Runder Tisch: Konstruktive, wertschätzende Atmosphäre

Der Runde Tisch zur Situation im Bürgerspital hat neben dem Positionsaustausch auch Impulse für weitere Gespräche zwischen den Tarifvertragsparteien im Einbecker Krankenhaus geben können. „Beide Tarifparteien haben klare Erwartungen aneinander formuliert und vereinbart, die Gespräche fortzusetzen“, sagte mir Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute nach dem dreistündigen Gespräch. Nähere Einzelheiten nannte sie nicht; weitere Teilnehmer des Runden Tisches äußerten sich zunächst nicht. Die Rathauschefin hatte nach dem vor einigen Wochen zugespitzten Streit zu dem vermittelnden Gespräch eingeladen. Der Sanierungstarifvertrag war Ende April dieses Jahres ausgelaufen, in den folgenden Monaten waren aber nicht wieder die ursprünglichen Tarifgehälter gezahlt worden; die Klinik-Mitarbeiter hatten während der mehrjährigen Sanierungsphase auf 8,5 Prozent des Entgelts verzichtet. Als Ergebnis des Runden Tisches sei ferner festzuhalten, dass die tarifrechtliche Situation von Geschäftsführung und den Gewerkschaften als Tarifvertragsparteien weiter bearbeitet werden soll, erklärte die Bürgermeisterin. Zwischen Vertretern der Politik und Beiratsvorsitzenden Jochen Beyes soll es die Möglichkeit zu Hintergrundgesprächen geben, erläuterte Dr. Sabine Michalek. „Die Teilnehmer haben in einer sehr wertschätzenden und konstruktiven Atmosphäre intensiv Informationen und Positionen ausgetauscht und konkrete Fragen beantwortet.“ Am heutigen Freitag Vormittag hatten sich im Rathaus knapp 20 Vertreter der Stadt- und Kreispolitik, des Betriebsrates des Einbecker Bürgerspitals, der Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund sowie die Geschäftsführung und Mitglieder des Beirats des Krankenhauses getroffen.

Bürgerspital und Rathaus

Ob der Marburger Bund an dem von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek initiierten Runden Tisch zwischen Geschäftsleitung und Gewerkschaften im Bürgerspital Einbeck teilnehmen wird, ist nach wie vor offen. Die Gewerkschaft der angestellten Ärzte erwartet zuvor ein Signal, dass sich das Krankenhaus wieder an die gültigen Tarifverträge halten wird. Ansonsten mache ein solches moderiertes Treffen wenig Sinn, heißt es beim Marburger Bund Niedersachsen. Der Sanierungstarifvertrag war bekanntlich Ende April dieses Jahres ausgelaufen, in den folgenden Monaten waren aber nicht wieder die ursprünglichen Tarifgehälter gezahlt worden; Mitarbeiter hatten während der mehrjährigen Sanierungsphase auf 8,5 Prozent des Entgelts verzichtet. Die Einbecker Rathauschefin hatte sich als Vermittlerin eingeschaltet und für den 9. Dezember zu einem Treffen eingeladen. Bereits Verdi-Gewerkschaftssekretärin Julia Niekamp hatte davor gewarnt, den Runden Tisch mit Tarifverhandlungen zu verwechseln. Was also kann realistischerweise bei dem Runden Tisch heraus kommen außer einer adventlichen Kaffeerunde am Freitag? Oder brauchte nur jemand einen Schuldigen, dem er bei einem Scheitern des Runden Tisches den Schwarzen Peter zuschieben kann?

Unterdessen hat sich das Rathaus zum Thema Bürgerspital geäußert, wenn auch teilweise reichlich verklausuliert. Im neuesten E-Paper der Stadtverwaltung, das von Rathaus-Jurist Dr. Florian Schröder verantwortet wird (der für die Stadt Einbeck im Beirat des Bürgerspitals sitzt), heißt es unter anderem im Vorwort: “Sie (die städtischen Vertreter in Gremien) müssen dafür Sorge tragen, dass die Gemeinwohl-Orientierung in der Tätigkeit der Unternehmen auch tatsächlich zum Tragen kommt. Das ist nicht immer einfach, insbesondere wenn die Stadt keine eigene Mehrheit hält, und erfordert manchmal auch die Unterstützung unpopulärer Entscheidungen.” Ob damit der Streit zwischen Gesellschafter-Gruppen gemeint ist? Ziel müsse stets das Gemeinwohl bleiben, denn diesem sei die Stadt in ihrem eigenen Handeln und demjenigen „ihrer“ Unternehmen verpflichtet, heißt es im Editorial. Im E-Paper wird “Auf ein Wort” auch die wechselvolle Geschichte der Klinik in Ansätzen skizziert, wobei das Haus übrigens nie im strengen Sinne kirchlich war, wie es dort aber heißt. Gemeint ist damit wahrscheinlich die Zeit des gemeinsamen (evangelisch geprägten) Klinikverbundes ProDiako, der platzte. Das Rathaus erinnert richtigerweise noch einmal daran, dass die Stadt (und damit der Steuerzahler) nach der Insolvenz die neue gGmbH mit einem Darlehen unterstützt hat.

