Fündig geworden

(c) Landschaftsverband

(c) Landschaftsverband

Es steht im Kulturausschuss nicht auf der Tagesordnung der Sitzung am 1. Dezember, aber das stand es im Juni dieses Jahres ebenfalls nicht, als die damalige Kulturausschuss-Vorsitzende Dr. Ursula Beckendorf die Museumsleiterin Dr. Elke Heege nach dem gerade gestarteten Projekt der Provenienzforschung von NS-Raubgut fragte. Vielleicht kommen jetzt erste Ergebnisse ja immerhin in öffentlicher Fachausschusssitzung kurz zur Sprache, eventuell fragt auch der neue Kulturausschuss-Vorsitzende Walter Schmalzried nach, wenn es nicht von selbst eine Mitteilung gibt. Denn immerhin sind gestern erste Ergebnisse des Forschungsprojektes nach der Herkunft der während des Nationalsozialismus zu Unrecht in die Sammlungen von Museen und Archiven gekommenen Güter vorgestellt worden. Nicht immer geht es um spektakuläre Raubkunst und millionenschwere Gemälde. Es sind oftmals und auch in diesem Falle der fünf südniedersächsischen Museen Alltagsgegenstände, die aber gerade erst recht die damalige Alltäglichkeit aufzeigen, mit der Bücher, Löffel oder Fahnen beispielsweise aus jüdischen Haushalten in die Sammlungen aufgenommen worden sind. Im Stadtmuseum Einbeck sind es ein Buch aus dem Altenheim der Freimaurer und ein Buch aus der jüdischen Freischule Wolfenbüttel, die Forscher Dr. Christian Riemenschneider (Göttingen) bei seinem „Erst-Check“ fand. Wie diese Gegenstände ins Einbecker Archiv/Museum kamen, ist noch offen und wäre Aufgabe weiterer wichtiger Forschung. Raub fängt nicht erst beim Ölgemälde an.

Musikschule mietfrei

Mendelssohn-Musikschule in der ehemaligen Stukenbrok-Villa.

Mendelssohn-Musikschule in der ehemaligen Stukenbrok-Villa. Archivfoto.

Die Finanzierung der Mendelssohn-Musikschule (MMS) ist bis Ende 2017 gesichert, obwohl zum 31. Juli 2016 der städtische Zuschuss von jährlich 70.000 Euro wegfällt. In diesem Jahr springt die Sparkassen-Stiftung in die Bresche, für 2017 haben sich private Spender gefunden, die nicht genannt werden wollen. Das berichtete heute Kulturausschuss-Vorsitzende Dr. Ursula Beckendorf (GfE) aus der eigens im vergangenen Herbst gebildeten Arbeitsgruppe in der Sitzung des Kulturausschusses. Laut Beckendorf hat sich die Arbeitsgruppe darauf geeinigt, die Musikschule bis Ende 2017 mietfrei in der Stukenbrok-Villa am Ostertor zu beherbergen. Beschlüsse dazu gab es heute im Fachausschuss nicht – und wird es voraussichtlich auch in Zukunft nicht (mehr) geben. Miete und Gebäudeunterhaltung sind laut Rolf Hojnatzki (SPD) in der mittelfristigen Finanzplanung für die Haushalte der nächsten Jahre mit einkalkuliert. Daran müsse nichts verändert werden. Das sah auch Bernd Huwald (CDU) so. Die Arbeitgruppe habe ihren Beitrag geleistet, die Politik sei sich schon länger einig, die MMS erhalten zu wollen. Die AG war mit je einem Fraktionsvertreter besetzt, außerdem mit der Vorsitzenden des Trägervereins, Christina Heise, sowie mit Kulturausschuss-Mitglied Michael Büchting (AKB-Stiftung). Nach den Worten von Alexander Kloss (SPD) habe die Arbeitsgruppe alle Empfehlungen im Konsens verabschiedet. So etwas sei selten, aber dem einigen Willen der Beteiligten geschuldet, dass die Mendelssohn-Musikschule als so genannter weicher Standortfaktor für Einbeck wichtig und erhaltenswert sei. Die AG habe allerdings dem Trägerverein auch deutlich gemacht, dass die jetzt gefundene Finanzierung befristet sei; die Schule müsse sich rechtzeitig selbst darüber Gedanken machen, wie es ab 2018 weiter gehe. Kloss: „Es gibt keinen Freibrief für die nächsten Jahre.“ MMS-Vorsitzende Christina Heise habe erklärt, dass auch mit einem Zuschuss-Budget von jährlich 40.000 statt den heutigen 70.000 Euro die Schule betrieben werden könne, berichtete Dr. Ursula Beckendorf. Die Arbeitsgruppe will sich weiterhin treffen – „ohne die anderen Musikschulen am Ort zu vergessen“ (Kloss).

