Nächster Halt: Otto-Hahn-Straße

Ab 15. Dezember halten Züge am neuen Haltepunkt Otto-Hahn-Straße.

Die Regionalbahn zwischen den Bahnhöfen Einbeck-Mitte und Salzderhelden wird ab dem 15. Dezember regelmäßig einen Zwischenstopp einlegen: Zum Fahrplanwechsel geht am Sonntag der neue Haltepunkt Otto-Hahn-Straße auf der erst vor einem Jahr wieder eröffneten Bahnstrecke der Ilmebahn ans Netz. Am Sonntag (15. Dezember) bietet die Deutsche Bahn AG einen kostenfreien „Adventszug“ an, der zur Einweihung des neuen Haltepunktes mit weihnachtlich-musikalischem Programm um 11:51 Uhr einen Zwischenhalt an der Otto-Hahn-Straße einlegen wird, kündigte die DB Regio an.

Bahnsteig mit KWS-Hallen am Haltepunkt Otto-Hahn-Straße.

„Der zusätzliche Halt im Stadtgebiet von Einbeck wird die Attraktivität der Schienen-Infrastruktur weiter erhöhen“, sagt Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel. Er freut sich, dass das Projekt innerhalb kürzester Zeit realisiert werden konnte. Nur nachts nach Betriebsschluss konnte im Oktober das Fundament für die Bahnsteigkanten erstellt werden, weil diese Arbeiten nur ohne Zugbetrieb durchgeführt werden konnten. Die vor einem Jahr wieder eröffnete Verbindung zwischen Einbeck-Mitte und Salzderhelden werde sehr gut angenommen. Der etwa 85 Meter lange Bahnsteig bei Bahnkilometer 2,9 ist ein Gemeinschaftsprojekt der KWS und der Ilmebahn. Der Haltepunkt liegt in unmittelbarer Nähe des Betriebsgeländes des Saatzuchtunternehmens.

Mehr als zwei Drittel der Projektkosten in Höhe von insgesamt 350.000 Euro wurden von KWS getragen. Am Firmenhauptsitz in Einbeck arbeiten rund 1500 Mitarbeiter, jährlich werden circa 7000 Besucher empfangen. „Uns ist es wichtig, die Anbindung über die Schiene weiter zu verbessern. Zum Beispiel können Pendler aus Göttingen die Direktverbindung mit der Bahn in nur 30 Minuten Fahrzeit nutzen und nun in direkter Nähe des Firmengeländes aussteigen“, erklärt Georg Folttmann, unter anderem verantwortlich für das Baumanagement bei KWS. „Dienstreisende von KWS wiederum können ihren Pkw auf dem Firmengelände abstellen und ihre Reise an der Haltestelle Otto-Hahn-Straße antreten. Das wird die Parksituation am Bahnhof Salzderhelden spürbar entlasten.“

Fahrkartenautomat am Haltepunkt Otto-Hahn-Straße.

Auf dem Bahnsteig gibt es einen Wetterschutz, eine Uhr, Sitzgelegenheiten und einen Fahrkartenautomat, jedoch keine Parkplätze für Bahnkunden in der Nähe. Pendler werden hier auf die Bahnhöfe Einbeck-Mitte und Salzderhelden verwiesen.

Haltepunkt Otto-Hahn-Straße, Blickrichtung Osten.

Der neue Haltepunkt liegt außerdem in unmittelbarer Nähe des Lkw- und Bus-Depots des Oldtimermuseums PS-Speicher auf dem ehemaligen Feierabend-Gelände. Noch offen ist, wann die komplette Innenstadtstrecke bis zum PS-Speicher am Tiedexer Tor wieder regelmäßig befahren wird. Die technische Infrastruktur jedenfalls ist bereits vorhanden, wurde von der Ilmebahn schon bei den Reaktivierungarbeiten bis Mitte gleich mit erledigt. Den Verkehr auf den restlichen Bahnkilometern von Bahnhof Mitte bis PS-Speicher muss die Landesnahverkehrsgesellschaft bestellen, dafür ist ein politischer Auftrag notwendig. Beobachter erwarten, dass dieser kommen wird, zumal der PS-Speicher für 2020 die Öffnung aller bislang noch geschlossenen Depots angekündigt hat, wodurch noch mehr Besucher in Einbeck erwartet werden.

Das PS-Depot des Oldtimermuseums PS-Speicher auf dem ehemaligen Feierabend-Gelände (im Hintergrund) ist in unmittelbarer Nähe.

Nachtrag 15.12.2019: Mit einem rappelvollen „Adventszug“ der DB Regio (mit dem Namen „Stadt Northeim“) ist der neue Haltepunkt heute offiziell eingeweiht worden.

Offiziell eröffnet haben den neuen Haltepunkt (v.r.) Michael Fischer (DB Regio, Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

SPD zügig bis Einbeck-Mitte und gerne noch weiter

Auf dem Bahnhof in Einbeck-Mitte gab Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel (3.v.r.) den Sozialdemokraten aus Stadt und Landkreis Erläuterungen.

