Einbeck hält zusammen: Umfrage-Ergebnisse mit teils überraschenden Werten

Einbeck hält zusammen – und zwar deutlich stärker als vergleichbare Mittelstädte oder auch stärker als durchschnittlich in Niedersachsen. Und die Menschen fühlen sich mit Einbeck verbunden, nicht ganz so stark wie mit Niedersachsen oder Deutschland insgesamt, aber deutlich stärker als mit der Europäischen Union. Diese und weitere vor allem regional spezifische Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 3300 zufällig ausgewählte Personen aus Einbeck präsentierte jetzt Maike Simmank vom Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI). Sie sprach bei einem Rücklauf von 1100 Fragebögen von einer sehr guten Ergebnisqualität der Befragung, die Teil des Kooperationsprojekts „Regionalpanel“ ist, das im Rahmen des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) durchgeführt wird.

(c) Soziologische Forschungsinstitut Göttingen.

Besonders positiv haben die Befragten das Angebot an Schulen und Kinderbetreuung (55 Prozent sehr zufrieden oder zufrieden) sowie die ärztliche Versorgung (58 Prozent sehr zufrieden oder zufrieden) und die Apotheken am Wohnort bewertet (89 Prozent sehr zufrieden oder zufrieden).  Kritischer sehen die Einbecker das Freizeitangebot speziell für Ältere (79 Prozent neutral bis sehr unzufrieden), die Sauberkeit im öffentlichen Raum (72 Prozent neutral bis sehr unzufrieden) oder bezahlbaren Wohnraum (71 Prozent neutral bis sehr unzufrieden). Nachschärfen werde man bei Begriffsdefinitionen, diese seien manchmal zu unspezifisch formuliert, etwa bei „Freizeitangebote für Ältere“, räumte Maike Simmank selbstkritisch ein.

Unter den abgefragten „Bauprojekten“ mit den besten Beurteilungen schnitt die Errichtung einer Toilette am Bahnhof Kreiensen am Besten ab, 48 Prozent sahen das als sehr gut, 40 Prozent als gut an. Auch dass Straßenbegleitgrün bienenfreundlich gestaltet wird, sahen 42 Prozent als sehr gut, 38 Prozent als gut an. Die Sanierung und den barrierefreien Umbau des Alten Rathauses bewerten 23 Prozent als sehr gut, 55 Prozent als gut.

(c) Soziologische Forschungsinstitut Göttingen.

Bei der Abfrage nach Kommunikationsmedien aus dem Rathaus wurde deutlich, dass viele Angebote offenbar unbekannt sind, beispielsweise die Sprechstunde der Bürgermeisterin oder das E-Paper „Rathaus intern“ der Stadtverwaltung oder auch die Einwohnerfragestunden bei Ausschuss- und Ratssitzungen. Die Website der Stadt Einbeck beurteilen knapp 39 Prozent als gut, drei Prozent gar als sehr gut, 29 Prozent sahen sie neutral, wobei zum Zeitpunkt der Befragung noch die alte Version der Internetpräsenz online war. Mittlerweile gibt es eine neue Seite.

Bei den „Regionalpanel“-Ergebnissen gelte zu berücksichtigen, dass die Altersgruppe über 65 Jahren überrepräsentiert sei unter den 1100 Teilnehmenden, während die Gruppe der bis 39 Jahre alten Personen unterpräsentiert ist, sagte Maike Simmank. Die Befragung hat von Februar bis März 2021 stattgefunden. Es wurden 3300 zufällig ausgewählte Personen aus Einbeck zur Teilnahme eingeladen, ein Drittel nahm dann auch tatsächlich teil, etwa gleich viele Frauen wie Männer.

Anfang kommenden Jahres geht die „Regionalpanel“-Umfrage in die zweite Runde, um durch die Vergleichsdaten Entwicklungen und Veränderungen sichtbar machen zu können. Bundesweit haben über 12.000 Menschen aus zwölf Kommunen in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Nordrhein-Westfalen an der Befragung teilgenommen. Zu den teilnehmenden Orten gehören neben Einbeck und vergleichbaren Kommunen wie Merseburg, Gladbeck und Passau auch Großstädte wie Hannover, Ingolstadt und Magdeburg oder deutlich kleinere Gemeinden wie Willebadessen im Kreis Höxter oder Eisdorf im Harz. Besonders ist der multidisziplinäre Zugang aus wissenschaftlichen Fachdisziplinen Soziologie (Halle und Göttingen), Sozialpsychologie (Bielefeld) und Kulturgeographie (Hannover). Ziel des „Regionalpanel“ ist die mengenmäßige Untersuchung von Zusammenhängen zwischen sozialen Räumen und regionalen Unterschieden von gesellschaftlichem Zusammenhalt im Zeitvergleich. „Einbeck ist kein Ausreißer, weder negativ noch positiv“, bilanzierte Simmank.

