Burgsmüller-Grundstein: Finanzminister lobt Wirbel-Pionier

Taten und Worte: Finanzminister Reinhold Hilbers (r.) und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek griffen bei der Grundsteinlegung zur Kelle. Im Hintergrund v.l. Dr. Michael Ruf und Matthias Sieverding von KraussMaffei sowie VGP-Vorstandschef Darius Scheible.

Der offizielle Grundstein für den neuen Produktionsstandort der Burgsmüller GmbH im Einbecker Gewerbegebiet am Butterberg ist gelegt. Dort entsteht auf einem etwa zwei Hektar großen Grundstück ein neues Werk für die Metallverarbeitung in einem rund 8000 Quadratmeter umfassenden Hallen- und Bürokomplex. Im zweiten Quartal 2020 will das Unternehmen aus dem heutigen Standort Kreiensen nach Einbeck umziehen. „Hier entsteht die modernste Fertigungsstätte Europas, um international wettbewerbsfähig Verschleißteile für Kunststoffmaschinen zu produzieren“, begrüßte Jens Biel, Geschäftsführer der Burgsmüller GmbH, seine Gäste. Der neue Standort bietet Arbeitsplätze für bis zu 125 Mitarbeiter. Aktuell hat das 1876 in Kreiensen gegründete eigenständige Tochterunternehmen der KraussMaffei Extrusion GmbH 95 Beschäftigte.

Aber nicht nur Vertreter von KraussMaffei und Politik griffen zur Kelle, die eigentlichen „Grundsteinleger“, die die Kupfer-Kapsel mit Zeitungen, Münzen, Plänen und Broschüren gefüllt im gemauerten Grundstein versenkten, waren die Auszubildenden Felix Korzen und David Hoffmann, die gerade erst im August ihre Ausbildung bei Burgsmüller begonnen haben.

Finanzminister Reinhold Hilbers lobte Burgsmüller als regionalen Beispielgeber.

„Sie sind wirklich Pionier und regionaler Beispielgeber, ein Wegbereiter für die regionale Wirtschaft und setzen Impulse“, sagte der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). Er freute sich, dass Burgsmüller mit einer vernetzten, effizient angeordneten Fertigung – einer „smart factory“ – auf zukunftsträchtige Digitalisierung setze, den Industriestandort Niedersachsen stärke und sich zum Standort Einbeck bekannt habe. Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek war froh, dass man gemeinsam eine Lösung im Gewerbegebiet am Butterberg gefunden habe, dafür habe man Fläche arrondieren müssen: „Wir mussten schnell sein, hatten nur ein kleines Zeitfenster.“ Auch die Archäologie sei hier tätig gewesen, erinnert sie. Gut sei, dass Einbeck Industrie-Know-how am Standort habe halten können. Jetzt müsse man sich Gedanken machen, wie in Zukunft der frei werdende Standort in Kreiensen entwickelt werden könne, sagte die Bürgermeisterin.

Der Burgsmüller-Standort in Kreiensen. Archivfoto

Die KraussMaffei Extrusion GmbH möchte aus Burgsmüller in Einbeck den weltweit wettbewerbsfähigsten Standort machen, sagte Vorstandschef Matthias Sieverding bei der Grundsteinlegung. Heute werden in Kreiensen jährlich mehr als 40.000 Schneckenelemente für Kunststoffmaschinen sowie Schaftwellen und Zylinder gefertigt. Ziel ist laut Sieverding, im ersten Schritt 55.000 Teile pro Jahr und in einer weiteren Ausbaustufe 100.000 Teile jährlich zu fertigen, um sich den Wettbewerbern vor allem in China zu stellen. Burgsmüller hat zahlreiche Patente, unter anderem gehen das Innen- und Außenwirbelverfahren, das heute Hersteller von Spindeln einsetzen, auf das Unternehmen zurück. „Hier wird gewirbelt“, freute sich Finanzminister Hilbers augenzwinkernd.

