Zurück zur Sachpolitik

Der jetzt parteilose Ratsherr Alexander Kloss hat nach einer abschließenden Positionierung aus seiner Sicht zum Streit mit seinen bisherigen SPD-Parteifreunden einen Haken an die Angelegenheit gemacht und heute seinen ersten Ratsantrag als Einzelkämpfer im Stadtrat öffentlich gemacht. Zurück zur Sachpolitik also, wie nach dem SPD-Austritt angekündigt, so lautet das Ziel von Alexander Kloss. Er möchte zeigen, wie er sich kommunalpolitische Zusammenarbeit in Einbeck vorstellt: parteiübergreifend, kommunikativ, vertrauensvoll, transparent und gemeinschaftlich. Der 44-Jährige hat den Ratsantrag für die Sitzung am 9. September (die wahrscheinlich wieder in der Stadionhalle stattfinden wird) mehr als einen Monat vor dem Termin komplett auf seine Facebook-Seite online gestellt; Alexander Kloss wünscht sich eine intensive Diskussion.

Knappe Dreizeiler als Antrag mit der Ankündigung einer mündlichen Begründung in der Sitzung werde es von ihm nicht geben, verspricht Ratsherr Alexander Kloss. Er werde seine Impulse rechtzeitig und ausführlich begründet allen Ratsmitgliedern zur Verfügung stellen, damit eine ausreichende Diskussion dazu in den Fraktionen möglich sei. Ihm sei klar, dass er alle Ratskollegen nicht immer überzeugen werde. Er könne aber versprechen, dass die Themen grundsätzlich mehrheitsfähig sein werden, erklärt er.

Bei seinem Premieren-Antrag geht es Alexander Kloss um die Belebung der Einbecker Innenstadt durch Wohnungen. “Stube statt Shopping” hat er seinen Vorschlag pointiert überschrieben, ein städtisches Förderprogramm aufzulegen, mit dem Umbauten von einstigen, jetzt leer stehenden Ladenlokalen in barrierearme Wohnungen unterstützt werden sollen. Hausbesitzer sollen motiviert werden, ihre Leerstände zu neuem Wohnraum umzugestalten. Die Innenstadt soll mit mehr Wohnungen attraktiver für Menschen werden, die kurze Wege und den besonderen Charme historischer Stadtkerne schätzen, wie er schreibt. Kloss’ Idee: Der Fördertopf sollte mit einer Mindestsumme von 50.000 Euro pro Haushaltsjahr ausgestattet und gespeist werden durch Mehreinnahmen bei Grundstücksverkäufen und Verkäufen von nicht mehr benötigten städtischen Flächen und Gebäuden. Außerdem soll die Verwaltung nach dem Antrag von Kloss prüfen, ob Fördermittel für das Projekt eingeworben werden können.

Die Bürgerinitiative Sch(l)aufenster, die Kloss einst mitgegründet hat, gestaltet seit sechs Jahren erfolgreich leerstehende Schaufenster zu
Hinguckern um. Das jedoch, hat Kloss erkannt, kaschiere nur das eigentliche Problem: Durch ein verändertes Kaufverhalten stärker im Internet werden kleinteilige Einzelhandelsflächen kaum noch genutzt.

In der Ratssitzung am 9. September soll der Antrag, den Gepflogenheiten entsprechend, in einen passenden Fachausschuss überwiesen werden, in dem die eigentliche politische Diskussion dann stattfindet. Ich kann mir aber vorstellen, dass es bereits in der Sitzung des Stadtrates eine kurze Debatte dazu gibt, schließlich ist es der erste Antrag des Ratsherrn unter geänderten Vorzeichen.

Nun sind 50.000 Euro für mehrere Baumaßnahmen, was zu zehn Einzelförderungen von 5000 Euro führen könnte, wahrlich nicht viel Geld. Nicht für den städtischen Etat, aber auch nicht für Immobilienbesitzer, denen 5000 Euro bei Umbaukosten in insgesamt sechsstelliger Euro-Höhe nicht wirklich entscheidend weiterhilft. Vielleicht aber lässt sich ja in der Tat ein überregionales Förderprogramm finden, das zusätzlich unter die Arme greift und das Hauseigentümer monetär mehr motiviert. Deswegen den Antrag zu belächeln, wie das vermutlich einige tun werden, wäre falsch. Denn die Thematik an sich ist dringlich und offensichtlich für jeden, der mit offenen Augen durch die Stadt geht: Es wird in vielen Lagen in der City in leer stehende Läden nie wieder Einzelhandel einziehen, das ist Realisten längst klar. Und imgrunde müssten Eigentümer von sich aus umschalten und statt Null-Einnahmen bei leeren Läden lieber Einnahmen mit bewohnten Räumen anstreben. Ein wenig Anreiz kann da nicht schaden. Wobei die öffentliche Debatte imgrunde viel grundsätzlicher geführt werden müsste: Wer traut sich zu sagen, dass die lebendige City mit florierendem Handel sich in Zukunft auf einige, wenige Straßen konzentrieren wird?