Ein gutes halbes Jahr nach dem Start des fahrplanmäßigen Personenverkehrs auf der reaktivierten Bahnstrecke zwischen Salzderhelden und Einbeck-Mitte haben sich Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion während ihrer Sommertour einen persönlichen Eindruck von der aktuellen Situation verschafft. Gemeinsam mit Einbecker Sozialdemokraten fuhren die Kreistagsabgeordneten von Salzderhelden nach Mitte mit dem Triebwagen der Deutschen Bahn. Der RB 86 pendelt mit insgesamt 60.000 Zugkilometern und rund 7000 fahrplanmäßigen Zughalten im Jahr in Einbeck-Mitte, erläuterte Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel. Nach aktuellen Zahlen werde die Strecke mit 340 Fahrgästen je Richtung pro Tag sehr gut angenommen. Die Ilmebahn, betonte Gabriel, sei für den Verkehr nicht zuständig, also nicht für Zugausfälle wegen fehlender Lokführer beispielsweise. Die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) habe den Verkehr bei der DB Regio bestellt. Die Ilmebahn stelle lediglich die Infrastruktur zur Verfügung, erhalte dafür auch Trassenentgelte im sechsstelligen Bereich, die nach dem Kostendeckungsprinzip aber durch notwendige Unterhaltung und der Ilmebahn entstehende Kosten (zum Beispiel am Bahnhof Mitte) bis auf einen kleinen Gewinn im niedrigen fünfstelligen Bereich nahezu wieder aufgezehrt würden. Im Gegenteil entstehen der Ilmebahn derzeit Verluste von mehr als 250.000 Euro durch die parallelen Busstrecken, die nicht mehr so gut nachgefragt werden, seitdem der Zug fährt, gab der Ilmebahn-Geschäftsführer den Sozialdemokraten mit auf den politischen Weg.

Auf dieser elektronischen dynamischen Informationstafel in Mitte werden die Zug- und Busverbindungen angezeigt, sahen die Sozialdemokraten.

Noch in diesem Jahr zum Fahrplanwechsel im Dezember soll ein weiterer Haltepunkt an der Otto-Hahn-Straße (nördlich des Gleises) entstehen mit geplanten 14.000 Zughalten pro Jahr. Technisch ist auch eine Durchbindung bis zum PS-Speicher aktuell kein Problem, die Innenstadtstrecke ist bereits entsprechend ausgerüstet, sagte Gabriel. Hier sei es Sache der LNVG, den Verkehr entsprechend zu bestellen. Die SPD setzte sich in jüngsten gleichlautenden Initiativen im Stadtrat und Kreistag für eine Verlängerung ein, nicht allein wegen des Tourismus am PS-Speicher, sondern auch für die Schüler der nahen BBS.

Einige Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion fuhren gemeinsam mit Einbecker Sozialdemokraten im RB 86 von Salzderhelden nach Einbeck-Mitte.

Noch Zukunftsmusik ist am Streckenende bei Kilometer 7,6 (Sachsenbreite) ein Bahnsteig und eine (Holz-)Ladestelle der Ilmebahn. Hier läuft laut Gabriel das Planfeststellungsverfahren in Zusammenarbeit mit der Landesbehörde für Straßenbau, die auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Sachsenbreite und Juliusmühle einen Radweg bauen möchte. Realistisch sei die Ladestelle in den nächsten drei bis fünf Jahren, erläuterte er den Zeithorizont. Und wenn dann die Strecke wieder befahrbar sei, spreche auch nichts gegen einen Haltepunkt am Poser-Park (Kaufland) für den dann bereits wieder bis PS-Speicher durchgebundenen Personenzug. Die Sozialdemokraten erfuhren, dass für den Holzladeplatz Sachsenbreite die so genannte Zugbildung in Einbeck-Mitte erfolgen müsse, weil in Salzderhelden die notwendigen Rangiergleise fehlen. Diese seien 2013 verschwunden, als der Bahnhof seinen direkten Durchgang zum Gleis erhalten habe und damit die Gleise 1 und 2 mit dem ebenerdigen Übergang trennte. Die Ilmebahn habe damals auf dem Erhalt wenigstens des 40 Meter langen Rest-Bahnsteigs bestanden, was bei der Reaktivierung jetzt zugute gekommen sei, berichtete Gabriel.

SPD-Ratsfraktion legt Halbzeitbilanz vor

Legten die Halbzeitbilanz der SPD-Ratsfraktion vor: Vorsitzender Rolf Hojnatzki (l.) und einer seiner Stellvertreter Dirk Heitmüller.

Politik ist eine zeitlich anspruchsvolle Angelegenheit. Das gilt auch oder vielleicht sogar besonders für Kommunalpolitik, wo niemand Berufspolitiker ist (außer dem Bürgermeister). Spannende Zahlen dazu neben den Themen hat in dieser Woche die SPD-Stadtratsfraktion bei ihrer Halbzeitbilanz seit der jüngsten Wahl vorgelegt. 912 Tage sind Anfang Mai seit der Kommunalwahl 2016 vergangen gewesen, oder anders ausgedrückt: 60 Fraktionssitzungen, 110 Fachausschusssitzungen, 48 Sitzungen des Verwaltungsausschusses, elf Ratssitzungen und außerdem zahlreiche Arbeitsgruppen (beispielsweise zu Friedhofsgebühren, Ortschaftsmitteln oder Schulentwicklung). Spannend wäre es ja mal, die Zahlen der Fraktionstreffen der verschiedenen Fraktionen miteinander zu vergleichen. Ob da jeder so fleißig ist?

