Wer für das Jugendparlament kandidiert

20 junge Menschen kandidieren für die 14 Sitze im neuen Jugendparlament. Einbecks Jugendliche zeigen damit anders als in anderen Städten großes Interesse, sich bei der neuen Form der Jugendbeteiligung einzubringen, freuen sich die Organisatoren rund um die Stadtjugendpflege.

Henrik Probst in der Multifunktionhalle. Foto: privat

Sie begleiteten die Endphase der Bewerbungsfrist mit hohem Werbeaufwand in allen Medien, da die persönliche Ansprache der Jugendlichen in der Corona-Zeit schwer war. Der Wahlausschuss, bestehend aus Teilnehmern des Hauses der Jugend, des Stadtjugendrings, der „Jungen Linde“ und der IGS Einbeck, prüfte zusammen mit Wahlleiter Henrik Probst vergangene Woche die Wahlvorschläge und erteilte sämtlichen 20 Bewerberinnen und Bewerbern die Zulassung zur Wahl. 

Kurze Bewerbungstexte, Statements und Ziele der Kandidierenden sind auf der künftigen Website des Parlaments unter www.jupa-einbeck.de öffentlich zugänglich. Das Online-Wahltool wird auf dieser Seite am 28. Juni freigeschaltet. Jeder und jede Jugendliche aus der Kernstadt und den Ortsteilen, der/die am ersten Wahltag zwischen 13 und 17 Jahre alt ist, kann einer Kandidatin oder einem Kandidaten im Wahlzeitraum vom 28. Juni bis 4. Juli  genau einmal eine Stimme geben. Hierzu ist den Jugendlichen Ende April eine offizielle Wahlbenachrichtigung per Post zugegangen, die einen zehnstelligen Wahlcode enthält, der nicht übertragbar ist und nur mit dem Namen verbunden eingesetzt werden kann. Sollte das offizielle Schreiben aus irgendwelchen Gründen abhanden gekommen sein und der Code nicht mehr zur Verfügung stehen, können sich die Jugendlichen von der Stadtjugendpflege Einbeck den persönlichen Code nochmals zusenden lassen. Hierzu reicht eine kurze E-Mail an hprobst@einbeck.de oder ein Anruf unter 05561 916419

Die erste konstituierende Sitzung des neu gewählten Jugendparlaments mit den 14 Parlamentariern, die die meisten Stimmen erhalten haben, soll dann auch noch vor den Sommerferien stattfinden. Der Stadtrat wird die bereits beschlossene Satzung am 23. Juni noch einmal redaktionell anpassen.

Die Geschäftsstelle und Zentrale des Jugendparlaments wird in der „Jungen Linde“ am Hubeweg eingerichtet. Die öffentlichen Sitzungen werden im Haus der Jugend oder in der Multifunktionshalle durchgeführt. Die Organisatoren des Jugendparlaments appellieren an die 1318 Wahlberechtigten, ihre Chance zur demokratischen Mitbestimmung zu nutzen und im Wahlzeitraum ihre Stimme für einen Kandidaten oder eine Kandidatin abzugeben, heißt es in einer Pressemitteilung.

Darüber, warum Jugendparlamente eine Chance für die Demokratie sein können, spricht der FDP-Landtagsabgeordnete und Landratskandidat Christian Grascha in einem Webtalk unter anderem mit Stadtjugendpfleger Henrik Probst. Grascha: „Die Partizipation von jungen Menschen an unserer Demokratie ist wichtig. Das gilt vor allem auch für die Kommunalpolitik, weil hier Entscheidungen unmittelbare Auswirkungen auf die Gegebenheiten vor Ort haben. Deswegen müssen junge Menschen mitreden können.“ Jugendparlamente seien ein erster Schritt dazu. Besonders die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Kinder und Jugendliche sehr in ihren Rechten eingeschränkt worden seien. Junge Menschen lernen in Jugendparlamenten, wie es zu Entscheidungen komme und welche Wirkungen Entscheidungen hätten, heißt es in einer Presseinformation von Christian Grascha. Gast im Webtalk ist neben Henrik Probst auch Florian Fechner, einer der weiteren Initiatoren und Lehrkraft an der IGS in Einbeck. Der Webtalk beginnt am Dienstag, 15. Juni, um 20 Uhr – und endet pünktlich um 21 Uhr enden, damit die, die wollen, das Vorrundenspiel Deutschland gegen Frankreich im TV sehen können. Der Webtalk findet via Zoom (!) statt, nicht wie bisher via Skype.

