Jetzt gibt’s auch am ZOB Ärger mit der Strabs

Die Planungen für den neuen Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) in Einbeck hat der Stadtentwicklungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung noch nicht abschließen und das Projekt noch nicht auf den weiteren Weg bringen können. Vor 2022 soll hier ohnehin nicht gebaut werden, allerdings hatte die vorgesehene Umgestaltung bereits nach der Dezember-Sitzung eine weitere Planungsschleife gedreht. Die SPD bemängelte jetzt eklatante Mängel in der Anlieger-Kommunikation und der Kostenkalkulation, die die Stadtverwaltung vorgelegt hatte. Für viele überraschend tauchten dort nun Straßenausbaubeiträge auf. „Das war bislang nie Thema, wer denkt denn bei einem ZOB daran“, sagte SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki. Sein Antrag, das Thema noch einmal zu vertagen und die Verwaltung mit den betroffenen Anliegern sprechen und erneut rechnen zu lassen, fand mit 10:3-Stimmen eine breite Mehrheit im Ausschuss, lediglich aus der CDU gab es Stimmen dagegen.

Entwurfsplanung für den neuen ZOB in Einbeck an der Beverstraße. Rot=gepflasterte Flächen, gelb=Grünflächen. Vor dem Bahnhof sind insgesamt 32 Parkplätze und eine E-Ladestation vorgesehen. (c) Ludwig & Partner (Dassel) und eigene Beschriftungen

„Nicht professionell, nicht ordentlich vorbereitet“ empfand SPD-Fraktionsvorsitzender Rolf Hojnatzki die Zahlen, die keine Grundlage für eine Diskussion und Entscheidung sein könnten. Da erfahre man so nebenbei, dass es zumindest für den Bereich des Bahnhofsvorplatzes und für den ZOB Straßenausbaubeiträge geben soll. „So geht das nicht“, richtete Hojnatzki seinen Vorwurf direkt an die Bürgermeisterin, Baudirektor Joachim Mertens nahm er von seiner Kritik aus. Die vorliegenden Zahlen der Kostenberechnungen zu diskutieren und auf deren Grundlage zu beschließen mache keinen Sinn, begründete der Sozialdemokrat. „Wer seine Hausaufgaben nicht macht, muss nacharbeiten.“

Er solle doch nicht so übertrieben ahnungslos und blauäugig tun, entgegnete Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU). Er, Hojnatzki, sei doch lange genug in der Politik aktiv. Da wisse man, dass Straßenausbaubeiträge anfallen. Und natürlich müsse den Anliegern transparent vermittelt werden, welche Kosten auf sie zu kämen, aber für die von Hojnatzki kritisierten noch nicht erfolgten Kontaktaufnahmen mit den Anliegern müssen man diesen eben auch konkrete Zahlen nennen können.

Dietmar Bartels (Grüne) bat Hojnatzki darum, seine „Krokodilstränen“ doch nicht so sichtbar zu vergießen, wie er sagte. Es seien die Grünen und die FDP, die Straßenausbaubeiträge seit langem abschaffen wollten, und es sei unter anderem die SPD, die das nicht wolle. Ohne Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) in Einbeck würde man das Problem jetzt gar nicht mehr haben.

Baudirektor Joachim Mertens bezeichnete die in der aktuellen Kalkulation genannten Zahlen für Straßenausbaubeiträge als eine „erste Schätzung, das kann sich noch ändern“. Die Stadtverwaltung halte sich wie bereits bei anderen Projekten mit Straßenausbaubeiträgen an die gesetzlichen Regelungen, die eine Information der betroffenen Anlieger drei Monate vor einer Baumaßnahme vorsehen. „Davon sind wir noch weit entfernt“, sagte Mertens. Im Übrigen habe es bereits erste Nachfragen aus der Politik und auch von potenziell beitragspflichtigen Anliegern bei der Verwaltung gegeben, neu sei das Thema also nicht.

„Drei Monate vorher ist nicht die Art der SPD-Fraktion“, fuhr Dirk Heitmüller (SPD) den Baudirektor an, „und Sie können es noch drei Mal sagen“.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek verteidigte das Vorgehen ihrer Verwaltung. Schließlich müsse man erst ermitteln, ob und wer und wie hoch die Beiträge sein werden, bevor man die Anlieger kontaktiere. „Wir können doch mit den Menschen nicht über ungelegte Eier reden.“ Im Übrigen sei es ja wahrlich nicht neu, dass es in Einbeck eine Strabs gebe, erinnerte die Rathauschefin an vergangene Debatten, beispielsweise in der Tiedexer Straße und auch am Neustädter Kirchplatz.

