Wann und wie das Jugendparlament erstmals gewählt werden kann

Nachdem der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung den Weg für ein Jugendparlament in Einbeck frei gemacht hatte, soll das Gremium noch vor den Sommerferien erstmals gewählt werden. 14 Mitglieder wird das neue Jugendparlament haben. Jeder oder jede Jugendliche, der oder die zwischen 13 und 17 Jahre alt ist und mit erstem Wohnsitz in Einbeck oder einem Ortsteil gemeldet ist, kann sich zwischen dem 30. April und dem 28. Mai zur Wahl stellen. Was bei der Kandidatur genau zu beachten ist, wird den insgesamt Ende Juni rund 1320 wahlberechtigten Jugendlichen in einem Schreiben mitgeteilt, das auch gleichzeitig als Wahlbenachrichtigung dient und die Zugangsinformationen für die Online-Wahl beinhaltet.

Denn gewählt werden wird ausschließlich online. Der Schüler Tayron März hat die Programmierung der Homepage und der Software für die Online-Wahl übernommen. Hier haben sich mit Lisa Dittmann (Fachleitung Informatik an der IGS Einbeck) und dem IT-Experten Clemens Mickler weitere freiwillige Helfer gefunden, die von der Fachkompetenz und dem Einsatz des Schülers sehr beeindruckt sind und sich für die Idee des Jugendparlaments sofort begeistern ließen. Auch Informatiker des Vereins NerdBridge Einbeck haben angeboten, dem jungen Programmierer in Zukunft beratend zur Seite zu stehen.

Die Bekanntmachung der Wahlvorschläge, also der Kandidatinnen und Kandidaten, findet am 7. Juni statt. Der Wahlzeitraum für die Online-Wahl wird dann vom 28. Juni bis zum 4. Juli sein. Am 9. Juli soll das Wahlergebnis festgestellt und bekannt gegeben werden. Dann steht fest, wer für die nächsten zwei Jahre die Einbecker Jugendlichen in der Lokalpolitik vertritt.

Darüber hatte zuerst die „Junge Linde“ auf ihrer Internetseite berichtet. Die Stadtjugendpflege Einbeck, die „Junge Linde“ Einbeck und die IGS Einbeck werden als Kooperationspartner die Gründung des Jugendparlaments organisieren und das Parlament politisch und pädagogisch begleiten, wie es heißt. Tags drauf informierte nun auch Stadtjugendpfleger Henrik Probst in einer Pressemitteilung, wie die erste Wahl ablaufen soll. 

„Es ist wirklich schön zu sehen, dass das Vorhaben der Schülerinnen und Schüler auf einen solch fruchtbaren Boden gefallen ist“, lässt sich IGS-Lehrer Florian Fechner zitieren. Es freue ihn sehr, dass die Schülerinnen und Schüler erfahren dürften, dass ihr Einsatz Früchte trage und sie tatsächlich etwas in Einbeck in Gang bringen konnten. Der Wahlpflichtkurs Gesellschaftslehre des 9. Jahrgangs der IGS Einbeck hatte gemeinsam mit Henrik Probst von der Stadtjugendpflege eine Satzung und Wahlordnung für das künftige Jugendparlament verfasst, die der Stadtrat nun im März einstimmig beschlossen hatte. Die „Junge Linde“ ist mitten in den Vorbereitungen für die Einrichtung des Geschäftsstellen-Büros in unmittelbarer Nähe zum Rathaus.

Ein wenig merkwürdig hatte die Diskussion im Stadtrat noch geklungen, als das Alter für Mitglieder des Jugendparlaments mit Blick auf die Schulzeiten auf 19 Jahre verändert werden sollte. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit. In Niedersachsen können bei Kommunalwahlen zum Stadtrat und den Ortsräten alle ab 16 Jahren wählen und ab 18 Jahren auch in diese Gremien gewählt werden. Imgrunde müssten also eher viel mehr junge Menschen gleich direkt für die Räte kandidieren und dann auch gewählt werden, wenn Teilhabe ernst gemeint sein soll.

