Wer wird vor Ort in den Bundestag gewählt?

Der Bundestag-Wahlkreis 52 wird nach vier Jahren Unterbrechung wieder von der SPD in Berlin vertreten. Frauke Heiligenstadt (SPD) erreichte mit 36,70 Prozent der Erststimmen das Direktmandat, das 2017 erstmals Dr. Roy Kühne (CDU) gewonnen hatte. Der Northeimer kam nach dem vorläufigen Endergebnis (22.34 Uhr) nur auf 33,22 Prozent der Erststimmen. Weil er lediglich auf Platz 23 der Landesliste steht, wird Kühne dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören.  

Bei den Zweitstimmen erreichte im Wahlkreis 52 die SPD 37,86 Prozent, die CDU 23,61 Prozent, die Grünen 12,03 Prozent, die FDP 10,01 Prozent, die AfD 8,30 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag bei 72,71 Prozent.

In Einbeck erreichte nach dem vorläufigen Endergebnis (20.53 Uhr) Frauke Heiligenstadt 36,02 Prozent, Dr. Roy Kühne 33,33 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen holte die SPD 37,36 Prozent, die CDU 23,33 Prozent, die Grünen 12,68 Prozent, die FDP 10,48 Prozent, die AfD 8,34 Prozent.

Über die Landesliste in den Bundestag gewählt wurde aus dem Wahlkreis 52 Karoline Otte (Grüne).

Fotos/Montage: Deutscher Bundestag Thomas Trutschel/SPD
Sie holt das Direktmandat: Frauke Heiligenstadt (SPD) liegt vor Dr. Roy Kühne (CDU).

Bei der Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis 52 (Goslar-Northeim-Osterode) standen neun Direktkandidatinnen und Direktkandidaten zur Wahl für das Wahlkreis-Direktmandat. Mit der Zweitstimme hatten die 197.520 Wahlberechtigten auf dem Stimmzettel insgesamt 21 Parteien zur Wahl.

Die größten Aussichten auf das Direktmandat hatten der bisherige, direkt gewählte Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne (CDU) aus Northeim und die Landtagsabgeordnete Frauke Heiligenstadt (SPD) aus Gillersheim. Kühne ist auf Platz 23 der niedersächsischen CDU-Landesliste notiert, Heiligenstadt auf Platz 10 der niedersächsischen SPD-Landesliste. Karoline Otte (Grüne) aus Moringen ist auf Platz 9 der niedersächsischen Grünen-Landesliste platziert und hat damit Aussichten über diesen Weg auf ein Bundestagsmandat.

Wie im gesamten Wahlkreis 52 abgestimmt wurde, ist hier zu finden. Der Bundeswahlleiter informiert hier über Kandidierende und Ergebnisse.

Die Einzelergebnisse für die Stadt Einbeck sind hier zu finden. Hier waren rund 24.500 Menschen wahlberechtigt.

(Stand 27.09.2021, 17:30 Uhr).

Wahlplakate in Einbeck an der Ecke Hullerser Landstraße für die Bundestagswahl 2021.
Foto: Frank Bertram
Wahlplakate in Einbeck an der Ecke Hullerser Landstraße der drei Parteien mit erklärten Kanzlerkandidaten bei der Bundestagswahl 2021.

Einbecker schafft’s nicht in Bundestag

Der Einbecker SPD-Bundestagskandidat Marcus Seidel (Mitte) mit Ex-MdB Dr. Wilhelm Priesmeier (l.) am Wahlabend bei den Einbecker Sozialdemokraten im „Mykonos“.