Es liegt Musik in der Luft…

Christina Heise stellte die MMS im April-Kulturausschuss vor.

Christina Heise stellte die MMS im April-Kulturausschuss vor.

Einbeck ist eine sehr musikalische Stadt: Mehr als 1000 Musikschüler gibt es unter den 33.000 Einwohnern. Und wenn man dann noch die aktive Band- und Kulturszene dazu zählt (nicht selten direkt aus den Musikschulen gespeist) und außerdem jene, die einfach so ein Instrument spielen oder singen, ohne Unterricht, manche in Chören, andere nur allein für sich, dann liegt da vielstimmig und vielseitig Musik in der Einbecker Luft… Die beiden großen Einbecker Musikschulen haben sich im Kulturausschuss des Stadtrates vorgestellt: die Mendelssohn-Musikschule (MMS) mit derzeit rund 300 Schülern und 18 Lehrern, gegründet 1979, in der April-Sitzung, die M1-Musikschule mit ihren 721 Schülern und 25 Lehrern, gegründet 2004, jetzt in der Juni-Sitzung. Die Ausschussvorsitzende Dr. Ursula Beckendorf (GfE) hatte nach eigenem Bekunden auch der dritten Musikschule in Einbeck die Chance eröffnet, sich der Politik zu präsentieren, sie blieb dort aber zunächst ohne Resonanz.

So heiter und beswingt die Musikschule M1 sich und ihre Arbeit in der sehr gut besuchten Ausschuss-Sitzung und in einem aktuellen Video präsentiert hat, so feierlich und fröhlich vergangenes Jahr die MMS ihren 35. Geburtstag feierte (worüber ich ein Video gedreht habe): Die Musikschullandschaft in Einbeck wird sich in Zukunft verändern. Dabei darf keine Stimme verstummen, soll Einbeck bitte eine musikalische Stadt bleiben. Mit einer großen Bandbreite zwischen Klassik und Metal.

Marcus Kümmerling stellt die M1-Musikschule im Juni-Kulturausschuss vor.

Marcus Kümmerling stellte die M1-Musikschule im Juni-Kulturausschuss vor.

Der jährliche 70.000-Euro-Zuschuss der Stadt Einbeck aus dem Steuerzahlertopf für die Mendelssohn-Musikschule ist aus der Geschichte der 1979 als städtische Bildungseinrichtung gegründeten Schule zu verstehen. Doch er passt nicht mehr in die heutige Zeit, in der außerdem die M1-Musikschule seit mehr als zehn Jahren zeigt, dass es auch ohne Steuergeld geht. „Wir wollen keine Förderung durch die Stadt“, sagte dann auch M1-Mitbegründer Marcus Kümmerling im Kulturausschuss selbstbewusst. Was er aber will, ist eine Gleichbehandlung. Die Stadt möge sich neutral verhalten. Eine Verzerrung des Wettbewerbs mag er mit seinem Unternehmen nicht länger hinnehmen. Das ist nur allzu verständlich. Der kommunale Zuschuss an die MMS läuft zum 31. Juli 2016 aus. Der Zukunftsvertrag hat die Stadt dazu gezwungen. An diesem Vertrag ist offenbar doch nicht alles schlecht. Spätestens 2017 haben beide Schulen die gleichen Voraussetzungen.

