Lehmmauer im Amtspark Greene wird saniert

Die historische Lehmmauer im Amtspark von Greene wird saniert. Anfang Juli beginnen die Arbeiten an der rund 200 Jahre alten, seit 2014 denkmalgeschützten Einfriedungswand aus Stampflehm. Die Sanierung soll rund 276.000 Euro kosten. Schon seit Jahren neigt sich die 130 Meter lange Mauer, nahezu auf gesamter Länge muss sie inzwischen abgestützt werden. Die Arbeiten sollen von der Firma Denkmalplan ausgeführt werden und im November dieses Jahres vor dem Winter abgeschlossen sein, berichtete Projektleiter Christian Fricke aus dem Fachbereich Bauen der Stadt Einbeck.

Freuen sich an der Lehmmauer Greene über den lange erwarteten Sanierungsbeginn (v.l.): Projektleiter Christian Fricke, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Rathaus-Fundraiserin Yvonne Bädermann aus dem Fachbereich Finanzen.

Schon seit Jahren beschäftigen sich Politik und Verwaltung mit der wahrscheinlich während der französischen Besatzungszeit zwischen 1807 und 1813 entstandenen Stampflehmmauer in so genannter Pisé-Technik, die eigentlich eher aus südlicheren Ländern bekannt ist. Auf einem 30 Zentimeter hohen Kalk-Natursteinsockel ist erdfeuchter Lehm zwischen eine druckfeste Schalung geschüttet und verdichtet bzw. gestampft worden; die Holzquerbalken der Verschalung sind noch in der Mauer zu erkennen. Ursprünglich war die gesamte Domäne von einer solchen Mauer eingefriedet. Die noch erhaltenen 130 Meter am ehemaligen Küchengarten im Amtspark trennen den öffentlichen Park und die Wohnbebauung mit Privatgärten. Vor Beginn der Sanierungsarbeiten werden entsprechende Genehmigungen zum Betreten der Privatgrundstücke eingeholt, berichtete Projektleiter Christian Fricke. Außerdem wird in den nächsten Tagen die Baustelle innerhalb des Parks eingerichtet, benachbarte Bäume erhalten Wurzelschutze, Wasser- und Stromleitungen werden dorthin verlegt. Der öffentliche Amtspark bleibt aber zugänglich.

Bereits 2015/2016 wurde ein erstes Schadens- und Sanierungsgutachten von den Experten des Berliner Architekturbüros ZRS und Prof. Dr. Christof Ziegert eingeholt. Auch ein Bodengutachten ist erstellt worden, welches Aufschluss über die Baugrundverhältnisse gibt. Vor vier Jahren wurde die Notsicherung der etwa zwei Meter hohen Mauer errichtet und die Lehmmauer mit Bauzaun abgesperrt. Die Senkung auf weichem Baugrund und eine fehlende Verzahnung in der Mauer gelten als Ursache für die Neigung und damit den heutigen Sanierungsbedarf.

Bei der Sanierung soll die Lehmmauer wieder lotgerecht aufgerichtet und durch neue Stützpfeiler aus Stahlbeton innerhalb der Mauer gesichert werden. Auch der Natursteinsockel wird wieder sichtbar. Auf einem neuen so genanten Ringbalken oben auf der Mauer wird eine Satteldachkonstruktion errichtet und mit den Tonhohlpfannen neu eingedeckt.

Von den Gesamtkosten in Höhe von 276.200 Euro stammen 104.500 Euro aus europäischen ZILE-Fördermitteln. Erst kürzlich hat die Stadt die Nachricht aus dem Innenministerium über eine Bedarfszuweisung in Höhe von 68.430 Euro erhalten, mit der Förderprojekte aus dem europäischen Struktur- und Investitionsfonds kofinanziert werden kann, freut sich Yvonne Bädermann, im Fachbereich Finanzen der Stadtverwaltung zuständig für die Fördermittelaquise. Vor dieser jüngsten Zusage hatte der Verwaltungsausschuss bereits eine überplanmäßige Ausgabe in dieser Höhe freigegeben, um das Projekt starten zu können. Das nun dadurch frei werdende Geld soll laut Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek für die Sanierung der Fenster im Bürgerhaus Kreiensen verwendet werden, wenn diesem Vorschlag die Politik im Stadtrat am 24. Juni so zustimmt. Für diesen ebenfalls Evergreen in der kommunalpolitischen Diskussion der vergangenen Jahre hat die Stadt jüngst eine Absage für Fördermittel erhalten, weshalb die Maßnahme in diesem Jahr wie versprochen nun komplett aus dem städtischen Haushalt finanziert werden muss und soll.

Die Lehmmauer im Amtspark Greene muss auf fast gesamter Länge abgestützt werden.

Bauarbeiten für Kita im „Wissensquartier“ beginnen

Die zwei Jahre dauernden Bauarbeiten für die neue Kindertagesstätte Münstermauer im „Wissensquartier“ beginnen. Ziel ist, die neue Kita mit Platz für rund 90 Kinder in drei Kindergartengruppen und einer Krippengruppe zum Kitajahr 2022/23 in Betrieb nehmen zu können, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Die Baukosten werden auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt, 90 Prozent davon werden aus Bundesmitteln gefördert.

Die Münstermauer ist für die Bauarbeiten gesperrt, im Hintergrund der Turm der Münsterkirche und davor das alte Kita-Gebäude.

Als erster sichtbarer Bauschritt wird das alte Gebäude abgerissen; die Außenspielgeräte waren bereits abgebaut und teilweise eingelagert worden, auch die Hausanschlüsse sind zurückgebaut, und die Baustelle wurde abgesperrt. Bereits im Mai war die Kita in den seit 2016 leer stehenden ehemaligen Kinderhort Auf dem Steinwege in unmittelbarer Nähe umgezogen. Das habe reibungslos funktioniert, lobte Sachgebietsleiter Jörg Mönnig das Mitarbeiterinnen-Team. Ab 22. Juni werden nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen auch alle 75 Kinder wieder die Kita besuchen können, allerdings in geteilten Gruppen, was noch eine organisatorische Herausforderung werde.

Die einzige Baustellenzufahrt gibt es über einen kurzen Weg von der Stadtgrabenstraße aus. Dort herrscht jetzt tagsüber umfangreiches Halteverbot, darüber seien die Anlieger frühzeitig informiert worden, sagte Bauamt-Projektleiter Christian Fricke. Vielleicht könne man das je nach Bauablauf während der zweijährigen Bauphase wieder lockern. Man habe auch in der Nachbarschaft eine umfangreiche Beweissicherung an den Gebäuden durchgeführt, um bei eventuellen Schäden durch die Bauarbeiten vorbereitet zu sein. Der Abriss soll bis Mitte Juli erledigt sein, dann folgen die ersten Erdarbeiten und vor allem die archäologischen Grabungen auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern im geschichtlich interessanten Bereich der ehemaligen Stadtmauer. 80 Arbeitstage bis in den November sind dafür vorgesehen. Danach folgen die Gründungsarbeiten für den Kita-Neubau.

