bis zum 22. September die Parole: Jede Stimme zählt. So etwas wie im Januar dürfe der CDU nicht ein weiteres Mal passieren. Und daher sollten die aktuellen Wahlkämpfer lernen: Viele Menschen entscheiden sich erst sehr spät, in der letzten Woche. Es gebe Studien, sagte McAllister, nach denen sich zehn Prozent erst in den letzten 24 Stunden vor der Wahl entscheiden. Daher gelte die Devise, bis zur letzten Minute für die CDU zu werben. Damit man eben nicht am 23. September Peer Steinbrück zitieren müsse, sagte David McAllister: Hätte, hätte, Fahrradkette…

Oppositions-Mac is back

David McAllister.

David McAllister.

Das wird spannend zu beobachten sein: Wenn der CDU-Kreisverband am kommenden Freitag, 6. September, im BBS-Forum in Einbeck den CDU-Landesvorsitzenden David McAllister MdL begrüßt, wie es in der Einladung nüchtern heißt, kommt eben nicht mehr wie noch vor einigen Monaten der niedersächsische Ministerpräsident samt Entourage. Sondern „nur“ der Vorsitzende der größten Oppositionsfraktion im Landtag. Einer, dem nachgesagt wird, dass er nach Europa strebt. Da passt es sich, dass in Einbeck bei der außerordentlichen CDU-Mitgliederversammlung Delegierte zur Aufstellung der Landesliste zur Europawahl 2014 gewählt werden sollen. Zuvorderst ist der als glänzender Redner schon seit vormaligen Oppositionszeiten auch in der Region und seit legendären Neujahrsempfängen in Lüthorst bekannte David McAllister aber vor Ort, um persönlich die beiden Kandidaten Dr. Roy Kühne und Dr. Bernd von Garmissen im Wahlkampf zu unterstützen. Am 22. September wird ein neuer Bundestag und der Landrat gewählt. Interessierte Bürger sind am Freitag ab 16 Uhr herzlich eingeladen, teilt die CDU mit.