Der Einwand, eine öffentlich geförderte Musikschule könne eher für die sozial Schwachen da sein, geht ins Leere: die M1 fördert nach eigenen Angaben 26 Schüler (darunter aktuell auch eine Klavierschülerin aus einer Flüchtlingsfamilie) mit kostenlosem Unterricht, weil sie von der privaten AKB-Stiftung eine Förderung erhält. Die MMS hatte im April erklärt, fünf Schüler mit Berechtigungsschein mit kostenfreiem Unterricht zu unterstützen.

Im Nachhinein lässt sich ja immer alles locker beswingt beurteilen, aber so falsch ist die Einschätzung nicht, dass die Stadt mit der Umwandlung der MMS im Jahr 2006 ein Problem nur mehr oder weniger elegant auf einen Trägerverein ausgelagert hat, um sechsstellige Defizite im Stadt-Etat auf fünfstellige Zuschüsse zu reduzieren. Schon damals gab es ja die M1, längst noch nicht so groß wie heute. Aber sie hatte exakt seit ihrer Gründungsphase mit dieser Ungleichbehandlung klar zu kommen.

Jede Musikschule hat ihre Existenzberechtigung, wenn sie auf eigenen Beinen stehen kann. Es muss fair dabei zugehen. Auf allen Seiten. Die Zukunft der Musik in Einbeck ist zu wichtig, als sich im schrillen Klanggetöse zu verlieren. Notfalls muss ein Dirigent den Taktstock erheben, um die Harmonie wieder herzustellen. Der Maestro heißt Marktwirtschaft.

Ein dringendes Bedürfnis

Toilettenanlage.

Toilettenanlage.

Die Angelegenheit ist delikat. Es geht um Lebensmittel. Und um Barrierefreiheit für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen. Die gut erreichbare Toilette für Marktbeschicker im Turm des Alten Rathauses soll, so ein Vorschlag des Behindertenbeauftragten Herbert Klein und der GfE-Ratsfrau Dr. Ursula Beckendorf, zu einem WC umgebaut werden, das auch Behinderte benutzen dürfen; denn andere barrierefreie Toiletten in der City sind Mangelware. Doch das darf so nicht sein. Sagt zumindest der Landkreis Northeim als Lebensmittel-Hygiene-Behörde. Die Personaltoilette im Rathausturm müsse eine solche ausschließlich für die Beschicker des Wochenmarktes bleiben: „Eine Vermischung mit anderen Personenkreisen kann von hier aus nicht toleriert werden.“ Um Verbraucher vor Lebensmittelinfektionen zu schützen, müssten saubere, separate Toilettenanlagen zur Verfügung gestellt werden, um mindestens während der Marktzeit eine Übertragung von Infektionserregern zu verhindern. Die Angelegenheit sei damit aus fachlicher Sicht „abschließend geklärt“, lässt der oberste Verbraucherschützer im Kreishaus ausrichten.

Gut, dass die Kreisverwaltung eine Diskussion nicht einfach so für beendet erklären kann. „Ich nehme das zur Kenntnis, aber gebe nicht auf“, sagte GfE-Ratsfrau Dr. Ursula Beckendorf gestern im zuständigen Fachausschuss des Stadtrates. Der einigte sich einstimmig darauf, die Stadtverwaltung prüfen zu lassen, ob nicht das Marktbeschicker-WC zu einer barrierefreien Toilette umgebaut werden könnte (und was das kostet) und gleichzeitig für die Marktbeschicker eine andere WC-Lösung zu suchen. Bei anstehenden Planungen für den neuen ZOB, den Garten der Generationen im Stiftsgarten, den Möncheplatz und den Neustädter Kirchplatz soll ferner berücksichtigt werden, eventuell hier zentrale und gut erreichbare barrierefreie WC-Anlagen zu bauen. Das aktuell einzige öffentliche barrierefreie WC in der Innenstadt in der Maschenstraße soll außerdem dauerhaft geöffnet werden, entschied der Fachausschuss einstimmig.

