Längst kein Feierabend mehr

Hartpapprohre: Wie diese hergestellt werden, erfuhr die CDU bei ihrem Besuch.

Hartpapprohre: Wie diese hergestellt werden, erfuhr die CDU bei ihrem Besuch.

Neue tragende Rolle? Die scheidende SPD-Fraktionschefin Margrit Cludius-Brandt.

Neue tragende Rolle? Die scheidende SPD-Fraktionschefin Margrit Cludius-Brandt.

Vielleicht tragen ja die sommerlichen Besuche der örtlichen Politik ein wenig dazu bei, dass die Einbecker zu dem Areal am östlichen Stadtrand in Zukunft immer öfter nicht mehr „Feierabend“ sagen – weil dort über Jahrzehnte von einer Firma dieses Namens Küchenmöbel produziert worden sind. Sondern dass sich der Name „Otto-Hahn-Park“ in den Köpfen festsetzt und einprägt. Zu wünschen ist es den zurückhaltenden Machern des Otto-Hahn-Parks. Schließlich hat sich in den riesigen Hallen seit der Insolvenz der Hans Feierabend GmbH 2001 und der langen Ungewissheit, was mit dem Industriekomplex passieren sollte, eine Menge getan. Vor wenigen Wochen erst eröffnete der PS-Speicher sein Lkw- und Bus-Depot in einer der großen Hallen. Längst ist das kein Feierabend mehr. Die Einbecker CDU-Stadtratsfraktion hat sich davon überzeugen können, auch die Einbecker SPD schaute sich im Rahmen ihres Projektsommers im Otto-Hahn-Park um. Die Christdemokraten waren nach ihrem Besuch überrascht und begeistert über die Entwicklung des Geländes: Das Vater-Tochter-Team zeige, was man mit guten Ideen, einem hohen Maß an Eigenmotivation und hochgekrempelten Ärmeln erreichen könne. Die Sozialdemokraten erfuhren ebenso viel Neues, was in den großen Hallen auf dem Gelände des Otto-Hahn-Parks passiert. „Ich wünschte, mehr hätten den Mut wie sie in Einbeck“, sagte Kernstadt-SPD-Vorsitzender René Kopka nach dem Besuch und dankte für die spannende Führung. Die bei den Genossen ebenso wie bei den CDUlern auf der Lkw-Waage endete. Gewichtiger war dabei die Delegation der Sozialdemokraten: Sie brachte mit 2,72 Tonnen deutlich mehr als die der Christdemokraten auf die Waage (1,96 Tonnen).

Zum Dank für den Besuch überreichte CDU-Chefin Beatrix Tappe-Rostalski (r.) ein Insektenhotel an Josephine Egner und Michael Stadler.

Zum Dank für den Besuch überreichte CDU-Chefin Beatrix Tappe-Rostalski (r.) ein Insektenhotel an Josephine Egner und Michael Stadler.

Der Einbecker Kaufmann Michael Stadler entwickelt gemeinsam mit seiner Tochter Josephine Egner den Otto-Hahn-Park in Einbeck, mit seinen eigenen Firmen Einbecker Verpackungen GmbH, Stadler Papierverarbeitung GmbH und der Gesellschaft für Papier-, Kunststoff- und Metallverarbeitung und Vertrieb mbH nutzt er die Hallenfläche zu einem Drittel, der Rest wird vermietet, unter anderem an Sappi und KWS. Heute arbeiten rund 200 Menschen auf dem Gelände, rund 20 kleine und große Unternehmen sind ansässig. Im Jahr 2012 haben Stadlers das gesamte bisher auf mehrere Orte in Einbeck verteilte Handeln der Einbecker Verpackungen GmbH und der Stadler Papierverarbeitung GmbH unter einem Dach konzentriert und das ehemalige Feierabend-Gelände erworben, damals gab es rund 85 Prozent Leerstand. Dieses Verhältnis wurde inzwischen umgekehrt. Das Areal entwickelten, sanierten und restaurierten Michael Stadler und Josephine Egner, um es urbar für sich selbst und für Dritte zu gestalten. Was gelang. Der Otto-Hahn-Park Einbeck bietet über 40.000 Quadratmeter Produktions-, Lager- und Bürofläche mit optimaler logistischer Anbindung bis hin zum eigenen Gleisanschluss, der bereits 2013 reaktiviert wurde. Neben der Logistikhalle gibt es Büroräume, die von verschiedenen Firmen genutzt werden. Stadler und Egner verstehen ihre Unternehmung als klares Bekenntnis zum Standort Einbeck. Die Übernahme und die Anpassung des vorher stark zur Industriebrache tendierenden ehemaligen Feierabend-Geländes und die erfolgreiche Umwandlung in den Otto-Hahn-Park Einbeck mit allen zeitgemäßen Einrichtungen bis hin zur 50-Tonnen-Fahrzeugwaage sind starkes Engagement. Das ist für Einbeck positiv. Und das dürfen durchaus mehr Menschen erfahren.

