Wer für das Jugendparlament kandidiert

20 junge Menschen kandidieren für die 14 Sitze im neuen Jugendparlament. Einbecks Jugendliche zeigen damit anders als in anderen Städten großes Interesse, sich bei der neuen Form der Jugendbeteiligung einzubringen, freuen sich die Organisatoren rund um die Stadtjugendpflege.

Henrik Probst in der Multifunktionhalle. Foto: privat

Sie begleiteten die Endphase der Bewerbungsfrist mit hohem Werbeaufwand in allen Medien, da die persönliche Ansprache der Jugendlichen in der Corona-Zeit schwer war. Der Wahlausschuss, bestehend aus Teilnehmern des Hauses der Jugend, des Stadtjugendrings, der „Jungen Linde“ und der IGS Einbeck, prüfte zusammen mit Wahlleiter Henrik Probst vergangene Woche die Wahlvorschläge und erteilte sämtlichen 20 Bewerberinnen und Bewerbern die Zulassung zur Wahl. 

Kurze Bewerbungstexte, Statements und Ziele der Kandidierenden sind auf der künftigen Website des Parlaments unter www.jupa-einbeck.de öffentlich zugänglich. Das Online-Wahltool wird auf dieser Seite am 28. Juni freigeschaltet. Jeder und jede Jugendliche aus der Kernstadt und den Ortsteilen, der/die am ersten Wahltag zwischen 13 und 17 Jahre alt ist, kann einer Kandidatin oder einem Kandidaten im Wahlzeitraum vom 28. Juni bis 4. Juli  genau einmal eine Stimme geben. Hierzu ist den Jugendlichen Ende April eine offizielle Wahlbenachrichtigung per Post zugegangen, die einen zehnstelligen Wahlcode enthält, der nicht übertragbar ist und nur mit dem Namen verbunden eingesetzt werden kann. Sollte das offizielle Schreiben aus irgendwelchen Gründen abhanden gekommen sein und der Code nicht mehr zur Verfügung stehen, können sich die Jugendlichen von der Stadtjugendpflege Einbeck den persönlichen Code nochmals zusenden lassen. Hierzu reicht eine kurze E-Mail an hprobst@einbeck.de oder ein Anruf unter 05561 916419

Die erste konstituierende Sitzung des neu gewählten Jugendparlaments mit den 14 Parlamentariern, die die meisten Stimmen erhalten haben, soll dann auch noch vor den Sommerferien stattfinden. Der Stadtrat wird die bereits beschlossene Satzung am 23. Juni noch einmal redaktionell anpassen.

Die Geschäftsstelle und Zentrale des Jugendparlaments wird in der „Jungen Linde“ am Hubeweg eingerichtet. Die öffentlichen Sitzungen werden im Haus der Jugend oder in der Multifunktionshalle durchgeführt. Die Organisatoren des Jugendparlaments appellieren an die 1318 Wahlberechtigten, ihre Chance zur demokratischen Mitbestimmung zu nutzen und im Wahlzeitraum ihre Stimme für einen Kandidaten oder eine Kandidatin abzugeben, heißt es in einer Pressemitteilung.

Darüber, warum Jugendparlamente eine Chance für die Demokratie sein können, spricht der FDP-Landtagsabgeordnete und Landratskandidat Christian Grascha in einem Webtalk unter anderem mit Stadtjugendpfleger Henrik Probst. Grascha: „Die Partizipation von jungen Menschen an unserer Demokratie ist wichtig. Das gilt vor allem auch für die Kommunalpolitik, weil hier Entscheidungen unmittelbare Auswirkungen auf die Gegebenheiten vor Ort haben. Deswegen müssen junge Menschen mitreden können.“ Jugendparlamente seien ein erster Schritt dazu. Besonders die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Kinder und Jugendliche sehr in ihren Rechten eingeschränkt worden seien. Junge Menschen lernen in Jugendparlamenten, wie es zu Entscheidungen komme und welche Wirkungen Entscheidungen hätten, heißt es in einer Presseinformation von Christian Grascha. Gast im Webtalk ist neben Henrik Probst auch Florian Fechner, einer der weiteren Initiatoren und Lehrkraft an der IGS in Einbeck. Der Webtalk beginnt am Dienstag, 15. Juni, um 20 Uhr – und endet pünktlich um 21 Uhr enden, damit die, die wollen, das Vorrundenspiel Deutschland gegen Frankreich im TV sehen können. Der Webtalk findet via Zoom (!) statt, nicht wie bisher via Skype.

