Wenn erst der Zug bis zur Sachsenbreite fährt…

Bei seinem Besuch bei der Ilmebahn GmbH machte SPD-Bürgermeisterkandidat Dirk Heitmüller sozusagen eine Reise von der Realität in die Zukunft. Während mit der Reaktivierung der Bahnstrecke bis Einbeck-Mitte die Fahrgastzahlen die Erwartungen deutlich übertreffen, gehört am Endpunkt Sachsenbreite unweit des Klapperturms noch viel Phantasie dazu, sich auf dem Maisacker einen Holzladeplatz und vielleicht sogar einen Park&Ride-Pendlerparkplatz vorzustellen. Beides ist in komplizierter, langwieriger Planung, informierte Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel gemeinsam mit Aufsichtsratsvorsitzender Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Ilmebahn-Prokurist Dr. Hartmut Heuer.

Ein Foto an der Sachsenbreite mit SPD-Kandidat Dirk Heitmüller.

Bis zum Bahnkilometer 7,72 machte sich Dirk Heitmüller am Bahnhof Einbeck-Mitte, auf dem Betriebshof der Ilmebahn sowie am Haltepunkt Fichtestraße am PS-Speicher kundig über den Sachstand mehrerer Projekte. Am Bahnhof Einbeck-Mitte wurde dem Salzderheldener Ortsbürgermeister bestätigt, dass die reaktivierte Strecke sehr gut angenommen werde, die Zahlen über den Erwartungen liegen. Deutlich sogar. Gerne würde die Ilmebahn auch noch, vor allem im nahen Winter, ihr Bahnhofsgebäude für Zugreisende öffnen, man zögere aber ob der zahlreichen Beschmierungen und Vandalismus-Ereignisse in jüngster Zeit auf dem Bahnsteig-Areal, schilderten Geschäftsführer Christian Gabriel und Prokurist Dr. Hartmut Heuer unisonso. Vielleicht lasse sich in Verbindung mit den laufenden Planungen der ZOB-Umgestaltung eine Unterstand-Lösung für beide Seiten finden und gleichzeitig Doppelstrukturen vermeiden.

Dirk Heitmüller an der grünen Ilmebahn-Lok.

Auf dem Betriebshof der Ilmebahn erfuhr der SPD-Bürgermeisterkandidat, dass dort drei Mechaniker und ein Meister in der Werkstatt arbeiten, die 30 Busse und zwei Lokomotiven warten. Die Ilmebahn würde gerne weitere moderne Diesel-Hybrid-Busse anschaffen, das Problem sei bei Gesamtkosten von 246.000 Euro und einer 40-Prozent-Förderung der verbleibende hohe Eigenanteil, informierte Gabriel seinen Gast.

Auf dem Bahnsteig Fichtestraße zwischen PS-Speicher und Hotel Freigeist (v.l.): Dirk Heitmüller, Christian Gabriel, Astrid Klinkert-Kittel, Dr. Hartmut Heuer.

Begründete Hoffnung macht sich die Ilmebahn, in Zukunft einige Züge bis zum bestehenden Haltepunkt Fichtestraße am PS-Speicher durchfahren lassen zu können. Die Strecke dafür ist jedenfalls bereits ausgerüstet. Die bislang eher ablehnende Landesnahverkehrsgesellschaft beginne auch umzudenken. Ende September habe man die nächsten Gespräche, sagte Ilmebahn-Aufsichtsratschefin Astrid Klinkert-Kittel, man könne vorsichtig optimistisch sein. Heute stehen einige Zugverbindungen länger in Einbeck-Mitte, diese Züge könnte man auch stattdessen bis Fichtestraße weiterfahren lassen. Es müssten ja gar nicht alle Züge durchfahren, aber morgens und mittags zur Schulzeit der nahen BBS Einbeck und am Wochenende für den PS-Speicher würde ein durchgehendes Schienenangebot bis zur Fichtestraße gut nachgefragt, ist Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel sicher.

Auf dem Bahnsteig Einbeck-Mitte (v.l.): Andreas Filipps, Peter Traupe, Dirk Heitmüller, Christian Gabriel, Dr. Hartmut Heuer (verdeckt) und Astrid Klinkert-Kittel.

