Bürgermeisterwahl: Analyse des Stichwahl-Ergebnisses

Was für ein Jahr! Durchaus ein Marathon für alle Beteiligten. Und vor allem einer mit Verlängerung. Und mit Hürden und Hindernissen, die niemand vor zwölf Monaten in diesem Rennen um den Chefsessel im Einbecker Rathaus geahnt hatte. Ein Wahlkampf, wie es keinen zuvor je gegeben hat: Mit desinfizierten Kugelschreibern am Wahlstand und Mund-Nase-Bedeckung auf dem Marktplatz. Ohne große Menschenansammlungen. Mit Abstand zum Wähler, wo eigentlich Nähe und Nahbarkeit gefragt sind. Und ein beinahe aseptischer Wahlabend: Ohne Partys. Ohne jubelnde und sich in den Armen liegenden siegreichen Wahlkämpfern (okay, mit einer Ausnahme jedenfalls). Impressionen nach der Wahl und eine Analyse der Ergebnisse.

Ein ungewohnt aseptischer Wahlabend im Rathausflur (v.l.): Dr. Sabine Michalek, Beatrix Tappe-Rostalski, Dirk Heitmüller, Marcus Seidel, Rolf Hojnatzki.

Die Bürgermeisterwahl 2020 in Einbeck ist entschieden, in der Stichwahl hatte die Amtsinhaberin mit 1500 Stimmen die Nase vorn. Bis 2026 wird Dr. Sabine Michalek weiter Bürgermeisterin sein, die neue fünfjährige Amtszeit beginnt Ende Januar. Denn bis dahin ist die 53-Jährige ohnehin noch gewählt.

Vor auf den Tag genau fast einem Jahr hatte alles begonnen: Mitte November 2019 erklärte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bei einer CDU-Veranstaltung erstmals öffentlich, dass sie noch einmal antritt. Lange hatte sie sich damit Zeit gelassen, mit Familie und Freunden sorgsam abgewogen. Mit diesem „Ja, ich will“ bekam das Rennen ersten Rückenwind. Denn es galt die Frage zu beantworten: Wer tritt gegen sie an? Lange Zeit galt der 13. September als Fixpunkt, der ursprüngliche Wahltermin. Darauf war alles ausgerichtet, unter anderem die Kandidatenkür der SPD. Drei Bewerber gab es bei den Sozialdemokraten, die schon auf Tour zu den Mitgliedern gingen. Kurz bevor im März geklärt werden konnte, wer denn nun der Herausforderer oder die Herausforderin sein würde, kam Corona. Und zunächst die Hoffnung, zwar mit Verzögerung, aber dennoch alles pünktlich klären zu können. Diese Hoffnung starb früh. Und so einigte sich der Stadtrat, den Wahltermin auf den 1. November zu verschieben. Dass es damit nicht einfacher in der sich wieder verschärfenden Pandemie würde, ahnte wohl niemand damals.

Gestern Abend dann ist nach dem Ergebnis der Stichwahl die monatelange Anspannung von den Protagonisten abgefallen. Die Ziellinie ist überschritten: Gut 1500 Stimmen sind ein satter Vorsprung bei rund 11.000 abgegebenen Stimmen. Aber es ist ebenso richtig, dass sich Dirk Heitmüller mit 43 Prozent nicht zu verstecken braucht. „Ich hatte gedacht, es würde knapper werden“, räumte dann auch die Siegerin ein. Ein Vergleich mit dem Wahlergebnis von 2013 ist natürlich schwierig, zu viele Faktoren waren damals anders. Und dennoch: Dr. Sabine Michalek schaffte auch damals knapp 56 Prozent der Stimmen und ließ den damaligen Bürgermeister Ulrich Minkner mit 44 Prozent hinter sich. Beide trennte 1946 Stimmen Unterschied.

