Städtepartnerschaft mit Thiais: FDP/Kloss fühlt sich ausgegrenzt und erntet dafür scharfe Kritik

Weil er und die von ihm dominierte dreiköpfige Ratsgruppe „Liberal und klar“ nicht mit zur mehrtägigen Thiais-Programmbesprechung nach Straßburg fahren konnte, wittert Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) eine bewusste, „unerträgliche“ Ausgrenzung einer unbequem gewordenen „Opposition“ beim Partnerschaftsaustausch mit dem französischen Vorort von Paris, wie er schreibt. Kloss mutmaßt, dass er und seine Mitstreiter in Ungnade bei der SPD/CDU-Gruppe sowie der Bürgermeisterin gefallen seien und sie deshalb nicht mitfahren dürften, wirft ihnen eine Zwei-Klassen-Mentalität im Stadtrat sowie Vetternwirtschaft und Günstlingspolitik vor. Das Echo der Angesprochenen ist deutlich.

Alexander Kloss wählt starke Wort für einen eigentlich Routine versprechenden Vorgang: das jährliche Treffen von Vertretern aus Einbeck und Thiais zur so genannten Programmbesprechung. Immer im Spätherbst bereiten sie das Programm des Austauschs für das folgende Jahr vor – in ihrer Freizeit wohlgemerkt. Alexander Kloss hat persönlich mehrmals in der Vergangenheit an diesen Treffen teilgenommen, damals war er noch Mitglied der SPD-Fraktion. Diesmal war er nicht dabei und ist sauer. Nach meinen Informationen hat es über das Thema auch in der Sitzung des Verwaltungsausschusses unmittelbar vor der Ratssitzung vergangene Woche mächtig Zoff gegeben.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat in der jüngsten Sitzung des Stadtrates über die Programmbesprechung kurz schriftlich berichtet: „Die im Rahmen der Partnerschaft Thiais-Einbeck im Jahr 2023 stattfindenden Begegnungen wurden vom 24. bis 26. November gemeinsam mit jeweils einer Delegation aus Thiais und Einbeck in Straßburg erarbeitet und das Protokoll hierzu unterzeichnet.“ Auf letzteres sowie auf den persönlichen Austausch legen besonders die Franzosen seit Generationen sehr großen Wert. Das weiß eigentlich auch jeder, der sich ein paar Jahre lang in Einbeck mit Kommunalpolitik beschäftigt. Daher verwundert Alexander Kloss‘ Vorschlag, die angeblich 7000 Euro teuren Treffen künftig einzusparen und per Videokonferenz stattfinden zu lassen. Das würden die Franzosen vermutlich als Affront verstehen.

Kloss‘ Kernvorwurf: Für das diesjährige Besprechungstreffen in Straßburg seien die sechs Plätze in der Delegation nach politischem Proporz im Stadtrat zusammengestellt worden. Die Reisegruppe habe aus vier Personen aus der SPD/CDU-Gruppe bestanden, einer Person aus der Gruppe Grüne+ und einer Person aus der Fraktion Bürgerliste GfE.

Alexander Kloss: „Statt dann, wie es eigentlich guter demokratischer Stil wäre, alle sechs Fraktionen und Gruppen des Rates mit jeweils einer Person einzubeziehen, wählte man bewusst eine Sitzverteilung nach politischem Proporz. Das ist kein faires Miteinander und außerdem ziemlich undemokratisch.“ Sein Appell sei leider unerhört verhallt. Kloss wäre es also lieber gewesen, wenn neben seiner Gruppe auch noch ein Vertreter der AfD-Fraktion mit zum Partnerschaftsaustausch gefahren wäre.

In seiner Mitteilung sind noch weitere demokratietheoretisch interessante Formulierungen enthalten. Nicht nur, dass es in einem Selbstverwaltungsgremium wie dem Stadtrat (der bekanntlich wegen nicht gesetzgeberischer Funktion kein klassisches Parlament mit Regierung und Opposition ist) keine „in weiten Teilen schwache bis nicht vorhandene Opposition“, wie er schreibt, geben kann. Kloss attackiert auch die Bürgermeisterin unübersehbar deutlich: Sie habe noch am ehesten die Möglichkeiten, die unterschiedlichen Meinungen zusammenzuführen, profitiere aber offenbar lieber „von dem fragwürdigen und fragilen Konstrukt aus SPD und CDU, das man auch getrost als gigantische Wählertäuschung bezeichnen darf“. Das darf man. Das muss deswegen aber nicht richtig sein.