Downhill-Diskussion nimmt an Fahrt auf

Die Diskussion über mögliche Downhill-Strecken in Einbeck nimmt an Fahrt auf. Nur wenige Tage nach der Debatte im zuständigen Ratsausschuss, in dem der SPD-Antrag breite politische Rückendeckung erhalten hatte, kann Stadtjugendpfleger Henrik Probst erste Erfolge vermelden. Ein Brainstorming einer Expertenrunde aus der Mountainbike-Szene per Videokonferenz habe viele gute Ergebnisse und Anregungen gebracht, berichtet Probst. Der vermutlich schwerere Teil der von der Politik beauftragten Debatte dürfte freilich noch vor den Fans des Downhill-Sports liegen. Denn jetzt geht es darum, die Fachleute aus Forst und Naturschutz mit ins Boot zu holen und in die konkreten Planungen einzubeziehen und zwischen den Interessen der Sportbegeisterten und den Auflagen des Naturschutzes auszugleichen.

Die Resonanz der Mountainbike-Szene auf die SPD-Initiative war sehr groß, berichtet Probst. Alle Interessierten, die sich über die sozialen Medien und per E-Mail an die Stadtjugendpflege gewandt hatten, seien zu einer ersten Videokonferenz eingeladen worden. Mit Unterstützung von Ryan Meister, dem Spezialisten für dieses Thema aus dem Haus der Jugend, konnte der Stadtjugendpfleger insgesamt zwölf Experten aus der lokalen Mountainbike-Szene online begrüßen.

Es sei schnell klar geworden, dass es eine absolute Herzensangelegenheit sei, ihren Sport in Einbeck ausüben zu können und professionelle Strecken einzurichten, die für alle Einbecker Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein attraktives Szenario bieten, aber auch über die Grenzen von Einbeck hinaus auf reges Interesse stoßen werden.

Einzelne mögliche Streckenvarianten wurden in der Videokonferenz mit dem Ziel diskutiert, den jetzigen Wildwuchs an so genannten Trails einzuschränken und in mehrere von Experten so genannte Lines mit unterschiedlichem Charakter und Schwierigkeitsgraden zu kanalisieren. Beispielsweise soll es eine „Downhillstrecke“ geben, auf der man mit Tempo und verschiedenen sicher angelegten Sprüngen eine Abfahrtsstrecke gegen die Zeit zurücklegt. Außerdem einen „Enduro-Trail“, auf dem man weitestgehend naturbelassen, aber ausschließlich mit dem Mountainbike unterwegs sein kann. Die Hauptline soll dann noch verschiedene Abzweige mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen bekommen, so dass hier allen Altersgruppen je nach Können Spaß und Herausforderung geboten werden kann. Außerdem ist ein „Flowtrail“ angedacht, berichtete Henrik Probst, der mit speziellen Steilkurven und Wellen gebaut werde und ein flüssiges Fahrgefühl im Wald fast wie auf der Achterbahn biete.

Eine weitere Idee ist der Bau eines so genannten Pumptracks im Stadtgebiet. Der ebenfalls mit Wellen und Kurven angelegte kompakte, geschlossene Rundkurs aus Asphalt oder Beton kann mit allem, was Rollen und Räder hat, befahren werden.

Die Expertengruppe will sich jetzt regelmäßig online treffen, um die Planungen möglichst schnell auf den Weg zu bringen. Außerdem werden die Kinder- und Jugendlichen, die regelmäßig auf den verschiedenen Strecken im Einbecker Stadtwald und am Kirschenberg unterwegs sind, über die Jugendplattform der Stadtjugendpflege www.jup-einbeck.de (dort gibts auch ein Video und eine Karte, wo die Strecken liegen könnten) und in virtuellen Planungskonferenzen einbezogen, kündigte Probst an.

Downhill-Fahrer in der Umgebung von Einbeck. Foto: Stadtjugendpflege Einbeck

Auf dem Weg zum Jugendparlament

Einbeck ist auf dem weiten Weg zu einem Jugendparlament einen Schritt weiter, jedenfalls einen kleinen. Der zuständige Fachausschuss des Stadtrates hat gestern einstimmig beschlossen, die Stadtjugendpflege eine Satzung für das erste Einbecker Jugendparlament mit Projektpartnern und den Jugendlichen aus dem Wahlpflichtkurs Gesellschaftslehre der IGS Einbeck entwickeln zu lassen. Im Frühjahr 2021 könnten Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren dann ihr Parlament wählen.

