Till spricht in der Narren-Bütt zur Bürgermeisterwahl

Nahm bei der Bierordenverleihung die bevorstehende Bürgermeisterwahl aufs närrische Korn: Till Eulenspiegel alias Markus Henze bei seinem Prolog.

Bei der Verleihung des Einbecker Bierordens am Freitag hat sich Till Eulenspiegel (im Kostüm des Schalk seit mehr als zehn Jahren Markus Henze) die in diesem Jahr bevorstehende Bürgermeisterwahl in Einbeck mit närrischem Blick vorgenommen. „Jetzt ist es ja raus, ich kann es verraten, es gibt tatsächlich drei Bewerber von den Sozialdemokraten“, reimte Till in der Bütt. Bei der Schlüsselübergabe habe er etwas geahnt: „Ach, was wurde unsere Bürgermeisterin von zwei Bewerbern schon mächtig umgarnt.“ Till machte kein Geheimnis daraus, ein Fan der heutigen Bürgermeisterin zu sein. Und sie scheine auf ihn sogar zu hören, denn zur Sessionseröffnung am 11.11. habe er gesprochen: „Für mich wäre es der größte Gewinn, unsere jetzige wird auch die neue Bürgermeisterin.“ Und prompt am nächsten Tag sei das öffentliche „Ja, ich kandidiere“ von Dr. Sabine Michalek gekommen.

In den Ratsparteien sei das Kandidatenportfolio ja auch eher mau, weshalb die CDU schnell gesagt habe, eine passendere Kandidatin als die Bürgermeisterin sei nicht in Sicht. Nichts Neues von der FDP, da ist die Entscheidungsfreude eher zäh, meinte Till zu den Sondierungen der Freidemokraten. Witzig fände er es, sagte Till, wenn Dennie Klose kandidiere und mit folgendem Slogan Wahlkampf macht: „Wählt mich und ich sorge dafür, dass Einbeck nur noch lacht!“  Und mit einem AfD-Kandidaten brauche man sich erst gar nicht zu befassen, meinte Till, der werde in Einbeck erst gar nicht zugelassen.

Wer nun aber sind die drei Bewerber von der SPD, fragte Till in der Bütt. Da sei Alexander Kloss. „Mit hellem Bier und dunklen Schatten kennt er sich aus, aber macht das allein einen guten Bürgermeister aus?“ Ihn zu wählen könne man nachdenken, wenn er täte als PS-Speicher-Sprecher die horrende Miete der PS-Halle senken, meinte Till. Dann Dirk Heitmüller. „The hero of Salt Lake City“, scherzte Till. Er nenne den Ortsbürgermeister von Salzderhelden ja gerne das Burgfräulein. „Ja, der Dirk könnte für unsere Bürgermeisterin eine echte Bedrohung sein.“ Und bei Ulrike Schwartau, der dritten im Bunde bei der SPD, beschäftigt Till eine Frage permanent: „Bin ich eigentlich der Einzige, der diese Dame überhaupt nicht kennt?“ Sei diese Bewerbung ernst gemeint oder eher Folge der Frauenquote? Tills Antwort: „Aber ich will mein Urteil nicht voreilig abgeben, vielleicht liege ich ja auch völlig daneben.“

Es ist Karneval: Till und Bierkutscher teilen politisch aus

Prost, Kutscher! Albert Eggers betritt die Narhalla in der Rathaushalle bei der Bierorden-Verleihung 2019.

Sie sind das Salz in der Karnevalssuppe, ich hab das hier ja schon mal erwähnt. Und sie wollen gekonnt sein, wenn sie mit dem verbalen Narrenflorett treffen möchten: die Büttenreden im Karneval. Seit Jahren feste Größen in Einbeck in der Bütt sind der Bierkutscher (seit 40 Jahren Albert Eggers) und der Till Eulenspiegel (den seit einigen Jahren Markus Henze verkörpert). Bei der Verleihung des 25. Bierordens an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil musste nicht nur der SPD-Politiker humorvoll gereimten Spott über sich ergehen lassen (wobei der Peiner auch humorvoll antwortete). Auch die Kommunalpolitik in der Bierstadt traf’s ziemlich – aber immer bis Aschermittwoch dran denken: Es ist Karneval. Offenbar ist ja manchmal ganzjährig Karneval, bekannte „Bierkutscher“ Albert Eggers neulich, seit 2016 kann der Mann das bestens beurteilen, ist er doch selbst Ratsherr in der CDU-Fraktion: „Ich kann Ihnen versichern, der Unterschied zwischen einer Karnevalssitzung und einer Ratssitzung ist manchmal gar nicht so groß!“

Markus Henze ist im Karneval Till Eulenspiegel.