Die SPD hat für ihre Halbzeitbilanz im Stadtrat extra ein Faltblatt herausgebracht und bereits in viele Haushalte verteilen lassen. Die Sozialdemokraten unterteilen ihre Bilanz in Erfolge, Brennpunkte und Ziele. Wobei, betonte SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki, die Erfolge natürlich nicht ausschließlich SPD-Erfolge seien. Aber bei der Reaktivierung der Bahnstrecke nach Einbeck-Mitte dürfe sich seine Partei und Fraktion schon rückblickend selbst loben, denn als andere schon nicht mehr daran geglaubt haben und die Trasse gar abbauen wollten, habe die SPD immer unverdrossen an der Strecke festgehalten. Und wenn sie bald auch noch bis zur BBS bedient wird, habe sich die Anstrengung allemal gelohnt. Den nächsten Baustein für den Öffentlichen Personennahverkehr habe man unverändert im Blick: Die SPD will den Neubau des ZOB unter realistischen Rahmenbedingungen in Angriff nehmen, sagte Hojnatzki. Der zuletzt 1,6 Millionen Euro Eigenanteil der Stadt sei viel zu überdimensioniert und zu groß und abgehoben geplant worden. Die SPD-Fraktion wünscht sich zu dem Thema auch eine deutlich bessere Kommunikation mit Fördermittelgebern. Einen nächsten Beschluss zu dem Thema, um hier mal einen Schritt weiter zu kommen, wird der Stadtentwicklungsausschuss vermutlich in seiner nächsten Sitzung am Dienstag (28. Mai, 17 Uhr, Altes Rathaus) fassen. Vorgesehen ist, einen Bebauungsplan aufzustellen, was Voraussetzung für einen Förderantrag ist, der bis Ende Mai gestellt sein muss. Die SPD will ihre Zustimmung koppeln mit einem Zeit- und Kostenplan.

Auch beim Thema Windenergie machten die Sozialdemokraten in ihrer Halbzeitbilanz keinen Hehl aus ihrer Kritik am früheren Einbecker Bauamtsleiter Fritjof Look. Der habe eine Lösung lange blockiert, am Ende könne man froh sein, dass die Bürger initiativ geworden und einen hohen Druck aufgebaut hätten, der letztlich die Lösung beschleunigt habe. So habe man nach sechs Jahren am Ende einen Konsens mit den Betroffenen gefunden.

Den von Look oft zitierten „Donut“ beim Thema Bauplätze und Innenstadtentwicklung möchte die SPD-Fraktion im Stadtrat weiterhin nicht essen. Wenn Einbeck mit seinen 5000 Einpendlern im Wettbewerb mit anderen Städten und Gemeinden und gegen den Demografie-Trend etwas tun wolle, brauche es neue Baugebiete, nicht nur die verdichtende Konzentration auf Baulücken. Die SPD freut sich deshalb über die bald entstehenden weiteren Bauplätze am Weinberg am Stadtrand. Über die Bauplätze dort dürfe aber die Stadt ruhig auch bürgernäher Interessenten informieren, kritisierte die SPD das Rathaus, man dürfe sich dabei nicht hinter Datenschutz verschanzen. In der Altstadt ist laut SPD ein großes Sanierungsprogramm notwendig mit einer stärkeren Förderung (nicht nur 10.000 Euro von 100.000 Euro Gesamtkosten) sowie ein Denkmalschutz mit Augenmaß. Dafür sollte idealerweise auch die kommunale Einbecker Wohnungsbaugesellschaft (EWG) ins Boot geholt werden, es gehe für ein solches Unternehmen schließlich nicht allein darum, 50-er und 60-er Jahre-Bauten zu sanieren.

Der Neustädter Kirchplatz ist für die SPD-Fraktion in ihrer Halbzeitbilanz ein „Brennpunkt“: „Hier werden drei Millionen Euro verschleudert“, erneuerte der SPD-Fraktionschef die Kritik. Er habe ja gelesen, „dass unsere kleine Lösung manchen zu klein wäre“, sagte Rolf Hojnatzki. Sie wäre aber dagegen kurzfristig umsetzbar gewesen, sie hätte die benötigten Parkplätze und ein barrierefreies WC ermöglicht und wäre finanzierbar gewesen. Es gehe dabei nicht darum, immer alles schlecht zu reden, aber politisch schlechte Beschlüsse, wie sie die Mehrheit getroffen habe, werde man auch weiterhin schlechte Entscheidungen nennen. Mindestens drei Jahre Bauzeit, keine multifunktionale Nutzung mit Parken zu den Öffnungszeiten der Arztpraxen, kein Pavillon mit WC und trotzdem rund zwei Millionen Euro Eigenanteil bedeutet eben auch, darüber müsse man sich klar sein, dass das Geld bei Krippen, Kitas, Schulen und Feuerwehren fehlen werde. Hojnatzki: „Das wird sich noch irgendwann fürchterlich rächen.“

Nachtrag 27.05.2019: Heute hat sich auch die CDU-Fraktion mit einer Pressemitteilung zur aktuellen Lage Einbecks zu Wort gemeldet („Auf einem guten Weg“), die man durchaus ein wenig als Antwort auf die Halbzeitbilanz der SPD bezeichnen darf. Man werde sich nicht „von Bremsern und Blockierern beirren lassen“, schreibt die CDU, was unzweifelhaft auf die SPD gemünzt sein dürfte. Eine Mehrheit im Rat sei „auf einem klaren und zukunftsgewandten Konsenskurs“, heißt es in der Mitteilung.

Bahn-Signale bis BBS

Die Einbecker Innenstadt-Bahnstrecke (hier am Neuen Rathaus) soll wieder regelmäßig befahren werden, der RB 86 bis zur BBS und zum PS-Speicher verkehren.