Neu ist die Diskussion nicht, ob Einbeck entsprechend zum Seniorenrat auch eine gewählte Vertretung von Jugendlichen bekommen sollte. Schon 2014 gab es dazu Ideen, auch und gerade im Zusammenhang mit dem neuen Standort für das Haus der Jugend. Zuletzt gab es Beteiligungsprojekte für Jugendliche, wie etwa für Grundschüler oder aber „Pimp your town“ für ältere Jugendliche Ende 2019.

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) erinnerte an frühere Vorstöße ihrer Fraktion bei dem Thema Jugendparlament. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, befand sie. Die Motivation sei gut, weil die Initiative von Jugendlichen selbst komme. Und das ist der Fall: Im Wahlpflichtkurs Gesellschaftslehre der IGS Einbeck haben sich die Mädchen und Jungen mit dem Kinderrecht auf Partizipation auseinandergesetzt und daraus die Idee eines Jugendparlaments in Einbeck entwickelt. Dafür gab’s schon 2019 den dritten Platz beim Jugendpreis des Landkreises Northeim. IGS-Lehrer Florian Fechner berichtete, dass ein Schüler zurzeit ehrenamtlich das Voting-Tool und die Online-Plattform für das Jugendparlament programmiere, gerade auch dieses Engagement solle man nutzen. Die „Junge Linde“ Einbeck möchte als Kooperationspartner die Gründung des Jugendparlaments unterstützen und später das Parlament politisch und pädagogisch begleiten.

„Toll, dass die IGS Vorreiter ist“, sagte Gitta Kunzi (SPD). Ideen der jungen Leute aus den bisherigen Beteiligungsprojekten wie „Pimp your town“ seien ja bislang leider nicht umgesetzt worden, „dann werden Jugendliche mutlos“, kritisierte Kunzi. Das könne durch ein Jugendparlament verbessert werden, denn bei einem stetigen Parlament könnten Themen immer wieder aufgegriffen werden, sagten Stadtjugendpfleger Henrik Probst und IGS-Lehrer Florian Fechner. Bis sie schließlich umgesetzt sind.

Die Planungen sehen vor, dass nach der erarbeiteten Satzung im Frühjahr 2021 eine Wahl für das erste Einbecker Jugendparlament stattfinden kann. Zur Wahl können sich dann alle interessierten Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren stellen, die entweder ihren ersten Wohnsitz in Einbeck haben oder die eine weiterführende Schule in Einbeck besuchen. Die Kandidaten können sich per E-Mail mit einem kurzen Wahlprogramm bewerben, welches auf der Internetseite des Jugendparlaments vorgestellt wird. Die zwölf Kandidaten mit den meisten Stimmen werden zu Abgeordneten des Jugendparlaments, der Kandidat oder die Kandidatin mit den meisten Stimmen zum Jugendbürgermeister ernannt. Die Wahl soll auf der Online-Plattform des Jugendparlaments stattfinden.

Wie funktioniert Politik in Einbeck?

Großes Interesse: Schüler aus allen Einbecker Grundschulen besuchten die Veranstaltung in der Rathaushalle.

Stimmenabgabe für die simulierte Wahl, Stadtjugendpfleger Henrik Probst sammelte mit einer Pappbox die Zettel ein.

Wie funktioniert Politik in Einbeck? Eine erschöpfende Antwort auf diese Frage wünscht sich jeder manchmal, der auch nur ein wenig Kommunalpolitik in Einbeck beobachtet. Egal wie alt er ist. Alle Schüler der 4. Klassen aus allen Einbecker Grundschulen in der Kernstadt wie in den Dörfern machten diese Frage jetzt zu ihrem Motto. 230 Kinder haben sich bei zwei Demokratie-Veranstaltungen der Stadtjugendpflege Einbeck in Kooperation mit dem Institut für Demokratieforschung Göttingen mit dem Einbecker Stadtrat beschäftigt. Wer sind die Ratsmitglieder? Kenne ich die? Was machen die überhaupt? Wer kümmert sich um was? Kann ich mit denen einfach so reden? Wie sieht’s im Rathaus aus? Ziel des Projektes war, das politische Interesse der Kinder früh zu fördern und eine politische Transparenz auf kommunaler Ebene für die Kinder zu entwickeln. Die Kinder sollen merken, dass auch ihre Anliegen in der Kommunalpolitik unmittelbar Gehör finden können. Schon seit Jahren gibt es die – bislang leider noch nicht umgesetzte – Idee, über ein Jugendparlament vergleichbar dem Seniorenrat die junge Generation an der politischen Willensbildung zu beteiligen. Vielleicht gibt’s dafür jetzt neuen Schub.

