Nüchterne Sitzung

Wieselburger Bier und andere Getränke auf dem Ratstisch.

Es ist möglich, dass bei Sitzungen des Einbecker Stadtrates das ein oder andere Kaltgetränk die ein oder andere hitzige Debatte erfrischen kann. Üblich ist, dass Wasser und Erfrischungslimonaden auf den Tischen der Ratsmitglieder (und auch der Pressevertreter) stehen. Kaffee, früher bei Sitzungen durchaus üblich, gibt es schon lange nicht mehr. Dass bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates einige Bierflaschen mit Bügelverschluss die Tische zierten, hatte einen Grund: Die Bürgermeisterin gab sozusagen einen aus, nachdem aus Einbecks niederösterreichischer Partnerstadt Wieselburg ihr eine Kiste des dortigen Bieres geschenkt worden war, als sie ihren Bürgermeisterkollegen Günther Leichtfried mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Einbeck bedacht hatte. Am Ende des öffentlichen Sitzungsteils ploppten dann auch deutlich hörbar einige Bügelflaschen in der Rathaushalle. Es sollen auch schon vorher Bierflaschen geöffnet und verkostet worden sein, wollen aufmerksame Beobachter gesehen haben. Dass dies für eine flüssigere Debatte gesorgt hat, ist indes unbestätigt. Dabei ging es bei der jüngsten Ratssitzung ja vor allem um nüchterne Zahlen. Die Bürgermeisterin brachte den Haushalt 2018 ein. Und einige außer- und überplanmäßige Ausgaben im Budgetjahr 2017 waren noch zu beschließen. Unter anderem schlanke 347.000 Euro für zwei Feuerwehrfahrzeuge (Löschgruppenfahrzeug und Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank). Ratsherr Hans-Jörg Kelpe (SPD) verlieh in einer Wortmeldung seiner Freude über diesen Beschluss Ausdruck. Was ihm prompt den Rüffel seiner Ratskollegen einbrachte, man habe sich doch zwischen den Fraktionen verständigt, dass man unkommentiert beschließen wolle, weil sich ja alle freuen, das müsse nun nicht auch noch jeder betonen. Was SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki prompt noch zu der Bemerkung verleitete, es sei ja schließlich die SPD gewesen, die für die zusätzlichen Löschmittel gesorgt habe. Heiterkeit im gesamten Plenum würde hier das Parlamentsprotokoll vermerken. Ob es dieses Bonmot war oder anderes, kann ich nicht sagen, jedenfalls hatte Ratsvorsitzender Frank Doods (SPD) prompt bei aller Freude vergessen, über die Feuerwehr-Vorlage abzustimmen und wollte schon freudig zur nächsten überplanmäßigen Auszahlung übergehen, als ihn die Verwaltung auf das Versäumnis hinwies. Und am Ende freudig alle noch die zwei neuen roten Autos bestellten. Ratsvorsitzender Frank Doods, im Hauptberuf Staatssekretär im Finanzministerium des Landes Niedersachsen, war es auch, der im weiteren Sitzungsverlauf für weitere Heiterkeit im Stadtrat sorgte. Er bat darum, die mit vielen Paragrafen und technischen Anmerkungen gespickten länglichen Beschlussvorlagen zu einigen Bebauungsplänen nicht im Wortlaut vorlesen zu müssen, schließlich habe ja jedes Ratsmitglied die Unterlagen und damit auch den Text vor sich. Doods: „Wir wissen ja alle was wir hier tun.“ Dass es dazu in der Rathaushalle Widerspruch gab, ist ein Gerücht.

Bei seinem jüngsten Besuch hatte Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried (r.) der Einbecker Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek für den Stadtrat Bierproben aus Niederösterreich mitgebracht, die jetzt verkostet wurden.

Florierende Partnerschaft 26+4

Ehrennadel in Gold im Gasthaus Ludwig Ernst in Ahlshausen beim offiziellen Empfang der Stadt Einbeck für Wieselburgs Bürgermeister Magister Günther Leichtfried, die Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek überreichte.

Goldene Ehrennadel für Günther Leichtfried, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek verliest die Urkunde.

