Landtagswahl: René Kopka (SPD) holt sich den Wahlkreis Einbeck

Bei der Landtagswahl hat der Einbecker Sozialdemokrat René Kopka den Wahlkreis 18 Einbeck mit 38,28 Prozent der Erststimmen gewonnen. Er tritt damit als direkt gewählter Landtagsabgeordneter die Nachfolge von Uwe Schwarz an. Der Einbecker Christdemokrat Dr. med. Andreas Kroll schaffte es mit 27,74 Prozent nicht, gegen die SPD anzukommen.

Die ersten Reaktionen bei SPD und CDU im Wahlkreis Einbeck nach Schließung der Wahllokale waren angesichts des Ergebnisses erwartungsgemäß unterschiedlich.

Freude und Erleichterung bei der SPD im Wahlkreis Einbeck um den Kandidaten René Kopka.

Frohe Mienen bei den Sozialdemokraten: Sie konnten gemeinsam mit ihrem Kandidaten René Kopka von der ersten Prognose an jubeln und die weiteren eintreffenden Ergebnisse positiv kommentieren. „Ich habe mit einem guten Abschneiden gerechnet“, sagt Eunice Schenitzki, langjährige SPD-Ratsfrau in Einbeck. „Sofort, als ich die Ergebnisse gesehen habe, hatte ich ein gutes Gefühl.“ Ein engagierter Wahlkampf zahle sich offenkundig aus, der Kandidat habe immer ein Ohr für die Menschen gehabt und sei viel unterwegs gewesen, habe bei deren Anliegen zugehört. Peter Traupe, stellvertretender Ortsverein-Vorsitzender der Einbecker SPD und langjähriger Kreistagsabgeordneter, freut sich besonders, dass wieder ein Einbecker Sozialdemokrat den Wahlkreis in Hannover vertreten werde – der erste seit mehr als 40 Jahren nach Martin Wehner. Auch wenn noch nicht alle Stimmen ausgezählt seien, die Tendenz für die SPD im Wahlkreis sei früh klar gewesen. „Gute Sachpolitik wird honoriert“, sagt Traupe. Das gelte es anzuerkennen. Damit habe man sich auch von anderen Trends absetzen können. Erschreckend sei hingegen das Abschneiden der AfD im Wahlkreis.

Enttäuschte Gesichter bei der CDU im Wahlkreis Einbeck um Kandidaten Dr. med. Andreas Kroll.

Schon früh gingen dagegen die Mundwinkel bei den Christdemokraten in Einbeck nach unten. Gleich die erste landesweite Prognose ließ die Parteifreunde und Wahlhelfer um Kandidat Dr. med. Andreas Kroll enttäuscht zurück, die dann eintreffenden Ergebnisse aus dem Wahlkreis waren ein paar Minuten später auch kein Grund zum Jubel. „Ich hätte vermutet, dass es ein engeres Kopf-an-Kopf-Rennen im Wahlkreis gegeben hätte“, kommentierte der stellvertretende Einbecker CDU-Vorsitzende Helmar Breuker die ersten Zahlen. „So deutlich hätte ich den Abstand nicht erwartet“, sagte auch der CDU-Kreisvorsitzende David Artschwager aus Bad Gandersheim in einer ersten Einschätzung. Er spricht von einem „Abend der Überraschungen“, denn auch das hohe AfD-Ergebnis im Wahlkreis oder das Abschneiden des FDP-Direktkandidaten, der noch hinter den Grünen liegt, hätte er nicht so vermutet. Das werde man in Ruhe analysieren. „Wir haben alles gegeben, haben flächendeckend im größer gewordenen Wahlkreis gut mobilisieren können“, sagt Helmar Breuker. „Letztlich hat’s nicht gereicht.“

Vorläufiges Endergebnis Wahlkreis Einbeck.

