Kultur-Geld

Kultur und Geld – das ist eine immer schwierige Symbiose. Um Geld ging es in zwei Mitteilungen im jüngsten Kulturausschuss, wenn auch zugegeben in unterschiedlicher Ausprägung. Kultur-Sachgebietsleiterin Dr. Elke Heege berichtete über den Sachstand beim Dauerbrennerthema Kulturpforte, Einbeck-Marketing-Geschäftsführer Florian Geldmacher stellte die aktuelle Entwicklung beim Thema „Einbecker Zehner“ dar, er hat sich inzwischen intensiv des Themas angenommen. 20 Anbieter dieser „Währung“, die mehr als ein Gutschein ist, seien inzwischen an Bord, Ziel seien zum Jahresende 100, darunter nicht nur Geschäfte, sondern auch Kulturanbieter, die den „Zehner“ einlösen, berichtete Geldmacher. Die CDU hatte beantragt, einen „Einbecker Zehner“ als eigenes Zahlungsmittel wie in der österreichischen Partnergemeinde Wieselburg als Bekenntnis zur heimischen Wirtschaft einzuführen, dort sei dies ein „Erfolgsmodell“ wie Ausschussvorsitzender Walter Schmalzried sagte. Bei dem jüngsten Partnerschaftstreffen habe man sich intensiv zu dem Thema ausgetauscht, inzwischen laufe die Absprache direkt zwischen beispielsweise den Banken in Einbeck und in Wieselburg. Eine hohe Teilnehmerzahl sei wichtig, um den „Zehner“ erfolgreich einführen zu können, machte Geldmacher deutlich. Es sei Ziel, zu Ostern den „Einbecker Zehner“ zu starten.

Die Kulturpforte hat ihre erste Startphase hinter sich, schilderte Dr. Elke Heege den Kulturpolitikern im Ausschuss. Inzwischen werde das Projekt, bei dem Bedürftige ähnlich wie bei der Lebensmittel-Tafel kostenlos Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen bekommen, bevor die Plätze verfallen würden, auch vom PS-Speicher oder vom Einbecker Schwimmbad unterstützt; auch für das DKKD-Kulturfestival Anfang Oktober gebe es 30 vergünstigte Dauerkarten. Es werde aber bis zu drei Jahren Anlaufzeit benötigt, bis die organisatorisch bei der Einbecker Tafel geöffnete Kulturpforte in Einbeck als etabliert gelten könne, sagte Heege, diese Erfahrungen habe man auch in Göttingen bei der dortigen Kulturpforte gemacht. „Die Schwellenängste sind nicht niedrig“, sagte die Kultur-Sachgebietsleiterin. Man müsse intensiv argumentieren, bis die Menschen, die sich einen Kulturbesuch nicht leisten können, sich auf die gespendeten Karten einlassen. Noch im Herbst werde man eine Datenbank aufbauen, die alle Datenschutzerfordernisse berücksichtigt, dann sei eine Zusammenarbeit zwischen der Tafel und dem Einbecker Kinder- und Familienservicebüro für die Kulturpforte möglich.

Den Kultur-Haushalt beschloss der (ja auch für Wirtschaftsförderung zuständige) Kulturausschuss einstimmig mit der Bitte an den Finanzausschuss, auf Anregung der SPD doch noch irgendwie Geld im Gesamtetat aufzutreiben für die angestrebte Machbarkeitsstudie für einen Tag der Niedersachsen in Einbeck (21.000 Euro). Den wünscht sich die SPD für 2021, das hatte sie jüngst beantragt.

Kulturpforte: Erste Karten vermittelt

Das hätte man so schon vor Monaten haben können: Durch direkte Ansprache von möglichen Interessierten sind die ersten Eintrittskarten der Kulturpforte Einbeck vermittelt worden. „Wir haben den praktischen und unbürokratischen Weg gewählt“, sagte Kultur-Sachgebietsleiterin Dr. Elke Heege in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses. Sie gab einen Sachstand bei dem Projekt, das vor 35 Monaten von der CDU im Stadtrat angestoßen worden war, um das sich zwischenzeitlich die Arbeiterwohlfahrt kümmern wollte und zu dem es zuletzt immer nur auf Nachfrage überhaupt Informationen gab. „Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum das so lange gedauert hat“, sagte Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) im Kulturausschuss. Sie sei enttäuscht und traurig, dass man nun nach einem langen Umweg dort sei, wo man schon vor längerer Zeit gleich hätte beginnen können. Bei der Kulturpforte, auch Kultur-Tafel genannt, werden Eintrittskarten für Kulturveranstaltung kostenlos an Bedürftige abgegeben, die sich einen Besuch nicht leisten können. Oftmals würden die Plätze bei Konzerten oder Theaterstücken ohnehin leer bleiben, mit der Kulturpforte werden diese freien Plätze durch Interessierte besetzt.