(Aktualisiert: 27.07.2016)

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Nächster Halt…

Freie Fahrt für den neuen Haltepunkt am PS-Speicher (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Kulturstiftung-Kornhaus-Vorstand Holger Eilers, Stifter-Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Rehkopf sowie Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Freie Fahrt für den neuen Haltepunkt am PS-Speicher (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Kulturstiftung-Kornhaus-Vorstand Holger Eilers, Stifter-Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Rehkopf sowie Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Ilmebahn-Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Viele der 1800 Besucher bei der Eröffnung des PS-Depots im Otto-Hahn-Park im Osten Einbecks haben am Sonnabend die bequeme Anreise direkt vom PS-Speicher genutzt und sind einmal mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen der Ilmebahn GmbH quer durch die Stadt gefahren. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der Kulturstiftung Kornhaus nach langer Planungs- und Genehmigungszeit den 40 Meter langen Haltepunkt-Bahnsteig zwischen dem PS-Speicher und dem Hotel Freigeist am Tiedexer Tor eröffnet. Für rund 80.000 Euro ist dort ein Außenbahnsteig gebaut worden, der kombiniert auch als Geh- und Radweg der benachbarten Fichtestraße genutzt wird. „Der Haltepunkt ist neben Ausstellung, Hotel Freigeist und bald der PS-Halle ein weiterer Baustein, der den neu entstandenen Stadtteil langsam komplett macht“, sagte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Gefördert wurde das Haltepunkt-Projekt am PS-Speicher von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, da vorerst nur Tourismus-Sonderzüge dort abgewickelt werden sollen. Durch den Haltepunkt können größere Besuchergruppen direkt vom Netz der Deutschen Bahn AG bis vor die Tür des Oldtimer-Ausstellungshauses PS-Speicher fahren. „Mit dem Haltepunkt wird der PS-Speicher noch fortschrittlicher und überregional erschlossen und vernetzt“, freute sich Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Die reaktivierte Bahnstrecke bis Salzderhelden rückt bald Einbeck wieder ein Stück näher an das nationale Schienennetz heran“, sagte der Vorstand der Kulturstiftung Kornhaus, Holger Eilers. „Das ist gut für Einbeck und für den PS-Speicher.“ Künftig wird an jedem ersten Sonnabend im Monat das PS-Depot für Besucher öffnen; vom Haltepunkt am PS-Speicher fährt dann der „Ilmeblitz“ dorthin. Für angemeldete Gruppen soll es einen ähnlichen Service geben – auch während der Woche, kündigte Eilers an.

Und wer weiß, deutete der Vorstand der Kulturstiftung Kornhaus an, vielleicht werde der neue Haltepunkt ja mal zum regulären Zuganschluss für Schüler der nahen BBS Einbeck, wenn erst wieder regelmäßig die Züge zwischen Göttingen/Salzderhelden und Einbeck-Mitte fahren… Auch Einbecks größter Arbeitgeber KWS baggert ja kräftig, einen Halt an der reaktivierten Bahnstrecke nach Salzderhelden zu bekommen…

Bei aller Euphorie für eine wieder regelmäßig genutzte Bahntrasse: Wenn der Zug zwischen Einbeck und Salzderhelden zu oft zwischenhält, ist der zeitliche Vorteil gegenüber dem Bus schnell wieder aufgebraucht. Außerdem dürften auch die öffentlich gemachten 600 Personen pro Werktag, die ab 2018 am Bahnhof Einbeck in den Zug ein- und aussteigen sollen, mit all den Infrastruktur-Überlegungen danach berechnet worden sein, dass nicht noch ein oder zwei andere stark frequentierte Zustiegmöglichkeiten zwischendrin geschaffen werden.