CDU-Kandidaten starten den Landtagswahlkampf

Das war schon eine reichlich skurrile Situation für ein Gespräch mit Journalisten: Die CDU hatte zum Pressegespräch auf der Terrasse des Hotel Hasenjäger mit freiem Blick auf Einbeck geladen, mit am Tisch neben der Europapolitikerin Lena Düpont saßen die Kandidaten der Partei für die Landtagswahl, Dr. Andreas Kroll und Tristan Marienhagen. Der CDU-Kreisvorsitzende David Artschwager wollte jedoch auch auf mehrfache Nachfrage nicht verraten, welche weiteren Stationen mit dem Gast denn hier vor Ort geplant seien, kündigte dazu nebulös eine Presseinformation an, sprach von „Überraschung“. Die gab’s auch nach Tagen noch nicht…

Tristan Marienhagen, Lena Düpont, Dr. Andreas Kroll und David Artschwager auf der Terrasse des „Hasenjäger“ in Einbeck.

Die beiden Wahlkreis-Kandidaten der CDU, Dr. Andreas Kroll (48) für den Wahlkreis Einbeck und Tristan Marienhagen (21) für den Wahlkreis Northeim, haben jedenfalls bei dem Pressegespräch Rückendeckung und Unterstützung durch die für das südöstliche Niedersachsen zuständige CDU-Europaabgeordnete Lena Düpont erhalten. Die 36-Jährige, die auch Vize-Vorsitzende der niedersächsischen Christdemokraten ist, arbeitet seit drei Jahren in Brüssel und Straßburg für Niedersachsen, vor allem in den Bereichen Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres sowie Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Alles Themen, sagt Düpont, in zurzeit emotional belastenden Zeiten durch den Krieg in der Ukraine. Durch die vom Aggressor Russland lange gestoppten Getreidelieferungen gebe es sogar eine „zynische Verbindung der Themen“, sagt Düpont. Der Krieg in Europa verändere vieles, dessen Auswirkungen werde man im Herbst noch viel pragmatischer diskutieren müssen, meint die CDU-Frau. Bei der Landtagswahl am 9. Oktober entscheide sich auch, in welcher Gesellschaft man leben wolle, ob diese Gesellschaft bessere Resilienzstrategien für mehr Widerstandskraft entwickeln und stärkeren demokratischen Zusammenhalt organisieren könne. „Viele Selbstverständlichkeiten werden wir nicht mehr haben“, spielt Lena Düpont auf die Folgen der Energie- und Klimakrise an. Das sind auch Themen für die politische Auseinandersetzung vor dem 9. Oktober, die Energieversorgung werde zu einem sicherheitsstrategischen Thema. Solaranlagenpflicht auf Gebäuden und Windräder-Standorte in ehemaligen Waldgebieten, wo der Wind weht, müsse man diskutieren.

Pressegespräch mit CDU-Politikern (v.l.): Tristan Marienhagen, Lena Düpont, Dr. Andreas Kroll und David Artschwager.

Mit verschiedenen weiteren Themen werben die örtlichen Wahlkreis-Kandidaten in den folgenden Wochen um die Wählergunst. So setzen sich die CDU-Kandidaten beispielsweise für die dritte Erzieherin pro Kita-Gruppe und damit für eine verbesserte frühkindliche Bildung ein. Zudem müsse die Ausbildung in diesem Beruf kostenfrei sein. „Wir in Niedersachsen wollen das jetzt endlich anpacken“, sagt Dr. Andreas Kroll. Auch die Förderschulen Lernen will die CDU erhalten. „Das geht nur mit einer CDU-Regierung“, macht Tristan Marienhagen eine klare Ansage „für Wahlfreiheit gegen Gleichmacherei“. Dr. Andreas Kroll möchte vor allem mit seiner Expertise als praktizierender Arzt und Familienvater und Jäger punkten, sich für eine stärkere Digitalisierung in der Region einsetzen, ohne welche Telemedizin oder Homeoffice nicht möglich werde. Um eine flächendeckende Hausarzt-Versorgung auch in Zukunft noch ermöglichen zu können, müsse man die sich verändernde Lebenssituation bei angehenden Medizinern berücksichtigen. Viele Frauen etwa, die Medizin studieren, wollten nur noch Teilzeit arbeiten, das müsse bei den Kassenarztsitzen berücksichtigt werden, fordert Dr. Kroll. Die CDU setze sich für 200 zusätzliche Studienplätze für Humanmedizin in Niedersachsen ein. Und wer Ärzte motivieren wolle, in die Region zu ziehen, der müsse früh ansetzen, nicht erst, wenn sich die frisch approbierten Ärzte bereits während des langen Studiums einen Freundeskreis in der Unistadt aufgebaut hätten. Bessere Lebensbedingungen vor Ort, etwa mit Baugebieten, seien notwendig. Man müsse denen mehr bieten als eine Joggingstrecke hinterm Haus und 300 Euro, spielt Kroll auf eine FDP-Initiative an. „Wir Ärzte sind nicht käuflich“, macht Kroll deutlich, „jedenfalls nicht für 300 Euro“. Und als er die Wirkung des zweiten Teils des Satzes bemerkt, schiebt der Einbecker noch eilig hinterher: Man könnte denen auch 5000 Euro geben und die kommen nicht.   

