Von der Zuckerrübe bis zum Wolf

Die SPD hört sich beim Projektsommer um, besucht verschiedene Einrichtungen wie hier das Haus des Jugendrotkreuzes. Archivfoto.

Die Einbecker SPD hat als erste der hiesigen Parteien ihr Sommerprogramm vorgestellt (SPD Projektsommer 2017), auch die CDU hat bereits sommerliche Besuche in Firmen und Institutionen angekündigt, allerdings bislang noch ohne konkrete Termine. Die Sozialdemokraten laden jeden Dienstag in den Ferien um 18 Uhr zu ihrem inzwischen traditionellen Projektsommer alle Interessierten ein, nicht ausschließlich Mitglieder. Unter dem Motto „Wir hören uns um“ reicht die Besuchspalette in diesem Jahr von der Zuckerrübe bis zum Wolf: Am 27. Juni besuchen die Genossen die KWS Saat SE, Treffpunkt Grimsehlstraße 31 vor dem Eingang des Unternehmens. Am 4. Juli laden die Sozialdemokraten zum Technischen Hilfswerk (THW) am Tiedexer Tor 6 ein; Beginn ist hier ausnahmsweise erst um 18.30 Uhr. Am 11. Juli steht ein Besuch der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Grimsehlstraße 10 auf dem Programm, wo die vielfältige Angebotspalette des Wohlfahrtsverbands vorgestellt wird. Am 18. Juli gibt es die Gelegenheit, das Wolfsgehege in der Nähe von Brunsen am „Lietgrund“ kennenzulernen und interessante Informationen zu erhalten. Eine Präsentation des Haus der Jugend an seinem neuen Standort sowie einen Einblick in die Planungen des Jugendgästehauses werden am 25. Juli die Projektsommer-Besucher am Kohnser Weg 3 b erhalten können; das Jugendgästehaus wird gerade umgebaut. Zum Abschluss der SPD-Besuchsreihe am 1. August ist ein Besuch der SVG Einbeck und ein Stadionrundgang an der Schützenstraße geplant. Im Anschluss soll der Projektsommer mit Bratwurst und Getränken seinen Ausklang finden. „Die SPD freut sich, wie in der Vergangenheit auch, über eine rege Teilnahme an dem Projektsommerprogramm und wünscht eine gute Sommerzeit“, erklärte SPD-Kernstadt-Vorsitzender René Kopka.

Kulturpforte: Erste Karten vermittelt

Das hätte man so schon vor Monaten haben können: Durch direkte Ansprache von möglichen Interessierten sind die ersten Eintrittskarten der Kulturpforte Einbeck vermittelt worden. „Wir haben den praktischen und unbürokratischen Weg gewählt“, sagte Kultur-Sachgebietsleiterin Dr. Elke Heege in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses. Sie gab einen Sachstand bei dem Projekt, das vor 35 Monaten von der CDU im Stadtrat angestoßen worden war, um das sich zwischenzeitlich die Arbeiterwohlfahrt kümmern wollte und zu dem es zuletzt immer nur auf Nachfrage überhaupt Informationen gab. „Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum das so lange gedauert hat“, sagte Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) im Kulturausschuss. Sie sei enttäuscht und traurig, dass man nun nach einem langen Umweg dort sei, wo man schon vor längerer Zeit gleich hätte beginnen können. Bei der Kulturpforte, auch Kultur-Tafel genannt, werden Eintrittskarten für Kulturveranstaltung kostenlos an Bedürftige abgegeben, die sich einen Besuch nicht leisten können. Oftmals würden die Plätze bei Konzerten oder Theaterstücken ohnehin leer bleiben, mit der Kulturpforte werden diese freien Plätze durch Interessierte besetzt.