Immobilien-Lokalpatrioten

Alexander Rudnick in Einbeck.

Da war er wieder, der Donut. Alexander Rudnick, der als Berater Kommunen und Organisationen bei der Entwicklung von zukunftsfähigen Lösungen begleitet (und sich zum Beispiel in Northeim und Alfeld für ein Leerstands- und Citymanagement engagiert), sprach beim Neujahrsempfang von Einbeck Marketing zwar nicht vom Donut mit einem Loch in der Mitte, meinte aber das gleiche: Eine zukunftsfähige Innenstadt braucht einen intakten, verdichteten, guten Kern. Einbeck ist von der kompakten, multifunktionalen City, wie sie der Unternehmensberater als Zukunftsziel nannte, noch weit entfernt, nur 16 Prozent der Verkaufsfläche liegen laut Rudnick in Einbeck in der Innenstadt. Dramatisch niedrig ist dieser Wert, in der Tat, denn erst bei 30 Prozent kann man nach seinen Worten von einem Zentrum des Einkaufens sprechen. Da braucht es noch einige Immobilien-Lokalpatrioten, die sich beispielsweise in Quartieren zusammentun, um gemeinsam ein City-Immobilien-Filetstück anzubraten. Beispiele wie das “Traube”-Areal gibt es mehrere in Einbeck. Der Denkmalschutz darf diejenigen nicht ausbremsen, die ihre Häuser zusammenlegen wollen, um Händlern größere Verkaufsflächen zu ermöglichen, nur weil auch der 100. historische Gewölbekeller noch heilig ist und Barrierefreiheit behindert.

Keine Frage: Es war nicht alles neu, was Rudnick da am Freitag Abend in der PS-Halle in Einbeck sagte, aber manchmal ist es ja erkenntnisfördernd, bekannte Fakten in einen neuen Zusammenhang zu setzen. Natürlich muss es mehr Innenstadt-Wohnen geben. Natürlich ist das schwierig. Weil es eben viele gibt, die um ihr neu gebautes Haus herum gehen wollen. Und die am Waldrand leben möchten. Privates Investment ist zweifellos notwendig. Immobilien-Lokalpatrioten werden in zunehmendem Maße weniger, weil es keine oder keine in Einbeck lebenden Erben gibt und manchem City-Hausbesitzer dann alles egal ist und er nicht mehr investiert und leer stehen lässt. Private Investitionen werden aber auch deshalb schwieriger, weil es in der Tat immer mehr Menschen in der klassischen Führungs-/Eliteschicht gibt, die von irgendwo zur Arbeit nach Einbeck kommen, irgendwie noch was mit der Stadt zu tun haben, und, wie Rudnick richtig sagte, irgendwo, irgendwie und irgendwann einkaufen, aber zum Einkaufen in der (Innen-)Stadt keine Bindung mehr haben. Im Gegensatz zu früher, wo der Oberstudienrat oder der Geschäftsführer oder der leitende Angestellte selbstverständlich in der Einbecker Innenstadt einkauften (selbst wenn man im Neubaugebiet wohnte).

Privates Investment ist zweifellos notwendig. Was aber ist mit dem Engagement der Banken? Und ich meine dabei nicht die (zurzeit günstigen) Kredite. Ich meine das eigene Engagement. Dass Banken in Einbeck große und innenstadtnahe Wohnanlagen wie La Patria am Teichenweg oder Wohnungssanierungen wie in der Altendorfer Straße selbst in Angriff genommen haben, ist schon Jahre her. Das von Alexander Rudnick genannte Beispiel der Volksbank in Alfeld, die in bester 1a-Lage mehrere Häuser zu einem Ensemble vereint und dort investiert, sollte in Einbeck Schule machen. Das Postgebäude in Einbeck könnte hier ebenso Beispiel gebend sein (selbst wenn es keine direkte Citylage ist).

