Städtebau-Fördermittelzusage bringt Rathaus-Sanierung voran

Freude über Fördermittelzusage: Die Stadt Einbeck erhält insgesamt 680.000 Euro aus dem Städtebauförderung-Programm 2021. Vor allem die seit längerem angestrebte Sanierung des Historischen Rathauses soll diese Unterstützung voranbringen. Einbeck erhält aus dem Förderprogramm „Lebendige Zentren“ 680.000 Euro, davon sind 80.000 Euro für das Sanierungsgebiet Neustadt-Möncheplatz (ehemaliges Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz) und 600.000 Euro für die angemeldeten Projekte im ehemaligen Förderprogramm „Kleine Städte und Gemeinden“ bestimmt, teilte die Stadtverwaltung heute mit.

Historisches Rathaus am Marktplatz. Archivfoto 2020

„Als finanzschwache Kommune wurde uns sogar eine erhöhte Förderquote von 90 Prozent zugestanden“, erklärte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in einer Pressemitteilung. „In der aktuellen Situation ist das eine ausgesprochen erfreuliche Nachricht.“ Fachbereichsleiter Joachim Mertens ergänzte: „Mit der Förderung können wir vor allem die Planungen für das Alte Rathaus weiter vorantreiben und die Umsetzung vorbereiten.“

Für leichte Irritationen hatten verschiedene Mitteilungen der regionalen Landtags- und Bundestagsabgeordneten am Vortag gesorgt, die die Fördermittelzusagen als ihren politischen Erfolg vermeldeten. Der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz beispielsweise schrieb „die Gemeinde Kreiensen erhält 600.000 Euro für ihren Ortskern“, wobei es diese ja seit acht Jahren nicht mehr gibt. Beim CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne las sich das ähnlich: „in der Stadt Einbeck das Projekt ‚Gemeinde Kreiensen‘ (600.000)“.

Fachbereichsleiter Joachim Mertens konnte das auf Nachfrage aufhellen: Der Begriff „Gemeinde Kreiensen“ sei historisch zu erklären, da weiland die Projekte im Programm „Kleine Städte und Gemeinden“ zum Zwecke der Fusion von Einbeck und Kreiensen sozusagen zum besseren Zusammenwachsen der beiden Kommunen angemeldet worden seien. „Das hat sich natürlich längst überholt“, erklärte Mertens. Die Zuweisung der 600.000 erfolge auch nicht projektbezogen. Die Kommune dürfe das Geld frei im Rahmen der angemeldeten Projekte einsetzen. Das Alte Rathaus habe in Einbeck die Priorität 1, „die Umsetzung ist politisch gewollt, und das Geld wurde hierfür auch vornehmlich angemeldet“, sagte der Fachbereichsleiter.

Das zuständige niedersächsische Bauministerium hat im Städtebauförderungprogramm 2021 insgesamt 121,6 Millionen Euro für 204 Fördermaßnahmen in Städten und Gemeinden zur Verfügung gestellt. Wird der kommunale Eigenanteil noch hinzugerechnet, so können Investitionen in Höhe von rund 167 Millionen Euro umgesetzt werden.

Experten geben Empfehlungen für Problemzonen

Krimhild Fricke, Joachim Mertens, Dr. Ulrike Wendland, Thomas Dienberg, Dr. Sabine Michalek.

Sie haben das Schöne gesehen in Einbeck. Aber auch die Problemzonen. Die Mitglieder der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz im Bundesinnenministerium waren zu ihrem zweitägigen Herbsttreffen gemeinsam mit weiteren Experten der Städtebauförderung in der Stadt zu Gast und unterwegs. Ein gemeinsamer „problemorientierter Stadtrundgang“ stand neben Vorträgen im Rathaus auf der Tagesordnung. Entstanden sind daraus mehrere Empfehlungen. „Wir sind dankbar für die Expertise“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Das bringt uns weiter, vermittelt wertvolle Kontakte und Hinweise.“ Beim Abschlussgespräch waren auch Vertreter mehrerer Ratsfraktionen dabei. „Stadtentwicklung geht uns alle an“, sagte Michalek. Gefragt sei eine inhaltliche, keine politische Diskussion. Über eine sachliche, von Inhalten bestimmte Debatte in diesen Fragen würde sich auch der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen, Joachim Mertens, freuen. „Wir sind ermutigt worden“, lautete sein Fazit. Und Krimhild Fricke, im Rathaus zuständig für Denkmalpflege, ergänzte: „Uns ist der Rücken gestärkt worden.“

Die Expertengruppe besteht aus Stadtplanern, Denkmalpflegern, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern und begleitet das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz fachlich. Man verstreue bei den Besuchen und den Empfehlungen nicht die Weisheit, formulierte es die Vorsitzende Dr. Ulrike Wendland, Landeskonservatorin in Sachsen-Anhalt. Das Gremium sei selbst lernend, nehme bei den Besuchen viel auf und sehe sich eher als ein Verteiler von Wissen. Erschwernisse für Investments in alten Häusern seien übrigens nicht allein Fragen des Denkmalschutzes, sagte Vorsitzender Thomas Dienberg, Stadtbaurat in Göttingen. Kreditvergaberichtlinien machten es schon Menschen ab 50 Jahren oftmals schwer, noch investieren zu können.