Davon, dass die AWO die Kulturpforte betreibt, war jetzt im Kulturausschuss überhaupt keine Rede mehr. „Wir mussten eine Menge praktischer Hindernisse aus dem Weg räumen“, berichtete Dr. Elke Heege: Die Einbecker Tafel und namentlich dort Thomas Döhrel und Marco Spindler sprechen mögliche Interessierte direkt an, ob sie Karten für Kulturveranstaltungen erhalten möchten. Zur Verfügung stehen dafür zurzeit zunächst Karten von Veranstaltungen des städtischen Kulturrings. Bei der Einbecker Tafel erhalten zurzeit 150 Bedarfsgemeinschaften regelmäßig Lebensmittel, ein Drittel davon sei gezielt ansprechbar für die Kulturpforte, etwa 70 Prozent der Tafel-Kunden hätten einen Migrations- oder Flüchtlingshintergrund und manchmal (noch) Sprachschwierigkeiten, was man bei den Eintrittskarten natürlich berücksichtigen müsse, berichtete Dr. Elke Heege. Musikveranstaltungen seien da aber unproblematisch. Angesprochen werden mögliche Interessierte auch bei der Flüchtlingssozialarbeit sowie bei der Schuldnerberatung der Diakonie. „Ich glaube, dass sich das entwickelt“, sagte Dr. Heege, „ich bleibe da dran“. Angeregt wurde von der CDU, auch im Einbecker Kinder- und Familienservicebüro dortige Besucher gezielt auf vorhandene Kulturkarten anzusprechen.

Dass die AWO überhaupt noch, wie von ihr selbst über lange Zeit angestrebt, ins Boot Kulturpforte einsteigen wird, erscheint mir inzwischen unwahrscheinlich. Das von der Kultur- und Denkmalstiftung bewilligte Fördergeld für eine Software, mit der die freien Tickets einfacher vermittelt werden können, sei von der AWO nicht abgerufen worden, sagte Dr. Heege. Mit einer separaten Datenerhebung der Interessierten würden die datenschutzrechtlichen Probleme beginnen, das gab auch Ausschussmitglied Michael Büchting für die Flüchtlingsarbeit betreibende Diakonie-Stiftung zu bedenken. Doch zu der (separaten) Vorgehensweise sei damals von der Göttinger Kulturpforte geraten worden, es gerade nicht an die Tafel anzudocken, erinnerte die Kultur-Sachgebietsleiterin an die Präsentation der Göttinger in Einbeck.

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) verzichtete darauf, nach Schuldigen für die lange Verzögerung bei der Kulturpforte in Einbeck zu suchen und diese zu benennen. Im Rathaus jedenfalls und bei der Kultur-Sachgebietsleiterin finde man diese aber nicht, sagte sie. Schuld ist auch ein großes Wort, dennoch gehört es dazu, nach Verantwortlichkeiten zu fragen, warum etwas lange dauert, sich verzögert, schiefgeht. Und es gehört zu Politik, dies alles klar zu benennen. Es ist übrigens auch keine Schande, mal einen Fehler zuzugeben. Wo Menschen arbeiten, werden solche gemacht.

35 Monate und noch immer keine Kulturpforte offen

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU).

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU).

Lange nichts mehr gehört von der geplanten Kulturpforte, einem Projekt, bei dem vergleichbar dem der Tafeln nicht genutzte Eintrittskarten von Kulturveranstaltungen für sozial schwächere und interessierte Bedürftige zur Verfügung gestellt werden sollen. Zuletzt war die Rede davon, dass die Kulturtafel im vergangenen Herbst starten sollte. Daraus wurde nichts. Wie jedoch der aktuelle Sachstand ist, bleibt auch nach einer Anfrage von Ratsmitglied Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) in dieser Woche im Stadtrat zunächst unklar. Antwort mit dem Protokoll, die Zuständigkeiten im Rathaus haben gewechselt, niemand wusste was. Aha. 35 Monate seien mittlerweile seit der CDU-Initiative vom März 2014 vergangen, rechnete Hoffmann-Taufall vor. Doch noch immer können sozial Schwächere keine Tickets für Konzerte, Theaterstücke oder Comedyabende erhalten, die ohnehin verfallen und deren Plätze leer bleiben würden, weil niemand die Karten gekauft hat. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) habe sich das Projekt auf die Fahnen schreiben wollen, sagte Hoffmann-Taufall. Wie Einbeck von der Kulturpforte Göttingen bei Struktur und operativem Geschäft lernen und profitieren könnte, erläuterte der dortige Verein im März 2015 im Kulturausschuss. Im September 2015 dann die Aussage, dass es losgehen könne. Bald. In Kürze. Unverzüglich. Doch daraus wurde nichts. Heidrun Hoffmann-Taufall hält eine Kulturtafel heute wichtiger denn je, gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration seien in der aktuellen gesellschaftlichen Situation notwendig, sagte sie im Stadtrat. Kultur darf nicht nur für diejenigen sein, die es sich leisten können.

Es kommt der Entwertung eines Antrags gleich, wenn dessen Bearbeitung und Umsetzung verzögert und verschleppt wird – so lange möglichst, bis im Zweifel niemand mehr nachfragt? Möchte da jemand die Sache klammheimlich beerdigen, weil sie vielleicht doch nicht so läuft wie großmännisch angekündigt? Das wird nicht funktionieren. Ach übrigens, wie schon einmal im Kulturausschuss im März 2016, hätte im Stadtrat in dieser Woche vermutlich einer unmittelbar und direkt und auf aktueller Sachlage basierend antworten können. Aber der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Hojnatzki konnte auch an diesem Abend den AWO-Vorsitzenden, der er auch ist, gut abspalten. Und stumm bleiben. Und formal war ja bei der Frage Hoffmann-Taufalls auch die Verwaltung angesprochen. Schon klar. Kollegialer Umgang jedoch geht anders.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über den müden Witz lachen, dass wahrscheinlich eher der Berliner Flughafen öffnet als die Einbecker Kulturpforte…