In diesen Tagen startet allmählich der Wahlkampf-Motor. Nicht mehr lange, bis die ersten Plakate zu sehen sein werden. Auch die CDU setzt auf Unterstützung durch prominente Parteifreunde. Wer genau das sein wird? Hier schwieg Parteichef David Artschwager wieder, deutete lediglich an, dass „Minister“ kommen werden, ohne Namen zu nennen. Da sind die mitbewerbenden Parteien kommunikativer: Den heutigen Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf dem Einbecker Wochenmarkt hatte Sozialdemokrat René Kopka schon vor Tagen mitgeteilt, und auch FDP-Kandidat Christian Grascha hatte schon vor Wochen die Besuche mehrerer Hochkaräter aus den Reihen der Freien Demokraten angekündigt, darunter Bundesfinanzminister und FDP-Parteivorsitzender Christian Lindner.

David Artschwager, Dr. Andreas Kroll, Lena Düpont und Tristan Marienhagen (v.l.).

David Artschwager (22) steht an der Spitze der Kreis-CDU

Das lange Führungsvakuum der Christdemokraten im Landkreis Northeim nach dem Rücktritt ihrer Vorsitzenden Kerstin Lorentsen wenige Monate vor der Kommunalwahl im vergangenen Jahr hat jetzt ein Ende: Bei einem Kreisparteitag in Einbeck am vergangenen Wochenende hat die CDU den 22-jährigen David Artschwager aus Bad Gandersheim zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt. Er setzte sich bei der Wahl deutlich gegen Tristan Marienhagen (21) aus Northeim durch, der Landtagskandidat seiner Partei im Wahlkreis Northeim ist.

David Artschwager (22) aus Bad Gandersheim ist neuer Kreisvorsitzender der CDU. Archivfoto CDU-Kreisverband Northeim

David Artschwager gilt vielen als Zukunftshoffnung bei der CDU. Der 22-Jährige sei nicht nur der jüngste Kreisvorsitzende in der Geschichte der Northeimer Kreis-CDU, sondern auch der jüngste Kreisvorsitzende in Niedersachsen, heißt es. Der Jurastudent aus Seboldshausen schaffte im vergangenen Jahr die Wahl in den Northeimer Kreistag, vor wenigen Wochen ist er auch in den Stadtrat seiner Heimatstadt Bad Gandersheim nachgerückt, nachdem dort Timo Dröge als Fraktionsvorsitzender sein Mandat niedergelegt hatte.

Nachdem ein Kreisparteitag pandemiebedingt in den vergangenen zwei Jahren nicht stattfinden konnte, freute sich der CDU-Kreisverband Northeim, „endlich wieder eine volle Präsenzveranstaltung stattfinden zu lassen“, heißt es in einer Mitteilung der Christdemokraten. Bei dem Parteitag im Einbecker Hotel Panorama habe man „die lange überfälligen Vorstandswahlen endlich nachgeholt“. Die personelle Neuausrichtung des CDU-Kreisverbandes Northeim habe wegen der Corona-Pandemie lange ungeklärt bleiben müssen. Neuer Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Northeim ist der 22-jährige David Artschwager; er setzte sich deutlich gegen den 21-jährigen Northeimer Tristan Marienhagen durch.

