Südlink: Ortsbürgermeister sind sauer aufs Rathaus

Die Ortsbürgermeister und Ortsvorsteher der Einbecker Ortschaften Billerbeck, Kreiensen, Greene, Erzhausen, Bruchhof, Beulshausen, Garlebsen, Ippensen und Olxheim sind sauer aufs Rathaus. Sie haben massive Bedenken gegen die kurzfristig aufgetauchte Trassen-Alternative 434 der Stromleitung Südlink, die von Freden kommend im Leinetal und östlich von Einbeck verlaufen könnte. „Wir möchten, dass unsere Bedenken aufgenommen und abgewogen werden“, sagt Greenes Ortsbürgermeister Frank-Dieter Pfefferkorn und weiß sich mit seinen Kollegen einig.

Ortsbürgermeister und Ortsvorsteher fühlen sich schlecht über die Südlink informiert (v.l.): Frank-Dieter Pfefferkorn (Greene), Michael Becke und Petra Bohnsack (Erzhausen), Hans-Jörg Kelpe (Garlebsen, Ippensen, Olxheim), Reinhold Rieger (Beulshausen), Reinhard Brinckmann (Billerbeck) und Axel Ambrosy (Kreiensen).

Sie appellieren an alle Bürger, sich zu informieren und bei der Bundesnetzagentur bis 6. November Einwendungen einzureichen. Vom Einbecker Rathaus fühlen sich die ehrenamtlich tätigen Ortschefs allein gelassen und nicht ausreichend unterstützt, dort sehe man offenbar die Betroffenheit für die Bevölkerung nicht. Jede Ortschaft werde deshalb ihre Stellungnahme nicht nur an die Stadtverwaltung schicken, damit sie in die allgemeine Einwendung der Stadt Einbeck einfließen kann, die der Verwaltungsausschuss am 4. November beschließen will. Ihre Unterlagen gehen auch direkt an die Bundesnetzagentur, damit dort auch wirklich alle Themen ankommen, kündigte Frank-Dieter Pfefferkorn an.

Die Ortsbürgermeister und Ortsvorsteher ärgern sich, dass die Bevölkerung von der Einbecker Stadtverwaltung über die neu vorgesehene Erdkabel-Trassenvariante des Südlink nicht ausführlich informiert werde. Warum trotz der knappen Fristen nicht wie in Freden eine Bürgerversammlung stattgefunden habe, können sie nicht verstehen. Ausreichend große Räume hätte es auch in Corona-Zeiten gegeben, wenn man gewollt hätte, kritisieren die Ortschefs. Sie informieren deshalb jeweils einzeln für ihre Dörfer die Menschen und sensibilieren sie, dass sie mit der Trassenvariante 434 massiv betroffen sein könnten.

Zu den bereits bekannten Trassenführungen, beispielsweise der Trasse 60 westlich von Einbeck, seien Einwendungen bereits erfolgt. Damit am Ende aber eine faire Abwägung aller Möglichkeiten des Leitungsverlaufs stattfinden könne, müsse auch Variante 434 mit ihren Problematiken ausführlich zu Papier gebracht werden. Wenn letztlich 434 zum Zuge komme, dann sei das so, sagen die Ortschefs, aber man fordere wenigstens eine Chancengleichheit bei der Abwägung, wo die Leitung am wenigsten belastend sei.

Die Ortsbürgermeister und Ortsvorsteher haben eine Fülle von Details in aufwändiger ehrenamtlicher Arbeit aus dem vom Vorhabenträger Transnet BW GmbH zur Verfügung gestellten Material mit der Realität und ihren Ortskenntnissen abgeglichen. Dabei sind ihnen zahlreiche Ungereimtheiten aufgefallen, die jede Ortschaft für sich zusammengestellt und in Einwohnerversammlungen vorgestellt hat. Zum Beispiel schrumpfe der eigentlich ein Kilometer breite Korridor im Bereich Erzhausen durch das Unterbecken des Pumpspeicherwerks sowie die Leineaue zu einem nahezu alternativlosen Streckenverlauf. Schleierhaft sei ihnen auch, wie die zahlreichen Leitungen, die durch das Leinetal führen, mit der Variante 434 unterquert werden sollen, sagen die Ortschefs.