Im Fokus der Expertengruppe stand das aktuelle Fördergebiet Neustadt-Möncheplatz. Die Neustadt südlich der Altendorfer/Hullerser Straße wirke wie ein „vergessener Stadtteil“, sei aber durch seine Nähe als Wohnquartier äußerst attraktiv. Dafür müsse jedoch die ehemalige B3-Ortsdurchfahrt noch stärker ihren trennenden Charakter verlieren, dürfe der Autoverkehr nicht mehr so deutlich dominieren. Den bevorstehenden Umbau des Neustädter Kirchplatzes sehen die Experten als Anker für eine Revitalisierung und guten Impuls für eine Quartiersbelebung. Vorbildlich habe hier die Stadt einen Architektenwettbewerb ausgelobt, der einen multifunktionalen Platz ergeben habe. Die Fachleute raten bei der jetzt anstehenden Umsetzung dazu, auf dem Platz für Aufenthaltsqualität zu sorgen, ein Wasserspiel sei für Kinder immer anziehend. Keinesfalls sollte der Platz hauptsächlich zum Parken genutzt werden. Die Expertengruppe empfiehlt für den Platz das wertigere Natursteinpflaster statt Betonpflaster, von einer „Diskountlösung“ rieten die Fachleute ab, da ärgere man sich nach wenigen Jahren häufig nur.

Der Rundgang hat für die Expertengruppe ergeben, dass Sanierung durchaus Tradition in der Stadt habe, in manchen Bereichen aber längst die Sanierung der Sanierung angezeigt wäre. Dringend raten die Fachleute zu einer Werbeanlagen-Satzung. Der nicht einfache Weg zu einer solchen Satzung liefere oft schon wichtige Ergebnisse und führe dazu, Werbetafeln nicht überall lieblos an die Häuser zu montieren.

Bei der Baulücke Altendorfer Straße 24/26 empfehlen die Experten, den Bauplatz mit der in der Backofenstraße anliegenden ehemaligen Brennerei gemeinsam zu planen, wobei wie grundsätzlich in der Stadt die Kleinteiligkeit bleiben solle und nicht parzellenübergreifend gebaut werden sollte. In der aktuell mit Containern besetzten Baulücke könne attraktiver Wohnraum geschaffen werden, vielleicht sogar in moderner Holz-Lehmbauweise. Das könnte dann auch den Ruf von Einbecks Baukultur, die in früheren Jahrhunderten durchaus vorbildlich war, wieder erneuern. Auch das Areal Ecke Knochenhauerstraße / Neue Straße sollte nach Expertenmeinung schnellstmöglichst wieder bebaut werden. Jahrelange Brachen seien die falschen Antworten auf Stadtentwicklung.

Ermutigt hat die Expertengruppe die Stadt Einbeck, sich Gedanken über den Möncheplatz zu machen, den ersten Platz für mit der Bahn anreisende Besucher, die auf dem Weg zum Marktplatz sind. Das dauere seine Zeit, die Bürger sollten bei einem Ideenwettbewerb beteiligt werden, vielleicht lasse sich auch eine Hochschule gewinnen, hier vergleichbar einem Architektenwettbewerb Pläne zu machen.

Waisenhaus-Sanierung abgeschlossen

Seltenes Leiterfachwerk: die Fassade des sanierten ehemaligen Waisenhauses in der Baustraße nach den zwei Jahre dauernden Bauarbeiten.

Nach zwei Jahren Bauzeit ist die Sanierung des ehemaligen Waisenhauses in der Baustraße in Einbeck abgeschlossen. Lediglich wenige Restarbeiten sind noch zu erledigen, bis die ersten Mieter voraussichtlich zum Jahresende einziehen können. Und der Stadtrat muss nächsten Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung zunächst noch die Mietpreis-Höhe festlegen. Das 1712 erbaute Haus mit dem in Einbeck einzigartigen Leiterfachwerk gehört den Einbecker Hospitalstiftungen, die ihre Objekte (insgesamt 130 Wohnungen, 150 Garagen) lediglich an Bedürftige vermieten darf, weil sie laut Satzung mildtätigen und gemeinnützigen Zwecken verpflichtet ist, wie Kämmerin Brigitte Hankel sagte, in deren Fachbereich die ursprünglich aus dem Mittelalter stammenden Stiftungen fallen. Die Aufgabe werde jetzt sein, neben der nachzuweisenden Bedürftigkeit Mieter zu gewinnen, die das Wohnen hier schätzen, sagte EWG-Geschäftsführerin Birgit Rosenbauer. Die Einbecker Wohnungsbaugesellschaft soll wie bei den anderen Hospitalstiftungen-Objekten die Verwaltung übernehmen. Abzuwarten bleibt auch noch, ob die CDU mit ihrem jüngst vorgelegten Antrag noch vor einer ersten Vermietung durchdringen wird, nach dem im einstigen Waisenhaus generationenübergreifendes Wohnen und eine Alten-WG entstehen soll. Auch darüber diskutiert der Stadtrat am Mittwoch bzw. dann in einer der nächsten Fachausschusssitzungen.

Denkmalpflegerin Krimhild Fricke zeigte den Politikern, was unter der Giebelfassade zum Vorschein kam (und dort aus Witterungsgründen wieder versteckt worden ist).

Am Ende dürfte die Sanierung rund 1,6 Millionen Euro gekostet haben, 53 Prozent davon werden über den Städtebaulichen Denkmalschutz im Programm der Städebauförderung finanziert. „Ein Glücksfall.“ – Ursprünglich war knapp eine Million Euro kalkuliert worden, ursprünglich war allerdings auch befürchtet worden, die Sanierung werde doppelt so teuer, was sich jetzt doch nicht ganz ergeben habe, berichtete Projektleiter Gunnar Groneweg bei einem Ortstermin den Kommunalpolitikern. Die Kostensteigerung war vor allem entstanden, weil Pilzbefall und der braune Kellerschwamm eine ausführlichere Sanierung notwendig machten. Auch 28 Deckenbalken des Fachwerks mussten auf einer Länge von 1,50 Meter ins Gebäude erneuert und mit den verbleibenden verblattet werden, um die Statik wieder herzustellen. Die von der Restauratorin Anja Stadler gesicherten Befunde an der Giebelseite sind aus Witterungsgründen auch wieder hinter einem Behang verschwunden, ihre Farbbefunde waren für die neue Farbgebung ausschlaggebend. Die 2013 begonnene Diskussion über eine Sanierung des ehemaligen Waisenhauses ende nun mit einem Denkmal mit Strahlkraft in die Umgebung, hieß es.