Ablage P

Die Grünen bleiben hartnäckig. Mir würde auch noch ein anderes Adjektiv einfallen, aber lassen wir das. Die Grünen haben in der Frage nach einem möglichen neuen Standort für ein aus allen Regalen platzendes Einbecker Stadtarchiv noch einmal nachgelegt (Wortlaut: PM Grüne Stadtarchiv 011014), aber dabei nicht nur Argumente für ihren Vorschlag Brandlücke oder eine andere Alternative vorgebracht, sondern insbesondere scharf den Kultur-Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder angegangen. Der sei voreingenommen, maße sich an, ausgebildeter Statiker zu sein, wenn er sage, dass das Archiv in der Langen Brücke 5 nicht optimal gebaut werden könne. Das alles kann der Betroffene getrost unter politischer Folklore abbuchen. Und wird es tun. Zumal der Vorstand der Grünen in Glaube und Lehre gute Kenntnisse haben mag, mir solche in Statik jedoch bisher unbekannt sind.

Deutlich kritischer ist da schon die Aussage von Grünen-Vorstand Dr. Ewald Hein-Janke zu sehen, Dr. Schröder setze als auch für Wirtschaftsförderung zuständiger Fachbereichsleiter „offenbar alles daran, den ‚Otto-Hahn-Park‘ zu begünstigen, was aber mit realer Wirtschaftsföderung nichts zu tun hat. Das ist Vergeudung von Steuergeldern.“ Das klingt ja fast wie Begünstigung im Amt.

Bei aller bedenklicher Wortwahl: Zur Wirtschaftsförderung eignet sich ein zur Miete wohnendes Stadtarchiv in der Tat nicht. Vielleicht ist mein Archiv nicht so gut geführt (und mein Gedächtnis wird schwächer), aber gab es da nicht mal eine Stadratsmehrheit nach dem Brand 2005, bei der die Grünen mit von der Partie waren? Da hätten ja auch die Grünen schon mal das jetzt von ihnen angemahnte „Ei des Kolumbus“ für die hässliche Brandlücke finden und der Verwaltung Beine machen können, oder? An diesem exponierten Innenstadtort jetzt ausschließlich auf die Trumpfkarte Stadtarchiv zu setzen, zeugt nicht gerade von Kompromissbereitschaft. Ein Thema für eine schnelle Entscheidung ist der Archiv-Standort nicht. Darüber sollte die Politik in Ruhe und Sorgfalt nachdenken und Argumente offen gegeneinander abwägen.

Auch ich hatte anfangs ein wenig Charme in der Idee der Grünen gesehen, zugegeben, aber mit nur ein wenig offenem Blick und Zugang zu anderen Argumenten lässt sich leicht erkennen, dass dieser Charme schnell verfliegt. Deshalb: Ab mit dieser Idee ins Archiv! Und zwar mit extrem kurzer Aufbewahrungsfrist!

Archiv-Standort

Ortsbesichtigung vor Sitzungsbeginn: das Stadtarchiv von außen. Fotos innen waren nicht erwünscht.

Ortsbesichtigung des Stadtarchivs vor Sitzungsbeginn: Kulturausschuss-Mitglieder vor den Magazinräumen. Fotos innen waren nicht erwünscht.

Im Kulturausschuss des Einbecker Stadtrates hat gestern eine Diskussion über die Frage begonnen, wo in Zukunft das Stadtarchiv beheimatet sein soll. Die aktuell für das Stadtarchiv in Einbeck genutzten Gebäude sind an ihre Kapazitätsgrenze gelangt. Auf etwa 120 Quadratmetern Grundfläche lagern derzeit rund 1050 laufende Regalmeter Akten. Hinzu kommen volle Aktenkammern im Alten und im Neuen Rathaus. Derzeit bekommt das Stadtarchiv jährlich zwischen 20 und 25 laufende Meter Zuwachs aus dem Altakten-Bestand des Rathauses. Dabei sind Altakten der ehemaligen Gemeinde Kreiensen noch nicht mitgerechnet. Laut Stadtarchivarin Dr. Elke Heege gibt es dringenden Handlungsbedarf. Dass sich Kartons mit Akten bereits in den Gängen zwischen den Regalen stapeln, davon konnten sich die Kulturausschuss-Mitglieder sowie die Besucher der öffentlichen Sitzung einen persönlichen Eindruck vor Ort verschaffen. Ein Thema für eine schnelle Entscheidung freilich ist der Archiv-Standort nicht. Darüber sollte Politik in Ruhe und Sorgfalt nachdenken und Argumente gegeneinander abwägen. Ein Stadtarchiv denkt man in Jahrhunderten, nicht in Tagen. Als erster Anstoß war die Problematik auf der Tagesordnung okay. Ein von der Verwaltung unterbreitetes Angebot, für das historische Gedächtnis der Stadt entsprechende Flächen im Industriegebiet Otto-Hahn-Park (ehemals Feierabend) zu mieten, hat der Ausschuss gestern einmütig zurückgestellt. Gut so.