Nachtrag 28.02.2017: Wie angekündigt, hat die Stadtverwaltung mit dem Protokoll der Ratssitzung heute nachrichtlich einen aktuellen Sachstand zur Kulturpforte mitgeteilt, mehr soll es dann aktualisiert in der nächsten Kulturausschuss-Sitzung am 30. März geben, bleiben wir also gespannt, zum Beispiel ob sich der Projektträger dann oder bis dahin einmal selbst äußert. Bei der schriftlichen Antwort aus dem Rathaus jedenfalls lohnt es sich wirklich, auf jedes Wort zu achten: „Die AWO Einbeck konnte das Projekt bisher nicht vollständig umsetzen“, heißt es im Protokoll. „Derzeit werden noch datenschutzrechtliche Voraussetzungen geprüft. Außerdem muss der erfolgversprechendste Weg zur persönlichen Ansprache möglicher Empfänger noch in Absprache mit der Einbecker Tafel entwickelt werden.“ Ich kann kaum glauben, was ich da lese. Nach so langer Zeit müssen noch „datenschutzrechtliche Voraussetzungen“ geprüft werden? Warum ist das nicht längst geklärt, zumal ja das in Göttingen bereits laufende Projekt als Vorbild dienen soll? Und noch viel weniger glauben kann ich den nächsten Satz, dass erst noch ein Weg gefunden werden soll, wie man potenzielle Nutzer persönlich ansprechen will… Wie wäre es direkt, persönlich, unmittelbar? Haben Sie Interesse an einer Karte für die Zwölf Tenöre? Aber wahrscheinlich müssen die Beteiligten dafür erst noch einen Arbeitskreis, eine Findungskommission und eine Umsetzungsgruppe bilden. Ich fasse das alles nicht, schon der erste Satz der Mitteilung ist eine höfliche Umschreibung. Er könnte nämlich auch lauten: „Die AWO hat das Projekt bislang nicht wie angekündigt umgesetzt.“

Nachtrag 13.03.2017: Die CDU-Ratsfraktion hat in einer Pressemitteilung noch einmal die Umsetzung angemahnt. Es könne nicht angehen, dass das Thema „Kulturpforte für Einbeck“ seit mittlerweile knapp drei Jahren nicht voran gehe. Der AWO-Ortsverein habe sich seinerzeit um die Umsetzung praktisch gerissen. Es passe nicht zur bereits begonnenen Wahlkampagne der SPD und es passe auch nicht zu einer SPD-nahen Organisation, dass die Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Integration in den Hintergrund gerückt werde statt sie mit Nachdruck voranzutreiben. Es könne der Eindruck entstehen, der Antrag zur Errichtung einer Kulturpforte würde von der SPD blockiert, meint die CDU. Nach drei Jahren die Verzögerung mit datenschutzrechtlichen Regelungen zu entschuldigen, mache sprachlos. Zudem würden durch die Kultur- und Denkmalschutzstiftung zugesagte Finanzmittel durch diesen Stillstand ebenfalls blockiert. Das werde man nicht länger hinnehmen, erklärte die CDU-Ratsfraktion.

Nachtrag 14.03.2017: Durch Zufall wurde ich heute aufmerksam auf die Beratungsunterlagen für die nächste Kulturausschuss-Sitzung (30. März), die im öffentlichen Ratsinformationssystem nachzulesen sind. Nach diesen Informationen hat die Kulturpforte in Einbeck bereits geöffnet! Denn seit der achten Kalenderwoche, also seit 20. Februar, würden Kunden der Tafel gezielt angesprochen, auch habe der seit Jahresbeginn wieder zur Stadtverwaltung gehörende  Kulturring 50 Eintrittskarten für verschiedene Veranstaltungen der laufenden Saison zur Verfügung gestellt. Die praktische Umsetzung der Kulturpforte habe begonnen. Schön zu wissen. Schlecht, davon erst durch Zufall zu erfahren. „Es besteht Übereinstimmung in der Einschätzung, dass die Anlaufstelle zunächst grundsätzlich die Tafel sein sollte, auch wenn vielleicht zunächst nur ein Viertel der registrierten Kunden sich auf das Angebot einlässt“, heißt es in der Vorlage aus dem Rathaus. So würden auch keine datenschutzrechtlichen Probleme entstehen, heißt es. Zwischen wem Übereinstimmung besteht, wird leider in der Vorlage nicht erwähnt. „Wenn auf diese Weise erste positive Erlebnisse zur Bereitschaft führen, sich in eine gesonderte Datenbank für weitere Kulturangebote aufnehmen zu lassen, wird diese Datenbank bei der AWO gepflegt und weiter entwickelt“, heißt es zum Sachstand weiter. „Auf diesem unbürokratischen Weg soll die kulturelle Teilhabe zunächst für ein halbes Jahr erprobt werden. Wenn erforderlich, kann eine umfangreichere Inanspruchnahme mit noch mehr aktiver Arbeit von Seiten der AWO weiterentwickelt werden.“ Wann wer eine Probezeit für das Projekt beschlossen hat und wer dieses jetzt komplett zur Einbecker Tafel transferiert und die AWO zunächst entlastet hat, ist mir sicherlich nur entgangen…

Agenda 2017

Sitzungssaal im Alten Rathaus. Archivfoto.

Sitzungssaal im Alten Rathaus. Archivfoto.