Die Schlaufenster sind ein erster Schritt und besser als Graufenster, aber Leerstandsmanagement sind sie eben nicht. Dafür braucht es mehr, beispielsweise Ideen wie die von Rudnick, jungen Unternehmen mit Staffelmieten oder mietfreiem ersten Jahr sowie Coaching den Start in einer Innenstadt-Immobilie zu erleichtern. Eigentümer wollen an die Hand genommen werden für solche Lösungsideen, das stimmt. Gefragt ist das Rundum-sorglos-Paket. Eigentlich ist das eine klassische Aufgabe von Wirtschaftsförderung. Wo auch immer sie angesiedelt ist. In Einbeck haben wir ja sogar zwei davon. Was es bekanntlich nicht besser machen muss.

Politische Bünde trauen

Ministerpräsident Stephan Weil und Karl-Heinz Rehkopf (im Hintergrund).

Ministerpräsident Stephan Weil und Karl-Heinz Rehkopf (im Hintergrund) mit Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens.

Koalitionen, so heißt es in der Politik immer gerne, seien keine Liebesheirat, sondern Zweckbündnisse auf Zeit. Als Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) jetzt im Trauzimmer des PS-Speichers in Einbeck hoch über den Dächern der Stadt dem Motor des Oldtimer-Ausstellungshauses und vieler anderer Engagements, Karl-Heinz Rehkopf, das Verdienstkreuz verliehen hat, bot Rehkopf den Hochzeitsraum dem Ministerpräsidenten für politische Gespräche an. Wie wäre es denn, hier die nächste Koalition zu besiegeln?, fragte der 79-Jährige den Regierungschef. Oder aber die nächsten Koalitionsgespräche nach der Landtagswahl 2018 in Abgeschiedenheit vom hannoverschen Politikrummel hier im Trauzimmer zu führen? Der Ministerpräsident lächelte und merkte sich das schon mal…

Seine Heimatstadt hat Karl-Heinz Rehkopf die höchste Ehre angetragen: Nach dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens wird Karl-Heinz Rehkopf in wenigen Wochen auch den Ehrenring der Stadt Einbeck erhalten. Der Stadtrat hat einstimmig ohne Aussprache beschlossen, den 79-Jährigen mit der höchsten Würdigung, die die Stadt zu vergeben hat, zu ehren. Der Ehrenring ist bislang noch nie verliehen worden. Er geht an Menschen für hervorragende Verdienste um die Stadt Einbeck. Die Verleihung des Ehrenringes soll im Dezember bei einem Festakt in der Halle des Alten Rathauses in Einbeck stattfinden.

„Eine solche Wahnsinns-Auszeichnung, für mich?“, fragte Karl-Heinz Rehkopf bei der Aushändigung des Verdienstkreuzes im Trauzimmer des PS-Speichers Ministerpräsident Stephan Weil. Die Ehrung freue ihn riesig und mache ihn maßlos stolz, auch dass der Regierungschef dafür eigens nach Einbeck gekommen sei. „Diese Auszeichnung ist Ansporn, dass wir in der Erfolgsspur bleiben“, sagte Rehkopf. Die Würdigung gelte dem gesamten Team, den insgesamt 3000 Mitarbeitern in all seinen Unternehmungen. „Ich bin die Unruhe in meinen Vereinen, mehr nicht“, erklärte Karl-Heinz Rehkopf bescheiden. Die aus der 1972 gegründeten Teppich-Domäne Harste hervorgegangene Tedox-Gruppe beschäftigt heute in 100 Filialen rund 2400 Mitarbeiter.