Wann und wie das Jugendparlament erstmals gewählt werden kann

Nachdem der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung den Weg für ein Jugendparlament in Einbeck frei gemacht hatte, soll das Gremium noch vor den Sommerferien erstmals gewählt werden. 14 Mitglieder wird das neue Jugendparlament haben. Jeder oder jede Jugendliche, der oder die zwischen 13 und 17 Jahre alt ist und mit erstem Wohnsitz in Einbeck oder einem Ortsteil gemeldet ist, kann sich zwischen dem 30. April und dem 28. Mai zur Wahl stellen. Was bei der Kandidatur genau zu beachten ist, wird den insgesamt Ende Juni rund 1320 wahlberechtigten Jugendlichen in einem Schreiben mitgeteilt, das auch gleichzeitig als Wahlbenachrichtigung dient und die Zugangsinformationen für die Online-Wahl beinhaltet.

Denn gewählt werden wird ausschließlich online. Der Schüler Tayron März hat die Programmierung der Homepage und der Software für die Online-Wahl übernommen. Hier haben sich mit Lisa Dittmann (Fachleitung Informatik an der IGS Einbeck) und dem IT-Experten Clemens Mickler weitere freiwillige Helfer gefunden, die von der Fachkompetenz und dem Einsatz des Schülers sehr beeindruckt sind und sich für die Idee des Jugendparlaments sofort begeistern ließen. Auch Informatiker des Vereins NerdBridge Einbeck haben angeboten, dem jungen Programmierer in Zukunft beratend zur Seite zu stehen.

Die Bekanntmachung der Wahlvorschläge, also der Kandidatinnen und Kandidaten, findet am 7. Juni statt. Der Wahlzeitraum für die Online-Wahl wird dann vom 28. Juni bis zum 4. Juli sein. Am 9. Juli soll das Wahlergebnis festgestellt und bekannt gegeben werden. Dann steht fest, wer für die nächsten zwei Jahre die Einbecker Jugendlichen in der Lokalpolitik vertritt.

Darüber hatte zuerst die „Junge Linde“ auf ihrer Internetseite berichtet. Die Stadtjugendpflege Einbeck, die „Junge Linde“ Einbeck und die IGS Einbeck werden als Kooperationspartner die Gründung des Jugendparlaments organisieren und das Parlament politisch und pädagogisch begleiten, wie es heißt. Tags drauf informierte nun auch Stadtjugendpfleger Henrik Probst in einer Pressemitteilung, wie die erste Wahl ablaufen soll. 

„Es ist wirklich schön zu sehen, dass das Vorhaben der Schülerinnen und Schüler auf einen solch fruchtbaren Boden gefallen ist“, lässt sich IGS-Lehrer Florian Fechner zitieren. Es freue ihn sehr, dass die Schülerinnen und Schüler erfahren dürften, dass ihr Einsatz Früchte trage und sie tatsächlich etwas in Einbeck in Gang bringen konnten. Der Wahlpflichtkurs Gesellschaftslehre des 9. Jahrgangs der IGS Einbeck hatte gemeinsam mit Henrik Probst von der Stadtjugendpflege eine Satzung und Wahlordnung für das künftige Jugendparlament verfasst, die der Stadtrat nun im März einstimmig beschlossen hatte. Die „Junge Linde“ ist mitten in den Vorbereitungen für die Einrichtung des Geschäftsstellen-Büros in unmittelbarer Nähe zum Rathaus.