Vor knapp acht Jahren gingen freilich deutlich mehr Wähler an die Urnen: Bei fast 63 Prozent lag die Wahlbeteiligung der Fusionswahl mit Kreiensen. Jetzt waren nur 45 Prozent interessiert, ihre Stimme abzugeben. „Mit der Wahlbeteiligung können wir nicht zufrieden sein. Das muss besser werden in den nächsten Jahren, daran müssen wir gemeinsam arbeiten“, sagte Michalek am Wahlabend. Die geringste Wahlbeteiligung zeigte sich im Wahlbezirk Berufsschule I (21,17 Prozent) und wie schon vor zwei Wochen im Wahlbezirk Stadtbibliothek (21,58 Prozent). Die höchste Beteiligung konnte erneut in Rengershausen verzeichnet werden, wo 84,85 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gingen – noch einmal mehr als vor zwei Wochen.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek gewann am Sonntag in 47 von insgesamt 58 Wahlbezirken, Dirk Heitmüller hatte wieder in elf Wahlbezirken die Nase vorn, er holte sich den Wahlbezirk Kreiensen III (Hainberg), den noch vor zwei Wochen die Bürgermeisterin für sich entschied. Auch Dörrigsen und Erzhausen konnte Heitmüller für sich drehen. Dafür holte sich Michalek am Sonntag die Wahlbezirke Rheinischer Hof I, Benser Mauer und Stadtbibliothek, wo zuvor ihr Herausforderer vorn lag.

In Rengershausen hatte Dr. Sabine Michalek mit 84,85 Prozent ihr stärkstes Einzelergebnis. Dirk Heitmüller erzielte sein bestes prozentuales Einzelergebnis nicht in seinem Heimatort Salzderhelden, wo er als Ortsbürgermeister zuhause ist, sondern in Rotenkirchen (60,49 Prozent).

In jedem Fall gab es wieder zahlreiche Briefwähler, und dabei dürfte der Corona-Effekt seinen Anteil haben, möglichst kontaktlos zu wählen: insgesamt 2124 (knapp 100 weniger als vor zwei Wochen). Zum Vergleich: 2013 gab es 1219 Briefwahlstimmen. Die Briefwahl-Vorstände zählten am Sonntag Abend deutlich schneller als beim ersten Wahlgang. Das vorläufige Endergebnis stand am Sonntag bereits um 18.54 Uhr fest, was ein wenig die Zeitplanung der Bürgermeisterin durcheinander brachte, saß sie zu diesem Zeitpunkt doch mit ihrer Familie bei „Hähnchenbrüsten á la dad“ beim Essen und hatte erst gegen 20 Uhr mit einem Ergebnis gerechnet, wie sie einräumte. Nun stand sie schon um 19.30 Uhr im Rathausflur und nahm die ersten persönlichen Glückwünsche entgegen: Von der CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Beatrix Tappe-Rostalski sogar mit Umarmung…

„Danke für den fairen Wahlkampf“, sagte die wiedergewählte Bürgermeisterin zu ihrem Herausforderer Dirk Heitmüller. Das könne man nicht immer erwarten: „Wir fetzen uns im Rat ja auch manchmal ganz gehörig“. Dr. Sabine Michalek betonte ihr Angebot, mit allen Fraktionen und Ratsmitgliedern weiter zusammen arbeiten zu wollen. „Es ist Einbeck, das im Vordergrund steht, und nicht der und die hier den Posten des Bürgermeisters hat“, sagte Michalek. Der sei immer ein Amt auf Zeit und könne auch wechseln. „Diesmal ist er bei mir geblieben.“

Mit großer Geste (v.l.): Dirk Heitmüller, Rolf Hojnatzki, Marcus Seidel.

Persönlich war die SPD-Spitze ins Rathaus gekommen, um der Siegerin zu gratulieren. „Glückwunsch zum Wahlerfolg“, sagte Fraktionschef Rolf Hojantzki mit kontaktloser Geste. „Ich freue mich über ihr Angebot, auf weitere gute Zusammenarbeit zum Wohle unserer Stadt.“ Ortsvereinsvorsitzender Marcus Seidel betonte die Symbolik, dass er und Hojnatzki am Wahlabend zum Gratulieren präsent seien, und möchte das auch als Angebot zur Zusammenarbeit verstanden wissen. „Ich sehe das als große Wertschätzung“, freute sich Michalek. Seidel: „So war’s gedacht.“ Wir erinnern uns: 2013 war kein hochrangiger Sozialdemokrat im Rathaus zum Glückwunsch, auch nicht der unterlegene damalige Amtsinhaber.