Auf dem für die neue Kita Münstermauer zur Verfügung stehenden halben Hektar Fläche werden etwa zwölf bis zu 50 Jahre alte Bäume weichen müssen, berichtete Christian Fricke. Bis auf einen Haselnussbaum und eine Linde könnten leider keine Bäume stehen bleiben; bei der Linde habe man bereits einen Wurzelvorhang installiert, um den alten Baum während der Erdarbeiten zu schützen.

Vor der einzigen Baustellen-Zuwegung am Bauschild für die neue Kita Münstermauer (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Sachgebietsleiter Jörg Mönnig, Baudirektor Joachim Mertens, Projektleiter Christian Fricke.

Beim Architektenwettbewerb für die nächsten Schritte im „Wissensquartier“ wird Mitte Juli (wegen Corona später als ursprünglich geplant) das Preisgericht tagen und einen Entwurf küren. Laut Baudirektor Joachim Mertens sind 13 Entwürfe eingegangen, 15 Büros waren aufgerufen worden zur Teilnahme, das sei eine gute Quote.

Fahrrad-Parkhaus in der Knochenhauerstraße geplant

In der Knochenhauerstraße in Einbeck direkt neben der Tourist-Info im Eicke’schen Haus soll ein Fahrrad-Parkhaus entstehen. Außerdem soll der „Garten der Generationen“ im Stiftsgarten erweitert und ein Konzept erstellt werden, wie Einbeck bei Bewegungen auf kurzen Distanzen klimafreundlicher mobil werden kann. Alles das ist Bestandteil einer Förderung durch das Programm „Zukunftsräume Niedersachsen“ für das Projekt unter dem Titel „Einbeck macht (sich) fit“. 150.000 Euro erhält die Stadt Einbeck in den nächsten drei Jahren als Förderung, eigene 100.000 Euro kommen hinzu.

Am heutigen Spielplatz im Stiftsgarten: Fachbereichsleiter Joachim Mertens (l.), Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Projektleiter Peter Sobeck.

So schnell geht es sonst selten: Bis zum 15. März musste der Antrag gestellt werden, am 28. April hatte die Stadtverwaltung schon den Förderbescheid in der Post. Im Rathaus war man auf das Förderprogramm „Zukunftsräume Niedersachsen“ aufmerksam geworden, hat sich eine fachliche Begleitung für den Antrag bei einem Büro in Hannover geholt und dann passgenau den Antrag gestellt. „Die Beratung durch das externe Büro hat sich bezahlt gemacht“, freut sich Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek über das Ergebnis der fachbereichsübergreifenden Arbeit in ihrem Rathaus. Einbeck erhält bis Mai 2023 insgesamt 150.000 Euro, im städtischen Haushalt waren bereits 100.000 Euro eingeplant für den „Garten der Generationen“. Somit hat die Stadt insgesamt 250.000 Euro zur Verfügung und eine Förderquote von 60 Prozent erreicht.

Unter dem Titel „Einbeck macht (sich) fit!“ bündelt die Stadt Einbeck drei Bausteine. Ziel aller Maßnahmen ist, die so genannte Nahmobilität im Sinne von Fahrradfreundlichkeit zu verbessern und außerdem die innerstädtische Aufenthaltsqualität zu erhöhen sowie gut erreichbare Angebote für Bewegung im Freien zu stärken, wie es in einer Presseinformation heißt.

Baustein A: Hier soll es ausschließlich um konzeptionelle Arbeit gehen. „Gesunde und klimafreundliche NahMobilität“ ist das Stichwort. Die Stadt möchte gemeinsam mit relevanten Akteuren und begleitet durch ein Fachbüro ein Konzept erstellen, um das Verkehrsnetz für den nicht-motorisierten Verkehr bedarfsgerecht zu optimieren. Im Fokus steht dabei das Fahrrad. Einbeck habe schon länger das Ziel, fahrradfreundliche Stadt zu werden, mit Maßnahmen wie Schutzstreifen oder Öffnung von Einbahnstraßen für den entgegen gesetzen Radfahrer habe man hier auch schon durchaus etwas erreicht, sagt die Bürgermeisterin. Ihr Wunsch ist jedoch, dass es in Zukunft mehr Wege für Fahrradfahrer gibt und dass beispielsweise Elektrofahrzeuge für eine Mobilität im Nahbereich ausgeliehen werden können – Besucher ebenso wie Einheimische. Einbinden möchte die Stadt die Bürgerschaft, Vereine wie den ADFC, Verkehrsträger wie die Ilmebahn, die Stadtwerke sowie ortsansässige Unternehmen und Einrichtungen (Kulturstiftung Kornhaus/PS-Speicher).

Das Haus Knochenhauerstraße 2 soll ein Parkhaus für Fahrräder werden.

Baustein B: Hier wird’s konkret. Das der Stadt gehörende, leerstehende denkmalgeschützte Fachwerkhaus Knochenhauerstraße 2 (direkt neben Tourist-Info im Eicke’schen Haus) soll zum ersten Fahrradparkhaus Einbecks mit abschließbaren Fahrradabstellmöglichkeiten werden, das Einheimische und Touristen gleichermaßen nutzen können. Dafür sind umfangreiche Umbauten notwendig, entsprechendes Mobiliar muss angeschafft und ein digitales Zugangssystem eingerichtet werden. Das Erdgeschoss mit rund 100 Quadratmetern Grundfläche soll durch den großen runden Torbogen betreten werden, sagt Baudirektor Joachim Mertens. Etwa zehn abschließbare Boxen werden man wohl installieren können. Eventuell lasse sich hier auch eine E-Ladestation für Fahrräder integrieren. Mertens hofft, dass das Angebot deutlich besser angenommen wird wie die bislang stehenden Metall-Fahrradboxen etwa am Möncheplatz. Eingebunden werden sollen unter anderem die Tourist-Information, die Stiftung Eicke’sches Haus, die Einbecker Wohnungsbaugesellschaft sowie Sparkasse und Volksbank.