Till Eulenspiegel hielt den Menschen bei der Bierorden-Verleihung wieder deutlich den Spiegel vor. „Sind Sie wirklich der Heilsbringer für unsere Stadt“, fragte Markus Henze im Narrenkostüm den Bierorden-Träger Hubertus Heil. „Da Einbeck nach langen Mühen jetzt endlich wieder einen neuen Baudirektor hat.“ Denn der Herr Mertens sei doch zuletzt in Peine tätig gewesen, wo der Herr Heil ja auch herkomme. „Sei es wie es ist, jetzt haben wir einen studierten Architekt, man sehen was alles so in ihm steckt“, formulierte Till in Richtung des (abwesenden) neuen Baudirektors im Einbecker Rathaus. „Schlimmer kann es definitiv mit dem neuen Baudirektor nicht werden, als wie mit Herrn Look, dem Alten, das sei an dieser Stelle mal festzuhalten.“ Auch Christian Grascha (FDP) knöpfte sich der Till närrisch vor, weil dieser für die Abgabe des Jugendfreizeitheims Silberborn sei. „Viel Ärger hätte sich der Landkreis sparen können, die Sache mit dem Bürgerbegehren wäre nie passiert, hätte man im Zuge der Abtretung gleich einen neuen Investor präsentiert“, meinte Till Eulenspiegel, der keinen Hehl daraus machte, dass sein Herz für einen Weiterbetrieb schlägt. Auch die seit Dezember reaktivierte Bahnstrecke nahm sich der Spaßmacher vor. „Die armen Kollegen der KWS, geraten seit diesem Datum völlig in Stress“, reimte Till. „Tja, den eigenen Bahnsteig hätte die KWS jetzt sofort so gerne, doch auf Grund von Verfahrensfehlern liegt der noch in weiter Ferne.“ Einbeck, so richtete Till seinen Blick wieder an den neuen Bierordenträger und Arbeitsminister, trage zur Reduzierung der Arbeitslosenzahl bei, „jetzt nicht erschrecken, denn der Stadtrat ist für die hoffnungslosen Sorgenfälle ein ganz hervorragendes Auffangbecken“. Und natürlich musste die neue Skulptur von Timm Ulrichs an der Marktkirche das Ziel von Spott sein. „Berichten zufolge wird durch im Erdreich verborgene, wartungsfreie Motoren das Kunstwerk zum langsamen Rotieren gebracht, na da hab ich aber neulich lautstark gelacht. Nach nur wenigen Wochen hatte sie sich ausgedreht, die Skulptur – Ende vom Lied, die erste teure Reparatur!“ Und was soll das Ding überhaupt sein, fragte sich der Till: „Beobachtet man die Skulptur ganz genau und in der Stille, kommt man zu dem Entschluss, das Ding sieht aus wie eine Brille.“ Vielleicht sei „Von Null bis unendlich“ einfach eine riesengroße Werbeaktion eines örtlichen Brillen-Händlers.

Die Skulptur nahm sich natürlich auch „Bierkutscher“ Albert Eggers vor. Auch er dachte zunächst an eine Optiker-Werbung. „Und dann ist das auch noch rot angestrichen, soll damit die rote Fraktion im Rathaus den besseren Durchblick beim Ausbau der Tiedexer Straße bekommen?“ Der „Bierkutscher“ berichtete aus dem „Club der Einbeck-Verbesserer“, dem Stadtrat, und vertraulich vom „Münchner Kindl“ im Rathaus, der Bürgermeisterin, dass geplant sei, Rolf Hojnatzki, Dirk Ebrecht, Albert Thormann, Reinhard Binder und Dietmar Bartels, „also alle Fraktionsgockel zu einem Stuhlkreis ins Kloster Loccum einzuladen, um in tiefentspannenden meditativen Übungen das gemeinsame Wir-Gefühl für Einbeck zu stärken“.