Das Duell gegen Tristan Marienhagen (r.) entschied David Artschwager deutlich für sich. Archivfoto CDU-Kreisverband Northeim

„Nach den Schwierigkeiten der vergangenen Zeit freue ich mich, mit einem guten Team aus jungen und alten, erfahrenen und neuen Vorstandsmitgliedern, den Kreisverband zu gestalten und gemeinsam die Probleme hier vor Ort anzupacken“, lässt sich der neue CDU-Kreisvorsitzende in einer Mitteilung zitieren. David Artschwager wird bei seiner Arbeit vom geschäftsführenden Vorstand unterstützt. Dazu gehören als stellvertretende Kreisvorsitzende Petra Kersten (Dassel), Torsten Bauer (Uslar), Helmar Breuker (Einbeck) und Anskar Lürig (Northeim). Als Schatzmeister wurde Christian Dörries (Einbeck) wiedergewählt. Neu gewählt wurden Melissa Heikens (Einbeck) als Schriftführerin sowie Vanessa Storre (Nörten-Hardenberg) als Mitgliederbeauftragte, die das Amt bereits von 2017 bis 2019 innehatte. Pressesprecher bleibt Lucas Mennecke (Altes Amt).

Den Vorstand komplettieren insgesamt 18 Beisitzer: Anke Ahrens (Bad Gandersheim), Günther Ahrens (Bad Gandersheim), Wilfried Fischer (Uslar), Christoph von Breitenbuch (Nörten-Hardenberg), Tobias Grote (Katlenburg-Lindau), Dr. Peter Hustedt (Katlenburg-Lindau), Christian Ilsemann (Bodenfelde) Dr. Andreas Kroll (Einbeck), Olaf Lürig (Northeim), Frederic Otto (Einbeck), Ramona Richardt (Northeim), Maren Root (Einbeck), Alexandra Sieder (Northeim), Doris Thalheim (Katlenburg-Lindau), Gerlinde Wilms (Hardegsen), Marvin Wittkowski (Northeim), Jens Wolkenhauer (Moringen), Wilfried Wollenweber (Nörten-Hardenberg).

Neuer Vorstand (v.l.): Christian Dörries, Petra Kersten, David Artschwager, Torsten Bauer, Anskar Lürig, Lucas Mennecke. Foto: CDU-Kreisverband Northeim

CDU: Nach der Wahl ist vor der Landtagswahl

Mit großem personellen, organisatorischen und technischen Aufwand haben die Christdemokraten im Landkreis Northeim am Sonntag ihre Landtagskandidaten gewählt und dabei aus Gründen des Infektionsschutzes auf große Präsenzversammlungen verzichtet. Alles lief rund, alle Videokonferenzen funktionierten einwandfrei. Der CDU-Kreisverband Northeim fühlt sich nach eigenen Worten motiviert und geschlossen für den nun startenden Landtagswahlkampf: „Wir freuen uns, mit Tristan Marienhagen und Dr. Andreas Kroll zwei kompetente und qualifizierte Kandidaten gefunden zu haben“, kommentieren die beiden kommissarischen Kreisvorsitzenden Torsten Bauer und David Artschwager das Ergebnis. „Der Landkreis ist reif für den politischen Wechsel und wir sind es auch.“ Einen neuen Kreisvorsitzenden will die CDU im April wählen. Hier haben bereits David Artschwager (Bad Gandersheim) und auch Tristian Marienhagen (Northeim) ihre Bereitschaft zur Kandidatur angekündigt. Ob nun ebenfalls der mit gutem Ergebnis gewählte Einbecker Landtagskandidat Dr. Andreas Kroll nach dem CDU-Kreisvorsitz greift, ist bislang offen.

