Politische Bünde trauen

Ministerpräsident Stephan Weil und Karl-Heinz Rehkopf (im Hintergrund).

Ministerpräsident Stephan Weil und Karl-Heinz Rehkopf (im Hintergrund) mit Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens.

Koalitionen, so heißt es in der Politik immer gerne, seien keine Liebesheirat, sondern Zweckbündnisse auf Zeit. Als Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) jetzt im Trauzimmer des PS-Speichers in Einbeck hoch über den Dächern der Stadt dem Motor des Oldtimer-Ausstellungshauses und vieler anderer Engagements, Karl-Heinz Rehkopf, das Verdienstkreuz verliehen hat, bot Rehkopf den Hochzeitsraum dem Ministerpräsidenten für politische Gespräche an. Wie wäre es denn, hier die nächste Koalition zu besiegeln?, fragte der 79-Jährige den Regierungschef. Oder aber die nächsten Koalitionsgespräche nach der Landtagswahl 2018 in Abgeschiedenheit vom hannoverschen Politikrummel hier im Trauzimmer zu führen? Der Ministerpräsident lächelte und merkte sich das schon mal…

Seine Heimatstadt hat Karl-Heinz Rehkopf die höchste Ehre angetragen: Nach dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens wird Karl-Heinz Rehkopf in wenigen Wochen auch den Ehrenring der Stadt Einbeck erhalten. Der Stadtrat hat einstimmig ohne Aussprache beschlossen, den 79-Jährigen mit der höchsten Würdigung, die die Stadt zu vergeben hat, zu ehren. Der Ehrenring ist bislang noch nie verliehen worden. Er geht an Menschen für hervorragende Verdienste um die Stadt Einbeck. Die Verleihung des Ehrenringes soll im Dezember bei einem Festakt in der Halle des Alten Rathauses in Einbeck stattfinden.

„Eine solche Wahnsinns-Auszeichnung, für mich?“, fragte Karl-Heinz Rehkopf bei der Aushändigung des Verdienstkreuzes im Trauzimmer des PS-Speichers Ministerpräsident Stephan Weil. Die Ehrung freue ihn riesig und mache ihn maßlos stolz, auch dass der Regierungschef dafür eigens nach Einbeck gekommen sei. „Diese Auszeichnung ist Ansporn, dass wir in der Erfolgsspur bleiben“, sagte Rehkopf. Die Würdigung gelte dem gesamten Team, den insgesamt 3000 Mitarbeitern in all seinen Unternehmungen. „Ich bin die Unruhe in meinen Vereinen, mehr nicht“, erklärte Karl-Heinz Rehkopf bescheiden. Die aus der 1972 gegründeten Teppich-Domäne Harste hervorgegangene Tedox-Gruppe beschäftigt heute in 100 Filialen rund 2400 Mitarbeiter.

Ministerpräsident Stephan Weil bekannte sich als „Teil der Fankurve des PS-Speichers“. Als er vor zwei Jahren das Oldtimer-Ausstellungshaus persönlich eröffnet habe, habe er kein Museum dieser Qualität und Brillianz erwartet. Mehr als 150.000 Besucher haben sich inzwischen die von Karl-Heinz Rehkopf in 50 Jahren zusammengetragene Sammlung historischer Motorräder und Automobile, auf der der PS-Speicher beruht, im alten Kornspeicher angesehen. Mehr als 90 Prozent der Finanzierung übernahm Rehkopf privat. Der 2009 von ihm gegründeten gemeinnützigen Kulturstiftung Kornhaus als Trägerin des PS-Speichers stellte der Unternehmer bisher rund 40 Millionen Euro aus seinem Vermögen zur Verfügung. Als Privatperson habe Karl-Heinz Rehkopf zudem erhebliche Beträge in die Erhaltung von Baudenkmälern investiert, sagte Weil. Der 79-Jährige engagiere sich im gesellschaftlichen Leben, beispielsweise beim Erhalt des Bürgerspitals oder bei dem sozialen Unternehmen Seminar- und Gästehaus Einbecker Sonnenberg in Negenborn, das auch behinderte Mitarbeiter beschäftige. Außerdem gehe die inzwischen überregional Nachahmer findende Aktion „Sch(l)aufenster”, die Leerstände in Einbecker Geschäften verschönert, auf seine Initiative zurück. „Einer Stadt, die solche Bürger hat, kann man nur gratulieren“, sagte der Ministerpräsident. „Sie haben viel für die Gemeinschaft getan.“ Da könne ein Orden wie das Verdienstkreuz nur ein kleines Dankeschön dafür sein.