Lebensmittelsicherheit ist ein hohes Gut – und ich möchte als Kunde sichergehen, dass ich auf dem Wochenmarkt gesunde, frische und nicht infizierte Lebensmittel kaufen kann. Nicht zuletzt deshalb ist mir ja die jüngste Hundekot-Aktion am Eulenspiegelbrunnen so dermaßen über die Hutschnur gegangen! Aber: Eine hundertprozentige Sicherheit kann es, gerade bei mobilen Händlern wie auf einem Wochenmarkt, nicht geben, ohne dass ich da jemanden unter Generalverdacht stellen möchte. Da schützt auch eine separate Toilette ausschließlich für diese Händler nichts. Zum einen wird niemand von den Händlern gezwungen, diese zu benutzen. Zum anderen kann es doch auch so sein, dass Händler A sich erst auf dem separaten WC infiziert, weil Händler B dort beim Geschäft oder beim Händewaschen seine Keime verbreitet. Der einzige Vorteil, den ich als Laie erkenne, wäre in einem solchen Infektionsfall, dass man den potenziellen Personenkreis, aus dem die Infektion stammen kann, rascher eingrenzen kann, wenn es sich ausschließlich um eine Personaltoilette für Wochenmarkt-Beschicker handelt.

Gut, dass Behindertenbeauftragter Herbert Klein gemeinsam mit dem Einbecker Seniorenrat und GfE-Ratsfrau Beckendorf aber hier nicht locker lässt und geklärt wissen möchte: Auf welche eindeutige Rechtsgrundlage bezieht sich die Landkreis-Ablehnung, die Toilette für Marktbeschicker und Behinderte zu nutzen? Und: „Aufgrund einer telefonischen Recherche lässt o.a. Entscheidung die Vermutung zu, dass in diesem Fall personenbezogene Argumente den Ausschlag gegeben haben.“ Mit anderen Worten? Der Landkreis lehnt ab, weil die beantragende Person nicht passt? Das wäre unglaublich und eine gewagte, zu belegende Behautung.

Die Position der Antragsteller schwächt, dass der Landkreis Northeim aktuell erklärt, auch in Alfeld, Göttingen, Duderstadt, Hann.Münden, Holzminden und Hildesheim seien separate Toiletten für Marktbeschicker vorhanden, entsprechende andere Behauptungen seien falsch. Behindertenbeauftragter und Seniorenrat hatten nach ihrer Telefonumfrage erklärt, nur Einbeck und Northeim hielten separate Marktbeschicker-WC vor, die anderen Städte nicht. Wer hat nun Recht? Wer nicht sauber recherchiert, dem werden auch die besten Argumente verwässert.

Nachtrag 29.05.2015: Auf Antrag des Seniorenrates hat der Verwaltungsausschuss den Fachausschuss-Beschluss in dieser Woche nicht nur bestätigt, sondern noch einmal explizit festgeschrieben, dass bei allen Baumaßnahmen auf öffentlichen Plätzen (Neustädter Kirchplatz, Möncheplatz, ZOB/Bahnhof-Umgestaltung) barrierefreie Toilettenanlagen einzuplanen sind. Das berichtete Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Auslastung 110 Prozent

Eng, sehr eng: Kulturausschuss-Sitzung am 17.03.2015 in Raum 107 im Neuen Rathaus.

Eng, sehr eng: Kulturausschuss-Sitzung am 17.03.2015 in Raum 107 im Neuen Rathaus.