Neu in Einbeck

Online ist die Unterseite Migration bei www.einbeck.de

Online ist seit heute die Unterseite Migration bei http://www.einbeck.de

Kurze Texte, eine einfache und klare Sprache, so aktuell und so genau wie möglich – der Anspruch, den der Arbeitskreis des Runden Tisches für Flüchtlinge und Migranten an die neue Website gestellt hat, ist hoch – aber er ist erfüllt worden. Seit heute ist die Unterseite des Internetauftritts der Stadt Einbeck online. Jeder, der neu in Einbeck ist, ob Flüchtling, Migrant oder andere Zugezogene, kann sich wichtige erste Basisinformationen online abholen: Wo kann ich die Sprache lernen? Wo ist ein Kindergarten oder eine Schule in meiner Nähe? Wie funktioniert das mit dem Müll? Welche Papiere benötige ich, um meinen Berufsabschluss in Deutschland anerkennen zu lassen und an wen wende ich mich? Auch diejenigen, die den Flüchtlingen ehrenamtlich helfen, erfahren auf der Seite wichtige Informationen für ihre Arbeit, sie finden Ansprechpartner für Fragen. Gegen eine Papier-Version und gegen eine (als zu teuer empfundene) Vergabe der Arbeit an eine externe Agentur habe man sich entschieden, sagte Fachbereichsleiter Arnd Severidt. Das Ergebnis gebe dem recht. Seit Ende April hat sich der Arbeitskreis getroffen und an dem Auftritt gemeinsam gearbeitet, die Infos eingeholt und zusammengestellt. Jetzt, Mitte Juli, ist er online gegangen, das ging erfreulich schnell und unkompliziert. Ein Link auf der Startseite der Stadt oder unter Aktuelles würde das Klicken durch die verschiedenen Menüs ersparen und sollte noch folgen.

Die Willkommensplattform, auf der es viele Verlinkungen zu externen und anderen Seiten der Stadt gibt, will den Neu-Einbeckern die Orientierung im Alltag erleichtern. “Wir haben für Sie Wissenswertes zu den unterschiedlichsten Lebensbereichen zusammengestellt”, begrüßt Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek die Besucher auf der Startseite – auf Deutsch, Englisch und Französisch. Alle anderen Seiten sind ausschließlich auf Deutsch, allerdings verlinkt die Seite bei den Müllabfuhr-Infos zum mehrsprachigen Angebot der Kreisabfallwirtschaft des Landkreises. Die Einbecker Rathauschefin appelliert, die Angebote zu nutzen: “Scheuen Sie nicht den Weg zu den aufgeführten Beratungsstellen und Organisationen.” Sprache, Schule, Bildung und Beruf – das alles trage entscheidend zu einer guten Integration bei. Unterteilt sind die Informationen in die Bereiche “Hilfen im Alltag”, “Sprache, Schule, Bildung”, “Ausbildung, Beruf”, “Familie, Kinder”, “Kultur, Freizeit, Sport” und Religion.

Wer Anregungen, Anmerkungen oder ergänzende Informationen geben möchte, kann sich direkt an die Stadtverwaltung wenden, die die Seite gemeinsam mit den Arbeitskreismitgliedern pflegt: Lars Weinhardt ist dort Ansprechpartner: 05561 916-470, E-Mail: LWeinhardt@Einbeck.de . Der Runde Tisch Flüchtlinge trifft sich nächste Woche das nächste Mal.