Mehrere Mitglieder des Stadtrates stellten sich im Alten Rathaus bei den zwei Veranstaltungen den Fragen der Kinder, die teilweise von diesen zuvor im Unterricht vorbereitet worden waren. Nach einer ersten Gesprächsrunde in großet Runde und den ersten Stellungnahmen der Kommunalpolitiker fand eine simulierte Wahl statt. Bei den Kernstadt-Schulen schaffte die CDU 45 Prozent, die Grünen erreichten 29 Prozent, die SPD 25 Prozent, die FDP drei Prozent. Bei den Dorf-Grundschulen erzielte die CDU 35 Prozent, ebenso viel wie die SPD, die Grünen kamen auf 20 Prozent, die Bürgerliste erreichte zehn Prozent der Kinder-Stimmen.

In Kleingruppen hatten die Kinder anschließend die Möglichkeit, mit den einzelnen Ratsmitgliedern noch direkter zu sprechen, weitere Fragen zu stellen und konkrete Wünsche zu äußern. Auf dem Zettel, der anschließend zusammengestellt wurde, stand bei den Dorf-Grundschulen unter anderem schnelleres Internet, mehr Sitzplätze in Schulbussen, sauberere Toiletten in den Schulen, neues Schulmobiliar oder Winterspielgeräte auf dem Schulhof. Die Grundschüler aus der Kernstadt schrieben ebenfalls sauberere Schultoiletten auf ihren Wunschzettel, aber beispielsweise auch die Idee für ein neues Schwimmbad in der Teichenwegsschule, einen Fußballkäfig für den Schulhof, Trampolin und Lasertech für die neue Mehrzweckhalle oder gleich ein „Jumphouse“, mehr Personal für schnellere Essensausgaben in der Schulmensa, weniger Verkehr und mehr Elektroautos.

„Ich bin überrascht, wie interessiert ihr bei der Sache gewesen seid“, zog Dietmar Bartels (Grüne) ein Fazit. Lokale Themen würden durchaus großes Interesse bei den Kindern wecken. „Vieles würde nicht Millionen kosten“, sagte Gitta Kunzi (SPD) über die durchaus auch bescheidenen Wünsche der Kinder an die Politik. Dass die Verbesserung der Situation auf den Schul-WCs ein brennendes Thema für alle Schüler ist, nahmen die Politiker aus den Veranstaltungen mit. Dirk Ebrecht (CDU) hat sich bei den Gesprächen mit den Kindern durchaus auch an den Stadtrat erinnert gefühlt, wie er sagte, wo es auch immer viele wichtige Themen gebe, aber nicht alles gleichzeitig realisierbar sei und man nach Wichtigkeit sortieren müsse. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sagte, sie habe an dem Vormittag viel gelernt; sie wünschte sich eine Wiederholung der Veranstaltungen für die heutigen 3. Klassen in einem Jahr.

Deutlich wurde an den von Birgit Redlich vom Institut für Demokratieforschung moderierten Vormittagen, dass sich Kinder sehr wohl schon für Politik-Themen interessieren, selbst wenn sie noch nicht selbst wählen können. Schließlich sind sie auch unmittelbar von Politik-Entscheidungen betroffen. Dieses Interesse könnte im Unterricht für die Schüler stärker aufgegriffen werden. Weil die Kinder erfahren und erleben sollen, dass auch sie eine politische Partizipationsmöglichkeit haben und ihre Anliegen ernst genommen werden, wurde ein Projektprotokoll angefertigt; die inhaltlichen Ergebnisse werden in den Fraktionen des Stadtrates in den nächsten Monaten diskutiert und dann in den zuständigen Fachausschüssen behandelt. Darauf kann man gespannt sein.

Nachtrag 23.11.2018: Im Jugendausschuss berichtete gestern Stadtjugendpfleger Henrik Probst über das Projekt, das auf Initiative der SPD zustande gekommen war. Es habe sich gezeigt, dass die Methode für Kinder der 4. Klassen geeignet sei und dass die politische Wahrnehmung der Kinder über ihre alltägliche Lebenswelt hinaus gehe. Die Kinder seien interessiert an Personen wie an politischen Prozessen gewesen und hätten sehr realitätsbezogene Wünsche und Anregungen geäußert, sagte Probst. Die Politiker, die an den zwei Veranstaltungen teilgenommen hatten, seien sehr beeindruckt vom politische Verständnis der Kinder gewesen und hätten die Anregungen genutzt, um ihre parteipolitischen Inhalte zu erweitern, berichtete der Stadtjugendpfleger. Es hätten sich unterschiedliche Wünsche von Kinder aus den Ortschaften und aus der Kernstadt gezeigt. Das könne man so scharf nicht (mehr) trennen, besuchten doch viele Dorfkinder aus einigen Ortschaften inzwischen Kernstadtschulen, gab Antje Sölter (CDU) zu Bedenken. Im Ausschuss fand das Projekt aber allgemeines großes Lob, eine Fortsetzung mit dem Jugendbeteiligungs-Projekt „Pimp your town“ sei wünschenswert. „Wir müssen jetzt den zweiten Schritt gehen und die Wünsche der Kinder nicht vergessen“, sagte Gitta Kunzi (SPD). Dr. Marion Villmar-Doebeling (FDP) erkannte Hausaufgaben für den Schulausschuss was die Verbesserung der Toilettensituation in den Schulen betrifft. Beatrix Tappe-Rostalski (CDU) lobte fraktionsübergreifend: „Das war ein sehr guter Antrag der SPD.“ Eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltungen wird die Ratsfraktionen noch erreichen.

