Ein gutes Gespräch vor Ort…

Von links 1. Stellvertretender Verbandsvorsteher Siegfried Sander, Jens Schatz, Hans-Jürgen Laduch und 2. Stellvertretender Verbandsvorsteher Andreas Friedrichs. Foto: Leineverband

Jens Schatz (2.v.l.) ist Nachfolger von Hans-Jürgen Laduch (2.v.r.), hier mit den beiden stellvertretenden Verbandsvorstehern Siegfried Sander (l.) und Andreas Friedrichs (r.). Foto: Leineverband

ist durch nichts zu ersetzen – das sagt der neue Geschäftsführer des Leineverbandes. Jens Schatz (53) ist seit dem 1. September Nachfolger von Hans-Jürgen Laduch (65), der in den Ruhestand gegangen ist. Laduch stand zehn Jahre lang an der Spitze des Leineverbandes, dessen Vorstand aus Mitgliedern der Städte und Gemeinde im Verbandsgebiet besteht. Davor war er Leiter des Bauamtes beim Landkreis Northeim. Der Leineverband unterhält die Leine einschließlich ihrer Nebengewässer und ist damit für insgesamt 93 Gewässer mit rund 650 Kilometer Länge zwischen Sarstedt im Norden und der niedersächsischen Grenze zu Hessen und Thüringen im Süden zuständig.

Jens Schatz ist Bauingenieur und war zuletzt beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Standort Hannover beschäftigt. Weitere Stationen in seinem beruflichen Werdegang waren der Landkreis Schaumburg, die Bezirksregierung Hannover sowie das Umweltministerium in Hannover. Die Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen und die Renaturierung von Fließgewässern in Niedersachsen beschäftigten den 53-Jährigen in den vergangenen 20 Jahren, heißt es in einer Presseinformation des Leineverbandes. Vorhandene Kontakte zu zahlreichen Unterhaltungsverbänden in ganz Niedersachsen sowie Städten und Gemeinden im gesamten Verbandsgebiet erleichtern ihm den Einstieg.

Zu Schatz’ wichtigsten Aufgaben zählen aktuell unter anderem die Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie und die Unterstützung der Mitglieder des Leineverbandes, hier der Städte und Gemeinden, bei der Umsetzung regionaler Hochwasserschutzkonzepte und der EG-Hochwassermanagement-Risikorichtlinie.

Freiheit für die Ilme

Kein Kulturstau am Alten Zollhaus mehr: Der Leineverband will die Ilme bei Einbeck aus ihrem kanalartigen Korsett befreien und naturnaher gestalten.

Es soll keinen Kulturstau am Alten Zollhaus mehr geben: Der Leineverband will die Ilme bei Einbeck aus ihrem kanalartigen Korsett befreien und naturnaher gestalten. Rechts der Zufluss des Mühlenkanals.

Mehr Freiheit für die Ilme: Sie soll ihr kanalartiges Korsett südöstlich von Einbeck auf einer Länge von 1,2 Kilometern verlassen können, das Ufer soll naturnaher gestaltet werden. Dafür plant der Leineverband, eine so genannte Sekundäraue in Form einer Flutmulde zu schaffen. Auch ökologisch durchgängiger für Fische und andere Lebewesen soll der Fluss im Abschnitt zwischen dem Alten Zollhaus in Richtung Salzderhelden (früher Villa Wuff) und der Brücke Marktanger / Schlachthofstraße werden. Deshalb wird nach den jetzt im Bauausschuss des Stadtrates vorgestellten Plänen der so genannte Kulturstau, eine Stahlspundwand, bei der geplanten Maßnahme entfernt und die dortige Fallhöhe auf die 1200 Meter Länge verteilt. Der heutige Ausbau der Ilme dort stammt aus den 1970-er Jahren.