Mehr Details hier zum Download.

(c) Soziologische Forschungsinstitut Göttingen.

Vor Ratssitzung: Ergebnisse der Befragung „Was hält uns zusammen?“ werden präsentiert

Mehr als 1100 Bürgerinnen und Bürger haben im Frühjahr 2021 an der Befragung „Was hält uns zusammen?“ der Stadt Einbeck und des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) teilgenommen und das nachbarschaftliche Zusammenleben, Infrastrukturen sowie lokale Bauprojekte in Einbeck bewertet. Ergebnisse dieser Befragung werden am kommenden Mittwoch, 22. Juni, um 16 Uhr in der Multifunktionshalle am Kohnser Weg im Vorfeld der öffentlichen Stadtratssitzung in Einbeck allen Interessierten vorgestellt. Jeder kann dabei sein.

Laut einer Pressemitteilung haben die Befragten besonders positiv das lokale Angebot an Schulen und Kinderbetreuung sowie die ärztliche Versorgung und die Apotheken am Wohnort bewertet. Gute Noten erhalten auch die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort, die Sport- und Außenaktivitäten sowie die Versorgung für Pflegebedürftige. Kritischer sehen die Einbecker allerdings das Freizeitangebot speziell für Ältere, die Sauberkeit im öffentlichen Raum, den bezahlbaren Wohnraum sowie die Internetverbindung, heißt es in der Vorabmitteilung. Auch Veränderungen lassen sich in der Befragung erkennen: Während sich die Zufriedenheit mit Sauberkeit und bezahlbarem Wohnraum in den letzten Jahren verschlechterte, haben sich die Internetverbindung wie auch das Mobilitätsangebot mit Bus und Bahn verbessert. Diese sowie weitere Analysen zum Leben und Zusammenhalt in Einbeck und wie die Stadt im regionalen Vergleich abschneidet, zeigt die Auswertung der Befragung. Diese und andere Ergebnisse der Befragung „Was hält uns zusammen?“ werden von Maike Simmank, Andreas David Schmidt und Berthold Vogel vorgestellt und mit Blick auf die Resultate für Einbeck diskutiert.

Die Umfrage ist Teil des Kooperationsprojekts „Regionalpanel“, das im Rahmen des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) durchgeführt wird. Das FGZ ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Institut, das in zehn Bundesländern angesiedelt ist und unter anderem die regionale Vielfalt gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland untersucht. Bundesweit
haben über 12.000 Menschen aus zwölf Kommunen in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Nordrhein-Westfalen an der Befragung teilgenommen. Zu den teilnehmenden Orten gehören neben Einbeck auch Großstädte wie Hannover, Ingolstadt und Magdeburg oder deutlich kleinere Gemeinden wie Willebadessen im Kreis Höxter oder Bad Grund im Harz.

Die Befragung hat von Februar bis März 2021 stattgefunden. Es wurden 3300 zufällig ausgewählte Personen aus Einbeck zur Teilnahme eingeladen. Anfang 2023 geht die Befragung zu bekannten, aber auch neuen Themen rund um den Zusammenhalt in Einbeck in die zweite Runde, kündigten Stadt Einbeck und SOFI an.

Einbeck, vom Hasenjäger aus gesehen. Archivfoto/Symbolbild.

„Politisch motiviertes Attentat“: Bürgermeisterin verurteilt Anschlag

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat den Anschlag auf das Wohnhaus einer 41-Jährigen in der Einbecker Innenstadt scharf verurteilt. Die Attacke sei „ein politisch motiviertes Attentat“, machte sie deutlich und sprach von einer Zäsur, die Konsequenzen haben müsse. Der Fall schlug bereits hohe, auch mediale Welle, sogar die „New York Times“ berichtete.