Die Mitarbeiter des PS-Speichers gratulierten Karl-Heinz Rehkopf zum Vedienstkreuz. Der hatte zuvor die Mannschaftsleistung betont, ohne die er die Auszeichnung nie bekommen hätte.

Die Mitarbeiter des PS-Speichers gratulierten Karl-Heinz Rehkopf (Mitte, mit Ehefrau Gabriele sowie Ministerpräsident Stephan Weil und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek) auch im Namen der anderen ingesamt 3000 Beschäftigten zum Verdienstkreuz. Der hatte zuvor die Mannschaftsleistung betont, ohne die er die Auszeichnung nie bekommen hätte.

Friede, Freude, Freundschaftsverstärker

Karl-Heinz Rehkopf mit "Freundschaftsverstärker". So richtig entgegen nehmen wollte das Präsent niemand.

PS-Speicher-Stifter Karl-Heinz Rehkopf mit “Freundschaftsverstärker”.

In großer Harmonie ist vor einer Woche das neue Haus der Jugend in Einbeck eröffnet worden – unspektakulär, ohne als Eröffnungsgeste ein Band durchzuschneiden, einen Startknopf zu drücken oder einen symbolischen Schlüssel zu überreichen. Einfach nur durch die Kraft der Worte der Einbecker Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (Video). Die Jugendlichen haben ihr neues Jugendzentrum an dem Tag eingerockt und eine vorbereitete Rede dann doch nicht gehalten, waren offensichtlich einfach nur froh, dass sie ein “Schmuckstück” (O-Ton Bürgermeisterin) nach gut einem Jahr Bauzeit und noch viel längerer Planungsphase in Besitz nehmen konnten – als ihren neuen Ort zum Treffen, Musik machen, Freizeit genießen. Kaum ein Wort war zu hören zur holprigen Historie, die monatelang emotional und hitzig die Kommunalpolitik in Einbeck beherrscht hatte. Die Eröffnungsveranstaltung sei nicht der richtige Ort dafür gewesen, hieß es anschließend von vielen. Mag sein. Die Bürgermeisterin erinnerte an die Standortsuche, okay. Die Stadt hat für den Umbau eines aus den 1990-er Jahren stammenden einstigen Flüchtlingswohnheims unter dem Strich etwas mehr als den Erlös aus dem Verkauf von Grundstück und Gebäuden am Tiedexer Tor an die Kulturstiftung Kornhaus in Höhe von 560.000 Euro investiert. Dazu bei der Eröffnung: kein Wort. Nur, dass (hoffentlich bald) durch Multifunktionshalle und Jugendgästehaus am Kohnser Weg ein Jugend- und Sportzentrum mit landesweiter Beachtung entstehen werde. Durch eine Spende der AKB-Stiftung zum 90. Geburtstag von Johanne Büchting von 100.000 Euro konnte weitere Einrichtung für das Haus der Jugend angeschafft werden. Das erwähnte die Bürgermeisterin, richtig. Einzig Jugendausschuss-Vorsitzende Margrit Cludius-Brandt (SPD) traute sich, den Weg vom alten zum neuen Haus der Jugend wenigstens “holprig” zu nennen. Indes: ihre Kritik war schon mal schärfer.