Bemerkenswert ist, dass Kloss in seiner Rundmail an die Menschen, denen er ein ernsthaftes Interesse an seiner kommunalpolitischen Arbeit unterstellt, die jede seiner Verlautbarungen begleitet, diesmal eine Passage hinzufügt, die es nicht in die Presseinfo geschafft hat. Kloss weitet seinen Blick schon auf 2026 – das Jahr, für das er erst jüngst keine Fördermittel beantragen wollte: „Für die Zeit nach der nächsten Kommunal- und Bürgermeisterwahl bleibt nur die große Hoffnung, dass die dann Gewählten ihre Verantwortung nutzen, um an vielen Stellen Gerechtigkeit wiederherzustellen und den vor allem in den letzten 12 Monaten entstandenen finanziellen Schaden zu behandeln. Allein die Wiederherstellung des ramponierten Image von Stadtverwaltungsspitze und Ratspolitik wird eine Mammutaufgabe und nicht in einigen Monaten zu schaffen sein.“ Das liest sich schon fast wie eine Bewerbungsrede für eine Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl 2026.

Kloss‘ Einschätzung zur Städtefreundschaft scheint sich zuletzt verändert zu haben. Auf seiner Website schreibt er aktuell: „Ich bin Träger der Goldenen Ehrenmedaille unserer französischen Partnerstadt für besondere Verdienste um die Freundschaft zwischen den beiden Städten und wurde außerdem von der Stadt Einbeck mit der Partnerschaftsmedaille ausgezeichnet. Viel wichtiger als diese Ehrungen sind mir jedoch die Begegnungen, die intensiven Gespräche, die gelebten Momente der Freundschaft und des gegenseitigen Respekts mit unseren Freunden aus den Partnerstädten.“

Ich habe die Bürgermeisterin und die Fraktionsvorsitzenden der an dem Treffen beteiligten Fraktionen um Stellungnahmen zu Kloss‘ Äußerungen und Vorwürfen gebeten. Hier die Antworten im O-Ton:

Bürgermeisterin

„Bestürzt, traurig und fassungslos habe ich die Pressemitteilung der Gruppe ‚Liberal und klar‘ zur Kenntnis genommen“, schreibt Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in einer ausführlichen Stellungnahme. „Bestürzt weil neben einigem Richtigen so viel Unwahres geschrieben ist. Richtig ist: Die Städte Einbeck und Thiais pflegen seit über 60 Jahren eine intensive und herzliche Städtefreundschaft. Richtig ist auch, dass sich in der Regel im November Delegationen der beiden Stadträte wechselseitig in ihren Ländern empfangen, um die Austausche des kommenden Jahres zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern vorzubereiten – die so genannte Programmbesprechung. Verschwiegen wird, dass neben der Arbeit am Austauschprogramm des nächsten Jahres auch die langjährige Freundschaft zwischen den Mitgliedern beider Stadträte gepflegt wird und ein kulturelles Programm auf der Tagesordnung steht.

Falsch ist die Aussage, dass die Einbecker Delegation erstmals nach politischem Proporz besetzt wurde. Seit mindestens 2007 (soweit reichen die digitalen Protokolle im ALLRIS zurück) nahmen regelmäßig maximal 5 Ratsmitglieder neben amtierendem/r Bürgermeister bzw. Bürgermeisterin und maximal 3 weiteren Verwaltungsmitgliedern an den Programmbesprechungen teil – die Ratsmitglieder wurden dabei immer nach dem jeweiligen Proporz der jeweiligen Wahlperiode besetzt durch Benennung durch ihre jeweiligen Fraktionen oder Gruppen.

Das wurde Alexander Kloss auch durch die Verwaltung am 9.12.2022 so mitgeteilt. Im Übrigen hätte er es auch ohne diese Mitteilung wissen können, wurde er doch selbst von seiner damaligen Partei des Öfteren als Delegationsmitglied vorgeschlagen.