David Artschwager (l.) gratuliert Dr. Andreas Kroll. Foto: CDU-Kreisverband

Im Wahlkreis 18 (Einbeck) haben sich mit 204 Mitgliedern rund 34 Prozent der 597 Wahlberechtigten an der Wahl des Landtagswahlkandidaten beteiligt. Im Wahlkreis 17 (Northeim) lag die Beteiligung erschreckend niedrig, nur 32 Stimmen waren auszuzählen, in Northeim selbst gab es kein Wahllokal. „Natürlich ist der Kreisvorstand unzufrieden mit der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen“, erklärte CDU-Sprecher Lucas Mennecke auf meine Nachfrage. „Aufgrund des erhöhten Arbeitsaufwandes hätten wir uns über eine höhere Resonanz gefreut. Die Wahllokale wurden jedoch im Vorfeld einvernehmlich und als Kompromissvorschlag den Gemeindeverbänden vorgeschlagen und in der Kommission zur Vorbereitung der Sitzung abgestimmt.“

Der kommissarische Kreisvorsitzende David Artschwager (l.) gratuliert Tristan Marienhagen. Foto: CDU-Kreisverband

Wo im Wahlkreis Einbeck die beiden Kandidaten Dr. Andreas Kroll und Joachim Stünkel besonders punkten konnten, lässt sich nicht ausmachen. Aus einem einfachen Grund: „Da die Urnen gemeinsam ausgezählt werden mussten, wurden die Stimmzettel vor Auszählung vermischt. Daher können wir keine Zahlen nach Wahllokal getrennt geben“, erklärte CDU-Sprecher Mennecke. Zum neu geschnittenen Wahlkreis 18 gehören Bad Gandersheim, Bodenfelde, Dassel, Einbeck und Seesen, zum Wahlkreis 17 Kalefeld, Northeim, Katlenburg-Lindau, Nörten-Hardenberg, Moringen und Adelebsen.

Erste Gratulantin am Abend des Sieges bei Dr. Andreas Kroll war die Einbecker CDU-Vorsitzende Heidrun Hoffmann-Taufall. „Ich freue mich über das Ergebnis, dadurch haben wir deutlich gestiegene Chancen, einen Landtagsabgeordneten in Hannover zu bekommen.“ Man habe sich in den vergangenen Wochen von der Kompetenz und dem gezeigten Engagement überzeugen können, erinnerte sie. Hoffmann-Taufall: „Wenn das so weiter geht, dann geht es gut aus, da bin ich guter Hoffnung.“ Andreas Kroll dankte der CDU-Chefin für ihre Unterstützung. „Ohne die würde es auch nicht klappen.“

Einbecks CDU-Vorsitzende Heidrun Hoffmann-Taufall gratuliert Dr. Andreas Kroll. Screenshot
Elisabeth Behrens. Screenshot
Tristan Marienhagen. Screenshot
Dr. Andreas Kroll. Screenshot
Joachim Stünkel. Screenshot

Landtagswahl: Wie die Parteien ihre Kandidaten nominieren

In den Parteien werden zurzeit die Kandidatinnen und Kandidaten für die Landtagswahl am 9. Oktober gesucht. Der Stand der Dinge ist bei den verschiedenen Parteien dabei unterschiedlich- kein Wunder, gibt es doch durchaus andere Voraussetzungen.

Die SPD hält sich bislang noch zurück. Das ist nachvollziehbar, denn erst vor einer Woche hat der dienstälteste Landtagsabgeordnete in Niedersachsen, Uwe Schwarz aus Bad Gandersheim, erklärt, dass er nicht erneut für die SPD im Wahlkreis Einbeck antreten will. Da wäre es reichlich merkwürdig und würde ein unschönes Licht auf die Sozialdemokraten werfen, wenn sie bereits jetzt einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin aus dem Ärmel gezogen hätten. Denn das würde das Diktum ihres Langzeitlandtagsabgeordneten Schwarz herabwürdigen, der bewusst selbst entscheiden wollte und entschieden hat, dass für ihn jetzt Schluss ist. Hinter den Kulissen freilich wird viel gesprochen. Bewerber gibt es. Erste Namen, vor allem für den bei der SPD ebenfalls frei werdenden Wahlkreis Northeim, dürften indes bald zu hören sein. Denn am 12. März wollen die Genossen ihre Kandidierenden offiziell nominieren.