Geschäftsführer Jens Biel (l.) begrüßte zur Grundsteinlegung Vertreter von KraussMaffei, VGP, der Politik und Verwaltung sowie die Mitarbeiter.

Bauherr des Neubaus ist die VGP, ein in zwölf europäischen Ländern aktiver Entwickler, Betreiber und Eigentümer von hochwertigen Gewerbeimmobilien. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über 7,3 Millionen Quadratmeter Fläche. Bei dem Neubau in Einbeck wird modernste Haustechnik installiert, die durch mehrere Rückgewinnungsanlagen eine sehr hohe Energieeffizienz ausweist. VGP-Vorstandschef Darius Scheible lobte das Bauamt der Stadt Einbeck für die gute Zusammenarbeit, das erlebe man nicht so oft. Über die Höhe der Investitionssumme machten die beteiligten Unternehmen auch auf Nachfrage keine Angaben.

Die Baustelle schreitet schon weiter voran: Offizielle Grundsteinlegung bei Burgsmüller in Einbeck im Gewerbegebiet am Butterberg mit Geschäftsführer Jens Biel (links) und weiteren Firmenvertretern sowie Finanzminister Reinhold Hilbers (5.v.l.) und Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Damit sich weiter was dreht

Blick vom Butterberg in Richtung Stadt Einbeck mit Marktkirchturm.

Weil die freien Flächen im Gewerbegebiet am Butterberg immer knapper werden, hat die SPD-Ratsfraktion einen Antrag in die politische Diskussion eingebracht, über neue Gewerbegebiete zu sprechen. Damit wird sich nun der Stadtentwicklungsausschuss beschäftigen, nachdem der Rat einstimmig die Verwaltung beauftragt hat zu prüfen, wo vermarktungsfähige Gewerbeflächen ausgewiesen werden könnten. Die Diskussion müsse jetzt begonnen werden, um jederzeit den Herausforderungen bei Gewerbeansiedlungen bestehen zu können, begründete SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki den Antrag seiner Fraktion. Es gebe immerhin einen notwendigen Vorlauf von circa zwei Jahren.

Der für Wirtschaftsförderung zuständige Rathaus-Fachbereichsleiter Joachim Mertens sagte, es gebe bereits in der Verwaltung eine Arbeitsgruppe, die genau diese Fragestellung untersuche. Ergebnisse werde man deshalb dann im Fachausschuss vorstellen.

Die SPD hatte in ihrem Antrag Zahlen genannt, die sie auf Anfrage von der Verwaltung erhalten hatte. Der Stadt Einbeck und der Einbecker Hospitalstiftung stehen im Gewerbegebiet am Butterberg freie, also bislang noch nicht nachgefragte Flächen in einer Größenordnung von insgesamt rund 18.600 Quadratmeter zur Verfügung stehe. Darüber hinaus bestehe eine konkrete Nachfrage zu einer Fläche von 9.209 Quadratmetern sowie für eine weitere Fläche von insgesamt 13.401 Quadratmetern, über die aber wegen Fragen der Stiftungsaufsicht noch nicht endgültig entschieden wurde. Die Klosterkammer verfüge in dem Gebiet noch über Flächen in Gesamtgröße von 31.634 Quadratmetern. Neue Gewerbefläche könne laut dem 2008 beschlossenen städtebaulichen Rahmenplan im möglichen künftigen Gewerbegebiet Nordwest – zwischen Markoldendorfer Straße und Hannoverscher Straße – entstehen.

Am Butterberg wird gebaut, hier die Fläche für die Firma Burgsmüller nach Ende der archäologischen Untersuchungen. Archivfoto

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hatte in ihren Mitteilung im Stadtrat am Mittwoch explizit berichtet, dass mehrere Bauvorhaben aktuell zu verzeichnen seien. So seien die Arbeiten für den Neubau der Firma Burgsmüller am Butterberg gestartet. Der Postzustellstützpunkt in der Kolberger Straße sei fertiggestellt und in Betrieb genommen worden. Der „Convivo Park Einbeck“ wachse, Richtfest war Ende Mai. Außerdem berichtete die Bürgermeisterin von laufenden Arbeiten für die Umsiedlung der Grötzner GmbH vom Kälbertalsgraben in die Verlängerung des Sülbecksweges. Die Arbeiten am Neubauvorhaben der FlexBio Technologie GmbH an der Otto-Hahn-Straße schreiten laut Michalek voran.