Denn noch sind zu viele Fragen offen, über die Angelegenheit schon abschließend entscheiden zu können. Selbst wenn sich die Archivkartons in den Gängen stapeln, davon sollte sich Politik nicht unter Druck setzen lassen. In der Tat ist es ja so, dass viele städtische Immobilien leer stehen, Tendenz nicht nur mit jeder geschlossenen Schule oder Kita steigend. Deshalb ist es richtig, dass eigene freie städtische Liegenschaften intensiver geprüft werden müssen. Das historische Archiv irgendwo zur Miete unterzubringen, mutet merkwürdig an, zumal Mietverträge über 15 Jahre keine Zeiträume sein dürften, in denen für das Gedächtnis der Stadt gedacht werden sollte. Ein Liegenschaftskonzept wird derzeit erarbeitet, ist noch nicht fertig. Das bedauerte gestern nicht nur Rainer Koch (GfE). Wie wichtig ein solches Konzept ist, hat bereits die Debatte über den neuen Standort der Hauses der Jugend doch eindringlich gezeigt.

Für die Diskussion hilfreich war der Vorstoß der Grünen, die Baulücke an der Langen Brücke als möglichen Stadtarchiv-Standort ins Auge zu fassen. Den bestechenden Charme der Idee lobte sogar Dr. Reinhard Binder (FDP). Im Licht der Erkenntnis dürfte es jedoch so kommen, dass das Areal für vieles geeignet sein dürfte, für ein Stadtarchiv aber nicht. Bei 169 Quadratmetern Grundfläche müsste schon sehr in die Höhe gebaut werden, wodurch man dann wieder Probleme mit der Traglast und Statik bekomme, sagte Kultur-Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder. Das Grundstück lasse sich sinnvoller nutzen, durch eine Einrichtung mit höherer Besucherfrequenz. Auf weitere Ideen für die Lange Brücke bin ich da gespannt.

CDU-Ratsherr Bernd Huwald brachte gestern für das Stadtarchiv leer stehende Räume im früheren Rathaus in Kreiensen ins Spiel. Auch das Schulgebäude in Greene stehe auf absehbare Zeit leer. Für ein Archiv seien jedenfalls keine repräsentativen Räume notwendig, wie sie an der Langen Brücke entstehen würden. Das mag sein. Freilich: Dass das Einbecker Stadtarchiv in Kreiensen die richtige Heimat finden kann, ist bei allem Wunsch nach Zusammenwachsen mit Kreiensen nur schwer vorstellbar.

Eine Idee kam mir während der Diskussion: Die in diesem Sommer feierlich eröffneten Magazin-Räume für die Archivalien des Heimatvereins aus dem oberschlesischen Patschkau sind im Museums- und Archivgebäude am Steinweg untergebracht, unter dem Dach sogar. Das Patschkau-Magazin wurde gestern als Modell bezeichnet, für das Einbeck in Museumskreisen bewundert wird, auch der Heimatverein-Vorsitzende Leo Schiller werbe für das Modell, berichtete Stadtarchivarin Dr. Elke Heege. Seit Eröffnung habe sie bereits ein Dutzend Rechercheanfragen erhalten, das Patschkau-Magazin wird also frequentiert. Warum also soll dann ausgerechnet das Einbeck-Archiv vom angestammten Ort am Steinweg verlagert werden? Und dann eventuell nur irgendwo zur Miete wohnen. Das heutige Archivgebäude ist eingeschossig. Warum überlegt die Stadt nicht, an seiner statt einen mehrgeschossigen Neubau zu errichten? Das Gelände gehört der Stadt, die Immobilie gehört der Stadt, nebenan ist der Hort, der in Zeiten von immer mehr Ganztagsschulen und demografischen Entwicklungen keine ewige Zukunft haben wird und somit irgendwann einmal als Erweiterungsfläche dienen kann.