Das Jugendparlament in Einbeck gibt Jugendlichen in demokratischen Prozessen eine Stimme sowie die Chance, demokratisches Denken und Handeln zu erlernen und zu erleben, lautet das Ziel des neuen Gremiums. Das Jugendparlament soll Jugendliche befähigen, ihre Interessen auszudrücken und den Rat der Stadt Einbeck und die Stadtverwaltung bei Angelegenheiten und Themen zu beraten und zu unterstützen. Die Entwicklung von Kritikfähigkeit und Selbstbestimmung sollen dabei ebenso eine Schlüsselrolle einnehmen wie Partizipation, Mitbestimmung, Freiwilligkeit und wertschätzende Kommunikation, heißt es in der Presseinformation.

Das Einbecker Jugendparlament wird beratende Mitglieder mit Rede- und Antragsrecht, jedoch ohne Stimmrecht, in die Fachausschüsse des Rates der Stadt Einbeck entsenden. Mit zu entscheiden haben die jungen Menschen also nicht. Und ein Parlament ist das Jugendparlament eigentlich sowieso nicht. Eher ein Jugendrat. Denn auch der Stadtrat ist kein Parlament, Gesetze werden hier nicht beschlossen. Das aber ist konstitutiv für Parlamente, die Legislative. Aber das soll nur eine kurze Randbemerkung sein. Ich wollte nur mal wieder aus meinem Studium der Politikwissenschaften zitieren…

Das Organisationsteam der Jugendparlamentswahl in Einbeck (v.l.): Martin Keil, online dabei Lisa Dittmann und Clemens Mickler, sowie Tayron März, Henrik Probst und Florian Fechner. Foto: Stadt Einbeck

Nachtrag 13.05.2021: Nähere Informationen zur Wahl und zur Bewerbung gibt es nun auf der zukünftigen Internet-Seite des Jugendparlaments www.jupa-einbeck.de.

Oppermanns Einbeck-Besuch

In der Einbecker Senfmühlen-Produktion (v.l.): Marcus Seidel, Rainer Koch und Thomas Oppermann.

Welches Dach auf dem Gebäude der einstigen Schröter’schen Druckerei am Möncheplatz zu seiner Zeit war, daran erinnert sich Thomas Oppermann nicht mehr so genau. Aber nebenan, in der Langen Brücke, dort war die “Tangente”, die Diskothek, die schon so viele Namen seitdem hatte. Das weiß der SPD-Bundestagsfraktionschef noch genau, der in Edemissen aufgewachsen ist und 1975 am Einbecker Gymnasium Abitur gemacht hat. Der Göttinger ist immer mal wieder in Einbeck, nicht allein aus politischen Gründen, auch durch familiäre Bindungen. In dieser Woche war Wahlkampf der Grund seiner Visite in der Bierstadt. Die Bundestagswahlen stehen am 24. September an, der örtliche SPD-Kandidat Marcus Seidel bekam vom prominenten Spitzengenossen in seiner Heimatstadt Unterstützung. Beide besuchten die Einbecker Kulturbüros am Möncheplatz und die Einbecker Senfmühle. “Auch bei meinem zweiten Besuch hat die Senfmühle nichts von ihrer Faszination verloren”, würdigte Thomas Oppermann das unternehmerische Engagement. “Es ist großartig, wie es sich entwickelt hat.” Senfmühlen-Chef Rainer Koch zeigte den Sozialdemokraten die Produktionsräume, kredenzte zum Abschied (hochprozentigen) Senfkorn.

Martin Keil (l.) mit Thomas Oppermann.

