Das langjährige Ratsmitglied der Grünen, Dietmar Bartels (74), hat sein Mandat im Einbecker Stadtrat aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Ihm folgt als Nachrückerin Marion Christ, die von der Bürgermeisterin in der jüngsten Sitzung des Stadtrates offiziell verpflichtet wurde. Bei den Grünen sitzen damit jetzt Mutter und Sohn (Maurice Christ) gemeinsam in einer Fraktion im Stadtrat. Dietmar Bartels war mit Unterbrechungen seit 1991 Mitglied des Stadtrates und begrüßte seine Nachfolgerin mit einer aus einer „Null Bock“-Bierflasche wachsenden (jahreszeitlich bedingt künstlichen) Sonnenblume. Am Meisten vermissen werde er die Dezember-Sitzungen mit vorweihnachtlichen Abschlüssen und die Fahrten in die österreichische Partnerstadt Wieselburg, sagte Bartels.

Dietmar Bartels war von 1991 bis 1996 Ratsherr und Fraktionsvorsitzender der Grünen, von 2011 bis 2013 Beigeordneter (also als Ratsherr Mitglied des Verwaltungsausschusses), nach der Fusion mit der Gemeinde Kreiensen von 2013 bis 2021 Beigeordneter und Fraktionschef der Grünen (davon von 2016 bis 2021 auch Gruppensprecher von Grünen/FDP), seit 2021 Ratsherr und Fraktionsvorsitzender der Grünen-Linken-Gruppe (heute Grüne-Plus).
Ratsvorsitzender Frank Doods dankte Dietmar Bartels im Namen des gesamten Rates sowie auch persönlich für sein Engagement mit großer Leidenschaft in dieser langen Zeit. Das sei nicht selbstverständlich. „Wie es sich unter Demokraten gehört, ist man nicht immer einer Meinung, aber man geht ordentlich miteinander um, man streitet in der Sache mit Argumenten.“ Bartels habe das immer getan und die kommunalpolitische Diskussion mit seinen Vorschlägen bereichert. Kommunalpolitik sei ein nicht immer einfaches Geschäft und ein Ehrenamt, das nicht immer Freude macht, sagte Doods, „man muss für vieles den Rücken gerade machen, argumentieren und erklären“, warum nicht alles so gehe, wie sich das manche Bürger wünschen. Und das vor allem in Zeiten, in denen das Gestalten vor allem im Verwalten des Mangels bestehe.
Zu Beginn seiner Ratstätigkeit sei Dietmar Bartels Mitglied in sage und schreibe neun Ausschüssen gewesen, von denen es heute viele wie den Jugendhilfe- und den Krankenhausausschuss gar nicht mehr gebe, berichtete Grünen-Plus-Gruppensprecher Manfred Helmke. „Damals glaubten wir noch, man müsste in allen Ausschüssen sitzen“, kommentierte Bartels. „Jetzt wissen wir, dass das nicht nötig ist, zwei reichen.“
Die Zusammenarbeit mit dem „Chef-Lobbyisten der Radfahrer“ in den vergangenen 25 Jahren, die er im Stadtrat überblicke, sei nicht immer einfach gewesen, erinnerte CDU-Fraktionschef Dirk Ebrecht. Er erinnere sich an die Zeiten der Jamaika-Koalition in Einbeck, damals habe es zwischen CDU, FDP und Grünen immer viel Abstimmungsbedarf gegeben. „Da haben wir gefühlt jede Woche zusammengesessen.“ Ebrecht dankte im Namen seiner Fraktion für die Zusammenarbeit in all den Jahren, in denen man auch mal in unterschiedlichen Lagern gewesen sei. „Es ging Dir immer um die Sache.“
SPD-Fraktionschef Dirk Heitmüller dankte Dietmar Bartels ebenfalls für die geleistete Arbeit im Rat. „Auch wir waren nicht immer die besten Freunde.“ Er wünschte dem ausscheidenden Ratsherren vor allem gesundheitlich alles Gute.
Alexander Kloss (parteilos) bedauerte im Namen seiner Gruppe „Liberal und klar“ sehr, dass der Rat Dietmar Bartels gehen lassen müsse, er habe das Gremium immer bereichert. „Für mich persönlich warst Du immer eine Instanz in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit.“ Bartels habe gefühlt das erste Elektroauto in Einbeck gehabt, viele Akzente gesetzt und Trends eingeläutet.
Auch Andreas Jakob (AfD) verabschiedete Bartels mit einem Präsent. Dieser sei von Anfang an jemand gewesen, der mit ihm als AfD-Ratsherren gesprochen habe.
Frank-Dieter Pfefferkorn (BlGfE) schloss sich dem Dank für die Zusammenarbeit an. Als „Kleine“ im Stadtrat habe man sich oft wehren und behaupten müssen, Bartels sei dabei immer das „grüne Gewissen“ gewesen, sagte Pfefferkorn.