Ministerpräsident Stephan Weil bekannte sich als „Teil der Fankurve des PS-Speichers“. Als er vor zwei Jahren das Oldtimer-Ausstellungshaus persönlich eröffnet habe, habe er kein Museum dieser Qualität und Brillianz erwartet. Mehr als 150.000 Besucher haben sich inzwischen die von Karl-Heinz Rehkopf in 50 Jahren zusammengetragene Sammlung historischer Motorräder und Automobile, auf der der PS-Speicher beruht, im alten Kornspeicher angesehen. Mehr als 90 Prozent der Finanzierung übernahm Rehkopf privat. Der 2009 von ihm gegründeten gemeinnützigen Kulturstiftung Kornhaus als Trägerin des PS-Speichers stellte der Unternehmer bisher rund 40 Millionen Euro aus seinem Vermögen zur Verfügung. Als Privatperson habe Karl-Heinz Rehkopf zudem erhebliche Beträge in die Erhaltung von Baudenkmälern investiert, sagte Weil. Der 79-Jährige engagiere sich im gesellschaftlichen Leben, beispielsweise beim Erhalt des Bürgerspitals oder bei dem sozialen Unternehmen Seminar- und Gästehaus Einbecker Sonnenberg in Negenborn, das auch behinderte Mitarbeiter beschäftige. Außerdem gehe die inzwischen überregional Nachahmer findende Aktion „Sch(l)aufenster”, die Leerstände in Einbecker Geschäften verschönert, auf seine Initiative zurück. „Einer Stadt, die solche Bürger hat, kann man nur gratulieren“, sagte der Ministerpräsident. „Sie haben viel für die Gemeinschaft getan.“ Da könne ein Orden wie das Verdienstkreuz nur ein kleines Dankeschön dafür sein.

Die Mitarbeiter des PS-Speichers gratulierten Karl-Heinz Rehkopf zum Vedienstkreuz. Der hatte zuvor die Mannschaftsleistung betont, ohne die er die Auszeichnung nie bekommen hätte.

Die Mitarbeiter des PS-Speichers gratulierten Karl-Heinz Rehkopf (Mitte, mit Ehefrau Gabriele sowie Ministerpräsident Stephan Weil und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek) auch im Namen der anderen ingesamt 3000 Beschäftigten zum Verdienstkreuz. Der hatte zuvor die Mannschaftsleistung betont, ohne die er die Auszeichnung nie bekommen hätte.

Neues aus den Höfen

Was wünschen sich die Menschen für das Quartier Tiedexer Höfe? Studierende der HAWK zeigen das auf Infotafeln in Schaufenster in der Marktstraße 10 in Einbeck.

Was wünschen sich die Menschen für das Quartier “Tiedexer Höfe” zwischen Marktstraße und Tiedexer Straße? Auf Informationstafeln zeigen das Studierende der HAWK in Sch(l)aufenstern in der Marktstraße 10 in Einbeck.

Ein Jahr nach dem ersten Aufruf und zwischenzeitlichen Arbeitseinsätzen vor Ort gibt es wieder Neuigkeiten aus den Tiedexer Höfen, über das Areal “Wilhelmsgarten” zwischen Marktstraße und Tiedexer Straße: Eine Seminararbeit “Soziale Entwicklungschancen im Quartier Tiedexer Höfe” ist in den vergangenen Monaten von einer Studierendengruppe der Hochschule HAWK unter Leitung von Professorin Dr. Anke Kaschlik (Holzminden) erstellt worden. Fünf Studierende haben damit einen benoteten Schein für ihr Masterstudium erreicht. In Sch(l)aufenstern der ehemaligen “Markus-Mode”-Passage an der Marktstraße 10 werden die Arbeitsergebnisse der Studierenden zur Quartiersentwicklung jetzt auf großen Plakaten präsentiert. Auch einen Audiobeitrag aus ihren Gesprächen mit Einbeckern haben die Studierenden zusammen geschnitten, der hier oder bei einem Besuch in der Kulturbüros am Möncheplatz zu hören ist. Die Studierenden haben bei ihrem zweitägigen Aufenthalt vor Ort in Einbeck mit rund 15 Menschen gesprochen, mit zufälligen Passanten ebenso wie mit Anwohnern und Hauseigentümern, im Wohnzimmer oder im Ladenlokal von Einzelhändlern genauso wie auf der Straße. Positiv sei die Resonanz gewesen, dass sich jemand um ihr Viertel kümmern wolle, manche hätten auch gleich erste Ideen geäußert, wie die Fläche des “Wilhelmsgartens” genutzt werden könnte, erzählen die Studierenden. Die “Tiedexer Höfe” seien ein guter, citynaher Ort für Wohnen mit Kindern, da diese abseits des Straßenverkehrs in den Innenhöfen spielen können. Aber das Areal sei nicht wirklich familienfreundlich, die Wohnungen oft zu klein, Spielmöglichkeiten und -geräte für Kinder nicht vorhanden. Und es fehlten Parkplätze.