Bei seinem Besuch in den Kulturbüros am Möncheplatz ließ sich der SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende nicht nur über die Arbeit der Kulturschaffenden dort ins Bild setzen und den Co-Working-Space zeigen. In den Räumen entsteht auch das Magazin für das Fachwerk-Fünfeck, dem Projekt zur Vernetzung der fünf Fachwerkstädte Einbeck, Duderstadt, Osterode, Northeim und Hann.Münden. Der SPD-Politiker bezeichnete es als einen guten Ansatz in der strukturschwachen Region, dass sich die Städte gemeinsam stark machten. Bei Fachwerk gehörten die Städte zum Besten, was Deutschland da zu bieten habe. “Wir werden das Fachwerk-Fünfeck vom Bund aus fördern”, sagte Oppermann, “das drängt sich geradezu auf.” Die Koordinierungsstelle des Fachwerk-Fünfecks solle möglichst ein eigenes Budget bekommen, aus welchem Topf, das müsse noch geklärt werden. Nach der Wahl.

Und beim Gang durch die sommerliche Innenstadt gab’s dann noch weitere kurze Stippvisiten, zum Foto vor dem Alten Rathaus und im Einbecker Kinder- und Familienservicebüro am Hallenplan. Zufallstreffen schließlich auf dem Marktplatz – und ein kurzer Plausch unter Parteifreunden mit Moderator und SPD-Ratsherr Dennie Klose. Bis das politische Tagesgeschäft Thomas Oppermann schnell wieder einholte: Telefon-Schaltkonferenz des SPD-Parteipräsidiums in der Berliner Limousine – am Tag, als es in Niedersachsen schon um die nächste Wahl nach der Bundestagswahl ging…

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Neues aus den Höfen

Was wünschen sich die Menschen für das Quartier Tiedexer Höfe? Studierende der HAWK zeigen das auf Infotafeln in Schaufenster in der Marktstraße 10 in Einbeck.

Was wünschen sich die Menschen für das Quartier “Tiedexer Höfe” zwischen Marktstraße und Tiedexer Straße? Auf Informationstafeln zeigen das Studierende der HAWK in Sch(l)aufenstern in der Marktstraße 10 in Einbeck.

Ein Jahr nach dem ersten Aufruf und zwischenzeitlichen Arbeitseinsätzen vor Ort gibt es wieder Neuigkeiten aus den Tiedexer Höfen, über das Areal “Wilhelmsgarten” zwischen Marktstraße und Tiedexer Straße: Eine Seminararbeit “Soziale Entwicklungschancen im Quartier Tiedexer Höfe” ist in den vergangenen Monaten von einer Studierendengruppe der Hochschule HAWK unter Leitung von Professorin Dr. Anke Kaschlik (Holzminden) erstellt worden. Fünf Studierende haben damit einen benoteten Schein für ihr Masterstudium erreicht. In Sch(l)aufenstern der ehemaligen “Markus-Mode”-Passage an der Marktstraße 10 werden die Arbeitsergebnisse der Studierenden zur Quartiersentwicklung jetzt auf großen Plakaten präsentiert. Auch einen Audiobeitrag aus ihren Gesprächen mit Einbeckern haben die Studierenden zusammen geschnitten, der hier oder bei einem Besuch in der Kulturbüros am Möncheplatz zu hören ist. Die Studierenden haben bei ihrem zweitägigen Aufenthalt vor Ort in Einbeck mit rund 15 Menschen gesprochen, mit zufälligen Passanten ebenso wie mit Anwohnern und Hauseigentümern, im Wohnzimmer oder im Ladenlokal von Einzelhändlern genauso wie auf der Straße. Positiv sei die Resonanz gewesen, dass sich jemand um ihr Viertel kümmern wolle, manche hätten auch gleich erste Ideen geäußert, wie die Fläche des “Wilhelmsgartens” genutzt werden könnte, erzählen die Studierenden. Die “Tiedexer Höfe” seien ein guter, citynaher Ort für Wohnen mit Kindern, da diese abseits des Straßenverkehrs in den Innenhöfen spielen können. Aber das Areal sei nicht wirklich familienfreundlich, die Wohnungen oft zu klein, Spielmöglichkeiten und -geräte für Kinder nicht vorhanden. Und es fehlten Parkplätze.