Davon, dass die AWO die Kulturpforte betreibt, war jetzt im Kulturausschuss überhaupt keine Rede mehr. „Wir mussten eine Menge praktischer Hindernisse aus dem Weg räumen“, berichtete Dr. Elke Heege: Die Einbecker Tafel und namentlich dort Thomas Döhrel und Marco Spindler sprechen mögliche Interessierte direkt an, ob sie Karten für Kulturveranstaltungen erhalten möchten. Zur Verfügung stehen dafür zurzeit zunächst Karten von Veranstaltungen des städtischen Kulturrings. Bei der Einbecker Tafel erhalten zurzeit 150 Bedarfsgemeinschaften regelmäßig Lebensmittel, ein Drittel davon sei gezielt ansprechbar für die Kulturpforte, etwa 70 Prozent der Tafel-Kunden hätten einen Migrations- oder Flüchtlingshintergrund und manchmal (noch) Sprachschwierigkeiten, was man bei den Eintrittskarten natürlich berücksichtigen müsse, berichtete Dr. Elke Heege. Musikveranstaltungen seien da aber unproblematisch. Angesprochen werden mögliche Interessierte auch bei der Flüchtlingssozialarbeit sowie bei der Schuldnerberatung der Diakonie. „Ich glaube, dass sich das entwickelt“, sagte Dr. Heege, „ich bleibe da dran“. Angeregt wurde von der CDU, auch im Einbecker Kinder- und Familienservicebüro dortige Besucher gezielt auf vorhandene Kulturkarten anzusprechen.

Dass die AWO überhaupt noch, wie von ihr selbst über lange Zeit angestrebt, ins Boot Kulturpforte einsteigen wird, erscheint mir inzwischen unwahrscheinlich. Das von der Kultur- und Denkmalstiftung bewilligte Fördergeld für eine Software, mit der die freien Tickets einfacher vermittelt werden können, sei von der AWO nicht abgerufen worden, sagte Dr. Heege. Mit einer separaten Datenerhebung der Interessierten würden die datenschutzrechtlichen Probleme beginnen, das gab auch Ausschussmitglied Michael Büchting für die Flüchtlingsarbeit betreibende Diakonie-Stiftung zu bedenken. Doch zu der (separaten) Vorgehensweise sei damals von der Göttinger Kulturpforte geraten worden, es gerade nicht an die Tafel anzudocken, erinnerte die Kultur-Sachgebietsleiterin an die Präsentation der Göttinger in Einbeck.

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) verzichtete darauf, nach Schuldigen für die lange Verzögerung bei der Kulturpforte in Einbeck zu suchen und diese zu benennen. Im Rathaus jedenfalls und bei der Kultur-Sachgebietsleiterin finde man diese aber nicht, sagte sie. Schuld ist auch ein großes Wort, dennoch gehört es dazu, nach Verantwortlichkeiten zu fragen, warum etwas lange dauert, sich verzögert, schiefgeht. Und es gehört zu Politik, dies alles klar zu benennen. Es ist übrigens auch keine Schande, mal einen Fehler zuzugeben. Wo Menschen arbeiten, werden solche gemacht.

35 Monate und noch immer keine Kulturpforte offen

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU).

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU).

Lange nichts mehr gehört von der geplanten Kulturpforte, einem Projekt, bei dem vergleichbar dem der Tafeln nicht genutzte Eintrittskarten von Kulturveranstaltungen für sozial schwächere und interessierte Bedürftige zur Verfügung gestellt werden sollen. Zuletzt war die Rede davon, dass die Kulturtafel im vergangenen Herbst starten sollte. Daraus wurde nichts. Wie jedoch der aktuelle Sachstand ist, bleibt auch nach einer Anfrage von Ratsmitglied Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) in dieser Woche im Stadtrat zunächst unklar. Antwort mit dem Protokoll, die Zuständigkeiten im Rathaus haben gewechselt, niemand wusste was. Aha. 35 Monate seien mittlerweile seit der CDU-Initiative vom März 2014 vergangen, rechnete Hoffmann-Taufall vor. Doch noch immer können sozial Schwächere keine Tickets für Konzerte, Theaterstücke oder Comedyabende erhalten, die ohnehin verfallen und deren Plätze leer bleiben würden, weil niemand die Karten gekauft hat. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) habe sich das Projekt auf die Fahnen schreiben wollen, sagte Hoffmann-Taufall. Wie Einbeck von der Kulturpforte Göttingen bei Struktur und operativem Geschäft lernen und profitieren könnte, erläuterte der dortige Verein im März 2015 im Kulturausschuss. Im September 2015 dann die Aussage, dass es losgehen könne. Bald. In Kürze. Unverzüglich. Doch daraus wurde nichts. Heidrun Hoffmann-Taufall hält eine Kulturtafel heute wichtiger denn je, gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration seien in der aktuellen gesellschaftlichen Situation notwendig, sagte sie im Stadtrat. Kultur darf nicht nur für diejenigen sein, die es sich leisten können.