Standen Rede und Antwort (v.l.): Dietmar Bartels (Grüne), Bürgermeisterin-Vertreter Dr. Florian Schröder, Gitta Kunzi (SPD), Dirk Ebrecht (CDU), Reinhard Brinckmann (Bürgerliste Kreiensen).

Diskutierten am Donnerstag mit den Kindern (v.l.): Dr. Marion Villmar-Doebeling (FDP), Beatrix Tappe-Rostalski (CDU), Christine Jordan (SPD), Dietmar Bartels (Grüne) und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Verbal umarmt

Die Gewinner des Jugendpreises 2016 des Stadtjugendrings Einbeck.

Noch einmal verbal umarmt haben die Sozialdemokraten alle Preisträger des vom Stadtjugendring Einbeck verliehenen Jugendpreises 2016. „Ohne sie würde in Einbeck etwas fehlen“, lauteten Lob und Glückwunsch in einer Pressemitteilung der SPD (PM_Jugendpreisträger SPD). Der Stadtjugendring könne sich auf die Unterstützung seiner weiteren Arbeit verlassen, erklärten die Sozialdemokraten jetzt via Presseinformation. Was sie nicht schreiben: Während der Verleihungsfeier hatte der stellvertretende Bürgermeister Marcus Seidel (SPD) im Namen der Stadt und damit auch im Namen der anderen Ratsfraktionen erklärt, dass man die Abgabe des Freizeitgeländes Rotenkirchen durch den Stadtjugendring sehr ernst nehme. Dieser hatte in seiner jüngsten Mitgliederversammlung beschlossen, sich von dem Areal zu trennen, weil Unterhaltung und vor allem Sanierung zu teuer für die Vereinigung von 65 Jugendverbänden sind. „Wir werden alles tun, um eine vernünftige Lösung zu erreichen“, versprach Seidel bei der Jugendpreis-Verleihungsfeier. „Es ist noch nicht alles verloren.“

Haus der Jugend: Was lange währt…

Ortstermin des Jugendausschusses auf der Baustelle: Henrik Probst (l.) erläutert das Vorhaben.

Ortstermin des Jugendausschusses auf der Baustelle: Stadtjugendpfleger Henrik Probst (l.) erläutert das Vorhaben.

Das neue Haus der Jugend soll am 11. Juni mit einer Eröffnungsfeier seinen Betrieb aufnehmen. Das sagte Stadtjugendpfleger Henrik Probst bei einem Ortstermin des Jugendausschusses auf der Baustelle am Kohnser Weg. Das neue Jugend- und Sportzentrum würde damit gut zwei Jahre nach der Standortentscheidung an den Start gehen. Wann östlich des ehemaligen Flüchtlingswohnheims eine Multifunktionshalle angebaut wird, hängt von der Finanzierung ab. Von den Kosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro sollen 800.000 Euro aus Fördermitteln bezahlt werden, wann und ob diese fließen, entscheidet sich laut Probst im Mai. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll dann außerdem noch das zweite der ehemaligen Wohnheime zu einem Jugendgästehaus umgebaut werden. Der Stadtjugendpfleger zeigte beim Ortstermin auf der Baustelle den Kommunalpolitikern und interessierten Bürgern die Räume und erläuterte die Arbeiten, die bereits erledigt worden sind – und die, die bis zur Eröffnung in den nächsten acht Wochen noch folgen müssen. Außer einem großen, multifunktional nutzbaren Café im Erdgeschoss mit Küche (die Theke soll die Optik einer Lkw-Kühlerhaube bekommen) gibt es im neuen Haus der Jugend verschiedene Räume für Vereine, Fitness und Sport. In mehreren Räumen mit einem benachbarten Tonstudio können verschiedene Bands proben. Neben den beteiligten Handwerkern sind auch die späteren Nutzer auf der Baustelle aktiv gewesen: Musiker, Zierfischfreunde, Kickboxer und Amateurfunker haben Tapeten abgerissen und damit geholfen Kosten zu senken. Großzügig sind die Toilettenanlagen im neuen Haus der Jugend dimensioniert. Sie wurden allerdings gleich so geplant, dass sie auch von Besuchern der vorgesehenen Multifunktionshalle mit genutzt werden können.