Traurig machen mich die in der Pressemitteilung daraus abgeleitete Schlussfolgerung einer vermeintlichen Ausgrenzung der Gruppe ‚Liberal und klar‘ und die Wortwahl des Gruppensprechers. Ab dieser Wahlperiode sind Mehrheitsverhältnisse im Rat bekanntlich sehr deutlich durch Bildung der Gruppe SPD/CDU. Deshalb hat die Verwaltung der Politik vorgeschlagen, die Anzahl der Ratsmitglieder der Einbecker Delegation auf sechs Ratsmitglieder zu erhöhen (plus Bürgermeisterin plus 1 Person aus der Verwaltung plus den Partnerschaftsbeauftragten für Thiais), um auch den kleineren (nicht allen!) Fraktionen oder Gruppen eine Teilnahme zu ermöglichen. Dieses Vorgehen wurde von allen Fraktionen oder Gruppen – außer der Gruppe ‚Liberal und klar‘ – so akzeptiert. Eine demokratische Mehrheitsentscheidung also. Weiterhin zeugt die Wortwahl des Gruppensprechers von Verbitterung und Enttäuschung eines Einzelnen über eine Mehrheitskonstellation im Rat, die nicht nach seinem Gusto ist, aber die Wählerinnen und Wähler im vergangenen Jahr so festgelegt haben. Wer sich dabei als Opfer stilisiert und glaubt, dabei Worte wie „Vetternwirtschaft“, „Günstlingspolitik“, „gigantische Wählertäuschung“ oder „zertrümmern“ verwenden zu müssen, bewegt sich meiner Ansicht nach mit hoher Geschwindigkeit an den Rand der demokratischen Gepflogenheiten und Umgangsformen.

Fassungslos macht mich schließlich der ‚Lösungsvorschlag‘. Ja, wir haben während der Pandemie alle die Vorzüge digitaler Kommunikationswege zu schätzen gelernt. Die Gruppe ‚Liberal und klar‘ fordert nun aber allen Ernstes, über Generationen gewachsene, persönliche Treffen einzustellen und durch eine Videokonferenz zu ersetzen. Zumindest der Gruppensprecher dürfte wissen, wie wichtig der französischen Delegation diese Programmbesprechung ist und wie sensibel dieses Thema in der Vergangenheit war und immer noch ist. Hier wird mit einer beispiellosen Gefühlskälte unter dem Deckmäntelchen der Gerechtigkeit und Transparenz gehandelt. Ich ziehe ein gesprochenes Wort an einem Tisch mit Blickkontakt zu allen Teilnehmenden einer Videokonferenz immer vor, wenn es sich um so ein wichtiges Thema wie den Erhalt einer Städtefreundschaft handelt.

Negiert wird durch die Gruppe ‚Liberal und klar‘ zudem der kulturelle Wert dieser Treffen: Wer einmal als Deutsche in der Nähe von Cherbourg am Strand der Landung der alliierten Truppen 1944 gestanden hat, wer einmal als Deutsche die Erhabenheit des Straßburger Münsters mit eigenen Augen sehen durfte oder wer gemeinsam mit unseren französischen Freunden das Brandenburger Tor durchschritten hat, den Grenzverlauf der Berliner Mauer abgegangen ist und ergriffen das Holocaust Memorial besucht hat, der weiß, dass eine Digitalkonferenz dies nie ersetzen kann, sondern dass nur Nähe, dass nur Freundschaft, dass nur persönliche Treffen den Frieden zwischen Menschen, Städten und Ländern sichern können.“

SPD

„Jahrelang war Alexander Kloss immer der Erste, der sich in die Mitfahrer-Listen eingetragen hat, wenn es um Treffen mit den Partnerstädten ging“, schreibt SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Heitmüller. „Jetzt sieht er sich einmal mehr in der Opferrolle. Zwei Drittel seines Antrages lamentiert er darüber, wie böse alle anderen zu ihm sind, um dann bockig zu fordern: ‚Wenn ich nicht mitdarf, soll gar keiner fahren.‘ Es zeigt einmal mehr, dass es ihm nicht um die Sache geht, sondern nur um seinen Vorteil. Es geht ihm auch nicht um harmonische Ratsarbeit, sondern vielmehr darum, wieder einmal zu versuchen, einen Keil zwischen Bürgermeisterin und der Mehrheitsgruppe im Rat zu treiben. Wie lange will die FDP dieses trotzige Verhalten noch stützen?“

