CDU-Kandidaten starten den Landtagswahlkampf

Das war schon eine reichlich skurrile Situation für ein Gespräch mit Journalisten: Die CDU hatte zum Pressegespräch auf der Terrasse des Hotel Hasenjäger mit freiem Blick auf Einbeck geladen, mit am Tisch neben der Europapolitikerin Lena Düpont saßen die Kandidaten der Partei für die Landtagswahl, Dr. Andreas Kroll und Tristan Marienhagen. Der CDU-Kreisvorsitzende David Artschwager wollte jedoch auch auf mehrfache Nachfrage nicht verraten, welche weiteren Stationen mit dem Gast denn hier vor Ort geplant seien, kündigte dazu nebulös eine Presseinformation an, sprach von „Überraschung“. Die gab’s auch nach Tagen noch nicht…

Tristan Marienhagen, Lena Düpont, Dr. Andreas Kroll und David Artschwager auf der Terrasse des „Hasenjäger“ in Einbeck.

Die beiden Wahlkreis-Kandidaten der CDU, Dr. Andreas Kroll (48) für den Wahlkreis Einbeck und Tristan Marienhagen (21) für den Wahlkreis Northeim, haben jedenfalls bei dem Pressegespräch Rückendeckung und Unterstützung durch die für das südöstliche Niedersachsen zuständige CDU-Europaabgeordnete Lena Düpont erhalten. Die 36-Jährige, die auch Vize-Vorsitzende der niedersächsischen Christdemokraten ist, arbeitet seit drei Jahren in Brüssel und Straßburg für Niedersachsen, vor allem in den Bereichen Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres sowie Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Alles Themen, sagt Düpont, in zurzeit emotional belastenden Zeiten durch den Krieg in der Ukraine. Durch die vom Aggressor Russland lange gestoppten Getreidelieferungen gebe es sogar eine „zynische Verbindung der Themen“, sagt Düpont. Der Krieg in Europa verändere vieles, dessen Auswirkungen werde man im Herbst noch viel pragmatischer diskutieren müssen, meint die CDU-Frau. Bei der Landtagswahl am 9. Oktober entscheide sich auch, in welcher Gesellschaft man leben wolle, ob diese Gesellschaft bessere Resilienzstrategien für mehr Widerstandskraft entwickeln und stärkeren demokratischen Zusammenhalt organisieren könne. „Viele Selbstverständlichkeiten werden wir nicht mehr haben“, spielt Lena Düpont auf die Folgen der Energie- und Klimakrise an. Das sind auch Themen für die politische Auseinandersetzung vor dem 9. Oktober, die Energieversorgung werde zu einem sicherheitsstrategischen Thema. Solaranlagenpflicht auf Gebäuden und Windräder-Standorte in ehemaligen Waldgebieten, wo der Wind weht, müsse man diskutieren.

Pressegespräch mit CDU-Politikern (v.l.): Tristan Marienhagen, Lena Düpont, Dr. Andreas Kroll und David Artschwager.

Mit verschiedenen weiteren Themen werben die örtlichen Wahlkreis-Kandidaten in den folgenden Wochen um die Wählergunst. So setzen sich die CDU-Kandidaten beispielsweise für die dritte Erzieherin pro Kita-Gruppe und damit für eine verbesserte frühkindliche Bildung ein. Zudem müsse die Ausbildung in diesem Beruf kostenfrei sein. „Wir in Niedersachsen wollen das jetzt endlich anpacken“, sagt Dr. Andreas Kroll. Auch die Förderschulen Lernen will die CDU erhalten. „Das geht nur mit einer CDU-Regierung“, macht Tristan Marienhagen eine klare Ansage „für Wahlfreiheit gegen Gleichmacherei“. Dr. Andreas Kroll möchte vor allem mit seiner Expertise als praktizierender Arzt und Familienvater und Jäger punkten, sich für eine stärkere Digitalisierung in der Region einsetzen, ohne welche Telemedizin oder Homeoffice nicht möglich werde. Um eine flächendeckende Hausarzt-Versorgung auch in Zukunft noch ermöglichen zu können, müsse man die sich verändernde Lebenssituation bei angehenden Medizinern berücksichtigen. Viele Frauen etwa, die Medizin studieren, wollten nur noch Teilzeit arbeiten, das müsse bei den Kassenarztsitzen berücksichtigt werden, fordert Dr. Kroll. Die CDU setze sich für 200 zusätzliche Studienplätze für Humanmedizin in Niedersachsen ein. Und wer Ärzte motivieren wolle, in die Region zu ziehen, der müsse früh ansetzen, nicht erst, wenn sich die frisch approbierten Ärzte bereits während des langen Studiums einen Freundeskreis in der Unistadt aufgebaut hätten. Bessere Lebensbedingungen vor Ort, etwa mit Baugebieten, seien notwendig. Man müsse denen mehr bieten als eine Joggingstrecke hinterm Haus und 300 Euro, spielt Kroll auf eine FDP-Initiative an. „Wir Ärzte sind nicht käuflich“, macht Kroll deutlich, „jedenfalls nicht für 300 Euro“. Und als er die Wirkung des zweiten Teils des Satzes bemerkt, schiebt der Einbecker noch eilig hinterher: Man könnte denen auch 5000 Euro geben und die kommen nicht.   

