Kleine Schilder, große Orientierungshilfe

EIN 150 ist von der Bürgermeisterin festgeschraubt.

Fast 170 Notrufbänke gibt es inzwischen rund um Einbeck und seinen Ortsteilen. Demnächst ist Ahlshausen mit weiteren Bänken an der Reihe. Nur Kreiensen ist bislang noch ein weißer Fleck auf der Notrufbank-Landkarte, doch auch hier hofft Initiator Lothar Dolle (Rittierode) vom Einbecker Seniorenrat in Zukunft auf Zustimmung zu dem Projekt, das seit ein paar Jahren schon läuft. Das 150. Schild hat jetzt Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek persönlich angeschraubt, in diesem Fall nicht an eine Sitzbank, sondern an den besser sichtbaren Pfosten des Grillstand-Daches an der Grillhütte zwischen Avendshausen und Rengershausen. Die Rathauschefin dankte Dolle für das große Engagement. Dem schlossen sich Leitstellen-Leiter Kai Reichelt und Einbecks Polizei-Einsatzleiter Thomas Papenberg uneingeschränkt an, erleichtern doch die Notruf-Bänke die Arbeit der Helfer und Retter sehr. Es sei ein oft gedachter Trugschluss, dass bei einem Notruf an die 112 die Standortdaten des Handys gleich automatisch mitgeliefert werden. Daher hilft es sehr, wenn der Hilfesuchende sagen kann, dass er beispielsweise an „EIN 150 Notruf“ steht. Kurz vor Ostern sei beispielsweise die Notrufbank 44 zwischen Einbeck und Kuvental bei einem Zuckerschock-Notfall als Orientierung angegeben worden, berichtet Leitstellenchef Kai Reichelt. Das helfe immer sehr bei der Orientierung und dabei, schnell helfen zu können.

Mehr als 150 solcher kleiner Schilder an Notruf-Bänken gibt es inzwischen.

Denn: Nach einem Waldspaziergang rasten, auf der Ruhebank die Aussicht genießen – doch mit einem Mal kommt die Herzattacke oder der Zuckerschock. Wer dann ein Handy dabei hat, kann zwar schnell Hilfe rufen. Doch wenn die Rettungsleitstelle nachfragt, wohin denn der Notarzt kommen soll, ist vielen oft nur eine ungenaue Beschreibung möglich: auf einer Sitzbank irgendwo am Waldrand. Durch das Projekt Notrufbänke des Einbecker Seniorenrates können Hilfsbedürftige präzise ihren Standort angeben: Die Nummer steht auf dem witterungsbeständigen Aluminumschild. Die Rettungsleitstelle und die Polizei können die exakten GPS-Daten auf einer Liste finden und so die rettende Hilfe punktgenau instruieren. Wer Hilfe benötigt, muss die 112 wählen und am Telefon nur die Nummer auf der Sitzbank sagen.

Mehrmals fährt Lothar Dolle zu jeder Bank, sowohl zum Einmessen der Positionsdaten und zur Montage. Hilfe leisten dabei lokal Ortskundige, in Avendshausen waren das der stellvertretende Ortsbürgermeister Dirk Heinemeyer und dessen Vater Helmut. Die Ortsräte haben dem Seniorenrat ihre gewünschten Notrufbänke gemeldet; auch die Alu-Schilder werden von den Ortsräten finanziert. Ortsbürgermeisterin Antje Sölter (Vardeilsen) dankte ebenfalls für den Einsatz des Seniorenrates. 16 Bänke sind allein rund um Avendshausen mit den Notruf-Schildchen versehen.

Die bei den Rettern hinterlegte Liste der Notrufbänke enthält nicht nur die GPS-Daten und die Gemarkung mit dem genauen Standort. Auch Besonderheiten sind dort vermerkt, die Einsatzkräfte bei der Fahrt zur Bank berücksichtigen müssen: Ist der Weg so steil oder unzugänglich, dass ein Hubschraubereinsatz sinnvoll wäre? Gibt es Absperrpfosten oder Schranken, die nur mit speziellen Schlüsseln zu öffnen sind? Notrufbank Nummer 104 in der Gemarkung Ritterode liegt beispielsweise N 51º 48′ 25.8″O 9º 56′ 58.6″, die Retter müssen auf der Kreisstraße Rittierode-Ahlshausen an Kilometer 2,15 rechts über einen kurze Strecke geteerten Weg später über einen steile Grasweg Richtung Wald anfahren, wie es in der Beschreibung heißt: „für Pkw, RTW schwer befahrbar, Hubschrauber“.

