Als ein starkes Zeichen für ein demokratisches Miteinander will Landrätin Astrid Klinkert-Kittel das neu in der Kreisverwaltung eingerichtete Referat Demokratieförderung verstanden wissen. „Es stellt eine große Chance dar, demokratische Werte zu stärken, das Demokratiebewusstsein im Landkreis Northeim zu schärfen sowie den Zusammenhalt zu fördern“, sagt die Chefin des Kreishauses, in dem das neue Referat 3 direkt der Landrätin zugeordnet ist. Referatsleiter ist Christian Ulmitz, der außerdem weiterhin persönlicher Referent der Landrätin bleibt. Neu im Kreishaus seit August ist Projektkoordinatorin Dr. Katharina Trittel. Mit ihrer langfristig angelegten, unbefristeten Vollzeitstelle für Demokratieförderung, die der Kreistag im März einstimmig beschlossen hatte, sieht sich der Landkreis Northeim zurzeit auch als Vorreiter.
Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie war es nie, aber gerade in diesen Wochen wird das noch einmal deutlich. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel hatte schon bei ihrer Wiederwahl 2021 mit dem Thema geworben, sie möchte die neue zentrale Anlaufstelle für alle Bürger, mit der demokratische Strukturen im Landkreis künftig noch zielgerichteter unterstützt, vernetzt und ausgebaut werden können, deshalb auch keinesfalls als Reaktion auf jüngste Wahlergebnisse verstanden wissen. Zu spüren sei aber, dass einige Menschen die demokratischen Prozesse und ihre Möglichkeiten, sich einzubringen, skeptisch beurteilen und demokratisch legitimierte Entscheidungen oft nicht mehr akzeptieren, sagt die 60-Jährige. „Unsere Parteien müssen umdenken, haben den Kontakt zur Basis verloren“, sagt Klinkert-Kittel, gefragt sei eine stärkere Beteiligungsmöglichkeit.
Ansprechpartnerin für Demokratieförderung ist Dr. Katharina Trittel. Die 39-jährige promovierte Historikerin hat lange am Göttinger Institut für Demokratieforschung gearbeitet, ist leitende Redakteurin des historisch-politischen Magazins „Lernen aus der Geschichte“. Ziel ihrer Arbeit in der neuen Position beim Landkreis Northeim ist die Stärkung demokratischer Werte wie Toleranz, Vielfalt und Respekt, die Stärkung der politischen Urteilsfähigkeit und von Konfliktkompetenz sowie gesunder Streitkultur. Um das Demokratiebewusstsein zu schärfen, müsse über gesellschaftliche Prozesse und deren geschichtliche Zusammenhänge aufgeklärt werden. Demokratie müsse erlebbar und attraktiv sein, das Vertrauen in Institutionen und Verwaltung gefördert werden, sagt Trittel.
In den nächsten zwei bis drei Jahren soll eine Gesamtstrategie zur Förderung und Stärkung der Demokratie im Landkreis Northeim entstehen, die unter anderem ein Handlungskonzept mit konkreten Maßnahmen für unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche vorschlagen soll. Zunächst gelte es, in den nächsten Monaten bis Mitte 2025 eine Bedarfsanalyse zu erstellen, um die Demokratieförderung spezifisch auf den Landkreis Northeim auszurichten, sagen Dr. Katharina Trittel und Christian Ulmitz. Dabei sollen unter anderem vorhandene Initiativen vernetzt und bekannter gemacht werden. Bei allen Arbeitsschritten sollen die Bürger als Akteure eingebunden werden. „Nur so erreichen wir, dass die Maßnahmen auf den Landkreis Northeim zugeschnitten sind und breit unterstützt werden“, sagt Ulmitz. „Demokratie lebt vom Mitmachen“, sagt Astrid Klinkert-Kittel.
Nach der erfolgreichen Premiere mit rund 70 Teilnehmern im vergangenen Jahr in Einbeck wird es am Freitag, 22. November, ab 15 Uhr in der BBS Northeim das zweite „Barcamp Demokratie“ geben. Unter dem Motto „Demokratisch zusammen gestalten“ soll sich jeder einbringen können mit seinen Wünschen und Themen, eine feste Tagesordnung gibt es bei Barcamps nicht. In Workshops, deren Themen die Teilnehmer selbst vorschlagen können, sollen sie Ideen diskutieren können, wie die Demokratie im Landkreis Northeim gestärkt werden kann. „Jeder Impuls ist wertvoll, wir möchten möglichst viele erreichen“, sagt Projektkoordinatorin Dr. Katharina Trittel. Anmeldungen sind hier möglich, die Teilnahme ist kostenfrei. Das neue Referat im Kreishaus ist unter demokratie@landkreis-northeim.de erreichbar.


Wenn sich die Politik nicht wieder der Lebenswirklichkeit der Mehrheit der Bevölkerung annähert, hilft auch kein Methodentraining.
Demokratieförderung.
Das scheint mir grundsätzlich ein guter Ansatz zu sein. Wenn ich aber den üblichen „Verwaltungssprech“ und etwas über jahrelange Strategie- oder Konzeptentwicklung lese, dann habe ich die Befürchtung, dass das Thema in der Bürokratie stecken bleibt und die Region und Niedersachsen weiter den Herausforderungen und Möglichkeiten hinterher läuft. Die Konzepte existieren schon lange, z.B. auf/bei „Mehr Demokratie Niedersachsen/Bremen“; machen ist die Herausforderung! Mehr Transparenz und Offenheit, kommunale Informationsfreiheitssatzungen, pro-aktive Bürgerbefragungen (digital !), Bürgerräte, Bürgerhaushalte, usw. alles schon bekannt, aber im LK NOM und Einbeck eher Fremdwörter! Bspw. ist ein Antrag für mehr Bürgerbeteiligung in Einbeck im geheimen Verwaltungsausschuss versickert bzw. beerdigt worden oder die Landrätin hielt Informationen (bzgl. Frage zur Goetheschule) für die Öffentlichkeit unter Verschluss!
Bitte die Basics schnell und dann die Kür!