Ein wenig merkwürdig hatte die Diskussion im Stadtrat noch geklungen, als das Alter für Mitglieder des Jugendparlaments mit Blick auf die Schulzeiten auf 19 Jahre verändert werden sollte. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit. In Niedersachsen können bei Kommunalwahlen zum Stadtrat und den Ortsräten alle ab 16 Jahren wählen und ab 18 Jahren auch in diese Gremien gewählt werden. Imgrunde müssten also eher viel mehr junge Menschen gleich direkt für die Räte kandidieren und dann auch gewählt werden, wenn Teilhabe ernst gemeint sein soll.

Das Jugendparlament in Einbeck gibt Jugendlichen in demokratischen Prozessen eine Stimme sowie die Chance, demokratisches Denken und Handeln zu erlernen und zu erleben, lautet das Ziel des neuen Gremiums. Das Jugendparlament soll Jugendliche befähigen, ihre Interessen auszudrücken und den Rat der Stadt Einbeck und die Stadtverwaltung bei Angelegenheiten und Themen zu beraten und zu unterstützen. Die Entwicklung von Kritikfähigkeit und Selbstbestimmung sollen dabei ebenso eine Schlüsselrolle einnehmen wie Partizipation, Mitbestimmung, Freiwilligkeit und wertschätzende Kommunikation, heißt es in der Presseinformation.

Das Einbecker Jugendparlament wird beratende Mitglieder mit Rede- und Antragsrecht, jedoch ohne Stimmrecht, in die Fachausschüsse des Rates der Stadt Einbeck entsenden. Mit zu entscheiden haben die jungen Menschen also nicht. Und ein Parlament ist das Jugendparlament eigentlich sowieso nicht. Eher ein Jugendrat. Denn auch der Stadtrat ist kein Parlament, Gesetze werden hier nicht beschlossen. Das aber ist konstitutiv für Parlamente, die Legislative. Aber das soll nur eine kurze Randbemerkung sein. Ich wollte nur mal wieder aus meinem Studium der Politikwissenschaften zitieren…

Das Organisationsteam der Jugendparlamentswahl in Einbeck (v.l.): Martin Keil, online dabei Lisa Dittmann und Clemens Mickler, sowie Tayron März, Henrik Probst und Florian Fechner. Foto: Stadt Einbeck

Nachtrag 13.05.2021: Nähere Informationen zur Wahl und zur Bewerbung gibt es nun auf der zukünftigen Internet-Seite des Jugendparlaments www.jupa-einbeck.de.

Auf dem Weg zum Jugendparlament

Einbeck ist auf dem weiten Weg zu einem Jugendparlament einen Schritt weiter, jedenfalls einen kleinen. Der zuständige Fachausschuss des Stadtrates hat gestern einstimmig beschlossen, die Stadtjugendpflege eine Satzung für das erste Einbecker Jugendparlament mit Projektpartnern und den Jugendlichen aus dem Wahlpflichtkurs Gesellschaftslehre der IGS Einbeck entwickeln zu lassen. Im Frühjahr 2021 könnten Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren dann ihr Parlament wählen.

Neu ist die Diskussion nicht, ob Einbeck entsprechend zum Seniorenrat auch eine gewählte Vertretung von Jugendlichen bekommen sollte. Schon 2014 gab es dazu Ideen, auch und gerade im Zusammenhang mit dem neuen Standort für das Haus der Jugend. Zuletzt gab es Beteiligungsprojekte für Jugendliche, wie etwa für Grundschüler oder aber „Pimp your town“ für ältere Jugendliche Ende 2019.

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) erinnerte an frühere Vorstöße ihrer Fraktion bei dem Thema Jugendparlament. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, befand sie. Die Motivation sei gut, weil die Initiative von Jugendlichen selbst komme. Und das ist der Fall: Im Wahlpflichtkurs Gesellschaftslehre der IGS Einbeck haben sich die Mädchen und Jungen mit dem Kinderrecht auf Partizipation auseinandergesetzt und daraus die Idee eines Jugendparlaments in Einbeck entwickelt. Dafür gab’s schon 2019 den dritten Platz beim Jugendpreis des Landkreises Northeim. IGS-Lehrer Florian Fechner berichtete, dass ein Schüler zurzeit ehrenamtlich das Voting-Tool und die Online-Plattform für das Jugendparlament programmiere, gerade auch dieses Engagement solle man nutzen. Die „Junge Linde“ Einbeck möchte als Kooperationspartner die Gründung des Jugendparlaments unterstützen und später das Parlament politisch und pädagogisch begleiten.

