Altes Einbeck als neues Buch

Das Thema demografischer Wandel beschäftigt den aus Salzderhelden stammenden Journalisten schon lange, schließlich ist seine Heimat Südniedersachsen in besonderem Maße betroffen. Seit 2018 hat Ralf Blasig mehr als 30 Interviews zu dem Thema geführt und sie in seinem Blog veröffentlicht. „Als Einbecker finde ich es spannend, die vielschichtigen Veränderungen am Beispiel meiner Heimatstadt zu beschreiben“, sagt er. Jetzt sind nicht nur die teilweise aktualisierten Gespräche unter dem schönen Titel „Altes Einbeck“ als Buch erschienen, sondern auch die Analyse des 45-jährigen studierten Politikwissenschaftlers, für die die Interviews die Grundlage sind. Entstanden ist das lesenswerte Portrait einer Kleinstadt im demografischen Wandel.

Die Demografie-Interviews von Ralf Blasig sind als Buch erschienen. Foto: Blasig/privat

Ralf Blasig ist Sozialdemokrat. Für den Stadtrat kandidieren will der seit 2013 als Redakteur bei der Volkswagen-Kommunikation tätige Autor im September nicht. Er möchte aber die Ergebnisse seines Buchs in die Einbecker Kommunalpolitik einbringen. „Damit die Stadt so gut wie möglich mit dem demografischen Wandel umgeht“, wünscht er sich. „Ich freue mich, meine Ergebnisse mit Parteien und anderen interessierten Gruppen zu teilen und zu diskutieren.“ Ralf Blasigs Fazit: Das Altern und Schrumpfen der Bevölkerung lässt sich kurzfristig nicht aufhalten – aber bremsen und gestalten. In „Altes Einbeck“ beschreibt der Journalist, wie Kommunalpolitiker, Unternehmer und Bürger mit der Veränderung umgehen.

Der demografische Wandel beschäftigt Ralf Blasig seit Jahren. Bereits als Lokaljournalist in Goslar habe er sich vor gut zehn Jahren in einer Serie erstmals intensiv damit auseinandergesetzt, berichtet er. Thema damals: „Alter Harz – neue Chancen“. In seinem neuen Buch „Altes Einbeck“ geht es auch nicht allein um Einbeck. Denn Millionen Menschen leben in Gemeinden mit vergleichbarer Struktur, sagt Ralf Blasig und wünscht sich, dass diese in Einbeck gute Ideen entdecken, aber auch aus Einbecker Fehlern lernen.

Autor Ralf Blasig. Foto: privat

Das Buch beschreibt, wie sich der demografische Wandel auf den Wohnungsmarkt, auf Fachkräftemangel, Altersarmut, Pflege, medizinische Versorgung oder die Zukunft der Schulen auswirkt. Zudem analysiert es die Ursachen sinkender Einwohnerzahlen – Geburtenmangel und die Abwanderung junger Einbeckerinnen und Einbecker. „Es ist wichtig, dass alle Akteure diese Tatsache akzeptieren und den Wandel so gut wie möglich gestalten“, schreibt der Autor. Große Herausforderungen sieht er unter anderem beim Leerstand in der Innenstadt, durch fehlenden Nachwuchs für Unternehmen und durch die bevorstehende Ruhestandswelle niedergelassener Ärzte. Auch die Zukunft der Grundschulstandorte werde ein Dauerthema bleiben, prophezeit er. „Mittelfristig gilt: Kleine Dorfschulen schweben in latenter Gefahr.“

Ralf Blasig sieht aber auch Zukunftschancen. „Die Stadt hat durchaus Optionen, um mit dem Altern und Schrumpfen der Bevölkerung umzugehen und in begrenztem Maß neue Bürger zu gewinnen. Sie kann beispielsweise das Wohnen im Fachwerk attraktiver machen, um Rückkehrer werben oder den Ausbau der Kinderbetreuung mit mehr Ehrgeiz angehen“, sagt Blasig. Zwar werde das Geld durch die coronabedingte Rezession noch knapper. „Allerdings sollte Finanznot kein Grund sein, wichtige Projekte auf die lange Bank zu schieben.“ Etliche Maßnahmen seien mit überschaubaren Beträgen umsetzbar, meint Blasig. „Zudem ist es allemal billiger, jetzt zu handeln als dem Wandel zuzusehen.“

Das 241 Seiten starke Buch „Altes Einbeck“ von Ralf Blasig ist im Tredition-Verlag erschienen. Es ist über den lokalen Buchhandel oder online erhältlich. ISBN 978-3-347-23130-6.

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