Baustein C: Hier setzt die Stadt Einbeck auf bereits bestehende Überlegungen auf, den „Garten der Generationen“ im Stiftsgarten zu erweitern. Inklusive dem Kinder-Spielplatz soll dieser zu einem so genannten Aktivpark umgestaltet werden – und besser und barrierefreier erreichbar werden. Dafür soll unter anderem der aktuelle Fußweg an der Bahnstrecke für den Radverkehr geöffnet und besser befahrbar werden. Außerdem soll ein benachbartes Rasen-Grundstück der katholischen Kirchengemeinde integriert werden. Der Aktivpark soll nach dem Willen der Planer gleichermaßen Begegnungsraum und Bewegungsraum werden und Aktivitäten im Freien fördern, schildert Projektleiter Peter Sobeck. Es sind Bewegungsflächen für Jung und Alt geplant (von einem Bewegungsspielplatz für die Kleinen über ein Beachvolleyballfeld für
die Jugendlichen bis hin zur Bewegungsfläche mit Fitnessgeräten und einem „Wellenweg“ für alle Altersklassen). Die bereits vorhandenen Angebote (z.B. Boulefläche, Basketballkorb oder Schach-Sitzecke) und Geräte bleiben dabei bestehen. Die Detailplanung will die Stadtverwaltung mit mehreren Akteuren (Planungsgruppe „Garten der Generationen“, Stadtrat, Seniorenrat, Kirche, Musikschule sowie Kinder und Jugendliche) betreiben.

Im künftigen Fahrradparkhaus im Haus Knochenhauerstraße 2 (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Baudirektor Joachim Mertens, Denkmalpflegerin Krimhild Fricke, Projektleiter Peter Sobeck.

250.000 Euro sind viel Geld. Die Beteiligten werden nun aber darauf achten müssen, dass nicht zu viel Geld in Papier, sprich in Konzepte investiert wird. Der Umbau eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses ist aufwändig (und kostet manchmal viel Geld), selbst wenn es zunächst nur um die Sanierung des Erdgeschosses geht. Gut daher, dass die heimischen Geldhäuser ins Boot geholt werden. Auch Geräte für den Outdoor-Sport haben manchmal ein beachtliches Preisniveau, das Projektpläne strapazieren kann. Außerdem werden alle darauf achten müssen, dass bei den eingeplanten und durchaus wichtigen Beteiligungsprozessen die Diskussionen zielführend sind und nicht so ausufernd geführt werden, dass am Ende keine Zeit mehr für die Umsetzung bleibt. Drei Jahre sind schnell vergangen.

Experten geben Empfehlungen für Problemzonen

Krimhild Fricke, Joachim Mertens, Dr. Ulrike Wendland, Thomas Dienberg, Dr. Sabine Michalek.

Sie haben das Schöne gesehen in Einbeck. Aber auch die Problemzonen. Die Mitglieder der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz im Bundesinnenministerium waren zu ihrem zweitägigen Herbsttreffen gemeinsam mit weiteren Experten der Städtebauförderung in der Stadt zu Gast und unterwegs. Ein gemeinsamer „problemorientierter Stadtrundgang“ stand neben Vorträgen im Rathaus auf der Tagesordnung. Entstanden sind daraus mehrere Empfehlungen. „Wir sind dankbar für die Expertise“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Das bringt uns weiter, vermittelt wertvolle Kontakte und Hinweise.“ Beim Abschlussgespräch waren auch Vertreter mehrerer Ratsfraktionen dabei. „Stadtentwicklung geht uns alle an“, sagte Michalek. Gefragt sei eine inhaltliche, keine politische Diskussion. Über eine sachliche, von Inhalten bestimmte Debatte in diesen Fragen würde sich auch der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen, Joachim Mertens, freuen. „Wir sind ermutigt worden“, lautete sein Fazit. Und Krimhild Fricke, im Rathaus zuständig für Denkmalpflege, ergänzte: „Uns ist der Rücken gestärkt worden.“

Die Expertengruppe besteht aus Stadtplanern, Denkmalpflegern, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern und begleitet das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz fachlich. Man verstreue bei den Besuchen und den Empfehlungen nicht die Weisheit, formulierte es die Vorsitzende Dr. Ulrike Wendland, Landeskonservatorin in Sachsen-Anhalt. Das Gremium sei selbst lernend, nehme bei den Besuchen viel auf und sehe sich eher als ein Verteiler von Wissen. Erschwernisse für Investments in alten Häusern seien übrigens nicht allein Fragen des Denkmalschutzes, sagte Vorsitzender Thomas Dienberg, Stadtbaurat in Göttingen. Kreditvergaberichtlinien machten es schon Menschen ab 50 Jahren oftmals schwer, noch investieren zu können.

Im Fokus der Expertengruppe stand das aktuelle Fördergebiet Neustadt-Möncheplatz. Die Neustadt südlich der Altendorfer/Hullerser Straße wirke wie ein „vergessener Stadtteil“, sei aber durch seine Nähe als Wohnquartier äußerst attraktiv. Dafür müsse jedoch die ehemalige B3-Ortsdurchfahrt noch stärker ihren trennenden Charakter verlieren, dürfe der Autoverkehr nicht mehr so deutlich dominieren. Den bevorstehenden Umbau des Neustädter Kirchplatzes sehen die Experten als Anker für eine Revitalisierung und guten Impuls für eine Quartiersbelebung. Vorbildlich habe hier die Stadt einen Architektenwettbewerb ausgelobt, der einen multifunktionalen Platz ergeben habe. Die Fachleute raten bei der jetzt anstehenden Umsetzung dazu, auf dem Platz für Aufenthaltsqualität zu sorgen, ein Wasserspiel sei für Kinder immer anziehend. Keinesfalls sollte der Platz hauptsächlich zum Parken genutzt werden. Die Expertengruppe empfiehlt für den Platz das wertigere Natursteinpflaster statt Betonpflaster, von einer „Diskountlösung“ rieten die Fachleute ab, da ärgere man sich nach wenigen Jahren häufig nur.

Der Rundgang hat für die Expertengruppe ergeben, dass Sanierung durchaus Tradition in der Stadt habe, in manchen Bereichen aber längst die Sanierung der Sanierung angezeigt wäre. Dringend raten die Fachleute zu einer Werbeanlagen-Satzung. Der nicht einfache Weg zu einer solchen Satzung liefere oft schon wichtige Ergebnisse und führe dazu, Werbetafeln nicht überall lieblos an die Häuser zu montieren.