Die CDU im Landkreis Northeim hat in dieser Woche zunächst einmal entschieden, wie sie ihre Kandidaten küren will. Die Christdemokraten planen nach den Worten ihres stellvertretenden Kreisvorsitzenden David Artschwager eine digitale Aufstellungsversammlung mit anschließender Urnenwahl. Das habe man bei der Sitzung des Kreisvorstandes in dieser Woche so festgelegt. Ein Datum für den Wahlgang nannte Artschwager zunächst nicht. Die Variante stelle die CDU vor organisatorische Herausforderungen, sei aber angesichts der notwendigen wenigen persönlichen Kontakte in der Pandemie sachgerecht. Die CDU will übrigens erst ihre Kandidaten für die Landtagswahl aufstellen und erst anschließend einen neuen Kreisvorsitzenden wählen. Bis zum Landesparteitag im Juli habe man da noch etwas mehr Zeit, sagte Artschwager. Was die CDU-Kandidaten für die Landtagswahlkreise Einbeck und Northeim betrifft, hat sich der Nebel nur ein wenig mehr gelichtet. Der vom Einbecker CDU-Vorstand nominierte Dr. med. Andreas Kroll hat in dieser Woche auch die Zustimmung der CDU-Vorstandes Seesen erfahren. Seesen gehört in diesem Jahr neu zum Gebiet des Wahlkreises Einbeck. Weitere Kandidatennamen sind unverändert nicht bekannt geworden und auch grundsätzlich bis zur digitalen Nominierungsversammlung möglich.

Als einzige Partei ihre Kandidatenkür bereits abgeschlossen hat die FDP im Landkreis Northeim. In dieser Woche wurden bei einer Versammlung in Wellersen die beiden Kandidaten gewählt: Wenig überraschend kandidiert der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha wieder im Wahlkreis Einbeck. Der 43-jährige Salzderheldener ist seit 2008 Mitglied des Landtages. Im Wahlkreis Northeim wird Kornelia Ilsemann für die Freidemokraten antreten. Die 61-Jährige ist verheiratet und hat drei Söhne. Sie wohnt in Northeim und arbeitet als pädagogische Mitarbeiterin an einer Grundschule in Northeim.

Kreis-CDU sucht neuen Vorsitzenden

Die Christdemokraten in Berlin mühen sich aktuell, einen neuen Vorsitzenden zu finden. Und auch die CDU im Landkreis Northeim ist auf der Suche nach einer neuen Spitze, seitdem Kerstin Lorentsen wenige Wochen vor der Bundestagswahl zurückgetreten ist. Zur jüngsten Kreisvorsitzendenkonferenz in Berlin konnte Northeim nur den Pressesprecher des Kreisverbandes entsenden, Lucas Mennecke aus Kalefeld. „Es ist gut, dass wir nun die Mitglieder wieder stärker mit einbeziehen“, kommentierte der anschließend die vorgesehene Mitgliederbefragung vor einem Ende Januar terminierten Parteitag. „Damit ist die Grundlage zur Parteierneuerung gelegt.“

„Die Parteibasis muss der Führung wieder stärker vertrauen“, lassen sich die beiden kommissarischen Kreisvorsitzenden David Artschwager (Bad Gandersheim) und Torsten Bauer (Uslar) zitieren, die beide nicht in Berlin waren. „Mit dieser Befragung ist ein erster Schritt in Richtung Versöhnung gemacht.“ Einer von beiden bewirbt sich nun um den Kreisvorsitz in Northeim: David Artschwager (22). Weiterer Kandidat ist bislang Tristan Marienhagen (20) aus Northeim.

Das wäre eine deutliche Verjüngung. Wobei fraglich ist, ob sich nicht doch noch eine oder ein an Lebensjahren erfahrene Kandidatin oder Kandidat beim Kreisparteitag zur Wahl stellen wird, der am 3. Dezember im Landhaus Greene stattfindet. Immerhin hatte jüngst die Frauen Union eine stärkere Beteiligung von Frauen moniert, womit zwar in erster Linie Berlin gemeint war, aber was dort richtig ist, kann ja vor Ort nicht falsch sein. „Es erscheint uns nicht zielführend, einen Veränderungsprozess in Gang setzen zu wollen, ohne ausreichend Frauen zu beteiligen, denn sie machen über 50 Prozent der Bevölkerung aus“, lässt sich Heidrun Hoffmann-Taufall (Einbeck) ein, die als Vorsitzende der Frauen-Union Northeim fordert: die Frauen sollen paritätisch bei dem Erneuerungsprozess beteiligt werden. Hoffmann-Taufall kandidierte bei der letzten Wahl gegen Lorentsen.