Rolf Hojnatzki nutzte die Gelegenheit, seinem SPD-Kandidaten öffentlich zu gratulieren: „Danke für einen unglaublichen Einsatz, den er geleistet hat, in dieser wirklich schwierigen Phase mit Corona und den Rahmenbedingungen, die dazu gehören.“ Dirk Heitmüller habe „ein anständiges Wahlergebnis erzielt, mit dem wir zufrieden sind, damit können wir leben“, sagte Hojnatzki. Marcus Seidel ergänzte: „Wir können mit erhobenen Kopf verlieren, das tun wir auch.“

SPD-Herausforderer Dirk Heitmüller hätte natürlich selbst gerne die Nase vorn gehabt, ist aber mit seinem erzielten Ergebnis sehr zufrieden, zumal dieses „nicht so eindeutig“ sei, sondern der Abstand zur Gewinnerin eher knapp. Er werte das als Vertrauensbeweis der Wähler. „Offenbar war noch nicht die Zeit für einen Wechsel“, sagte der 51-Jährige. Er hatte sich in den Ortschaften mehr versprochen, zumal er ja selbst aus Salzderhelden und damit nicht aus der Kernstadt komme, wie er sagte. „Ich bedanke mich für den fairen Wahlkampf, dieser war sehr interessant. Ich wünsche der Bürgermeisterin viel Erfolg bei ihren Aufgaben“, sagte Heitmüller. Der Ortsbürgermeister von Salzderhelden konzentriert sich jetzt neben seinem Job wieder auf seine ehrenamtliche kommunalpolitische Arbeit im Stadtrat, in dem er als Beigeordneter im wichtigen Verwaltungsausschuss sitzt. Die wiedergewählte Bürgermeisterin habe viel versprochen, jetzt werde sie zeigen müssen, dass sie es könne, sagte Heitmüller.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek freute sich über ihr Ergebnis: „Ich bedanke mich ganz herzlich für jede einzelne Stimme und für das Vertrauen, das mir die Wählerinnen und Wähler geschenkt haben. Ich werde in den nächsten Jahren bis 2026 meine ganze Kraft zum Wohle der Stadt Einbeck einbringen.“ Sie sehe das Bürgermeisterinamt unverändert als überparteilich. „Meine nächste Aufgabe ist, einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen und im Dezember in den Stadtrat einzubringen“, sagte die Bürgermeisterin am Wahlabend, „daran arbeiten wir im Rathaus schon mit Hochdruck.“

Glückwunsch-Faust im Rathausflur: Dr. Sabine Michalek (l.) und Dirk Heitmüller, im Hintergrund Beatrix Tappe-Rostalski.

Sabine Michalek bleibt Bürgermeisterin

Dr. Sabine Michalek bleibt Bürgermeisterin in Einbeck. Bei der Stichwahl am Sonntag erreichte die Amtsinhaberin 56,67 Prozent der Stimmen. Ihr Herausforderer Dirk Heitmüller von der SPD schaffte 43,33 Prozent. Die 53-Jährige, die seit 2013 Bürgermeisterin ist, bleibt das nun bis 2026. Die Wahlbeteiligung lag bei 45,49 Prozent. Zur Bürgermeisterwahl aufgerufen waren in Einbeck mit seinen 46 Ortschaften insgesamt 25.589 Wahlberechtigte.

(Aktualisiert 21:13 Uhr)

Wahlabend im Neuen Rathaus mit ersten Glückwünschen an die Bürgermeisterin
Stichwahl: Dr. Sabine Michalek und Dirk Heitmüller im Rathaus nach Schließung der Wahllokale.

GfE und Bürgerliste verzichten auf Wahlempfehlung

Die Wählergemeinschaften „Gemeinsam für Einbeck“ (GfE) und Bürgerliste Kreiensen (BL) verzichten vor der Stichwahl der Bürgermeisterwahl auf eine direkte Wahlempfehlung. Darüber informierte Gruppensprecher Frank-Dieter Pfefferkorn heute per Pressemitteilung. GfE und BL rufen angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung am 1. November vielmehr dazu auf, überhaupt am kommenden Sonntag zur Wahl zu gehen oder vorab Briefwahl zu machen. „Wählen Sie, wen Sie wollen, aber gehen Sie wählen“, formulierte es Pfefferkorn in seinem Appell.

GfE und BL hatten Dr. Claudius Weisensee (FDP) unterstützt, der im ersten Wahlgang ausgeschieden war. Die FDP hatte ebenso wie Weisensee persönlich Dr. Sabine Michalek zur Wahl empfohlen. Die Grünen, die ebenfalls Weisensee-Unterstützer waren, haben sich bislang nicht vor der Stichwahl öffentlich geäußert, ob sie eine personelle Empfehlung geben wollen oder nicht.