Sehr deutliche, offene Worte (die durch die Zurückhaltung der Politik keine Replik oder Einordnung erfuhren) erlaubte sich dagegen Karl-Heinz Rehkopf, Stifter des PS-Speichers, als Gast der Veranstaltung. Die Debatte um das Haus der Jugend hatte 2012 begonnen, weil das damals gerade entstehende Oldtimer-Ausstellungshaus im ehemaligen Kornhaus die Fläche des Jugendzentrums zunächst für das Hotel, dann für den Parkplatz reklamierte. Tierisch geärgert habe er sich, wie in Bildzeitung-Jargon ihm unterstellt worden sei, er habe etwas gegen die Einbecker Jugend. Das habe ihn “abmotiviert”, er sei kurz vor dem “dann lassen wir das” mit dem PS-Speicher gewesen. Die Facebook-Gruppe „Rettung der Einbecker Jugend“ sei bei ihm so angekommen wie “rettet die Jugend vor Karl-Heinz Rehkopf”. Man habe ihn beruhigt damals, das seien nur Wichtigtuer und Effekthascherei. Er habe ja nichts gegen Besorgnis, sagte Rehkopf. Es habe doch aber niemand ernsthaft glauben können, dass die Stadt und die Kornhausstiftung die Jugendlichen in Einbeck hängen lassen würden. Rehkopf erlaubte sich unverblümt den Hinweis, dass es ein neues Haus der Jugend heute nicht geben würde, es sich die Stadt nicht hätte leisten können, wenn nicht der PS-Speicher gewesen sei und das Grundstück kaufen wollte. Nun ja, ganz hat ja der Verkaufserlös bekanntlich nicht gereicht für das neue Jugendzentrum. Eine Freundschaft mit der Einbecker Jugend müsse nicht mehr geschlossen werden, meinte Rehkopf, sie beweise der PS-Speicher täglich und in Zukunft auch als außerschulischer Lernort. Wobei es “die Jugend” ja nicht gibt. Als Geschenk überreichte Karl-Heinz Rehkopf einen „Freundschaftsverstärker“, ein modernes Sound-Gerät. Die Tante, die Klavier spielt, ist ja bekanntlich nicht so beliebt wie der Onkel, der Geschenke mitbringt.

Neuer Ort für Jugendarbeit in Einbeck: Mit einem vielfältigen Programm für Kinder und Jugendliche, mit Konzerten und einem Tag der offenen Türen ist das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg eröffnet worden.

Neuer Ort für Jugendarbeit in Einbeck: Mit einem vielfältigen Programm für Kinder und Jugendliche, mit Konzerten und einem Tag der offenen Türen ist das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg eröffnet worden.

Viele Jugendliche packten beim Umbau mit an: Jugendzentrum-Leiterin Kerstin Hillebrecht bedankte sich stellvertretend dafür bei Alexandros Mizythras, Dany Kurtanovic und Kevin Kluge.

Viele Jugendliche haben beim Umbau mit angepackt: Jugendzentrum-Leiterin Kerstin Hillebrecht bedankte sich stellvertretend dafür bei Alexandros Mizythras, Dany Kurtanovic und Kevin Kluge.

 

Licht im Leuchtturm

Das Kornhaus wird ab XX zum PS-Speicher, dann wird auch der Parkplatz (rechts) auf dem ehemaligen Gelände des Jugendzentrums fertig sein. Archivfoto

Das Kornhaus wird ab 23. Juli 2014 zum PS-Speicher, dann wird auch der Parkplatz (rechts) auf dem ehemaligen Gelände des Jugendzentrums fertig sein. Archivfoto

Das Geheimnis ist gelüftet: Ab dem 23. Juli wird Licht im Leuchtturm sein. An diesem Tag öffnet nach Jahren der Planung und nach dem drei Jahre dauernden umfangreichen Umbau des alten Kornhaus-Gebäudes die Erlebnisausstellung über die Geschichte der Mobilität, der PS-Speicher. Das Datum zeichnete sich zuletzt immer mehr ab, die neue, von Graf Hardenberg betriebene Gastronomie beispielsweise sucht bereits seit einiger Zeit gezielt zum 1. Juli nach Personal für die Kornhaus-Restauration.