Damit das Signal wieder auf Grün springt, sendet die SPD ein politisches Signal: Wie schon ähnlich im Einbecker Stadtrat auf ihre Initiative hin im April einstimmig beschlossen, haben die Sozialdemokraten jetzt im Northeimer Kreistag einen Antrag eingebracht, damit die bereits technisch dafür modernisierte Innenstadt-Bahnstrecke der Ilmebahn in Einbeck regelmäßig bis zum PS-Speicher von der Deutschen Bahn AG bedient wird. Dafür sollen sich die Landrätin und die hiesigen Landtagsabgeordneten bei der Landesnahverkehrsgesellschaft für eine Aufnahme des Haltepunktes am PS-Speicher in den Fahrplan der Regionalbahn 86 einsetzen, um die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs in Einbeck zu vervollständigen, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Da der Triebwagen der Regionalbahn 86 von Salzderhelden kommend nach der Ankunft im Bahnhof Einbeck-Mitte sowieso eine halbe Stunde Aufenthalt hat, kann diese Zeit auch für eine Fahrt zum Haltepunkt am Tiedexer Tor genutzt werden, meint die SPD-Kreistagsfraktion, die ihren Antrag zusammen mit ihrem Partner FDP/GfE stellt. Profitieren würde davon neben dem Oldtimer-Museum und dem benachbarten Hotel vor allem auch die Schüler der in unmittelbarer Nähe liegenden Berufsbildenden Schulen, die durch das breite Fächerspektrum der BBS aus weiten Teilen der Region stammen. Und mit dem in Planung befindlichen Haltepunkt an der Otto-Hahn-Straße (nahe KWS) würde die Regionalbahn 86 dann in der Einbecker Kernstadt drei Stationen bedienen und über den Bahnhof Einbeck- Salzderhelden weiterführende Ziele auf dem Schienenweg erreichbar machen. „Es wäre ein weiterer wichtiger Schritt bei der Reduzierung des Individualverkehrs und der strukturellen Stärkung des ländlichen Raums“, schreibt die SPD/FDP/GfE in ihrem Antrag. Der Auftrag hierzu müsse von der Landesnahverkehrsgesellschaft ausgehen, wobei es die Antragsteller-Fraktionen für sinnvoll erachten, wenn ähnlich wie der Rat der Stadt Einbeck auch der Kreistag sein Interesse an diesem Schritt bekundet. Eben ein Signal senden.

Wehner: Immer bei SPD-Mehrheiten in der Stadt große Projekte bewegt

Vor rund 80 Gästen der Mitgliederversammlung referierte Martin Wehner über die SPD-Geschichte seit 1945.

1869 und damit bereits fünf Jahre nach der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) durch Ferdinand Lassalle in Leipzig als eine der Keimzellen der SPD gibt es die ersten Belege, dass in Einbeck ein ADAV-Zweigverein existierte. Es waren Zigarrenarbeiter, die sich in einem Arbeitergesangverein mit Namen „Lassalia“ zusammenschlossen. Damit besteht in der Einbecker Kernstadt eine der ältesten Gliederungen der SPD in Südniedersachsen und auch bundesweit. Zum 150-jährigen Jubiläum ist eine 32-seitige Broschüre mit dem Titel des alten Arbeiterliedes „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit’“ erschienen, die die Geschichte der Einbecker Sozialdemokratie ausführlich dokumentiert. Sie wird bei verschiedenen SPD-Veranstaltungen 2019 erhältlich sein. Unter anderem beschäftigt sich der ehemalige Einbecker Bürgermeister Martin Wehner darin ausführlich mit der Zeit seit 1945 bis heute. Wehner, SPD-Mitglied seit 1963 und Bürgermeister in Einbeck von 1991 bis 2006, berichtete bei der Mitgliederversammlung ausführlich über die Strukturen, Personen und Programme der Partei nach 1945. Er selbst sei bei seinem Eintritt in die SPD ein Exot in der damals noch klassischen Arbeiterpartei gewesen: Bürgerlich-christliches Elternhaus, engagiert in der evangelischen Jungenschaft, Mitglied bei den bürgerlichen Sportvereinen Einbeck 05 und TCE. „Für einige alte Genossen war das sicher schwer zu verstehen“, sagte Wehner. „Aber wir haben uns zusammengerauft, manchmal auch wörtlich zu nehmen.“ Anfang der 1970-er Jahre sei die SPD auch in Einbeck Volkspartei geworden – „mit einer guten Mischung des Gesellschaft“, so Wehner: Lehrer, Ärzte, Architekt und Rechtsanwälte engagierten sich nun auch in der SPD. Aber die Zeit des innerparteilichen Umbruchs sei nicht immer friedlich gewesen, weiß Wehner. „Ich kann mich an Versammlungen mit über 150 Personen erinnern, da wurden Vorstände fast komplett ausgetauscht, altbewährte Genossen ersetzt durch völlig Unbekannte.“

Einbeck sei stets ein politisch umkämpftes Pflaster für die Sozialdemokratie gewesen, keine Hochburg. Auch nach 1945 hätten bürgerliches Lager und SPD fast immer gleich auf gelegen, die Mehrheiten wechselten häufig. Der SPD sei es bei der ersten Kommunalwahl 1946 nicht gelungen, die Mehrheit zu erringen, erst 1948 habe man mit Einstimmenmehrheit im Stadtrat vorne gelegen: Wilhelm Messerschmidt wurde erster ehrenamtlicher Bürgermeister der SPD. Seitdem haben die Mehrheiten im Stadtrat mehrmals gewechselt, immer war es knapp, die härtesten Jahre waren laut Wehner die zehn Jahre ab 1981 in der Opposition. Aber selbst da habe man Erfolge erzielt, Wehner erinnerte an die Abstimmung über die Erweiterung der Fußgängerzone auf Marktplatz und Hallenplan Ende der 80-er Jahre. „Am schlimmsten aber war Jamaika“, erinnerte Wehner an die CDU/FDP/Grünen-Ratsmehrheit während der Bürgermeisterzeit von Ulrich Minkner (SPD) ab 2006: „Absoluter Stillstand im Rat, diese Zeiten dürfen sich für Einbeck nie wiederholen.“