Die Standort-Liste mit GPS-Positionsdaten und genauen Anfahrtsskizzen sind bei allen Schnittstellen für eine Notruf-Rettung stets aktuell hinterlegt. Auch im Internet ist das Notrufbänke-Verzeichnis zu finden: auf der Website www.einbeck.de oder direkt hier Liste_Notrufbaenke_2019-04-15(1)

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek schraubt Schild Nummer 150 am Unterstand des Grillplatzes Avendshausen fest, Lothar Dolle assistiert.

Grillplatz bei Avendshausen. Wer hier einen Notfall erleidet, kann jetzt den Helfern die Orientierung erleichtern.

 

Aber wir haben darüber gesprochen…

Die Situation für Fahrradfahrer am Ostertor soll sich ändern.

Man hätte darauf kommen können. Der Tagesordnungspunkt „Verbesserung der Radverkehrsführung im Bereich der Ostertorkreuzung“ war schließlich als Mitteilung gekennzeichnet. Und hatte keinen abschließenden Beschlussvorschlag der Verwaltung, wie sonst üblich bei Rats- oder Ausschussvorlagen. Das Thema hätte der Bauausschuss lediglich zügig zur Kenntnis nehmen müssen, ohne Diskussion. Denn beschlossen ist in diesem Falle schon alles, im Frühjahr 2018 soll gebaut werden. Doch darauf kam der Bauausschuss erst nach mehr als halbstündiger, intensiver Debatte über den Sinn und Unsinn von Radwegen, Querungshilfen und Schutzstreifen für Radfahrer. „Was reden wir denn darüber“, platzte es aus Karsten Armbrecht (CDU), und Dietmar Bartels (Grüne) sekundierte: „Wenn doch eh schon alles entschieden ist.“ Zugegeben, es ist ungewöhnlich, dass bei einer Mitteilungsvorlage der Experte eines beauftragten Büros referiert und – wie in diesem Falle geschehen – Pläne zeigt, sogar mehrere Varianten, dazu die Grundlagen für die Überlegungen erläutert. Das alles unterstellte schon ein wenig, dass der Bauausschuss hier noch entscheidend in die Speichen greifen könnte. Kann er aber nicht. Vielleicht auch ein wenig deshalb nicht, weil sich der Bauausschuss als Ratsgremium so oft nicht trifft, die letzte eigene Sitzung vor dem jüngsten Treffen fand im März (!) statt. Hätte er sich schon mal früher wieder getroffen, hätte er vielleicht mit seiner durchaus interessanten Debatte noch die eine oder andere Anregung geben können. Aber so ist zu spät. Und ein weiterer Beleg dafür, dass es (mindestens) ein Fachausschuss weniger auch tun würde.

Um was es überhaupt geht? Sechs Verkehrsarme, auf denen Radfahrer unterwegs sein können, münden in die Kreuzung am Ostertor, direkt vor dem Neuen Rathaus. Nach Auffassung von Fachleuten „funktionieren“ nicht alle Verbindungen untereinander, Radfahrer verhalten sich deshalb oft regelwidrig, müssen sich quasi nicht regelkonform verhalten. Und weil die Ostertorkreuzung im Zug der Reaktivierung der Ilmebahn-Strecke ohnehin baulich angefasst (unter anderem werden die Schienengleise im Kreuzungsbereich spurrillenfrei) und der Bahnübergang ertüchtigt wird, sind die so genannten radverkehrsfördernden Maßnahmen (Kosten grob geschätzt 45.000 Euro) bei dem von der Ilmebahn GmbH und der Stadt Einbeck geplanten Bauprojekt „Bahnübergang Ostertor“ gleich mit enthalten. Und längst beschlossen und eingepreist. Vorgesehen sind neue Verbindungen zwischen Bürgermeisterwall und Einmündung, spezielle Pflasterungen und Bordsteinabsenkungen, eine Furt mit Radfahrer-Linksabbiegespur am Beginn des Hubewegs, um besser auf den Langen Wall gelangen zu können, schließlich eine Einfädelspur, damit Radfahrer sich gefahrloser vom Gehweg wieder auf den Hubeweg in Richtung Norden in den fließenden Verkehr einordnen können. Auch die bepflanzte Rabatte auf der westlichen Seite der Einmündung zum Neuen Markt soll vergrößert werden, um die Breite der Einmündung und damit die  Geschwindigkeit der Abbieger zu verringern.