Am Neustädter Kirchplatz habe RTL-Dschungelcamp übrigens kein Interesse mehr als Drehort, erzählte der „Bierkutscher“, weil durch den Beschluss des Stadtrates zu befürchten sei, dass der einzigartige Urwald-Charakter des Platzes beseitigt werde. „Wir möchten aber unser Interesse am Möncheplatz für unsere neue Serie anmelden, der Platz mit seinem naturbelassenen Grünbewuchs und dem wild wuchernden Baumwerk sowie der faszinierenden Waschbeton-Romantik der 70-er Jahre bietet beste Voraussetzungen“, schreibt der Fernsehsender in der Büttenrede des Einbecker Bierkutschers. „Na, ob das so alles richtig ist?“

„Prost, Einbecker! – Prost Kutscher!“

Wenn’s in der Bütt politisch wird…

Till Eulenspiegel (Markus Henze) in der Narren-Bütt beim Karneval.

Till Eulenspiegel (Markus Henze) in der Narren-Bütt beim Karneval. Links Albert Eggers als Karnevalspräsident.

…dann ist die Fähigkeit gefragt, über sich selbst lachen zu können. Denn wie bei der Bierorden-Verleihungsfeier sitzen die Objekte des närrischen Spotts oftmals im Publikum. Politische Büttenreden aber sind das Salz der Narrensuppe. Die mit der Narrenkappe dürfen das, sie haben seit der Schlüsselübergabe bis zum Aschermittwoch die spöttische Macht auch im Rathaus, gegen die Obrigkeit mit Humor aufzubegehren. Das ist Karneval. In der fünften Jahreszeit möge man nicht alles auf die Goldwaage legen, bat beispielsweise Till Eulenspiegel (Markus Henze). „Einbeck kann alles und noch viel mehr, nur zu Ende zu bringen fällt oft sehr schwer“, reimte er. Über die Elbphilharmonie und den Berliner Flughafen könne man hier nur lachen, schließlich müsse man sich in Einbeck um mindestens drei Projekte Sorge machen. „Während sich beim Möncheplatz und Neustädter Platz schon lange nichts mehr regt, wurde jetzt auch noch das Projekt ZOB auf Eis gelegt.“ – „Nichts ist umsonst – selbst der Tod kostet das Leben“. Diese Redensart bezog Till auf die neue Friedhofsgebühren-Kalkulation. Die Steigerung sei unglaublich hoch, über 100 Prozent. Tja, es ist wie es ist – der Till resignierte mit närrischem Schalk. „Einbeck kann alles und noch viel mehr, nur das eigene Begräbnis zu bezahlen fällt ab sofort schwer.“

Seit vielen Jahren ist auch „Bierkutscher“ Albert Eggers eine unterhaltsame Figur im Einbecker Karneval, die gerne die kommunalpolitischen Verhältnisse aufs Korn nimmt. Er kommt halt beim Bier ausfahren viel herum und schnappt so manches auf, was in der Bütt zu Reimen wird. Prost, Kutscher! Seit diesem Jahr aber ist ein bisschen etwas anders, Eggers sitzt selbst im Stadtrat. Was ihn nicht davon abhält, gewohnt bissig närrisch zu spotten. „Na, wenn das mal alles so richtig ist…“ Der Stadtrat sei ein Haufen tollkühner Frauen und Männer mit hoher kreativer und innovativer Veranlagung, habe er nicht erst erkannt, seitdem er selbst dabei sei. „Da kannste sogar mit fast 80 Jahren noch zur dritten Politkarriere durchstarten und zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt werden“, formulierte Eggers in der Narrenbütt. „Das ist übrigens ganz praktisch, denn bei der Einweihung von Kindergärten oder Spielplätzen bist du dann auch gleich der liebe Opi von nebenan.“

Albert Eggers als Bierkutscher.

Albert Eggers als Bierkutscher.

Bei der ersten Ratssitzung sei es gleich hoch her gegangen, da sei mit vielen Tricks um Posten und Pöstchen gerungen worden, „die Politiker standen sich in verbaler Kampfeshaltung gegenüber“. Die vielen Löcher in der Stadt, die angeblich für schnelles Internet gegraben werden, hätten damit zu tun, enthüllte der Bierkutscher. Aus gut unterrichteten Kreisen wisse er, dass dort die politischen Grabenkämpfe zwischen SPD und CDU fortgesetzt worden seien. Dass Bier eine politische Bedeutung habe, sei ihm klar geworden, seitdem er im Stadtrat dabei sei, erklärte der Kutscher im Karneval. „Am Rotbier berauschen sich die Roten von der SPD, die von der CDU bevorzugen Schwarzbier, da kann man gut im Dunkeln munkeln, die Grünen begeistern sich an Green-Lemon, denn damit fühlen sie sich an den Kneipentischen alternativlos grün, die FDP fühlt sich bei der satten gelben Farbe des Kellerbiers sehr gut aufgehoben, zumal der Begriff Keller den Gelben sehr vertraut ist. Wenn man dann zuviel Bier getrunken hat, wird man besoffen, also blau, aber blau will niemand werden, also fällt die AfD hintenrunter.“ Ganz vergessen hätte er beinahe die GfE, erinnert sich schelmisch der Bierkutscher gerade noch rechtzeitig. „Für die habe ich kein Bier gefunden, die sind ja so farblos.“

