Automobiles Kulturgut im Politikbetrieb

MdB Carsten Müller (CDU). Foto: Laurence Chaperon / Bundestag

MdB Carsten Müller (CDU). Foto: Laurence Chaperon / Bundestag

Historische Fahrzeuge sollen auf der Straße erlebbar bleiben – möglichst unterstützt durch den Status als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe für Oldtimer. Das ist das Ziel des Bundestag-Parlamentskreises Automobiles Kulturgut (PAK). Ein “Insider” berichtet über diese Lobby-Arbeit in Kürze in Einbeck: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller, Vorsitzender des fraktionsübergreifenden PAK, spricht am Mittwoch, 15. März, ab 19 Uhr auf Einladung der PS-Speicher-Förderfreunde im PS-Speicher in Einbeck über die Bedeutung des automobilen Kulturgutes im Politikbetrieb. Die Veranstalter stellen Müller als “Niedersachse, Jurist, Politiker, Oldtimer-Liebhaber und aktives Vereinsmitglied bei den Förderfreunden PS-Speicher” vor, der den Sachverhalt “interessant, allgemein verständlich und in der ihm eigenen humorvollen und packenden Art erläutern” werde. In der Tat dürfte für Unterhaltung gesorgt sein, gilt Müller doch nicht nur als eloquenter Redner, sondern auch als jemand, der eigene Fehler humorvoll zugeben kann. So war es der 46-jährige Braunschweiger, der bei der PS-Rallye im Sommer vergangenen Jahres als einziger in Göttingen die falsche (kurzfristig geänderte) Strecke nahm und über den Marktplatz am Gänseliesel vorbei fuhr – und sich wunderte, dass dort überhaupt kein Streckenposten war. Auf dem Beifahrersitz des cremefarbenen Mercedes 300 S Cabriolet von 1952 saß übrigens Müllers CDU-Kollege Dr. Roy Kühne.

Die PAK-Mitglieder nutzen ihre Expertise in Diskussionen und Arbeitsgruppen, um mögliche Probleme frühzeitig zu erörtern und nach Lösungen zu suchen. Unter dem Motto „Agieren statt reagieren“ treffen sich regelmäßig rund 70 Mitglieder aus Politik, Wirtschaft, Medien, Verbänden und der Oldtimerszene, um sich gegenseitig auszutauschen. Dazu zählen etwa gesetzliche Änderungen im Bereich von Zulassungen, Fahrverboten, Kennzeichenerteilungen oder Steuererhebungen. Maßgebliches Ziel ist es, historische Fahrzeuge als Kulturgut auf den heutigen Straßen weiterhin erlebbar zu halten. Zudem soll die intensive und sehr häufig ehrenamtliche Arbeit der Oldtimer-Szene für den Erhalt der automobilen Tradition und des automobilen Handwerks auch durch institutionelle Unterstützung wie etwa einem UNESCO-Titel langfristig anerkannt werden. Der Parlamentskreis hat Anfang 2015 den gemeinnützigen Verein „IAK – Initiative Automobile Kultur e.V.“ (IAK) gegründet. Vereinsziel ist, die Anerkennung der automobilen Kultur als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Mit der anerkannten Auszeichnung soll die Bewegung zum Erhalt der historischen Fahrzeuge weiter ausgebaut und geschützt, die Gemeinschaft gestärkt sowie die lokale Bevölkerung als Schlüsselakteure stärker eingebunden werden, heißt es in einer Presseinfo der Veranstalter. Für Förderfreunde des PS-Speichers ist der Eintritt am 15. März frei, alle anderen zahlen 5 Euro an der Abendkasse. Nach der Veranstaltung besteht die Möglichkeit, sich in geselliger Runde bei Snacks und Getränken mit Gleichgesinnten auszutauschen. Anmeldung zur Veranstaltung unter Telefon 05561 92320270 oder per E-Mail an ursula.raschke@ps-speicher.de

Carsten Müller bei der PS-Rallye im Juli 2016, zusammen mit Roy Kühne, im Hintergrund Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (mit Tuch).

Carsten Müller bei der PS-Rallye im Juli 2016, zusammen mit Roy Kühne, im Hintergrund Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (mit Tuch und Sonnenbrille).

Freiheit, Freigeist, Freidemokrat

Wolfgang Kubicki (FDP) in Einbeck.

Wolfgang Kubicki (FDP) in Einbeck.