Für Prof. Dr. Anke Kaschlik war besonders spannend zu sehen, dass es in dem Quartier eine private Initiative (“Kultur im Team”) gibt, die das Innenstadt-Areal voranbringen möchte. “Die Leute reden hier miteinander, das ist anders als in anderen Städten.” Im Ergebnis regten die Studierenden an, in Zusammenarbeit mit der BI “Sch(l)aufenster” einen Arbeitskreis Leerstand zu initiieren, um für Projekte Interessierte zusammenzubringen. Leerstand könne zum Nachbarschaftstreffpunkt werden. Wichtig war den Studierenden, die Bewohnerperspektive zu berücksichtigen, nur so könne Veränderung von den Betroffenen mitgetragen werden. Wichtig ist ihnen auch, das Projekt “Tiedexer Höfe” nach ihrer Momentaufnahme jetzt nicht abzuschließen, sondern vielmehr als inspirierenden Impuls zu sehen und weiter zu denken. Wer Anmerkungen oder weitere Anregungen hat, kann diese in den Einbecker Kulturbüros am Möncheplatz bei “Kultur im Team” äußern. Für Frühjahr/Sommer sind gemeinsame Kaffee- und Grillrunden angeregt, um sich im Quartier besser kennenzulernen und Ideen untereinander auszutauschen.

“In den letzten Monaten haben wir die Idee zur Entwicklung einer institutionalisierten Interessens- und Kompetenzgruppe in Sachen innovativer Quartiersentwicklung in Einbeck durch viele Einzelgespräche gut kommuniziert und mit vielen Köpfen gemeinsam weiter entwickelt”, sagen Martin Keil, Volker Stix, Hans-Jürgen Kettler und Siegbert Mahal. “Inzwischen konnten hinter der Idee mit dem Namen „w.i.r. – wohnen ∙ intelligent ∙ realisiert“ Partner aus Politik, Wissenschaft, Architektur, Städteplanung, Sozialer Arbeit, Wirtschaft und der Anwohnerschaft sowie der Gruppe der Hauseigentümer Einbecker Innenstadt-Immobilien versammelt werden, sagen die Macher. Wie die Quartiersentwicklung voranschreiten soll, wollen die Mitglieder mitteilen, sobald sich eine feste Gruppe gefunden hat.

Diskussionen im Kulturbüro: Studierende der HAWK und Einbecker sprechen über die Zukunft der Tiedexer Höfe. Foto: Kultur im Team

Transparente Türen: Studierende der HAWK und Einbecker sprechen in den neuen Kulturbüros von “Kultur im Team” am Möncheplatz über die Zukunft der “Tiedexer Höfe” und des “Wilhelmsgartens”. Foto: Kultur im Team

Container in der Lücke

Container in der seit 2012 bestehenden Brandlücke Altendorfer Straße.

Container in der seit August 2012 bestehenden Brandlücke in der Altendorfer Straße.

Die Fundamente standen bereits seit geraumer Zeit, seit gestern stehen auch die zwei Container, und in Kürze werden auch alte Automobile in diesen Containern zu sehen sein: Die Brandlücke an der Altendorfer Straße bekommt zumindest vorrübergehend wieder ein schöneres Aussehen. Initiativ wurde hier die Bürgerinitiative “Sch(l)aufenster”. Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek im Stadtrat am Mittwoch mitteilte, hat die Stadt Einbeck das Grundstück mit dem leer stehenden Gebäude Altendorfer Straße 24 erworben und bereits eine Modernisierungsvoruntersuchung durchgeführt (mit welchem Ergebnis, sagte sie leider nicht). Das Gebäude links neben der Brandlücke war bei dem Großfeuer im August 2012 erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden und steht seitdem – mit deutlich sichtbarem Sanierungsbedarf –  leer. Das Grundstück liegt gerade noch im Sanierungsgebiet Städtebaulicher Denkmalschutz. In diesem ist auch der Neustädter Kirchplatz verortet, für den nächste Woche der Architektur-Wettbewerb gestartet werden soll. Der Wettbewerb wird im Stadtentwicklungsausschuss am 22. September (17 Uhr, Altes Rathaus) zum Thema. Wie die Bürgermeisterin mitteilte, wird über den Ankauf des auf dem Platz stehenden Gemeindehauses momentan noch verhandelt. Ideen für den Platz und auch das Gebäude (beziehungsweise besser für ein Gebäude, das das bestehende nach dessen Abriss ersetzt) gibt es viele, bis Frühjahr 2016 sollen Fachleute jetzt den Neustädter Kirchplatz neu planen. Und noch an einer weiteren Dauer-Baustelle geht es jetzt offenbar (endlich!) voran, Fertigstellung ebenfalls für Frühjahr 2016 angekündigt: Eines der ehemaligen Flüchtlingswohnheime am Kohnser Weg wird nach Beschluss im Stadtrat (im Mai 2014!) zum neuen Haus der Jugend. Wie die Bürgermeisterin jetzt im Stadtrat sagte, sind die Ausschreibungen für das Jugendzentrum erfolgt, die Baumaßnahme habe begonnen. Das wurde Zeit. Wobei: So richtig scheint das zuletzt niemanden mehr wirklich interessiert zu haben.