Die Pläne für den neuen ZOB sind dreigeteilt: in den eigentlichen Busbahnhof, die Veränderung der anliegenden Beverstraße und den Bahnhofsvorplatz. Nur für Bahnhofsvorplatz und ZOB werden Straßenausbaubeiträge erhoben, der Abschnitt der Beverstraße, der erneuert werde, sei für eine Beitragserhebung zu kurz, sagte Baudirektor Joachim Mertens.

Insgesamt wird mit Kosten von rund 2,5 Millionen Euro kalkuliert. Davon werden rund 1,1 Millionen Euro für den ZOB, rund 837.000 Euro für den Teilausbau Beverstraße und rund 660.000 Euro für den Bahnhofsvorplatz fällig. Eingeplant sind allerdings Förderungen von insgesamt 54 Prozent, so dass noch ein städtischer Anteil von knapp 770.000 Euro bleibt, bislang geplant für die Haushalte 2022 ff..

Für den ZOB werden nach der aktuellen Übersicht Straßenausbaubeiträge in Höhe von etwa 256.000 Euro veranschlagt, für den Bahnhofsvorplatz in Höhe von rund 167.000 Euro.

Kein Geheimnis ist, dass es am Bahnhof nur wenige Anlieger gibt, vor allem den Bahnhofsgebäude-Eigentümer Ilmebahn. Mit der Ilmebahn ist die Stadt schon seit längerer Zeit im Gespräch, ein öffentliches WC für den neuen ZOB in Räumen des Bahnhofs unterzubringen. Dirk Heitmüller (SPD) formulierte das Problem in Richtung Verwaltung und Bürgermeisterin wenig diplomatisch: „Sie wollen von der Ilmebahn das WC und stoßen sie mit den Straßenausbaubeiträgen vor den Kopf.“

Der Stadtentwicklungsausschuss diskutierte über die Planung für den neuen ZOB in Einbeck. Screenshot der Hybridsitzung

Mertens‘ Handschrift

Baudirektor Joachim Mertens in seinem Büro. Am Stehpult erledigt er gerne die Post.

Erst langsam, noch eher dünn wird eine eigene Handschrift sichtbar. Er sei kein Mann großer, markiger Worte, sagt Joachim Mertens über sich selbst. Seit fast einem Jahr ist er der Chef für Stadtentwicklung und Bauen im Einbecker Rathaus, einer von drei Fachbereichsleitern im Leitungsteam der Verwaltung. Und langsam, in der Öffentlichkeit noch kaum merklich, drückt Joachim Mertens ersten Themen seinen Stempel auf, verändert bisherige Praxis, falls es ihm angezeigt scheint – wenn auch eher zentimeterweise, und nahezu geräuschlos. Selbst nach zwölf intensiven Monaten stelle er noch viele Fragen, versuche sich in die zahlreichen Themen seiner fünf Sachgebiete einzuarbeiten, erzählt der Baudirektor. Arbeitsreich und lehrreich sei es gewesen, das erste Jahr in Einbeck. Mit Komplexität habe er gerechnet, sagt der 54-Jährige, der zuvor beim Landkreis Peine als Leiter der Bau- und Raumordnung eher monothematisch gearbeitet hat. Aber es sei noch komplexer als gedacht. Alles zu durchdringen, da brauche es noch Zeit.

Joachim Mertens setzt auf das persönliche Gespräch, drei Viertel seiner Arbeitszeit verbringe er mit Besprechungen, schätzt der Fachbereichsleiter. Miteinander sprechen, mehrere Optionen anbieten – das ist sein Credo beispielsweise beim Thema Baugebiete. Der Fokus müsse weiterhin auf der Innenentwicklung liegen. Aber Mertens begibt sich in die Diskussion mit den Ortsbürgermeistern, versucht mit ihnen gemeinsam etwaige Baulücken zu identifizieren. In Dassensen sei das bereits nach Gesprächen gelungen, erzählt der Bauamtschef. Möglicherweise könnten sich mehrere Ortschaften auch ein neues Baugebiet teilen. Mertens wird mit den vor Ort kundigen Ortsbürgermeistern in einem länger dauernden Prozess zum Ziel kommen. Und wenn dabei ein externer Moderator hilfreich ist, scheut der Bauamtsleiter auch den nicht. Die Kernstadt jedoch habe mit ihren Baugebieten Weinberg II und in Kürze auch Deinerlindenweg mittelfristig ausreichend Bauplätze, um Bedarf und Nachfrage zu decken. Am Weinberg, der lange als schon gleich ausgeschöpft galt, sind wieder Plätze frei, erste Interessenten abgesprungen.