Ein Laubengang wurde vor die Nordseite gestellt, er erschließt die oberen Wohnungen.

Entstanden sind sechs zwischen 42 und 92 Quadratmeter große Wohnungen auf einer Gesamtfläche von rund 462 Quadratmetern. Die Wohnungen im oberen Geschoss werden über einen vorgesetzten Laubengang erschlossen. Die unteren Wohnungen sind barrierearm. Entfernt worden sind die Dachgauben, das Dachgeschoss wird nicht genutzt, ebenso wenig der Gewölbekeller. Zu jeder Wohnung gehört auf dem Hof ein Abstellraum. Für Erstaunen sorgte die vor allem von Grünen-Politikern vorgebrachte Nachfrage, warum keine Auto-Stellplätze vorgesehen worden seien. Man müsse in der historischen Stadt der Zukunft Mobilität ganz neu denken, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Auf dem Laubengang können die Bewohner vor ihren Wohnungen auf der Hofseite wie auf einem großen Balkon sitzen.

Nachtrag 05.09.2019: Der Ausschuss für Jugend, Familie und Soziales wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen nach dem Votum des Stadtrates mit dem CDU-Antrag „Selbstbestimmt leben – alternative Wohn- und Lebensformen ermöglichen“ beschäftigen. Die Zahl der Menschen, die im Alter auf Unterstützung und Hilfe angewiesen seien (und damit sei nicht Pflege gemeint), steige weiter an, begründete Ratsmitglied Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) den Antrag. Es gehe um geteilte Verantwortung auf Augenhöhe in einem Quartier. Im restaurierten Waisenhaus biete sich eine gute Chance, eine Alters-WG als alternative Wohnform zu etablieren, aber auch das benachbarte Haus Nummer 21 in der Baustraße, das saniert werde, sei möglicherweise passend. Offen blieb, warum für die zweifellos Zeit in Anspruch nehmende Diskussion über ein Projekt einer Alters-WG nicht die zwei Jahre währende Sanierungsphase des Waisenhauses schon genutzt wurde. Wenn die Wohnungen erst wieder alle vermietet sind, wird es schwerer zu argumentieren sein.

Was im Städtebau alles gefördert wird

Frisch saniert: der Sitzungssaal im Historischen Rathaus. Der Verwaltungsausschuss des Stadtrates hat vergangene Woche noch den Auftrag vergeben, für 15.000 Euro einen neuen Tisch durch den Kommunalen Bauhof bauen zu lassen, der vielseitig teilbar und einsetzbar sein soll, um Sitzungen ebenso wie anderen Veranstaltungen gerecht zu werden.

Der Tag der Städtebauförderung soll Menschen motivieren, sich an Projekten vor Ort zu beteiligen, und die Vielfalt abbilden, die die Städtebauförderung auszeichnet. Am Sonnabend, 5. Mai, nutzt die Stadt Einbeck bei der zum vierten Mal bundesweit organisierten Veranstaltung die Möglichkeit, ihre Projekte zu präsentieren. Einbeck ist in den Programmen „Städtebaulicher Denkmalschutz“ und „Kleinere Städte und Gemeinden“ aktiv. Die Bandbreite reicht von der Umgestaltung von Straßen und Plätzen bis zum Bau von Multifunktionshallen, von der Sanierung von Einzeldenkmalen bis zur Umsetzung innovativer Nutzungskonzepte. Die Stadt Einbeck beteiligt sich am Tag der Städtebauförderung am 5. Mai laut Mitteilung aus der Stadtverwaltung ab 9.30 Uhr mit Rundgängen und Führungen durch das Historische Rathaus am Marktplatz (hier sind ja Sitzungssaal und Trauzimmer bereits saniert), das 2012 gestartete Sanierungsgebiet Neustadt-Möncheplatz, die „Magistrale der Baukultur“ und durch das in diesem Jahr eingeweihte Jugendgästehaus. Von 09.30 bis 10.15 Uhr zeigt die Stadt den Interessierten die Planungen und ersten Umbauten im Historischen Rathaus am Marktplatz. Um 10 Uhr starten die Rundgänge durch das Sanierungsgebiet (mit Stationen unter anderem am ehemaligen Waisenhaus und in der Alten Synagoge in der Baustraße) und durch die Tiedexer Straße. Im Jugendgästehaus wird um 10.30 und 11.15 Uhr der beauftragte Architekt einen Rundgang anbieten und erste Erfolge im Förderprogramm „Kleine Städte und Gemeinden“ zeigen.

Das ehemalige Waisenhaus an der Baustraße wird noch einmal teurer als gedacht, erst vergangene Woche hat der Verwaltungsausschuss laut Bürgermeisterin drei Nachträgen für Gewerke zugestimmt, um welche Summe es sich dabei handelt, wurde zunächst nicht benannt, eine Kostenaufstellung soll dazu zusammengestellt werden.

In der Schwebe

Fassade der ehemaligen „Traube“ an der Altendorfer Straße mit Förderprogramm-Banner.