Die Landwirtschaft sei durch die Variante 434 stark betroffen, sagt Erzhausens Ortsbürgermeisterin Petra Bohnsack. Im ohnehin engen Leinetal könnte bei einem verlaufenden Erdkabel mit seinem Kabelkanal die Traditionsfrucht Zuckerrübe als Tiefwurzler nicht mehr angebaut werden.    

Jeder kann sich über die Höchstspannungsleitung Südlink, die als Erdkabel verlegt werden soll, informieren und zur Trassenvariante 434 bis spätestens zum 6. November auch Einwendungen bei der Bundesnetzagentur zu Protokoll geben. Erst Anfang September habe man Kenntnis von der Variante 434 erlangt, bis 16. Oktober sollten die Stellungnahmen der Ortsräte im Rathaus eingehen – ein Unding für die Ehrenamtler, sich in die komplexe Materie einzuarbeiten. Eine Verlängerung der knappen Frist war abgelehnt worden. Das umfangreiche Material mit den unterschiedlichen Trassenverläufen und Varianten ist einsehbar unter www.netzausbau.de oder auch gut auf der Seite der Gemeinde Freden www.freden.de unter „Rathaus/Aktuelles“.

Die orangefarbene Südlink-Trassenvariante 434 wird neben der Trasse 60 westlich von Einbeck (blau) und der östlich von Kreiensen (schwarz) diskutiert.

Nachtrag 20.10.2020: Die Stadtverwaltung Einbeck hat sich heute mit einer ausführlichen Pressemitteilung zu dem Thema zu Wort gemeldet und verweist auf die jetzt (!) auf ihrer Website aufrufbaren Unterlagen.

Nachtrag 05.11.2020: Der Verwaltungsausschuss hat die umfängliche Stellungnahme der Stadt Einbeck inklusive aller Mitteilungen, Einwänden und Anregungen aus den Ortsräten und von den Ortsvorstehern abgesegnet; das umfängliche Paket ist der Bundesnetzagentur fristgerecht zugeleitet worden, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek nach dem VA auf Anfrage.

Ostvariante ist Suedlink-Vorschlagskorridor

Wo verläuft die Stromtrasse Suedlink? Archivfoto

Für eine „Entwarnung“ dürfte es noch zu früh sein: Wie Übertragungsnetzbetreiber Tennet jedoch heute mitteilte, wird er für die geplante Stromtrasse Suedlink die Ostvariante als Vorschlagskorridor am 17. März bei der Bundesnetzagentur einreichen. Einbeck bliebe dann von der Erdkabel-Strecke unberührt. Der Vorschlagskorridor ist aber lediglich ein erstes Zwischenergebnis, betonte Tennet heute, die kommenden Untersuchungen würden für alle Korridorvarianten – den Vorschlagskorridor, die Alternative sowie das weitere Korridornetz – in der gleichen Detailtiefe durchgeführt. Erst am Ende der Bundesfachplanung werde die Genehmigungsbehörde einen Korridor festlegen, heißt es. Und damit bleiben auch die Westvariante und ihre Alternativen über Bad Gandersheim und Einbeck durchaus möglich.

Nachtrag 08.03.2017: Die erste politische Wortmeldung aus der Region kommt heute vom CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne (20170307_PM169_SuedLink), der nach eigenen Angaben gestern in Berlin dabei war, als Tennet in der Hauptstadt den Trassenvorschlag vorgestellt hat. Ein verbindlicher Trassenkorridor werde erst Ende 2018 feststehen, erklärte Kühne, als „gerecht und notwendig“ bezeichnete der Bundestagsabgeordnete aus Northeim angekündigte wiederkehrende Entschädigungszahlungen für betroffene Grundstückseigentümer und Nutzer.

Salzig

Rechtzeitige, frühzeitige Informationen – sie werden immer öfter angemahnt, zumal bei Großprojekten mit einer großen öffentlichen Wirkung. Bei Auswirkungen auf den Menschen. Zu recht. Als vor einigen Woche die geplante Salzpipeline im Landkreis Northeim in die öffentliche Wahrnehmung platzte, mahnte die kommunale Politik von der Firma K+S in Kassel, die ihre Salzabwässer entsorgen muss, umgehende Informationen an, die CDU beantragte eine Beratung im entsprechenden Fachausschuss des Kreistages. Was gestern geschehen ist, heute berichtet darüber die Kreisverwaltung.