Es kommt der Entwertung eines Antrags gleich, wenn dessen Bearbeitung und Umsetzung verzögert und verschleppt wird – so lange möglichst, bis im Zweifel niemand mehr nachfragt? Möchte da jemand die Sache klammheimlich beerdigen, weil sie vielleicht doch nicht so läuft wie großmännisch angekündigt? Das wird nicht funktionieren. Ach übrigens, wie schon einmal im Kulturausschuss im März 2016, hätte im Stadtrat in dieser Woche vermutlich einer unmittelbar und direkt und auf aktueller Sachlage basierend antworten können. Aber der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Hojnatzki konnte auch an diesem Abend den AWO-Vorsitzenden, der er auch ist, gut abspalten. Und stumm bleiben. Und formal war ja bei der Frage Hoffmann-Taufalls auch die Verwaltung angesprochen. Schon klar. Kollegialer Umgang jedoch geht anders.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über den müden Witz lachen, dass wahrscheinlich eher der Berliner Flughafen öffnet als die Einbecker Kulturpforte…

Nachtrag 28.02.2017: Wie angekündigt, hat die Stadtverwaltung mit dem Protokoll der Ratssitzung heute nachrichtlich einen aktuellen Sachstand zur Kulturpforte mitgeteilt, mehr soll es dann aktualisiert in der nächsten Kulturausschuss-Sitzung am 30. März geben, bleiben wir also gespannt, zum Beispiel ob sich der Projektträger dann oder bis dahin einmal selbst äußert. Bei der schriftlichen Antwort aus dem Rathaus jedenfalls lohnt es sich wirklich, auf jedes Wort zu achten: „Die AWO Einbeck konnte das Projekt bisher nicht vollständig umsetzen“, heißt es im Protokoll. „Derzeit werden noch datenschutzrechtliche Voraussetzungen geprüft. Außerdem muss der erfolgversprechendste Weg zur persönlichen Ansprache möglicher Empfänger noch in Absprache mit der Einbecker Tafel entwickelt werden.“ Ich kann kaum glauben, was ich da lese. Nach so langer Zeit müssen noch „datenschutzrechtliche Voraussetzungen“ geprüft werden? Warum ist das nicht längst geklärt, zumal ja das in Göttingen bereits laufende Projekt als Vorbild dienen soll? Und noch viel weniger glauben kann ich den nächsten Satz, dass erst noch ein Weg gefunden werden soll, wie man potenzielle Nutzer persönlich ansprechen will… Wie wäre es direkt, persönlich, unmittelbar? Haben Sie Interesse an einer Karte für die Zwölf Tenöre? Aber wahrscheinlich müssen die Beteiligten dafür erst noch einen Arbeitskreis, eine Findungskommission und eine Umsetzungsgruppe bilden. Ich fasse das alles nicht, schon der erste Satz der Mitteilung ist eine höfliche Umschreibung. Er könnte nämlich auch lauten: „Die AWO hat das Projekt bislang nicht wie angekündigt umgesetzt.“

Nachtrag 13.03.2017: Die CDU-Ratsfraktion hat in einer Pressemitteilung noch einmal die Umsetzung angemahnt. Es könne nicht angehen, dass das Thema „Kulturpforte für Einbeck“ seit mittlerweile knapp drei Jahren nicht voran gehe. Der AWO-Ortsverein habe sich seinerzeit um die Umsetzung praktisch gerissen. Es passe nicht zur bereits begonnenen Wahlkampagne der SPD und es passe auch nicht zu einer SPD-nahen Organisation, dass die Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Integration in den Hintergrund gerückt werde statt sie mit Nachdruck voranzutreiben. Es könne der Eindruck entstehen, der Antrag zur Errichtung einer Kulturpforte würde von der SPD blockiert, meint die CDU. Nach drei Jahren die Verzögerung mit datenschutzrechtlichen Regelungen zu entschuldigen, mache sprachlos. Zudem würden durch die Kultur- und Denkmalschutzstiftung zugesagte Finanzmittel durch diesen Stillstand ebenfalls blockiert. Das werde man nicht länger hinnehmen, erklärte die CDU-Ratsfraktion.