CDU

„Wer in dieser Zeit die Notwendigkeit von intensiver deutsch-französischer und damit europäischer Partnerschaft und Freundschaft infrage stellt, handelt ohne jede Verantwortung“, schreibt CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Ebrecht. „Dass nun gerade Herr Kloss als derjenige Ratsherr, der an den allermeisten dieser Austausche teilgenommen hat, seinen Unmut just zu dem Zeitpunkt entwickelt, an dem er mal nicht mitfahren konnte, bedarf keines weiteren Kommentars. Dass zudem die Sorge um städtische Finanzen als Grund herhalten muss, wirkt dabei ebenso durchsichtig wie scheinheilig. Der Zusammenhalt und die Partnerschaft in Europa gehört intensiviert und gestärkt, das gilt auch und besonders für die jahrzehntelange Freundschaft zu unserer französischen Partnerstadt.“

Einbeck für Notre-Dame

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Michael Heraeus mit einem Gastgeschenk von 1988 zur Städtefreundschaft zwischen dem Pariser Vorort Thiais und Einbeck.

Zu Pfingsten werden wieder mehr als 100 Einbecker aus verschiedenen Gruppen und Vereinen ihre Freunde in Thiais besuchen. Seit 1962 besteht die Städtepartnerschaft zwischen dem Vorort von Paris und Einbeck. Jeder Einbecker, der Thiais besucht hat, hat auch bereits mindestens einmal Notre-Dame in Paris besucht. Auch aus diesem Grund sind viele Einbecker bestürzt vom schweren Brand in der Kathedrale Notre-Dame am Montag Abend, auch Michael Heraeus aus Drüber. Von ihn stammt die Idee, einen Spendenaufruf für den Wiederaufbau des Gotteshauses zu starten. Mit der Initiative „Einbeck für Notre-Dame“ solle jeder Bürger und jedes Unternehmen in Einbeck die unkomplizierte Möglichkeit bekommen, am Wiederaufbau mitzuwirken. „Seit 55 Jahren sind wir Einbecker mit unserer Partnerstadt Thiais im Großraum Paris eng verbunden und haben zusammen auch die Kathedrale Notre-Dame de Paris als gemeinsamen Ort der deutsch-französischen und europäischen Geschichte besucht“, sagt Michael Heraeus. Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek unterstützt die Initiative gerne. „Die Bilder der brennenden Kirche haben mich sehr berührt“, sagt sie. „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir mit der Einbecker Initiative einen kleinen Beitrag zum Wiederaufbau leisten können, auch das ist deutsch-französische Freundschaft.“ Bereits nach den Terroranschlägen 2015 in Paris hatten sich die Einbecker solidarisch gezeigt mit ihren Freunden in der Partnerstadt Thiais.

Die Bürgermeisterin hat Kontakt mit der Deutschen UNESCO-Kommission in Bonn aufgenommen. Dort wurde bereits ein spezielles Spendenkonto für Notre-Dame eingerichtet, um dringend notwendige Arbeiten an der weltberühmten Kathedrale zu unterstützen. Wer die Initiative „Einbeck für Notre-Dame“ unterstützen möchte, kann folgendes Spendenkonto nutzen:
Spendenkonto-Kontoinhaberin: Deutsche UNESCO-Kommission e.V., Stichwort: Einbeck für Notre Dame, IBAN: DE71370501981914191414 (BIC: COLSDE33 Sparkasse Köln-Bonn). Auf Überweisungsträgern wird um vollständige Angabe der Adresse gebeten, heißt es in einer Pressemitteilung von heute.

In großer Anteilnahme und tiefer Freundschaft

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell'Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene).

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek Mitte Oktober mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell’Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene) in Einbeck. Archivfoto