Im neuen Haus der Jugend (v.l.): Dr. Wolfgang Auer, Margrit Cludius-Brandt, Rolf Hojnatzki, Henrik Probst, Bettina Hillmer, Eunice Schenitzki, Gitta Kunzi. Foto: SPD

Im neuen Haus der Jugend (v.l.): Dr. Wolfgang Auer, Margrit Cludius-Brandt, Rolf Hojnatzki, Henrik Probst, Bettina Hillmer, Eunice Schenitzki, Gitta Kunzi. Foto: SPD

Bevor sich der Jugendausschuss des Einbecker Stadtrates vor Ort einen Eindruck von den auf der Zielgerade befindlichen Bauarbeiten für das neue Haus der Jugend verschaffte, hatte bereits am Nachmittag des 10. März die SPD-Ratsfraktion die zwischenzeitlichen Fortschritte der Baumaßnahme in Augenschein genommen. Die Grundstrukturen seien fertig, Heizung und Licht installiert, teilen die Sozialdemokraten via Presseinfo mit. Die Jugendlichen und die im Haus untergebrachten Gruppen hätten sich nach ihren Möglichkeiten an den Vorarbeiten der Renovierungsmaßnahmen beteiligt und seien nach Aussagen des Stadtjugendpflegers mit Eifer dabei. „Auch wenn noch etwas Phantasie nötig war, sich den fertigen Bau und die Einrichtung vorzustellen, gelang es Stadtjugendpfleger Henrik Probst den anwesenden Politikern in plastischen Schilderungen die einzelnen Räumlichkeiten und den zu erwartenden Endzustand zu beschreiben“, schreibt die SPD. Gerade die vorgesehene Außenterrasse und der Balkon werde den strengen Baukörper auflockern, waren sich die Anwesenden einig. Bis zur geplanten Eröffnung im Mai müsse allerdings noch viel passieren. Auch das Außengelände sei noch eine Herausforderung für alle Akteure. Nach dem langen Weg bis zum neuen Haus der Jugend könne man jetzt Fortschritte erkennen und sich auf den Umzug und die Eröffnung freuen, meint die SPD.

(Aktualisiert: 23.03.2016, 19:15 Uhr)

Am Rande der Stadt: Im Gebäude links der einstigen Flüchtlingswohnheime am Kohnser Weg entsteht das neue Haus der Jugend.

Am Rande der Stadt Einbeck: Im Gebäude links der einstigen zwei Flüchtlingswohnheime am Kohnser Weg entsteht das neue Haus der Jugend.

Nachtrag 06.04.2016: Laut einer Pressemitteilung des zuständigen Ministeriums in Hannover bekommt die Stadt Einbeck für das Jahr 2016 Städtebau-Fördermittel aus dem Programm „Kleine Städte und Gemeinden“ in Höhe von einer Million Euro. Wie Bauamtsleiter Frithjof Look heute in einer Pressemitteilung (PM_KSG_06042016) ergänzte, wird das Geld für die beantragten Maßnahmen „Jugendgästehaus (Umnutzung/Ergänzung einer Bestandsimmobilie)“ und „Multifunktionshalle Einbeck (Neubau)“ bereitgestellt – allerdings erst, wenn „in den nächsten Monaten“ der offizielle, schriftliche  Erlass im Rathaus vorliegt. Außerdem werde erfahrungsgemäß das Fördergeld auf mehrere Haushaltsjahre verteilt, dies müsse bei der Realisierung bedacht werden, erklärte Look. Zudem sei die Multifunktionshalle noch nicht ausfinanziert. Eine erneute Anmeldung für die restlichen Fördermittel (22.000 Euro) sei für das Programmjahr 2017 zu stellen. Damit dürfte es unterm Strich noch einige Zeit dauern, bis die Bagger anrücken und eine Multifunktionshalle bauen.

Unter jungen Linden

Einst von August Stukenbrok erbaut, soll die wunderbare Villa ein Freizeittreff für Jugendliche werden.