Fachwerk-Fünfeck-Förderung

Aus Einbeck waren in Berlin Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Bauamtsleiter Frithjof Look dabei.

Aus Einbeck waren in Berlin Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (l.) und Bauamtsleiter Frithjof Look (5.v.l.) dabei, als die Urkunden an das Fachwerk-Fünfeck von Bundesministerin Barbara Hendricks (SPD) verliehen wurden. Foto: Büro Priesmeier/Kühne

Das Fachwerk-Fünfeck ist ein nationales Projekt des Städtebaus. Das haben die Städte Duderstadt, Einbeck, Hann.Münden, Northeim und Osterode jetzt sogar schriftlich, gestern gab’s dafür in Berlin die entsprechende Urkunde und die Glückwünsche sowie das Unterstützungsangebot der hiesigen Bundestagsabgeordneten Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD) und Dr. Roy Kühne (CDU), wie beide in einer gemeinsamen Pressemitteilung (Wortlaut: 20150520_PM49-ProjektFuenfeck (abgestimmt)) informierten. Bis Mitte 2017 stehen 800.000 Euro zur Verfügung, um das Kulturgut Fachwerk in den fünf Städten zu fördern. In Einbeck soll mit dem Projekt “Kulturmagistrale Tiedexer Straße” eine neue Gestaltung der Fachwerk-Vorzeigestraße Einbecks bis zum baureifen Entwurf geplant werden (für die Realisierung sind weitere Fördergelder einzuwerben). Die “Kulturmagistrale” soll außerdem dabei helfen, attraktive neue Nutzungen anzusiedeln, wie es heißt, um den von Leerstand geprägten (viele “Sch(l)aufenster”) städtebaulich wichtigen Fachwerk-Straßenzug mit neuem Leben zu versehen. Die Tiedexer Straße ist eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und PS-Speicher, dem neuen Tourismus-Magnet in Einbeck.

Zum 1. Juli wird Gretje Bode (Diplom-Geografin; bislang Leiterin Stadtmarketing und Tourismus Vaihingen an der Enz) die für das Fachwerk-Fünfeck geschaffene Stelle der Fachwerkmanagerin antreten, PR/IT-Assistentin wird Juliane Hofmann (PR-Beraterin und Diplom-Geografin). Das Projektbüro befindet sich im Northeimer Rathaus am Scharnhorstplatz, kein Wunder daher, dass sich der Northeimer Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser überglücklich zitieren lässt: “Mit dem Projektbüro in Northeim werden wir für eine gute Umsetzung des Vorhabens und der Fördergelder sorgen.“ Darauf sollten die anderen Bürgermeister des Fünfecks, sollte Einbeck ganz genau achten. Ein Fünfeck hat fünf Ecken.

