Geld mit mehr Freiheit

Dassels Bürgermeister Gerhard Melching, DGB-Bezirksvorsitzender Dr. Mehrdad Payandeh, Moderatorin Agnieszka Zimowska, DGB-Kreisvorsitzender Peter Zarske (v.l.) vor der DGB-Podiumsdiskussion in Einbeck.

„Der Investitionsbedarf ist riesig, die Gelegenheit günstig“, sagt der DGB-Bezirksvorsitzende Dr. Mehrdad Payandeh. Hochkonjunktur treffe auf niedrige Zinssätze. „Wir müssen jetzt anpacken und sinnvolle Spielräume und Instrumente nutzen, um in die Zukunft unserer Kommunen zu investieren.“ Denn dort sei Einiges im Argen, das öffentliche Vermögen sei auf Null gefahren worden, die Infrastruktur nicht mehr gut durchblutet, so sehr habe man beispielsweise Straßen und Schulen vernachlässigt. Darum ging es bei der Diskussionsveranstaltung des Gewerkschaftsbundes in Einbeck, zu der knapp 30 Besucher gekommen waren, darunter mehrere Ratsmitglieder aus Einbeck und auch Dassel: Mit mehr Investitionen die Kommunen stärken.

Welche Spielräume und Instrumente er meint, erläuterte der niedersächsische DGB-Chef. Er möchte Steuermehreinnahmen für Investitionen in die kommunale Infrastruktur ausgeben, außerdem mit einer Vermögenssteuer von 1 Prozent auf Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro weitere Einnahmen in Milliardenhöhe erzielen. Und vor allem möchte der Gewerkschafter einen „Niedersachsenfonds für Zukunftsinvestitionen“ aufbauen, verbindliche Investitionsquoten in überjährig geplanten öffentlichen Haushalten verankern und die Ausgabenstruktur investiv ausrichten. Beispielsweise könnten alle Schulen in Niedersachsen zentral organisiert gleichzeitig saniert werden, so werde auch jede Kommune gleichbehandelt. Und wenn man so vorgehe, erhalte man zudem noch bessere Konditionen bei Firmen und Handwerkern, erklärte der Gewerkschaftschef aus Hannover.

Schuldenfinanzierte Zukunftsinvestitionen, bei denen der Tilgungsplan klug mitgedacht werde, lohnten sich für die öffentlichen Haushalte, sagte Dr. Mehrdad Payandeh. „Das macht jeder Unternehmer so.“ Auch DGB-Kreisvorsitzender Peter Zarske sprach sich dafür aus, die öffentlichen Werte wie Schulen oder Straßen seien in früheren Generationen schließlich auch so entstanden. Da sei es dringend notwendig, endlich den Werteverzehr aufzuhalten und „in den Geldbeutel der Banken zu greifen“, wie er formulierte. Die kommunale Infrastruktur verfallen zu lassen wie bisher, sei keinesfalls generationengerecht.

Dassels Bürgermeister Gerhard Melching wünschte sich aus der Praxis einer kleinen Landkommune mit weniger als 10.000 Einwohnern in 17 Ortschaften „Geld mit mehr Freiheit“, wie er sagte. „Der Schuh drückt an allen Stellen, das Geld reicht eigentlich nie.“ Investitionen ohne Kredite seien nicht möglich. Bei den Förderprogrammen jedoch möchte er mehr Freiheiten, die seien heute oft zu kompliziert und aufwändig gestrickt. „Gebt einfach das Geld her“, forderte Melching, das möchte er manchmal sagen: „Vertraut einfach.“ Auch die Kommunen hätten schließlich demokratisch gewählte Räte, die mit dem Geld verantwortungsvoll umgehen könnten und dieses nachhaltig dort einsetzten, wo es auch noch in Jahrzehnten wertvoll sei. Melching würde sich freuen, wenn an den Kosten für die dringend notwendige Verbesserung der Breitbandversorgung auch diejenigen beteiligt würden, die am Meisten davon profitieren, Online-Riesen wie Amazon oder Facebook. Es könne ja nicht gerecht sein, dass die Breitbandleitungen öffentlich finanziert werden, die stärksten Vorteile jedoch diejenigen hätten, die den lokalen Einzelhandel kaputt machen. Schließlich seien die schnellen Leitungen Betriebsmittel für die Online-Handelsriesen.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hatte ihre Teilnahme laut Veranstalter krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt. In einem bereits vorab vom DGB eingeholten Statement erklärte die Einbecker Rathauschefin, es habe sich ein „kommunaler Investitionsrückstau“ in Milliardenhöhe in Deutschland gebildet: „Wir Städte brauchen jetzt ein Infrastrukturprogramm des Landes.“