(Aktualisiert: 28.06.2019, 16:23 Uhr)
Hinweis: Der Name eines urspünglich hier genannten Unternehmens, den die Bürgermeisterin in öffentlicher Sitzung genannt hatte, wurde auf Bitte des Unternehmens gelöscht, weil das Bauvorhaben noch im Planungsstadium sei.

Poser-Park nähert sich der Vollendung

An den Parkplätzen wird noch gebaut, in den Hallen noch gewerkelt: Bald startet der neue Poser-Park.

An den Parkplätzen wird zurzeit noch gebaut, in den Hallen noch gewerkelt: Bald startet der neue Poser-Park am Südwestrand von Einbeck.

In gut einem Monat, am 10. Oktober, werden die ersten Türen geöffnet, dann starten expert-Medialand und Möbel-Boss nach eigenen Angaben im neuen Handelszentrum „Poser-Park“, dem vor einigen Monaten in der Politik durchaus nicht unumstrittenen 20-Millionen-Projekt. Die Bauarbeiten befinden sich auf der Fläche der ehemaligen Teppichfabrik in der finalen Phase, durchaus auch in der heißen Phase, sind doch jetzt besonders viele Gewerke zu koordinieren, damit am Ende alles passt. Am Ende wird das Projekt in rund einem Jahr realisiert worden sein, inklusive Abriss der alten Fabrikgebäude, bei denen Teile komplex entsorgt werden mussten.

Passgenau wird der Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag (10. September) den Bebauungsplan für das bisherige Medialand-Gelände am Butterberg ändern. In dem Gewerbegebiet war im Jahr 2000 ausnahmsweise Einzelhandel für einen Elektromarkt zugelassen worden, für Medialand, dieses soll nun wieder rückgängig gemacht werden. Damit wird hier künftig kein Einzelhandel mehr möglich sein, auch keine Vergnügungsstätte, wie die Beschlussvorlage aussagt.

Schon am 24. September soll nach Angaben des Investors, der Fahrenkamp & Gärtner GmbH, die neue Straße eingeweiht werden. Die nach dem Einbecker Teppichfabrikanten Walter Poser benannte Verbindungsstrecke zwischen Hannoverscher Straße und Hullerser Landstraße soll das 7,5 große Hektar große Areal erschließen.

Etwa fünf Wochen nach Medialand und Möbel-Boss, im November, wird dann Kaufland mit seinem Markt im „Poser-Park“ folgen, seit heute macht der Konzern mit Beilagen in Einbeck auf seinen neuen Markt in der Walter-Poser-Straße 2 aufmerksam. Auch ein markantes Baustellenschild wirbt um Mitarbeiter und interessierte Geschäftsleute für die „Vor-Kassen-Zone“.

Von Äpfeln und Birnen…

Endlich weiß ich, wie es ist, wenn in der Politik Äpfel mit Birnen verglichen werden. Diese Nachhilfestunde der botanischen Art verdanke ich der 5. Änderung des Bebauungsplanes Butterberg in Einbeck. Und der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, der sich einstimmig für Äpfel und Birnen entschieden hat.

Aber im Ernst: Weil expert-Medialand vom Butterberg auf das Gelände des Poser-Parks zieht, wird das 11.000 Quadratmeter große Grundstück frei. Im Jahr 2000 war nach heftigen Debatten von der Politik erlaubt worden, dass in dem eigentlich als Gewerbegebiet geplanten Viertel auch ein Elektronik-Fachmarkt sich ansiedeln durfte. Dieses wird jetzt wieder rückgängig gemacht, aus dem so genannten Sondergebiet (in dem auch Einzelhandel erlaubt ist) wird wieder ein Gewerbegebiet. Eine konsequente Folge. Schön wäre, wenn ebenso konsequent auch eingehalten würde, dass dort keine Vergnügungsstätte im Sinne des Gesetzes entsteht. Und es nicht wieder eine Einzelfallentscheidung gibt, die dies doch erlaubt, wie in unmittelbarer Nähe.