Nach den Terroranschlägen in Paris hat Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute ein Kondolenzschreiben (2015-11-16Thiais_Kondolenz) an ihren Amtskollegen Richard Dell’Agnola in der französischen Partnerstadt Thiais gerichtet. Bereits am Sonnabend hatte sie Kontakt aufgenommen zu den französischen Freunden. „In großer Anteilnahme und tiefer Freundschaft“ schreibt die Bürgermeisterin im Namen von Verwaltung, Rat und Bürgern: „Wir Einbecker stehen an Ihrer Seite, wir trauern mit Ihnen, und wir sind ebenso bereit, unsere gemeinsamen Werte zu verteidigen.“ In dieser Woche werden sich Delegationen aus Einbeck und Thiais turnusmäßig treffen, um die Programm-Einzelheiten des Partnerschaftsaustauschs im kommenden Jahr zu besprechen. Nach einer Schweigeminute heute um 12 Uhr vor dem Neuen Rathaus in Einbeck, an der zahlreiche Beschäftigte der Verwaltung teilgenommen haben, erklärte die Bürgermeisterin anschließend via Facebook: „Wir sind in dieser schweren Stunde an der Seite unserer französischen Freunde und gedenken der Opfer der Attentate und ihrer Angehörigen. Dass Menschen im Namen eines islamistischen Fundamentalismus andere Menschen wahllos ermorden, erschüttert uns in unserem Innersten. Unsere Demokratie ist verwundbar. Aber der weltoffene Umgang zwischen allen Menschen und mit allen Kulturen ist gerade in diesen Tagen auch unsere Stärke. Wir stehen zusammen, wir empfinden gemeinsam Trauer, Wut und Unverständnis. Wir zeigen, dass wir mit Mitmenschlichkeit und Liebe gerade in diesen schweren Stunden bei unseren Freunden in Frankreich, bei unseren Freunden in Thiais sind. Wir werden uns vom Terror nicht besiegen lassen und gemeinsam gestärkt aus der Trauer hervorgehen.“

Die CDU-Ratsfraktion hat heute eine Stellungnahme (CDU-Fraktion Einbeck Stellungnahme Terror Paris) nach den Terroranschlägen von Paris veröffentlicht. „Unseren Freunden und Partnern in Thiais übermitteln wir stellvertretend für alle Franzosen und damit auch für alle Menschen unseres Wertekanons in Europa unser starkes und festes Mitgefühl. Wir verbinden damit auch das Signal von Stärke und Gemeinsamkeit, um allen Feinden von Frieden und Freiheit entgegenzutreten.“ Die westliche Wertegemeinschaft werde sich mit allen demokratischen und rechtstaatlichen Mitteln entschlossen wehren. „Dabei werden wir nicht aus den Augen verlieren, dass die Menschen, die vor Verblendung, Hass und Gewalt zu uns geflohen sind, sich auch zukünftig auf unseren Schutz und unser Mitgefühl werden verlassen können“, heißt es in der Positionierung der Christdemokraten. Der Stadtrat vertrete alle Einbecker Bürgerinnen und Bürger und sehe sich auch als Anwalt der neuen Nachbarn.

L’Hôtel de Ville aux couleurs de la France

Posted by Richard DELL’AGNOLA on Montag, 16. November 2015

Partner aus fünf Städten empfangen

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell'Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene).

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell’Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene).

Premiere gelungen! Zum ersten Mal waren einige Vertreter aus den Partnerstädten Einbecks am Eulenfest-Wochenende nicht nur unter anderem bei der Eröffnungsfeier auf der Bühne mit dabei. Es fand zum ersten Mal ein gemeinsamer Empfang von Stadt Einbeck und Stadtfest-Veranstalter Einbeck Marketing GmbH in der Rathaushalle statt – und aus allen fünf Partnerstädten Einbecks waren Gäste dabei, auch das eine Premiere. An diesem Abend wurde gelebte Städtepartnerschaft greifbar, weil menschlich. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek konnte offizielle Vertreter aus Thiais/Frankreich, Artern/Thüringen, Wieselburg/Niederösterreich, Paczkow/Polen und Keene/USA willkommen heißen. Mehr als 50 Jahre besteht die Freundschaft zum französischen Thiais (bei Paris) bereits, Bürgermeister Richard Dell’Agnola würdigte den Austausch auf vielen Ebenen. Zur Tradition geworden ist seit Jahren der Weinstand aus Thiais beim Eulenfest (in diesem Jahr zugunsten des Kunsthaus Einbeck), ebenso der Besuch der Einbecker zum Karneval oder zum Gärtnerfest in Thiais. Seit 25 Jahren in diesem Jahr besteht die Städtepartnerschaft mit Artern, der scheidende Bürgermeister Wolfgang Koenen ist im Sommer mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Einbeck ausgezeichnet worden, regelmäßige Besuche im wiedervereinigten Deutschland sind heuer wesentlich leichter möglich als noch zum Beginn im Wendejahr 1989/1990. Mit Patschkau, dem heutigen Paczkow in Polen, besteht seit 1992 eine offizielle Städtepartnerschaft, die ihre Wurzeln in der Verbindung zu den Vertriebenen aus Schlesien hat. Der neue Bürgermeister von Paczkow, Artur Rolka, war erstmals in Einbeck zu Besuch und sprach beim Eulefest-Empfang der Partnerstädte eine herzliche Einladung aus, um die gegenseitige Verbundenheit zu pflegen. Eine geerbte Partnerstadt für Einbeck ist Wieselburg in Österreich, seit 1987 mit der ehemaligen Gemeinde Kreiensen verbunden. Stadtrat Peter Reiter freute sich schmunzelnd, dass Einbeck das Erbe bei der Fusion mit Kreiensen nicht ausgeschlagen habe. Wieselburger Bier hatte der in Vertretung von Bürgermeister Günther Leichtfried nach Einbeck gekommene Reiter im Gepäck. Das müsse als Gastgeschenk auch in einer Bierstadt wie Einbeck erlaubt sein, sagte Peter Reiter.