„Toll, dass die IGS Vorreiter ist“, sagte Gitta Kunzi (SPD). Ideen der jungen Leute aus den bisherigen Beteiligungsprojekten wie „Pimp your town“ seien ja bislang leider nicht umgesetzt worden, „dann werden Jugendliche mutlos“, kritisierte Kunzi. Das könne durch ein Jugendparlament verbessert werden, denn bei einem stetigen Parlament könnten Themen immer wieder aufgegriffen werden, sagten Stadtjugendpfleger Henrik Probst und IGS-Lehrer Florian Fechner. Bis sie schließlich umgesetzt sind.

Die Planungen sehen vor, dass nach der erarbeiteten Satzung im Frühjahr 2021 eine Wahl für das erste Einbecker Jugendparlament stattfinden kann. Zur Wahl können sich dann alle interessierten Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren stellen, die entweder ihren ersten Wohnsitz in Einbeck haben oder die eine weiterführende Schule in Einbeck besuchen. Die Kandidaten können sich per E-Mail mit einem kurzen Wahlprogramm bewerben, welches auf der Internetseite des Jugendparlaments vorgestellt wird. Die zwölf Kandidaten mit den meisten Stimmen werden zu Abgeordneten des Jugendparlaments, der Kandidat oder die Kandidatin mit den meisten Stimmen zum Jugendbürgermeister ernannt. Die Wahl soll auf der Online-Plattform des Jugendparlaments stattfinden.

Wie funktioniert Politik in Einbeck?

Großes Interesse: Schüler aus allen Einbecker Grundschulen besuchten die Veranstaltung in der Rathaushalle.

Stimmenabgabe für die simulierte Wahl, Stadtjugendpfleger Henrik Probst sammelte mit einer Pappbox die Zettel ein.

Wie funktioniert Politik in Einbeck? Eine erschöpfende Antwort auf diese Frage wünscht sich jeder manchmal, der auch nur ein wenig Kommunalpolitik in Einbeck beobachtet. Egal wie alt er ist. Alle Schüler der 4. Klassen aus allen Einbecker Grundschulen in der Kernstadt wie in den Dörfern machten diese Frage jetzt zu ihrem Motto. 230 Kinder haben sich bei zwei Demokratie-Veranstaltungen der Stadtjugendpflege Einbeck in Kooperation mit dem Institut für Demokratieforschung Göttingen mit dem Einbecker Stadtrat beschäftigt. Wer sind die Ratsmitglieder? Kenne ich die? Was machen die überhaupt? Wer kümmert sich um was? Kann ich mit denen einfach so reden? Wie sieht’s im Rathaus aus? Ziel des Projektes war, das politische Interesse der Kinder früh zu fördern und eine politische Transparenz auf kommunaler Ebene für die Kinder zu entwickeln. Die Kinder sollen merken, dass auch ihre Anliegen in der Kommunalpolitik unmittelbar Gehör finden können. Schon seit Jahren gibt es die – bislang leider noch nicht umgesetzte – Idee, über ein Jugendparlament vergleichbar dem Seniorenrat die junge Generation an der politischen Willensbildung zu beteiligen. Vielleicht gibt’s dafür jetzt neuen Schub.

Mehrere Mitglieder des Stadtrates stellten sich im Alten Rathaus bei den zwei Veranstaltungen den Fragen der Kinder, die teilweise von diesen zuvor im Unterricht vorbereitet worden waren. Nach einer ersten Gesprächsrunde in großet Runde und den ersten Stellungnahmen der Kommunalpolitiker fand eine simulierte Wahl statt. Bei den Kernstadt-Schulen schaffte die CDU 45 Prozent, die Grünen erreichten 29 Prozent, die SPD 25 Prozent, die FDP drei Prozent. Bei den Dorf-Grundschulen erzielte die CDU 35 Prozent, ebenso viel wie die SPD, die Grünen kamen auf 20 Prozent, die Bürgerliste erreichte zehn Prozent der Kinder-Stimmen.