Die Mitglieder des Ausschusses für Bau, Umwelt und Regionalplanung haben sich von Dr. Sandra Bödding und Dipl.-Ing. Jörg Willecke von der Firma K + S Kali GmbH über den aktuellen Sachstand bei der Frage der Entsorgung der Salzabwässer aus dem hessisch-thüringischen Kalirevier berichten lassen. Ob überhaupt und wie der Landkreis Northeim gegebenenfalls von den Planungen der K + S Kali GmbH zur Entsorgung der Salzabwässer über eine Pipeline betroffen sein würde, lasse sich derzeit nicht einschätzen, zitiert der Landkreis in seiner Mitteilung Jörg Willecke. Derzeit würden alle Möglichkeiten ohne Vorfestlegung geprüft, wobei K + S aus Kostengründen klar eine lokale Entsorgung – Versenkung und Einleitung in Gewässer – bevorzuge. Bei Direkteinleitung in die Nordsee via Pipeline würden Werra und Weser deutlich entlastet. Die Einleitung in die Oberweser entlaste zwar die Werra, belaste aber weiterhin die Weser.

K + S muss laut Landkreis-Pressedienst derzeit jährlich etwa acht Millionen Kubikmeter Salzabwasser entsorgen. Derzeit geschehe dies durch Einleiten in die Werra und in den Untergrund. Das Versenken in den Untergrund sei K + S allerdings nur noch bis 2015 erlaubt. Das Unternehmen stelle daher derzeit Überlegungen für die zukünftige Entsorgung an. Geprüft würden drei Varianten: Die lokale Entsorgung, die Einleitung in die Oberweser und die Einleitung in die Nordsee.

Laut Landkreis-Pressedienst scheine eine 450 Kilometer lange Rohrleitung zur Nordsee – unabhängig von der Streckenführung – die Umwelt nach Expertenmeinung von allen anderen Möglichkeiten am wenigsten zu belasten. Auch die geschätzten Kosten von 800 Millionen Euro, seien, angesichts einer angenommenen Nutzungsdauer von 50 Jahren, deutlich weniger spektakulär, heißt es.

„Es gibt derzeit kein Verfahren, welches die Einleitung in die Erde oder in ein Oberflächengewässer verhindern würde“, wird Prof. Dr. Hans Brinckmann, Mitglied des „Runden Tisches“ der unterschiedlichen Interessenvertretungen, von der Kreisverwaltung zitiert. Es müsse daher abgewogen und die dauerhaft geringstmöglich belastende Entsorgungsmöglichkeit gefunden werden. Schließlich bestehe ein großes öffentliches Interesse an der Aufrechterhaltung von etwa 8.000 mit der Kaliproduktion in Verbindung stehenden Arbeitsplätzen.

Die Politik ist hier offenbar wieder im klassischen Dilemma, dem Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie.

Nachtrag 01.05.2014: Die CDU-Kreistagsfraktion hat sich heute zufrieden mit den Erläuterungen von K + S im Ausschuss geäußert. „Das Thema musste im Kreistag auf die Tagesordnung, da es den Landkreis Northeim an mehreren Punkten betreffen könnte. Die sachlichen Informationen von K + S und vom Runden Tisch haben uns inhaltlich sicher weitergebracht“, erklärte Günter Kelter (Dassel) in einer Pressemitteilung. Dennoch bleibe die CDU-Kreistagsfraktion kritisch, was die Pipeline durch den Landkreis angeht. Kelter: „Wir haben gehört, dass es hier auch um den Erhalt von rund 8000 Arbeitsplätzen geht und die Entsorgung der Haldenwasser auch weit nach Ende des Abbaus erfolgen muss. Hier muss die Politik eine wirklich Abwägung treffen. Ein Nein zur Pipeline lässt die Frage offen, wohin mit den Rückständen. Wir als Union werden uns weiter mit dem Thema auseinander setzen und bleiben bei unserer Prämisse, mit allen Beteiligten ergebnisoffen zu sprechen.“