Das war’s. Das Jahr ist kommunalpolitisch längst Geschichte. Schon deutlich vor Weihnachten fielen die letzten Entscheidungen in politischen Gremien – so denn überhaupt etwas entschieden und nicht nur vertagt wurde. „Zwischen den Jahren“ war das Rathaus wieder geschlossen, nachdem dort von höchster Position festgestellt worden war: Einbeck entwickelt sich weiter prächtig. Höchste Zeit also, ein paar unbequeme Impulse zu geben für das neue Jahr. Das sollte auf der Tagesordnung stehen, hier also die Agenda 2017:

  • Um nicht gleich mit etwas Negativem zu beginnen: Sehr übersichtlich, aktuell und anschaulich kann sich inzwischen jeder auf der Website der Stadt Einbeck darüber informieren, was alles in Einbeck geplant wird. Ein Dutzend aktueller Projekte ist dort sichtbar. Das ist toll. Doch die Planung ist das eine. Damit alles nicht ausschließlich zu teuren Planspielen wird, wäre es 2017 extrem wünschenswert, wenn einmal etwas sichtbar umgesetzt würde von all den Plänen. Über die intensiv und ausführlich und – zugegeben – mit Bürgerbeteiligung diskutiert worden ist. Natürlich kostet alles (leider ja nur begrenzt vorhandenes) Steuergeld. Deswegen sind auch die Diskussionen über Planungen so wichtig, soll doch mit unser aller Geld gebaut werden. Da haben es private Bauherren leichter als öffentliche. Doch bei zu vielen Dingen steht noch in den Sternen, wann der Bagger rollt. Die Liste ist lang – und sie wird immer länger. Neustädter Kirchplatz? 2017 wird noch mit Planungen draufgehen, dann muss Fördergeld aquiriert werden (was erfahrungsgemäß auch lange dauert). ZOB? Verschoben auf frühestens 2020. Da nutzte auch die für Ende 2017 angekündigte Bahnstrecken-Reaktivierung als Katalysator nichts. „Magistrale der Baukultur“ und Umbau der Tiedexer Straße? Die Pläne liegen vor, doch wann mit der Umsetzung gestartet werden kann, ist bislang offen. Sanierung Altes Rathaus? Das Prestigeobjekt mit den drei Türmen wird 2017 zur Konzeptimmobilie im Fachwerk-Fünfeck. Was aber auch nichts bedeutet, außer dass geplant wird – unter anderem wie das Rathaus barrierefrei werden kann. Umgebaut ist es davon noch lange nicht. Und so lange wird übrigens auch noch das schicke blaue Plastik-WC auf dem Hallenplan stehen. Vom Möncheplatz oder gar vom Stukenbrokpark will ich gar nicht mehr reden, das sind Wiedervorlagen aus der Agenda 2016 und 2015. Auch hier ist man über das Planungsstadium noch nicht hinaus gekommen. Damit die immer und kontinuierlich notwendigen Planungen weiterhin Akzeptanz finden, ist es unbedingt notwendig, dass auch einmal etwas umgesetzt wird. Nicht alles auf einmal, aber zumindest etwas. Einbeck hat ein Umsetzungsproblem. Offenbar war die Pause auf dem Chefsessel im Bauamt doch zu lang, ist zu vieles liegen geblieben, das während der Vakanz hätte geplant werden können und heute gebaut werden könnte. Und auch die Kommunalwahl im abgelaufenen Jahr hat viel Zeit gekostet, gerade erst sind nach mehr als einem Vierteljahr Pause die Gremien wieder arbeitsfähig.
  • Höchste Zeit wird es, beim Thema freies WLAN für die City mal einen entscheidenden Schritt voran zu kommen. Auch hier gibt es weniger das Erkenntnis-, sondern eher ein Umsetzungs-Problem. Diskutiert wird schon lange, der SPD-Antrag stammt aus dem Dezember 2014 (!), geschehen ist seitdem sichtbar nichts außer mancher Vertröstung. Das muss in 2017 definitiv anders werden, wollen sich handelnde Akteure nicht lächerlich machen. Warum gelingt es denn in anderen Städten? Warum können (und machen) es denn die Freifunker? Ich bin gespannt, wann es einen entscheidenden Schritt nach vorn geben wird.
  • Einen Schritt zurück machen Tourismus und Kulturring (und das muss nicht unbedingt schlecht sein): Beide ehemaligen Bereiche der Einbeck Marketing GmbH gehören 2017 wieder zur Stadt Einbeck – nach sechs Jahren Pause. Nun bin ich mal gespannt, wie gut das Gedächtnis im Rathaus ist, denn bis 2010 gehörten diese Themen zu den Aufgaben der Stadtverwaltung. Natürlich ist inzwischen ein bisschen was passiert (und sei es auch nur, dass ein nicht gänzlich unbedeutender touristischer Player neu in Einbeck mitspielt, Stichwort PS-Speicher). Aber grundsätzlich sind die Anforderungen nicht neu, zumal ja auch das aktive, das arbeitende Personal gleich bleibt und nur die Führungsköpfe wechseln. Einige positive Ansätze lassen hoffen. Vielleicht muss man aber im Bereich Events am Ende auch einfach zu der Erkenntnis kommen, dass es nicht (mehr) notwendig ist, dass die Stadt Kulturveranstaltungen anbietet und damit konkurrierend in dem Metier mitmischt, in dem sich in Einbeck zahlreiche Vereine, Initiativen und Institutionen erfolgreich tummeln und für ein bereites kulturelles Angebot sorgen. Natürlich soll Kultur für alle möglich sein (und auch mal anspruchsvolles, leider zu gering frequentiertes Theater, das Profit-Organisationen nicht anbieten, weil sie es nicht kostendeckend können), nicht nur für den Verkaufs-Mainstream. Unterstützend für bedürftige Kulturnutzer könnte hier die Kulturtafel sein… apropos, was macht die eigentlich? Lange nichts mehr gehört, der Start für die Kulturpforte in Einbeck sollte längst gewesen sein. Das wird dann sicher 2017 etwas.