Für Prof. Dr. Anke Kaschlik war besonders spannend zu sehen, dass es in dem Quartier eine private Initiative (“Kultur im Team”) gibt, die das Innenstadt-Areal voranbringen möchte. “Die Leute reden hier miteinander, das ist anders als in anderen Städten.” Im Ergebnis regten die Studierenden an, in Zusammenarbeit mit der BI “Sch(l)aufenster” einen Arbeitskreis Leerstand zu initiieren, um für Projekte Interessierte zusammenzubringen. Leerstand könne zum Nachbarschaftstreffpunkt werden. Wichtig war den Studierenden, die Bewohnerperspektive zu berücksichtigen, nur so könne Veränderung von den Betroffenen mitgetragen werden. Wichtig ist ihnen auch, das Projekt “Tiedexer Höfe” nach ihrer Momentaufnahme jetzt nicht abzuschließen, sondern vielmehr als inspirierenden Impuls zu sehen und weiter zu denken. Wer Anmerkungen oder weitere Anregungen hat, kann diese in den Einbecker Kulturbüros am Möncheplatz bei “Kultur im Team” äußern. Für Frühjahr/Sommer sind gemeinsame Kaffee- und Grillrunden angeregt, um sich im Quartier besser kennenzulernen und Ideen untereinander auszutauschen.

“In den letzten Monaten haben wir die Idee zur Entwicklung einer institutionalisierten Interessens- und Kompetenzgruppe in Sachen innovativer Quartiersentwicklung in Einbeck durch viele Einzelgespräche gut kommuniziert und mit vielen Köpfen gemeinsam weiter entwickelt”, sagen Martin Keil, Volker Stix, Hans-Jürgen Kettler und Siegbert Mahal. “Inzwischen konnten hinter der Idee mit dem Namen „w.i.r. – wohnen ∙ intelligent ∙ realisiert“ Partner aus Politik, Wissenschaft, Architektur, Städteplanung, Sozialer Arbeit, Wirtschaft und der Anwohnerschaft sowie der Gruppe der Hauseigentümer Einbecker Innenstadt-Immobilien versammelt werden, sagen die Macher. Wie die Quartiersentwicklung voranschreiten soll, wollen die Mitglieder mitteilen, sobald sich eine feste Gruppe gefunden hat.

Diskussionen im Kulturbüro: Studierende der HAWK und Einbecker sprechen über die Zukunft der Tiedexer Höfe. Foto: Kultur im Team

Transparente Türen: Studierende der HAWK und Einbecker sprechen in den neuen Kulturbüros von “Kultur im Team” am Möncheplatz über die Zukunft der “Tiedexer Höfe” und des “Wilhelmsgartens”. Foto: Kultur im Team

Unter jungen Linden

Einst von August Stukenbrok erbaut, soll die wunderbare Villa ein Freizeittreff für Jugendliche werden.

Einst von August Stukenbrok erbaut, soll die wunderbare Villa ein Freizeittreff für Jugendliche werden.

