„Willst Du das alles vorlesen“, fragte Paul Traupe vor fünf Jahren verschmitzt die SPD-Unterbezirksvorsitzende Frauke Heiligenstadt mit der Urkunde in der Hand. Da hatte sie den Einbecker gerade für 60 Jahre Mitgliedschaft in der SPD geehrt und wollte erzählen, in welchen Positionen er sechs Jahrzehnte lang gewirkt hat. Paul Traupe hatte in seinem langen Leben viele Ämter und Funktionen. Diese alle aufzuzählen, würde ein lange Liste ergeben. Eine sehr lange Liste. Doch Paul Traupe war nicht nur Funktionär im besten Sinne, er war vielen Menschen in und außerhalb seiner Partei Ratgeber, Berater und Freund, er war „einfach immer da“, wie die SPD-Chefin bei der Trauerfeier in der Münsterkirche St. Alexandri jetzt so schlicht wie richtig sagte. Paul Traupe ist tot, gestorben mit fast 90 Jahren. Ein großer, aufrechter Sozialdemokrat ist gegangen und hinterlässt eine Lücke. Eine große Lücke.
Er war das, was man gerne als ein politisches Urgestein bezeichnet. Und noch einer mit einer klassischen sozialdemokratischen Prägung. Über die Gewerkschaftsarbeit kam der gelernte Formstecher zur SPD, die so etwas wie seine zweite Familie wurde. Politisches Engagement gehörte für den gebürtigen Einbecker zeitlebens dazu. „Politik muss Spaß machen“, dieser Spruch hing bei Paul Traupe als Bild an der Wand. Leider ist das nicht immer so. Das wusste er auch, musste er manchmal selbst erfahren. Und doch blieb Paul Traupe immer im Austausch mit anderen, er hat gerne diskutiert und Lösungen erarbeitet – immer mit dem Ziel, das Leben für die Menschen leichter zu machen. Besonders den Menschen, denen es nicht gut geht. „Mitglieder, die sich an ihn wandten, bekamen stets eine große Portion Zuwendung und manchmal auch Trost“, erzählte Frauke Heiligenstadt in ihren Kondolenzworten. Paul Traupe habe zugehört, mit Rat und Tat zur Seite gestanden, habe sich mit seiner ganzen persönlichen Lebenserfahrung und seiner gesamten politischen Expertise für andere Menschen eingesetzt. „Für viele von uns, egal in welcher Funktion, war er ein wichtiger Berater“, erinnerte die SPD-Chefin. „Sein Rat und seine Motivation werden uns fehlen.“
Paul Traupe war Mitglied des Stadtrates in Einbeck (1964-1981), vier Jahre lang war er während dieser Zeitspanne zweiter stellvertretender Bürgermeister (1972-1976). Er war Mitglied des Einbecker Kreistages (1968-1972) und später des Northeimer Kreistages (1981-2001). Paul Traupe war von 1967 bis 1973 Ortsvereinsvorsitzender der Einbecker SPD und von 1981 bis 1987 Vorsitzender der SPD-Abteilung Kernstadt. Er war ab 1998 fast 14 Jahre lang Vorstandmitglied der AWO Einbeck. Von 1969 bis 1974 und von 1987 bis 2003 war Paul Traupe Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Einbecker Wohnungsbaugesellschaft EWG. Von 2006 bis 2010 war er Vorsitzender des Einbecker Seniorenrates, den er 2005 maßgeblich initiiert hatte, Paul Traupe hat in dieser Zeit unter anderem den „Garten der Generationen“ im Stiftsgarten angeregt.
In einfachen Verhältnissen in Einbeck zunächst in der Hägerstraße, dann in der Baustraße ist Paul Traupe aufgewachsen, das hat ihn geprägt. In den Straßen wurde damals Fußball gespielt, auch Paul Traupe war ein begeisterter Fußballspieler, seit 1949 bei „Eintracht“, dessen Fußballabteilung er später in den 1970-er Jahren leitete. 1955 hat er seine Ehefrau Hanneliese auf dem Herbstmarkt kennengelernt, 1956 wurde in der alten Neustädter Kirche St. Marien geheiratet.
Ab 1964 war Paul Traupe als Formstechermeister selbstständig, doch die industrielle Tapetenproduktion führte 1972 zur Aufgabe seines Betriebes. Damals rieten ihm die Sozialdemokraten Karl Ravens und Harald von Riesen, sich um die Position des Geschäftsführers im SPD-Unterbezirk Northeim-Einbeck zu bewerben. Diese Stelle hatte er dann bis zum Ruhestand 1995 inne. Zu Beginn habe er als Einbecker in Northeim keinen leichten Stand gehabt, erzählte Paul Traupe später einmal. Es war die Zeit der Gebietsreform, der Landkreis Einbeck zog gegenüber Northeim den Kürzeren. Als langjähriger Geschäftsführer kannte Paul Traupe nahezu jedes SPD-Mitglied persönlich – und alle kannten ihn. Doch er war nicht allein in Funktionen unterwegs, er blieb auch in ihnen Mensch. Die Sozialdemokratie ist um einen Menschen ärmer geworden.

