Grabungen am Weinberg

Baugebiet am Weinberg. Archivfoto

Dies ist erst die Vorstufe zur Vorstufe: Ein neuer Bebauungsplan ist noch keine aktuelle Beschlusslage, er muss erst noch aufgestellt werden. Und ob vor all diesem eventuell noch ausführliche archäologische Grabungen stattfinden müssen, das sollen jetzt Voruntersuchungen des Stadtarchäologen Markus Wehmer ergeben, die kommende Woche geplant sind. Erinnert sei in diesem Zusammenhang noch einmal an die erschreckend entlarvenden Debatten in den politischen Gremien Ende 2015, als es um neue Baugebiete in und für Einbeck ging. Vor 2020 dürfte am Weinberg ohnehin kein weiteres Haus gebaut werden, weil die Ausweisung von neuem Bauland an allen möglichen Standorten im Stadtgebiet viel Arbeitskraft im städtischen Planungsamt bindet, war damals die Ansage. Die SPD drängte trotzdem darauf, auch am Weinberg weiteres Bauland zu erschließen. Und dann war da ja mal was mit Erschließungsbeiträgen in dem bereits bestehenden Baugebiet am Weinberg…

Kommenden Montag (13. März) jedenfalls beginnen die archäologischen Voruntersuchungen am Weinberg in Einbeck. Die Stadt Einbeck beabsichtige gemeinsam mit einem Erschließungsträger die Schaffung von neuem Bauland für Einfamilienhäuser, teilte Bauamtsleiter Frithjof Look mit. Um im Vorfeld des aufzustellenden Bebauungsplanes den Untersuchungsaufwand einschätzen zu können, eventuell weiter graben zu müssen, soll mit zunächst vier
Suchschnitten der Erhaltungszustand und die Besiedelungsdichte von hier vermuteten Siedlungsgruben und Hausgrundrissen untersucht werden. Die notwendigen Baggerarbeiten werden voraussichtlich eine Woche dauern, im direkten Anschluss daran erfolgt die Dokumentation und Ausgrabung der dabei entdeckten archäologischen Hinterlassenschaften, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Unmittelbar nördlich des zu erschließenden Baugebietes, am Negenborner Weg, fanden bereits zwischen 1990 und 1993 Ausgrabungen statt (“Kugenhusen”). Dabei konnte eine hochmittelalterliche Töpferei aus dem Zeitraum 1140 bis 1220 mit insgesamt elf Töpferöfen großflächig untersucht werden. Die überregional bedeutsamen Grabungsergebnisse wurden vom damaligen Einbecker Stadtarchäologen Dr. Andreas Heege veröffentlicht. Eine Auswahl der hier hergestellten, zeittypischen Töpfereierzeugnisse – Kugelbodentöpfe, Kannen und Schalen – kann im Einbecker Stadtmuseum besichtigt werden. Neben der mittelalterlichen Töpferei wurde vor 25 Jahren auch der Randbereich einer Siedlung aus der älteren Eisenzeit (800 bis 400 vor Zeitrechnung) entdeckt, welche sich in das geplante Baugebiet am Weinberg erstrecken dürfte, so die Vermutung der Experten.

Nachtrag 13.03.2017: Die Grabungen haben heute wie geplant begonnen.

Grabungsbeginn am Weinberg.

Neuer Stadtarchäologe gefunden

Die Nachfolge für den bisherigen Stadtarchäologen Dr. Stefan Teuber ist gefunden. Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek aus dem gestrigen Verwaltungsausschuss berichtete, hat sich das Gremium einstimmig auf Markus Wehmer geeinigt. Es gab mehr als 40 Bewerbungen, sechs Bewerber haben sich vorgestellt. Der neue Stadtarchäologe beginnt seinen Dienst bei der Stadtverwaltung Einbeck zum 1. Januar 2017. Wehmer (37) hat Ur- und Frühgeschichte, Geologie und Volkskunde/Kulturgeschichte in Jena studiert und ist seit zehn Jahren beim Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie tätig. Dort habe er unter anderem zahlreiche Grabungen geleitet und durchgeführt, große Teams ebenso wie kleine, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Ich freue mich sehr, dass wir Herrn Wehmer für die Stadt Einbeck gewinnen konnten. Er hat sich aufgrund seiner hervorragenden Qualifikation durchgesetzt. Einer nahtlosen Nachfolge im Amt des Stadtarchäologen steht damit nichts im Wege.“ Ganz nahtlos ist die Nachfolge freilich nicht: Teuber, der ab 2017 in Northeim Museums- und Archivleiter ist, hat sein Büro bereits vor Wochen geräumt, eine direkte Übergabe gar mit Einarbeitungsphase entfällt durch die späte Personalentscheidung.