Und sonst? Auch im neuen Jahr wird es wieder Gelegenheiten geben, bei denen Politik in Einbeck auf Ungeplantes reagieren muss. Hoffentlich werden ein paar politische Themen neu auf der Tagesordnung auftauchen. Und 2017 werden ebenso wieder einige Personalien u.a. auch diesen Blog beschäftigen. Welche? Das wird sich zeigen, aber auf jeden Fall wird es um Stellen und Positionen in der Rathaus-Verwaltung gehen (neuer Stadtarchäologe, neue Gleichstellungsbeauftragte, neuer Behindertenbeauftragter), aber auch um das politische Personal für die Bundestagswahl 2017 und die Landtagswahl 2018. Beispielsweise will ja ein Einbecker nach Berlin. Ob er dort ankommt? Sie werden es hier erfahren.

Kulturpforte öffnet später

Die Kulturpforte in Einbeck wird erst ein Jahr später als ursprünglich gedacht öffnen und Eintrittskarten von Kulturveranstaltungen an bedürftige Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen abgeben können. Ursprünglich war geplant, das Projekt in Einbeck bereits im Oktober vergangenen Jahres zu starten und ab Januar 2016 die ersten Tickets von Konzerten, Lesungen oder Theaterstücken abzugeben. Bereits in der jüngsten Ratssitzung Mitte Februar war Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) auf Anfrage diese Verzögerung bestätigt worden. Weil ein Teil des zugesagten Fördergeldes fehle, hieß es von Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder zur Begründung. Von einigen Tausend Euro war die Rede, insgesamt sind für die Kulturpforte Einbeck rund 21.000 Euro notwendig, so war es jedenfalls angekündigt worden. In der gestrigen Kulturausschuss-Sitzung wurde nun – ebenfalls erst auf hartnäckige Nachfrage von Heidrun Hoffmann-Taufall – bekannt, dass es in Einbeck noch mehrere Monate dauern wird, bis wie in Göttingen die ersten Eintrittskarten an bedürftige Menschen vermittelt werden können. Immerhin aber: „Das Projekt ist durchfinanziert“, sagte Dr. Elke Heege aus dem Sachgebiet Kultur der Stadtverwaltung. Genaue Zahlen nannte sie nicht. Nachdem jetzt alle Anträge genehmigt seien, würden jetzt bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Vorbereitungen mit zwei Mitarbeitern in die heiße Phase gehen und in Kooperation mit der Kulturpforte Göttingen die Datenbanken aufgebaut und potenzielle Nutzer angesprochen, das seien sensible Daten und dafür sein „ein bisschen Vorlaufzeit“ notwendig. Start könne jetzt im Herbst sein, sagte Heege.

Ärgerlich finde ich nicht die Tatsache, dass ein gutes Projekt später als geplant startet, das kann immer passieren. Höchst ärgerlich finde ich allerdings, dass diese Verzögerung erst auf mehrfache Nachfrage eines Ratsmitgliedes öffentlich wurde. Hätte CDU-Frau Heidrun Hoffmann-Taufall gestern wie im Februar im Stadtrat nicht nach der Kulturpforte gefragt, wüssten wir wahrscheinlich bis heute nicht, dass es noch Monate dauern wird, bis die ersten Kultur-Tickets vermittelt werden können. Und auch meine nach der Ratssitzung gestellte Anfrage zu der Thematik wurde im Rathaus – höflich gesagt – ausweichend behandelt, niemand wollte sich äußern – oder tat es erst auf Nachfrage mit windelweichen Formulierungen, die keine Klarheit brachten. Klare Antworten auf meine klaren Fragen waren es jedenfalls nicht.

Ratsherr Rolf Hojnatzki (SPD) lehnte es gestern im Kulturausschuss übrigens ab, zu der Thematik etwas zu sagen. Er sitze im Ausschuss nicht als AWO-Vorsitzender, sondern für die SPD. Merkwürdig, dass er im gleichen Ausschuss im September vergangenen Jahres die Kulturpforte für Einbeck vorgestellt hatte, damals schien das kein Problem für ihn zu sein. Aber damals gab es ja auch positive Nachrichten zu vermelden. Schade, dass einigen Medien immer nur dann hilfreich und nützlich scheinen, wenn sie etwas zu verkünden haben.

Nachtrag 28.05.2016: Wie aus den Beratungsunterlagen für die nächste Kulturausschuss-Sitzung am 7. Juni hervor geht, wird der AWO-Ortsverein als Träger des Angebots in Einbeck spätestens zum 1. Juni Mitglied im Verein Kulturpforte Göttingen. Gegenwärtig werde bei der AWO „die Maßnahme technisch und inhaltlich vorbereitet“, das Projekt sei für die nächsten zwei Jahren finanziert, heißt es aus dem Rathaus, also für 2016 und 2017? Das steht dort leider nicht in der Beratungsvorlage, nur dass ab 1. August ein Bundesfreiwilligendienstleistender (BuFDi) den Aufbau der notwendigen Datenbank betreuen sowie Kartenakquise und -vermittlung in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern übernehmen werde. Ob die ersten Karten nun wirklich definitiv im Herbst vermittelt werden können, werden wir also eindeutig wieder erst in der Ausschusssitzung erfahren. Hoffentlich nicht wieder erst auf hartnäckige Nachfrage.

Nachtrag 07.06.2016: Wie Sachgebietsleiterin Dr. Elke Heege im Kulturausschuss berichtete, sollen die ersten Eintrittskarten im Herbst mit Beginn der neuen Spielzeiten vermittelt werden, derzeit werde die entsprechende notwendige Infrastruktur aufgebaut.