Mehrere Ausschussmitglieder fanden die Veränderungen zu kompliziert, zu bemüht. Wenn diese umgesetzt sind, müssen sie jedenfalls gut erläutert werden, damit sie die Radfahrer verstehen – so der Tenor. „Ich verspreche Ihnen schon heute, dass sich die Radfahrer nicht daran halten“, sagte Lothar Dolle, hinzugewähltes Ausschussmitglied und als einstiger Einbecker Polizeichef mit 40 Jahren Erfahrung im Straßenverkehr ausgestattet.

Die Ostertor-Kreuzung in  Einbeck, Blickrichtung Westen, farblich hervorgehoben die vorgesehenen Veränderungen für Fahrradfahrer. (c) Ingenieurgemeinschaft Dr.-Ing. Schubert, Hannover

Kreiensen als Alibi?

Der neue Vorstand des Einbecker Seniorenrates (v.l.): Paul Traupe, Hein-Peter Balshüsemann, Wolfgang Keunecke, Lothar Dolle, Dietlind Ostermann, Jürgen Steinhoff.

Der neue Vorstand des Einbecker Seniorenrates (v.l.): Paul Traupe, Hein-Peter Balshüsemann, Wolfgang Keunecke, Lothar Dolle, Dietlind Ostermann, Jürgen Steinhoff.

Nach der Fusion mit Kreiensen wurde im vergangenen Herbst auch der Einbecker Seniorenrat neu gebildet, die Zahl der Mitglieder von neun auf 13 erhöht. Das neue, größere Stadtgebiet mit seinen 46 Ortschaften sollte sich auch in diesem Gremium, der Interessenvertretung der Menschen über 60 Jahre, abbilden. Das war jedenfalls das Ziel.

Diese Woche hat sich der neue Einbecker Seniorenrat zu seiner ersten Sitzung getroffen und einen neuen Vorstand gewählt. In dem findet sich allerdings nur ein einziger Vertreter aus dem Gebiet der Gemeinde Kreiensen. Das sagt selbstverständlich mitnichten etwas über die Qualität der Kreienser Interessenvertretung im Seniorenrat aus (zumal dieser stellvertretende Vorsitzende mit Lothar Dolle (63) aus Rittierode der profilierte und durchsetzungsstarke ehemalige Einbecker Polizeichef ist), aber gibt zumindest zahlenmäßig einen Eindruck von der Beteiligung. Noch nicht einmal alle vier zusätzlichen Sitze im Seniorenrat sind bei der Delegiertenversammlung Ende 2013 an Mitglieder aus dem Ex-Kreienser-Gebiet gegangen, es sind nur drei.

Natürlich gehört die Bereitschaft zu Kandidaturen dazu, ein Gremium wie den Seniorenratsvorstand paritätisch zu besetzen. Mit ein wenig mehr Vorbereitung, gutem Willen und Überzeugungsarbeit hätten jedoch bestimmt die Chancen nicht schlecht gestanden, wenigstens zwei Vertreter aus Alt-Kreiensen für den Vorstand des Einbecker Seniorenrates zur Wahl zu stellen. Da wurde eine Chance vertan. Immerhin soll jede dritte Sitzung im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kreiensen stattfinden.

Und auch hier: Im Landesseniorenrat ist Einbeck künftig durch zwei Mitglieder vertreten, auch dieses allein wegen der Vergrößerung des Gremiums im Zuge der Fusion. Doch genauso gilt hier: Mit Ilka Dirnberger, die auch Vorsitzende des niedersächsischen Seniorenrates ist, und mit dem Vorsitzenden des Einbecker Seniorenrates, Hein-Peter Balshüsemann, sind auf Landesebene zwei Einbecker in Hannover dabei, niemand aus Alt-Kreiensen. Eine weitere Chance vertan, das neue Gemeindegebiet zu beteiligen.

Der neue Einbecker Seniorenrat.

Der neue Einbecker Seniorenrat.

Oder diente die Vergrößerung des Seniorenrates nur dazu, sich künftig lediglich in noch größerer Runde monatelang ergebnislos über rollatorenfreundliche Innenstadtpflaster zu unterhalten?