Mit Wilhelm Messerschmidt, Auguste Jünemann, Dr. Herbert Voges, Martin Wehner und Ulrich Minkner hat die SPD bislang fünf Bürgermeister gestellt. Zählt man alle wechselnden Gliederungsformen der Einbecker SPD zusammen, gab es seit 1945 mit Hermann Schelm, Gustav Stoermer, Paul Traupe, Martin Wehner, Hans-Peter Zahn, Peter Traupe, Rolf Hojnatzki, Wolfgang Thies, René Kopka, Marcus Seidel und Rita Moos insgesamt elf Vorsitzende.

Martin Wehners Fazit nach einem gestrafften Durchgang durch mehrere Jahrzehnte Einbecker Kommunalpolitik: „Immer, wenn Sozialdemokraten in Einbeck eine Mehrheit hatten, wurden große Projekte bewegt.“ Wehner erinnerte dabei an den Erhalt der Einbecker Wohnungsbaugesellschaft (EWG) in kommunaler Hand, die Rettung des Eicke’schen Hauses durch eine Stiftung, die ersten Gespräche und die Initiative zum Bau des PS-Speichers in Einbeck, die Neugestaltung des einstigen Poser-Geländes und zuletzt die reaktivierte Bahnstrecke nach Einbeck-Mitte.

150 Jahre Sozialdemokratie in Einbeck – das seien mindestens fünf Generationen Frauen und Männer im Einsatz für eine gerechtere, eine bessere Welt, für eine liebens- und lebenswerte Stadt, sagte Wehner. Möglich sei vieles nur durch große gegenseitige Solidarität gewesen: „Miteinander – nicht gegeneinander.“

Nachtrag 13.03.2019: Die SPD Einbeck hat die Broschüre jetzt auf ihrer Website als PDF zum Download zur Verfügung gestellt hier.

Broschüre über 150 Jahre Geschichte der Einbecker SPD geschrieben: die Autoren Martin Wehner (l.), ehemaliger Einbecker Bürgermeister, und Parteien-Historiker Eberhard Koch (Nienstädt).

 

Einbecker Freude im ersten Zug

„High Five“ mit dem Lokführer: Große Freude vor der Zug-Premiere bei Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und DB-Mitarbeiter Hans-Jörg Kelpe, der auch SPD-Ratsherr der Stadt Einbeck ist. Links Wirtschaftsministerium-Abteilungsleiter Dr. Christoph Wilk.

Im Umgang mit Superlativen ist Vorsicht geboten. Sie nutzen sich schnell ab. Aber heute und hier darf man mal einen wagen: Der 9. Dezember 2018 ist ein historischer Tag für Einbeck. Nach 34 Jahren Pause fahren wieder regelmäßig Personenzüge bis zum Bahnhof Mitte in die Kernstadt. Entsprechend groß war die Freude in Einbeck am Tag davor, am Tag vor dem Fahrplanwechsel. An diesem Tag waren nicht nur sechs Scheren gefragt, mit denen einige das rote Band vor dem roten Zug durchschnitten und damit offiziell den Weg frei gemacht haben für die Premierenfahrt zwischen Mitte und dem 4,2 Kilometer auf der Schiene entfernten Salzderhelden. An diesem Tag erinnerten sich einige auch wehmütig an 1984, als der letzte Triebwagen den Bahnhof Einbeck-Mitte verlassen hat. Sie alle waren mit im modernisierten Dieseltriebwagen LINT 27 der DB Regio (WLAN, WC) bei der Premierenfahrt von Mitte nach Salzderhelden. Dort ist der Ausstieg in Fahrtrichtung links. Manche haben und werden auch wieder ihren kommunalpolitischen Honig daraus saugen, dass Einbeck wieder am Zug ist. Wer hat’s erfunden? Die Landrätin jedenfalls dankte an dem historischen Tag für das parteiübergreifende Engagement. Gut so.

Natürlich hat der Abteilungsleiter Verkehr im niedersächsischen Verkehrs- und Wirtschaftsministerium, Dr. Christoph Wilk, imgrunde völlig Recht, wenn er wie bei der Eröffnungsfeier mit Hinweis auf seinen fehlenden Dienstherrn sagte: „Es ist völlig egal, wer da ist, Hauptsache die Bahn fährt ab.“ Trotzdem darf man durchaus noch einmal ein Auge werfen auf die politische Wertschätzung mancherorts, die diesem Projekt am Anfang und am Ende entgegen gebracht wurde und wird. Der damalige Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) war in der frühen Reaktivierungsphase mehrmals vor Ort, manchmal zugegeben extrem wahlkampfgetrieben. Bei der Streckenfreigabe der reaktivierten Trasse, der immerhin ersten in Niedersachsen, reichte es krankheitshalber nicht mal mehr zum angekündigten Staatssekretär aus Hannover, sondern nur zum Ministeriumsbeamten, der zur Schere griff. Wilks Worte, die Große Koalition stehe voll hinter der unter Rot-Grün entschiedenen Reaktivierung der Strecke wirkte da etwas schal. Der jetzige Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) weilte lieber in Hamburg beim Parteitag. Und der Vorgänger und jetzige Umweltminister Olaf Lies (SPD) sagte aus terminlichen Gründen ab (was bei einem seit mindestens einem Jahr fixierten Termin reichlich merkwürdig klingt). Angeblich gab es sogar Zoff in der Regierung, weil der eine wollte, aber nicht sollte.