Ehre für Bürgermeisterin: Schlüssel aus Keene.

Ehre für Bürgermeisterin: Schlüssel aus Keene.

Den weitesten Weg hatten die Freunde aus Keene in New Hampshire zurück gelegt. Doch in Zeiten von Mails, Skype und Facebook lässt sich auch zu der seit 2002 bestehenden Partnerstadt in Amerika über den großen Teich einfach regelmäßig Kontakt halten. Bürgermeister Kendell W. Lane hatte als besondere Auszeichnung einen symbolischen Schlüssel der Stadt Keene im Gepäck, den er Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek überreichte  – eine spezielle Ehre. Michalek ist nach Jörg Meister (Sportaustausch) erst die zweite Einbeckerin, die dergleichen ausgezeichnet worden ist. Sie sei jederzeit herzlich willkommen in Keene, sagte Lane. Keene freue sich auf viele Einbecker Besucher. Die US-Amerikaner sind in diesen Tagen mit einer großen Delegation in Einbeck, besuchen Bürgerspital, Polizei, PS-Speicher. Nach Sport und Kultur werden in Zukunft auch Schüleraustausch-Programme die Städtepartnerschaft mit Keene weiter beleben.

Erstmals fand beim Eulenfest in der Rathaushalle ein Empfang für alle fünf Partnerstädte Einbeck statt.

Erstmals fand beim Eulenfest in der Rathaushalle ein Empfang für Vertreter aus allen fünf Partnerstädten Einbecks statt.

Ganz große Kunst

Plötzlich war da wieder dieser Bretterzaun - ohne Kunst. Aufnahme vom 22.09.2914

Plötzlich war da wieder dieser Bretterzaun – ohne Kunst. Aufnahme von heute (22.09.2914)

Brandlücke mit Kunstwerk aus Frankreich. Archivfoto März 2014

Brandlücke mit Kunstwerk aus Frankreich. Archivfoto März 2014

Diese Peinlichkeit sollte sich Einbeck in der Tat nicht leisten, in wenigen Wochen kommen Gäste aus der Partnerstadt Thiais nach Einbeck, zum Eulenfest. Und wenn die Besucher aus Frankreich dann auf den schäbigen Bretterzaun in der Langen Brücke blicken würden… davor grauste es Ratsfrau Eunice Schenitzki (SPD). Und nicht allein wegen des Holzzaunes. Sie stellte heute eine Anfrage im Stadtentwicklungsausschuss, warum denn in der Brandlücke an der Langen Brücke nicht mehr das gesprayte Kunstwerk eines jungen Franzosen zu sehen ist, das zum 50-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft entstanden und auf dem Bretterzaun montiert war. Die Antwort sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, die nach eigenen Angaben vor ein paar Tagen ebenso erstaunt über den wieder zu Tage getretenen Bretterzaun war, erläuterte die Panne so: Der Zaun war im Sommer für die Dauer von vier Wochen einer Street-Art-Initiative rund um Martin Keil von der benachbarten Tangobrücke für eine temporäre Kunstaktion zur Verfügung gestellt worden (die Stadt ist Eigentümerin des Grundstücks und damit auch des Zaunes). Für die damals entstandene Gestaltung des Zaunes war ein Brett auf das bestehende Kunstwerk gesetzt worden. Da die Gruppe um Martin Keil ihr Bild jedoch trotz Ermahnung nicht innerhalb der Frist abgenommen habe, habe das letztlich der Bauhof erledigen müssen, sagte die Bürgermeisterin. Was dieser tat. Zu diesem Zeitpunkt sei wohl aber auch schon von Keil ein Tischler beauftragt gewesen, das Bild abzunehmen – und der habe eben die farbigen Zauntafel made in Thiais abgenommen. Das falsche Kunstwerk also. Und so steht nun der Bretterzaun wieder nackt da. Bis kommenden Mittwoch habe die Initiative um Martin Keil jetzt die Auflage, das Bild aus Thiais wieder anbringen zu lassen, sagte die Bürgermeisterin. Wollen wir hoffen, dass das klappt. Bleibt zum Schluss wie immer die Frage: Was kostet der „Spaß“? Wer bezahlt dafür, dass der Bauhof aktiv werden musste? Eigentlich müsste das doch derjenige sein, der sich nicht an Absprachen und Vereinbarungen hält, oder?