Während andernorts in Einbeck am neuen Haus der Jugend intensiv gehämmert und gemalert wird und die Bauarbeiten für die im Frühjahr vorgesehene Eröffnung auf die Zielgerade biegen, hat jetzt ein anderes Haus für Jugendliche etwas mehr Licht der Öffentlichkeit bekommen – und dort wird im Innern auch kräftig gewerkelt. Im Kulturausschuss haben Martin Keil und Volker Stix das Projekt “Junge Linde” vorgestellt. Am Hubeweg direkt gegenüber vom Neuen Rathaus und mit Blick auf einen wieder weißen Rathaus-Giebel entsteht in der alten Jugendstil-Villa eine Begegnungsstätte für junge und jung gebliebene Menschen, so das Ziel. Das denkmalgeschützte Haus konnte über eine Eigentümergemeinschaft erworben werden, berichtete Martin Keil. Betreiber ist der Verein Kulturfreunde Tangobrücke. Wichtig ist den Machern ein Angebot, das komplementär zum Haus der Jugend ist. Es soll also ergänzen. Eine laute Disko werde es in der “Jungen Linde” ganz sicher nicht geben, sagte Keil. Das sei eher etwas für das Haus der Jugend oder die geplante benachbarte Mehrweckhalle am Kohnser Weg, also am Stadtrand. Die “freie Zeit Hütte”, wie das Projekt sich im Untertitel salopp nennt, will Jugendlichen ein Treffpunkt sein, beispielsweise nach der Schule (auf dem Weg zurück zum ZOB), oder bei Freistunden für Goetheschüler. Die Schüler könne man hier zentraler erreichen als am Kohnser Weg, dorthin gehe niemand für eine halbe Stunde, sagte Volker Stix. Die “Junge Linde” ist außerdem als Ort der aktiven Integration konzeptioniert, an dem kurzfristig auch Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen werden soll. Das Projekt soll von den Nutzern so weit wie möglich selbst verwaltet werden, betreut durch vor Ort wohnende “Schlüsselverantwortliche”.

Im Kulturausschuss stellten Martin Keil (2.v.r.) und Volker Stix (r.) das Projekt vor.

Im Kulturausschuss stellten Martin Keil (2.v.r.) und Volker Stix (r.) das Projekt vor.

Bewusst provokant fragte Bernd Huwald (CDU) in der Kulturausschuss-Sitzung, warum Jugendliche noch ins Haus der Jugend gehen sollten, in das die Stadt Einbeck ja nicht unerhebliche Geldbeträge aus dem Haushalt investiere. Findet in der “Jungen Linde” die gepflegte Jugendarbeit statt – und im Haus der Jugend draußen ist Krawall, wie es Huwald provokativ formulierte? Das verneinten die Macher der “Jungen Linde” energisch. Mit dem Stadtjugendpfleger habe man intensiv gesprochen, sagte Martin Keil. Ziel sei, eine Vielfalt für Jugendliche zu schaffen, es gebe ja auch nicht nur das eine “Haus für Erwachsene” in Einbeck. Parallelstrukturen wolle man nicht schaffen, vielmehr durch intensive Netzwerkarbeit mit lokalen Vereinen, Schulen und Initiativen die Szenerie beleben.

Dr. Reinhard Binder (FDP) fand es wichtig, dass durch die Ausführungen Martin Keils die Befürchtung entkräftet worden sei, dass die “Junge Linde” Konkurrenz zur Stadtjugendpflege sein wolle. Rainer Koch (GfE) sagte die Unterstützung seiner Fraktion zu, die “Junge Linde” könne ein zusätzlicher Baustein für Jugendkultur in Einbeck sein. Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) sah bei allem positiven Engagement für einen Treffpunkt in zentraler Lage die Gefahr, dass durch unterschiedliche Jugendzentren verschiedene gesellschaftliche Gruppen angesprochen werden und sich auseinander entwickeln. Das dürfe nicht passieren.

Bei allem Wohlwollen und trotz aller Beteuerungen muss die Frage erlaubt sein, ob hier nicht doch durch die im aktiven Betrieb später einsetzende normative Kraft des Faktischen Parallel- und Konkurrenzstrukturen geschaffen werden, aus welcher Motivation auch immer. Weil die Standortentscheidung für das neue Haus der Jugend einigen bis heute nicht passt? Schade übrigens, dass der mehrfach angesprochene Stadtjugendpfleger Henrik Probst im Kulturausschuss keine Gelegenheit hatte, sich aus seiner Sicht zu dem Thema zu äußern. Aber sicherlich lag das nur einzig und allein daran, weil das Projekt nicht in “seinem” Ausschuss, dem für Jugend, präsentiert wurde (warum eigentlich?), sondern im Kulturausschuss, in dem der Stadtjugendpfleger kein Mitglied ist. Oder?