Erinnert sei auch bei aller Freude noch einmal an die von Verzögerungen geprägte Bauphase. Denn eigentlich sollte ja bereits vor einem Jahr wieder der erste Zug fahren. Erst das Hochwasser und dann die nicht mehr sanierungsfähige, denkmalgeschützte Brücke brachten den Zeitplan ins Schwimmen.

Unvergessen auch der politische Zoff, der sich in Einbeck an der Reaktivierung der Bahnstrecke entzündet hat. Hier für alle, die möchten, alles nochmal nachzulesen. Bei aller Freude über das bereits Geschaffte sagte auch die Bürgermeisterin, dass die ZOB-Umgestaltung ja noch als Aufgabe bevorstehe. Hinter den Kulissen scheint sich dort auch bereits etwas zu tun. Und jüngst war ja auch noch die SPD auf den Zug aufgesprungen und hatte eine bessere Anbindung des Bahnhofs an den ZOB und die City angemahnt. Von der ausstehenden Neugestaltung eines kleinen Fleckchens direkt am Bahnhofsausgang habe ich hier ja bereits geschrieben. Mit dem Frühjahr dürfte sich dort bestimmt etwas tun. Viel schneller, wohl am Dienstag, wird nach dem gerade noch auf die letzte Minute installierten Fahrkartenautomaten dann auch der Fahrkartenentwerter aufgestellt sein.

Die am Ende bei einigen immer so unbeliebte Frage, was das Ganze denn kostet, ist auch noch nicht abschließend beantwortet. Die Landrätin sprach von 9,2 Millionen Euro, was 15 Prozent über der Kostenschätzung liege, wie sie sagte. Der Abteilungsleiter aus dem Wirtschaftsministerium sprach von 8 Millionen Euro (und meinte sicherlich den Landesanteil, bei dem die eine Million der Ilmebahn noch oben drauf kommt). Manche mögen ja diese Fragen nach dem Geld nicht so gerne. Denen darf ich dann noch einmal in Erinnerung bringen, dass wir hier über Steuergeld sprechen, bei dem jeder Bürger einen Anspruch darauf hat zu erfahren, was mit seinem Geld geschieht.

Ein kleiner Schreckmoment war für einige die Ankunft des Premierenzuges an Gleis 4 in Einbeck-Salzderhelden: Wer bei dem kurzen Zwischenhalt vor der Rückfahrt ausstieg, merkte sofort den „großen Schritt für die Menschheit“, den man machte musste. Der Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteig ist auch bei großem Wohlwollen nicht mehr barrierefrei zu nennen (selbst wenn man ihn zugseitig mit Hilfsmitteln überwinden kann im Rollstuhl-Fall der Fälle, wie ich weiß). Einbecker Seniorenrat und Behindertenbeauftragte: Übernehmen Sie!

P.S.: Wer erkannt hat, an welche berühmt gewordenen Worte mein Textanfang erinnern soll, kann mir das bei nächster Begegnung gerne sagen.

Barrierefrei? Am Bahnsteig 4 in Salzderhelden ist ein großer Schritt notwendig, um in die neuen Züge nach Mitte zu kommen, so hoch ist der Absatz zwischen Zug und Bahnsteig. In Mitte ist das am Bahnsteig nicht so.

Kernstadt-SPD hat träge Ampel im Blick

Wird nur auf Anforderung Grün: die Fußgängerampel vor dem Bahnhof in Einbeck.

Die Einbecker Kernstadt-SPD hat die Fußgängerampel am Bahnhof im Blick. Vom auf dem heutigen ZOB haltenden Bus zum ab 9. Dezember wieder regelmäßig in Einbeck-Mitte fahrenden Personenzug zu wechseln, sei am Thiais-Platz derzeit nur „durch Überqueren einer stark befahrenen Straße mit einer trägen Fußgängerampel möglich“, kritisieren die Vorsitzenden Rita Moos und Peter Traupe. Deshalb gehöre der ZOB künftig auf die andere Straßenseite an das Bahnhofsgebäude, um eine direkte Verzahnung von Schiene und Bus zu ermöglichen. Bei dieser Umgestaltung könne dann auch sowohl für den Bahnsteig wie für den Omnibusbahnhof eine gemeinsame Toilettenanlage geschaffen werden, meinen die SPD-Kernstadt-Vorsitzenden. Die Planung für eine Umgestaltung des Zentralen Omnibusbahnhofs sei zuletzt vernachlässigt worden. Die Planungen waren im November 2016 einstimmig in den Stadtrat-Gremien auf Eis gelegt worden, weil die Politik das Mobiltätskonzept abwarten wollte. Dieses liegt allerdings inzwischen längst vor und soll unter Berücksichtigung der Haushaltslage der Stadt Einbeck berücksichtigt werden, wie es damals hieß. Im Haushalt 2019 ist der ZOB nicht eingeplant, auch in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2022 stehen keine Mittel im Etat.