Das Millionen-Projekt, das immer gerne als “Leuchtturm” bezeichnet wird, weil es weit über die Grenzen Einbeck sichtbare Strahlkraft entfalten soll, ist auch dank kräftigen Rückenwindes durch die Politik auf den Weg gebracht. Vor allem hat zwar Stifter Karl-Heinz Rehkopf das ehrgeizige Vorhaben, seine riesige Sammlung von Oldtimern auf zwei und vier Rädern staubfrei öffentlich zu zeigen, mit der eigens gegründeten Kulturstiftung Kornhaus voran getrieben. Ohne die Unterstützung der regionalen und überregionalen Politik allerdings wäre der PS-Speicher nicht so weit wie er heute ist.

Damit sind nicht nur die öffentlichkeitswirksamen Politiker-Besuche gemeint, ob beispielsweise vom niedersächsischen Wirtschaftsminister oder von der Kultusministerin.

Die lokale Politik, im Rathaus und im Stadtrat, hatte die städtebauliche Planung auf den Weg zu bringen, tat das mit viel Wohlwollen, gab ganze Straßen preis, hatte aber auch manche Frage zu klären. Dabei hat sie es nicht jedem recht machen können, wen wundert’s.

Und die Kommunalpolitik hatte dabei eine schwere Nuss zu knacken – und sie verdaut noch daran: das Haus der Jugend muss dem Parkplatz des PS-Speichers weichen. Das hat eine viele Monate, quälend langsame, manchmal schwer verständliche Diskussion gebracht, die noch lange nicht an ihrem Ende ist, wenn der PS-Speicher seine Pforten öffnet…

Die Marktkirche, vom PS-Speicher im Kornhaus aus gesehen.

Die Marktkirche, vom PS-Speicher im Kornhaus aus gesehen.

Niemals fertig…

Viele Ideen, aus denen eine Strategie werden soll. Rund 100 Teilnehmer arbeiten am Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEK).

Viele Ideen, aus denen eine Strategie werden soll. Rund 100 Teilnehmer arbeiten am Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEK).

IEK, ILEK, Städtebauförderung, für kleine Städte, für soziale Städte – der finanziellen Unterstützungs-Programme gibt es ebenso viele wie findige Abkürzungen. Ohne (zusätzliches) Geld aus Hannover, Berlin oder Brüssel ginge vor Ort oftmals auch nicht mehr viel voran. Jeder, der ein Projekt realisieren will, freut sich über eine helfende Überweisung. Das ist völlig legitim. Wobei allerdings immer wieder kurios zu beobachten ist, wenn bedeutungsschwer auf die unterschiedliche Verteilung der Geldflüsse verwiesen wird (Stichwort: Drittelfinanzierung). Als sei der eine Geldschein mehr wert als der andere. Merke: Auch das Geld aus Brüssel stammt nicht von einer reichen belgischen Erbtante. Eine EU-Förderung ist europäisches Steuergeld, unser aller Geld also.

Eine Stadt ist niemals fertig, eine Stadt entwickelt sich ständig weiter. Hier wird neu gebaut, dort umgestaltet, vorher abgerissen. Die kommunale Politik hat daher sogar einen Ausschuss geschaffen, der genau so heißt: Stadtentwicklungsausschuss. In diesem Gremium werden die Dinge beraten, die sich im weitesten Sinne um die Veränderung unserer Stadt drehen.

Damit, mit der Veränderung Einbecks, haben sich am Freitagnachmittag vier Stunden lang auch gut 100 Menschen aus Einbeck beschäftigt. Das Stadtgebiet ist seit einem Jahr größer. Nach der Fusion mit Kreiensen stellt sich mehr denn je die Frage, ob alle Strukturen, die in guten Zeiten einst aufgebaut worden sind, auch in Zukunft in der Fläche noch erhalten werden können. Und ob sie überhaupt notwendig sind. Und wo neue Strukturen wichtig werden, weil in unserer Region in Zukunft zwar weniger Menschen leben werden, dafür aber mehr ältere. Mobile, aktive ältere, aber eben leider auch das Gegenteil.