Welche Auswirkungen die längste Regierungsbildung in der Geschichte der Bundesrepublik in Berlin und der noch nicht vom Bundestag beschlossene Bundes-Haushalt 2018 auch für Einbeck hat, hat Bauamtsleiter Frithjof Look gestern im Stadtentwicklungsausschuss verdeutlicht: Der Stadt Einbeck fehlt die Förderung durch den Bund für das Jahr 2018 im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz komplett. Weil der Bundeshaushalt noch nicht verabschiedet ist. „Meine Mittel werden weniger“, sagte Look. Auch wenn der Etat in Berlin in den nächsten Wochen beschlossen wird, dauert es bis zum Förderbescheid noch, es fehle im Prinzip die gesamte Tranche 2018, sagte Look. Das noch bis 2022 laufende Förderprogramm „Neustadt-Möncheplatz“ wird auch von Land und Stadt gespeist, es ist also nicht komplett auf Null.

Derweil hat der Stadtentwicklungsausschuss gestern ohne Debatte grünes Licht für im vergangenen Jahr bereits finanzierte Einzeluntersuchungen für zwei Quartiere gegeben: den Häuserblock 25 (Altendorfer Straße, Neue Straße, Knochenhauerstraße, Breiter Stein) sowie den Häuserblock 31 (Benser Straße, Backofenstraße, Schäfergasse, Baustraße). Die Einzeluntersuchungen sind Entscheidungsgrundlage für sanierungsrechtliche Genehmigungen, die Planungen wurden mit den Eigentümern erörtert und sind diesen bekannt. Für den Block 25, das sogannte Traube-Quartier (benannt nach dem einstigen Hotel an der Altendorfer Straße), hat die Politik der Variante „Wohnen und Gastronomie“ zugestimmt. Diese Variante ermögliche am ehesten auch eine kleinteilige Realisierung, heißt es in der Beschlussbegründung. Ziel ist unter anderem, die Garagen im Blockinneren durch bessere Parklösungen zu ersetzen, die Ecke Neue Straße/Knochenhauer wieder markanter, zweigeschossig zu bebauen, eine Durchfahrt durch die Brandmauer für die Senfmühle inklusive Hof-Außengastronomie zu ermöglichen und das Innere des Häuserblocks auch durch eine weitere Einfahrt (eventuell Tiefgaragenzufahrt) im Haus rechts neben der „Traube“ besser zu erschließen. Ich will hoffen, dass sich die Politik mit ihrem einstimmigen Beschluss nicht die Chance verbaut, in diesem wahrlich nicht ansehnlichen Quartier großflächigen Einzelhandel als Magnet für die City zu ermöglichen, in dem einiger Gebäudebestand komplett abgerissen wird. Schließlich macht die neue Sparkassen-Passage eigentlich erst dann einen Sinn, wenn ich vom hinteren Eingang in der Knochenhauerstraße weiter durch das Quartier gehen kann (und nicht nur über die Neue Straße), um zur Altendorfer Straße und beispielsweise zum größten Modehaus der Stadt zu kommen.

Für den Block 31 hat sich die Politik zum Ziel gesetzt, zusätzliche Grünflächen im Inneren des Häuser-Vierecks (Planer nennen das einen „Pocket-Park“) sowie neuen Wohnraum in der Kernstadt zu schaffen. Bauland mitten in der Stadt zu bekommen ist nicht so häufig möglich (kürzlich erst im Petersilienwasser), hier aber zwischen Benser Straße, Baustraße und Backofenstraße und Schäfergasse schon. Auf der Innenfläche des Quartiers könnte ein neues, modernes Wohngebäude entstehen, der Abbruch von Nebengebäuden wäre ohnehin städtebaulich wünschenswert und für ein Schlüsselgrundstücksteil hat die Stadt ein Vorkaufsrecht. Eine neue Erschließungsschleife über die Schäfergasse zur Baustraße um den geplanten neuen kleinen Park soll eine optimale Erschließung des Blockinneren ermöglichen. Da war er wieder, der Donut-Dauerbrenner mit der Gefahr, dass die Innenstadt verödet, während sich an den Stadträndern neue Wohnbebauungen entwickeln. Hier könnte ihm mal wirksam Paroli geboten werden.

Konzepte werden auch Realität

Steht schon leer, kann saniert werden: das ehemalige Waisenhaus.

Das ehemalige Waisenhaus in der Baustraße ist nicht die Marktstraße, ist nicht die Tiedexer Straße, ist weder Möncheplatz noch Neustädter Kirchplatz, und das Gebäude mit dem seltenen Leiterfachwerk ist, bei allem Respekt, auch nicht das historische Alte Rathaus. Trotzdem ist es richtig, dass mit der Sanierung des aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden ehemaligen Waisenhauses auch einmal Konzepte der Stadt Realität werden, und nicht nur auf dem Papier existieren. Gleichwohl hat es auch gut zwei Jahre gedauert, seitdem das Konzept in den politischen Gremien vorgestellt und auf den Weg gebracht worden war. Jedenfalls nimmt die Stadt die zurzeit anlaufende Sanierung gerne als Beispiel, mit dem sie Kritikern der grassierenden Konzeptionitis (zu denen ich ja auch gehöre, und das noch viel früher als andere) entgegen tritt. Beim zum zweiten Mal in Einbeck organisierten Tag der Städtebauförderung war das Interesse an Rundgängen durch das Sanierungsgebiet Neustadt-Möncheplatz durchaus groß. Die Teilnehmer besuchten Objekte und Hinterhöfe mit Potenzial, unter anderem in der Backofenstraße,von deren Sanierungen sich die Stadt u.a. auch Initialzündungen für die weitere Modernisierung von Gebäuden verspricht.

Innenhof mit Nebengebäuden des ehemaligen Waisenhauses.