Bahn-Signale bis BBS

Die Einbecker Innenstadt-Bahnstrecke (hier am Neuen Rathaus) soll wieder regelmäßig befahren werden, der RB 86 bis zur BBS und zum PS-Speicher verkehren.

Damit das Signal wieder auf Grün springt, sendet die SPD ein politisches Signal: Wie schon ähnlich im Einbecker Stadtrat auf ihre Initiative hin im April einstimmig beschlossen, haben die Sozialdemokraten jetzt im Northeimer Kreistag einen Antrag eingebracht, damit die bereits technisch dafür modernisierte Innenstadt-Bahnstrecke der Ilmebahn in Einbeck regelmäßig bis zum PS-Speicher von der Deutschen Bahn AG bedient wird. Dafür sollen sich die Landrätin und die hiesigen Landtagsabgeordneten bei der Landesnahverkehrsgesellschaft für eine Aufnahme des Haltepunktes am PS-Speicher in den Fahrplan der Regionalbahn 86 einsetzen, um die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs in Einbeck zu vervollständigen, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Da der Triebwagen der Regionalbahn 86 von Salzderhelden kommend nach der Ankunft im Bahnhof Einbeck-Mitte sowieso eine halbe Stunde Aufenthalt hat, kann diese Zeit auch für eine Fahrt zum Haltepunkt am Tiedexer Tor genutzt werden, meint die SPD-Kreistagsfraktion, die ihren Antrag zusammen mit ihrem Partner FDP/GfE stellt. Profitieren würde davon neben dem Oldtimer-Museum und dem benachbarten Hotel vor allem auch die Schüler der in unmittelbarer Nähe liegenden Berufsbildenden Schulen, die durch das breite Fächerspektrum der BBS aus weiten Teilen der Region stammen. Und mit dem in Planung befindlichen Haltepunkt an der Otto-Hahn-Straße (nahe KWS) würde die Regionalbahn 86 dann in der Einbecker Kernstadt drei Stationen bedienen und über den Bahnhof Einbeck- Salzderhelden weiterführende Ziele auf dem Schienenweg erreichbar machen. „Es wäre ein weiterer wichtiger Schritt bei der Reduzierung des Individualverkehrs und der strukturellen Stärkung des ländlichen Raums“, schreibt die SPD/FDP/GfE in ihrem Antrag. Der Auftrag hierzu müsse von der Landesnahverkehrsgesellschaft ausgehen, wobei es die Antragsteller-Fraktionen für sinnvoll erachten, wenn ähnlich wie der Rat der Stadt Einbeck auch der Kreistag sein Interesse an diesem Schritt bekundet. Eben ein Signal senden.

Nächster Halt…

Freie Fahrt für den neuen Haltepunkt am PS-Speicher (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Kulturstiftung-Kornhaus-Vorstand Holger Eilers, Stifter-Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Rehkopf sowie Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Freie Fahrt für den neuen Haltepunkt am PS-Speicher (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Kulturstiftung-Kornhaus-Vorstand Holger Eilers, Stifter-Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Rehkopf sowie Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Ilmebahn-Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Viele der 1800 Besucher bei der Eröffnung des PS-Depots im Otto-Hahn-Park im Osten Einbecks haben am Sonnabend die bequeme Anreise direkt vom PS-Speicher genutzt und sind einmal mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen der Ilmebahn GmbH quer durch die Stadt gefahren. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der Kulturstiftung Kornhaus nach langer Planungs- und Genehmigungszeit den 40 Meter langen Haltepunkt-Bahnsteig zwischen dem PS-Speicher und dem Hotel Freigeist am Tiedexer Tor eröffnet. Für rund 80.000 Euro ist dort ein Außenbahnsteig gebaut worden, der kombiniert auch als Geh- und Radweg der benachbarten Fichtestraße genutzt wird. „Der Haltepunkt ist neben Ausstellung, Hotel Freigeist und bald der PS-Halle ein weiterer Baustein, der den neu entstandenen Stadtteil langsam komplett macht“, sagte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Gefördert wurde das Haltepunkt-Projekt am PS-Speicher von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, da vorerst nur Tourismus-Sonderzüge dort abgewickelt werden sollen. Durch den Haltepunkt können größere Besuchergruppen direkt vom Netz der Deutschen Bahn AG bis vor die Tür des Oldtimer-Ausstellungshauses PS-Speicher fahren. „Mit dem Haltepunkt wird der PS-Speicher noch fortschrittlicher und überregional erschlossen und vernetzt“, freute sich Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Die reaktivierte Bahnstrecke bis Salzderhelden rückt bald Einbeck wieder ein Stück näher an das nationale Schienennetz heran“, sagte der Vorstand der Kulturstiftung Kornhaus, Holger Eilers. „Das ist gut für Einbeck und für den PS-Speicher.“ Künftig wird an jedem ersten Sonnabend im Monat das PS-Depot für Besucher öffnen; vom Haltepunkt am PS-Speicher fährt dann der „Ilmeblitz“ dorthin. Für angemeldete Gruppen soll es einen ähnlichen Service geben – auch während der Woche, kündigte Eilers an.