Glückwunsch! Am Ende hatten alle dicht gehalten, die Überraschung war gelungen, selbst wenn Günther Leichtfried nicht gerade sprachlos war, aber dafür ist der 68-Jährige zu sehr erfahrener Politiker, bis 2013 saß er für die SPÖ im Landtag. Der Bürgermeister der Partnerstadt Wieselburg ist beim Besuch einer Delegation aus Niederösterreich in Ahlshausen auf’m Saale mit der Ehrennadel in Gold der Stadt Einbeck für seine außergewöhnlichen Verdienste um die Partnerschaft von Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek ausgezeichnet worden; im Gasthaus Ludwig Ernst findet traditionell der Empfang der Gemeinde statt. Einstimmig hatte der Einbecker Stadtrat die Ehrung in öffentlicher Sitzung am 17. Mai beschlossen – und seitdem vertraulich behandelt. Leichtfried ist seit 1997 Bürgermeister von Wieselburg, hat die Städtepartnerschaft in diesen zwei Jahrzehnten persönlich gestärkt und wesentlich geprägt. Vor allem in der Übergangszeit, denn Einbeck hat die Städtepartnerschaft mit Wieselburg von Kreiensen bei der Fusion 2013 geerbt. „Ohne deinen persönlichen Einsatz wäre es schwer geworden“, würdigte Michalek die Verdienste Leichtfrieds. Der dankte herzlich für die Ehrung, und dass Einbeck die seit 1987 mit Kreiensen bestehende Parterschaft anerkannt habe. Dadurch sei das Band zwischen Einbeck/Kreiensen und Wieselburg ein besonderes geworden, 26+4 sozusagen. Ohne große Probleme habe man den Übergang nach erstem Beschnuppern und weiterem Besuch hinbekommen, die florierende Partnerschaft habe jetzt ein anderes Gewand. Günther Leichtfried bedankte sich bei den vielen Menschen, die der Partnerschaft Leben eingehaucht haben und dies weiterhin mit viel Herzblut tun. Im Einbecker Rathaus sei dies vor allem Ralf Köhler, der habe die Partnerschaft aus dem Rathaus in Kreiensen sozusagen mit hinüber genommen.

Auch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek betonte, dass es wichtig bleibe, die Städtepartnerschaft von Bürgern zu tragen, nicht allein von ihren gewählten Repräsentanten. Viele Vereine und die Feuerwehr vor allem im Bereich der ehemaligen Gemeinde Kreiensen erfüllen seit drei Jahrzehnten die Partnerschaft mit Leben, besuchen sich gegenseitig regelmäßig. Gemeinsame Themen kommen seit einiger Zeit hinzu, das Bier zum Beispiel (der 4000-Einwohner-Ort Wieselburg ist Bierstadt wie Einbeck), aber auch die Auto- und Mobilitätsbranche. Die offizielle Wieselburg-Delegation, die an diesem Wochenende in Einbeck ist, besteht aus 22 Stadt- und Gemeinderäten mit Partnern mit Bürgermeister Magister Günther Leichtfried an der Spitze. Außerdem sind auch Jugendfußballer des SC Raika Wieselburg auf Einladung des PSV Kreiensen zu Besuch, die 13 Jugendlichen tragen gegen die U14-Jugendmannschaft des FC Kreiensen/Greene ein Match um den „Bürgermeister-Ronny-Rode-Wanderpokal“ aus.

Bei einem einstündigen Arbeitsgespräch im Neuen Rathaus in Einbeck war unter anderem der „Wieselburger Zehner“ Thema, ein Geld-Gutscheinsystem, das auf Antrag der CDU ähnlich auch in Einbeck eingeführt werden soll. Außerdem stand für die Delegation aus Österreich ein Besuch in Fürstenberg (Schloss und Porzellan-Museum) sowie beim Verkehrssicherheitstag in der Einbecker Innenstadt auf dem Programm, bevor eine abendliche Naturscouts-Führung am Leinepolder mit anschließender Visite der Salzderheldener Heldenburg in Einbecks zweitgrößtem Ortsteil die Visite beendete. Über das dortige Malheur bei der Zufahrt sind die Gäste aus Österreich übrigens bereits bestens im Bilde, unter anderem durch den im Wieselburger Rathaus gerne gelesenen Einbecker Politikblog…

Gruppenbild vor der Brauerei-Besichtigung zum Auftakt des Wieselburg-Besuchs in Einbeck.

