Fachwerk-Fünfeck-Förderung

Aus Einbeck waren in Berlin Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Bauamtsleiter Frithjof Look dabei.

Aus Einbeck waren in Berlin Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (l.) und Bauamtsleiter Frithjof Look (5.v.l.) dabei, als die Urkunden an das Fachwerk-Fünfeck von Bundesministerin Barbara Hendricks (SPD) verliehen wurden. Foto: Büro Priesmeier/Kühne

Das Fachwerk-Fünfeck ist ein nationales Projekt des Städtebaus. Das haben die Städte Duderstadt, Einbeck, Hann.Münden, Northeim und Osterode jetzt sogar schriftlich, gestern gab’s dafür in Berlin die entsprechende Urkunde und die Glückwünsche sowie das Unterstützungsangebot der hiesigen Bundestagsabgeordneten Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD) und Dr. Roy Kühne (CDU), wie beide in einer gemeinsamen Pressemitteilung (Wortlaut: 20150520_PM49-ProjektFuenfeck (abgestimmt)) informierten. Bis Mitte 2017 stehen 800.000 Euro zur Verfügung, um das Kulturgut Fachwerk in den fünf Städten zu fördern. In Einbeck soll mit dem Projekt “Kulturmagistrale Tiedexer Straße” eine neue Gestaltung der Fachwerk-Vorzeigestraße Einbecks bis zum baureifen Entwurf geplant werden (für die Realisierung sind weitere Fördergelder einzuwerben). Die “Kulturmagistrale” soll außerdem dabei helfen, attraktive neue Nutzungen anzusiedeln, wie es heißt, um den von Leerstand geprägten (viele “Sch(l)aufenster”) städtebaulich wichtigen Fachwerk-Straßenzug mit neuem Leben zu versehen. Die Tiedexer Straße ist eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und PS-Speicher, dem neuen Tourismus-Magnet in Einbeck.

Zum 1. Juli wird Gretje Bode (Diplom-Geografin; bislang Leiterin Stadtmarketing und Tourismus Vaihingen an der Enz) die für das Fachwerk-Fünfeck geschaffene Stelle der Fachwerkmanagerin antreten, PR/IT-Assistentin wird Juliane Hofmann (PR-Beraterin und Diplom-Geografin). Das Projektbüro befindet sich im Northeimer Rathaus am Scharnhorstplatz, kein Wunder daher, dass sich der Northeimer Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser überglücklich zitieren lässt: “Mit dem Projektbüro in Northeim werden wir für eine gute Umsetzung des Vorhabens und der Fördergelder sorgen.“ Darauf sollten die anderen Bürgermeister des Fünfecks, sollte Einbeck ganz genau achten. Ein Fünfeck hat fünf Ecken.

Wer da war – und wer nicht

Francesco de Meo, Dr. Karl Schneider und Frauke Heiligenstadt.

Erste Reihe (v.l.): Staatssekretär Jörg Röhmann, Helios-Chef Francesco de Meo, Dr. Karl Schneider und Frauke Heiligenstadt.

Eine Veranstaltung wie die offizielle Eröffnungsfeier für das neue Krankenhaus in Northeim ist immer auch ein hochrangig besetztes Treffen von Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Die Gästeliste war durchaus illuster. Mehr als 300 Frauen und Männer, es mögen auch fast 400 gewesen sein, wollten dabei sein, als die neue Klinik am Sultmer Berg unweit der Autobahn 7 offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurde. Für Northeims Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser nicht nur ein Pflichttermin, sondern “ein Freudentag”, wie er sagte. Auch andere Bürgermeister aus dem Landkreis Northeim waren dabei, aus Uslar und Hardegsen beispielsweise, aus Katlenburg und Bad Gandersheim. Die “Neuen”, Franziska Schwarz (SPD) aus Bad Gandersheim und Michael Kaiser (parteilos) aus Hardegsen, beide erst seit 1. November im Amt, nutzten das Treffen auch für informellen Austausch, Kennenlernen und Repräsentation.