Kulturpforte öffnet sich

Was lange währt… wird jetzt wenigstens in Kürze Realität. Das Projekt „Kulturpforte Einbeck“ soll am 15. Oktober starten, berichtete gestern Rolf Hojnatzki (SPD), der auch Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Einbeck ist, im Kulturausschuss. In diesem Gremium hatte bereits im März der Kulturpforten-Vertreter aus Göttingen berichtet, wie in der Universitätsstadt Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen an bedürftige Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen abgegeben werden. Sie liegen an der Kasse anonym bereit, niemand müsse sich als bedürftig outen. Die Einbecker Kulturpforte soll logistisch im Gebäude der AWO an der Grimsehlstraße angesiedelt werden, aber nur deshalb, betonte Hojnatzki, weil man Bürofläche, vorhandene Computer und AWO-FSJler als freiwillige Helfer in das Projekt einbringen wolle. Die Einbecker Kulturpforte wird mit der Göttinger zusammenarbeiten, auch deren funktionierendes und bewährtes Datenbank-Programm übernehmen. Nach dem Projektstart Mitte Oktober werden zunächst die Verträge mit den Kulturschaffenden abgeschlossen, wer wann wie viele Karten überlassen kann und will, außerdem wird die Datenbank eingerichtet, werden die Vermittler der Karten geschult und wird für die Kulturpforte Einbeck geworben. Mit 21.000 Euro sind die ersten zwei Jahre der Kulturpforte finanziell durch den Landschaftsverband Südniedersachsen, die Sozial- und Sportstiftung des Landkreises Northeim, die Sparkasse Einbeck und Spenden gesichert. Die ersten Kultur-Eintrittskarten konkret vermittelt werden sollen ab Mitte Januar 2016. Wo die Kulturpforte in Einbeck ihren Sitz habe, sei zweitrangig, betonte Hojnatzki. Die Erfahrung in anderen vergleichbaren Projekten habe gezeigt, dass Mitarbeiter der „Kultur-Tafel“ eher auf die Zielgruppe zugehen müssten, als dass diese selbst in einem Büro nach Karten nachfragten.

Nachtrag 13.02.2016: Wie Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder in der jüngsten Stadtrat-Sitzung erklärte, habe die Kulturpforte leider noch nicht wie geplant ihre Arbeit beginnen können, weil ein Teil des zugesagten Fördergeldes fehle. Man suche nach Lösungen. Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) hatte nachgefragt, warum zwei Jahre nach Initiative durch einen CDU-Antrag immer noch nichts passiert sei.

Schöne Ferien!

Auf diesen Stühlen wird in Einbeck Politik gemacht.

Auf diesen Stühlen im Sitzungssaal des Alten Rathauses wird in Einbeck Politik gemacht.

Die kommunale Politik ist beinahe zeitgleich mit Beginn der Schulferien in eine sommerliche Ruhepause gestartet. Jedem sei Erholung und Entspannung gegönnt, auch dieser Blog wird in den nächsten Wochen mit Sicherheit ein wenig ruhiger sein… Außer wenigen Sommerreisen und Ortsbesichtigungen steht nicht viel im Kalender der ehrenamtlichen Politiker. Zeit zum Durchschnaufen muss auch mal sein. In genau einem Jahr, kurz vor der nächsten Stadtratswahl, wird das ganz anders sein, da bin ich mir ziemlich sicher.

Doch bevor es in die Ferien geht, gibt es Zeugnisse… Nein, keine Angst. Ich ziehe hier nur mal Halbzeitbilanz für die ersten Monate, schaue nach, welche Haken ich an meine im Januar hier aufgestellte Agenda 2015 schon machen kann:

  • Die Bauamtsleiter-Position ist nach langer Vakanz endlich besetzt: Seit 1. Mai ist Frithjof Look, ein 28-jähriger Berufsanfänger, Baurat im Einbecker Rathaus und Nachfolger von Gerald Strohmeier. Der war übrigens auch Berufsanfänger, als er einst im Einbecker Bauamt anfing! Da Look noch nicht die berühmten 100 Tage im neuen Amt ist, muss eine erste umfassende Einschätzung einstweilen warten. Eine erste Feuertaufe war sicher die Bürgerbeteiligung-Veranstaltung zum Neustädter Kirchplatz. Ob es clever war, dort komplett zu schweigen und das Feld der Bürgermeisterin zu überlassen, wird sich noch zeigen. Gerade beim Projekt Neustädter Kirchplatz vermisse ich unverändert mehr Tempo. „Planung braucht Zeit – gut Planung vor allem“, hatte Look zum Einstand gesagt. Das mag ja alles so sein. Ein wenig mehr jugendliche Ungeduld kann aber auch nicht schaden.
  • Mit dem vor ein paar Tagen eröffneten PS-Pfad hat sicherlich die Bedeutung der Tiedexer Straße gewonnen. Nicht jedoch automatisch deren Aussehen. Und mehr Ladengeschäfte sind auch (noch) nicht belebt, sondern weiterhin lediglich (mehr oder minder aktuell gehaltene) schlaue Schaufenster. Der Politik-Fokus auf der Innenstadt-Entwicklung ist in ersten Ansätzen durchaus erkennbar (und schon meckern bei der Leitbild-Diskussion die Dörfer in mehreren Ortsratssitzungen, dass sie im Leitbild-Entwurf zu wenig berücksichtigt werden). Indes: Von großen Gemeindehaus-Plänen am Stiftplatz hat man ebenso wenig wieder etwas gehört wie vom Möncheplatz. Dort sind lediglich der Taxi-Stand auf die andere Straße verlegt und die Parkplätze mit neuen weißen Linien versehen worden. Die Galerie bunter Zeichnungen mit Ideen für die Zukunft dieses Platzes stammt von Ende Oktober 2013. Passiert ist seitdem: Nichts, was nennenswert erkennbar wäre. Das muss sich ändern!