In Kleingruppen hatten die Kinder anschließend die Möglichkeit, mit den einzelnen Ratsmitgliedern noch direkter zu sprechen, weitere Fragen zu stellen und konkrete Wünsche zu äußern. Auf dem Zettel, der anschließend zusammengestellt wurde, stand bei den Dorf-Grundschulen unter anderem schnelleres Internet, mehr Sitzplätze in Schulbussen, sauberere Toiletten in den Schulen, neues Schulmobiliar oder Winterspielgeräte auf dem Schulhof. Die Grundschüler aus der Kernstadt schrieben ebenfalls sauberere Schultoiletten auf ihren Wunschzettel, aber beispielsweise auch die Idee für ein neues Schwimmbad in der Teichenwegsschule, einen Fußballkäfig für den Schulhof, Trampolin und Lasertech für die neue Mehrzweckhalle oder gleich ein „Jumphouse“, mehr Personal für schnellere Essensausgaben in der Schulmensa, weniger Verkehr und mehr Elektroautos.

„Ich bin überrascht, wie interessiert ihr bei der Sache gewesen seid“, zog Dietmar Bartels (Grüne) ein Fazit. Lokale Themen würden durchaus großes Interesse bei den Kindern wecken. „Vieles würde nicht Millionen kosten“, sagte Gitta Kunzi (SPD) über die durchaus auch bescheidenen Wünsche der Kinder an die Politik. Dass die Verbesserung der Situation auf den Schul-WCs ein brennendes Thema für alle Schüler ist, nahmen die Politiker aus den Veranstaltungen mit. Dirk Ebrecht (CDU) hat sich bei den Gesprächen mit den Kindern durchaus auch an den Stadtrat erinnert gefühlt, wie er sagte, wo es auch immer viele wichtige Themen gebe, aber nicht alles gleichzeitig realisierbar sei und man nach Wichtigkeit sortieren müsse. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sagte, sie habe an dem Vormittag viel gelernt; sie wünschte sich eine Wiederholung der Veranstaltungen für die heutigen 3. Klassen in einem Jahr.

Deutlich wurde an den von Birgit Redlich vom Institut für Demokratieforschung moderierten Vormittagen, dass sich Kinder sehr wohl schon für Politik-Themen interessieren, selbst wenn sie noch nicht selbst wählen können. Schließlich sind sie auch unmittelbar von Politik-Entscheidungen betroffen. Dieses Interesse könnte im Unterricht für die Schüler stärker aufgegriffen werden. Weil die Kinder erfahren und erleben sollen, dass auch sie eine politische Partizipationsmöglichkeit haben und ihre Anliegen ernst genommen werden, wurde ein Projektprotokoll angefertigt; die inhaltlichen Ergebnisse werden in den Fraktionen des Stadtrates in den nächsten Monaten diskutiert und dann in den zuständigen Fachausschüssen behandelt. Darauf kann man gespannt sein.