Vergangenen Sommer hat der Bierkutscher von einem Geheimplan erfahren, „einer verdeckten Operation unserer Bürgermeisterin“. Der Aussichtsturm im Wald solle als Horch- und Guckstation für Northeim ausgebaut werden, „damit aufziehendes Unheil aus dem Northeimer Kreishaus rechtzeitig gesichtet werden kann.“ Die neue rote Lady Landrätin komme ja aus dem Schatten der Schnapsbrennerei Hardenberg. Immer wenn er am Kreishaus vorbei komme, müsse er an den Brexit denken, formulierte der Bierkutscher launig. „Was die Engländer können, das können wir doch auch. Wir sind doch die größte Stadt im Landkreis, wir haben doch die meisten Bahnhöfe, hier wird das beste Bier gebraut, und wir sind die Stadt mit der größten Friedhofsdichte in Südniedersachsen.“ Was brauche man in Einbeck da den Landkreis, „machen wir den Noxit“.

Breitgetreten

Hundekot ist für die Politik in Einbeck offenbar kein großes, kein drängendes Thema. Nach der medienwirksamen Sammelaktion einer Gruppe von Aktivisten der Tangobrücke, herrschte auf meine Anfrage an die Ratsfraktionen jedenfalls erst einmal fast zwei Tage lang Funkstille. Will sich da etwa jemand vor einem kontroversen Thema wegdrücken, das für reichlich öffentliche Diskussionen sorgen kann? Aber sicherlich waren nur die Osterferien die Ursache…

Als erste meldeten sich die Grünen zu Wort: Hundekot sei ein allseits bekanntes Problem und nicht nur eines in Einbeck, erklärte Fraktionschef Dietmar Bartels: „Unser Dank gilt Martin Keil, der das Thema in alle Medien gebracht hat.“ Die Einbecker Grünen-Ratsfraktion setzt sich dafür ein, die Hundehalter strenger zu kontrollieren und darüber hinaus über verhängte Geldbußen in der Presse zu berichten. „Das könnte einige Hundehalter motivieren, sich an die bestehenden Vorschriften zu halten“, meint Bartels. „Ein wenig ist Martin Keil aber wohl über das Ziel hinausgeschossen, daher denke ich, dass er die verursachten Kosten für die Beseitigung des Sacks voll Hundekot sicherlich begleichen wird.“ Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren halten die Grünen jedoch „für völlig überflüssig und es wäre unter Umständen – für unser aller Anliegen in einer sauberen Stadt zu leben – sogar kontraproduktiv“.

Die FDP ist erstaunt über die Menge des gesammelten Hundekots, wie Fraktionschef Dr. Reinhard Binder erklärte: „Wenn das Thema jetzt verstärkt diskutiert wird, und sei es durch Appell an die Verursacher, sei es durch Appell an die Beobachter, sei es durch verstärkte Kontrollen durch die Behörde, hat der Einsatz von 246,76 Euro sich für die Aktivisten, aber möglicherweise auch für Einbeck gelohnt.“ Allerdings kritisieren die Freien Demokraten den Termin der Sammelaktion: „Der Karfreitag war allerdings ein sehr schlechter Zeitpunkt. Dies am höchsten Feiertag der evangelischen Kirche zu veranstalten, verletzt die Gefühle weiter Bevölkerungsgruppen und wird ohne Einschränkungen von der FDP verurteilt.“

Die SPD-Fraktion kommentiert knapp: „Die Sauberkeit in der Stadt ist regelmäßig Thema in den Ratsgremien. Wir halten die Aktion insgesamt für nicht gelungen, da sie eine negative Außenwirkung für die Stadt Einbeck hat.“