Seinen kooperativen Stil, der seinen Mitarbeitern viel Freiraum lässt, praktiziert Joachim Mertens auch beim Thema Denkmalschutz, in Einbeck gerne ein heikles Thema. Ziel müsse immer das genutzte Baudenkmal sein, Leerstand nutze nichts. Deshalb sei sein Fachbereich auch gesprächsbereit und wolle Kompromisse finden, wenn Bauherren ihr denkmalgeschütztes Haus umbauen wollten. Was zweifelsfrei gar nicht gehe seien beispielsweise Kunststofffenster in Fachwerkhäusern, da bleibe man dann auch hart.

Manche der Themen, die in seinem ersten Jahr häufig und intensiv auf seiner Agenda gestanden haben, hat sich Joachim Mertens auf ein dicht beschriebenes Blatt Papier auch für das kommende Jahr 2020 notiert. Der Fortgang auf dem Neustädter Kirchplatz wird den Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen selbstverständlich intensiv beschäftigen. Ende Februar geht das Thema für die letzten Ausführungsdetails in den Bauausschuss, zuvor werden die Veränderungen in der Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) mit der Politik zu diskutieren sein. Überhaupt, die Politik: Im Gegensatz beispielsweise zum Kindergarten-Neubau in Vogelbeck, bei dem sich alle einig gewesen seien, gebe es beim Neustädter Kirchplatz bekanntlich politische Kontroversen. Die politische Grundsatzentscheidung sei aber nun einmal demokratisch getroffen worden, dann müsse man sie auch umsetzen, findet Mertens. „Ich freue mich auf den neuen Platz.“

Beim „Wissensquartier“ wird in den nächsten Tagen das starten, was beim Neustädter Kirchplatz schon abgeschlossen ist: für die Zusammenfassung von Museum, Archiv und Bibliothek am Steinweg beginnt ein Architektenwettbewerb. Im Juni soll der Sieger des Preisgerichts feststehen, kündigt Mertens an. Möglichst zeitgleich zum Baubeginn für den neuen Kindergarten Münstermauer, den ersten Bauabschnitt des Millionen-Projektes.

Und wenn im zweiten Stockwerk des Neuen Rathauses im Büro mit Blick auf die Ostertor-Kreuzung alle Arbeit des Tages am neuen Schreibtisch mit seinen zwei Computer-Bildschirmen getan ist, wenn alle Post am Stehpult bearbeitet ist? Dann genießt Joachim Mertens die in wenigen Minuten zu Fuß erreichbare Wohnung, in der der Goslarer während der Woche in Einbeck lebt, und auch manchmal ein Feierabendbier in der Innenstadt. Und er lernt Spanisch. Ein Wortspiel liegt da nahe. In Zeiten eines heraufziehenden Bürgermeisterwahlkampfes werden die kommenden Monate bei den Stadtentwicklung-Großprojekten zeigen, wem etwas Spanisch vorkommt.

Mensch, Stadtbaumeister!

Beifall für einen Beamten - im Rathaus sonst eher unüblich. Für Gerald Strohmeier zur Verabschiedung aber von Herzen.

Beifall für einen Beamten – im Rathaus sonst eher unüblich. Für Gerald Strohmeier zur Verabschiedung kam der Applaus der Wegbegleiter aber von Herzen.

Es war eine Verabschiedung. Kein Abschied. Dieser Unterschied ist wichtig. Gerald Strohmeier geht nach 32 Jahren und sieben Monaten als Bauamtsleiter im Einbecker Rathaus zwar Ende Oktober in den beruflichen Ruhestand. Allein durch zwei Ehrenämter wird der 65-Jährige aber auch in Zukunft in Einbeck präsent bleiben: Als Vorsitzender der Stiftung Eicke’sches Haus und als Kuratoriumsmitglied der Kulturstiftung Kornhaus für den PS-Speicher. Nur kann er das jetzt selbst frei bestimmen. „Ich habe noch Pläne und Träume“, sagt Strohmeier. Dazu dürften freilich nicht nur Ehrenämter und Bauangelegenheiten gehören, sondern auch die Muße zur Jagd, die Freude an der Natur unter anderem auf der Ellenser Streuobstwiese oder mehr Zeit für die Familie und Reisen nach Südtirol.