Er hätte der erste Einbecker sein können, der für die Region im Deutschen Bundestag in Berlin sitzt. Doch Marcus Seidel (SPD) verpasste bei seiner ersten Kandidatur am Sonntag bei der Bundestagswahl die Mehrheit, die erreichte stattdessen Dr. Roy Kühne (CDU) aus Northeim, der den Wahlkreis nicht wie in den vergangenen vier Jahren über Listenmandat, sondern jetzt als direkt gewählter Abgeordneter in Berlin vertritt. Ein über Jahrzehnte fest in SPD-Hand befindlicher Wahlkreis ging erstmals direkt an die CDU. Deutlich, mit mehr als 7400 Stimmen Vorsprung bei den dafür entscheidenden Erststimmen. Und auch bei den Zweitstimmen lag am Ende die CDU im Wahlkreis vorn. Dementsprechend lang waren dann auch die Gesichter bei den Einbecker Sozialdemokraten, als sich am Wahlabend die Niederlage immer deutlicher herausstellte. „Es ist immer schöner, wenn man vorne steht und gewonnen hat“, erklärte Marcus Seidel bei der SPD-Wahlparty in Einbeck. „Hat heute nicht geklappt, aber es hat nicht an Euch gelegen“, sagte der Bundestagskandidat an seine Helfer und Unterstützer gewandt. „Und ich hoffe, es hat auch nicht an mir gelegen. Es hat heute sehr viel mit dem Bundestrend zu tun, und der ist ganz deutlich gesagt ein Schlag in die Fresse.“ Seidel lobte die Konsequenz seiner Genossen auf Bundesebene aus dem Wahlergebnis, jetzt in die Opposition gehen zu wollen. „Ihr seid die Größten“, dankte Seidel seinen Mitarbeitern, Helfern und Unterstützern, „wir haben einen engagierten Wahlkampf hingelegt.“ Er dankte auch allen, die dafür gearbeitet und sich eingesetzt hatten, dass er Bundestagskandidat geworden sei. Das sei nicht selbstverständlich gewesen, schließlich habe die SPD drei Bewerber zur Wahl gehabt. Seinem Mitbewerber Dr. Roy Kühne hat Marcus Seidel nach eigenen Worten gratuliert. „Das gehört sich so, alles in allem war es ein fairer Wahlkampf.“

Zuspruch von Ulrich Minkner (r.) für Marcus Seidel am Wahlabend.

Ein wenig Trost für Marcus Seidel kam am Wahlabend von Ulrich Minkner. „Ich weiß wie es ist eine Wahl zu verlieren“, spielte er auf seine Niederlage bei der Einbecker Bürgermeisterwahl 2013 an. Er hoffe, dass Seidel sich nach erstem verständlichen Frust nicht entmutigen lasse, politisch weiter zu arbeiten.

Ein Blick auf die Einzelergebnisse allein im Landkreis Northeim offenbart: Selbst in der Stadt Einbeck, dem Heimatort Seidels, lag Kühne am Ende vorn, fehlten Seidel knapp 200 Stimmen zum Sieg. Der CDU-Mann Kühne kam auf 38,72 Prozent der Erststimmen, SPD-Mann Seidel auf 37,69 Prozent. In Dassel, der Heimatgemeinde von Seidels Vorgänger Dr. Wilhelm Priesmeier (Markoldendorf), schaffte es der SPD-Mann nur mit hauchdünnem Neun-Stimmen-Vorsprung, die Mehrheit der Erststimmen zu erzielen.

Neues Gesicht, bekanntes Gesicht

Reinhard Brinckmann.

Manfred Helmke.

Zwei neue Ratsmitglieder hat der Einbecker Stadtrat. Sie wurden jetzt förmlich verpflichtet. Reinhard Brinckmann (Bürgerliste) aus Billerbeck ist dabei kein unbekanntes Gesicht im Rat, der 62-jährige Landmaschinenmechanikermeister gehörte dem Gremium bereits bis 2016 an. Durch die von ihm angestrengte Wiederholungswahl in Bentierode hat sich das Wahlergebnis so verändert, dass Brinckmann statt Hans-Henning Eggert (Kreiensen) bei der Kommunalwahl in den Stadtrat eingezogen ist. Eggert hat seinen Sitz damit verloren, er bleibt Ortsbürgermeister von Kreiensen im dortigen Ortsrat. Neu im Einbecker Stadtrat ist der Grüne Manfred Helmke. Der 62-jährige Fernmeldetechniker aus Stroit rückt für Hans-Joachim Nehring nach. Nehring hatte Mitte April sein Mandat, das er über die Liste bei den Kommunalwahlen 2016 erreicht hatte, aus persönlichen Gründen niedergelegt. Die nächsten drei Ersatzbewerber der Liste (Marion Bartels, Uwe Bostelmann und Bärbel Lange) haben verzichtet, nachzurücken. Dadurch kam jetzt Manfred Helmke zum Zuge.

Nachtrag 23.06.2017: Laut Protokoll der Ortsratssitzung Kreiensen vom 15. Juni 2017 hat Ortsbürgermeister Hans-Henning Eggert sein Bedauern darüber geäußert, durch die Nachwahl in Bentierode sein Ratsmandat und damit auch seinen Sitz im Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrates verloren zu haben. „Er habe immer die Hoffnung gehabt, in diesem Ausschuss auch etwas Gutes für die Ortschaft Kreiensen bewegen zu können“, heißt es im Protokoll.