Auf völliges Unverständnis stößt bei den beiden Kernstadt-SPD-Vorsitzenden Rita Moos und Peter Traupe die erneut von CDU, FDP, Grünen und GfE/BL im Stadtrat geplante Umgestaltung der Tiedexer Straße. „Kein Prestigeobjekt auf Kosten der Anlieger“, lautet die deutliche Ansage der Kernstadt-SPD dazu. Die dafür vorgesehenen Gelder solle man besser für den ZOB oder den Neustädter Kirchplatz verwenden. Es sei „geradezu skandalös, wie sehr unter kommunaler Verantwortung diese zentrale Fläche heruntergekommen ist“, meinen die Sozialdemokraten zum Neustädter Kirchplatz. Dass aber bei den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung offenbar ein Schuldbewusstsein bestehe, könne man daran erkennen, dass unmittelbar nach dem jüngsten Ortstermin der SPD und dem Benennen der Missstände („Schandfleck“) der Platz vom Bauhof gereinigt worden sei. Die SPD hatte jüngst ein einfaches und kostengünstiges, auf Plänen aus dem Jahr 2011 beruhendes Konzept vorgestellt, die Ratsmehrheit setzt hingegen auf eine teurere Lösung.

Die „strukturelle Gestaltung der Einbecker Kernstadt“ ist der Arbeitsschwerpunkt der seit kurzem unter dem Vorsitz von Rita Moos und Peter Traupe stehenden SPD-Abteilung in den kommenden zwei Jahren. Außerdem feiert die SPD in Einbeck 2019 ihr 150-jähriges Jubiläum, die Vorbereitungen dafür laufen. Die Einbecker SPD wird als eine der ältesten sozialdemokratischen Gliederungen in Deutschland ihren Geburtstag mit mehreren Aktionen begehen. Eine mobile Rollup-Ausstellung und eine Fortschreibung der Geschichte der Einbecker SPD von 1945 bis heute, die von Bürgermeister a.D. Martin Wehner derzeit ausgearbeitet wird, soll den Mitgliedern im März bei einer Mitgliederversammlung vorgestellt werden. Der traditionelle SPD-Projektsommer wird sich 2019 mit Arbeiter-, Industrie- und Bürgergeschichte in Einbeck beschäftigen, mehrere große Arbeitgeber mit langer Firmengeschichte in Einbeck sollen besucht werden. Die Details werden zurzeit geplant. Für Ende Oktober 2019 hat sich schließlich der Landesvorsitzende der SPD, Ministerpräsident Stephan Weil, in Einbeck zur offiziellen Geburtstagsfeier angesagt.

Fußgängerampel vor dem Einbecker Bahnhof: Hier müssen ab 9. Dezember 2018 die Fahrgäste für den Zugverkehr ab Einbeck-Mitte die Straßenseite wechseln, wenn sie am alten ZOB aus dem Bus steigen oder als Fußgänger aus der Stadt kommen. Es gibt Befürchtungen, dass nicht jeder Fußgänger die Grünphase der Bedarfsampel abwarten wird, sondern schon bei Rot über die Straße geht, weil sonst möglicherweise sein im Bahnhof stehender Zug abfährt.

SPD auf dem Einbecker Bahnsteig

Baustelle Bahnsteig: SPD-Mitglieder und interessierte Bürger informierten sich.

Rot ist eigentlich ja eine Farbe, die Sozialdemokraten gefällt. Im Einbecker Bahnhof freuen sich an diesem Abend zum Auftakt des traditionellen Projektsommers nicht nur SPD-Mitglieder und Freunde aber darüber, dass die neuen Signale bald nicht mehr Rot anzeigen, sondern auf Grün schalten werden. Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel informierte eine große Gruppe interessierter Bürger auf dem neuen Bahnsteig in Einbeck-Mitte über den Schlussspurt-Stand der Bauarbeiten für die Strecken-Reaktivierung nach Salzderhelden. Am 9. Dezember dieses Jahres fahren nach 1984 dann die ersten regulären Personenzüge zwischen Einbeck und Salzderhelden, so ist es vorgesehen. Dass das schon ein Jahr früher hätte passieren sollen, ist inzwischen fast vergessen. Von 6 bis 21.30 Uhr sollen dann 30 Züge am Tag in Einbeck-Mitte einfahren, während der Hauptzeiten auch als durchgängige Verbindungen ohne Umstieg bis Göttingen. Etwa drei Minuten soll die Fahrt bei Tempo 60 bis nach Salzderhelden dauern. Den erledigt die DB Regio auf dem Ilmebahn-Gleis. Den 110 Meter langen Bahnsteig in Einbeck mit Übergang zum Pendlerparkplatz am Köppenweg hat die Ilmebahn nach den Worten ihres Geschäftsführers für rund 300.000 Euro gebaut, vor allem aus Fördermitteln, den Vorplatz auch mit eigenem Geld. Weil die weiteren Begehrlichkeiten nach Eröffnung der Strecke schnell kommen werden, sanierte die Ilmebahn jüngst auch noch die Schwellen und Schienen der Innenstadtstrecke bis zum PS-Speicher, das eigentliche Reaktivierungsprojekt endet jedoch am Bahnhof Einbeck-Mitte. Im August wird laut Gabriel nochmal für zwei Wochen die wichtige Ostertor-Kreuzung voll gesperrt werden müssen, um auch hier die Anlagen und die technische Sicherung zu erneuern.

Vom Bahnsteig führt der Weg zum Pendlerparkplatz, zeigt Christian Gabriel (Mitte).