Der Ausschuss für Jugend, Familie und Soziales besichtigt übrigens vor seiner nächsten Sitzung am 22. März um 16.30 Uhr die Baustelle Haus der Jugend am Kohnser Weg. Von der “Jungen Linde” ist dort auf der Tagesordnung keine Rede…

Am Hubeweg in direkter Nähe zum Neuen Rathaus und am Schulweg vieler Jugendlicher liegt die "Junge Linde".

Am Hubeweg in direkter Nähe zum Neuen Rathaus und am Schulweg vieler Jugendlicher liegt die “Junge Linde”.

Breitgetreten

Hundekot ist für die Politik in Einbeck offenbar kein großes, kein drängendes Thema. Nach der medienwirksamen Sammelaktion einer Gruppe von Aktivisten der Tangobrücke, herrschte auf meine Anfrage an die Ratsfraktionen jedenfalls erst einmal fast zwei Tage lang Funkstille. Will sich da etwa jemand vor einem kontroversen Thema wegdrücken, das für reichlich öffentliche Diskussionen sorgen kann? Aber sicherlich waren nur die Osterferien die Ursache…

Als erste meldeten sich die Grünen zu Wort: Hundekot sei ein allseits bekanntes Problem und nicht nur eines in Einbeck, erklärte Fraktionschef Dietmar Bartels: “Unser Dank gilt Martin Keil, der das Thema in alle Medien gebracht hat.” Die Einbecker Grünen-Ratsfraktion setzt sich dafür ein, die Hundehalter strenger zu kontrollieren und darüber hinaus über verhängte Geldbußen in der Presse zu berichten. “Das könnte einige Hundehalter motivieren, sich an die bestehenden Vorschriften zu halten”, meint Bartels. “Ein wenig ist Martin Keil aber wohl über das Ziel hinausgeschossen, daher denke ich, dass er die verursachten Kosten für die Beseitigung des Sacks voll Hundekot sicherlich begleichen wird.” Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren halten die Grünen jedoch “für völlig überflüssig und es wäre unter Umständen – für unser aller Anliegen in einer sauberen Stadt zu leben – sogar kontraproduktiv”.

Die FDP ist erstaunt über die Menge des gesammelten Hundekots, wie Fraktionschef Dr. Reinhard Binder erklärte: “Wenn das Thema jetzt verstärkt diskutiert wird, und sei es durch Appell an die Verursacher, sei es durch Appell an die Beobachter, sei es durch verstärkte Kontrollen durch die Behörde, hat der Einsatz von 246,76 Euro sich für die Aktivisten, aber möglicherweise auch für Einbeck gelohnt.” Allerdings kritisieren die Freien Demokraten den Termin der Sammelaktion: “Der Karfreitag war allerdings ein sehr schlechter Zeitpunkt. Dies am höchsten Feiertag der evangelischen Kirche zu veranstalten, verletzt die Gefühle weiter Bevölkerungsgruppen und wird ohne Einschränkungen von der FDP verurteilt.”

Die SPD-Fraktion kommentiert knapp: “Die Sauberkeit in der Stadt ist regelmäßig Thema in den Ratsgremien. Wir halten die Aktion insgesamt für nicht gelungen, da sie eine negative Außenwirkung für die Stadt Einbeck hat.”

Die Einbecker Stadtverwaltung jedenfalls prüft noch die Vorgänge, “ob und in Bezug auf welche Tatbestände eine Geldbuße in Betracht kommt”, wie mir Fachbereichsleiter und Jurist Dr. Florian Schröder auf meine Anfrage mitteilte. Fakt ist: Die Gruppe von Jugendlichen rund um Tangobrücken-Betreiber Martin Keil hatte für die Lange Brücke laut Stadt keine Genehmigung beantragt. Weil die eigentliche Hundekot-Sammelaktion am Karfreitag stattgefunden hat, betrifft die Prüfung der Verwaltung auch die Regelungen dieses besonderen Feiertages. Die Gruppe hat nach eigenen Angaben mehrere Stunden lang in öffentlichen Grünanlagen in Einbeck Hundekot gesammelt, insgesamt sind nach deren Mitteilungen 250 Kilo Exkremente zusammen gekommen, die in einem Plastiksack an den Eulenspiegelbrunnen gehängt worden sind. Das zeigen auch Fotos. Überprüft worden ist die Menge übrigens nicht.