Blick vom Waisenhaus.

Architekt Matthias Jung (Hildesheim) hat das Vorhaben ehemaliges Waisenhaus in der Baustraße vorgestellt und die Planungen einigen Interessierten erläutert, entstehen sollen kleinere und größere Wohnungen, einige barrierefrei, die aktuell bereits leer stehenden Wohnungen sollen nach Ende der Sanierung dem Stiftungszweck der Einbecker Hospitalstiftung entsprechend sozial vermietet werden: an Junge und Ältere, an Singles wie Familien. Der Hospitalstiftung gehört das Gebäude, über ihren Haushalt wird die Sanierung auch finanziert, der Löwenanteil der Kosten (rund eine Million Euro waren zuletzt kalkuliert) wird über das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz getragen. Die Ausschreibungen für die Bauarbeiten laufen derzeit, in den nächsten Wochen können nach der Vergabe der Gewerke die ersten Handwerker tätig werden. Im Sommer 2018 könnte dann tatsächlich eine Planung, ein Konzept realisiert sein.

Großes Interesse am vor der Sanierung stehenden ehemaligen Waisenhaus: Architekt Matthias Jung und Krimhild Fricke (Denkmalpflege Stadt Einbeck) erläutern das Vorhaben.

Eine Chance für die Stadt doch nicht vertan

Wer der Debatte über den Neustädter Kirchplatz gestern im Stadtentwicklungsausschuss folgte, konnte zeitweilig auf die Idee kommen, dass diese Stadt dringendst Parkplätze benötigt (direkt vor der Geschäfts- respektive Arzt-Tür) und alles in dieser Stadt einzig und allein an Parkflächen auf dem zentralen Innenstadtplatz hängt. Hatten da einige meine Glosse in meiner Freitagskolumne etwa doch ernst gemeint und damit falsch verstanden? Am Ende haben die Ratsmitglieder noch die Kurve gekriegt und die Chance für die Stadt doch nicht vertan, nicht allein dem Fetisch Parkplatz gehuldigt. Die Diskussion aber, soviel wage ich zu prophezeihen, ist noch lange nicht an ihrem Ende. Einstimmig bei einer Enthaltung von Dr. Reinhard Binder (FDP) hat der Fachausschuss beschlossen, mit dem Sieger des Architektenwettbewerbs, dem Büro Planorama aus Berlin, weiter zu planen. Die Verwaltung ist beauftragt, die Planung auf der Grundlage des Siegerentwurfs mit den eingearbeiteten, vorgenommenen Planveränderungen (Bushaltestellen, Brauhaus-Zufahrt) voranzutreiben. Immer im Hinterkopf, so viele Parkplätze wie möglich auszuweisen. Dabei soll zusammen mit den Stadtwerken vor allem das vorhandene Parkhaus am Brauhaus stärker eingebunden werden. Zeitpläne, also wann der Platz so aussehen kann wie die Änderungsentwürfe vorsehen, wurden gestern nicht bekannt. Was natürlich auch daran liegt, dass bislang keine Kosten benannt sind, und auch nicht abschließend geklärt ist, wer das alles bezahlt. Die Stadt wird es nur zum geringen Eigenanteil sein, der Löwenanteil wird aus Fördertöpfen kommen (müssen).

Anfangs drehte sich in der Debatte im Ausschuss alles nur um Parkplätze. Erzürnt hatte dabei mehrere Kommunalpolitiker ein aktuelles Schreiben des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD), das deutlich darauf hingewiesen hatte, dass der Umbau des Platzes nicht mehr förderfähig würde sein können, wenn die Politik den Architekten-Entwurf allzu freihändig in Richtung Platz als Parkplatz verändern würde. Was Dr. Reinhard Binder (FDP) als „Frechheit“ aus Hannover empfand, Rolf Hojnatzki (SPD) sprach von einem „Diktat“, das die Möglichkeiten der Politik auf ein Minimum einschränke. Bauamtsleiter Frithjof Look, der das NLD-Schreiben den Politikern nicht vorenthalten hatte, verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Verwaltung gängele die Politik. Seine Aufgabe aber sei es, die Konsequenzen von möglichen Entscheidungen vorzulegen.

„Sie haben eine Chance“, sagte Planorama-Geschäftsführer Maik Böhmer. Dafür müsse aber die Frage geklärt sein, ob man einen Stadtplatz oder einen Parkplatz wolle, erklärte der Landschaftsarchitekt im Stadtentwicklungsausschuss. „Hängt das Glück der Stadt an 14 Parkplätzen?“ Von heute 54 Stellplätzen werden vermutlich 14 Parkflächen wegfallen. Entschieden ist das aber noch nicht abschließend. Und gar nicht berücksichtigt ist, weil es nicht Auftrag für Planorama war, das vorhandene, das nur gering genutzte Parkhaus.

„Als alter Einbecker weiß ich, wie wichtig Parkplätze sind“, warb Armin Hinkelmann (GfE) für eine maximale Parkplatzzahl auf dem Neustädter Kirchplatz. Dafür war auch Walter Schmalzried (CDU): „Wir haben mehr Bedarf an Parkplatz als an Aufenthaltsraum für Bürger, die gar nicht da sind.“ Schmalzried möchte keine wertvolle Fläche verschenken. „Ich frage mich, wer sich dort aufhalten soll auf dem Platz?“, ätzte Dr. Reinhard Binder.