Beifall für einen Beamten im Einbecker Rathaus – das gibt es nicht alle Tage. Doch als alle Worte der Verabschiedung gesprochen sind, erheben sich die langjährigen beruflichen und privaten Wegbegleiter von ihren Stühlen und applaudieren mehrere Minuten Gerald Strohmeier. Der 65-Jährige ist sichtlich gerührt. Und sagt dann mit Dank an sein Bauamtsteam, das er jetzt ohne Nachfolgereglung zurück lassen muss, nur bescheiden: „Einer allein kann’s nicht richten.“ Das Ganze sei immer mehr als nur seine Teile, eine über Jahrhunderte gebaute Stadt wie Einbeck mit ihren 1200 Baudenkmalen sei mehr als die Summe ihrer aus Holz und Stein gebauten Häuser, sie sei Lebensraum und Heimat von Menschen.

Wollen gemeinsam Äpfel pflücken: Vardeilsens Ortsbürgermeisterin Antje Sölter überreichte Strohmeier im Namen aller 46 Ortschaften Apfelbaum und Apfelbrand.

Wollen gemeinsam Äpfel pflücken: Vardeilsens Ortsbürgermeisterin Antje Sölter überreichte Apfelfan-Strohmeier im Namen aller 46 Ortschaften Apfelbaum und Apfelbrand.

Und als einen solchen Menschen beschreiben ihn viele, die man nach Gerald Strohmeier fragt. Die Baukultur hat ihm am Herzen gelegen, sie hat er in mehr als drei Jahrzehnten als Stadtbaumeister geprägt und bis in die Zukunft sichtbar gestaltet, hat sich mit dem Bauen in seiner Heimatstadt Einbeck identifiziert: Menschlich auf die Bürger eingehend, mit einem offenen Ohr für Mitarbeiter, den Menschen zugewandt, mit einer fachlichen und durch langjährige Erfahrung geprägten Meinung, aber kompromissbereit, wie die Festredner den scheidenden Bauamtsleiter bei der Verabschiedungsfeier beschrieben haben. Amt und Aufgabe seien ja öffentlich, sagt Gerald Strohmeier. „Gut, dass ich Sie treffe…“, wie oft habe er das auf der Straße von Bürgern gehört. Bei Fragen nach defekter Laterne, Dauerbaustellen oder privaten Carport-Plänen. Er hat es gerne gehört. Meistens jedenfalls…

Schon nach der Bauzeichner-Ausbildung und während des Architektur-Studiums habe Gerald Strohmeier stets großen Wert auf praktische Einblicke gelegt, habe bei verschiedenen Handwerkern gearbeitet, beschrieb Altbürgermeister Martin Wehner die berufliche Startphase. Wehner hatte zunächst als ehrenamtlicher Bürgermeister (1991-1997) politisch und später als hauptamtlicher Verwaltungschef (1998-2006) als Vorgesetzter mit Strohmeier zu tun. Beide kennen sich allerdings schon aus der evangelischen Jungenschaft. „Er wollte weiter, er wollte mehr“, sagt der ehemalige Bürgermeister. Er wollte dort arbeiten, wo praktisch gebaut wird, wo Ergebnisse greifbar sind, beschreibt das Strohmeier selbst. Das ist ihm in seiner Zeit gelungen, die als Ära bezeichnet werden darf. Viele Einbecker kennen nach 32 Jahren keinen anderen Bauamtsleiter im Rathaus als Gerald Strohmeier. Mir in meiner rund 20-jährigen journalistischen Tätigkeit in Einbeck geht das genauso.

Zu den Meilensteinen Strohmeiers ab 1982 als Bauamtschef zählte Martin Wehner die gelungene Stadtsanierung in der Tiedexer Straße, die Restaurierung von Eicke’schem Haus in der Marktstraße und Altem Schützenhaus, dem einzigen freistehenden Fachwerkhaus Einbecks, bis zu jüngsten Projekten wie Poser-Park und PS-Speicher. Aber auch nicht so populäre Projekte wie Brückenbauten am Tiedexer Tor oder Ivenstraße im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Zeitgeist habe Strohmeier durchsetzen können: „Gottseidank sind Sie standhaft und stark geblieben.“ Beim Abwasserrahmenplan in den 1990-er Jahren seien Politik und Verwaltung am Bürgerprotest in den Dörfern auf dem Berge gemeinsam gescheitert – aber am Ende habe man Recht behalten, wie sich heute zeige, sagte Wehner. Ein paar „Baustellen“ habe der 65-Jährige als Fachbereichsleiter im Einbecker Rathaus nicht mehr schließen können, dazu zählte Wehner die zwei Brandlücken in der Altendorfer Straße und in der Langen Brücke sowie die mögliche Bebauung des Neustädter Kirchplatzes.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek verabschiedete den fachwerkfreundlichen Baudirektor offiziell mit Urkunde und Holzhobel.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek verabschiedete den fachwerkfreundlichen Baudirektor offiziell mit Urkunde und Holzhobel.