Affront

Als einen “Affront gegenüber all denjenigen, die für Frieden, Toleranz und ein Miteinander aller Kulturen und Konfessionen eintreten”, hat die Einbecker SPD die jüngsten Äußerungen des CDU-Kreistagsabgeordneten Timo Dröge (Bad Gandersheim) bezeichnet und sich davon deutlich distanziert. Wer, wie ausweislich der Medienberichterstattung (hier und hier) geschehen, von “zwölf schlimmen Jahren” spreche und in einem Atemzug von “200 Jahren Asche” und sich beim erarbeiteten, vom Kreistag beschlossenen Flüchtlingskonzept des Landkreises enthalte, weil man nicht das “Weltsozialamt” sei, der lasse Kälte gegenüber Menschen erkennen und verharmlose Geschichte, meint nicht nur die SPD in Einbeck. Ich bin noch immer fassungslos. Martin Wehner (Einbeck), SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender, lässt sich wohltuend zitieren: “Es gibt nicht Flüchtlinge verschiedener Güte. Es ist egal, ob Menschen aus der Angst heraus flüchten, erschossen zu werden. Oder weil sie befürchten, zu verhungern. Es ist unsere Pflicht, ihnen Schutz und Obhut zu geben.”

Die SPD hat in ihrer Pressemitteilung (Wortlaut: SPD PM Fluechtlingskonzept 010315) richtigerweise auch darauf hingewiesen, dass sie es war, die im vergangenen Herbst bereits einen Runden Tisch zur Flüchtlingssituation in Einbeck initiiert hatte. Das Engagement am Runden Tisch, der sich Mitte Februar zuletzt getroffen hatte, hat in der Tat bereits zu erster guter Vernetzung untereinander geführt. Richtig ist aber auch, dass man schon wesentlich weiter hätte sein können, wie die SPD-Ratsmitglieder René Kopka und Marcus Seidel erklärten. Es läuft noch unrund, da kann man sicher noch etwas Tempo aufnehmen. Den Äußerungen des Kreistagsvorsitzenden Peter Traupe (SPD), Hilfe für flüchtende Menschen sei unsere Pflicht als Mensch und als Christ, kann ich mich im Übrigen nur anschließen.

Bislang sind zwar keine Wortmeldungen aus der Kreistagsfraktion der Christlich-Demokratischen Union öffentlich geworden, die sich hinter ihren stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Timo Dröge stellen. Allerdings leider auch keine, die sich deutlich von seinen Einlassungen distanzieren. Noch ist es dafür nicht zu spät, liebe CDU.

Nachtrag 05.03.2015: Der Kreisvorsitzende der Linken, Carlo Bleichert (Bad Gandersheim), hat den Kreisverband der CDU und den Kreistagsabgeordneten Timo Dröge aufgefordert, sich von den verharmlosenden Äußerungen zu distanzieren und sich hierfür öffentlich zu entschuldigen. “Will Herr Dröge mit diesen gemachten Äußerungen Stimmung machen, wie es Pegida und deren Ableger betreiben? Begibt er sich hierbei auf Stimmenfang bei Wählerinnen und Wählern von NPD bis AfD? Dies kann doch nicht im Sinne seiner Partei der CDU sein, die sich auf christliche Werte stützt”, heißt es in einer Pressemitteilung der Linken.

Nachtrag 09.03.2015: Während die CDU weiterhin auf Tauchstation ist, hat sich heute nochmal die SPD zu Wort gemeldet und den Ton deutlich verschärft. Der SPD-Vorsitzende im Landkreis Northeim, Uwe Schwarz MdL, erwartet eine Distanzierung der Kreis-CDU und des CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Roy Kühne MdB zu den Äußerungen des Timo Dröge im Northeimer Kreistag am 27. Februar. „Herr Dröge ist als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion sowie als CDU-Stadtverbandsvorsitzender und Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion Bad Gandersheim nicht irgendein Mitläufer, sondern Spitzenfunktionär der CDU auf Kreisebene”, heißt es in einer Pressemitteilung der SPD (Wortlaut: SPD PM Dröge 090315). Für die Sozialdemokraten sind die in der vergangenen Kreistagssitzung gemachten Äußerungen des CDU-Kreistagsabgeordneten Dröge “ein Skandal und der Debatte nicht würdig. Sprache ist verräterisch, und diesbezüglich sind wir von Herrn Dröge ja schon einiges gewohnt. Seine verbalen Entgleisungen in der Kreistagssitzung waren jedoch unerträglich und können so nicht stehen bleiben.“ Dröges Aussage, wegen “zwölf schlimmer Jahre” solle man sich “nicht 200 Jahre Asche auf das Haupt streuen“ sei inhaltlich und sprachlich eine dramatische Verharmlosung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, schreibt die SPD. Diese Aussagen des CDU-Kreistagsabgeordneten seien “in keinster Weise akzeptabel und hinnehmbar. Sie sind einfach nur dumm und unverantwortlich. Man kann aber davon ausgehen, dass Herr Dröge genau weiß, wie er etwas formulieren will. Insofern hat seine Wortwahl schon brandstiftendes Niveau“, schreibt Uwe Schwarz in seiner Pressemitteilung.

