Turm-Sturm-Schaden

Eine Weile konnte der gelegentlich am Neuen Rathaus in Einbeck vorbei flanierende Beobachter den Eindruck gewinnen, dass die Absperrung neben der Eingangstür mit den heiß begehrten Gelben Säcken zu tun haben könnte. Zu dieser Zeit war die Stadtverwaltung coronabedingt noch geschlossen, die kostenfreien Rollen gelber Plastiksäcke gab’s damals zu festen Zeiten aus dem Rathausfenster geliefert. Gab’s da einen solchen Andrang, dass abgesperrt werden musste? Nein, die Lösung ist viel einfacher. Zumal das Rathaus längst wieder zum Zwecke der Abholung neuer Gelber Säcke (und natürlich anderer dringender Angelegenheiten) persönlich betreten werden darf – und der Platz unter dem Fenster immer noch abgesperrt ist.

Seit Wochen ein abgesperrter Bereich neben dem Eingang zum Neuen Rathaus: warum?

Wie ein Sprecher der Stadtverwaltung auf meine Anfrage erklärte, hängt der abgesperrte Bereich neben dem Eingang zum Neuen Rathaus mit einem Sturmschaden zusammen. Nicht der jüngste, sondern schon der vorherige Sturm hat an den Giebeln des Glockenturmes zu Lockerungen geführt.

Eine Dachdeckerfirma, die über einen Kran verfügt, hat den Reparaturauftrag von der Stadtverwaltung auch schon längst erhalten. Doch allein bei dieser Firma habe es über 400 Schadensmeldungen nach dem betreffenden Sturm gegeben, so dass erst einmal die Dächer, in die es hinein regnet, repariert werden müssten, erläuterte der Sprecher. Man bleibe aber am Ball, die Absperrung werde nur so lange dort noch bleiben, wie durch die losen Firstziegeln eine Gefahr besteht, hieß es.

Wegen eines Sturmschadens am Turm, der noch nicht repariert werden konnte, ist ein Bereich neben dem Eingang zum Neuen Rathaus abgesperrt.

Rathaus nonstop

Weisen den Weg: neue Flachbildschirme im Neuen Rathaus.

Weisen den Weg: neue Flachbildschirme im Neuen Rathaus.

Das war für viele Rathaus-Besucher, die beispielsweise während ihrer Mittagspause in der Stadtverwaltung etwas erledigen wollten, bislang immer ärgerlich: Geschlossen. Das wird jetzt anders, und das ist kein Scherz: ab dem 1. April entfällt die Mittags-Schließung im Neuen Rathaus, teilte heute die Stadtverwaltung mit. Die neuen Öffnungszeiten lauten in Zukunft: Montag und Dienstag je 8.30 bis 16 Uhr, Mittwoch und Freitag je 8.30 bis 12.30 Uhr sowie Donnerstag 8.30 bis 18 Uhr. Der Empfang und die Telefonzentrale sind ab 1. April ebenfalls durchgehend erreichbar. So können Besucher zum Beispiel auch Gelbe Säcke während der Mittagszeit dort abholen. Die bekannten Sprechzeiten für spezielle Themen (Wohngeldstelle, Bauaufsicht, Standesamt etc.) bleiben jedoch erhalten. Sie sind nicht nur im Internet der Stadtseite zu entnehmen, sondern neuerdings auch auf den neuen Info-Bildschirmen in den Eingangsbereichen des Neuen Rathauses zu sehen, die die klassischen Hinweistafeln im seit März der Stadt Einbeck gehörenden Rathausgebäude ergänzen sollen. Auf diesen Flachbildschirmen werden außerdem beispielsweise aktuelle (Sitzungs-) Termine angekündigt.

Gelbe Säcke wieder im Rathaus

Screenshot 30.03.2015.

Screenshot 30.03.2015.

Kein Scherz! Ab 1. April gibt es die Gelben Säcke in Rollen wieder bei der Kommunalverwaltung in Einbeck, im Neuen Rathaus und im Bürgerbüro in Kreiensen zu den üblichen Öffnungszeiten. Das hat Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek am Abend via Facebook bestätigt. Zuletzt hatte die seit 1. Januar 2014 für die Entsorgung des Wertstoffmülls zuständige Firma Mittelstädt (Uslar) heftige Kritik an ihrem System einstecken müssen; die Bürger konnten neue Rollen mit Gelben Säcken nur bei der Firma bestellen und mussten dann harren, ob sie beliefert würden oder nicht.

Ich persönlich hatte keine Probleme mit dem System, bei mir hat alles so funktioniert wie es geplant war: Nach einer freundlichen E-Mail-Bestellung hatte ich mit der nächsten Abfuhr eine frische Rolle in meinem Hauspostbriefkasten. Aber die Leserbriefspalten der Zeitungen im Landkreis Northeim waren in den vergangenen Monaten voll mit Schilderungen, wie es nicht bürgerfreundlich funktioniert hat.