Zurzeit wird das Bahnhofsgebäude gestrichen. Was auf dem Bahnsteig bislang noch fehlt und in den nächsten Wochen kommt, sind ein Durchgang zur Gastronomie mit der Möglichkeit für Außenbestuhlung auf dem Bahnsteig, ein Fahrkartenautomat, ein Schutzhäuschen, eine Echtzeit-Fahrgastinformation für Bus und Bahn. Auch sechs Leuchten werden noch aufgestellt, die zunächst gelieferten (und derzeit auf dem Weg liegenden) sind die falschen Modelle. Weil zehn Transporte gleichzeitig eine Herausforderung auf der Straße sind, stehen die fertigen Brückenteile für die drei Brücken über Leine und Ilme noch in Magdeburg, bis Ende August sollen aber auch sie eingebaut sein. Dann ist alles bereit.

Nicht nur den 9. Dezember sollten sich Einbecker Eisenbahnfreunde schon heute merken, sondern bereits den Tag vor dem Fahrplanwechsel. Am Sonnabend, 8. Dezember, soll es nach der offiziellen Einweihung der Strecke mit hochkarätiger Politprominenz für alle Bürger dann die Möglichkeit zu Sonderfahrten auf der neuen alten Strecke geben.

Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel (3.v.r.) informierte über die Bauarbeiten.

Aufsichtsrat auf dem Bahnsteig

Der Übergang vom Pendlerparkplatz am Köppenweg zum Bahnsteig in Einbeck-Mitte ist fast fertig.

Es geht voran mit der Reaktivierung der Bahnstrecke von Einbeck nach Salzderhelden. Im Juni und im August sollen nach Mitteilung der Ilmebahn die Leit- und Sicherungstechnik installiert und die Brückenüberbauten an Leine und Ilme montiert werden. Nach den Verzögerungen des Vorjahres: Der erste planmäßige Zug soll am 9. Dezember dieses Jahres fahren. Vom Stand der Bauarbeiten machte sich der Aufsichtsrat der Ilmebahn GmbH heute selbst ein Bild. Vor Ort konnten sich die Mitglieder des Gremiums den neuen Bahnsteig in Einbeck-Mitte ansehen, Geschäftsführer Christian Gabriel erläuterte die Arbeiten: Das rund 320.000 Euro teure Projekt der Verkehrsstation Einbeck-Mitte mit Bahnsteig, Zugang zum neuen Park+Ride-Parkplatz am Köppenweg und der sonstigen Ausstattung mit Wetterschutzhaus, Fahrkartenautomat, Uhr, dynamischer Fahrgastinformation in Echtzeit sowie Sitzbänken wird mit rund 290.000 Euro aus der Projektförderung des Landes und mit circa 30.000 Euro aus Eigenmitteln der Ilmebahn GmbH finanziert. Die Baumaßnahme steht laut Gabriel kurz vor der Fertigstellung. Die Ilmebahn hat im Zuge des neuen Bahnsteiges auch die Fläche zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem Bahnsteig, die sich außerhalb der Projektfinanzierung befand, dem Zustand des Bahnsteiges angepasst und finanziert, heißt es in einer Mitteilung von heute.

Aufsichtsrat auf dem Bahnsteig (v.l.): Ulrich Vollmer, Günther Kelter, Geschäftsführer Christian Gabriel, Ulrich Minkner, Dr. Sabine Michalek, Rolf Metje, Prokurist Dr. Hartmut Heuer, Astrid Klinkert-Kittel und Peter Traupe. Verhindert waren Jürgen
Behrens und Christian Grascha. Foto: Ilmebahn GmbH

Bevor der Zug abfährt

Dieser kaum genutzte Fahrradunterstand wird versetzt auf die neue P+R-Anlage.

Bevor ab Ende dieses Jahres in Einbeck-Mitte am Bahnhof wieder regelmäßig Personenzüge abfahren und ankommen, wird eine neue Park+Ride-Anlage am Köppenweg entstehen – auf einem bislang wenig genutzten Parkplatz, auf dem zurzeit noch einige Baustellen-Utensilien für die Reaktivierung der Bahnstrecke lagern. Außer dem bisherigen öffentlichen Parkplatz direkt vor dem Neuen Rathaus mit insgesamt 166 Stellplätzen sollen auf der neuen P+R-Anlage im direkten Anschluss weitere 105 Parkplätze entstehen. Von diesen wird man zum Bahnsteig gelangen können, ein Zaun wird das eingrenzen. Breiter sollen die Einstellplätze auf den Parkflächen nicht werden, da diese eine Standardbreite von 2,50 Meter haben, erklärte die Stadtverwaltung im Vorfeld der nächsten Bauausschuss-Sitzung (22.2., 17 Uhr, Altes Rathaus). Die Bauarbeiten sollen bis Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein, die notwendigen Kosten werden aus Mitteln der Straßenunterhaltung finanziert. Bevor die ersten Pendler dort parken und riden können, werden noch die Grünanlagen gepflegt, die Bäume und Büsche zurück geschnitten, wird die Verbindung zwischen beiden Parkplätzen verbessert. Die Stadtwerke werden mehrere so genannte Lichtpunkte (vulgo Lampen) aufstellen, die vorbereitenden Arbeiten sind schon erfolgt. Ferner wird der weitgehend ungenutzte Fahrradunterstand von der Betonrampe des Vorplatzes am Rathaus in den Zugangsbereich des neuen Fußgängerüberwegs über die Gleisanlagen der Ilmebahn versetzt. Und schließlich muss der Verwaltungsausschuss die Parkplätze und Zuwege noch für den öffentlichen Verkehr offiziell widmen.