Eineinhalb von drei Haken kann ich aber machen, das sollte jetzt Kommunalpolitiker freilich nicht in Jubelstürme ausbrechen lassen. Denn während einige Baustellen abgearbeitet sind, müssen neue bearbeitet werden. Eine war über Monate im Eicke’schen Haus entstanden, das von außen immer so propper aussieht. Nach monatelanger Übergangsphase bei der Einbeck Marketing GmbH ist jetzt die Geschäftsführer-Position zum 1. September wieder besetzt. Florian Geldmacher (29) hat die schwere Aufgabe, mit begrenztem Budget eine lange Wunschliste abzuarbeiten. Bis man hier eine erste Einschätzung wagen kann, werden noch ein paar Monate vergehen. Immerhin ist die Stelle wieder besetzt – und bleibt es hoffentlich auf lange Zeit. Eine erste Kandidatin für eine Neubesetzung hatte kurz vor Vertragsabschluss abgesagt und die Entscheider eine weitere Vorstellungsrunde drehen lassen.

Die Grünen haben aufgeregt irgendwelche negativen Bilanz-Zahlen über die Einbeck Marketing GmbH in die Welt geblasen. Damit haben sie viele aufgescheucht und mit der Art und Weise ihrer Kritik irritiert, außerdem mit Formulierungen wie „demagogisch“ völlig unnötig einige gegen sich aufgebracht. Der Sache hat das alles einen Bärendienst erwiesen. Denn im Kern haben die Grünen ja in manchem Recht, und einige Fragen haben sie gestellt, die längst überfällig waren. Sie sind auch noch nicht beantwortet. Bei Transparenz, Offenheit und Kommunikation ist im Eicke’schen Haus Nachhilfe notwendig. Nur zur Erinnerung: Diese GmbH hat zwei Gesellschafter, der größere ist die Stadt Einbeck, sind wir also imgrunde alle. Wir Steuerzahler. Der zweite Gesellschafter ist die InitiativGemeinschaft – ein Verein mit Mitgliedern, die ein ebenso großes Interesse wie Recht haben zu erfahren, wo ihr Geld, wo ihr Mitgliedsbeitrag bleibt. Die Mitgliederversammlung am 3. September könnte spannend werden.

Einiges von meiner Agenda 2015 hängt weiterhin in Warteschleifen. Und von denen ist bekanntlich jeder genervt. Noch nicht abgeschlossen sind beispielsweise die Projekte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Leerstandsimmobilien-Kataster, Kulturtafel für Bedürftige (immerhin ist ein Förderantrag bewilligt), freies WLAN in der City (immerhin sind die Planungen abgeschlossen und ist klar, wie es funktionieren soll), Interessenvertretung für Jugendliche…

Apropos Jugendliche: War da nicht mal was mit Haus der Jugend? Das scheint ja überhaupt auf keiner Agenda mehr zu stehen. Selbst die vor Monaten noch so lebendige Facebook-Gruppe ist tot, wenn auf die Frage eines Mitglieds, ob man nicht mal im Rathaus einen Besuch abstatten und um eine Sachstandsmeldung bitten solle, keine einzige Reaktion von Jugendlichen kommt…

Schöne Ferien!

Gesprächskultur

Schön, dass wir mal darüber gesprochen haben… Vor exakt einem Jahr (!) hatte die CDU ihren Antrag auf eine Kultur-Tafel eingebracht. Gestern (!) nun hat Dr. Michael Bonder von der Kulturpforte Göttingen das dortige Projekt in der Sitzung des Einbecker Kulturausschusses präsentiert. Mit Interesse und ein paar Fragen haben die Einbecker Kulturpolitiker den kurzen Vortrag zur Kenntnis genommen. Und dann… passierte nichts: Keine Diskussion mit Entscheidung, ob wann und wie ein vergleichbares Projekt auch in Einbeck an den Start gehen könnte sollte müsste und wenn ja von wem initiiert und betreut. Und schon gar kein Beschluss. Aber gut, dass wir mal wieder darüber gesprochen haben… So habe ich leider keinen Haken für einen erledigten Punkt auf der Agenda 2015 für die Einbecker Politik.

Dr. Michael Bonder (r.) vom Verein Kulturpforte Göttingen präsentierte das Projekt im Kulturausschuss.

Dr. Michael Bonder (r.) vom Verein Kulturpforte Göttingen präsentierte das Projekt im Kulturausschuss des Einbecker Stadtrates.