Der Hundekot-Sack ist am Ostersonnabend gegen 8 Uhr beseitigt worden, erklärte mir Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder. “Durch den schnellen Einsatz von Polizei und Ordnungsbehörde (Rufbereitschaft) wurde eine Beeinträchtigung des Wochenmarktes vermieden.” Immerhin werden sonnabends in unmittelbarer Nähe Lebensmittel verkauft. Ich mag nicht daran denken, wenn der Exkrementensack aufgeplatzt wäre und sich die ganze Sch… in den Brunnen ergossen hätte…

Für den Einsatz des Kommunalen Bauhofs und die Entsorgung sind Kosten entstanden, deren Höhe die Stadt zurzeit noch nicht endgültig beziffern kann. Die Stadt werde diese Summe aber den Verursachern in Rechnung stellen, kündigte Schröder an. Schon einmal hatte eine Aktion der Tangobrücke für einen kostenträchtigen und öffentlich beachteten Einsatz des Bauhofs gesorgt: als im September vergangenen Jahres mit einem Mal das von einem Thiaiser Künstler gemalte Bild am Bauzaun der Brandlücke Lange Brücke 5 verschwunden und schon fast entsorgt war. Der Stadt Einbeck sind seinerzeit Kosten in Höhe von 246,76 Euro entstanden, die laut Dr. Schröder von den Verursachern erstattet worden sind.

Niemand tritt gerne hinein. Niemand! Ich auch nicht. Wenn Appelle an Hundebesitzer (von denen manche meinen, sie hätten mit der bezahlten Hundesteuer ihren Obolus entrichtet) erfolglos bleiben, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner adäquat zu entsorgen, dann müssen andere Lösungen gefunden werden. Und auf die kann man durchaus auch mit spektakulären Aktionen aufmerksam machen! Nur kann es nicht sein, dass die Allgemeinheit dafür bezahlt.

Regeln sind dafür geschaffen, dass sie eingehalten werden. Wer das nicht tut, muss mit Konsequenzen rechnen. Und das kann man nicht früh genug im Leben lernen. Das alles soll übrigens niemanden davon abzuhalten versuchen, die Regeln zu verändern. Denn das nennt sich parlamentarische Demokratie.

Und dann ist die Hundekot-Aktion auch noch ein Schulbeispiel dafür, wie manche Medien heute funktionieren. Die Einladung der Aktivisten an einige ausgewählte Redaktionen und Medienvertreter, bei der Aktion am Sonnabend dabei zu sein, um zu berichten, verhallte zunächst ungehört, so meine Beobachtung. Nur ein Online-Medium berichtete aktuell, verknüpfte den Hundekot wenig lecker mit dem Osterklöben-Verkauf in der Innenstadt. Erst als am Mittwoch nach Ostern die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in der nachrichtenflauen Ferienzeit das Thema aufgriff und deutschlandweit in die Redaktionsstuben kabelte, rollte die Medienwelle an, Radiosender berichteten, der Nachrichten-Boulevard machte aus 250 Kilo schnell mal nach mehr klingende 500 Pfund Hundekot. Der Zugzwang für die Kollegen in den Redaktionen begann.

P.S. : Dieser Beitrag ist bewusst nicht bebildert. Über die Aktion gibt es genügend, ausschließlich jedoch von den Aktivisten selbst gemachte Fotos. Wer sie finden will, findet sie.