„Ich – und damit spreche ich nicht nur für mich persönlich, sondern auch für Rat und Verwaltung der Stadt und die gesamte Stadtgesellschaft – lehne Hassverbrechen und Gewalt in jeglicher Form ab“, teilte die Rathauschefin heute in einer Presseinformation mit. Gottlob sei es bei reinen Sachschäden geblieben, und die Polizei habe durch ihr schnelles und beherztes Eingreifen des dringend Tatverdächtigen habhaft werden können, sagte Michalek.

Sie erwarte von den Strafverfolgungsbehörden, den Fall als das zu verstehen, was er sei: Kein eskalierter Dumme-Jungen-Streich, sondern „ein politisch motiviertes Attentat“. Für die sich seit einigen Monaten permanent verschärfenden Spannungen zwischen rechter und linker Szene in Einbeck sei dieser Vorfall eine Zäsur. Diese müsse zum Anlass genommen werden, mit aller Härte des Rechtsstaats das staatliche Gewaltmonopol zu verdeutlichen, forderte die Bürgermeisterin.

Zuvor hatte bereits Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Tat scharf verurteilt. „Die Polizei wird die Umstände dieser Tat sehr genau untersuchen und prüfen, welche Tatbestände dadurch erfüllt worden sind. Wir dulden in Niedersachsen keinen Extremismus – egal wo er herkommt.“ Laut Pistorius haben zwei aus rechtsextremistischen Kreisen polizeibekannte Personen – von denen eine von der Polizei als „Gefährder Rechts“ bewertet wird – den Briefkasten am privaten Wohnhaus der Frau zur Explosion gebracht. Einer der Täter sei dabei offenbar schwer an der Hand verletzt worden, erklärte der Innenminister. „Nach den vorliegenden Informationen wollten diese beiden Rechtsextremisten eine in der Region für ihr Engagement gegen rechts bekannte Frau damit einschüchtern und bedrohen. Sie wollten offensichtlich Angst und Schrecken verbreiten.“ Nach der vorläufigen Festnahme der Personen wurde die gemeinsame Wohnung der beiden Tatverdächtigen durchsucht. Es konnten diverse Beweismittel ­– unter anderem Waffen – beschlagnahmt werden, die jetzt ausgewertet werden. Der Minister hat über den Fall am Donnerstag den Innenausschuss des Niedersächsischen Landtages über die bislang bekannten Hintergründe informiert.

In den frühen Morgenstunden des vergangenen Mittwoch (10. Juni) war es zu einer Attacke auf das Wohnhaus einer 41-jährigen Einbeckerin gekommen. Laut Polizei wurde mit Pyrotechnik ein Briefkasten gesprengt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand geht die Polizei von einer politisch motivierten Tat aus. Sie erhöhte die sichtbare und spürbare Präsenz der Beamten in der Stadt.

„Wir sind schockiert über diese Tat“, erklärt der Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen, Dr. Dietmar Sedlaczek. Einer der mutmaßlichen Täter soll im vergangenen Jahr bei einer provokativen Aktion in der KZ-Gedenkstätte beteiligt gewesen sein. Der Anschlag auf die Frau stehe in Zusammenhang mit zahlreichen weiteren Vorfällen, die darauf abzielten, die Bevölkerung einzuschüchtern. „Der Anschlag sollte Leib und Leben eines konkreten Menschen gefährden, damit ist eine neue Dimension erreicht“, erklärte Sedlaczek. Die Tat mache klar, welche Gefahr von der rechtsextremen Szene in Südniedersachsen ausgehe.

Die 41-Jährige engagiert sich nach den Worten ihren Rechtsbeistands aktiv gegen die in Einbeck ansässige Neonaziszene. Der Göttinger Rechtsanwalt Rasmus Kahlen, der die Betroffene vertritt, sieht in dem Anschlag eine neue Dimension der Gewalt von Neonazis in Einbeck und betont: „Das Ausmaß der angerichteten Zerstörung zeigt, wie gefährlich der Sprengsatz offensichtlich gewesen ist. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn sich ein Mensch hinter der Tür befunden hätte.“ Nach seiner Darstellung war die Sprengwirkung so stark, dass Trümmer des Briefkastens mehrere Meter weit in den Wohnbereich geschleudert wurden.

Auf die mutmaßlichen Täter kam die Polizei, weil sich offenbar einer bei der Tat verletzt hat und Blutspuren direkt zu einem Haus geführt haben sollen, in dem Mitglieder der Einbecker Neonaziszene wohnen.