Sehr genau haben Beobachter bei der Verabschiedungsfeier auf die Zwischentöne, die Andeutungen gehört. Die Stelle des Bauamtsleiters in Einbeck bleibt bekanntlich zunächst unbesetzt. Die Ratspolitik hat sich bislang nicht untereinander und nicht mit der Bürgermeisterin auf eine Nachfolge einigen können. Ein politischer Scherbenhaufen. Die zweite öffentliche Stellenausschreibung ist erst jüngst bis Jahresende verlängert worden, weil keine weiteren geeigneten Bewerbungen eingegangen waren. Ein zumindest in der Politik offenbar mehrheitsfähiger Bewerber hatte zwischenzeitlich andernorts zugesagt. Nachdem vertrauliche Details über die Personalie an die Öffentlichkeit gelangt waren, hatte der Stadtrat nach der undichten Stelle ermittelt, musste das Verfahren letztlich jedoch ergebnislos einstellen.

Dabei war so viel feines Gehör bei der Verabschiedungsfeier gar nicht notwendig. Denn die Worte waren deutlich und unüberhörbar. Und trotzdem dem Anlass angemessen. Personalratsvertreter Lars Engelke sprach unumwunden von einer „Katastrophe“, dass Gerald Strohmeier seine berufliche Lebensleistung nicht direkt an einen fachkompetenten Nachfolger habe weitergeben können. Die Mitarbeiter des Fachbereichs seien darüber enttäuscht. Auch Altbürgermeister Martin Wehner wünschte sich in seiner Laudatio vom aktuellen Einbecker Stadtrat den Mut wie einst 1982, als die Politik in einem zukunftsweisenden Schritt den 33-jährigen Berufsanfänger Gerald Strohmeier mit der Position betraut habe. Damals sei die Stelle neun Monate vakant gewesen, nachdem Stadtbaurat Wolfgang Becker in den Ruhestand gegangen war. Wehner: „Da entwickeln sich Eigendynamiken.“

Es war und ist klug und richtig, dass Gerald Strohmeier selbst zur ungeklärten Nachfolge bislang öffentlich geschwiegen hat. Die Versuchung mag da gewesen sein, bei der Verabschiedungsfeier selbst dazu etwas zu sagen. Doch hier hat er clever widerstanden, es hätte die Sache nur zusätzlich aufgewertet, das weiß auch Strohmeier. Die notwendigen Worte haben andere gesagt.

Private und berufliche Wegbegleiter verabschiedeten Gerald Strohmeier als Bauamtsleiter in der Rathaushalle, in der ersten Reihe unter anderem Alt-Stadtdirektor Georg Lampe, Altbürgermeister Martin Wehner sowie Ehefrau Edith mit den Söhnen Raphael und Julian.

Private und berufliche Wegbegleiter verabschiedeten Gerald Strohmeier als Bauamtsleiter in der Rathaushalle, in der ersten Reihe unter anderem Stadtdirektor a.D. Georg Lampe, Altbürgermeister Martin Wehner sowie Strohmeiers Ehefrau Edith mit den Söhnen Raphael und Julian und Partnerin Annika.

Trio

Um die Nachfolge von Baudirektor Gerald Strohmeier, der im Herbst in den Ruhestand gehen wird, bewerben sich noch drei Kandidaten. Die zwei Männer und eine Frau werden sich nach Entscheidung des Personalausschusses jetzt im ebenfalls nicht-öffentlichen tagenden Verwaltungsausschuss persönlich vorstellen. Das sagte mir Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute auf Anfrage. Die Spitzenpersonalie des neuen Fachbereichsleiters für Bauen und Planen im Einbecker Rathaus könnte damit schon bald entschieden sein.

Nachtrag 29.05.2014: Die Personalie ist noch nicht entschieden. Auch bei seinem (erneuten) Treffen in dieser Woche einigte sich der Verwaltungsausschuss nicht auf einen der drei Kandidaten. Nach meinen Informationen gibt es zwischen den Fraktionen unterschiedliche Auffassungen über die fachlichen Qualifikationen, die der Bewerber für die Stelle mitbringen muss.