Nachdem Dr. Claudius Weisensee am 1. November „ein sehr respektables Ergebnis“ erzielt habe, aber nicht in die Stichwahl gekommen sei, rufen die beiden als Fraktionen im Stadtrat vertretenen Wählergemeinschaften alle wahlberechtigten Bürger jetzt zur Teilnahme an der Stichwahl auf. Die Mitglieder der GfE und der Bürgerliste hätten wohl als Einzige im Wahlkampf die Gelegenheit gehabt, bei ihrer Mitgliederversammlung alle drei Kandidaten live mit ihren Programmvorstellungen zu erleben und direkt Fragen zu stellen, heißt es in der Pressemitteilung. Hieraus sei dann auch im Rahmen mehrerer Abstimmungen die Unterstützungserklärung für Weisensee entstanden.

Da die weiteren Abstimmungen bei dieser Mitgliederversammlung ein ausgewogenes Bild für die Kandidaten Dr. Sabine Michalek und Dirk Heitmüller ergeben hätte, verzichten GfE und BL auf eine direkte Empfehlung zur Stichwahl, begründen die Wählergemeinschaften ihre Entscheidung. Es sei gerade das besondere Wesen unabhängiger Wählergemeinschaften, ihre Mitglieder nicht in irgendeiner Weise  bevormunden zu wollen, sondern ihnen als mündigen Bürgern die Entscheidung an der Wahlurne zu überlassen. Dies gelte insbesondere, da sich die Mitglieder einen persönlichen Eindruck von den Ideen und Plänen der Kandidaten verschaffen konnten.

Mit dem Stichwahl-Gewinner, wer von den beiden das auch sei, werde die Gruppe GfE/Bürgerliste im Stadtrat ihren bisherigen Kurs fortsetzen und eine Zusammenarbeit auf der sachlichen Ebene anstreben. „Wir haben uns bislang immer von den sachlichen Argumenten und den Inhalten leiten lassen und die Mehrheiten dort gesucht, wo sie den Interessen und Anliegen zum Wohle der Bürger am Nächsten kamen“, erklärte Gruppensprecher Frank-Dieter Pfefferkorn. Wichtig ist nach seiner Aussage, dass die Bürger ihr Wahlrecht nutzen. Bei Beteiligungen von unter 40 Prozent im Kreienser Bereich und insgesamt unter 50 Prozent im gesamten Stadtgebiet sei es sehr schade, wie wenig die Bürger ihre demokratischen Rechte wahrnehmen würden. „In anderen Ländern gehen Menschen auf die Straße und riskieren sogar ihr Leben, um wählen zu können und hier wird diese Möglichkeit der aktiven Mitwirkung am dem, was um uns geschieht, einfach ignoriert“, bedauert Pfefferkorn. Die Kandidaten hätten deutlich gemacht, dass jeder von ihnen andere Schwerpunkte für die Arbeit der kommenden Jahre im Bürgermeisteramt sehe. Insofern solle jeder sich fragen, welche Themen er selbst für wichtig ansehe und mit welchem Bewerber dies eher möglich sei, meinen GfE und BL.

Am Wahlabend (v.l.) Dr. Claudius Weisensee, Dr. Sabine Michalek und Dirk Heitmüller.

Analyse der Bürgermeisterwahl: So hat Einbeck gewählt

Hat die Bürgermeisterwahl gestern auch noch keine Entscheidung gebracht, sind doch die Einzelergebnisse und Zahlen einen Blick wert. Am 15. November wird sich nun in einer Stichwahl entscheiden, wer im Einbecker Rathaus bis 2026 Bürgermeisterin bleibt oder Bürgermeister wird. Zur Wahl stehen dann Dr. Sabine Michalek und Dirk Heitmüller.

Der Gemeindewahlausschuss hat Montag Mittag das Endergebnis offiziell festgestellt, ohne Änderungen. Gemeindewahlleiter Dr. Florian Schröder hat nach Rücksprache mit dem Kreisgesundheitsamt für die Stichwahl festgelegt, dass diese als Urnenwahl in den Wahllokalen mit einem verschärften Hygienekonzept stattfinden kann. Eine Briefwahl ist dabei möglich und kann hier online beantragte werden. Grundsätzlich sei es aber auch im Verlauf der nächsten knapp zwei Wochen noch möglich, kurzfristig auf eine ausschließliche Briefwahl umzustellen, falls die Infektionszahlen in Einbeck zu sehr steigen sollten, erläuterte Schröder. Dann würde das Ergebnis aber natürlich nicht bereits am 15. November feststehen können, sondern erst mehrere Wochen später.