Wie der Geschäftsführer des Leineverbandes, Hans-Jürgen Laduch, erläuterte, kostet das Vorhaben rund 622.000 Euro. Zu den Baukosten in Höhe von 490.000 Euro kommen 132.000 Euro an Grundstücks- und Nebenkosten. Wenn die Stadt Einbeck ihr Einvernehmen hergestellt hat, kann die vom Land Niedersachsen zu 90 Prozent geförderte Maßnahme noch in diesem Jahr vom Landkreis Northeim als Wasserbehörde genehmigt werden. Nach der Ausführungsplanung im Jahr 2017 könnte dann im folgenden Jahr gebaut und eine europäische Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden.

Flussabwärts: Blick von der Ilmebrücke Marktanger/ Schlachthofstraße.

Flussabwärts: Blick von der Ilmebrücke Marktanger/ Schlachthofstraße. Ab hier soll die Ilme mehr Platz bekommen.

Das heutige Gefälle beim Stauwehr an der ehemaligen Villa Wuff soll auf 16 kleine Riegel von jeweils acht bis zehn Zentimetern Fallhöhe aufgeteilt werden. Etwa alle 70 Meter sind die Riegel als Steinreihen quer über das Gewässer vorgesehen. Außerdem ist eine zwei Meter breite Niedrigwasserrinne geplant. Durch Dreiecksbuhnen auf der rechten Uferseite wird der Fluss in Richtung der etwa zwölf Meter breiten Sekundäraue gelenkt: Neben einer Abgrabung wird eine sanfte Böschung mit einem Wall entstehen. Gefällt werden müssen dafür 39 Pappeln am nördlichen Ufer, zehn können stehen bleiben.

Die Maßnahme werde keine Verschlechterung bei Hochwassersituationen bringen, betonte Frank Gries von der mit den Planungen beauftragten Ingenieursgesellschaft Heidt+Peters (Celle). Bei Niedrigwasser beträgt der Durchfluss in der Ilme heute etwa ein Kubikmeter Wasser pro Sekunde, beim Normalpegel sind es durchschnittlich 4,6 Kubikmeter, bei einem errechneten Jahrhundert-Hochwasser können es 113 Kubikmeter pro Sekunde sein.

Für das Projekt werden etwa 19.000 Kubikmeter Boden bewegt. Rund 3200 Kubikmeter werden für Böschung und Wall wieder verbaut. Der Rest könnte für Hochwasserschutzmaßnahmen zur Verfügung stehen. Eine Entscheidung dazu steht aber noch aus. Der Bauausschuss des Einbecker Stadtrates verschob eine Entscheidung zum so genannten Linienschutz; zunächst sollen hierzu die Fraktionen beraten – allerdings mit Blick darauf, dass die Entscheidung dringend ist. Trotz einer hohen Förderquote blieben noch fast fünf Millionen Euro für die Stadt als Kosten übrig, das wollte niemand aus dem Handgelenk verantwortlich so vor der Sommerpause durchwinken. Fachbereichsleiter Frithjof Look berichtete von einer neuen Entwicklung in Hannover, es gebe jetzt anders als ursprünglich gedacht doch Fördergelder. Der Bauamtsleiter appellierte, die Planung fortzusetzen und einen Förderantrag für 2018 zu stellen. Im Zusammenhang mit den ebenfalls für 2018 geplanten Maßnahmen an der Ilme ergebe sich zudem die Chance, die große Menge Erde (16.000 Kubikmeter) für den Linienschutz einzusetzen.

Querschnitt: So soll die Flutmulde mit Sekundäraue aussehen. (c) Ingenieurgemeinschaft Heidt + Peters (Celle)

Querschnitt: So soll die Flutmulde mit Sekundäraue aussehen. (c) Ingenieurgesellschaft Heidt + Peters (Celle)

So sollen die Riegel aufgebaut sein. (c) Ingenieurgemeinschaft Heidt + Peters (Celle)

So sollen die Riegel aufgebaut sein. (c) Ingenieurgesellschaft Heidt + Peters (Celle)