Die Kulturpforte Göttingen, die Eintrittskarten von Veranstaltungen an bedürftige Menschen abgibt, hat sich nach drei Jahren in Göttingen inzwischen etabliert. Zurzeit hätten sich 310 Menschen registriert, darunter seien 50 Kinder, berichtete Dr. Michael Bonder, der stellvertretender Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der AWO Göttingen ist. Die Nachfrage nach Karten übersteige regelmäßig das Angebot, wobei es Unterschiede gebe: Einige Karten würden förmlich aus den Händen gerissen (beispielsweise Basketball-Karten oder Tickets des Göttinger Symphonie-Orchesters), andere eher nicht. 2014 habe man mehr als 1000 Karten vergeben können, berichtete Bonder. Professionelle, überregionale Veranstalter von Kulturevents, zum Beispiel in der Lokhalle, beteiligten sich nicht an dem Projekt. Die Kulturpforte Göttingen ist als gemeinnütziger Verein organisiert und an die Arbeiterwohlfahrt (AWO) räumlich und organisatorisch angegliedert. Er finanziert sich aus Spenden und durch Fördermittel (Klosterkammer), welche aber ausgelaufen sind; daher werde jetzt ein Mitgliedsbeitrag erhoben und ein Förderverein gegründet. Praktisch laufe die Vermittlung von nicht verkauften Eintrittskarten von Kultur-Veranstaltungen, dass die Kulturpforte die Vermittlung zwischen Kulturanbietern und den Kunden übernehme, berichtete Dr. Michael Bonder. In einer eigens entwickelten Software-Datenbank werden die angegeben Veranstaltungs-Vorlieben und -Wünsche mit den vorliegenden freien Karten abgeglichen, dann die Interessierten angerufen, die sich die Tickets ohne sich „outen“ zu müssen wie jeder andere Veranstaltungsgast an der Abendkasse abholen können. Die Interessierten müssten wegen der Gemeinnützigkeit des Vereins bei der Registrierung ihre Bedürftigkeit belegen, vergleichbar wie bei der Lebensmittel-Tafel. Er gab den Tipp, eine Kultur-Tafel an eine soziale Einrichtung anzugliedern (in Göttingen ist das die AWO), die von der Zielgruppe ohnehin besucht werde. Und dann brauche man jemanden, der sich ständig kümmere. „Die stürmen nicht auf Sie zu“, sagte Bonder. Eine Kultur-Tafel sei kein Selbstläufer, ein eher schambesetztes Thema für die Betroffenen, die immer wieder gezielt angesprochen werden müssten – ebenso wie die Kulturanbieter.

(c) Flyer des Vereins Kulturpforte Göttingen.

(c) Flyer des Vereins Kulturpforte Göttingen.

Auslastung 110 Prozent

Eng, sehr eng: Kulturausschuss-Sitzung am 17.03.2015 in Raum 107 im Neuen Rathaus.

Eng, sehr eng: Kulturausschuss-Sitzung am 17.03.2015 in Raum 107 im Neuen Rathaus.

Die Raumkapazitäten bei der Sitzung des Kulturausschusses waren gestern zu mindestens 110 Prozent ausgelastet. Mit anderen Worten: Es war voll in Raum 107 des Neuen Rathaus, sehr voll und eng, mehrere mussten gar anfangs stehen. Selbst Ausschussmitglieder (und Medienvertreter) fanden zunächst keinen Sitzplatz, bis SPD-Fraktionschefin Margrit Cludius-Brandt nach den ersten Tagesordnungpunkten die ungerührte Sitzungsführung der Ausschussvorsitzenden Dr. Ursula Beckendorf (GfE) nicht mehr teilen mochte und diese darauf hinweisen musste. Peinlich. Dabei waren noch nicht einmal alle gewählten Auschussmitglieder gestern anwesend…

Alle Sitzplätze belegt, einige mussten anfangs gar stehen.

Alle Sitzplätze belegt, einige mussten anfangs gar stehen.

Das Ganze hat imgrunde gezeigt, wie ungeeignet dieser Raum im Neuen Rathaus selbst für mittelprächtige Ausschuss-Sitzungen geeignet ist. Jedenfalls in der aktuellen Tisch- und Bestuhlungsform. Zumindest sollte doch wohl jedem gewähltem Ausschussmitglied ein akzeptabler Sitzplatz für mindestens 90 Minuten bereit gestellt werden können, von der interessierten Öffentlichkeit gar nicht zu reden. Und weil Informationen per Beamer an eine Wand geworfen wurden, fiel auch noch ein Teil der Fläche für Sitzplätze aus. Gar nicht mehr daran denken möchte ich, dass schon einmal öffentliche Ratssitzungen in diesem Raum stattgefunden haben. Zugegeben, das waren Sondersitzungen mit nur einem Tagesordnungspunkt, aber dennoch…

Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder hatte zu Beginn der Sitzung eingeräumt, dass er mit einer solchen Resonanz nicht gerechnet habe. Freilich, wegweisende Beschlüsse hat der Kulturausschuss gestern nicht gefasst (imgrunde hätte er beinahe überhaupt keinen einzigen Beschluss gefasst, sondern nur Berichte entgegen genommen, wenn nicht die SPD die Handlungsempfehlungen der Verwaltung bei der Rückkehrförderung zu einer Zustimmung-Beschlussempfehlung umgebastelt hätte, der der Ausschuss einstimmig gefolgt ist). Doch selbst wenn Beschlüsse weitreichender Art vorab nicht zu erwarten waren, ein großes Interesse beim Thema Musikschule kann man in Einbeck erst einmal grundsätzlich immer unterstellen. Und da dürfte es ja wohl nicht zuviel verlangt sein, in der großen Stadt Einbeck einen ausreichend großen Raum für eine solche Sitzung zu finden. Raum 107 ist das bitte definitiv in Zukunft nicht. Für vertrauliche Verwaltungsausschuss- oder Aufsichtsrats-Sitzungen ohne Publikum mag dieses Zimmer im Neuen Rathaus ja sehr geeignet sein. Für öffentliche Sitzungen ist es Raum 107 nicht. Das dürfte spätestens seit gestern klar sein.

Nachtrag 18.03.2015, 17:00 Uhr: Umgehend hat sich Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder per Twitter zu Wort gemeldet und Besserung gelobt. Daumen hoch! 😉