Ich habe mich gefreut, dass so viele engagierte Menschen sich einen ganzen Freitagnachmittag Zeit nehmen und über die Zukunft unserer Stadt intensiv nachdenken. Und ich kann mich der von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek am Ende der Veranstaltung gezollten Hochachtung nur anschließen. Einiges war nicht neu. Aber viele überlegenswerte Ideen sind entstanden, die freilich nicht alle umgesetzt werden können, schon gar nicht alle sofort (siehe oben, es sei denn, es kennt jemand die reiche Erbtante aus Belgien). Jedoch kann aus den Überlegungen eine Strategie entstehen, wie in den unterschiedlichen Themenfeldern die Stadtstruktur der Zukunft aussehen kann, soll und muss. Ich wünsche mir, dass viele der 100 dranbleiben am Thema, im März wieder mit dabei sind, bei der Umsetzungskonferenz.

Unweit des Tagungsortes BBS ist tagtäglich lebhaft zu beobachten, wie sich eine Stadt entwickelt und verändert. Selbst hier ist übrigens nicht allein privates Geld im Einsatz, sondern auch öffentliche Förderung, weswegen übrigens gerne mal der eine oder andere Minister vorbei schaut. Im ehemaligen Kornhaus entsteht für viele faszierende Oldtimer vergangener Mobilitätstage die Aussstellungsfläche des PS-Speichers, der noch vor dem nächsten Winter eröffnen will. Da ist dann auch mit einem Mal eine ganze Straße gesperrt und wird zum Privatgelände. Da wird ein Baudenkmal liebevoll saniert und um moderne Gebäude erweitert. Da wird neue, wichtige Gastronomiefläche geschaffen. Da entsteht ein neues, für Einbeck ebenso wichtiges Hotel in Innenstadtlage.

Und da wird seit Monaten diskutiert, wohin das benachbarte Haus der Jugend ausweichen kann. Längst hat diese Debatte die normative Kraft des Faktischen erreicht, das Tempo die Akteure hat manche überrascht und überrollt. Bevor nach aktualisiertem Zeitplan der Jugendausschuss nicht im März, sondern am 1. April (kein Scherz) seine Beschlussempfehlung für einen neuen Standort abgeben wird, sollen die harten Fakten (Umbau-/Baukosten) dann auch endlich vorliegen. Der Stadtrat freilich, der die Ausschussentscheidung absegnen muss, hat seine nächste Sitzung nach dem Ausschuss-Termin momentan erst für den 25. Juni terminiert… Die weichen Standortfaktoren der drei möglichen Alternativen hat der Arbeitskreis intensiv diskutiert, nachdem er alle Objekte in Augenschein genommen hat.

Der Bauzaun steht, der Abriss eines Großteils des Jugendzentrums steht unmittelbar bevor. Und alles wurde zuvor, das sei hier nochmal betont, nicht in Hinterzimmern heimlich ausgemacht, sondern durch Bebauungspläne in öffentlicher Sitzung, die zuvor wochenlang im Rathaus und im Internet öffentlich auslagen, demokratisch beschlossen. Einige Außenstehende wundern sich allerdings schon, wie denn offenbar jetzt problemlos alte Bäume gefällt werden können, die in den Jahren zuvor nur unter großem Aufwand allenfalls ein wenig zurück geschnitten werden durften.

Die Kulturstiftung Kornhaus hat für Montag eine Stellungnahme zum Stand der Dinge bei den Bauarbeiten zwischen PS-Speicher, Haus der Jugend und bisherigem Jugendgästehaus angekündigt. Seien wir gespannt.

Vor dem Abriss, die Bäume sind bereits gefällt: das Haus der Jugend. Aufnahme vom 24.1.2014.

Vor dem Abriss, die Bäume sind bereits gefällt: das Jugendgästehaus (links) und das Haus der Jugend. Aufnahme vom 24.1.2014.