Wieselburgs Neugier auf Einbeck

Vor zwei Jahren war noch alles neu. Und auch beim Besuch aus dem niederösterreichischen Wieselburg in Einbeck an diesem Wochenende ist noch vieles neu. Umso größer ist die Neugier bei unserer „geerbten“ Partnerstadt nach der Fusion Einbecks mit Kreiensen. Das wird nicht zuletzt daran deutlich, dass sich die Größe der Delegation nahezu verdoppelt hat: 29 Frauen und Männer, vor allem Ratsmitglieder, haben nach gut neun Busstunden Einbeck erreicht. Aus der Vorfreude vor zwei Jahren sei eine Freude geworden, sagte Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried heute am Willkommensabend in der wohl schönsten Jugendstilvilla Einbecks, dem einstigen Wohnhaus des Fahrrad-Versandkönigs August Stukenbrok. Und möge die Struktur zwischen der als Verein organisierten Einbecker Einrichtung und der städtischen Musikschule Wieselburg auch unterschiedlich sein, so Leichtfried: Musikalisch müsse sich Einbeck keinesfalls hinter Österreich verstecken, lobte der Bürgermeister nach mehreren Kostproben durch Mendelssohn-Musikschüler: „Sie leben Musik.“ Da mochte sich seine Einbecker Amtskollegin Dr. Sabine Michalek nur anschließen. Die Wieselburg-Partnerschaft mit der ehemaligen Gemeinde Kreiensen besteht bereits seit 1987. Das Besuchsprogramm startete mit einem Empfang in der Mendelssohn-Musikschule, auf der weiteren Agenda stehen Besuche bei KWS, im PS-Speicher und auf der Heldenburg, außerdem eine Fahrt mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen auf der bald wieder für regelmäßigen Personenverkehr reaktvierten Schienentrasse von Einbeck nach Salzderhelden. Der traditionelle Empfang der Gemeinde findet im Gasthaus Ernst „auf’m Saale“ in Ahlshausen statt.

Sören Schirmer am Flügel beim Auftaktempfang in der Mendelssohn-Musikschule.

Sören Schirmer am Flügel beim Auftaktempfang für die Wieselburg-Delegation in der Mendelssohn-Musikschule.

Welcome Wieselburg…

Wieselburger und Einbecker auf dem Keene-Platz vor dem Rathaus.

Wieselburger und Einbecker auf dem Keene-Platz vor dem Rathaus.

Wenn das keine symbolische Geste der Städtepartnerschaft ist: Vor dem Neuen Rathaus sind die Einbecker Farben und die schwarz-weiß-blaue Fahne Wieselburgs aufgezogen. Und die Besucherdelegation aus der „geerbten“ niederösterreichischen Partnerstadt stellt sich auf dem Keene-Platz zum Gruppenfoto. Der Platz vor dem Rathaus ist nach der US-amerikanischen Partnerstadt Einbecks in New Hampshire benannt.

Es ist das erste Treffen in Einbeck nach der Fusion, seit 25 Jahren ist Wieselburg bereits die Partnergemeinde von Kreiensen. Diese Partnerschaft lebt, in Vereinen wie dem PSV Kreiensen, oder bei der Feuerwehr in Garlebsen-Ippensen und Olxheim. Die ist bereits im Juni wieder zu Gast in Niederösterreich bei Freunden.

Beim Gespräch im Rathaus wurde schnell klar: Zwischen Neu-Einbeck und Wieselburg gibt es neue Berührungspunkte, die intensiv vertieft werden wollen. Und nicht zuletzt wäre es geradezu töricht, wenn es zwischen zwei Bierstädten wie Einbeck und Wieselburg nicht einen fachlichen wie süffigen Austausch von Hopfen und Malz geben würde.

Dr. Sabine Michalek und Günther Leichtfried.

Dr. Sabine Michalek und Günther Leichtfried.

Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried wählte ein schönes Bild, das auch seiner Amtskollegin aus Einbeck sehr gefiel: „Da ist Einbeck ein fremdes Kind in die Wiege gelegt worden“, sagte der seit 1999 für die SPÖ im Landtag von Niederösterreich sitzende Leichtfried. „Und wir haben jetzt gespürt, dass dieses Kind in Einbeck angenommen wird.“