Nachtrag 14.03.2017: Durch Zufall wurde ich heute aufmerksam auf die Beratungsunterlagen für die nächste Kulturausschuss-Sitzung (30. März), die im öffentlichen Ratsinformationssystem nachzulesen sind. Nach diesen Informationen hat die Kulturpforte in Einbeck bereits geöffnet! Denn seit der achten Kalenderwoche, also seit 20. Februar, würden Kunden der Tafel gezielt angesprochen, auch habe der seit Jahresbeginn wieder zur Stadtverwaltung gehörende  Kulturring 50 Eintrittskarten für verschiedene Veranstaltungen der laufenden Saison zur Verfügung gestellt. Die praktische Umsetzung der Kulturpforte habe begonnen. Schön zu wissen. Schlecht, davon erst durch Zufall zu erfahren. „Es besteht Übereinstimmung in der Einschätzung, dass die Anlaufstelle zunächst grundsätzlich die Tafel sein sollte, auch wenn vielleicht zunächst nur ein Viertel der registrierten Kunden sich auf das Angebot einlässt“, heißt es in der Vorlage aus dem Rathaus. So würden auch keine datenschutzrechtlichen Probleme entstehen, heißt es. Zwischen wem Übereinstimmung besteht, wird leider in der Vorlage nicht erwähnt. „Wenn auf diese Weise erste positive Erlebnisse zur Bereitschaft führen, sich in eine gesonderte Datenbank für weitere Kulturangebote aufnehmen zu lassen, wird diese Datenbank bei der AWO gepflegt und weiter entwickelt“, heißt es zum Sachstand weiter. „Auf diesem unbürokratischen Weg soll die kulturelle Teilhabe zunächst für ein halbes Jahr erprobt werden. Wenn erforderlich, kann eine umfangreichere Inanspruchnahme mit noch mehr aktiver Arbeit von Seiten der AWO weiterentwickelt werden.“ Wann wer eine Probezeit für das Projekt beschlossen hat und wer dieses jetzt komplett zur Einbecker Tafel transferiert und die AWO zunächst entlastet hat, ist mir sicherlich nur entgangen…

Kulturpforte öffnet später

Die Kulturpforte in Einbeck wird erst ein Jahr später als ursprünglich gedacht öffnen und Eintrittskarten von Kulturveranstaltungen an bedürftige Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen abgeben können. Ursprünglich war geplant, das Projekt in Einbeck bereits im Oktober vergangenen Jahres zu starten und ab Januar 2016 die ersten Tickets von Konzerten, Lesungen oder Theaterstücken abzugeben. Bereits in der jüngsten Ratssitzung Mitte Februar war Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) auf Anfrage diese Verzögerung bestätigt worden. Weil ein Teil des zugesagten Fördergeldes fehle, hieß es von Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder zur Begründung. Von einigen Tausend Euro war die Rede, insgesamt sind für die Kulturpforte Einbeck rund 21.000 Euro notwendig, so war es jedenfalls angekündigt worden. In der gestrigen Kulturausschuss-Sitzung wurde nun – ebenfalls erst auf hartnäckige Nachfrage von Heidrun Hoffmann-Taufall – bekannt, dass es in Einbeck noch mehrere Monate dauern wird, bis wie in Göttingen die ersten Eintrittskarten an bedürftige Menschen vermittelt werden können. Immerhin aber: „Das Projekt ist durchfinanziert“, sagte Dr. Elke Heege aus dem Sachgebiet Kultur der Stadtverwaltung. Genaue Zahlen nannte sie nicht. Nachdem jetzt alle Anträge genehmigt seien, würden jetzt bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Vorbereitungen mit zwei Mitarbeitern in die heiße Phase gehen und in Kooperation mit der Kulturpforte Göttingen die Datenbanken aufgebaut und potenzielle Nutzer angesprochen, das seien sensible Daten und dafür sein „ein bisschen Vorlaufzeit“ notwendig. Start könne jetzt im Herbst sein, sagte Heege.

Ärgerlich finde ich nicht die Tatsache, dass ein gutes Projekt später als geplant startet, das kann immer passieren. Höchst ärgerlich finde ich allerdings, dass diese Verzögerung erst auf mehrfache Nachfrage eines Ratsmitgliedes öffentlich wurde. Hätte CDU-Frau Heidrun Hoffmann-Taufall gestern wie im Februar im Stadtrat nicht nach der Kulturpforte gefragt, wüssten wir wahrscheinlich bis heute nicht, dass es noch Monate dauern wird, bis die ersten Kultur-Tickets vermittelt werden können. Und auch meine nach der Ratssitzung gestellte Anfrage zu der Thematik wurde im Rathaus – höflich gesagt – ausweichend behandelt, niemand wollte sich äußern – oder tat es erst auf Nachfrage mit windelweichen Formulierungen, die keine Klarheit brachten. Klare Antworten auf meine klaren Fragen waren es jedenfalls nicht.