Täter

Eine Idee ist gut. Gut und schön. Aber sie bleibt eine junge Vision ohne Tat. Ohne Täter. Ohne diejenigen, die nicht nur reden, sondern handeln. Schon lange wird darüber diskutiert, vorhandene Innenstadt-Quartiere zu beleben, aus den nur wenige Schritte von einer 1A-Lage entfernt liegenden City-Höfen etwas zu machen. Mehr zu machen. Außer einem “Man müsste mal” ist bislang allerdings nicht allzu viel passiert, klammert man mal die Tiedexer Straße 19 ein wenig aus. Jetzt jedoch scheint die Sache an Fahrt aufzunehmen. Und weil sich im besten Wortessinne Täter darum kümmern, habe ich ein gutes Gefühl. Der “Wilhelmsgarten”, ein Gebiet zwischen Tiedexer Straße und Marktstraße gelegen, soll neu belebt werden. Der Verein Kultur-im-Team.de lädt zu einer informativen Projekt-Auftaktveranstaltung ein, die ähnlich wie die vor gut einem Jahr durchgeführte Auftaktveranstaltung der Bürgerinitiative Sch(l)aufenster dafür sorgen, schnell und effizient Menschen für ein aktives Mitmachen zu begeistern, wie es heißt (Wortlaut: 2015_03_09_Pressemitteilung_Auftakt_Wilhelmsgarten). Hinter Kultur-im-Team steht als Vorsitzender Hans-Jürgen Kettler, der Motor der BI Sch(l)aufenster. Wenn die Idee “Wilhelmsgarten” mit der gleichen zupackenden Art und Weise umgesetzt wird, bin ich mir ziemlich sicher, dass es nicht bei Ideen und “man müsste mal” bleiben wird. Freilich: Einer allein kann nichts. Jeder, der mit anpacken will, ist aufgerufen dabei zu sein am kommenden Montag, 9. März, um 19 Uhr in der Tangobrücke.

Dort liegt der "Wilhelmsgarten" zwischen Marktstraße (vorn) und Tiedexer Straße (rechts). Foto: Verein Kultur-im-Team.de

Dort liegt der “Wilhelmsgarten” zwischen Marktstraße (vorn) und Tiedexer Straße (rechts). Foto: Verein Kultur-im-Team.de

Vom Wert des Rathauses

Altes Rathaus zur blauen Stunde.

Altes Rathaus zur blauen Stunde.

Was ist Einbeck das Rathaus wert? Der markante Bau mit seinen drei Türmen am Marktplatz. Das Alte Rathaus ist nicht nur in die Jahre gekommen. Es steht nicht nur zu großen Teilen leer und sucht Mieter. Sein Gewölbekeller wird leider immer noch nicht genutzt. Es pfeifft gerne mal durch die Fenster in der Rathaushalle, besonders jetzt wieder, wenn es Herbst und Winter wird.

Vor diesem Hintergrund hat die SPD im Stadtrat jetzt einen Vorstoß gemacht (Wortlaut: AntragSPD Altes Rathaus). Einstimmig hat heute der Bauausschuss der Verwaltung grünes Licht dafür gegeben, die Kosten dafür zu ermitteln, die Fassade und Fenster instandzuhalten, besser gesagt instandzusetzen. SPD-Ratsherr Dirk Heitmüller hat einige unschöne Ecken des Rathauses fotografiert und den Antrag seiner Fraktion mit den Aufnahmen bebildert. Seit der Eröffnung des PS-Speichers finden deutlich mehr Touristen den Weg nach Einbeck und auch in die Innenstadt. Nach der Bürgerinitiative Schlaufenster ist nach Meinung der Rats-SPD nun die Stadt am Zuge, das Alte Rathaus als erstes Gebäude am Platze in einen attraktiveren Zustand zu versetzen.

Schäden an der Ostfassade des Alten Rathauses. Foto: SPD

Schäden an der Ostfassade des Alten Rathauses. Foto: SPD

Da wird, so steht zu vermuten, eine schöne Summe zusammenkommen. Eine schön große. Deshalb sind die heute gemachten Einwürfe von Dr. Reinhard Binder (FDP) und Dirk Ebrecht (CDU) auch ebenso richtig wie der Antrag der SPD, dass es nicht allein damit getan sei, die Kosten zu ermitteln. Auch eine Reihenfolge, welche Maßnahme wichtiger als eine andere, zweifellos ebenso wünschenswerte im Alten Rathaus haushalterisch machbar ist. Und: Das Alte Rathaus allein ein wenig aufzuhübschen mag wie bei den schlauen Schaufenstern einen optisch netten Effekt haben. Viel wichtiger ist aber eine konkrete, effektive Nutzung des Rathauses. Auch darüber müssen sich Politik und Verwaltung dringend Gedanken machen – und dann handeln.

Schlauplätze

Zur Müllhalde verkommen: der Eingang zur früheren WC-Anlage.

Zur Müllhalde verkommen: der Eingang zur früheren WC-Anlage auf dem Neustädter Kirchplatz.