Unrund am Runden Tisch

Treffen des Runden Tisches am 17. Februar im Gemeindehaus an der Lessingstraße.

Treffen des Runden Tisches in Einbeck am 17. Februar im Gemeindehaus an der Lessingstraße.

Guten Willen möchte ich niemandem der Beteiligten absprechen. Jeder will gerne helfen, möchte sich für Flüchtlinge engagieren, die nach Deutschland, in den Landkreis Northeim und nach Einbeck kommen. Das Problem, das nach zweistündiger Diskussion nach dem zweiten Treffen des Einbecker Runden Tisches zum Thema Flüchtlinge aber deutlicher denn je wurde: Es gibt viele Menschen, die helfen möchten, sie wissen aber noch immer nicht konkret, wohin mit ihren praktischen Hilfsangeboten. Die Bürokratie ist viel langsamer als eher handfest veranlagte Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Oder nachbarschaftlich. Deutlich wird das nicht nur daran, dass der Einbecker Runde Tisch im Oktober (!) vergangenen Jahres initiiert worden ist, sich erst im Januar erstmals und gestern zum zweiten Mal getroffen hat – mit bislang eher mageren Ergebnissen, so man denn überhaupt davon sprechen will. Eine Teilnehmerin brachte ein Dilemma zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen auf den Punkt (das nicht nur bei dieser Thematik anzutreffen sein dürfte): Beruflich mit dem Thema befasste Menschen haben sich an das Tempo, mit dem die Verwaltungsmühlen mahlen, längst gewöhnt. Ehrenamtliche kennen es nicht oder wollen es nicht akzeptieren, das langsame Tempo. Die zwei Flüchtlingssozialarbeiter beim Landkreis Northeim werden voraussichtlich nicht vor Mai mit ihrer Arbeit starten können, “hoffentlich noch vor dem Sommer”, wie es selbst eine Hauptamtliche sagte, die Bewerbungsgespräche laufen erst Anfang März. Und das sind dann zwei Mitarbeiter für den gesamten Landkreis… Es wird also noch dauern, bis man richtig in die Gänge kommt. Hoffentlich nicht zu lange.

Runder Tisch Flüchtlinge: Sprachkurse sind wichtig.

Runder Tisch Flüchtlinge in Einbeck: Sprachkurse sind wichtig für eine Integration.

Wenn ich beispielsweise höre, dass in einigen Fällen unklar ist, ob die dringend notwendigen Sprachkurse “projektbasiert” zur beantragten finanziellen Förderung passen (und deshalb noch nicht stattfinden) und dass die einen Kurse nur für Asylbewerber mit, die anderen nur für Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus angeboten werden dürfen und andernfalls das EU-Fördergeld nicht fließt, habe ich die Befürchtung, dass wir uns in bürokratischen Bedenken und ihren gleichnamigen Trägern erschöpfen. Und dass sich in dieser Zeit, da die Mühlen langsam mahlen, die Menschen guten Willens wieder enttäuscht abwenden. Weil sie keine Formulare ausfüllen oder Ehrenamtlichen-Schulungen mitmachen wollen – sondern weil sie anpacken möchten, Flüchtlinge beim ersten Gang zum Arzt, zum Amt oder in den Supermarkt begleiten und unterstützen wollen. Dabei will ich die Notwendigkeit nicht kleinreden, dass auch den Helfern geholfen werden muss, weil sie es vielleicht mit traumatisierten Menschen aus fremden Ländern zu tun bekommen, die oftmals unbeschreibliches Leid hinter sich haben und dieses den Helfern schildern. Das muss verarbeitet werden. Damit nicht die Helfer Schaden nehmen, nur weil sie helfen wollen. Und: Natürlich haben auch Flüchtlinge aus fremden Ländern ein Recht auf Datenschutz, aber wir sollten es damit auch nicht übertreiben. Der Integrationswillen, beispielsweise den Betroffenen einen Job zu beschaffen, sollte höher bewertet werden als der Schutz persönlicher Daten. Und: Ortsbürgermeistern mit Hinweis auf den Datenschutz keine Angaben zu den Flüchtlingen, um die sie sich kümmern wollen und ja auch sollen, zu machen, ist unfassbar.