In diesen Tagen startet allmählich der Wahlkampf-Motor. Nicht mehr lange, bis die ersten Plakate zu sehen sein werden. Auch die CDU setzt auf Unterstützung durch prominente Parteifreunde. Wer genau das sein wird? Hier schwieg Parteichef David Artschwager wieder, deutete lediglich an, dass „Minister“ kommen werden, ohne Namen zu nennen. Da sind die mitbewerbenden Parteien kommunikativer: Den heutigen Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf dem Einbecker Wochenmarkt hatte Sozialdemokrat René Kopka schon vor Tagen mitgeteilt, und auch FDP-Kandidat Christian Grascha hatte schon vor Wochen die Besuche mehrerer Hochkaräter aus den Reihen der Freien Demokraten angekündigt, darunter Bundesfinanzminister und FDP-Parteivorsitzender Christian Lindner.

David Artschwager, Dr. Andreas Kroll, Lena Düpont und Tristan Marienhagen (v.l.).

7 Gedanken zu „CDU-Kandidaten starten den Landtagswahlkampf

  1. Lieber Herr Dr. Kroll,
    ich bin Ihnen ja wirklich dankbar, dass Sie unsere Initiative auch weiterhin im Gespräch halten. Ihre Kritik verstehe ich aber trotzdem nicht. Was sind denn Ihre konkreten Vorschläge? Da kommt wirklich nur sehr wenig. Sie wollen „früh“ ansetzen bei jungen Ärzten? Was stellen Sie sich denn darunter vor? Wollen Sie vielleicht den Studierenden schöne Bilder vom Landkreis zeigen, um selbige in die Region zu lotsen? Oder noch besser: Baugebiete? Ernsthaft? Tut mir leid, aber ich bleibe dabei: Sie haben wirklich keine Ahnung von den momentanen Problemen junger Studierender. Da machen 300 € im Monat eben doch einen Unterschied, auch wenn Sie das vielleicht nicht wahrhaben wollen. Die Erfolge in anderen Regionen machen es deutlich: Das Konzept funktioniert. Ein Stipendium hat auch nichts mit Käuflichkeit zu tun. Erarbeiten Sie vielleicht erstmal selber ein konkretes Konzept für unseren Landkreis, bevor Sie auf unseren Ideen herumhacken. Lapidar Baugebiete fordern, ist mir ein bisschen zu flach.
    MfG, Tom Hendrik Becker