Einst von August Stukenbrok erbaut, soll die wunderbare Villa ein Freizeittreff für Jugendliche werden.

Während andernorts in Einbeck am neuen Haus der Jugend intensiv gehämmert und gemalert wird und die Bauarbeiten für die im Frühjahr vorgesehene Eröffnung auf die Zielgerade biegen, hat jetzt ein anderes Haus für Jugendliche etwas mehr Licht der Öffentlichkeit bekommen – und dort wird im Innern auch kräftig gewerkelt. Im Kulturausschuss haben Martin Keil und Volker Stix das Projekt „Junge Linde“ vorgestellt. Am Hubeweg direkt gegenüber vom Neuen Rathaus und mit Blick auf einen wieder weißen Rathaus-Giebel entsteht in der alten Jugendstil-Villa eine Begegnungsstätte für junge und jung gebliebene Menschen, so das Ziel. Das denkmalgeschützte Haus konnte über eine Eigentümergemeinschaft erworben werden, berichtete Martin Keil. Betreiber ist der Verein Kulturfreunde Tangobrücke. Wichtig ist den Machern ein Angebot, das komplementär zum Haus der Jugend ist. Es soll also ergänzen. Eine laute Disko werde es in der „Jungen Linde“ ganz sicher nicht geben, sagte Keil. Das sei eher etwas für das Haus der Jugend oder die geplante benachbarte Mehrweckhalle am Kohnser Weg, also am Stadtrand. Die „freie Zeit Hütte“, wie das Projekt sich im Untertitel salopp nennt, will Jugendlichen ein Treffpunkt sein, beispielsweise nach der Schule (auf dem Weg zurück zum ZOB), oder bei Freistunden für Goetheschüler. Die Schüler könne man hier zentraler erreichen als am Kohnser Weg, dorthin gehe niemand für eine halbe Stunde, sagte Volker Stix. Die „Junge Linde“ ist außerdem als Ort der aktiven Integration konzeptioniert, an dem kurzfristig auch Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen werden soll. Das Projekt soll von den Nutzern so weit wie möglich selbst verwaltet werden, betreut durch vor Ort wohnende „Schlüsselverantwortliche“.

Im Kulturausschuss stellten Martin Keil (2.v.r.) und Volker Stix (r.) das Projekt vor.

Im Kulturausschuss stellten Martin Keil (2.v.r.) und Volker Stix (r.) das Projekt vor.

Bewusst provokant fragte Bernd Huwald (CDU) in der Kulturausschuss-Sitzung, warum Jugendliche noch ins Haus der Jugend gehen sollten, in das die Stadt Einbeck ja nicht unerhebliche Geldbeträge aus dem Haushalt investiere. Findet in der „Jungen Linde“ die gepflegte Jugendarbeit statt – und im Haus der Jugend draußen ist Krawall, wie es Huwald provokativ formulierte? Das verneinten die Macher der „Jungen Linde“ energisch. Mit dem Stadtjugendpfleger habe man intensiv gesprochen, sagte Martin Keil. Ziel sei, eine Vielfalt für Jugendliche zu schaffen, es gebe ja auch nicht nur das eine „Haus für Erwachsene“ in Einbeck. Parallelstrukturen wolle man nicht schaffen, vielmehr durch intensive Netzwerkarbeit mit lokalen Vereinen, Schulen und Initiativen die Szenerie beleben.

Dr. Reinhard Binder (FDP) fand es wichtig, dass durch die Ausführungen Martin Keils die Befürchtung entkräftet worden sei, dass die „Junge Linde“ Konkurrenz zur Stadtjugendpflege sein wolle. Rainer Koch (GfE) sagte die Unterstützung seiner Fraktion zu, die „Junge Linde“ könne ein zusätzlicher Baustein für Jugendkultur in Einbeck sein. Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) sah bei allem positiven Engagement für einen Treffpunkt in zentraler Lage die Gefahr, dass durch unterschiedliche Jugendzentren verschiedene gesellschaftliche Gruppen angesprochen werden und sich auseinander entwickeln. Das dürfe nicht passieren.

Bei allem Wohlwollen und trotz aller Beteuerungen muss die Frage erlaubt sein, ob hier nicht doch durch die im aktiven Betrieb später einsetzende normative Kraft des Faktischen Parallel- und Konkurrenzstrukturen geschaffen werden, aus welcher Motivation auch immer. Weil die Standortentscheidung für das neue Haus der Jugend einigen bis heute nicht passt? Schade übrigens, dass der mehrfach angesprochene Stadtjugendpfleger Henrik Probst im Kulturausschuss keine Gelegenheit hatte, sich aus seiner Sicht zu dem Thema zu äußern. Aber sicherlich lag das nur einzig und allein daran, weil das Projekt nicht in „seinem“ Ausschuss, dem für Jugend, präsentiert wurde (warum eigentlich?), sondern im Kulturausschuss, in dem der Stadtjugendpfleger kein Mitglied ist. Oder?