Das vorläufige Endergebnis stand am Sonntag um 20.10 Uhr fest, mehr als eine Stunde zuvor waren bereits alle Wahlbezirke ausgezählt, lediglich die Briefwahl-Stimmen fehlten noch. Insgesamt 2232 Wähler machten Briefwahl.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek gewann am Sonntag in 46 von insgesamt 59 Wahlbezirken, darunter auch in allen Kreiensen- und Greene-Wahlbezirken, überwiegend mit deutlichem Vorsprung. Dirk Heitmüller hatte in elf Wahlbezirken die Nase vorn, davon allein in sechs Kernstadt-Bezirken, in einem (BBS Jahnstraße) lag er stimmengleich mit Dr. Claudius Weisensee vorn. Weisensee gewann den Wahlbezirk Erzhausen mit 37,5 Prozent; sein schwächstes Ergebnis hatte er in Bentierode mit 1,41 Prozent (das war eine Stimme). In Bentierode hatte Dr. Sabine Michalek mit 78,87 Prozent ihr stärkstes Einzelergebnis; sie war in der Einbecker Südstadt in den Wahlbezirken BBS Jahnstraße (24,68 Prozent) und Walkemühlenweg (30,45 Prozent) am Schwächsten. Erwartungsgemäß die meisten Stimmen erzielte Dirk Heitmüller in Salzderhelden, wo er als Ortsbürgermeister zuhause ist. Dort holte er beide Wahlbezirke mit 52,48 Prozent bzw. 55,82 Prozent. Sein schwächstes Einzelergebnis erzielte Heitmüller in Rengershausen (5,56 Prozent).

Die Wahlbeteiligung war mit knapp 50 Prozent insgesamt sehr niedrig. Die geringste Wahlbeteiligung zeigte sich im Wahlbezirk Kreiensen III (24,11 Prozent) und Stadtbibliothek (24,81 Prozent). Die höchste Beteiligung konnte in Rengershausen verzeichnet werden, wo 81,82 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gingen.

Einer von zwei Briefwahl-Vorständen bei der Auszählung am Sonntag Abend im Rathaus.

Bürgermeisterwahl: Stichwahl zwischen Michalek und Heitmüller

Die Entscheidung bei der Bürgermeisterwahl in Einbeck ist vertagt: Amtsinhaberin Dr. Sabine Michalek erreichte heute zwar 45,37 Prozent der Stimmen, aber keine absolute Mehrheit. Deshalb findet in zwei Wochen eine Stichwahl statt, in die es Dirk Heitmüller von der SPD mit 35,27 Prozent geschafft hat. Er erreichte die zweitmeisten Stimmen. Der dritte Bewerber, Dr. Claudius Weisensee (FDP), konnte 19,36 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

(Aktualisiert 20:56 Uhr)

Erste Stimmen zum Wahlausgang:

Dr. Sabine Michalek: Ich bin total dankbar für das große Vertrauen, das mir geschenkt worden ist. Es honoriert meine Arbeit der vergangenen acht Jahre, besonders auch im Bereich Kreiensen. Dass ich so nah an die 50 Prozent kommen würde, hatte ich nicht erwartet. Darüber freue ich mich. Dass ich in die Stichwahl komme, hatte ich durchaus erwartet, meine Mitbewerber hatte ich jedoch enger beinander gesehen. Mit der Wahlbeteiligung kann man nicht zufrieden sein, hier müssen wir noch mehr deutlich machen, welches Privileg ein Wahlrecht ist. Die Briefwahl ist dabei in Corona-Zeiten ein gutes Instrument und eine sichere Möglichkeit.

Dirk Heitmüller: Die erste Etappe habe ich erreicht. Ich bin glücklich, in die Stichwahl gekommen zu sein. Und der Abstand zwischen Sabine Michalek und mir ist noch nicht so groß. Jetzt gibt es Verlängerung mit Elfmeterschießen. Die Einzelergebnisse müssen wir in Ruhe analysieren. Aber es wird noch einmal interessant. Ich gebe mich noch nicht geschlagen.