Nicht alle konzentrierten sich jedoch auf eine maximale Parkplatzzahl. „Ich sehe eine große Chance für einen Multifunktionsplatz“, sagte Klaus-Reiner Schütte (SPD). Einbeck habe zentral bereits viele Parkplätze. Das sah auch Dietmar Bartels (Grüne) so, Einbeck habe „wahnsinnig viele Parkplätze, die liegen nur gefühlt immer zu weit weg“. Auch Joachim Dörge (CDU) verstand die Debatte um die Parkplätze nicht, es seien immer nur ein paar Minuten des Weges von einem Parkplatz zu einem Geschäft. Man solle den Platz als Platz nutzen, nicht als Parkplatz, forderte Peter Osterloh, hinzugewähltes Ausschuss-Mitglied. „Es wird Zeit“, sagte Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU), entstehen könne ein schöner, freier, deutlich aufgewerteter Platz.

Ich bleibe optimistisch, dass der Platz tendenziell vor allem ein Platz bleibt, so wie das auch die Planorama-Profiplaner sich gedacht haben und wofür das Preisgericht vor Monaten einstimmig votiert hat. „Am Ende wird ein Kompromiss stehen“, sagte Maik Böhmer, Inhaber von Planorama. „Aber wir werben für unseren Ansatz.“ Aus dem Platz lasse sich viel herausholen. Wer jedoch Wettbewerbsergebnisse leichtfertig vom Tisch wischen will (weil er imgrunde meint, sowieso der bessere Stadtplaner zu sein), braucht keine Wettbewerbe auszuloben.

So könnte der Neustädter Kirchplatz einmal aussehen: Parkplätze im Süden, Bushaltestelle in Beverstraße und an der Hullerser Straße und mit viel Freifläche. (c) Planorama Berlin

So könnte der Neustädter Kirchplatz einmal aussehen: Parkplätze im Süden unter den vorhandenen Linden, Bushaltestellen für die verschiedenen Linien in der Benser Straße und an der Hullerser Straße entlang des Amtsgerichts und mit viel Freifläche, Brunnen, Baumhain und Pavillon im Norden. (c) Planorama, Berlin

Alternativloser Abriss

Am Sonnabend waren Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (links) und Tanja Fesser (Bauaufsicht Stadt Einbeck) vor Ort.

Am Sonnabend waren Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (links) und Tanja Fesser (Bauaufsicht Stadt Einbeck) vor Ort.

Seit dem Durchbruch einer Zwischendecke am Sonnabend und durch ein Schaufenster geschlagene Fachwerkbalken war es zu erwarten, seit heute Abend ist es Fakt: Das marode Fachwerkhaus in der Altendorfer Straße 26 neben der mit Containern gefüllten Brandlücke wird abgebrochen. „Ein Abriss ist unumgänglich“, sagte Bauamtsleiter Frithjof Look am Abend im Bauausschuss des Stadtrates. Heute fiel nach mehreren Begutachtungen durch Experten der Denkmalpflege, Bauaufsicht und des Gebäudemanagements der Stadtverwaltung die Entscheidung, im Rathaus liegen bereits zwei Angebote für einen Abbruch vor. Morgen werden die Anlieger informiert, die Straße bleibt bis Ende Juni gesperrt. Und bei aller Wertschätzung von Denkmalschutz mit Augenmaß: Der Abriss des schon lange leer stehenden Hauses, das bei dem Großbrand vor vier Jahren massiv in Mitleidenschaft gezogen wurde und seitdem kein Dach mehr hat, war imgrunde schon längere Zeit alternativlos. Wer hätte das Grundstück bei der kürzlich gestarteten (und seit gestern aufgehobenen) Interessenabfrage erworben mit der Auflage, dass die Fassade aber erhalten werden muss, obwohl das Gebäude als einsturzgefährdet klassifiziert war? Das hätte nicht nur die Kosten nach oben getrieben, sondern auch die baulichen Möglichkeiten, beide Grundstücke gemeinsam zu überplanen, unangemessen eingeschränkt. Eine Frage bleibt indes spannend: Wie hat es so weit überhaupt kommen können, dass vermutlich eingedrungenes Wasser den Lehm und die Balkenkonstruktion so feucht hat werden lassen und das Gebäude immer morscher wurde – letztlich durch die starken Regenfälle der vergangenen Wochen. Detlef Martin (SPD) stellte heute im Bauausschuss die entscheidende Frage: wer denn für die Überwachung der Dachfolie zuständig gewesen sei? Die ist, das hat die Feuerwehr am Sonnabend bei ihrer Sondierung von der Drehleiter bestens sehen können, nicht mehr überall dicht, zurückhaltend formuliert. Die Zuständigkeit obliege dem Eigentümer, die Bauaufsicht habe da nur begrenzte Möglichkeiten einzuschreiten, antwortete Frithjof Look auf die Frage des SPD-Ratsherrn. Dietmar Bartels (Grüne) hakte noch mal nach: Wer denn Eigentümer sei? Seit dem vergangenen Herbst ist das die Stadt Einbeck, so die Antwort. Spätestens bei der Übergabe des Gebäudes hätte es doch also auffallen müssen, dass die Folie nur noch begrenzt schützt, oder? Eigentum verpflichtet.

Die Altendorfer Straße in Einbeck in Höhe von Haus Nummer 26 ist voll gesperrt. Umleitungen sind eingerichtet.

Die Altendorfer Straße in Einbeck in Höhe von Haus Nummer 26 ist voll gesperrt. Umleitungen sind eingerichtet.

Nachtrag 14.06.2016, 22.10 Uhr: Der Abriss beginnt laut Bauamtsleiter Frithjof Look am Mittwoch (15. Juni 2016) und wird voraussichtlich bis Monatsende dauern. Der Auftrag wurde am Dienstag erteilt. Das Fachwerkgebäude abzureißen sei insbesondere durch die starken Regenfälle der vergangenen Wochen unumgänglich, erklärte Look in einer Presseinformation am Dienstag Abend. Am Montag haben die Untere Denkmalschutzbehörde und das Gebäudemanagement das Objekt mehrfach besichtigt und begutachtet – das alles in Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalschutz.