Die Ermittlungen zu der Tat dauern an. „Ich verurteile derartige Handlungen aus dem rechtsextremistischen Spektrum scharf“, erklärte Polizeipräsident Uwe Lührig. „Das lässt sich der Rechtsstaat nicht gefallen. Ich bin sehr froh, dass die Polizei Einbeck sehr schnell reagiert hat und schon in der Nacht Tatverdächtige stellen konnte. Das ist ein wichtiges Signal.“

Nachtrag 15.06.2020: Der SPD-Kreistagsabgeordnete und Co-Vorsitzende der Einbecker Kernstadt-SPD, Peter Traupe, hat in einer Stellungnahme die Reaktion der Bürgermeisterin auf den Anschlag scharf kritisiert.

Gesprächskultur

Schön, dass wir mal darüber gesprochen haben… Vor exakt einem Jahr (!) hatte die CDU ihren Antrag auf eine Kultur-Tafel eingebracht. Gestern (!) nun hat Dr. Michael Bonder von der Kulturpforte Göttingen das dortige Projekt in der Sitzung des Einbecker Kulturausschusses präsentiert. Mit Interesse und ein paar Fragen haben die Einbecker Kulturpolitiker den kurzen Vortrag zur Kenntnis genommen. Und dann… passierte nichts: Keine Diskussion mit Entscheidung, ob wann und wie ein vergleichbares Projekt auch in Einbeck an den Start gehen könnte sollte müsste und wenn ja von wem initiiert und betreut. Und schon gar kein Beschluss. Aber gut, dass wir mal wieder darüber gesprochen haben… So habe ich leider keinen Haken für einen erledigten Punkt auf der Agenda 2015 für die Einbecker Politik.

Dr. Michael Bonder (r.) vom Verein Kulturpforte Göttingen präsentierte das Projekt im Kulturausschuss.

Dr. Michael Bonder (r.) vom Verein Kulturpforte Göttingen präsentierte das Projekt im Kulturausschuss des Einbecker Stadtrates.

Die Kulturpforte Göttingen, die Eintrittskarten von Veranstaltungen an bedürftige Menschen abgibt, hat sich nach drei Jahren in Göttingen inzwischen etabliert. Zurzeit hätten sich 310 Menschen registriert, darunter seien 50 Kinder, berichtete Dr. Michael Bonder, der stellvertretender Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der AWO Göttingen ist. Die Nachfrage nach Karten übersteige regelmäßig das Angebot, wobei es Unterschiede gebe: Einige Karten würden förmlich aus den Händen gerissen (beispielsweise Basketball-Karten oder Tickets des Göttinger Symphonie-Orchesters), andere eher nicht. 2014 habe man mehr als 1000 Karten vergeben können, berichtete Bonder. Professionelle, überregionale Veranstalter von Kulturevents, zum Beispiel in der Lokhalle, beteiligten sich nicht an dem Projekt. Die Kulturpforte Göttingen ist als gemeinnütziger Verein organisiert und an die Arbeiterwohlfahrt (AWO) räumlich und organisatorisch angegliedert. Er finanziert sich aus Spenden und durch Fördermittel (Klosterkammer), welche aber ausgelaufen sind; daher werde jetzt ein Mitgliedsbeitrag erhoben und ein Förderverein gegründet. Praktisch laufe die Vermittlung von nicht verkauften Eintrittskarten von Kultur-Veranstaltungen, dass die Kulturpforte die Vermittlung zwischen Kulturanbietern und den Kunden übernehme, berichtete Dr. Michael Bonder. In einer eigens entwickelten Software-Datenbank werden die angegeben Veranstaltungs-Vorlieben und -Wünsche mit den vorliegenden freien Karten abgeglichen, dann die Interessierten angerufen, die sich die Tickets ohne sich „outen“ zu müssen wie jeder andere Veranstaltungsgast an der Abendkasse abholen können. Die Interessierten müssten wegen der Gemeinnützigkeit des Vereins bei der Registrierung ihre Bedürftigkeit belegen, vergleichbar wie bei der Lebensmittel-Tafel. Er gab den Tipp, eine Kultur-Tafel an eine soziale Einrichtung anzugliedern (in Göttingen ist das die AWO), die von der Zielgruppe ohnehin besucht werde. Und dann brauche man jemanden, der sich ständig kümmere. „Die stürmen nicht auf Sie zu“, sagte Bonder. Eine Kultur-Tafel sei kein Selbstläufer, ein eher schambesetztes Thema für die Betroffenen, die immer wieder gezielt angesprochen werden müssten – ebenso wie die Kulturanbieter.