Gelbe Säcke. Archivfoto.

Gelbe Säcke. Archivfoto.

Gelbe Säcke im Rathaus

Muss der Wegweiser im Einbecker Rathaus bald umgeschrieben werden?

Muss der Wegweiser im Einbecker Rathaus bald umgeschrieben werden?

Zugegeben, die Versuchung liegt nahe, hier zu Wortspielen zu greifen. Zumal sich gerade die (farblich zum Thema passende) blau-gelbe FDP an die Spitze der Bewegung zu stellen scheint, die Gelben Säcke weiterhin im Rathaus ausgeben zu lassen. Bereits der FDP- Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Christian Grascha hatte das neue, ab 2014 geltende Sack-Abruf-Verfahren kritisiert.

Ich halte mich mal zurück und versuche möglichst neutral den jüngsten Appell des Einbecker FDP-Chefs Dr. Reinhard Binder zu übermitteln. „Wegen gefühlter circa 30.000 Euro Ersparnis sollen die Bürger des Landkreises Northeim ihre Gelben Säcke jährlich zugeteilt bekommen und den Mehrbedarf beim Entsorger anfordern“, ärgert sich der Salzderheldener Ratsherr. „Der Aufwand an Verwaltung, Porti, Telefonaten dürfte die Einsparungen schnell um ein Vielfaches übersteigen. Aber das ist ja Geld, was andere bezahlen.“ Binder glaubt an einen Aprilscherz kurz vor Weihnachten. Und fordert: „Es steht einer Stadtverwaltung gut an, die Gelben Säcke direkt an den Bürger herauszugeben. Dies war und ist auch weiterhin ohne messbaren Mehraufwand möglich, da die Anmeldungen, Telefonzentralen ohnehin besetzt sind.“ Der Liberale richtet einen Appell an „alle betroffenen Entscheidungsträger“, wie er in seiner Presseinfo schreibt, es bei der alten Regelung zu belassen.

Entscheidungsträger ist die Duales System Deutschland GmbH (DSD), die die Entsorgung der Gelben Säcke ab 2014 an eine andere Firma als bisher vergeben hat. Im Abfallwirtschaftsausschuss im November war die Änderung der Abholpraxis von Gelber-Sack-Rollen in Rathäusern bereits bekannt (unter TOP 10 im Protokoll nachzulesen) und wurde bereits vehement an die Firma appelliert – offenbar ohne Erfolg.

Liberale Schärfe

Christian Grascha (FDP).

Christian Grascha (FDP).

Uwe Schwarz (SPD).

Uwe Schwarz (SPD).

Da dürfen wir mal auf die Reaktion gespannt sein: Der FDP- Oppositionspolitiker Christian Grascha aus Einbeck führt seinen Landtagskollegen Uwe Schwarz (SPD) nach der letzten Landtagssitzung vor Weihnachten namentlich vor. In einer Pressemitteilung erklärt Grascha, der Bad Gandersheimer Sozialdemokrat habe im Landtag persönlich für Bildungsabbau gestimmt. Die FDP-Landtagsfraktion habe den Landeshaushalt im Bildungsbereich bewusst namentlich abstimmen lassen. „Wir wollten hier vor Ort wissen, wer im Landtag dafür gestimmt hat, dass am Gymnasium Lehrer fehlen werden und der dritte Betreuer in den Krippen nicht kommt“, schreibt der Landtagsabgeordnete Christian Grascha.

Rationiert: Gelbe Säcke auf der Rolle.

Rationiert: Gelbe Säcke auf der Rolle.

Blitzschnell die anspringende Protest-Debatte über die 2014 anstehenden Neuerungen beim Gelben Sack im Landkreis Northeim erkannt hat Christian Grascha in diesen Tagen außerdem. Als Kreisvorsitzender seiner Partei und Kreistagsabgeordneter wettert er gegen die Rationierung von gelben Beuteln für die Entsorgung von Wertstoffmüll: Unverhältnismäßig, hanebüchen, der Bürger kann über so etwas doch nur den Kopf schütteln. Ab Januar können die Bürger neue Gelbe Säcke nicht mehr bei Stadt- und Gemeindeverwaltungen abholen, sondern müssen die Sackrollen bei der nun zuständigen Firma Mittelstädt in Uslar beantragen.

Zuversichtlich ist Grascha beim Neustart seiner aus dem Bundestag geflogenen Partei. Auch im Landkreis Northeim gebe es einige neue FDP-Mitglieder seit der Bundestagswahl Ende September. Wie viele genau, schreibt der Liberale in seiner Presseinfo nicht. Auch nicht, ob und wie viele Austritte es gab.