Hier lohnt es sich auszusteigen

Bahnhof in Kreiensen mit Schild.

Wer sich mit der Eisenbahn Einbeck nähert, wird ja bald nicht mehr in Salzderhelden oder in Kreiensen aussteigen müssen, um die Innenstadt mit dem Zug zu erreichen. Sobald die Strecke ab Frühjahr 2018 reaktiviert ist, fahren Personenzüge bis Einbeck-Mitte, ab Ende des Jahres dann aus Göttingen auch direkt. Aber um als Auswärtiger überhaupt erst einmal den Impuls zu verspüren, auf dem Weg mit der Eisenbahn doch mal in Einbeck zu verweilen, möchte die SPD an den Bahnhöfen großformatige Hinweisschilder aufstellen, das hat sie beantragt. Im Rathaus hat man sich vor der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung mit dem Thema beschäftigt und die Kosten (mindestens 8000 Euro brutto) aufgeführt, die ein solches Unterfangen verursachen würde, beispielsweise eine große Plakatwand aufzustellen. Und wie der Fachbereichsleiter für Wirtschaftsförderung und Bauen, Frithjof Look, in der Sitzung ergänzte, gebe es keine optimalen Standorte für solche Hinweisschilder. Aus dem Zug heraus seien solche Hinweisplakate, wie es sie beispielsweise in Alfeld gibt, nur aus wenigen Waggons und von wenigen Plätzen zu sehen, wenn der Metronom in Salzderhelden hält. Alexander Kloss (SPD) spricht sich dafür aus, es wenigstens auszuprobieren, mit Kreativität und Kooperationen werde es ja vielleicht noch günstiger und besser. „Bitte lassen Sie es uns versuchen.“ Vielleicht, so Kloss, eigne sich ja auch das ehemalige Stellwerk in Salzderhelden in Street-Art-Manier dafür, Bahnfahrer auf Einbeck als touristischen Ort hinzuweisen. Das hinzugewählte Ausschussmitglied Jürgen Herbst regte an, mit der Bahn zu sprechen, ob nicht unter den Ortschildern auf den Bahnhöfen Zusätze möglich wären wie beispielsweise in Göttingen („Stadt die Wissen schafft“), das wäre dann in Einbeck die „Stadt der Brau- und Fachwerkkunst“. Einstimmig beauftragte der Kulturausschuss die Verwaltung, diese Möglichkeiten zu prüfen und zu verhandeln und dem Ausschuss wieder vorzulegen.

Rotkäppchen gesucht

Bahnhof Kreiensen mit Service-Personal. Foto: SPD

Der Bahnhof Kreiensen braucht Service-Personal, sagt die SPD. Foto: SPD

Die SPD- Ratsfraktion hat heute einen Vorstoß unternommen, damit es auch weiterhin Rotkäppchen auf dem Bahnhof in Kreiensen geben kann. So werden die Service-Mitarbeiter mit der markanten roten Kappe liebevoll genannt. Wie die Sozialdemokraten in einer Pressemitteilung schreiben (Wortlaut: SPD PM Bahnhof Kreiensen 100215), ist menschliches Personal auf einem Bahnhof wie Kreiensen unerlässlich, es könne nicht durch Anzeigensysteme oder Durchsagen ersetzt werden. Die Stadtverwaltung soll DB Station & Service, Landesnahverkehrsgesellschaft, Verkehrsverbund Südniedersachsen, DB Regio Nord, Metronom und Nordwestbahn an einem Tisch versammeln, fordert die SPD. „Es darf kein Versuch unterbleiben, die Attraktivität des Bahnhofs Kreiensen und die Bedeutung als regionaler Umsteigebahnhof für die Zukunft zu sichern“, sagt Ratsherr Klaus-Reiner Schütte (Greene) laut der Pressemitteilung.

Die Erkenntnis freilich, dass es bald keine Rotkäppchen mehr geben würde, ist so neu nicht. Leser dieses Blogs wussten es imgrunde schon vor einem Jahr, als Bahnhofsmanager Detlef Krusche dieses öffentlich erklärt und letztlich auch der Einbecker Bürgermeisterin bei deren Besuch auf dem Bahnhof persönlich bestätigt hatte. Von Ergebnissen eines Verwaltungsausschuss-Auftrages von Mai 2014, an die Deutsche Bahn AG noch einmal offiziell zu appellieren, den Abzug des Service-Personals kritisch zu hinterfragen, wurde nichts bekannt. Man kann also getrost davon ausgehen, dass dieser Vorstoß fruchtlos war, andernfalls hätten wir sicherlich öffentlich davon gehört. Die neue Idee der SPD ist eine Überlegung wert, vielleicht lässt sich ja wirklich Service-Personal von mehreren interessierten Stellen finanzieren. Darüber sprechen sollte man. Kreiensen ohne Rotkäppchen darf es nicht geben. In der Tat: Kein Versuch darf unterbleiben.