Die Einbecker Stadtverwaltung jedenfalls prüft noch die Vorgänge, „ob und in Bezug auf welche Tatbestände eine Geldbuße in Betracht kommt“, wie mir Fachbereichsleiter und Jurist Dr. Florian Schröder auf meine Anfrage mitteilte. Fakt ist: Die Gruppe von Jugendlichen rund um Tangobrücken-Betreiber Martin Keil hatte für die Lange Brücke laut Stadt keine Genehmigung beantragt. Weil die eigentliche Hundekot-Sammelaktion am Karfreitag stattgefunden hat, betrifft die Prüfung der Verwaltung auch die Regelungen dieses besonderen Feiertages. Die Gruppe hat nach eigenen Angaben mehrere Stunden lang in öffentlichen Grünanlagen in Einbeck Hundekot gesammelt, insgesamt sind nach deren Mitteilungen 250 Kilo Exkremente zusammen gekommen, die in einem Plastiksack an den Eulenspiegelbrunnen gehängt worden sind. Das zeigen auch Fotos. Überprüft worden ist die Menge übrigens nicht.

Der Hundekot-Sack ist am Ostersonnabend gegen 8 Uhr beseitigt worden, erklärte mir Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder. „Durch den schnellen Einsatz von Polizei und Ordnungsbehörde (Rufbereitschaft) wurde eine Beeinträchtigung des Wochenmarktes vermieden.“ Immerhin werden sonnabends in unmittelbarer Nähe Lebensmittel verkauft. Ich mag nicht daran denken, wenn der Exkrementensack aufgeplatzt wäre und sich die ganze Sch… in den Brunnen ergossen hätte…

Für den Einsatz des Kommunalen Bauhofs und die Entsorgung sind Kosten entstanden, deren Höhe die Stadt zurzeit noch nicht endgültig beziffern kann. Die Stadt werde diese Summe aber den Verursachern in Rechnung stellen, kündigte Schröder an. Schon einmal hatte eine Aktion der Tangobrücke für einen kostenträchtigen und öffentlich beachteten Einsatz des Bauhofs gesorgt: als im September vergangenen Jahres mit einem Mal das von einem Thiaiser Künstler gemalte Bild am Bauzaun der Brandlücke Lange Brücke 5 verschwunden und schon fast entsorgt war. Der Stadt Einbeck sind seinerzeit Kosten in Höhe von 246,76 Euro entstanden, die laut Dr. Schröder von den Verursachern erstattet worden sind.

Niemand tritt gerne hinein. Niemand! Ich auch nicht. Wenn Appelle an Hundebesitzer (von denen manche meinen, sie hätten mit der bezahlten Hundesteuer ihren Obolus entrichtet) erfolglos bleiben, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner adäquat zu entsorgen, dann müssen andere Lösungen gefunden werden. Und auf die kann man durchaus auch mit spektakulären Aktionen aufmerksam machen! Nur kann es nicht sein, dass die Allgemeinheit dafür bezahlt.

Regeln sind dafür geschaffen, dass sie eingehalten werden. Wer das nicht tut, muss mit Konsequenzen rechnen. Und das kann man nicht früh genug im Leben lernen. Das alles soll übrigens niemanden davon abzuhalten versuchen, die Regeln zu verändern. Denn das nennt sich parlamentarische Demokratie.

Und dann ist die Hundekot-Aktion auch noch ein Schulbeispiel dafür, wie manche Medien heute funktionieren. Die Einladung der Aktivisten an einige ausgewählte Redaktionen und Medienvertreter, bei der Aktion am Sonnabend dabei zu sein, um zu berichten, verhallte zunächst ungehört, so meine Beobachtung. Nur ein Online-Medium berichtete aktuell, verknüpfte den Hundekot wenig lecker mit dem Osterklöben-Verkauf in der Innenstadt. Erst als am Mittwoch nach Ostern die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in der nachrichtenflauen Ferienzeit das Thema aufgriff und deutschlandweit in die Redaktionsstuben kabelte, rollte die Medienwelle an, Radiosender berichteten, der Nachrichten-Boulevard machte aus 250 Kilo schnell mal nach mehr klingende 500 Pfund Hundekot. Der Zugzwang für die Kollegen in den Redaktionen begann.

P.S. : Dieser Beitrag ist bewusst nicht bebildert. Über die Aktion gibt es genügend, ausschließlich jedoch von den Aktivisten selbst gemachte Fotos. Wer sie finden will, findet sie.