Nachtrag 23.11.2018: Im Jugendausschuss berichtete gestern Stadtjugendpfleger Henrik Probst über das Projekt, das auf Initiative der SPD zustande gekommen war. Es habe sich gezeigt, dass die Methode für Kinder der 4. Klassen geeignet sei und dass die politische Wahrnehmung der Kinder über ihre alltägliche Lebenswelt hinaus gehe. Die Kinder seien interessiert an Personen wie an politischen Prozessen gewesen und hätten sehr realitätsbezogene Wünsche und Anregungen geäußert, sagte Probst. Die Politiker, die an den zwei Veranstaltungen teilgenommen hatten, seien sehr beeindruckt vom politische Verständnis der Kinder gewesen und hätten die Anregungen genutzt, um ihre parteipolitischen Inhalte zu erweitern, berichtete der Stadtjugendpfleger. Es hätten sich unterschiedliche Wünsche von Kinder aus den Ortschaften und aus der Kernstadt gezeigt. Das könne man so scharf nicht (mehr) trennen, besuchten doch viele Dorfkinder aus einigen Ortschaften inzwischen Kernstadtschulen, gab Antje Sölter (CDU) zu Bedenken. Im Ausschuss fand das Projekt aber allgemeines großes Lob, eine Fortsetzung mit dem Jugendbeteiligungs-Projekt „Pimp your town“ sei wünschenswert. „Wir müssen jetzt den zweiten Schritt gehen und die Wünsche der Kinder nicht vergessen“, sagte Gitta Kunzi (SPD). Dr. Marion Villmar-Doebeling (FDP) erkannte Hausaufgaben für den Schulausschuss was die Verbesserung der Toilettensituation in den Schulen betrifft. Beatrix Tappe-Rostalski (CDU) lobte fraktionsübergreifend: „Das war ein sehr guter Antrag der SPD.“ Eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltungen wird die Ratsfraktionen noch erreichen.

Standen Rede und Antwort (v.l.): Dietmar Bartels (Grüne), Bürgermeisterin-Vertreter Dr. Florian Schröder, Gitta Kunzi (SPD), Dirk Ebrecht (CDU), Reinhard Brinckmann (Bürgerliste Kreiensen).

Diskutierten am Donnerstag mit den Kindern (v.l.): Dr. Marion Villmar-Doebeling (FDP), Beatrix Tappe-Rostalski (CDU), Christine Jordan (SPD), Dietmar Bartels (Grüne) und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Kreative Ideen für Einbeck

Workshop des Sanierungsbeirats im Konzertsaal der Mendelssohn-Musikschule in der Stukenbrok-Villa.

Workshop des Sanierungsbeirats Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz im Konzertsaal der Mendelssohn-Musikschule in der Stukenbrok-Villa.

Allen ist bewusst, dass nicht sämtliche Ideen umgesetzt werden können. Und dennoch engagieren sich viele Einbeckerinnen und Einbecker seit mehreren Wochen ganz intensiv für die Zukunft ihrer Stadt. Sie diskutieren mit, bringen sich mit ihren persönlichen Kenntnissen und Wünschen ein. Und entwickeln kreative Ideen für Einbeck. Das freut mich sehr. ISEK, IEK, Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz – die Abkürzungen, Konferenzen und Workshops können momentan selbst gut im Thema stehende Menschen zwischenzeitlich durchaus mal verwirren, so dicht ist die Terminfolge. Unter dem Strich geht es immer um die Zukunft der Stadt. Ich habe mich persönlich im Sanierungsbeirat engagiert, als Vorsitzender der Fördervereins Alte Synagoge bin ich unmittelbar betroffen. Die Eindrücke von der Kreativität bei vielen engagierten Einbeckern bei mehreren Treffen sind dadurch noch intensiver geworden als ich sie als neutraler Beobachter hätte haben können.

Heute ging es beim Workshop zum Städtebaulichen Denkmalschutz im 9,25 Hektar großen Gebiet „Neustadt-Möncheplatz“ um die öffentlichen Plätze und Straßen. Das Förderprogramm soll jedoch vor allem private Investitionen der Hausbesitzer in dem Gebiet anstoßen. Dennoch können auch Änderungen im öffentlichen Raum zu einer Aufwertung des Stadtviertels führen und damit auch Hausbesitzer animieren, die eigene Immobilie attraktiver zu gestalten.

Faszinierend finde ich den Gedanken, dass der Storchenturm über eine Treppe begehbar sein könnte und Besucher von einer Plattform über die Stadt schauen würden. Wenn dann dieser alte, markante Turm abends gut aus- und angeleuchtet wird (wie die Stadtmauer am Bäckerwall), die Mauer durchlässiger und die Straße Häger Mauer allein für Anlieger zugänglich wird, wäre der westlichste Teil der Fördergebiets schon deutlich attraktiver und könnte ein Tourismus-Anziehungspunkt werden. Die Krönung wäre eine Freilichttheaterbühne an den Wallanlagen mit dem Storchenturm und der Stadt als Kulisse.