Der Ausschuss für Jugend, Familie und Soziales besichtigt übrigens vor seiner nächsten Sitzung am 22. März um 16.30 Uhr die Baustelle Haus der Jugend am Kohnser Weg. Von der „Jungen Linde“ ist dort auf der Tagesordnung keine Rede…

Am Hubeweg in direkter Nähe zum Neuen Rathaus und am Schulweg vieler Jugendlicher liegt die "Junge Linde".

Am Hubeweg in direkter Nähe zum Neuen Rathaus und am Schulweg vieler Jugendlicher liegt die „Junge Linde“.

Arbeit über und mit Einbecker Jugend

Mit dem neuen Standort für das Haus der Jugend möchte sich auch die Jugendarbeit in Einbeck neu aufstellen. Stadtjugendpfleger Henrik Probst skizzierte heute im Jugend-Ausschuss des Stadtrates erstmals, wie die Arbeit mit Jugendlichen mit ihren gesetzlich vorgegebenen Aufgabenbereichen personell neu konzipiert werden soll. Insgesamt sollen zukünftig sechs Mitarbeiter im Team der Stadtjugendpflege mit unterschiedlichen Aufgabengebieten beschäftigt werden (Organigramm: Jugendarbeit Einbeck MitarbeiterundAufgabenstruktur). Henrik Probst als Leiter der Jugendpflege übernimmt bis auf Weiteres auch die Leitung des Hauses der Jugend. Die bisherige Stelle der Jugendpflege Kreiensen wird in dieses Team der Jugendarbeit integriert – mit einem Aufgabenschwerpunkt für die Jugendarbeit in der ehemaligen Gemeinde Kreiensen. Die Stellenbesetzung steht unmittelbar vor dem Abschluss; der bisherige Jugendpfleger Eckhard Rutha geht Ende Januar in den Ruhestand. Der neue Jugendpfleger soll vorrangig das Büro im Rathaus Kreiensen nutzen und auch in den Jugendräumen der ehemaligen Gemeinde als Ansprechpartner für die Jugendlichen präsent sein. Neu in das Team der Jugendpflege soll Fritz Hoffmann als „pädagogischer Hausmeister“ und als Betreuer eines Reparaturcafes für Jugendliche am neuen Standort des Hauses der Jugend aufgenommen werden. Schon seit Juli ist Hoffmann als Krankheitsvertretung für die „offene Arbeit“ im Haus der Jugend tätig.

Die künftigen inhaltlichen Schwerpunkte sollen sich an einer repräsentativen Jugendstudie orientieren, für die der Ausschuss heute einstimmig grünes Licht gegeben hat und für die die Hochschule Holzminden der HAWK gewonnen werden konnte. Mit Beginn des neuen Jahres starten die Befragungen und Interviews hierzu. Erste Feldstudien seien aber bereits jetzt in Arbeit, es sollen mehrere Bachelor- und Masterarbeiten für die Studie entstehen, berichtete Henrik Probst. Zum Wintersemester 2015 sei mit Ergebnissen zu rechnen. Dann habe man eine qualifizierte Erhebung mit wissenschaftlichem Wert, die sei wichtig für die Jugendarbeit in Einbeck. Probst: „Da freue ich mich schon drauf.“

Ein interessantes Ergebnis dürften Aussagen darüber sein, wie Jugendliche politisch sinnvoll und nach ihren Wünschen beteiligt werden können, Stichwort Jugendparlament. Ein politisches Gegengewicht zum starken Seniorenrat ist wünschenswert für eine Stadt, in der Politik für alle Generationen gemacht wird. Aber natürlich nur, wenn dies die Jugendlichen selbst wollen und mitmachen. In einer temporär aktiven Facebook-Gruppe dürfte sich das nicht erschöpfen.

Nicole Mölder.

Nicole Mölder.

Nachtrag 20.01.2015/28.01.2015: Nicole Mölder wird zum 1. Februar 2015 neue Jugendpflegerin mit Schwerpunkt Kreiensen. Das wurde mir heute im Rathaus bestätigt. Die 37-jährige Sozialpädagogin aus Lüthorst war bislang als Schulsozialarbeiterin an der Haupt- und Realschule Eschershausen (Landkreis Holzminden) tätig.