Mister Stadtwerke geht in den Ruhestand

Horst Diercks, Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Amelung, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Abschied: Horst Diercks (l.), Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Amelung, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Ein Drittel der 1865 begonnenen Stadtwerke-Geschichte in Einbeck hat er beruflich miterlebt, Jahrzehnte davon maßgeblich selbst gestaltet: Horst Diercks. 50 Jahre lang war der gebürtige Einbecker beim Energieversorger beschäftigt, hat dort am 1. April 1965 seine Lehre begonnen und scheidet Ende Juli als Geschäftsführer aus, Mister Stadtwerke geht mit 65 Jahren in den Ruhestand. „Das hätte ich mir selbst nicht träumen lassen“, sagt Horst Diercks, wenn er auf fünf Jahrzehnte Berufsleben zurück blickt. „Es war immer spannend.“ Und in der Tat dürfte es in Zukunft immer weniger Menschen geben, die 50 Jahre von der Lehre bis zur Rente bei ein und demselben Unternehmen arbeiten. Wenn überhaupt. „Sie müssen jetzt nicht mehr das tun, was sich rentiert, sondern das, was sich lohnt“, verabschiedete Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek den Stadtwerke-Geschäftsführer.

Als Horst Diercks seinen Schreibmaschinenkursus absolviert hatte, zu dem er von seinem späteren Arbeitgeber 1965 aufgefordert worden war, und pünktlich seine Lehre zum Industriekaufmann antrat, nahm er noch auf einem ungepolsterten Küchenstuhl Platz, berichtete er. Und musste die Bleistifte anspitzen und für alle an jedem Arbeitstag vor Beginn im Büro die Kalender weiterstellen. Damals waren die Stadtwerke ein Werksbetrieb der Stadt Einbeck. Diercks‘ erstes großes eigenes Projekt war die Erfassung aller installierten Gas-Geräte im Versorgungsgebiet der Stadt im Jahr 1971. Ein Jahr später stellten die Stadtwerke von selbst produziertem Stadtgas auf Ferngas aus Salzgitter um. „Ich hatte gute Ausbilder und Vorgesetzte, die mich gefördert und geformt haben“, dankte Diercks. „Und tolle Kollegen und eine gute Belegschaft, die loyal zur Seite gestanden haben.“

Mister Stadtwerke hat den Energieversorger, der mit Schwimmbad, Parkhaus, Windrädern und Stromtankstelle längst mehr als das ist, geprägt wie kaum jemand zuvor. Seit 1985 war Horst Diercks kaufmännischer Abteilungsleiter, seit 1995 kaufmännischer Werksleiter der Stadtwerke, die im Jahr 2000 zur GmbH wurden. Innerhalb von nur einem Vierteljahr hat vor 15 Jahren die Kommunalpolitik die Weichen gestellt und den städtischen Eigenbetrieb zur 100-Prozent-Tochter der Stadt umgewandelt. Allein hat das damals Politik nicht geschafft. Alle politischen Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte, von der Auseinandersetzung um die Abwasserbeseitigung in den Norddörfern Mitte der 1990-er Jahre über die ersten Windkraftanlagen bis hin zur Übernahme des Strom- und Wassernetzes nach der Fusion mit Kreiensen 2013, tragen seine Hand- und Unterschrift. „Wir machen ganz schön viel“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Cranen heute.

Klug hat Mister Stadtwerke vorgesorgt und sein Haus zeitig bestellt. Seit 2012 läuft intern die Stärkung der zweiten Ebene, die es erlaubt, künftig mit nur noch einem Geschäftsführer die Stadtwerke zu steuern. Eine freundliche Bitte waren Horst Diercks‘ Abschiedsworte, mancher mag sie gerne auch als Warnung verstehen: „Passt mir auf die Stadtwerke auf.“

Innovativ bis zum Schluss: Horst Diercks (links) mit Bürgermeisterin und Geschäftsführer-Kollege Bernd Cranen bei der Freigabe der Einbeck-App.

Innovativ bis zum Schluss: Horst Diercks (links) mit Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Geschäftsführer-Kollege Bernd Cranen bei der Freigabe der neuen Einbeck-App während der Feierstunde zu 150 Jahre Gas- und 125 Jahre Wasserversorgung.

12 aus 21, Urgesteine neben Frischlingen

40 Jahre neben 14 Monaten: Ehrung ausgeschiedener Ratsmitglieder.

40 Jahre neben 14 Monaten: Ehrung ausgeschiedener Ratsmitglieder.

Als richtig gelungen habe ich die Verabschiedung und Ehrung ausgeschiedener Ratsmitglieder bei der gestrigen Sitzung nicht empfunden. Mit Urkunde und Buch/Bild-Präsent dankte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek den engagierten Frauen und Männern, die sich im Stadtrat Einbeck und im Gemeinderat der ehemaligen Gemeinde Kreiensen für das Gemeinwohl eingesetzt haben.

Nicht nur, dass lediglich zwölf von 21 zu ehrenden persönlich anwesend waren. Warum auch immer.

Es stand ein Urgestein wie Burghard Jablonski (SPD), der 40 Jahre lang im Rat aktiv war und 2013 nicht mehr kandidiert hatte, neben „Frischlingen“ wie Udo Mattern, Marc Hainski, Siegfried Kappey (alle GfE) oder Günter Rönpagel (Grüne), die alle nur 14 Monate dem Stadtrat angehört haben und im Januar kandidiert hatten, aber nicht wiedergewählt wurden. Albert Bracharz (SPD), seit 1986 im Stadtrat aktiv und wie Jablonski viele Jahre lang Ausschuss-Vorsitzender, ging es ebenso wie Jablonski. Ebenso Georg Gehrig war seit 1986 im Gemeinderat Kreiensen dabei. Da hätte man im Sinne der Wertigkeit der Ehrung besser sortieren sollen.

Verabschiedet wurden folgende ehemalige Mitglieder der Räte Einbeck und Kreiensen:

Seit 1972: Burghard Jablonski.

Seit 1986: Albert Bracharz, Georg Gehrig.

Seit 1991: Manfred Friedrich.

Seit 1996: Dieter Nagel, Thomas Schlachter.

Seit 2001: Andrea Bohnsack, Marion Schelm.

Seit 2006: Helmut Giesel, Rainer Hamann, Anne Tybuhl, Ulrike Seidel, Dietlind Ostermann.

Seit 2011: Georg Folttmann, Marc Hainski, Siegfried Kappey, Udo Mattern, Kurt Meyerholz, Peter Osterloh, Günter Rönpagel, Robert Kleinhans.