(Aktualisiert: 13.04.2015, 17.26 Uhr, um FDP-Stellungnahme)
(Aktualisiert: 14.04.2015, 19.08 Uhr, um SPD-Stellungnahme)

Bierernst?

Nahm die politischen Verhältnisse unter die Narrenlupe: Till Eulenspiegel (Markus Henze).

Nahm die politischen Verhältnisse unter die Narrenlupe: Till Eulenspiegel (Markus Henze).

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Seit mehr als sechseinhalb Jahrzehnten regiert auch in Einbeck mehrere Wochen im Jahr der Karneval. Wer da alles bierernst nimmt und keinen Spaß versteht, hat den Sinn von Karneval nicht begriffen und geht offenbar ziemlich spaßbefreit durch die Welt. Weil die Narren bis Aschermittwoch die Macht haben, symbolisch mit der Schlüssel-Übergabe vor dem Rathaus jährlich dokumentiert, dürfen die das. Die Karnevalsfreunde in der Bütt dürfen die Bürgermeisterin „Einbecks Märchentante“ nennen oder „spirituelles Alzheimer“ vermuten, wenn sie sich über das Hin und Her beim Fahrradschutzstreifen auf dem Hubeweg lustig machen. Politische Büttenreden sind das Salz der Narrensuppe. Die mit der Narrenkappe dürfen das, sie haben die spöttische Macht, gegen die Obrigkeit mit Humor aufzubegehren. Das ist Karneval. Darauf ein dreifaches „Einbeck Helaaf“!

Till Eulenspiegel ist seit vielen Jahrzehnten eine spitzzüngige Karnevalsfigur in Einbeck. Markus Henze hält mit Eule und Spiegel der Kommunalpolitik ebensolchen vor. Und so nahm der Till in seinem Prolog bei der Bierorden-Verleihungsfeier in der Rathaushalle auch in dieser Session kein Blatt vor den Mund. Er mochte heuer nicht mehr darüber lästern, dass das inzwischen gescheiterte Neustädter Palais eine Fehlplanung gewesen sei und es im PS-Speicher das falsche Bier gebe. Der Till sieht mit der erfolgreichen Suche nach einem neuen Bauamtsleiter ein schon länger bekanntes Problem wieder  an die oberste Stelle gesetzt: „Ein Hilfeschrei geht an Euch alle, Einbeck braucht dringend eine neue Veranstaltungshalle“. Der Rathaussaal sei schön und gut, aber zu klein. Und das BBS-Forum sei schön und größer, aber zu teuer. Bei einer Saalmiete von über 1500 Euro für ein Wochenende „muss man leider davon ausgehen, Feierlichkeiten sind hier gar nicht gern gesehen“. Einbeck Marketing für diese horrende Summe verantwortlich zu machen, das müsse er leider vermeiden, sagte der Till im Narrenkostüm. „Denn aus der Vergangenheit ist mir bekannt, Herr H. von Einbeck M. kann in der närrischen Zeit zwischen Spaß und Ernst nicht unterscheiden.“ Die Sorgen der Karnevalsfreunde hätten ein Ende, bei einem Festsaal auf dem ehemaligen Pelz-Schmidt-Gelände, sagte der Till: „Na, dann mal drauf los geplant Herr Look. Frisch, jung, motiviert und voller Tatendrang, das wäre doch mal ein toller Anfang.“

Herzerfrischend berichtete in der Narren-Bütt auch Klaus Lindemann von einer Parteineugründung, der Partei der faulen Kompromisse, die weniger Arbeit, aber mehr Geld fordert, die viel will, aber gegen alles ist. Eine Partei der Stammtische, „denn da wird die Welt noch verändert“, rief er zum Gaudium der Zuhörer in die Narhalla. Erster Parteitag ist übrigens am 30. Februar in der Eissporthalle Hullersen. Wir sehen uns!

Praktisch denken, Einbecker schenken

Bierorden für Bierfreund Stephan Weil.

Einbecker Bierorden für den Bierfreund Stephan Weil. Hier geht’s zum Video der Verleihungsfeier.