Und wer weiß, deutete der Vorstand der Kulturstiftung Kornhaus an, vielleicht werde der neue Haltepunkt ja mal zum regulären Zuganschluss für Schüler der nahen BBS Einbeck, wenn erst wieder regelmäßig die Züge zwischen Göttingen/Salzderhelden und Einbeck-Mitte fahren… Auch Einbecks größter Arbeitgeber KWS baggert ja kräftig, einen Halt an der reaktivierten Bahnstrecke nach Salzderhelden zu bekommen…

Bei aller Euphorie für eine wieder regelmäßig genutzte Bahntrasse: Wenn der Zug zwischen Einbeck und Salzderhelden zu oft zwischenhält, ist der zeitliche Vorteil gegenüber dem Bus schnell wieder aufgebraucht. Außerdem dürften auch die öffentlich gemachten 600 Personen pro Werktag, die ab 2018 am Bahnhof Einbeck in den Zug ein- und aussteigen sollen, mit all den Infrastruktur-Überlegungen danach berechnet worden sein, dass nicht noch ein oder zwei andere stark frequentierte Zustiegmöglichkeiten zwischendrin geschaffen werden.

Haltepunkt: Lange geplant, schnell gebaut

Jetzt endlich im Bau: der Haltepunkt zwischen Hotel Freigeist (rechts) und PS-Speicher am Tiedexer Tor.

Jetzt endlich im Bau: der Haltepunkt zwischen Hotel Freigeist (rechts) und PS-Speicher am Tiedexer Tor in Einbeck.

Die Ilmebahn hat mit den Bauarbeiten für einen Haltepunkt-Bahnsteig zwischen dem PS-Speicher und dem Hotel Freigeist am Tiedexer Tor begonnen; sie sollen je nach Witterung bis spätestens Ende März abgeschlossen sein, sagte Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel. An Kilometer 5,56 der Strecke zwischen Salzderhelden und dem Endpunkt Sachsenbreite entsteht für rund 80.000 Euro ein 40 Meter langer Außenbahnsteig, der kombiniert auch als Geh- und Radweg der Fichtestraße genutzt wird. Vorausgegangen war ein mehrjähriges, aufwändiges Planungs- und Genehmigungsverfahren für den neuen Haltepunkt. Finanziell gefördert wird das Projekt von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, da vorerst nur Tourismus-Sonderzüge dort abgewickelt werden sollen. Durch den Haltepunkt können größere Besuchergruppen direkt vom Netz der Deutschen Bahn AG bis vor die Tür des PS-Speicher fahren. Bis Ende 2017 wird die Bahnstrecke zwischen Salzderhelden und Einbeck-Mitte für den regelmäßigen Schienenpersonennahverkehr reaktiviert. Bislang mussten die Fahrgäste von sporadischen Fahrten, etwa mit Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), immer über eine provisorische Trittleiter aus dem „Ilmeblitz“-Triebwagen aussteigen.