Bei der Baulücke Altendorfer Straße 24/26 empfehlen die Experten, den Bauplatz mit der in der Backofenstraße anliegenden ehemaligen Brennerei gemeinsam zu planen, wobei wie grundsätzlich in der Stadt die Kleinteiligkeit bleiben solle und nicht parzellenübergreifend gebaut werden sollte. In der aktuell mit Containern besetzten Baulücke könne attraktiver Wohnraum geschaffen werden, vielleicht sogar in moderner Holz-Lehmbauweise. Das könnte dann auch den Ruf von Einbecks Baukultur, die in früheren Jahrhunderten durchaus vorbildlich war, wieder erneuern. Auch das Areal Ecke Knochenhauerstraße / Neue Straße sollte nach Expertenmeinung schnellstmöglichst wieder bebaut werden. Jahrelange Brachen seien die falschen Antworten auf Stadtentwicklung.

Ermutigt hat die Expertengruppe die Stadt Einbeck, sich Gedanken über den Möncheplatz zu machen, den ersten Platz für mit der Bahn anreisende Besucher, die auf dem Weg zum Marktplatz sind. Das dauere seine Zeit, die Bürger sollten bei einem Ideenwettbewerb beteiligt werden, vielleicht lasse sich auch eine Hochschule gewinnen, hier vergleichbar einem Architektenwettbewerb Pläne zu machen.

Waisenhaus-Sanierung abgeschlossen

Seltenes Leiterfachwerk: die Fassade des sanierten ehemaligen Waisenhauses in der Baustraße nach den zwei Jahre dauernden Bauarbeiten.

Nach zwei Jahren Bauzeit ist die Sanierung des ehemaligen Waisenhauses in der Baustraße in Einbeck abgeschlossen. Lediglich wenige Restarbeiten sind noch zu erledigen, bis die ersten Mieter voraussichtlich zum Jahresende einziehen können. Und der Stadtrat muss nächsten Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung zunächst noch die Mietpreis-Höhe festlegen. Das 1712 erbaute Haus mit dem in Einbeck einzigartigen Leiterfachwerk gehört den Einbecker Hospitalstiftungen, die ihre Objekte (insgesamt 130 Wohnungen, 150 Garagen) lediglich an Bedürftige vermieten darf, weil sie laut Satzung mildtätigen und gemeinnützigen Zwecken verpflichtet ist, wie Kämmerin Brigitte Hankel sagte, in deren Fachbereich die ursprünglich aus dem Mittelalter stammenden Stiftungen fallen. Die Aufgabe werde jetzt sein, neben der nachzuweisenden Bedürftigkeit Mieter zu gewinnen, die das Wohnen hier schätzen, sagte EWG-Geschäftsführerin Birgit Rosenbauer. Die Einbecker Wohnungsbaugesellschaft soll wie bei den anderen Hospitalstiftungen-Objekten die Verwaltung übernehmen. Abzuwarten bleibt auch noch, ob die CDU mit ihrem jüngst vorgelegten Antrag noch vor einer ersten Vermietung durchdringen wird, nach dem im einstigen Waisenhaus generationenübergreifendes Wohnen und eine Alten-WG entstehen soll. Auch darüber diskutiert der Stadtrat am Mittwoch bzw. dann in einer der nächsten Fachausschusssitzungen.

Denkmalpflegerin Krimhild Fricke zeigte den Politikern, was unter der Giebelfassade zum Vorschein kam (und dort aus Witterungsgründen wieder versteckt worden ist).

Am Ende dürfte die Sanierung rund 1,6 Millionen Euro gekostet haben, 53 Prozent davon werden über den Städtebaulichen Denkmalschutz im Programm der Städebauförderung finanziert. „Ein Glücksfall.“ – Ursprünglich war knapp eine Million Euro kalkuliert worden, ursprünglich war allerdings auch befürchtet worden, die Sanierung werde doppelt so teuer, was sich jetzt doch nicht ganz ergeben habe, berichtete Projektleiter Gunnar Groneweg bei einem Ortstermin den Kommunalpolitikern. Die Kostensteigerung war vor allem entstanden, weil Pilzbefall und der braune Kellerschwamm eine ausführlichere Sanierung notwendig machten. Auch 28 Deckenbalken des Fachwerks mussten auf einer Länge von 1,50 Meter ins Gebäude erneuert und mit den verbleibenden verblattet werden, um die Statik wieder herzustellen. Die von der Restauratorin Anja Stadler gesicherten Befunde an der Giebelseite sind aus Witterungsgründen auch wieder hinter einem Behang verschwunden, ihre Farbbefunde waren für die neue Farbgebung ausschlaggebend. Die 2013 begonnene Diskussion über eine Sanierung des ehemaligen Waisenhauses ende nun mit einem Denkmal mit Strahlkraft in die Umgebung, hieß es.

Ein Laubengang wurde vor die Nordseite gestellt, er erschließt die oberen Wohnungen.

Entstanden sind sechs zwischen 42 und 92 Quadratmeter große Wohnungen auf einer Gesamtfläche von rund 462 Quadratmetern. Die Wohnungen im oberen Geschoss werden über einen vorgesetzten Laubengang erschlossen. Die unteren Wohnungen sind barrierearm. Entfernt worden sind die Dachgauben, das Dachgeschoss wird nicht genutzt, ebenso wenig der Gewölbekeller. Zu jeder Wohnung gehört auf dem Hof ein Abstellraum. Für Erstaunen sorgte die vor allem von Grünen-Politikern vorgebrachte Nachfrage, warum keine Auto-Stellplätze vorgesehen worden seien. Man müsse in der historischen Stadt der Zukunft Mobilität ganz neu denken, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Auf dem Laubengang können die Bewohner vor ihren Wohnungen auf der Hofseite wie auf einem großen Balkon sitzen.

Nachtrag 05.09.2019: Der Ausschuss für Jugend, Familie und Soziales wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen nach dem Votum des Stadtrates mit dem CDU-Antrag „Selbstbestimmt leben – alternative Wohn- und Lebensformen ermöglichen“ beschäftigen. Die Zahl der Menschen, die im Alter auf Unterstützung und Hilfe angewiesen seien (und damit sei nicht Pflege gemeint), steige weiter an, begründete Ratsmitglied Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) den Antrag. Es gehe um geteilte Verantwortung auf Augenhöhe in einem Quartier. Im restaurierten Waisenhaus biete sich eine gute Chance, eine Alters-WG als alternative Wohnform zu etablieren, aber auch das benachbarte Haus Nummer 21 in der Baustraße, das saniert werde, sei möglicherweise passend. Offen blieb, warum für die zweifellos Zeit in Anspruch nehmende Diskussion über ein Projekt einer Alters-WG nicht die zwei Jahre währende Sanierungsphase des Waisenhauses schon genutzt wurde. Wenn die Wohnungen erst wieder alle vermietet sind, wird es schwerer zu argumentieren sein.

Augusts Brunnen sprudelt wieder

Restauriert: der Brunnen im Stiftsgarten vor der Stukenbrok-Villa.