Rats-Personalien

Rainer-Michael Hartje. Foto: CDU

Rainer-Michael Hartje. Foto: CDU

In der CDU-Stadtratsfraktion kommt es zu einem weiteren Wechsel noch in diesem Jahr: Ratsmitglied Rainer-Michael Hartje (31) hat durch unwiderrufliche schriftliche Erklärung vom 18. November 2015 zum 15. Dezember sein Mandat niedergelegt. Nachrücker ist Hans-Martin Grigoleit aus Einbeck. Der 34-Jährige soll in der Stadtratssitzung am 16. Dezember förmlich verpflichtet werden und das Ratsmandat antreten. Grigoleit leitet das Haus des Jugendrotkreuzes im Borntal, ist Beisitzer im CDU-Stadtverband Einbeck.

Hans-Martin Grigoleit (rechts) führte im Sommer die SPD durch das gerade modernisierte Haus des Jugendrotkreuzes.

Hans-Martin Grigoleit (rechts) führte im Sommer die SPD durch das gerade modernisierte Haus des Jugendrotkreuzes.

Bisher nur Papierfluten verursacht?

Symbolfoto: Hochwasser im Leinepolder 2013.

Symbolfoto: Hochwasser im Leinepolder 2013.

Das alles ist in der Tat ärgerlich: Seit Jahren wird über Hochwasserschutz meist nur geredet, aber wenig getan. Erst dann, wenn die Wasserpegel wieder urplötzlich hohe Höhen erreichen, setzt das allgemeine Lamento ein, warum man denn nach dem „Jahrhunderthochwasser“ nichts gelernt habe – mit dem entsprechenden Fingerzeig auf den jeweils anderen als Schuldigen bzw. Verantwortlichen.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha aus Einbeck hatte Anfang Juni eine Anfrage an die Landesregierung gestellt (Wortlaut: Grascha 2013-06-03 HWS Einbeck). Thema: Hochwasserplanungen für die Städte Einbeck und Dassel. Wie ist da der Sachstand? Jetzt hat der Liberale eine Antwort erhalten (Wortlaut: Grascha-Antw zu Hochwasser LT)

Die Antwort kann niemanden zufrieden stellen, da scheint mal wieder ein Gutachten nach dem nächsten Konzept für eine weitere Expertise notwendig zu sein, um endlich mal etwas zu entscheiden – damit dann auch mal gebaut werden kann. „Ende 2013 wird sich entscheiden, wann und ob weiterer Hochwasserschutz vor allem Rückhaltemaßnahmen in Einbeck umgesetzt werden“, kommentiert denn auch Grascha in einer Pressemitteilung. Damit gehe die Planungszeit in das 16. Jahr nach den verheerenden Hochwasserereignissen im Jahr 1998. „Ein so langer Zeitraum ist für die betroffenen Menschen überhaupt nicht nachvollziehbar. Das heißt, wir drehen die nächste Runde. Viel Papier wurde produziert, hohe Planungskosten wurden verursacht, passiert ist bisher nichts“, kritisiert Christian Grascha. Verantwortlich sei die Kommunalpolitik in Einbeck und in Dassel, schreibt Grascha in seiner Pressemitteilung.

Und so sehr ich vieles von dem teile, was der FDP-Mann zu diesem Thema erklärt hat, bei dem letzten Satz macht es sich der Landtagsabgeordnete (und Kreistagsabgeordnete) zu einfach: Verantwortlich ist die Kommunalpolitik für viel Papier und dafür, dass nichts passiert ist? Und wenn das so wäre, dann müsste sich Grascha ja auch für die vergangenen 16 Jahre an die eigene politische Nase fassen. Wer ist denn die Kommunalpolitik in Einbeck? Ist das nicht Grascha als Kreistagsabgeordneter auch selbst (selbst dann, wenn de jure die notwendigen Entscheidungen in den Stadträten und nicht im Kreistag getroffen werden)? Und schließlich: Bis 2011 war der FDP-Mann höchstselbst im Stadtrat seiner Heimatstadt Einbeck tätig, zehn Jahre lang! Und das Mandat für weitere Jahre, einige werden sich erinnern, hatte Grascha auch bei den Kommunalwahlen 2011 erneut errrungen, er selbst hat es damals kurz nach der Wahl niedergelegt, wegen zu hoher Arbeitsbelastung.