Ein Ergebnis des jüngsten Treffens neben dem Wunsch nach einem Kennenlern-Willkommensfest für Flüchtlinge ist eine (digitale) Austausch-Informationsplattform. Dort sollen sich Ehrenamtliche und Experten gegenseitig Informationen geben und das Dickicht durchdringen. Ein Arbeitskreis des Runden Tisches koordiniert jetzt eine solche Website und klärt, wo diese organisatorisch möglichst neutral angebunden werden kann. Der Wunsch, dass es schlicht eine Unterseite der städtischen Internetseite www.einbeck.de sein könnte, war unüberhörbar. Und wenn für andere Themen solche Seiten problemlos online gehen können, warum sollte das gerade bei der Flüchtlingsthematik nicht funktionieren? Ein Nein aus technischen Gründen wäre schlichtweg peinlich. Inhaltlich pflegen und aktuell halten müssen die Seite alle Engagierten gemeinsam.

Der Runde Tisch in Einbeck will sich übrigens das nächste Mal am 28. April um 14.30 Uhr im EinKiFaBü am Hallenplan treffen. Das Datum sei hier mit Ort und Zeit nur mal festgehalten, weil Medienvertreter vom gestrigen Treffen erst auf Nachfrage einen Tag vorher erfahren hatten.

Nachtrag 26.02.2015: Wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek im Stadtrat sagte, wird die digitale Austausch-Plattform bei der Stadt Einbeck angesiedelt. Eine Arbeitsgruppe beschäftige sich jetzt damit, umfassende Informationen für Menschen aus fremden Ländern sowie für diejenigen bereit zu halten, die Hilfe leisten wollen.

Reden und handeln!

Kommunikation ist wichtig – untereinander, miteinander. Um die in den Landkreis Northeim und konkret nach Einbeck kommenden Flüchtlinge aus aller Welt aufnehmen und diese integrieren zu können, sind viele Gespräche notwendig. Ein Runder Tisch hat sich Mitte Januar erstmals zu dem Thema getroffen. Im Oktober war er von der SPD initiiert worden. Der Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Frauen, Familie und Senioren des Kreistages beschäftigt sich am Donnerstag (19. Februar, 16 Uhr, Kreishaus Northeim) in öffentlicher Sitzung mit einem “Konzept zur umfassenden Betreuung geflüchteter Menschen”, das der Kreistag am 27. Februar verabschieden soll. Nach den dort vorgelegten Zahlen muss Einbeck nach dem aktuellen Verteilungsschlüssel im Jahr 2015 insgesamt 172 neue Flüchtlinge aufnehmen und unterbringen, 20 wurden bis Ende Januar bereits zugewiesen.

Aber nicht nur reden steht auf der Tagesordnung. Wie konkretes Handeln bei diesem Thema aussehen kann, machen die Baptistengemeinde Einbeck und jetzt aktuell auch der Verein FIPS vor. FIPS hat sich beispielsweise selbst um die Finanzierung der Sprachförderung “Mama lernt Deutsch” gekümmert, wartet nicht darauf, bis Fördergelder von wem auch immer genehmigt werden. Das ist vorbildlich.

Weniger vorbildlich ist, dass für das zweite Treffen des Runden Tisches Integration in Einbeck offenbar vergessen worden ist, mehrere Interessierte einzuladen. Beispielsweise die Öffentlichkeit… Erst auf Nachfrage erfuhren Journalisten von Ort und Zeit des Tisch-Treffens.

Der Landkreis Northeim hat in diesen Tagen aktuelle Zahlen zum Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund veröffentlicht (Excel-Datei Statistik: azr_jahresstatistik_2014-1). Im Kreisgebiet beträgt der Ausländeranteil zum Stichtag 1. Januar 2015 rund 4,4 Prozent, das ist noch nicht einmal halb so viel wie in ganz Deutschland. Zum Jahresbeginn lebten im Landkreis Northeim insgesamt 5924 Ausländerinnen und Ausländer aus insgesamt 122 Nationen. Die meisten Ausländer gehören mit 1198 der Altersgruppe der 35- bis 45-Jährigen an, teilt die Behörde mit.

Grüße, 2015!