Auch der Möncheplatz, der innerhalb des Fördergebiets liegt, muss sich verändern, das ist vielen seit Monaten, gar Jahren klar. Ein besonders schöner Platz ist der Möncheplatz nicht. Aber er ist wichtig, als Platz. Wie er schöner werden und seiner städtebaulichen Funktion besser gerecht werden kann, zeigen Ideen, die Verkehrsführung auf dem Möncheplatz zu verändern, die Bushaltestelle auf die Ostseite zu verlegen, eventuell kleine Arkaden mit einem Kiosk zu errichten, Wasserspiele zu installieren. Dann könnten sich die Menschen wieder – abseits des Parkens, diese Funktion soll und muss der Platz erhalten – gerne auf dem Möncheplatz aufhalten. Neu war die Idee, vom Möncheplatz/Neuen Markt einen deutlich erkennbaren Durchgang zu dem Parkplatz hinter dem Gebäude Lange Brücke 9-11 zu schaffen. Die Überlegung, den markanten Wohnblock mit vorgesetzten Balkonen attraktiver zu machen, verdient eine nähere Betrachtung.

Viele Gedanken gab es auch, wie die rund 17.000 Fahrzeuge pro Tag aufnehmende Altendorfer Straße weniger als Barriere empfunden werden kann: Von der von Fußgängern gesteuerten langen Grünphase an der Löwenkreuzung über ein intensiver kontrolliertes Lkw-Verbot und fest installierte Blitzer bis zum Tempo 10, das eine Umleitung des Durchgangsverkehrs über die Bismarckstraße/Walkemühlenweg weiträumig provozieren würde (und freilich die Anlieger dort garantiert nicht begeistert).

Die Quartiersstraßen, so die Ideen, könnten durch Einbahnstraßen-Regelungen, veränderte Parkplatz-Aufstellung (quer) und barrierefreie Gestaltung (Bürgersteig und Fahrbahn auf einer Ebene) attraktiver werden. Zusätzliche, wohnungsnahe Gemeinschafts-Parkflächen für Anlieger könnten geschaffen werden, in dem Gebäude wie beispielsweise der ehemalige Aldi-Markt an der Baustraße abgerissen werden. Auch Innenflächen in einigen Quartieren der südlichen Altstadt lassen sich – bei gutem Willen der Hausbesitzer – entweder zu Anwohner-Parkraum verändern oder aber zu Grünflächen gestalten, die auch Spielplätze möglich machen. Dadurch könnte das Viertel für Familien wieder zum idealen, citynahen Wohngebiet werden.

Ich bin gespannt, wo die Prioritäten gesetzt werden, denn mit den in den nächsten zehn Jahren zur Verfügung stehenden 7,5 Millionen Euro ist nicht alles machbar, was wünschenswert sein mag. Noch vor der Sommerpause soll der Städtebauliche Rahmenplan vorliegen, der diese Prioritäten vorgibt. Dann wird es konkret.

20 Ideen für Einbeck sind bei der IEK-Umsetzungskonferenz entstanden.

20 Ideen für Einbeck sind bei der IEK-Umsetzungskonferenz entstanden.

Fast noch schneller konkret will der Diskussionsprozess über ein Integriertes Entwicklungs-Konzept (IEK) werden. Beim IEK geht es um die Infrastruktur von morgen bei rückläufigen Einwohnerzahlen. Aus den im Januar zusammengetragenen Strategien haben jetzt interessierte Vertreter aus vielen Lebensbereichen in Arbeitsgruppen bei der so genannten Umsetzungskonferenz für das IEK konkrete Projekte in der um Kreiensen gewachsenen Stadt Einbeck geformt. Es waren zwar weniger Interessierte als noch im Januar dabei, aber immer noch eine große Zahl.