(c) Flyer des Vereins Kulturpforte Göttingen.

(c) Flyer des Vereins Kulturpforte Göttingen.

Filz, Parteinahme, Bürokratie?

Christian Grascha (FDP).

Christian Grascha. Foto: FDP.

Er schießt seit Tagen aus allen politischen Oppositionsrohren gegen Südniedersachsenplan, den neuen Landesbeauftragten Matthias Wunderling-Weilbier (dessen Entlassung er bereits forderte) und das Göttinger Regionalbüro: Der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha fürchtet, dass das Programm für Südniedersachsen mehr Bürokratie und Mehrfachstrukturen verursachen wird als es mehr Geld in die Region bringt. Und er sieht SPD-Filz bei der Besetzung des Regionalbüros Göttingen, die heute vorgestellte neue Leiterin Dr. Ulrike Witt (51) sei bei den Sozialdemokraten engagiert. „Deshalb wollen wir wissen, ob die Stelle ordentlich ausgeschrieben wurde und wie viele Bewerbungen es gab. Außerdem interessieren uns die Kriterien, nach denen die Auswahl getroffen wurde“, erklärte heute der Einbecker Landtagsabgeordnete und kündigte eine weitere Anfrage an die Landesregierung an. Im offiziellen Lebenslauf (094-Projektbro_Gttingen-Lebenslauf_Witt) der neuen Regionalbüroleiterin ist von SPD-Tätigkeiten keine Rede, lediglich davon, dass sie Vorsitzende des AWO-Kreisverbandes Göttingen ist.

Die klammen Kommunen müssten für rot-grünen Bürokratieaufbau bezahlen, und dann würden sie offenbar bei Personalentscheidungen nicht gefragt. Christian Grascha hat bereits eine Anfrage (Wortlaut: Kl Anfrage Projektbuero Goettingen-07052014073403) mit 28 Fragen an die Landesregierung gestellt, wer genau wieviel der Sach- und Personalkosten für das Projektbüro in Göttingen tragen werde. Außerdem möchte er wissen, wie der kommunale Anteil zwischen den Landkreisen Göttingen, Osterode, Northeim, Holzminden und Goslar aufgeteilt werde.

Und wo Grascha schon mal in Fahrt ist, schießt er auch gleich noch eine (erste) Salve in Richtung Bad Gandersheim. Dort ist nicht nur sein Landtagskollege Uwe Schwarz (SPD) zuhause, sondern dessen Ehefrau vergangenen Sonntag auch zur neuen Bürgermeisterin gewählt worden. In der Kurstadt wittert der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion Unkorrektheiten bei Terminen seines aktuellen politischen Lieblingsgegners Matthias Wunderling-Weilbier im Bürgermeister-Wahlkampf. „Die Landesregierung muss klarstellen, ob Herr Wunderling-Weilbier sich vergangene Woche dienstlich oder privat im Wahlkampf für die SPD engagiert hat. Es entsteht der Eindruck, dass Herr Wunderling-Weilbier Wahlkampf auf Steuerzahlerkosten gemacht hat“, erklärte Christian Grascha in einer Pressemitteilung. Von einem Spitzenbeamten sei die notwendige Sensibilität zu erwarten, gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, er verstoße gegen das beamtenrechtliche Neutralitätsgebot, meint der FDP-Politiker aus Einbeck. „Nach der Vorgeschichte um Versorgungslasten und ausgezahlte Urlaubstage zeichnet sich auch hier ein weiteres Mal ab, das Herr Wunderling-Weilbier nicht über die Eignung für ein derartiges Spitzenamt verfügt.“

Schwarz-Website mit Wunderling-Weilbier-Terminen. Screenshot vom 30.05.2014

Schwarz-Website mit Wunderling-Weilbier-Terminen. Screenshot vom 30.05.2014

Der Landesbeauftragte Matthias Wunderling-Weilbier habe in der Woche vor der Bürgermeisterwahl am 25. Mai in Bad Gandersheim zahlreiche Termine mit der SPD-Kandidatin wahrgenommen, schreibt Grascha. Das weist auch die Website der gewählten künftigen Bürgermeisterin Franziska Schwarz aus. Durch die Berichte in der örtlichen Presse habe der Eindruck entstehen müssen, dass er diese Termine als Landesbeauftragter wahrgenommen habe, meint Christian Grascha, der sieben detaillierte Fragen an die Landesregierung gestellt hat (2014-05-28 WW in Bad Gandersheim).