    • Sehr geehrter Herr Becker,
      wenn Ihnen das Thema so wichtig ist, stehe ich Ihnen sehr gern für einen persönlichen Austausch zur Verfügung. Nichts ist mir wichtiger, als ärztlichen Nachwuchs für unsere Region zu gewinnen. Sehr schade finde ich, dass Sie nicht sachlich bleiben können, sondern nur verärgert durch den obigen Artikel anfangen mich zu beleidigen. Sprechen Sie doch selbst mit mir, bevor Sie solche Kommentare abgeben. Es könnte doch sein, dass mich Herr Bertram gar nicht richtig verstanden hat. Insbesondere der Punkt: Ich hätte keine Ahnung von den Problemen junger Studierender ist wirklich nicht nett und wahrscheinlich Ihrer Unkenntnis gegenüber meiner Person geschuldet. Sonst wüssten Sie wahrscheinlich, dass ich eine akademische Lehrpraxis der Universitätsmedizin Göttingen betreibe und mich sowohl in meiner Praxis, als auch im Hörsaal mit der studentischen Ausbildung beschäftige. Natürlich spreche ich auch über „Probleme“ wie Sie es nennen mit den Medizinstudenten, ab dem 5. Semester. Auch wüssten Sie, dass ich seit vielen Jahren, als weiterbildungsermächtigter Arzt der Ärztekammer Nds., Assistenzärzte ausbilde. Dabei komme ich sowohl in der Klinik, in der ich in leitender Position tätig bin, als auch als niedergelassener Kassenarzt mit vielen jungen Ärzten in Kontakt. Ich habe dass Gefühl, dass Sie die Komplexität der Problematik gar nicht verstehen. Aber wie bereits gesagt, biete ich Ihnen ein Gespräch dazu an. Nur soweit: Nach dem Studium muss der approbierte Arzt zunächst eine Weiterbildung zum Facharzt absolvieren. Die kürzeste Weiterbildung dauert 5 Jahre. Abhängig sind die Assistenzärzte von Weiterbildungsstellen, die diese Weiterbildungsermächtigung besitzen. Wenn Sie sich informiert hätten, wüssten Sie, dass hier schon ein großes Problem im LK Northeim vorliegt. Der zweite Punkt ist der, dass nicht der Landkreis entscheidet, welcher Arzt einen Kassenarzt-Sitz bekommt, sondern der Zulassungsausschuss ! Das moralische Dilemma ist aber eher Folgendes und von den Studierenden an mich auch so vermittelt worden: Ich weiss ja noch gar nicht, welche Fachrichtung ich einschlagen möchte … daher unterschreibe ich keinen Vertrag, der mich nach dem Studium zwingen soll, gegen meinen dann eventuell veränderten Willen zu leben. Genau an diesem Punkt, sollten Sie als Student auch erkennen, dass dies moralisch (und juristisch) nicht sein darf. Ich fände es gut, wenn Sie studierende unterstützen wollen, an Netzwerken mitzuarbeiten. Mein Ansatz sieht vor, Suchende (Praxis / Krankenhaus) mit Suchenden (Assistenzärzte/Fachärzte) zusammen zu bringen. Wenn wir es als Landkreis oder als Stadt schaffen, solche digitalen Plattformen selbst zu schaffen, können wir dabei die Vorzüge unseres Kreises mit seiner Infrastruktur und seinen Wohnkonzepten bewerben. Hier kommen dann auch Baugebiete und Freizeitaktivitäten ins Spiel. Fördergelder gibt es bereits von der Ärztekammer Nds. (für Studierende, 400 Euro/Monat), Studienkredite von der KfW-Bank zu günstigen Konditionen. Für Weiterbildungsassistenten in der Allgemeinmedizin, gibt es eine Förderung von 5000 Euro/Monat, die hälftig von der Ärztekammer und hälftig von der Kassenärztlichen Vereinigung gezahlt wird. Allgemein und unabhängig vom LK Northeim setze ich mich dafür ein, an den nds. Hochschulen in Göttingen und Hannover, weitere 200 Studienplätze pro Jahr zu schaffen, die Landarztquote stärker auszubilden und damit Studierende zuzulassen, die bereit sind, Landarzt zu werden und ohne Quote keinen Studienplatz bekämen und insgesamt, die Zugangsvoraussetzungen für besonders „geeignete“ Menschen zu vereinfachen. Hier denke ich besonders an Mitarbeiter aus den nichtärztlichen Gesundheitsberufen, die besonders qualifiziert sind und halt keinen 1,0 nc im Abitur geschafft haben. Genauso plädiere ich für die Wiedereinführung des Medizinertestes um begabten Abiturienten ohne 1,0 nc ebenfalls die Zugangsvoraussetzungen zu erleichtern. Die Ausführungen zu den notwendigen Anpassungen in der Berufsausübung des niedergelassenen Arztes erspare ich Ihnen hier und verweise auf mein Gesprächsangebot.

      • Lieber Herr Dr. Kroll,

        gerne würde ich mich mit Ihnen über das Thema austauschen und nehme daher liebend gerne Ihr Gesprächsangebot an. Ich halte meinen Kommentar trotzdem nicht für beleidigend. Sollten Sie diesen aber so aufgenommen haben, verzeihen Sie mir bitte. Dies war nie meine Intention. Gestatten Sie mir dann aber auch bitte Ihre Art der Kommunikation zu kritisieren, die nicht auf Augenhöhe stattfindet.

        Nun zum Thema. Ich kann hier nicht auf alle Punkte eingehen, aber so viel sei gesagt, dass ich geraden den Austausch zwischen Suchenden sehr begrüße. Daher ist ein Austausch auch in unserem Antrag bedacht. Diesen kann man selbstverständlich auch erweitern. Natürlich begrüße ich auch die Vereinfachung des Zugangs zum Studienplatz. Das sind nur halt Punkte, die der LK Northeim nicht in der Hand hat. Unser Antrag bezog sich aber auf das, was wir als Kreistag in Northeim anschieben können und da bleiben notgedrungen wenig Optionen übrig. Ich empfinde die von Ihnen angesprochenen zwei Punkte auch nicht als Hindernis für unser Projekt, für welches ich mich selbstverständlich hinreichend informiert habe. Unser Konzept ist in puncto Zeitraum und Fachrichtung offen. Gerne dazu mehr in unserem Gespräch. Ich kann Ihnen weitergehend wirklich nur empfehlen, sich mit den Erfahrungsberichten der bereits existierenden Stipendienprogramme bspw. in Stade oder Diepholz zu beschäftigen. Ich bleibe daher dabei: Solch ein Stipendium ist der richtige Weg für unseren Landkreis.

  2. Sehr geehrter Herr Becker,
    vielen Dank für Ihren letzten Kommentar. Damit sind wir uns ja ein großes Stück näher gekommen. Kommen Sie doch gern auf mich mit einem Terminvorschlag zu.
    Vielen Dank und herzliche Grüße !

  3. Immer dieses Promi-Gemache…wo sind denn die Herren Weil und Lindner im Oktober, wenn die Gasrechnung hoch und der der Tankrabatt runter gehen und die Bahn wieder Normalpreise nimmt? In ihren Dienstwagen, welche vom Steuerzahler getankt werden. Dann kennt man auch keine aktuellen Benzinpreise, Herr Bundeskanzler…wir brauen hier keine Minister mit platten Antworten oder mit Rosen in der Hand…hilft alles nicht wirklich weiter.

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