Leere Töpfe: Nach welchen Rezepten soll Gastronomie eine Perspektive erhalten?

Die Töpfe vieler Gastronomen und Hotelbetreiber sind leer. Ebenso wie die Kassen und Rücklagen, nach acht Monaten Lockdown in der Corona-Pandemie ohne Einkünfte. In ganz Niedersachsen haben Vertreter der Dehoga als Unternehmerverband des Gastgewerbes symbolische leere Töpfe an Landtags- und Bundestagsabgeordnete überreicht. In Einbeck nahm auf einem leeren Marktplatz der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha den leeren Topf aus den Händen von Dehoga-Kreisvorsitzenden Alexander Pohl entgegen.

Dehoga-Kreisvorsitzender Alexander Pohl (l.) überreicht auf dem leeren Einbecker Marktplatz den leeren Topf an FDP-Politiker Christian Grascha.

Der Dehoga wünscht sich von der Politik dringend neue Rezepturen für den Weg aus der Krise. Keine Branche und kein Unternehmen könne über Monate von Rücklagen und Überbrückungshilfen existieren. Außerhausverkauf sei zu wenig. Fast jeder vierte Betrieb stehe vor der Geschäftsaufgabe. Ohne baldige Perspektive werde man das auch in einigen Monaten in Einbeck spüren, machte Kreisvorsitzender Alexander Pohl deutlich.

Mit Pohl war sich der Landtagsabgeordnete Christian Grascha einig, dass das Projekt Modellkommune, das derzeit auf Eis liegt, für Einbeck eine gute Perspektive gewesen wäre. Gerade im beginnenden Frühling sei die Außengastronomie mit Abstand und Hygienekonzepten möglich – und für Gastronomen existenziell. Hinzu komme, dass Gastronomie beispielsweise auf dem Marktplatz zum Leben in der Innenstadt unbedingt dazu gehöre. Und auch Einzelhandel sei nicht denkbar ohne Cafés und Gaststätten, ebenso wenig wie umgekehrt.

Die leeren Kochtöpfe sollen in eindringlicher Weise die katastrophalen Zustände im Hotel- und Gaststättengewerbe symbolisieren. Politiker sollen in diese leeren Töpfe ihre Rezepte legen, wie das Gastgewerbe eine Perspektive, eine Öffnungsstrategie und weitere Hilfen erhalten kann. FDP-Oppositionspolitiker Christian Grascha erneuerte sein bereits mehrfach geäußertes Credo: Statt „Dauerlockdown“ brauche man jetzt „Impfen, testen, öffnen“. Dadurch würden Anreize zum Testen geschaffen, mit denen Infektionsketten schneller unterbrochen werden können. Die Gastronomie brauche endlich eine Perspektive. Grascha: “Das ist auch für unsere Innenstädte überlebenswichtig.”

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Frauke Heiligenstadt hat von der Dehoga einen leeren Topf überreicht bekommen – in Northeim. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne erhielt den Topf in Goslar. Beide sagten den Gastronomen zu, ihre Bedenken ernst zu nehmen und nach Perspektiven zu suchen.

Nachtrag 01.05.2021: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne (Northeim) nahm einen leeren Topf auf dem Marktplatz in Einbeck symbolisch vom Dehoga-Kreisvorsitzenden Alexander Pohl entgegen und informierte sich auch hier über die Lage des regionalen Gastgewerbes. Die Aussicht auf Perspektive für Außengastronomie müsse kommen. Nicht hilfreich dabei seien jedoch nicht abgestimmte Wortmeldungen, kritisierte Kühne seinen eigenen Landesvorsitzenden. Man dürfe den Gastronomen keine eventuell falschen Hoffnungen machen, die sich dann schnell wieder auflösten.

Dehoga-Kreisvorsitzender Alexander Pohl und CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Roy Kühne.

Christian Grascha will Landrat werden

Christian Grascha will Landrat des Landkreises Northeim werden. “Ich trete an”, bestätigte der 42-jährige FDP-Landtagsabgeordnete aus Salzderhelden seine Ambitionen für die Landratswahl am 12. September. Heute Mittag soll Grascha als gemeinsamer Kandidat der CDU und FDP auf der Heldenburg offiziell vorgestellt werden.

Christian Grascha (42) will Northeimer Landrat werden. Foto: FDP

Christian Graschas Kandidatur ist damit eine ganz besondere Konstellation: Dass ein FDP-Mann von den Christdemokraten unterstützt wird, weil diese offenkundig keinen eigenen Kandidaten aufstellen, ist die eine Seite. Dass der 42-jährige Einbecker zurzeit ehrenamtlicher Stellvertreter von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) ist, die andere Seite. Hinzu kommt, dass Grascha als Kreistagsabgeordneter und FDP-Kreisvorsitzender eine lockere Gruppe mit der SPD im Kreistag bildet.