Ratsherr Rolf Hojnatzki (SPD) lehnte es gestern im Kulturausschuss übrigens ab, zu der Thematik etwas zu sagen. Er sitze im Ausschuss nicht als AWO-Vorsitzender, sondern für die SPD. Merkwürdig, dass er im gleichen Ausschuss im September vergangenen Jahres die Kulturpforte für Einbeck vorgestellt hatte, damals schien das kein Problem für ihn zu sein. Aber damals gab es ja auch positive Nachrichten zu vermelden. Schade, dass einigen Medien immer nur dann hilfreich und nützlich scheinen, wenn sie etwas zu verkünden haben.

Nachtrag 28.05.2016: Wie aus den Beratungsunterlagen für die nächste Kulturausschuss-Sitzung am 7. Juni hervor geht, wird der AWO-Ortsverein als Träger des Angebots in Einbeck spätestens zum 1. Juni Mitglied im Verein Kulturpforte Göttingen. Gegenwärtig werde bei der AWO „die Maßnahme technisch und inhaltlich vorbereitet“, das Projekt sei für die nächsten zwei Jahren finanziert, heißt es aus dem Rathaus, also für 2016 und 2017? Das steht dort leider nicht in der Beratungsvorlage, nur dass ab 1. August ein Bundesfreiwilligendienstleistender (BuFDi) den Aufbau der notwendigen Datenbank betreuen sowie Kartenakquise und -vermittlung in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern übernehmen werde. Ob die ersten Karten nun wirklich definitiv im Herbst vermittelt werden können, werden wir also eindeutig wieder erst in der Ausschusssitzung erfahren. Hoffentlich nicht wieder erst auf hartnäckige Nachfrage.

Nachtrag 07.06.2016: Wie Sachgebietsleiterin Dr. Elke Heege im Kulturausschuss berichtete, sollen die ersten Eintrittskarten im Herbst mit Beginn der neuen Spielzeiten vermittelt werden, derzeit werde die entsprechende notwendige Infrastruktur aufgebaut.

Kulturpforte öffnet sich

Was lange währt… wird jetzt wenigstens in Kürze Realität. Das Projekt „Kulturpforte Einbeck“ soll am 15. Oktober starten, berichtete gestern Rolf Hojnatzki (SPD), der auch Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Einbeck ist, im Kulturausschuss. In diesem Gremium hatte bereits im März der Kulturpforten-Vertreter aus Göttingen berichtet, wie in der Universitätsstadt Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen an bedürftige Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen abgegeben werden. Sie liegen an der Kasse anonym bereit, niemand müsse sich als bedürftig outen. Die Einbecker Kulturpforte soll logistisch im Gebäude der AWO an der Grimsehlstraße angesiedelt werden, aber nur deshalb, betonte Hojnatzki, weil man Bürofläche, vorhandene Computer und AWO-FSJler als freiwillige Helfer in das Projekt einbringen wolle. Die Einbecker Kulturpforte wird mit der Göttinger zusammenarbeiten, auch deren funktionierendes und bewährtes Datenbank-Programm übernehmen. Nach dem Projektstart Mitte Oktober werden zunächst die Verträge mit den Kulturschaffenden abgeschlossen, wer wann wie viele Karten überlassen kann und will, außerdem wird die Datenbank eingerichtet, werden die Vermittler der Karten geschult und wird für die Kulturpforte Einbeck geworben. Mit 21.000 Euro sind die ersten zwei Jahre der Kulturpforte finanziell durch den Landschaftsverband Südniedersachsen, die Sozial- und Sportstiftung des Landkreises Northeim, die Sparkasse Einbeck und Spenden gesichert. Die ersten Kultur-Eintrittskarten konkret vermittelt werden sollen ab Mitte Januar 2016. Wo die Kulturpforte in Einbeck ihren Sitz habe, sei zweitrangig, betonte Hojnatzki. Die Erfahrung in anderen vergleichbaren Projekten habe gezeigt, dass Mitarbeiter der „Kultur-Tafel“ eher auf die Zielgruppe zugehen müssten, als dass diese selbst in einem Büro nach Karten nachfragten.