August Stukenbroks Brunnen sprudelt wieder – frisch restauriert und im Innern modernisiert und wieder montiert. Aus den vier Löwen-Köpfen unten kommt jetzt sogar Wasser, das war durch eine unglückliche Konstruktion bisher nie der Fall, weil sie leicht verstopfen konnte, wie Restaurator Prof. Bernhard Mai heute berichtete. Die Patina für das frische Kupferblech des Brunnens wird schnell wieder kommen. Der kaiserliche Kommerzienrat und Fahrradversandkönig von Einbeck (1867-1930) hat sich den 3,60 Meter hohen Brunnen mit einem Durchmesser von zwei Metern nach der 1900-er Jahrhundertwende in seinen Privatgarten an seiner Villa am Ostertor bauen lassen, von wem ist unbekannt. August Stukenbrok hatte 1897 die Villa gekauft und begann 1907/1908 damit, das Gebäude dem Zeitgeschmack entsprechend umzugestalten. Der angrenzende, weitläufige Hausgarten war in diese Planung mit einbezogen. „Relikte dieser seinerzeit üppigen Ausstattung des Gartens sind heute noch erhalten, dazu gehört auch der besagte Brunnen“, berichtet Einbecks Denkmalpflegerin Krimhild Fricke.

Der heute nach erfolgter Restauration wieder aufgebaute 300 Kilo schwere, aus sechs Teilen bestehende Springbrunnen war in einem desolaten Zustand, als Prof. Bernhard Mai im August 2016 diesen begutachtet hat, mit Wathose stand er im Becken. „Die Stahl-Unterkonstruktion hatte sich fast im Rost aufgelöst“, sagt der Restaurator. Die Standfestigkeit sei nicht mehr die Beste gewesen, es fehlten Teile der Wassertechnik. Im Mai 2017 war Startschuss des Projekts, das von der Politik in Einbeck ohne jegliche erinnerliche Diskussion positiv begleitet worden ist, bekam das Büro von Prof. Mai aus Erfurt den Auftrag der Fachplanung und die Betreuung der Baumaßnahme. Am 2. November 2017 wurde der Brunnen für die Restaurierungsarbeiten demontiert, aus der Teichanlage entfernt und für die Arbeiten in die Werkstatt gebracht. Bis Anfang April 2018 sind die Restaurierungsarbeiten sowie weitergehende Maßnahmen im Bereich der Teichanlage durchgeführt worden. Wie Bauamtsleiter Frithjof Look berichtete, wurden dabei die Teichanlage ausgebessert, der Ablauf für das Teichwasser überarbeitet, der Schaltschrank elektrotechnisch auf den neuesten Stand gebracht und der Platz für die neue Pumpe, einschließlich Steuerung, hergestellt. Außerdem ist die Wasserführung neu verlegt worden. Die Kosten der Sanierung des Brunnens belaufen sich auf 40.000 Euro. Hinzu rechnen muss man die Kosten für den Bauhof und die Elektroarbeiten sowie die Instandsetzung des Teichablaufs in Höhe von etwa 14.000 Euro. Eine Förderung hat es für dieses Projekt nicht gegeben, die Stadt Einbeck zahlt das Geld aus ihrem Haushalt.

Ein Video vom Aufbau:

Bildergalerie:

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Konzepte werden auch Realität

Steht schon leer, kann saniert werden: das ehemalige Waisenhaus.

Das ehemalige Waisenhaus in der Baustraße ist nicht die Marktstraße, ist nicht die Tiedexer Straße, ist weder Möncheplatz noch Neustädter Kirchplatz, und das Gebäude mit dem seltenen Leiterfachwerk ist, bei allem Respekt, auch nicht das historische Alte Rathaus. Trotzdem ist es richtig, dass mit der Sanierung des aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden ehemaligen Waisenhauses auch einmal Konzepte der Stadt Realität werden, und nicht nur auf dem Papier existieren. Gleichwohl hat es auch gut zwei Jahre gedauert, seitdem das Konzept in den politischen Gremien vorgestellt und auf den Weg gebracht worden war. Jedenfalls nimmt die Stadt die zurzeit anlaufende Sanierung gerne als Beispiel, mit dem sie Kritikern der grassierenden Konzeptionitis (zu denen ich ja auch gehöre, und das noch viel früher als andere) entgegen tritt. Beim zum zweiten Mal in Einbeck organisierten Tag der Städtebauförderung war das Interesse an Rundgängen durch das Sanierungsgebiet Neustadt-Möncheplatz durchaus groß. Die Teilnehmer besuchten Objekte und Hinterhöfe mit Potenzial, unter anderem in der Backofenstraße,von deren Sanierungen sich die Stadt u.a. auch Initialzündungen für die weitere Modernisierung von Gebäuden verspricht.

Innenhof mit Nebengebäuden des ehemaligen Waisenhauses.

Blick vom Waisenhaus.

Architekt Matthias Jung (Hildesheim) hat das Vorhaben ehemaliges Waisenhaus in der Baustraße vorgestellt und die Planungen einigen Interessierten erläutert, entstehen sollen kleinere und größere Wohnungen, einige barrierefrei, die aktuell bereits leer stehenden Wohnungen sollen nach Ende der Sanierung dem Stiftungszweck der Einbecker Hospitalstiftung entsprechend sozial vermietet werden: an Junge und Ältere, an Singles wie Familien. Der Hospitalstiftung gehört das Gebäude, über ihren Haushalt wird die Sanierung auch finanziert, der Löwenanteil der Kosten (rund eine Million Euro waren zuletzt kalkuliert) wird über das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz getragen. Die Ausschreibungen für die Bauarbeiten laufen derzeit, in den nächsten Wochen können nach der Vergabe der Gewerke die ersten Handwerker tätig werden. Im Sommer 2018 könnte dann tatsächlich eine Planung, ein Konzept realisiert sein.

Großes Interesse am vor der Sanierung stehenden ehemaligen Waisenhaus: Architekt Matthias Jung und Krimhild Fricke (Denkmalpflege Stadt Einbeck) erläutern das Vorhaben.

Die Mauer muss bleiben

Ein unscheinbares, aber herausragendes Baudenkmal (v.l.): Krimhild Fricke, Frank-Dieter Pfefferkorn, Frithjof Look und Christian Fricke freuen sich über den Erhalt der Lehmmauer in Greene.

Ein unscheinbares, aber herausragendes Baudenkmal (v.l.): Krimhild Fricke, Frank-Dieter Pfefferkorn, Frithjof Look und Christian Fricke freuen sich über den Erhalt der Lehmmauer in Greene.