“Eine Wahl gibt es nur, wenn die Wählerinnen und Wähler eine Auswahl haben”, sagt Christian Grascha. Er sieht sich als Außenseiter gegen die Amtsinhaberin und Verwaltungsfachfrau, die am 12. September wieder für die SPD antritt. “Unser Landkreis braucht aber jetzt politische, zupackende Führung”, sagt Grascha über seine Motivation. Er wolle für seine Heimat eine Perspektive für die 2020er Jahre aufzeigen, dafür seine politische Erfahrung und sein landespolitisches Netzwerk einbringen.

Christian Grascha ist im Landkreis Northeim geboren, aufgewachsen und hat hier sein ganzes Leben verbracht. Als Familienmensch will der 42-jährige Vater von zwei Töchtern seinen Beitrag dazu leisten, dass Kinder Zukunftschancen im Landkreis haben. Nach dem Abschluss an der Löns-Realschule in Einbeck hat Grascha eine kaufmännische Ausbildung bei KWS absolviert, sich dann als Finanzberater selbstständig gemacht. Mittlerweile ist er seit 13 Jahren Abgeordneter in Hannover. Dort ist der FDP-Mann heute Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion und finanzpolitischer und haushaltspolitischer Sprecher, zudem Landesschatzmeister der Freien Demokraten Niedersachsen.

Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer lichtet die Landrätin mit ihren Stellvertretern ab (v.l.) Gudrun Borchers, Christian Grascha, Astrid Klinkert-Kittel und Dr. Bernd von Garmissen. Archivfoto 2018

Kritik am Kita-Gesetz

Kritik an der Neufassung des Kindertagesstätten-Gesetzes kommt von vielen Seiten, jetzt haben Vertreterinnen des Regenbogen-Kindergartens Einbeck dem Einbecker Landtagsabgeordneten Christian Grascha (FDP) ihren Protest schriftlich mit nach Hannover gegeben. Dort wird der Entwurf in diesen Tagen im Landtag erstmals beraten. Protest-Postkarten überreichten die Leiterin des Evangelisch-lutherischen Kindergartens, Almut Schaper, sowie der Elternvertrerin Melanie Lüer.

“Wir wünschen uns, dass unser Widerspruch und unsere Einwände mit Ihnen in Hannover ankommen”, sagte Schaper zu Grascha. “Viele Wünsche und Anregungen wurden nicht umgesetzt. Wir haben uns auf die Novellierung gefreut, aber tatsächlich bedeutet der Entwurf keine Veränderung.” Die Eltern haben die Kita bei der Aktion unterstützt, das Kind müsse stärker im Mittelpunkt stehen, wünscht sich Lüer.

Momentan erscheine es eher so, als wolle man während der Corona-Krise eine schnelle Neuauflage des aus dem Jahr 1992 stammenden Kita-Gesetzes verfassen, sagten die Vertreterinnen des Regenbogen-Kindergartens. Viele Themen aus der Praxis würden nicht berücksichtigen, lautet die Kritik, der Entwurf enthalte praktisch keine Verbesserungen für die Rahmenbedingungen der Kitas in Niedersachsen. Es fehlten vor allem eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels, mehr Freistellungszeiten für die Kita-Leitung, mehr Verfügungszeiten für die Fachkräfte und ein Rechtsanspruch auf Integration, gaben Almut Schaper und Melanie Lüer dem Oppositionspolitiker Christian Grascha mit auf den Weg. “Ich stehe da an Ihrer Seite”, sagte der.

Landtagsabgeordneter Christian Grascha, Elternvorsitzende Melanie Lüer und Kita-Leiterin Almut Schaper (v.l.).

Auf Augenhöhe treu geblieben

Wolfgang Hermann (vorn) und Philipp Rösler im Autohaus in Einbeck.