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (CDU) war nicht dabei. Die größte Stadt im Landkreis Northeim wurde bei der Klinik-Eröffnung durch ihren stellvertretenden Bürgermeister Alexander Kloss (SPD) vertreten. Durch die zweite Reihe, mit Verlaub. Ich möchte hoffen, dass nicht die (Krankenhaus-)Konkurrenz zwischen Einbeck und Northeim der Grund hierfür war. Das wäre wenig souverän.

Francesco de Meo im Gespräch mit dem CDU-MdB und Gesundheitspolitiker Dr. Roy Kühne.

Francesco de Meo im Gespräch mit dem CDU-MdB und Gesundheitspolitiker Dr. Roy Kühne.

Der Helios-Konzern war durch seinen obersten Geschäftsführer, Francesco de Meo, auf der Top-Ebene repräsentiert. De Meo stellte den Konzern, dem er vorsteht, bescheiden als mittelständisches Unternehmen vor. Helios habe vieles umgekrempelt und sei damit auch noch nicht fertig. Helios sei nicht der Urheber für Veränderungen in der Kliniklandschaft. Der Klinik-Konzern folge nur seiner Maxime, das Beste für die Patienten zu erreichen. Und daher könne nicht alles so bleiben, wie es sei. Zu Einbeck mochte de Meo nichts sagen, das würde ein paar Minuten dauern, sagte er lächelnd, als er in seiner Rede an die Verkaufsverhandlungen 2008 erinnerte. Damals hatte der Landkreis seine Kliniken Northeim und Bad Gandersheim an Helios verkauft.

In der ersten Reihe saßen bei der Eröffnungsfeier im neuen Klinikbau nicht nur andere Helios-Topentscheider, sondern mit Dr. Karl Schneider, Aufsichtsratsmitglied der Helios-Mutter Fresenius, auch ein weiterer “Hochkaräter” aus dem Hause Helios. Schneider war früher Vorstandschef der Südzucker AG.

Ministeriellen Glanz gab’s nicht für die 60-Millionen-Euro-Investition, von der immerhin 26 Millionen der Steuerzahler trägt. Die niedersächsische Fachministerin für Gesundheit, Cornelia Rundt (“das Original”, wie ihr sie vertretender Staatssekretär Jörg Röhmann sie nannte), weilte zeitgleich beim Bundesrat in Berlin. In wichtigen Angelegenheiten, wie Röhmann sagte. Und so musste ein wenig der Ministerglanz von Frauke Heiligenstadt (SPD) aushelfen, die als Wahlkreis-Landtagsabgeordnete jedoch Heimspiel und Pflichtanwesenheit hatte.

Und dann gingen noch Genesungswünsche an einen, der aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte: Landrat Michael Wickmann. Und nur deshalb ist das hier mit ein paar Zeilen notiert, weil ihm mehrere Redner in der für die Öffentlichkeit bestimmten Versammlung wünschten, es möge dem Erkrankten bald wieder besser gehen – und da wie die stellvertretende Landrätin Gudrun Borchers (SPD) auch guter Hoffnung sind. Ansonsten gilt unverändert (wie schon vor einem Jahr): Krankheiten sind Privatsphäre, konkrete Diagnosen erst recht.

Helios-Chef Francesco de Meo begrüßte den SPD-MdL und Gesundheitspolitiker Uwe Schwarz und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Helios-Chef Francesco de Meo (rechts) begrüßte zur Klinik-Eröffnungsfeier den SPD-MdL und Gesundheitspolitiker Uwe Schwarz (Bad Gandersheim) sowie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Keine Wahl, keine Politik…

Ex-MdL Joachim Stünkel (CDU) mit der Tochter der legendären Kinderclowns Ball-Ricco, Soraya Senff.