Manche Ideen wie ein aus verschiedenen Verkehrsmitteln bestehendes Mobilitätssystem für Einbeck mit seinen 46 Ortschaften werden mehr Zeit und Geld benötigen, bis sie Realität werden können. Andere Vorschläge, wie der Biergarten in der Brandlücke, sollen schon im Sommer umgesetzt sein. Der Biergarten in der Brandlücke ist als Übergangslösung gedacht, bis das vor neun Jahren bei einem Großbrand in der Langen Brücke entstande freie Grundstück anders genutzt wird. Warum ist eigentlich eine solche Idee nicht viel früher entstanden?

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (links).

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (links) bei der Konferenz im BBS-Forum: Wir haben den Elan, so schnell wie möglich umzusetzen.

Bis Ende Mai wird eine Steuerungsgruppe die 20 entstandenen Projektumrisse so konkretisieren, dass sie Grundlage für Förderanträge sein können. „Das ist sehr ambitioniert“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, „aber wir haben den Elan, so schnell wie möglich umzusetzen“. In den nächsten Wochen werden die Ortsräte angehört. Einbeck mit Kreiensen ist in das Förderprogramm „Kleine Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“ aufgenommen worden.

Im City-Quartier Knochenhauerstraße/Neue Straße/Altendorfer Straße sollen Gebäude-Abrisse erwogen werden, um attraktives Innenstadt-Parken zu ermöglichen. Konkret ist auch die Idee, in dem seit Jahren leer stehenden Baudenkmal Walkemühle ein neues Jugendgästehaus entstehen zu lassen; das bisherige vom DRK betriebene Gästehaus musste der Kulturstiftung des PS-Speichers weichen. Für den zusätzlichen Neubau eines Bettenhauses sollen Fördergelder eingeworben werden.

Tanja Klein (stehend) von der Planungsgruppe Lange-Puche in einer Arbeitsgruppe beim IEK-Workshop.

Tanja Klein (stehend) von der Planungsgruppe Lange-Puche in einer Arbeitsgruppe beim IEK-Workshop.

Für Jugendliche soll vergleichbar dem Gremium Seniorenrat ein Jugendparlament entstehen, so der Wunsch: Junge Menschen hätten derzeit sehr wenige Möglichkeiten, auf sich und ihre Interessen aufmerksam zu machen. Die Dorfassistentin für ältere Menschen soll ihre dezentrale Tätigkeit in den bisherigen Ortschaften fortsetzen und durch sie eine Sogwirkung auf andere Dörfer entfalten; gesucht wird noch ein finanzieller Träger. Beim Thema Gesundheit wird ein regelmäßiger, einmal im Quartal zusammen kommender Runder Tisch gewünscht, der niedergelassene Ärzte, Krankenhaus-Mediziner und Ärztekammer zusammenführt. Hier wird die Stadt die Federführung übernehmen, erstmals soll er im Juni tagen.

Bei der Berufsfindung soll es nach dem Wunsch der Arbeitsgruppen eine Kooperation zwischen Schulen und Wirtschaft geben, um jungen Menschen frühzeitig eine Perspektive zu bieten. „Hierbleiber“ seien besser als „Rückkehrer“, hieß es. Im Bereich Sport ist ein Vereinsforum geplant, das die über 100 Sportvereine vernetzen soll. Auch eine Multifunktionshalle bleibt im Blick der Begierde.

Hajo Brudniok (stehend) in einer Arbeitsgruppe beim IEK-Workshop.

Hajo Brudniok (stehend) in einer Arbeitsgruppe beim IEK-Workshop.

Mehrere entwickelte Projektideen drehen sich um Internet-Plattformen, unter anderem eine Seite, um Ärzte und Pflegepersonal in die Region anzuwerben. Weitere Wünsche waren ein über statistische Angaben hinaus gehendes Leerstandskataster aller Grundstücke, aber auch ein Forum, das Ideen und Finanziers für Immobilien-Projekte in der Innenstadt zusammen bringt. Senioren wünschen sich ein barrierefrei programmiertes Infoportal mit vom Seniorenrat aktuell gehaltenen Angaben zum Beispiel über Aktivitäten und Hilfsmöglichkeiten für ältere Menschen.