Mandate und Ämter kommen und gehen. Das Autohaus bleibt. Philipp Rösler war Landtagsabgeordneter, FDP-Parteivorsitzender als seine Partei aus dem Bundestag flog, Wirtschaftsminister und Vizekanzler, der 45-Jährige lebt heute in Zürich, leitet seit gut einem Jahr die gemeinnützige Stiftung des chinesischen Mischkonzerns HNA mit Sitz in New York, wo er einmal im Monat ist. Er kennt Wolfgang Hermann (74) seit gemeinsamer Abgeordnetenzeit 2003 bis 2008 im niedersächsischen Landtag. Vom damals einzigen Unternehmer im Landtag habe er eine Menge gelernt, und bis heute könne er ihm keinen Wunsch abschlagen. Kunde des Autohauses Hermann, der Leihwagen auch schon mal mit schlechtem Gewissen zurück gegeben habe, weil seine Kinder zwei CD gleichzeitig in den Player gedrückt hätten, wie er augenzwinkernd erzählt, ein treuer Kunde des Autohauses ist Rösler über all die Jahre geblieben. Warum? Weil er dort immer gleich behandelt worden sei, respektvoll auf Augenhöhe, egal was er war oder auch nicht mehr, erzählt der 45-Jährige. Beim Jahresauftakt der Hermann-Unternehmensgruppe im quasi brandneuen Ford-Store in Einbeck gibt Philipp Rösler den 250 Beschäftigten mit auf den Motivationsweg, alle Kunden stets auf gleicher Augenhöhe zu behandeln, das sei wichtig für dauerhaften Erfolg.

Insgesamt mehr als 7700 Fahrzeuge will die Hermann-Gruppe in diesem Jahr in ihren Autohäusern Einbeck, Northeim, Goslar, Göttingen, Mühlhausen und Höxter verkaufen, darunter 5300 Neuwagen. Dieses Ziel hat Geschäftsführer Michael Zimbal zum Jahresauftakt vor den rund 250 Mitarbeitern ausgegeben.

Folgenloses Zustimmen bei Verhandlungen habe er in der Politik gelernt: Lächeln und nicken, strahlt Philipp Rösler, der unverändert ein glänzender Rhetoriker ist. Und der die Region lange kennt, 1999 war der damalige Junge-Liberalen-Landesvorsitzender schon bei Pressegesprächen in der ehemaligen Bahnhofsgaststätte in Salzderhelden. Europa habe aktuell die Chance, in der Weltwirtschaft die Lücke der sich immer mehr aus einem freien Handel zurück ziehenden USA zu füllen und die größer gewordene Flexibilität der Chinesen zu nutzen, sagte der Lobbyist. Gerade Deutschland genieße weltweit als Volkswirtschaft eine hohe Anerkennung.

Mehr als 1,5 Millionen Euro plant die Hermann-Unternehmensgruppe 2019 für die Modernisierung ihrer Renault-Häuser in Einbeck und Northeim zu investieren, in Einbeck entsteht in diesem Jahr außerdem ein „Reifen-Hotel“ nördlich von dem im vergangenen Jahr für 2,5 Millionen Euro neu gebauten Ford-Store (ehemals Autohaus Peckmann). Für 2021/22 visiert die Hermann-Gruppe nach den Worten von Zimbal für den Göttingen-Standort des bislang gepachteten Ford-Hauses Eckloff eine Veränderung an, sucht zurzeit nach einem neuen Grundstück in der Unistadt. Nach Steuern hat die Hermann-Unternehmensgruppe 2018 rund 830.000 Euro Gewinn erwirtschaftet und mit diesem das Eigenkapital gestärkt.

Seit Jahresbeginn hat die Hermann-Gruppe einen Aufsichtsrat. Mit ihm wolle man deutlich machen, dass das Unternehmen auch in der nächsten Generation in Familienhand bleiben solle, sagte Geschäftsführer Michael Zimbal. In dem dreiköpfigen Gremium sitzen Thorsten Hermann (Diplom-Kaufmann), Peter Hermann (Arzt) und die Northeimer Fachanwältin für Steuerrecht und Notarin, Jutta Gebhardt.

Vorgesehen ist in diesem Jahr auch, dass die sechs Standorte mit ihren vier Marken Renault, Ford, Seat und Dacia selbstständiger agieren sollen. Die Struktur wurde entsprechend angepasst. Bis Jahresende soll es an jedem Hermann-Ort einen Techniker für Elektrofahrzeuge geben. Überhaupt wolle man in diesem Jahr den Verkauf von Elektroautos stärker vorantreiben. „Wir alle müssen Botschafter sein“, sagte Zimbal. Neu ist in diesem Jahr für alle der rund 250 Hermann-Beschäftigten auch eine betriebliche Krankenversicherung bei der Gothaer als arbeitergeberfinanzierte Sozialleistung. Ein betriebliche Altersversorgung für die Mitarbeiter gibt es bereits.

Philipp Rösler in Einbeck, in der ersten Reihe neben Wolfgang Hermann (v.r.) seine Söhne Thorsten und Peter sowie die Juristin Jutta Gebhardt, die jetzt den dreiköpfigen Aufsichtsrat der Unternehmensgruppe Hermann bilden.