Nachtrag 17.06.2016: Der Abriss schreitet gut voran, laut Bauamtsleiter Frithjof Look liegt er im Zeitplan. Der kontrollierte
Abbruch des Gebäudes werde regelmäßig durch Mitarbeiter der im Rathaus zuständigen Sachgebiete (Untere Bauaufsichtsbehörde, Untere Denkmalbehörde, Gebäudemanagement) begleitet, um die Maßnahmen zu überwachen und auch etwaige Schäden an den Nachbargebäuden zu begutachten, heißt es in einer neuen Presseinformation. Bereits seit Sonnabend (11. Juni 2016) werde kontinuierlich das direkte Nachbargebäude Altendorfer Straße 28 durch die zuständigen Mitarbeiter der Stadt Einbeck in Augenschein genommen, die Außenwand von Innen und vom Dachboden aus begutachtet. Look: „Dabei sind keine Mängel aufgefallen, die die Standsicherheit der Außenwand beeinflussen würden.“ Die Bewohner wurden und werden über die aktuellen Maßnahmen am Nachbarhaus regelmäßig informiert, Mitarbeiter der Stadt stehen den Bewohnern darüber hinaus für Fragen zur Verfügung, erklärte der Bauamtsleiter.

Kaum 24 Stunden nach Beginn des Abrisses ist das Gebäude bereits fast Geschichte.

Kaum 24 Stunden nach Beginn des Abrisses ist das Gebäude bereits fast Geschichte.

 

Nachtrag 30.06.2016: Die Altendorfer Straße ist seit dem späten Nachmittag des 28. Juni wieder für den Verkehr freigegeben, der Abriss abgeschlossen. Zuletzt war die Giebelwand zum Nachbargebäude Nummer 28 mit Folie versehen worden.

Abriss abgeschlossen: die Brand- und Baulücke Altendorfer Straße 26 und 24 in Einbeck.

Abriss abgeschlossen: die Brand- und Baulücke Altendorfer Straße 26 und 24 in Einbeck.

Interesse am Lückenschluss?

Die zwei Grundstücke der Brandlücke Altendorfer Straße möchte die Stadt Einbeck verkaufen.

Die zwei Grundstücke der Brandlücke Altendorfer Straße möchte die Stadt Einbeck an Interessierte verkaufen.

Wer möchte die Lücke schließen? Wer hat Interesse? Eine Antwort erhofft sich die Stadt Einbeck für die Brandlücke in der Altendorfer Straße, zurzeit provisorisch durch einen Container mit Oldtimern gefüllt. Bis zum 30. September bittet die Verwaltung potenzielle Investoren, ihr Interesse zu bekunden; am 27. Juni um 10 Uhr findet eine Ortsbesichtigung statt. Die beiden, insgesamt rund 500 Quadratmeter großen Grundstücke Altendorfer Straße 24 und 26 befinden sich im Eigentum des Sanierungstreuhänders DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG der Stadt Einbeck und sollen zum Verkehrswert in Höhe von 37.500 Euro verkauft werden. Durch die Interessenabfrage erhoffen sich die Verantwortlichen im Rathaus, mögliche Investoren anzusprechen und unterschiedliche Ideen zu generieren, wie diese prominent sichtbare und sensible Stelle im Stadtbild und im städtebaulichen Gefüge des Sanierungsgebietes Neustadt-Möncheplatz wieder bebaut werden kann. Ausführliche Unterlagen hat die Stadtverwaltung hier zur Verfügung gestellt. Das Gebäude Altendorfer Straße 26, auf das beim Brand im August 2012 die Flammen übergeschlagen sind, gilt als einsturzgefährdet, die Bausubstanz zeigt laut Experten irreperable Schäden. Auflage an Interessierte ist jedoch, ebenso wie die denkmalgeschützten Keller und Nebengebäude des Grundstückes Altendorfer Straße 24, die Fachwerkfassade grundsätzlich zu erhalten; statisch sei das machbar. Der Neubau auf dem Grundstück Altendorfer Straße 24 soll in sich seiner Kubatur und äußeren Gestalt in die historische Gestalt einpassen, darf aber durchaus auch zeitgemäße architektonische Akzente setzen. Gefragt ist ein überzeugendes architektonisches und städtebauliches Konzept, heißt es in den Unterlagen. Das Verfahren soll letztlich auch klären, ob und unter welchen Bedingungen privatwirtschaftliche Investoren an der Planung, Modernisierung, Finanzierung und der Nutzung der bestehenden Gebäude interessiert sind. Die eingereichten Unterlagen werden nach Abgabefrist von der Stadt Einbeck geprüft und Anfang Oktober mit Vertretern aller Stadtrat-Fraktionen gemeinsam beraten. Entsprechende Beschlüsse sollen dann im Stadtentwicklungausschuss und abschließend im Verwaltungsausschuss getroffen werden.

Ich bin gespannt, ob sich unter den gestellten Prämissen mögliche Investoren finden, die nicht nur Geld, sondern auch Planungs- und Nutzungsideen investieren. Interessant scheint mir die Kombination mit Nachbargrundstücken im Sanierungsgebiet, beispielsweise dem so genannten ehemaligen Brennerei-Komplex Backofenstraße. Hoffentlich erweisen sich die Auflagen (Fassadenerhalt, Keller-Denkmale) nicht als conditio sine qua non. Denn gefragt ist hier wie andernorts Denkmalschutz mit Augenmaß: Nicht jeder Plan sollte um jeden Preis umgesetzt werden, aber besser es wird überhaupt etwas umgesetzt. Am Keller ist bereits die Nutzung einer anderen Brandlücke in Einbeck bislang gescheitert.