Ex-MdL Joachim Stünkel (CDU) mit der Tochter des 2009 verstorbenen legendären Kinderclowns Ball-Ricco, Soraya Senff.

Das war schon auffällig: Die regionale Politiker-Dichte war beim traditionellen Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Göttinger Stadthalle am Mittwoch Abend sehr niedrig. Okay, dass in diesem Jahr “nur” Europawahlen anstehen (neben einigen Bürgermeister-Direktwahlen), dürfte die Damen und Herren nicht unbedingt dazu verlockt haben, in ihren Terminkalendern das IHK-Neujahrstreffen zu vermerken. Aber dass aus dem Landkreis Northeim kein einziger MdB oder MdL der Top-Veranstaltung der regionalen Wirtschaft beiwohnte, war nach den (für den einen mehr, den anderen weniger) erfolgreichen bewältigten Bundestags- und Landtagswahlen sehr irritierend. Unglücklicherweise lag freilich die erste Plenumswoche mit der Konstituierung der Bundestagsausschüsse zum Zeitpunkt des IHK-Empfangs.

Außer Landrat Michael Wickmann, der war langandauernd dabei: Von den Bürgermeistern der Region waren vor allem nur diejenigen vor Ort, die im Mai Wahlen zu bestehen haben. Gesehen: Gerhard Melching (Dassel) und Heinz-Gerhard Ehmen (Bad Gandersheim), wobei sich Ehmen noch gar nicht erklärt hat, ob er erneut kandidieren will. Während Northeims neuer Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser vor Ort war, blieb Einbecks neue Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek ungesichtet (Nachtrag 20.01.2014: Wie Dr. Sabine Michalek in ihrem Newsletter schreibt und beim Neujahrsempfang der Einbeck Marketing GmbH am 17.01.2014 sagte, hat sie am Jahresempfang der IHK in Hannover teilgenommen).

Zwei Bürgermeister: Heinz-Gerhard Ehmen (Bad Gandersheim) und Torsten Bauer (Uslar).

Zwei Bürgermeister: Heinz-Gerhard Ehmen (Bad Gandersheim) und Torsten Bauer (Uslar).

Vielleicht haben sich viele aber auch nur gesagt, dass der seit Jahren auch thematisch Göttingen-zentrierte Empfang diesmal einfach mal nicht die höchste Terminpriorität hat. Schließlich wissen langjährige Teilnehmer der Veranstaltung, dass sich sehr vieles um das Oberzentrum dreht und immer oft nur dann, wenn in den Festreden vom “ländlichen Raum” die Rede ist, auch der Landkreis-Northeimer sicher sein kann, dass er gemeint ist…

Moderne Bürgermeister

Klaus Becker (Osterode), Dr. Sabine Michalek (Einbeck) und Hans-Erich Tannhäuser (Northeim) zückten die Handys.

Klaus Becker (Osterode), Dr. Sabine Michalek (Einbeck) und Hans-Erich Tannhäuser (Northeim) zückten die Handys.

Da zückten die in der ersten Reihe versammelten Bürgermeister sofort ihr Smartphone-Handy: Als Andy Stützer von den Fachwerkfreunden die Probeversion seiner Fachwerk-App im Rittersaal des Welfenschlosses zu Hann. Münden präsentierte, gingen die Mobiltelefone der Rathauschefs in die Höhe, um den QR-Code abzuscannen und die Software auf das eigene Handy zu laden. Die Hauptverwaltungsbeamten, die sich anlässlich des vierten Fachwerktages versammelt hatten, gehören damit zu den ersten Testern der Fachwerk-App, die im April 2014 auf den Markt kommen soll. Mit ihr soll es möglich sein, z.B. individuelle Routen durch die Fachwerkstädte Einbeck, Northeim, Duderstadt, Hann. Münden und Osterode zu planen und sich direkt vor historisch wertvollen Fachwerkhäusern stehend Informationen in Bild, Text und Audio aufs Handy zu holen. Darüber handelt auch mein Video.