Rolf Hojnatzki (SPD) fragte mit durchaus vernehmbaren mehrfachem Augenzwinkern, ob denn die Unterlagen für solche Flächennutzungsänderungen immer so umfangreich und nach allen Seiten absichernd sein müssten. Das müssten sie, aus Gründen der Rechtssicherheit, entgegnete Baudirektor Gerald Strohmeier – durchaus mit vernehmbarem Bedauern.

Hojnatzki hatte nämlich nicht ganz zu Unrecht gemutmaßt, wer sich alle Unterlagen ausführlich durchliest, könnte auf den Gedanken kommen, dort entstehe eine Obstplantage. In der Begründung der F-Plan-Änderung ist auf mehreren Seiten aufgeführt, welche Gehölzbepflanzungen erlaubt sind. Leider kein „Golden Delicious“, spottete Hojnatzki.

Doch Äpfel-, Birnen- und auch Kirschliebhaber können beruhigt sein: Denn immerhin ist es gestattet, dass am Butterberg bald Krügers Dickstil, Geheimrat Dr. Oldenburg, Clapps Liebling, die Gute Luise und die Hedelfinger Riesenkirsche geerntet werden können…

Neues zu den Baustellen

Bei den Haushaltsberatungen hat der zuständige Ausschuss auch nahezu alle städtebaulichen und stadtplanerischen Baustellen wenigstens einmal erwähnt – und zumindest die Öffentlichkeit hat bei vielen Themen etwas Neues erfahren.

In Sachen Lange Brücke 9-11 gibt es seit dem Amtsantritt von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek keine neuen Gespräche mit potenziellen Investoren für den prägenden Wohnblock unmittelbar am Möncheplatz, wie diese sagte. Bei der Baulücke an der Langen Brücke hat Baudirektor Gerald Strohmeier noch ein wenig Hoffnung, denn nach seinen Worten finden in den nächsten Tagen abschließende Gespräche mit einem möglichen Investor statt.

Beim Projekt Neustädter Kirchplatz läuft das Planungsverfahren. Für den 22. April ist eine Entscheidung der Bewertungskommission vorgesehen, die über drei Entwürfe für den „Neustädter Palais“ entscheiden wird. Der ausgewählte Vorschlag wird dann im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert.

Einstimmig beschlossen hat der Ausschuss ein Änderung des Planungsrechts am Butterberg. Die Politik hat den Weg frei gemacht, dass das heutige Gelände des Elektronik-Fachmarktes künftig auch wieder anders gewerblich genutzt werden kann, nach aktuellem Recht dürfen dort nur Elektroartikel verkauft werden. Da die Firma expert-Medialand auf das neue, zurzeit entstehende Gelände des Poser-Parks umziehen wird, wird das Areal am Butterberg frei. Die Eigentümer Dieter Isemann und Karin Krümmel hatten der Stadt geschrieben, das 11.000 Quadratmeter große Grundstück veräußern zu wollen. Durch die beschlossene Änderung kann das Gelände künftig anderweitig gewerblich genutzt werden. Einzelhandel ist hingegen konkret ausgeschlossen.

Und natürlich auch zur Brücke am Tiedexer Tor gab es Neuigkeiten.

Finanzen-Fachbereichsleiterin Christa Dammes wehrte sich übrigens schmunzelnd gegen die These des neuen Ausschuss-Vorsitzenden Andreas Fillips (SPD), beim Etat handele es sich um trockene Zahlen. „Die sind überhaupt nicht trocken.“ Das konnte eine Zahlenfrau natürlich auch so nicht stehen lassen…