Er wählt die Freiheit. Und akzeptiert es, wenn auch nur zähneknirschend, dass 80 Prozent der Wähler dies seiner Meinung nach nicht tun. FDP wählen nämlich. “Aber ich würde deshalb keine Briefwahl-Party veranstalten, um den Leuten zu sagen, wo sie ihr Kreuz machen sollen”, sagt der 64-Jährige: Wolfgang Kubicki, eines der bekanntesten Gesichter der Freidemokraten, hat etwas gegen Bevormundung. Er möchte selbst entscheiden (ob er beispielsweise den Aufzug nimmt oder die Treppe geht): “Ich bin nicht nur ein guter Mensch, wenn ich 1000 Schritte am Tag gehe.” Er möchte die Freiheit haben, zu dürfen und zu wollen. An die Freiheit haben sich die Menschen gewöhnt in Deutschland, sagt Kubicki beim Pressegespräch in Einbeck. Eine gute Bildung und Ausbildung sei die beste Voraussetzung dafür, im Leben selbst entscheiden zu können. Der FDP-Vize mag diejenigen nicht, die den Menschen erklären, sie wüssten was besser für sie ist. Die Grünen hat er da im Auge, aber auch die SPD. Die Menschen bräuchten keine Anleitung im Leben, sondern Freiheit. Ein Selbstbestimmungsrecht. Die Wirtschaft brauche Freiheit. Eine Unternehmensgründung in einer Garage? Das wäre in Deutschland niemals genehmigt worden. Wolfgang Kubicki möchte sich auch nicht sagen lassen, was er in seinem eigenen Garten pflanzen dürfe (und was nicht). Und mit was seine Mülltonne gefüllt zu sein habe. Er nennt das “Renitenzgen”, das jeder Freidemokrat habe. Der FDP-Politiker ist (nicht nur) an diesem Abend ein Freigeist, das Hotel passt perfekt zum Thema seines Vortrags in Hardegsen am 17. Juni, dem Tag der Deutschen Einheit, mit dem die Kreis-FDP um ihren Vorsitzenden Christian Grascha ihren Kommunalwahlkampf einläutete. Zeit, sich die Oldtimer-Sammlung im PS-Speicher anzuschauen, hatte Oldtimer-Fan Kubicki nicht. Früher hatte er selbst mal welche, heute nicht mehr. “Keine Zeit.” Nach Einbeck schaffte es Wolfgang Kubicki pünktlich aus Berlin – trotz mehrerer Staus auf der Autobahn. Der gebürtige Braunschweiger kannte noch die Abkürzungen, auch eine bei Seesen. Und der Freidemokrat ließ seinen Fahrer nicht aufs Navi hören, sondern auf ihn. Er nahm sich die Freiheit.

Licht im Leuchtturm

Das Kornhaus wird ab XX zum PS-Speicher, dann wird auch der Parkplatz (rechts) auf dem ehemaligen Gelände des Jugendzentrums fertig sein. Archivfoto

Das Kornhaus wird ab 23. Juli 2014 zum PS-Speicher, dann wird auch der Parkplatz (rechts) auf dem ehemaligen Gelände des Jugendzentrums fertig sein. Archivfoto

Das Geheimnis ist gelüftet: Ab dem 23. Juli wird Licht im Leuchtturm sein. An diesem Tag öffnet nach Jahren der Planung und nach dem drei Jahre dauernden umfangreichen Umbau des alten Kornhaus-Gebäudes die Erlebnisausstellung über die Geschichte der Mobilität, der PS-Speicher. Das Datum zeichnete sich zuletzt immer mehr ab, die neue, von Graf Hardenberg betriebene Gastronomie beispielsweise sucht bereits seit einiger Zeit gezielt zum 1. Juli nach Personal für die Kornhaus-Restauration.

Das Millionen-Projekt, das immer gerne als “Leuchtturm” bezeichnet wird, weil es weit über die Grenzen Einbeck sichtbare Strahlkraft entfalten soll, ist auch dank kräftigen Rückenwindes durch die Politik auf den Weg gebracht. Vor allem hat zwar Stifter Karl-Heinz Rehkopf das ehrgeizige Vorhaben, seine riesige Sammlung von Oldtimern auf zwei und vier Rädern staubfrei öffentlich zu zeigen, mit der eigens gegründeten Kulturstiftung Kornhaus voran getrieben. Ohne die Unterstützung der regionalen und überregionalen Politik allerdings wäre der PS-Speicher nicht so weit wie er heute ist.

Damit sind nicht nur die öffentlichkeitswirksamen Politiker-Besuche gemeint, ob beispielsweise vom niedersächsischen Wirtschaftsminister oder von der Kultusministerin.

Die lokale Politik, im Rathaus und im Stadtrat, hatte die städtebauliche Planung auf den Weg zu bringen, tat das mit viel Wohlwollen, gab ganze Straßen preis, hatte aber auch manche Frage zu klären. Dabei hat sie es nicht jedem recht machen können, wen wundert’s.

Und die Kommunalpolitik hatte dabei eine schwere Nuss zu knacken – und sie verdaut noch daran: das Haus der Jugend muss dem Parkplatz des PS-Speichers weichen. Das hat eine viele Monate, quälend langsame, manchmal schwer verständliche Diskussion gebracht, die noch lange nicht an ihrem Ende ist, wenn der PS-Speicher seine Pforten öffnet…

Die Marktkirche, vom PS-Speicher im Kornhaus aus gesehen.

Die Marktkirche, vom PS-Speicher im Kornhaus aus gesehen.