Nachtrag 24.09.2014: Seit heute früh hängt das Thiais-Bild wieder am Bauzaun, leicht lädiert, zum Beispiel oben links, aber immerhin. Die Frage, wer den ganzen „Spaß“ bezahlt, ist bis dato unbeantwortet. Heute in der Sitzung des Stadtrates dazu: kein Wort. Außer, dass sich eine Projektgruppe mit der Zukunft der Brandlücke beschäftigt und mehrere Ideen diskutiert werden.

Nachtrag 10.04.2015: Auf meine Nachfrage teilte die Stadt Einbeck mit, dass der Stadt seinerzeit Kosten in Höhe von 246,76 Euro entstanden seien, die von den Verursachern erstattet wurden.

Es hängt wieder am Bauzaun, das Geschenk aus Thiais, wenn auch leicht lädiert. Aufnahme vom 24.09.2014

Es hängt wieder am Bauzaun, das Geschenk aus Thiais, wenn auch leicht lädiert. Aufnahme vom 24.09.2014

Schwarz-rote Würstchen

v.l.: Ulrich Minkner, Angelika Hüneburg, Dany Beucher (stellv. Bürgermeister Thiais), Richard Dell’Agnola (Bürgermeister Thiais), Dirk Ebrecht, Bernd Behlau, Wolfgang Thies vor dem Geschenk der Stadt Einbeck an die französische Partnerstadt.

Ulrich Minkner, Angelika Hüneburg, Dany Beucher (Vize-Bürgermeister Thiais), Richard Dell’Agnola (Bürgermeister Thiais), Dirk Ebrecht, Bernd Behlau und Wolfgang Thies (v.l.) vor dem Geschenk der Stadt Einbeck an die französische Partnerstadt, dem Holz-Fass.

Dass Kommunalpolitik nicht immer nur bierernst und die Berichterstattung über diese nicht ausschließlich Bratwurstjournalismus sein muss, beweisen die folgenden erfreulichen Fakten: 500 Bratwürste gegrillt und 480 Liter Einbecker Brauherren Pils ausgeschenkt haben aus Einbeck in die französische Partnerstadt Thiais bei Paris gereiste Politiker mit roten und schwarzen Parteibüchern. Bleibt zu hoffen, dass die Würstchen nicht zu schwarz wurden, aber ebenso nicht zu rot blieben. Die Einbecker verkauften Bratwurst & Bier auf dem Fest der Amateurgärtner in der Partnerstadt. Und das zugunsten eines sehr guten Zweckes: Aus dem Verkaufserlös stand am Ende der zwei Tage ein Überschuss von 1100 Euro zur Verfügung, der vom Partnerschaftsbeauftragten Gerhard Jünke an I.M.E. „L’ARC-EN-CIEL“-THIAIS übergeben wurde. Diese Organisation bemüht sich um die Förderung von Kindern mit Behinderung; im Juni dieses Jahres waren erstmals Kinder bei der Lebenshilfe in Einbeck zu Besuch. „Alle Teilnehmer dieses Treffens freuen sich schon jetzt auf den Besuch in der Partnerstadt im nächsten Jahr“, sagte Jünke. Die Einbecker Delegation (neben dem Partnerschaftsbeauftragten Gerhard Jünke waren das Dirk Ebrecht, Ulrich Minkner, Bernd Behlau, Wolfgang Thies und Angelika Hüneburg) freut sich bereits auf den Gegenbesuch der Thiaiser zum Eulenfest im Oktober. Der Erlös des Weinstandes, wie üblich zu finden in der Altendorfer Straße aus der „Landmeile“, wird dann einer Einbecker Einrichtung zugute kommen.