Ortsbürgermeister Frank-Dieter Pfefferkorn (Bürgerliste) freut sich über das Engagement der Stadt bei der Sanierung der Lehmmauer im Greener Amtspark. „Einbeck lässt uns nicht allein“, entgegnet er einer vielfach geäußerten Befürchtung, nach der Fusion Kreiensens mit Einbeck würden die Ortschaften der ehemaligen Gemeinde Kreiensen vernachlässigt. Aktuell kümmert sich das Bauamt der Stadt um ein weiteres Denkmal im Flecken Greene, wird auch das Turmdach der Greener Burg saniert, dort dringt Wasser in die Mauern ein. Diese rund 20.000 Euro teure Sanierung sollte ursprünglich bereits 2015 realisiert werden, war dann aber aus dem Haushalt gestrichen worden. Der ausführenden Firma ist für die Abdichtungsarbeiten ein Zeitfenster vom bis 9. September vorgegeben worden.

Ein „unscheinbares, aber herausragendes Baudenkmal“ nennt Einbecks Bauamtsleiter Frithjof Look die Lehmmauer im Amtspark von Greene, deren Ursprünge wahrscheinlich in die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts zurück reichen. 130 Meter der früher längeren Begrenzung des einstigen Domänengeländes in Greene sind heute noch erhalten. Aber die Mauer neigt sich, teilweise um 30 Zentimeter. Deswegen werden zwei insgesamt 55 Meter lange Abschnitte ab dem 22. August mit Holzdreiecken abgestützt, damit die Mauer nicht umstürzt.

Die Stützdreiecke sollen im Abstand von 1,50 Meter aufgebaut werden und halten einer Belastung von maximal 400 Kilogramm stand, erläutert Christian Fricke vom Bauamt der Stadt Einbeck. Nach dieser vom Kommunalen Bauhof der Stadt Einbeck erfolgenden, etwa vier bis sechs Wochen dauernden Arbeiten soll im Herbst eine 15.000 Euro Sanierungsplanung in Auftrag gegeben werden. Diese wird laut Fricke auch ergeben, wie teuer eine Sanierung der Greener Lehmmauer wird. Dafür werde man Fördermittel beantragen, kündigte Bauamtsleiter Frithjof Look an. Das Schadensgutachten und die Notsicherung kosten bereits 55.000 Euro, das im Haushalt der Stadt bereit steht.

Die Lehmmauer im Amtspark ist in so genannter Stampflehmbauweise errichtet, erläutert Krimhild Fricke, Denkmalschutz-Expertin bei der Stadt Einbeck. Diese Pisé-Bauweise stamme eigentlich aus südlicheren, trockeneren Gegenden als in Norddeutschland. Vermutlich habe die französische Zeit des Königreichs Westfalen Anfang des 19. Jahrhunderts diese Bautechnik nach Greene gebracht. Auf einem 30 Zentimeter hohen Kalk-Natursteinsockel ist erdfeuchter Lehm zwischen eine druckfeste Schalung geschüttet und verdichtet worden; die Holzquerbalken der Verschalung sind noch in der Mauer zu erkennen. Der Steinsockel werde nach der Notsicherung wieder besser sichtbar, sagt Fricke, dafür werde im Park Erde abgetragen. Die Tatsache, dass die Lehmmauer windgeschützt steht und nicht bautypisch oben unter Dachziegeln mit einem Ringbalken abgedeckt ist, habe zur Standsicherheit ebenso beigetragen wie der teilweise Efeu-Bewuchs.

Was jetzt in Greene allerdings noch fehlt, ist eine Sanierung der Fassade des Amtshauses, in dem der Kindergarten untergebracht ist, diese Fassade ist aktuell nur notdürftig mit Bauzaun und Holzdach abgeschirmt, damit keine bröckelnden Steine auf die Spielfläche des Kindergartens fallen können.

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Gesundheitszentrum: Im Zentrum oder am Stadtrand?

Überlegen, ein Gesundheitszentrum für ambulante und stationäre Medizin-Versorgung in Einbeck neu zu bauen (v.l): Geschäftsführer Dr. Olaf Städtler, Hauke Heißmeyer, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Treuhänder Jochen Beyes.

Überlegen, ein Gesundheitszentrum für ambulante und stationäre Medizin-Versorgung in Einbeck neu zu bauen (v.l): Geschäftsführer Dr. Olaf Städtler, Hauke Heißmeyer, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Treuhänder Jochen Beyes.

Mit ihrem „Einbecker Modell“ der Krankenhaus-Rettung schreiben die engagierten Macher seit drei Jahren bundesweit Schlagzeilen, einige Journalisten-Kollegen sprachen von widerspenstigen Galliern, was den Klinik-Rettern bis heute gefällt. In Hannover sprechen sie wieder mit dem und über das Einbecker Krankenhaus – es gelte dort als gesetzt für die Versorgung im Landkreis Northeim, haben die umtriebigen Einbecker in der Landeshauptstadt von höchster Stelle in Gesprächen erfahren. Das Einbecker Bürgerspital schreibt nach erfolgreicher Sanierung heute schwarze Zahlen, hat keine Schulden mehr (außer einem städtischen Darlehen, das als stille Beteiligung gilt) und hat auch bereits erhebliche Summen in insgesamt siebenstelliger Höhe in Modernisierung von Stationen und Intensivstation, Küche oder Sterilisations-Abteilung investiert. „Doch das ändert nichts grundsätzlich an der Bausubstanz des 45 Jahre alten Krankenhauses“, sagen die Geschäftsführer Dr. Olaf Städtler und Hauke Heißmeyer. Deshalb haben die Einbecker gemeinsam mit dem Treuhänder der gGmbH-Gesellschafter, Jochen Beyes, in den vergangenen Monaten intensiv Klinken geputzt – im hannoverschen Sozialministerium ebenso wie bei Krankenkassen. Die Idee: In einem Neubau sollen ambulante und stationäre medizinische Versorgung verknüpft werden – als Einbecker Gesundheitszentrum.

Positiv hat die lokale Politik die Überlegungen aufgenommen. Der Verwaltungsausschuss des Einbecker Stadtrates hat nach Angaben von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek vergangene Woche einstimmig beschlossen, in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit dem Bürgerspital begleitet von Experten ein Konzept zu entwickeln, wie ein Gesundheitszentrum konkret aussehen sollte. Zuvor hatten Geschäftsführung und Gesellschafter-Vertreter im nicht-öffentlich tagenden Ratsgremium vorgetragen und ihre Überlegungen erläutert. Alle, die man gefragt habe, hätten zu einem Neubau geraten, das bestehende Krankenhaus im laufenden Betrieb umzubauen sei nicht nur unterm Strich teurer, sondern auch eine komplexe und unattraktive logistische Herausforderung, soll nicht gleichzeitig die Patientenversorgung leiden, sagen die Klinik-Verantwortlichen. Im Gespräch sind die Einbecker nach eigenen Angaben bereits mit renommierten Krankenhaus-Architekten wie Prof. Linus Hofrichter und dem Referenten für Krankenhausplanung im Sozialministerium, Guido von den Benken.