Provisorischer Tritt-Ausstieg, hier bei einer Fahrt im Jahr 2013. Archivfoto

Provisorischer Tritt-Ausstieg am PS-Speicher, hier bei einer Fahrt im Jahr 2013. Archivfoto

Das Oldtimer-Ausstellungshaus PS-Speicher in Einbeck öffnet ab dem 1. März übrigens auch am Dienstag für Besucher seine Türen. „Mit dem zusätzlichen Öffnungstag wollen wir der gestiegenen Nachfrage Rechnung tragen“, sagte Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel. Seit der Eröffnung im Juli 2014 haben bislang mehr als 140.000 Menschen den PS-Speicher im ehemaligen Kornhaus besucht – weitaus mehr als von den Ausstellungsmachern erwartet. Bislang war der Dienstag für angemeldete Gruppen sowie Schulklassen reserviert. Das neue Angebot wird sich nicht auf die anstehende Oldtimersaison beschränken, sondern ist dauerhaft geplant.

Da ist Zug drin…

Uwe Schwarz (SPD).

Uwe Schwarz (SPD).

In dem Thema ist scheint’s im Moment richtig Zug drin: Kaum hatte der Ortsrat „Auf dem Berge“ einstimmig beschlossen, einen Schienenhaltepunkt in Naensen zu beantragen, und gerade hatte der Grandseigneur der Einbecker Grünen, Dr. Ewald Hein-Janke, in mehreren Leserbriefen diese Tatsache gepriesen, da gibt auch der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz aus Bad Gandersheim ein Signal. Heute teilte der Zugfreund mit, dass er dem niedersächsischen Wirtschaftsminister und Parteifreund Olaf Lies einen Brief geschrieben habe. Inhalt: die Frage, wie realistisch eine Reaktivierung des alten Naensener Bahnhofs sei. Schwarz möchte wissen, ob Züge an dem alten Bahnhof heute überhaupt noch halten können und welcher Aufwand mit einer Reaktivierung des Haltepunktes verbunden wäre. „Die Gründe für diesen Wunsch sind nachvollziehbar, und auch die Mobilität im ländlichen Raum würde durch diese Maßnahme erheblich gesteigert werden, insbesondere auch das Zusammenwachsen der Gemeinde Kreiensen mit der Stadt Einbeck unterstützen“, erklärte der Landtagsabgeordnete heute per Pressemitteilung. Er unterstütze dieses Vorhaben.

Nicht nur Einbeck-Mitte strebt damit wieder eine Zuganbindung an, auch der an der West-Ost-Strecke liegende Ortsteil Naensen. Richtung Westen wären Holzminden und Paderborn wieder leichter erreichbar.

Der Ortsrat „Auf dem Berge“ hatte Ende September auf Antrag der SPD-Fraktion beschlossen, einen Antrag für Naensen zu stellen. Die Frist für eine Förderung in den nächsten fünf Jahren lief laut Ortsrat am 30. September ab. Die zunehmend älter werdende Bevölkerung gerade in den Ortschaften sei in der Mobilität benachteiligt, heißt es zu Begründung des gestellten Antrags. Mit der Einrichtung eines Schienenhaltepunktes in Naensen wäre eine Anschlussmöglichkeit nach Kreiensen zum Einkaufen, Ärzten, Apotheken u. a. Versorgungseinrichtungen gegeben. Der Bahnhof in Kreiensen biete zudem weitere Anschlussmöglichkeiten.

Nachtrag 23.10.2013: Nach einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums von heute soll die Reaktivierung von Haltepunkten so transparent wie möglich gestaltet werden – und im Verfahren einer Einzelfallentscheidung. Die Kommunen seien darüber informiert worden, welche Unterlagen für eine Prüfung benötigt werden und nach welchen Kriterien über eine Reaktivierung entschieden werde, erklärte das Wirtschaftsministerium in einer Presseinfo, ohne Details zu nennen. „Die Reaktivierung von Haltepunkten ist nicht so aufwendig wie die von Schienenstrecken. Wir haben uns deshalb entschieden, das für die Kommunen unkomplizierte und zügigere Verfahren der Einzelfallprüfung anzuwenden“, wird Wirtschaftsminister Olaf Lies zitiert. „Hieran sieht man, dass die Landesregierung es ernst meint mit Reaktivierungen.“