In diese Richtung weiterzudenken finde ich wesentlich sinnvoller, auch angesichts des für 15 Jahre aufgerufenen Mietpreises (rund 600.000 Euro). Den als Vorteil verkauften Hinweis, mit einer Miete von 560 Quadratmetern Fläche im Otto-Hahn-Park werde ein Beitrag zur Reaktivierung des Areals am östlichen Stadtrand geleistet, das „im Lichte der Entwicklungen im Westen der Stadt (Poser-Park, PS-Speicher) derzeit keinen leichten Stand hat“, kann ich nicht als ernsthaften Hinweis empfinden. Das Stadtarchiv als Wirtschaftsförderung?

Nachtrag 25.09.2014: Die Grünen bleiben bei ihrem Vorschlag, die Brandlücke an der Langen Brücke 5 für das Stadtarchiv nutzen zu wollen. In einer Pressemitteilung (Wortlaut: Grüne Pressemitteilung 240914) zählen sie dafür mehrere Punkte auf. Nicht jeder der elf genannten Gründe kann dabei überzeugen. Meinen oben geäußerten Vorschlag, das bisherige Archivgebäude aufzustocken, haben die Grünen offenbar noch nicht registriert; er erfüllt jedenfalls mehrere der elf Kriterien, die die Grünen-Fraktion für die Brandlücke nennt.

Archiv-Lücke

Seit Jahren gibt es eine Lücke in der Bebauung an der Langen Brücke. Archivfoto

Seit Jahren gibt es eine Lücke in der Bebauung an der Langen Brücke. Archivfoto

Der Vorschlag der Grünen hat durchaus Charme. Er verdient genauere Betrachtung. Die Grünen fordern, das Stadtarchiv in der Innenstadt zu belassen und in der Baulücke an der Langen Brücke zu etablieren (Wortlaut der Pressemitteilung dazu: PM Grüne Stadtarchiv 120914). Nächsten Dienstag tagt der Kulturausschuss des Einbecker Stadtrates (im Stadtmuseum, Beginn 17 Uhr) und hat unter anderem darüber zu befinden, ob das räumlich aus allen Nähten platzende Stadtarchiv vom Steinweg in den Otto-Hahn-Park (ehemals Feierabend) umziehen soll. Auch die Stadtarchäologie soll umziehen, vom an die Ilmebahn verkauften Einbecker Bahnhof unter anderem in eben jene Räume im Otto-Hahn-Park, die dereinst einmal die Küche und Kantine der Firma Feierabend waren.

In der Tat erscheint eine Umsiedlung der Archivalien an den Stadtrand auf den ersten Blick wirtschaftlich und auch räumlich vernünftig zu sein. Dort ist genügend Platz für das Gedächtnis unserer Stadt. Allerdings: Ist es auch benutzerfreundlich, das Archiv in ein Industriegebiet zu verlegen, das nur noch mit dem Auto oder einer wenig frequenten Buslinie erreichbar ist? Wie kann man sich die (heute vorhandenen) personellen und inhaltlichen Synergieeffekte zwischen Stadtmuseum und Stadtarchiv in einem fernen Depot vorstellen?

Auf der anderen Seite: So sehr ich den Vorschlag der Grünen auch mag, die Baulücke in der Langen Brücke ist 2005 bekanntlich durch einen der größten Brände in der Geschichte der Stadt entstanden. Kann der Brandschutz in einem (auf dem dort jetzt leeren Grundstück) neu zu errichtenden Gebäude ausreichend sichergestellt werden? Freilich: Schon heute befinden sich die Archivalien am Steinweg in dichter Bebauung. Aber macht es Sinn, die Archiv-Güter auf mehreren Etagen zu verteilen? Ist das barrierefrei? Wohl kaum. Und gibt es von der Grundfläche in der Baulücke überhaupt genügend Platz für die Zukunft des Stadtarchivs?

Die Diskussion könnte inhaltlich spannend werden. Freuen würde ich mich, wenn sich die Überlegungen nicht allein auf die Kosten konzentrieren würden. Und weil das Thema erstmals die politischen Gremien erreicht, ist auch noch genügend Zeit, die Grünen-Alternative in allen Aspekten sorgsam zu prüfen. Da drehen ganz andere Themen, die schnell zu beschließen wären, schon so manche Beratungsschleife…