Als erste Entscheidung steht dabei die Grundsatzfrage nach dem idealen Standort an, die möglichst schnell geklärt werden soll, bevor die weiteren Planungsschritte folgen: Am Stadtrand oder im Zentrum? Die Antwort darauf sei noch völlig offen, betonen Treuhänder, Geschäftsführer und Bürgermeisterin, die Suche beginne jetzt. Jedes Jahr muss das Krankenhaus rund 700.000 Euro an Baureparaturen investieren. „Das halten sie nicht lange durch“, sagt Jochen Beyes. Vor allem ist es besser, das erwirtschaftete Geld wieder in die Patientenversorgung zu investieren. Und nicht in Steine (dafür ist das Land Niedersachsen zuständig), sondern in Menschen. Auch in die Mitarbeiter, die noch immer Lohnverzicht üben. Wie gut dem Einbecker Bürgerspital („Nah und persönlich“) die Patientenorientierung gelungen ist, zeigen Ergebnisse aktueller Patientenbefragungen von Ende Februar 2016. Die Einbecker Klinik liegt weit vorne dabei.

Soll das neue Gesundheitszentrum am Stadtrand oder im Zentrum stehen? Für beide Varianten gibt es gute Argumente. Mich überzeugen momentan diejenigen mehr, die fürs Zentrum sprechen. Eine verknüpfte ambulante und stationäre Versorgung von Patienten im Herzen der Stadt kann beispielsweise Probleme der Erreichbarkeit elegant lösen: Viele können dann einfach auf kurzem Weg in die Klinik gelangen, ohne das Auto nutzen zu müssen. Es kann die Kernstadt beleben. Vielleicht lässt sich auch ein Ort finden, der beides ist, Zentrum und Stadtrandlage. Auch eine Platz-Bebauung sollte man ohne Denkverbote noch einmal überlegen: Möncheplatz, Neustädter Kirchplatz? Für ein Konsum-Kaufhaus fand sich in der Bevölkerung keine Akzeptanz. Warum aber nicht für ein Krankenhaus mit integrierten Arzt-Praxen für die ambulante Versorgung? Doch die Überlegungen der Klinik-Macher sind erst so frisch öffentlich geworden und noch vage, so dass für eine abschließende Bewertung noch mehr Details benötigt werden.

Immer weniger und immer ältere Menschen im ländlichen Raum, immer weniger niedergelassene Ärzte in der Fläche – diese und weitere Probleme habe nicht nur Einbeck, sagt der kaufmännische Klinik-Geschäftsführer Hauke Heißmeyer, seit Januar neu im Amt. Und deshalb wollen die Einbecker mit einem Pilotprojekt zum Vorreiter für andere Gemeinden werden, zum Beispielgeber. Der Baukörper müsse sich den Bedürfnissen des 21. Jahrhunderts anpassen, sagt Heißmeyer. Dazu gehörten alle Ideen jetzt auf den Tisch gelegt und diskutiert. Kann der Rettungsdienst an das Haus angegliedert werden? Wie ist es mit einer Kurzzeitpflege, wie mit einem Hospiz? Wie können Patienten post-operativ im ländlichen Raum besser zuhause versorgt werden? Über das jetzt zu entwickelnde Gesundheitszentrum-Konzept wollen die Einbecker das notwendige Fördergeld für einen Neubau beschaffen. „Wir brauchen die Finanzmittel des Landes Niedersachsen“, sagt Heißmeyer. Aus Hannover gibt es zwar bislang keine Zusagen, erst recht keine finanziellen, aber „es wird in Hannover darüber nachgedacht“, sagt Dr. Olaf Städtler, „und da sind wir verpflichtet zu handeln.“ Überlegungen freilich gibt es schon länger, berichtet Treuhänder Beyes. Vor zwei Jahren habe man bereits hinter den Kulissen einen strukturierten Prozess zu dieser Thematik gestartet. Die Einbecker sind halt gerne vorbereitet, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Solche Sparschweine, wie sie hier (v.l.) Wilhelm Fricke, Hermann Kahle und Henning Juskowiak zeigen, werden an vielen Stellen der Region Einbeck und Dassel stehen und um kleine Betten-Spenden werben.

Solche Sparschweine, wie sie hier (v.l.) Wilhelm Fricke, Hermann Kahle und Henning Juskowiak zeigen, werden an vielen Stellen der Region Einbeck und Dassel stehen und um kleine Betten-Spenden werben.

Wie sehr sich die Menschen der Region mittlerweile mit „ihrem“ Bürgerspital identifizieren, zeigt die gerade gestartete Aktion „Bürger spenden für Betten“. Nicht jeder kann einen großen Spendenscheck mit großen Geldsummen überreichen. Viele möchten dennoch gerne das Einbecker Bürgerspital unterstützen – im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Durch die Initiative „Bürger spenden für Betten“ von Hermann Kahle, Henning Juskowiak und Wilhelm Fricke soll das gelingen. Ihre Idee: Wenn nur die Hälfte der im Einzugsbereich des Krankenhauses in den Städten Einbeck und Dassel lebenden Menschen je 1 Euro spendet, kann das Einbecker Bürgerspital für diese 20.000 Euro acht neue Krankenbetten kaufen. Jetzt haben Hermann Kahle (Vardeilsen), Henning Juskowiak (Vardeilsen) und Wilhelm Fricke (Ellensen) mit der Hilfe der örtlichen Sparkasse und Volksbank rote und blaue Plastik-Sparschweine an alle Ortsbürgermeister und Ortsvorsteher der Städte Einbeck und Dassel verteilt, außerdem an viele Geschäfte in der Kernstadt. Rund 200 Sparschweine werden an vielen Stellen in Einbeck und Dassel sowie in den 46 und 16 Ortschaften der beiden Gemeinden zum Spenden bereit stehen – beim Bäcker, in der Dorfkneipe oder bei Handwerkern und Gewerbetreibenden. Auf möglichst vielen Ladentresen sollen die Betten-Sparschweine mit dem Klinik-Logo stehen. Am 31. Juli wollen sie Kassensturz machen und die Aktion bilanzieren. „Ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommt und freue mich riesig über das Engagement und die Initiative von Bürgern in ihrer Freizeit“, sagt der medizinische Geschäftsführer Dr. Olaf Städtler.

