Die Smart-City-Strategie hat der Stadtrat im September beschlossen. Und was kommt nun? Jetzt geht es an die Umsetzung in der Praxis.
Das 263-seitige Strategiepapier für die Entwicklung der Stadt Einbeck bis zum Jahr 2035 (hier abrufbar, es gibt auch eine Version in Leichter Sprache, hier gibt’s den zur Strategie gehörenden Kurzfilm zu sehen) richtet sich in erster Linie an die Kommunalpolitik selbst. Die Smart-City-Strategie definiert sich auch als Teilbereich der Gesamtstrategie der Stadt, der sich vor allem um die übergreifenden Themen der Gesamtstrategie (Nachhaltigkeit, Demographie, Digitalisierung) kümmert, die nicht einzelnen Handlungsfeldern zugeordnet sind. Bisherige Strategiepapiere, beispielsweise für den Tourismus, haben einen deutlich kürzeren zeitlichen Horizont. Die Smart-City-Strategie stellt bewusst den Mensch in den Mittelpunkt und ist „nicht technisiert“, wie es Projektkoordinatorin Rebecca Spaunhorst beschreibt. In der Vision und Mission für Einbeck 2035 finden sich keine kleinteiligen Punkte, die nacheinander abgearbeitet werden sollen oder müssen. Wichtiger ist Spaunhorst mit ihrem Team deshalb auch, mit dem Narrativ, also der Erzählung („Geschichte von Anna“) den Sound und damit den Grundton für ein Einbeck in mehr als zehn Jahren zu setzen. Das Förderprojekt läuft 2026 aus, Smart City sei daher auch immer als „Hilfe zur Selbsthilfe“ für die Einbeckerinnen und Einbecker zu verstehen. Ziel ist, jährlich die Stategie upzudaten, an Veränderungen anzupassen, mit diesem Papier erneut in die politischen Gremien zu gehen, berichtet Rebecca Spaunhorst.

Am deutlichsten öffentlich sichtbar ist neben der Smart-City-Zentrale am Marktplatz (Sparkassenpassage) das Smart-City-Musterhaus in der Knochenhauerstraße. Hier stand kürzlich für einige Zeit ein Gerüst an der Fassade. Wie Projektkoordinatorin Rebecca Spaunhorst mitteilt, haben dort Untersuchungen von Experten stattgefunden. Farbabnahmen an der Fassade haben dabei ergeben, dass das Gebäude Knochenhauerstraße 2 in historisch korrektem Zustand rot war, die Knochenhauerstraße 4 graublau und anthrazit. Geplant sei, diese Farben wiederherzustellen, von den bunten Bemalungen einzelner Elemente wie bislang werde in diesem Fall abgesehen, da diese nicht historisch korrekt wären. Derzeit werde ein Holzgutachten erarbeitet. Da keine Besuchergruppen durch das Musterhaus geführt werden können, soll es bald einen 3D-Rundgang im Internet geben. Die Fotos dazu sind auch bereits fertig, berichtete Spaunhorst. Projektleiter für das Musterhaus ist bei der Stadt Einbeck Gunnar Groneweg aus der Bauverwaltung. Eine der noch zu überspringenden Hürden sei die Ausschreibung der so genannten Technischen Gebäudeausrüstung (TGA), die man mittlerweile zum dritten Mal durchführe, weil sich kein Unternehmen mit einem Angebot gemeldet habe. Die noch offene Stelle des City-Ingenieurs konnte Anfang November mit Thomas Wegner besetzt werden. Die Stelle teilt sich zur Hälfte auf die Arbeit bei Smart City auf, zur Hälfte im Sachgebiet Gebäude- und Liegenschaftsmanagement.
Einbecks Vereine erhalten als Ergebnis vieler Gespräche untereinander und mit Smart City den Mitwirk-O-Mat (mehr hier) an die Hand, der ähnlich wie der Wahl-O-Mat bei Wahlen funktioniert. Es habe sich in den Gesprächen herausgestellt, dass die Vereine auf der Suche nach einer Plattform zum Austausch untereinander seien und nahezu alle mit Nachwuchsproblemen zu tun haben, berichtete Rebecca Spaunhorst. Das neue Tool soll interessierten Engagierten helfen, den „richtigen“ Verein zu finden, um sich in diesem nach seinen Wünschen und Fähigkeiten einbringen zu können.
Zurzeit ausgeschrieben und bis Februar vergeben werden soll der Auftrag für ein Kommunikationstool, vergleichbar mit dem „Dorffunk“. Über die künftige App sollen sich Ortschaften oder auch Stadtteile untereinander austauschen können. Ebenso ist laut Spaunhorst aktuell ein digitales Beteiligungstool ausgeschrieben. Erstmalig soll dieses für die Wahl des touristischen Themenjahres 2025 zum Einsatz kommen.
Mehr als 120 Ideen sind von Bürgern eingegangen, die nicht alle umsetzbar, aber in der Zukunftsstrategie (ab S. 175) aufgelistet sind. Die Themen würden alle in die entsprechenden Fachbereiche der Stadtverwaltung hinein gegeben, auch der Projektbeirat wird sich im Dezember mit ihnen beschäftigen, kündigte Spaunhorst an.
In Immensen wird es in Kürze ein so genanntes Reallabor geben, berichtete die Smart-City-Koordinatorin. In diesem solle ausprobiert werden, wie Probleme gelöst werden können. Andere Ortschaften sollen von diesem Labor- „Experiment“ etwas hinzu lernen können.
Smart City wirkt auch ins Rathaus hinein. Jetzt im Winter würden in der Verwaltung der Stadt erste kleine Weiterbildungen angeboten, berichtete die Smart-City-Projektkoordinatorin. Diese orientierten sich alle daran Mitarbeitende zu befähigen, Bürger zu beteiligen, für Nachwuchskräfte interessanter zu werden und den steigenden alltäglichen Herausforderungen gegenüber besser gewappnet zu sein (Digitalisierung, weniger Personal, interdisziplinäre Teams oder Arbeiten in Projekten). Hier würden auch digitale Tools vorgestellt, wie die Arbeitsorganisation und das Fehlerverhalten verbessert werden könne, gegenüber Zielgruppen besser kommuniziert werden könne.
Ein wenig an Tempo eingebüßt haben die Vorbereitungen für einen personallosen Laden („EIN.Tüten“). Die Stagnation habe zwei Gründe, sagte Spaunhorst. Zum einen sollen die Ergebnisse der Ausschreibung des Kommunikationstools abgewartet werden, da das spätere Tool auch für den Laden einsetzbar sein könnte. Zum anderen befassten sich gerade weitere Modellprojekte mit personallosen Geschäften. Diese neue Entwicklung solle abgewartet werden, da sie sich maßgeblich auf die Preislage eines solchen Geschäfts auswirken werde.
Die Stadt Einbeck wurde im Juli 2021 als eine von 28 Kommunen vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen zur „Modellkommune Smart Cities“ ausgewählt. Insgesamt knapp 4,6 Millionen Euro Projektmittel stehen für die gesamte Laufzeit von fünf Jahren zur Verfügung, mit den Ziel ein zukunftsfähiges Einbeck zu schaffen und in den Maßnahmen (Einbeck als Lebensraum, Denk!Mal, Stoebern@einbeck und EIN.Energie.reich) Ideen zu entwickeln, zu prüfen und umzusetzen.
(Aktualisiert: 04.12.2023)