Er ist bekennender Gerstensaft-Genießer: Stephan Weil. Welches Pils sich der Ministerpräsident zum Feierabend gerne aus dem Kühlschrank nimmt, ob’s ein Gilde aus der Landeshauptstadt oder doch auch mal ein Einbecker aus der Bier-Hauptstadt ist, das ließ der einstige hannoversche Oberbürgermeister diplomatisch offen, als er in dieser Woche in der Rathaushalle mit einer süffigen Rede den Einbecker Karnevals-Bierorden entgegen genommen hat. Allerdings fanden sich Indizien in den Dankesworten des Regierungschefs für die närrische Auszeichnung: „Der erste Schluck verdunstet im Oberkiefer“, sagte Stephan Weil. Ein so gut schmeckendes Bier kann eigentlich nur ein Einbecker sein!

Der niedersächsische Ministerpräsident, als aktueller Bundesratspräsident protokollarisch vierthöchster Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland, erfreute die holde Narrenschar im Rathaus zu Einbeck mit einer kurzweiligen Rede, die der 55-Jährige nicht trocken vom Blatt abgelesen, sondern mit frisch gezapftem Bier auf dem Pult und ein paar handschriftlichen Notizen vor sich humorig vorgetragen hat. Fast 40 Jahre setze er sich schon fürs Bier ein, und zwar nicht nur mit schönen Worten, sondern ganz praktisch. Er freue sich immer wieder auf sein Feierabendbier aus dem Kühlschrank, wenn er gegen 24 Uhr nach Hause komme. Bei Bier wisse man auch, dass es rein sei, es lächele einen an wie ein Freund. Ein Biertrinker kaue auch nicht auf dem Gerstensaft herum und erzähle irgendwie etwas von starkem Abgang oder so, wie dies ein Weintrinker gerne tue, der den Tropfen immer erst minutenlang gegen das Licht halte. „Da hat der Biertrinker die Zeit gar nicht zu.“ Frei nach Heinz Ehrhardt reimte Weil: Wasser ist für Vierbeiner, der Mensch findet Bier feiner. Und weil das so sei, und weil das schon Martin Luther gewusst habe, wünschte Weil sich dringend eine neue Werbestrategie von der Einbecker Brauerei: Praktisch denken, Einbecker schenken.

Ins Rheinland, wo man ja „die Limonade aus Reagenzgläsern schlürft“, ergo kein richtiges Bier trinke, sandte der niedersächsische Ministerpräsident einen Tipp: Die Liebe zwischen Köln und Düsseldorf auch im Karneval könnte schon lange hergestellt sein, wenn sich die dortigen Narren einmal zuvor in Einbeck erkundigt hätten. Hier gelte nicht Helau und nicht Alaaf, sondern zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch seit 66 Jahren der Kompromiss „Helaaf“!

Kommunalpolitisch kräftig ausgeteilt haben bei der Verleihungsfeier Till Eulenspiegel und Bierkutscher, die zwei Traditionsfiguren des Einbecker Karnevals. Besonders der Stadtrat und Einbeck Marketing bekamen ihr Fett weg. Während Till einen Entscheidungsträger im Rat vermisst, der mal auf den Tisch haut, sieht der Bierkutscher im Stadtrat operative Hektik, die geistige Leere ausgleiche. Wer einsam sei, wer es hasse, sich zu entscheiden, wer sich ausheulen und gerne Verantwortung abwälzen wolle, der sei im Einbecker Stadtrat genau richtig…

Till Eulenspiegel bedankte sich in seinem Prolog bei der Bierorden-Veranstaltung beim Ersten Kreisrat Dr. Hartmut Heuer, einem Einbecker, für die Unterstützung in Sachen Miete für die Narhalla im BBS-Forum. Habe Einbeck Marketing als neuer Vermieter des Forums mit einer Verdreifachung der Miete gedroht („Klingt wie ein gewolltes Veranstaltungsverbot“), habe Dr. Heuer dem Ganzen gottlob noch einmal Einhalt gebieten können (der Landkreis Northeim ist Träger der BBS). Till froh: „Dank Ihrer Unterstützung findet vorerst keine Mieterhöhung statt, bleibt nur zu wünschen, dass das auch Herr Hagemann verstanden hat!“ Frank Hagemann ist Geschäftsführer der Einbeck Marketing GmbH. Landrat Michael Wickmann hat närrisch-augenzwinkernd wenig später erläutert, dass er und Heuer gerne das Spiel „Bad Cop, good Cop“ spielten… oder meinte er es ernst?

Wer humorlos über all das nicht lachen kann, der sollte sich daran erinnern, dass die närrische Zeit angebrochen ist, die Karnevalisten die Macht erobert haben. Die dürfen das also. Was nach Aschermittwoch ist, steht auf einem anderen Blatt.