Video zur Bettenspenden-Aktion:

(Aktualisiert 27.05.2016)

Nachtrag 27.05.2016: Die CDU-Ratsfraktion hat nach einem Besuchstermin und Gespräch mit Krankenhaus-Geschäftsführung sowie Treuhänder ihre volle Unterstützung der Neubaupläne erklärt. „Was wir tun können, werden wir tun“, wird Fraktionschef Dirk Ebrecht in einer vom Einbecker Bürgerspital verbreiteten Pressemitteilung zitiert. Ergebnisse des Arbeitskreises Standort sollen Ende Juni im Verwaltungsausschuss des Einbecker Stadtrates besprochen und zeitnah entschieden werden.

Viel Platz, aber mit Absicht und gut begründet

(c) Planorama, Berlin

Viel Platz auf dem Neustädter Kirchplatz. Blick in Richtung Amtsgericht. (c) Planorama, Berlin

Viel Platz auf dem Neustädter Kirchplatz. Aber mit Absicht und gut begründet. Dieses Fazit ziehe ich nach intensiver Beschäftigung mit dem Sieger-Entwurf der Berliner Landschaftsarchitekten „Planorama“, auf den sich einstimmig die Preisrichter des Architektenwettbewerbs für den Neustädter Kirchplatz geeinigt haben. Ingesamt 14 Beiträge waren eingereicht worden. Einen ganzen Tag lang hat gestern das Preisgericht im Alten Rathaus in Einbeck in strenger Klausur getagt und die unterschiedlichen Architekten-Beiträge bewertet. Die Sieger-Gestaltungsideen haben die aus Experten und Vertretern des Stadtrates zusammen gesetzte Jury so überzeugt, dass sie keinen zweiten, sondern nur zwei dritte Preise vergeben hat. Diese gehen an die Landschaftsarchitekten Franz Reschke (Berlin) und Kilian Frenz (Bremen). Der Entwurf von Wette & Küneke (Göttingen) erhielt eine Anerkennung. Der Sieger-Entwurf von „Planorama“ für das rund 6500 Quadratmeter große Areal unweit von Brauerei und Amtsgericht besteche vor allem durch seine durchdachte, reduzierte Aufteilung des Platzes, begründet das Preisgericht seine Entscheidung. Funktionen wie knapp 40 Parkplätze (auf der Südseite), Bushaltestellen (an der Benser Straße), ein Pavillon mit Café, Radservice-Point und öffentlichen Toiletten wurden von den Architekten umlaufend an den Rändern des Innenstadt-Platzes angeordnet, auf dem gepflasterten Platz selbst soll es einzig einen großen Brunnen geben. „Die Mitte bleibt tendenziell frei und steht multifunktional für Aufenthalt und als Verteiler zwischen den Angeboten an den Rändern sowie für Veranstaltungen zur Verfügung“, beschreiben die Planer von „Planorama“ ihren Entwurf. „Der schlichte, offene Raum bietet Abstand, die historische Kulisse und die Details der einzigartigen Baukunst vergleichbar der Betrachtung eines historischen Gemäldes in einem ansonsten leeren Museumsraum sinnlich zu erleben und wirken zu lassen.“

Einigte sich auf einstimmig auf den Sieger-Entwurf von „Planorama“ aus Berlin: Das Preisgericht des Architektenwettbewerbs für den Neustädter Kirchplatz in Einbeck.

Einigte sich auf einstimmig auf den Sieger-Entwurf von „Planorama“ aus Berlin: Das Preisgericht des Architektenwettbewerbs für den Neustädter Kirchplatz in Einbeck.

„Ein Platz wird wieder sichtbar, der im Moment optisch verloren gegangen ist“, schreiben die „Planorama“-Landschaftsarchitekten. Das alles gefällt mir. Wenn die Straße direkt vor dem Amtsgericht wegfällt (wie es der Entwurf vorsieht) und die nahezu im Vergleich zu heute identische Zahl von Parkplätzen auf der Südseite hinter den bestehenden Linden über eine Sackgasse von der Benser Straße aus angefahren werden kann, dann kann das auch eine Sogwirkung entfalten für das vielleicht ja dann endlich einmal besser genutzte Parkhaus der Stadtwerke. Die Lkw der Brauerei sollen nach dem Entwurf unverändert den Brauereihof ansteuern können. Auch die geplante Bushaltestelle an der östlich Seite der Benser Straße nördlich der Backofenstraße hat durchaus Charme, über den man einmal in Ruhe nachdenken sollte. Durch die so genannten Kastenbäume entlang der Hullerser Straße und den Pavillon mit einem freifliegenden Dachteil bleiben wichtige Sichtachsen erhalten. Das Pflaster auf dem großen Platz soll übrigens aus regionaltypischem Naturstein gesetzt werden, höchsten Belastungen standhalten, außerdem mit gesägten Oberflächen und kleinen Fugen versehen sein, was einen hohen Laufkomfort für alle bedeutet. Barrierefreiheit soll gegeben sein.

(c) Planorama, Berlin

Kastenbäume und Sitzbänke auf dem Neustädter Kirchplatz. (c) Planorama, Berlin

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass der Neustädter Kirchplatz beispielsweise beim Eulenfest zu einem attraktiven Bühnen-Platz wird (anders als die verschämte Notbühne jetzt immer auf der Löwenkreuzung). Arbeitstitel „Volksmusik am Amtsgericht“?

„Ich bin der festen Überzeugung, dass das gewählte Verfahren ein sehr gutes Ergebnis geliefert hat“, sagte Einbecks Bauamtsleiter Frithjof Look nach der Entscheidung. Die Stadt hatte im November den so genannten freiraumplanerischen Architektenwettbewerb für den Neustädter Kirchplatz ausgeschrieben und zuvor im vergangenen Sommer die Bürger mit ihren Ideen beteiligt.

Die anderen platzierten Entwürfe (deren Pläne noch ein paar Tage lang auch in der Rathaushalle zu sehen sind) wirken auf den ersten Blick durchaus gefällig, aber salopp gesagt steht mir da für einen Platz, der multifunktional genutzt werden können soll, zuviel auf der Freifläche herum (Bäume, Holzgerüste etc.). Weniger ist durchaus mehr.

In der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 19. April soll die Politik jetzt darüber entscheiden, wie weiter geplant werden soll. Und ich habe die Hoffnung, dass der Sieger-Entwurf nicht bis zur Unkenntlichkeit verwässert, sondern möglichst so umgesetzt wird. Hoffen darf man doch.

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