Diese weitere Brandlücke in der Einbecker Innenstadt wartet ebenfalls noch auf einen Interessierten, der die 2005 (!) durch einen Großbrand entstandene Lücke schließen will. In der Langen Brücke tut sich hinter dem Bauzaun seit langer Zeit nichts. Von Ideen, auf dem Grundstück einen Spielplatz einzurichten, hört man öffentlich ebenso wenig mehr wie von dem einstigen Vorschlag, dort einen Biergarten (provisorisch) anzulegen. CDU-Ratsherr Joachim Dörge hat auf seine jüngste Anfrage, doch wenigstens den Bauzaun zurück zu setzen, um eine Sitzgruppe an der Langen Brücke aufstellen zu können, aus dem Rathaus erfahren, dass dafür bauliche Maßnahmen erforderlich seien (Verfüllung Kellerschacht, Auskofferung und Einbau von Schottertragschicht, Herstellung der Anschlussflächen an die Nachbarhäuser). Haushaltsmittel seien dafür nicht vorhanden und auch bislang nicht beantragt, die nötigen Ausführungsplanungen nicht veranlasst worden.

Nachtrag 12.06.2016: Gestern gegen 15 Uhr ist eine Zwischendecke im Haus Altendorfer Straße 26 eingestürzt, Fachwerkbalken haben die Schaufensterscheibe durchschlagen. Polizei, Feuerwehr und Bauaufsicht der Stadt Einbeck waren vor Ort, auch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek verschaffte sich einen Überblick. Das Gebäude wurde weiträumig abgesperrt. Wie es weiter geht, soll sich am Montag entscheiden.

Einblicke in geförderten Städtebau

"Schroedter-Block" mit Fördergebiet-Plakat.

„Schroedter-Block“ mit Fördergebiet-Plakat.

In einem Monat bieten sich Interessierten Einblicke, die der breiten Öffentlichkeit so sonst nicht möglich sind: Am bundesweiten „Tag der Städtebauförderung“ gibt es auch in Einbeck ein vielfältiges Programm, darauf hat das Bauamt der Stadt Einbeck hingewiesen. „Alle Interessierten sind hierzu eingeladen“, würden sich Baurat Frithjof Look und sein Team über viele Besucher freuen. Die Veranstaltungen sind kostenlos. Das Programm in Einbeck startet um 9 Uhr im „Pavillion“-Gemeindehaus der Evangelischen Kirchegemeinde auf dem Neustädter Kirchplatz. Dort findet die Eröffnung der Veranstaltung statt, in der nochmals die Ergebnisse zum Wettbewerb „Neustädter Kirchplatz“ der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.

Möncheplatz mit "Schweden-Block" Lange Brücke 9-11 im Hintergrund.

Möncheplatz mit „Schweden-Block“ Lange Brücke 9-11 im Hintergrund.

Die Gruppe interessierter Besucher, der man sich jederzeit anschließen kann, zieht dann weiter in den Innenhof des „Schroedter-Blocks“ (Zugang über die Straße Hören). Hier wird ab 9.45 Uhr über die städtebaulichen Einzeluntersuchungen zu den Blöcken 15 („Schweden-Block“) und 21 („Schroedter-Block“) informiert und in lockerer Atmosphäre über die Möglichkeiten der Stadtsanierung berichtet. Das Team der „Einbecker Kulturbüros“ führt zudem neugierige Bürger durch ihre Büros im „Schroedter-Haus“. Sie wollen zeigen, wie durch künstlerische Interventionen und kreative Nutzungen ein Wohn- und Geschäftshaus neu belebt werden kann. Die Anlieger des „Schroedter-Blocks“, wie der Einbecker Blaudruck, das Café St. Spiritus und Radio Brödner unterstützen die Aktion.

Ab 11.30 Uhr führt der Hausherr und Bauingenieur Mathias Cortnum über „seine“ Baustelle (festes Schuhwerk wird benötigt) in der Altendorfer Straße 42. Zusammen mit den Mitarbeitern des Sachgebietes Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung soll über die Umbaumöglichkeiten und die Fördermöglichkeiten gesprochen werden.

Geben ein Benefizkonzert am 21. Mai: "Schall & Rauch". Foto: Schall & Rauch

„Schall & Rauch“ geben ein Benefizkonzert am 21. Mai in Einbeck. Foto: Schall & Rauch

Abends (Beginn 20 Uhr) lädt der Förderverein Alten Synagoge zu einem Benefizkonzert in die Alte Synagoge (Baustraße 15a) ein. Das Berliner Männer-Quartett „Schall & Rauch“ stellt die Musik der Comedian Harmonists in den Mittelpunkt. Dieses legendäre Sextett („Veronika, der Lenz ist da“) ist eines der musikalischen Vorbilder von „Schall & Rauch“ und hat Musikgeschichte geschrieben. Mit ihren komplexen und zugleich anspruchsvollen Vokal-Arrangements, garniert mit Instrumenten-Imitationen, gehören die Comedian Harmonists zu den wichtigen Wegbereitern der A-capella-Musik. Besonders traurig war das Ende der Comedian Harmonists: Drei der Sänger waren Juden und durften Mitte der 1930-er Jahre nicht mehr auftreten, die Formation trennte sich. Für das abendliche Konzert ist der Eintritt frei, es wird anschließend um eine Spende gebeten.

Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist Vorsitzender des Fördervereins Alte Synagoge in Einbeck e.V.