Haus der Jugend: Noch kein Standort gefunden

Das Haus der Jugend heute (vorn), vom PS-Speicher aus gesehen.

Das Haus der Jugend heute (vorn), vom PS-Speicher aus gesehen.

Nicht viel, aber immerhin etwas Neues zur öffentlich ein wenig abgeebbten Debatte über die Zukunft des Hauses der Jugend: Wie Baudirektor Gerald Strohmeier in der gestrigen Ratssitzung sagte, bemühe sich die Stadtverwaltung intensiv darum, einen neuen Standort für das Jugendzentrum zu finden. 22 Objekte habe man geprüft, immer mit dem Fokus auf die Innenstadt, eine wirkliche Alternative zum ehemaligen Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg sei aber noch nicht gefunden worden. Ursprünglich wollte die Verwaltung im September einen möglichen neuen Standort nennen.

Das Haus der Jugend wird am heutigen Standort mittelfristig aufgegeben werden müssen, da das benachbarte Projekt PS-Speicher im alten Kornhaus die Fläche für Parkplätze benötigt. Ein entsprechender Bebauungsplan ist vom Rat beschlossen worden und kann jetzt umgesetzt werden. Kulturstiftung Kornhaus und Stadt hatten stets betont, dass das Jugendzentrum erst abgerissen wird, wenn ein neuer Standort für das Haus der Jugend gefunden ist.

Nachtrag 20.09.2013: Mehr Informationen sind für die nächste Sitzung des Jugendausschusses am 30. September angekündigt. In der Verwaltungsvorlage sind die Kriterien genannt, nach denen circa 25 Objekte geprüft worden sind. Die Angelegenheit soll laut der Vorlage nach der Genesung der Bürgermeisterin mit ihr, den Fraktionen und den Jugendlichen weiter vorangetrieben werden.

Zwei Grundstücke am Tor

Wohnhaus und Werkstatt stehen heute auf dem verkauften Grundstück.

Wohnhaus und Werkstatt stehen heute auf dem verkauften Grundstück (im Hintergrund ist der Neubau der BBS zu sehen).

Landrat Michael Wickmann hat in öffentlicher Kreistagssitzung über einen interessanten Grundstücksverkauf des Landkreises berichtet. Der Kreis habe für 46.500 Euro zwei Teilgrundstücke am Hullerser Tor an die Kulturstiftung Kornhaus veräußert; sie liegen direkt an einer der Haupteinfahrtstraßen in Einbeck. Die Stiftung will in einigen Monaten den PS-Speicher im ehemaligen Kornhaus eröffnen, eine Ausstellung, die den Besuchern eine interaktive Zeitreise der Entwicklung der individuellen Mobilität ermöglichen will.

Das vom Landkreis verkaufte Areal wurde bislang von den Berufsbildenden Schulen in Einbeck genutzt, werde von diesen aber nicht mehr benötigt, sagte der Landrat. Der Landkreis ist Träger der BBS. Auf den 2800 und 900 Quadratmeter großen Grundstücken stehen zurzeit eine Werkstatt und ein Wohnhaus.

Wie die Kulturstiftung das Gelände nutzen will, ist bislang nicht bekannt. Bekannt ist, dass eine Kooperation zwischen dem PS-Speicher und der BBS im Gespräch ist.

Nachtrag 13.03.2013, 09:30: Ein Anfrage an die Stiftung ist bislang unbeantwortet geblieben.

Nachtrag 13.03.2013, 17:15: Wie Alexander Kloss, Assistent des Vorstandes der Kulturstiftung Kornhaus soeben erklärte, werde ein Nutzungskonzept für beide Gebäude derzeit erstellt und dann zunächst stiftungsintern diskutiert. Die Stadt Einbeck und der Landkreis Northeim werde man in die Überlegungen der Stiftung einbinden. Kloss: “Sobald ein tragfähiges Konzept vorliegt, werden wir dieses der Öffentlichkeit vorstellen.”