Betreten auf eigene Gefahr.

Betreten auf eigene Gefahr. Die Sichtachse zur Brauerei ist zugewuchert.

Der Charme des Waschbetons mag ja vielleicht den einen oder anderen Architektur-Liebhaber noch begeistern. Die überwiegende Zahl der Betrachter und Besucher des Neustädter Kirchplatzes jedenfalls dürfte weniger erfreut sein, in welchem Zustand sich dieser Einbecker Innenstadt-Platz aktuell präsentiert. Die einst super-moderne, unterirdische Toilettenanlage ist längst geschlossen, der Eingang zur Müllhalde verkommen, den Platz darf man ausweislich eines Schildes nur noch auf eigene Gefahr betreten. Nachdem der Investor SEPA von seinem Projekt, hier ein Haus, von ihm gerne als Palais bezeichnet,  für den Handel mit Drogerie-Waren und Bekleidung zu bauen, kürzlich Abstand genommen hat, sind wieder alle Optionen offen, was mit dem City-Filetstück passieren soll. Dass etwas geschehen muss, ist unstrittig.

Was jedoch passieren soll, darüber wird die Politik zu befinden haben. Hoffentlich taucht sie nich vorher erstmal in die Sommerpause ab… Ob sie einen Ideen- bzw. Architekturwettbewerb möchte, nachdem nun kein konkreter Interessent mehr auf dem Tapet steht, wird sich bald entscheiden müssen. Da wird sicherlich von einigen auch die alte Parkplatz-Idee wiederbelebt, das gesamte Areal auf einer Ebene vor allem für Pkw-Stellplätze zu nutzen. Rund 200.000 Euro sollte das einst kosten. Eine Mehrheit fand sich für diese CDU-Idee nicht.

Mitten in der Stadt und doch verlassen, vergessen? Der Neustädter Kirchplatz mit Löwenkreuzung im Hintergrund.

Mitten in der Stadt und doch verlassen, vergessen? Der Neustädter Kirchplatz mit Löwenkreuzung im Hintergrund.

Waschbeton, wuchernder Efeu: der Möncheplatz.

Waschbeton, wuchernder Efeu: der Möncheplatz.

Imgrunde ist eine handfeste, tatkräftige, nicht nur wohlfeile Pläne machende Initiative notwendig, vergleichbar vielleicht mit der lobenswerten Bürgerinitiative Sch(l)aufenster. Es gibt schließlich ebenso manche Grauplätze, die darauf warten, sozusagen Schlauplätze zu werden. Der Neustädter Kirchplatz, über den in den vergangenen Monaten viel geredet wurde, auf dem aber nichts passiert ist, ist ja nur ein Beispiel. Ein weiteres ist der andere große Innenstadt-Platz am östlichen Ende der City: der Möncheplatz. Hier hört man von einstigen Ideen und Bestrebungen seit langer Zeit rein gar nichts mehr, jedenfalls nicht Substanzielles, auch hier regiert nach wie vor der Charme des Waschbetons. Wer im Bürgerinformationssystem Allris einmal heute als Stichwort “Möncheplatz” eingibt, erhält zwar manche Treffer, wirklich aktuelle Infos mit konkretem Planungsstand sind allerdings nicht darunter. Was schade ist, gehört der Platz doch auch zum Fördergebiet Städtebaulicher Denkmalschutz, über das in den vergangenen Monaten sich Planer und auch manche Bürger einige Gedanken gemacht haben.

Neue Pflaster-Furt.

Neue Pflaster-Furt.

Am Rande neu gepflastert: der Hallenplan.

Am Rande neu gepflastert: der Hallenplan.

Aber wahrscheinlich ist es viel wichtiger, für 30.000 Euro neues Pflaster auf Marktplatz und Hallenplan zu verlegen. Sinnvoll würde ich das ja noch finden, wenn durch die Neupflasterung wie an mancher Stelle geschehen das Gehen oder das Begehen mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen verbessert wird. Da aber einige der neuen Pflaster-Furten vor Gastronomie-Bestuhlung enden, will ich nicht hoffen, dass das dadurch sinnvoll wird, indem die Restaurants ihre Außenbestuhlung reduzieren müssen. Dann ist es nämlich bei allem Verständnis für Barrierefreiheit nicht sinnvoll, sondern wirtschaftsunfreundlich.