IT regional

Die gescheiterte große Südniedersachsen-Fusion hat Konsequenzen bis hin zur Zusammenarbeit bei der Informationstechnologie: Nach dem Landkreis Göttingen (KDS GÖ Vorlage) hat auch der Northeimer Kreistag die Mitgliedschaft in der Kommunalen Datenverarbeitungszentrale Südniedersachsen (KDS) gekündigt. Einstimmig. Zum 31. Dezember 2015 ist Schluss mit der IT-Kooperation. Der Landrat ist aufgefordert, mit den Städten und Gemeinden im Landkreis einen neuen, eigenen regionalen IT-Verbund zu bilden. Auch der Einbecker Stadtrat könnte unter Umständen aus diesem Grunde vor Weihnachten noch einmal zusammen kommen müssen, damit die Kündigung  fristgerecht Ende 2015 wirksam werden kann.

Immer wieder mal hatte es in der Vergangenheit Beschwerden über die KDS gegeben, die vor allem bei Wahlen für die breite Öffentlichkeit offener sichtbar wurden (und manchmal durch kurzfristig vor Wahlterminen eingeschobene Updates zu Verzögerungen beim Wahlergebnis führten). IT ist halt das, was funktionieren muss. Sonst bleiben alle schönen Tablets leer…

Region ist ein schöner Begriff

Christian Grascha. Foto: FDP

Christian Grascha. Foto: FDP

Selbst Genossen haben halb scherzhaft, halb genervt hinter vorgehaltener Hand schon mal zugegeben, sie seien durchaus erstaunt, wer mit einem Male alles zu Südniedersachsen zählen will, sobald Fördergeld winkt: Hildesheim, Goslar, Salzgitter zum Beispiel… Zu dem von der neuen rot-grünen Landesregierung angekündigten Südniedersachsenplan hat sich heute der FDP-Landtagspolitiker Christian Grascha geäußert. Und dabei einen durchaus richtigen Gedanken geäußert – mal ganz unabhängig davon, ob die ab 2014 geplanten Regionalbeauftragten an den Orten der ehemaligen Regierungspräsidenten überhaupt sinnvoll sind (Grascha meint, nein, und hat auch noch andere, haushalterische Bedenken). Überhaupt ist „Region“ ein herrlicher Begriff, weil unbestimmt. Wer oder was ist eigentlich „die Region“?

In der Tat wäre es nicht zu verstehen, warum sich Hildesheim und Braunschweig, die in der Mitte Niedersachsens 50 Kilometer voneinander entfernt liegen, wie Grascha ausgerechnet hat, den Bereich Südniedersachsen untereinander aufteilen sollten. Wenn Hildesheim unter anderem für Holzminden und wiederum Braunschweig für Göttingen, Osterode und Northeim zuständig sein soll, sollte darüber nochmal nachgedacht werden. Und die Hauptstadt Südniedersachsens ist nun einmal das Oberzentrum Göttingen, auch das mag man gut oder schlecht finden, und manchmal nerven die Göttinger auch. Aber wenn man schon Regionalbeauftragte einführen will, dann muss dieser für Südniedersachsen seinen Sitz in Göttingen haben. Da hat Christian Grascha schlicht eines: recht! Und wenn die Göttinger eventuell nicht wollten, schreibt der FDP-Oppositionspolitiker clever, dann kämen alternativ zu Göttingen „auch andere südniedersächsische Städte in Frage“. Ob er dabei auch an seine Heimatstadt dachte, ist indes nicht überliefert…

Nachtrag 01.11.2013: FDP-Parlamentsgeschäftsführer Christian Grascha befürchtet, die neuen Landesbeauftragten seien „nur ein paar Pappkameraden, die vor Ort als Fotomotiv dienen“. Nach den Antworten von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bleibt für den Oppositionspolitiker die Frage offen, wozu die neuen Beauftragten überhaupt da sein werden. Grascha bemängelte heute in einer Pressemitteilung erneut die zerstückelte Zuständigkeit für Südniedersachsen. „Warum hier zwischen Hildesheim und Braunschweig aufgeteilt wird, bleibt unverständlich. Der politische Anwalt für viele Menschen in Südniedersachsen sitzt dann in Ostniedersachsen. Das ist eine ganz besondere und kryptische SPD-Logik“, so der FDP-Politiker aus Einbeck heute.