Dr. Claudius Weisensee: Ich bin als Außenseiter gestartet und hätte noch ein bisschen mehr Zeit gebraucht, vor allem im analogen Wahlkampf. Mit meinem Ergebnis von knapp 20 Prozent bin ich aber zufrieden, es war mir eine große Ehre zu kandidieren. Jetzt wünsche ich mir für die Stichwahl einen fairen Wahlkampf zwischen den beiden.

Das vorläufige Endergebnis. Grafik: Gemeindewahlleitung

Die Wahlbeteiligung lag nach dem vorläufigen Endergebnis bei 49,74 Prozent. Zur Bürgermeisterwahl aufgerufen waren insgesamt 25.624 Wahlberechtigte. In 62 Wahllokalen und zwei Briefwahlvorständen waren 384 Wahlhelfer im Einsatz, um den Ablauf der Wahl zu gewährleisten.

Erwarteten die ersten Ergebnisse im Neuen Rathaus gemeinsam mit Abstand (v.l.): Dr. Claudius Weisensee, Dr. Sabine Michalek und Dirk Heitmüller.

Die Wahl wählen!

Musterstimmzettel Landratswahl.

Musterstimmzettel Landratswahl.

Die 209 Wahllokale öffnen in diesen Minuten, 62 davon im Bereich der Stadt Einbeck. Seit 8 Uhr haben rund 114.000 wahlberechtigte Frauen und Männer ab 16 Jahren im Landkreis Northeim die Wahl: Wer soll bis zum Jahr 2021 ihr neuer Landrat werden oder ihre neue Landrätin? Drei Kandidaten treten an. Heute um 18 Uhr nach Schließung der Wahllokale werden wir wissen, wer’s wird. Oder wahrscheinlicher: Wir werden wissen, wer in zwei Wochen in einer Stichwahl noch einmal gegeneinander antritt. Denn dass einer der drei Bewerber heute bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit schaffen wird, ist relativ unwahrscheinlich. Ausgeschlossen ist das natürlich nicht. Aber es wäre eine (mathematische) Sensation. Hinter den Kulissen präparieren sich auch die drei Kandidaten-Gruppierungen schon dafür, weitere zwei Wochen Winterwahlkampf durchzustehen und noch einmal alles zu mobilisieren. Zu beneiden sind die Kandidaten und ihre Unterstützer angesichts winterlicher Temperaturen nicht, im direkten Bürgerkontakt in den Fußgängerzonen und vor den Einkaufsmärkten auf Stimmenfang gehen zu müssen. Dafür gilt allen mein hoher Respekt. Entscheidend wird sein, dass wir Wähler heute die Wahl wählen! Dass möglichst viele Wahlberechtigte ihr eines Kreuz auf dem Stimmzettel machen. Vor drei Jahren lag die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl knapp unter 40 Prozent, die 70 Prozent Beteiligung beim ersten Wahlgang 2013 ist der gleichzeitig stattgefundenen Bundestagswahl geschuldet. Die Wahl eines neuen Landrates mag schwierig sein (weil nicht jeder weiß, was der überhaupt macht), jeder Wähler mag seine eigenen Kriterien haben, nach denen er sich entscheidet. Wichtig ist aber vor allem, dass jeder wählt, wen auch immer von den drei antretenden Bewerbern. Denn nur eine hohe Wahlbeteiligung adelt diese demokratische Entscheidung. Sein Wahlrecht nicht wahrzunehmen ist zwar eine freie Entscheidung, aber es führt gleichzeitig dazu, seine Möglichkeit aus Bequemlichkeit oder warum auch immer zu vergeben. Nur wer die Wahl wählt, hat sich eine Legitimation zum Kritisieren erhalten.

Wer sich noch einmal einen Überblick über Personen und inhaltliche Aussagen der Kandidaten verschaffen will, dem empfehle ich gerne den Podcast des Stadtradio Göttingen. 40 Minuten zum entspannten Hören am Sonntag. Witzig übrigens die Musiktitel, die sich die drei Kandidaten gewünscht haben: Astrid Klinkert-Kittel mag Enrique Iglesias „Hero“, Dr. Bernd von Garmissen hört gerne Doris Day „Que Sera Sera“, und Jörg Richert hat sich für Fury in the Slaughterhouse „Won’t forget these days“ entschieden.

Die aktuellen Zahlen und Ergebnisse sind heute Abend ab 18 Uhr hier zu finden. Der Einbecker Politikblog wird in einem Live-Ticker berichten, wie die Wahl ausgegangen ist.