Wie sprachlos aktuell die CDU offenbar ist, zeigt ein Blick in Social Media Kanäle: Letzter Post auf der CDU-Facebook-Seite: „Noch vier Stunden sind die Wahllokalen geöffnet- jetzt noch @roy_kuehne mit Ihrer Erstimme unterstützen und eine starke Stimme in Berlin wählen!“ Seitdem ist Stille.

CDU-Kreisvorsitzende tritt zurück

Die Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Northeim, Kerstin Lorentsen (Northeim), hat heute mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt erklärt. Das schreibt sie in einem zweiseitigen Brief an alle Mitglieder der CDU im Landkreis Northeim, der mir vorliegt. Sie erkläre ihren Rücktritt schweren Herzens. „Aber ich habe die Grenze meiner Kräfte erreicht.“

Kerstin Lorentsen. Foto: privat/CDU

Kerstin Lorentsen war seit November 2019 Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes. Die Christdemokraten im Landkreis Northeim trifft der Rücktritt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: In wenigen Wochen stehen die Kommunalwahlen an, wollen Stadträte, Gemeinderäte, Kreistag und Ortsräte neu gewählt werden. Kerstin Lorentsen kandidiert auf Platz 3 der CDU-Liste für den Kreistag. Die Frist für die Wahlvorschläge ist gestern abgelaufen.

Ihre Arbeit als Kreisvorsitzende im Vorfeld dieser Wahlen habe sie geleistet, heißt es in der Demission sinngemäß, wenn Lorentsen davon schreibt, dass die Wahlvorschläge eingereicht und das Wahlprogramm verabschiedet seien. Bei der Bewältigung der außergewöhnlichen Herausforderungen unter Pandemie-Bedingungen habe sie auf breite Unterstützung von Amts- und Mandatsträgern gehofft. „Leider musste ich erleben, dass stattdessen meine Arbeit durch öffentlich vorgetragene Indiskretionen und Unwahrheiten, die meinem und dem Ansehen des Kreisverbandes geschadet haben, erschwert wurde“, heißt es in dem Rücktrittsschreiben wörtlich. „Es waren nicht zuletzt die in erschreckend feindseligem Ton vorgetragenen persönlichen Angriffe von einigen Mitgliedern des Kreisvorstands, die mich zutiefst verletzt und überzeugt haben, dass ich mein Amt nicht weiterführen möchte.“

Wie es nun im CDU-Kreisvorstand vor allem personell weitergeht, ist momentan völlig offen. Für Freitag ist eine Krisensitzung anberaumt worden.

Kerstin Lorentsen war als CDU-Kreisvorsitzende schon seit Monaten nicht unumstritten. Kritiker bemängelten ihre fehlende Sichtbarkeit und Teilnahme in politischen Debatten. Spätestens als die CDU keinen eigenen Landratskandidaten aufgestellt hat (sondern FDP-Mann Christian Grascha unterstützt), wurde der Druck auf die Vorsitzende immer größer.

Nachtrag 29.07.2021: Zum überraschenden Rücktritt aus persönlichen Gründen erklärten heute die beiden Stellvertreter David Artschwager und Torsten Bauer auf Nachfrage: „Wir bedauern diesen Schritt, bitten jedoch diese weitreichende persönliche Entscheidung zu respektieren. Wir danken Kerstin Lorentsen für ihren Einsatz in den vergangenen zwei Jahren. Wir sind durch ein breites CDU-Team gut aufgestellt und blicken mit Zuversicht auf die bevorstehenden Wahlen. Voraussichtlich im Oktober wird der Kreisverband über eine Nachfolge entscheiden. Bis dahin wird der Verband kommissarisch durch die stellvertretenden Kreisvorsitzenden geführt.“