Sie sind bislang äußerst selten literarische Perlen oder originell verpackte Pretiosen gewesen, rechtzeitig offeriert zum Christfest und meistens schon Anfang Dezember entworfen, sie sind eher Pflichtübungen und mehr oder weniger kurz oder ausführlich geschrieben, lesenswert oder langweilig verfasst: die jährlichen Grußworte von Hauptverwaltungsbeamten in den Rathäusern zu Weihnachten und zum Jahreswechsel. Viele werden die guten Wünsche zur Kenntnis nehmen, den Inhalt des Grußwort-Textes aber schnell wieder vergessen. So sie ihn denn überhaupt lesen.

Die Einbecker SPD hat das jüngste Grußwort von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (CDU) am zweiten Tag des neuen Jahres zu einer ersten verbalen Frontal-Attacke im Jahr 2015 genutzt. Den Weihnachtsfrieden wollten die Genossen dann wohl doch nicht stören.

Und so zeigen sich Partei und Stadtratsfraktion in einer gemeinsamen Pressemitteilung (Wortlaut: SPD PM Grussworte) enttäuscht von den Grußworten der Einbecker Bürgermeisterin (Wortlaut: Grußwort Bürgermeisterin Einbeck 2014_15). Da half auch Michaleks, wie ich finde, gelungene Formulierung zu Beginn (“Gesundheit lässt sich nicht in Geschenkpapier wickeln und unter den Christbaum legen. Auch Glück kann man nicht kaufen”) nichts, die SPD hätte es gerne politischer gehabt. Die Bürgermeisterin drücke sich vor Tatsachen, als Christdemokratin habe Michalek Chancen vertan, finden die Sozialdemokraten. Kurzsichtig und ideologisch eingefärbt sei das Grußwort gewesen, wenn beispielsweise die PS-Speicher-Eröffnung oder die Freigabe einer sanierten Ortsdurchfahrt, bezahlt von anderen, in den Mittelpunkt gestellt werde.

Und sie haben mit einigen Anmerkungen durchaus recht: Kein Wort von der Einbecker Rathauschefin zu einer neuen Schule, die 2014 in Einbeck eröffnet wurde. Schon mit ihrem Fernbleiben bei der Eröffnung habe die Bürgermeisterin der IGS die kalte Schulter gezeigt, meint die SPD. Kein Wort auch zum Neustädter Kirchplatz, einem der zentralen Innenstadt-Projekte der abgelaufenen Monate.

Vor allem aber: Keine deutlichen Worte zur Betreuung und zur aktuellen Situation von Menschen, die Zuflucht in Deutschland suchen und auch in Einbeck finden sollen, ärgern sich die Sozialdemokraten. “Mit dem Ausblenden der Flüchtlingsproblematik hat das christdemokratische Stadtoberhaupt auch versäumt, diesen ehrenamtlich Tätigen gebührend zu danken”, erklärt die SPD, viele engagierten sich bereits heute freiwillig. Am 13. Januar trifft sich erstmals ein Runder Tisch dazu in Einbeck – die ursprüngliche Initiative inklusive Ausschuss-Sondersitzung im Oktober kam im vergangenen September von der SPD. Und die Partei der Bürgermeisterin, so die Sozialdemokraten, habe die zeitige Entwicklung eines Konzeptes verweigert.

Es gibt bessere (Bad Gandersheim 2014 Grußwort zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel) und schlechtere (Northeim 2014 Grußwort zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel) Beispiele für gelungene Grußworte im Landkreis Northeim – und bisweilen ist das natürlich auch ein gutes Stück Geschmackssache.

Flüchtlinge

Einbeck hat bis dato in diesem Jahr 65 Flüchtlinge aufgenommen, im Oktober waren es noch 40. Das hat heute Fachbereichsleiter Arnd Severidt dem Ausschuss für Jugend, Familie und Soziales mitgeteilt. Welche Quoten Einbeck 2015 erfüllen müsse, habe bislang weder der Landkreis noch das Amt für Migration mitgeteilt, ob dies noch vor Weihnachten geschehen werde, sei ungewiss.

Politik und Gesellschaft haben das Thema inzwischen, nach anfänglichem Zögern auf einigen Seiten, scheinbar auf der Agenda. Denn: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Neben Unterkunft und Verpflegung, für die gesetzlich gesorgt ist, sind für eine Integration eine frühzeitige Hilfe bei Sprache und noch vielen Dinge mehr notwendig. Dafür soll es in Einbeck einen Runden Tisch geben mit Teilnehmern, die diese Unterstützung anbieten möchten, die helfen wollen. Ein erstes Treffen ist für den 13. Januar terminiert.