Mehr Medienkompetenz

Prävention und Opferschutz standen im Mittelpunkt eines Informationsaustausches in Einbeck mit der niedersächsischen Justizministerin Barbara Havliza (CDU), zu dem der von FDP und CDU unterstützte Landratskandidat Christian Grascha eingeladen hatte. Im Gespräch mit Vertretern des Präventionsfördervereins FIPS und des Weißen Ringes wurde deutlich, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie mit ihren Beschränkungen auf die Präventionsarbeit und welche Folgen diese für den Opferschutz sowie die Beratungsarbeit hat, die im Wesentlichen auf ehrenamtlichen Strukturen beruht.

Havliza bezeichnete im anschließenden Pressegespräch die vielen Informationen, die sie erhalten habe, als sehr bereichernd für ihre politische Arbeit. Die Forderung von Christian Grascha nach einer Fördermittel-Agentur, die von Kommunen getragen werden soll und die ehrenamtliche Vereinsarbeit durch die Suche nach Förderprogrammen stärken könne, anerkannte die Ministerin als gute Idee. Gerade der Informationsaustausch über Fördermöglichkeiten sei für ehrenamtliche Arbeit sehr hilfreich, sagte Havliza.

Prävention und Opferschutz seien wichtige Themen in ihrem Ministerium, sagte die ehemalige Richterin. Bei Schülern, Lehrern und Eltern müsse gleichermaßen die Medienkompetenz weiter und ständig verbessert werden. Besonderes Augenmerk müsse dabei gelegt werden auf das frühzeitige Erkennen des so genannten Cyber-Grooming, also der Suche von Tätern auf unterschiedlichen Wegen im Internet nach ihren Opfern. Erläutern lassen hat sich die Ministerin auch das „Schutzinsel“-Projekt, bei dem durch Aufkleber Zufluchtsstätten für Kinder und Jugendliche, die sich bedroht fühlen oder Hilfe brauchen, benannt und sichtbar gemacht werden. Im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten und Landratskandidaten Christian Grascha ging es natürlich auch um die Amtgerichtsstruktur im Landkreis. Bürgernahe Justiz in der Fläche sei wichtig, sagte die Ministerin, und diese könne nun einmal nicht betriebswirtschaftlich betrachtet werden. Der Rechtsweg müsse für alle Menschen gut erreichbar sein, weshalb auch ein barrierefreier Zugang zu den Gerichten unverändert wichtig bleibe. Durch die Corona-Pandemie haben mittlerweile alle Amtsgerichte in Niedersachsen einen digitalen Verhandlungssaal, der gerade bei räumlich beengten kleinen Gerichtsgebäuden wie in Einbeck hilfreich sei.

Justizministerin Barbara Havliza und Landratskandidat Christian Grascha.

Reden und handeln!

Kommunikation ist wichtig – untereinander, miteinander. Um die in den Landkreis Northeim und konkret nach Einbeck kommenden Flüchtlinge aus aller Welt aufnehmen und diese integrieren zu können, sind viele Gespräche notwendig. Ein Runder Tisch hat sich Mitte Januar erstmals zu dem Thema getroffen. Im Oktober war er von der SPD initiiert worden. Der Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Frauen, Familie und Senioren des Kreistages beschäftigt sich am Donnerstag (19. Februar, 16 Uhr, Kreishaus Northeim) in öffentlicher Sitzung mit einem „Konzept zur umfassenden Betreuung geflüchteter Menschen“, das der Kreistag am 27. Februar verabschieden soll. Nach den dort vorgelegten Zahlen muss Einbeck nach dem aktuellen Verteilungsschlüssel im Jahr 2015 insgesamt 172 neue Flüchtlinge aufnehmen und unterbringen, 20 wurden bis Ende Januar bereits zugewiesen.

Aber nicht nur reden steht auf der Tagesordnung. Wie konkretes Handeln bei diesem Thema aussehen kann, machen die Baptistengemeinde Einbeck und jetzt aktuell auch der Verein FIPS vor. FIPS hat sich beispielsweise selbst um die Finanzierung der Sprachförderung „Mama lernt Deutsch“ gekümmert, wartet nicht darauf, bis Fördergelder von wem auch immer genehmigt werden. Das ist vorbildlich.

Weniger vorbildlich ist, dass für das zweite Treffen des Runden Tisches Integration in Einbeck offenbar vergessen worden ist, mehrere Interessierte einzuladen. Beispielsweise die Öffentlichkeit… Erst auf Nachfrage erfuhren Journalisten von Ort und Zeit des Tisch-Treffens.

Der Landkreis Northeim hat in diesen Tagen aktuelle Zahlen zum Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund veröffentlicht (Excel-Datei Statistik: azr_jahresstatistik_2014-1). Im Kreisgebiet beträgt der Ausländeranteil zum Stichtag 1. Januar 2015 rund 4,4 Prozent, das ist noch nicht einmal halb so viel wie in ganz Deutschland. Zum Jahresbeginn lebten im Landkreis Northeim insgesamt 5924 Ausländerinnen und Ausländer aus insgesamt 122 Nationen. Die meisten Ausländer gehören mit 1198 der Altersgruppe der 35- bis 45-Jährigen an, teilt die Behörde mit.