(Aktualisiert: 13.04.2015, 17.26 Uhr, um FDP-Stellungnahme)
(Aktualisiert: 14.04.2015, 19.08 Uhr, um SPD-Stellungnahme)

Ganz große Kunst

Plötzlich war da wieder dieser Bretterzaun - ohne Kunst. Aufnahme vom 22.09.2914

Plötzlich war da wieder dieser Bretterzaun – ohne Kunst. Aufnahme von heute (22.09.2914)

Brandlücke mit Kunstwerk aus Frankreich. Archivfoto März 2014

Brandlücke mit Kunstwerk aus Frankreich. Archivfoto März 2014

Diese Peinlichkeit sollte sich Einbeck in der Tat nicht leisten, in wenigen Wochen kommen Gäste aus der Partnerstadt Thiais nach Einbeck, zum Eulenfest. Und wenn die Besucher aus Frankreich dann auf den schäbigen Bretterzaun in der Langen Brücke blicken würden… davor grauste es Ratsfrau Eunice Schenitzki (SPD). Und nicht allein wegen des Holzzaunes. Sie stellte heute eine Anfrage im Stadtentwicklungsausschuss, warum denn in der Brandlücke an der Langen Brücke nicht mehr das gesprayte Kunstwerk eines jungen Franzosen zu sehen ist, das zum 50-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft entstanden und auf dem Bretterzaun montiert war. Die Antwort sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, die nach eigenen Angaben vor ein paar Tagen ebenso erstaunt über den wieder zu Tage getretenen Bretterzaun war, erläuterte die Panne so: Der Zaun war im Sommer für die Dauer von vier Wochen einer Street-Art-Initiative rund um Martin Keil von der benachbarten Tangobrücke für eine temporäre Kunstaktion zur Verfügung gestellt worden (die Stadt ist Eigentümerin des Grundstücks und damit auch des Zaunes). Für die damals entstandene Gestaltung des Zaunes war ein Brett auf das bestehende Kunstwerk gesetzt worden. Da die Gruppe um Martin Keil ihr Bild jedoch trotz Ermahnung nicht innerhalb der Frist abgenommen habe, habe das letztlich der Bauhof erledigen müssen, sagte die Bürgermeisterin. Was dieser tat. Zu diesem Zeitpunkt sei wohl aber auch schon von Keil ein Tischler beauftragt gewesen, das Bild abzunehmen – und der habe eben die farbigen Zauntafel made in Thiais abgenommen. Das falsche Kunstwerk also. Und so steht nun der Bretterzaun wieder nackt da. Bis kommenden Mittwoch habe die Initiative um Martin Keil jetzt die Auflage, das Bild aus Thiais wieder anbringen zu lassen, sagte die Bürgermeisterin. Wollen wir hoffen, dass das klappt. Bleibt zum Schluss wie immer die Frage: Was kostet der “Spaß”? Wer bezahlt dafür, dass der Bauhof aktiv werden musste? Eigentlich müsste das doch derjenige sein, der sich nicht an Absprachen und Vereinbarungen hält, oder?

Nachtrag 24.09.2014: Seit heute früh hängt das Thiais-Bild wieder am Bauzaun, leicht lädiert, zum Beispiel oben links, aber immerhin. Die Frage, wer den ganzen “Spaß” bezahlt, ist bis dato unbeantwortet. Heute in der Sitzung des Stadtrates dazu: kein Wort. Außer, dass sich eine Projektgruppe mit der Zukunft der Brandlücke beschäftigt und mehrere Ideen diskutiert werden.

Nachtrag 10.04.2015: Auf meine Nachfrage teilte die Stadt Einbeck mit, dass der Stadt seinerzeit Kosten in Höhe von 246,76 Euro entstanden seien, die von den Verursachern erstattet wurden.

Es hängt wieder am Bauzaun, das Geschenk aus Thiais, wenn auch leicht lädiert. Aufnahme vom 24.09.2014

Es hängt wieder am Bauzaun, das Geschenk aus Thiais, wenn auch leicht lädiert. Aufnahme vom 24.09.2014