Nachtrag 13.02.2016: Wie Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder in der jüngsten Stadtrat-Sitzung erklärte, habe die Kulturpforte leider noch nicht wie geplant ihre Arbeit beginnen können, weil ein Teil des zugesagten Fördergeldes fehle. Man suche nach Lösungen. Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) hatte nachgefragt, warum zwei Jahre nach Initiative durch einen CDU-Antrag immer noch nichts passiert sei.

Gesprächskultur

Schön, dass wir mal darüber gesprochen haben… Vor exakt einem Jahr (!) hatte die CDU ihren Antrag auf eine Kultur-Tafel eingebracht. Gestern (!) nun hat Dr. Michael Bonder von der Kulturpforte Göttingen das dortige Projekt in der Sitzung des Einbecker Kulturausschusses präsentiert. Mit Interesse und ein paar Fragen haben die Einbecker Kulturpolitiker den kurzen Vortrag zur Kenntnis genommen. Und dann… passierte nichts: Keine Diskussion mit Entscheidung, ob wann und wie ein vergleichbares Projekt auch in Einbeck an den Start gehen könnte sollte müsste und wenn ja von wem initiiert und betreut. Und schon gar kein Beschluss. Aber gut, dass wir mal wieder darüber gesprochen haben… So habe ich leider keinen Haken für einen erledigten Punkt auf der Agenda 2015 für die Einbecker Politik.

Dr. Michael Bonder (r.) vom Verein Kulturpforte Göttingen präsentierte das Projekt im Kulturausschuss.

Dr. Michael Bonder (r.) vom Verein Kulturpforte Göttingen präsentierte das Projekt im Kulturausschuss des Einbecker Stadtrates.

Die Kulturpforte Göttingen, die Eintrittskarten von Veranstaltungen an bedürftige Menschen abgibt, hat sich nach drei Jahren in Göttingen inzwischen etabliert. Zurzeit hätten sich 310 Menschen registriert, darunter seien 50 Kinder, berichtete Dr. Michael Bonder, der stellvertretender Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der AWO Göttingen ist. Die Nachfrage nach Karten übersteige regelmäßig das Angebot, wobei es Unterschiede gebe: Einige Karten würden förmlich aus den Händen gerissen (beispielsweise Basketball-Karten oder Tickets des Göttinger Symphonie-Orchesters), andere eher nicht. 2014 habe man mehr als 1000 Karten vergeben können, berichtete Bonder. Professionelle, überregionale Veranstalter von Kulturevents, zum Beispiel in der Lokhalle, beteiligten sich nicht an dem Projekt. Die Kulturpforte Göttingen ist als gemeinnütziger Verein organisiert und an die Arbeiterwohlfahrt (AWO) räumlich und organisatorisch angegliedert. Er finanziert sich aus Spenden und durch Fördermittel (Klosterkammer), welche aber ausgelaufen sind; daher werde jetzt ein Mitgliedsbeitrag erhoben und ein Förderverein gegründet. Praktisch laufe die Vermittlung von nicht verkauften Eintrittskarten von Kultur-Veranstaltungen, dass die Kulturpforte die Vermittlung zwischen Kulturanbietern und den Kunden übernehme, berichtete Dr. Michael Bonder. In einer eigens entwickelten Software-Datenbank werden die angegeben Veranstaltungs-Vorlieben und -Wünsche mit den vorliegenden freien Karten abgeglichen, dann die Interessierten angerufen, die sich die Tickets ohne sich „outen“ zu müssen wie jeder andere Veranstaltungsgast an der Abendkasse abholen können. Die Interessierten müssten wegen der Gemeinnützigkeit des Vereins bei der Registrierung ihre Bedürftigkeit belegen, vergleichbar wie bei der Lebensmittel-Tafel. Er gab den Tipp, eine Kultur-Tafel an eine soziale Einrichtung anzugliedern (in Göttingen ist das die AWO), die von der Zielgruppe ohnehin besucht werde. Und dann brauche man jemanden, der sich ständig kümmere. „Die stürmen nicht auf Sie zu“, sagte Bonder. Eine Kultur-Tafel sei kein Selbstläufer, ein eher schambesetztes Thema für die Betroffenen, die immer wieder gezielt angesprochen werden müssten – ebenso wie die Kulturanbieter.

(c) Flyer des Vereins Kulturpforte Göttingen.

(c) Flyer des Vereins Kulturpforte Göttingen.