Die Raumkapazitäten bei der Sitzung des Kulturausschusses waren gestern zu mindestens 110 Prozent ausgelastet. Mit anderen Worten: Es war voll in Raum 107 des Neuen Rathaus, sehr voll und eng, mehrere mussten gar anfangs stehen. Selbst Ausschussmitglieder (und Medienvertreter) fanden zunächst keinen Sitzplatz, bis SPD-Fraktionschefin Margrit Cludius-Brandt nach den ersten Tagesordnungpunkten die ungerührte Sitzungsführung der Ausschussvorsitzenden Dr. Ursula Beckendorf (GfE) nicht mehr teilen mochte und diese darauf hinweisen musste. Peinlich. Dabei waren noch nicht einmal alle gewählten Auschussmitglieder gestern anwesend…

Alle Sitzplätze belegt, einige mussten anfangs gar stehen.

Alle Sitzplätze belegt, einige mussten anfangs gar stehen.

Das Ganze hat imgrunde gezeigt, wie ungeeignet dieser Raum im Neuen Rathaus selbst für mittelprächtige Ausschuss-Sitzungen geeignet ist. Jedenfalls in der aktuellen Tisch- und Bestuhlungsform. Zumindest sollte doch wohl jedem gewähltem Ausschussmitglied ein akzeptabler Sitzplatz für mindestens 90 Minuten bereit gestellt werden können, von der interessierten Öffentlichkeit gar nicht zu reden. Und weil Informationen per Beamer an eine Wand geworfen wurden, fiel auch noch ein Teil der Fläche für Sitzplätze aus. Gar nicht mehr daran denken möchte ich, dass schon einmal öffentliche Ratssitzungen in diesem Raum stattgefunden haben. Zugegeben, das waren Sondersitzungen mit nur einem Tagesordnungspunkt, aber dennoch…

Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder hatte zu Beginn der Sitzung eingeräumt, dass er mit einer solchen Resonanz nicht gerechnet habe. Freilich, wegweisende Beschlüsse hat der Kulturausschuss gestern nicht gefasst (imgrunde hätte er beinahe überhaupt keinen einzigen Beschluss gefasst, sondern nur Berichte entgegen genommen, wenn nicht die SPD die Handlungsempfehlungen der Verwaltung bei der Rückkehrförderung zu einer Zustimmung-Beschlussempfehlung umgebastelt hätte, der der Ausschuss einstimmig gefolgt ist). Doch selbst wenn Beschlüsse weitreichender Art vorab nicht zu erwarten waren, ein großes Interesse beim Thema Musikschule kann man in Einbeck erst einmal grundsätzlich immer unterstellen. Und da dürfte es ja wohl nicht zuviel verlangt sein, in der großen Stadt Einbeck einen ausreichend großen Raum für eine solche Sitzung zu finden. Raum 107 ist das bitte definitiv in Zukunft nicht. Für vertrauliche Verwaltungsausschuss- oder Aufsichtsrats-Sitzungen ohne Publikum mag dieses Zimmer im Neuen Rathaus ja sehr geeignet sein. Für öffentliche Sitzungen ist es Raum 107 nicht. Das dürfte spätestens seit gestern klar sein.

Nachtrag 18.03.2015, 17:00 Uhr: Umgehend hat sich Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder per Twitter zu Wort gemeldet und Besserung gelobt. Daumen hoch! 😉

Ratlos kopflos

Neu seit wenigen Wochen: der Radfahrschutzstreifen am Hubeweg in Einbeck.

Radfahrschutzstreifen am Hubeweg in Einbeck.

Einen Monat lang währt die verdiente Pension des langjährigen Bauamtsleiters in Einbeck. Erst. Schon. Das liegt im Auge des Betrachters. Das Thema ist in der politischen Schublade verschwunden, und die wird wohl erst wieder im neuen Jahr mit vielleicht neuen Ideen aufgezogen. Wer jedenfalls ein Beispiel gesucht hat, wie falsch es gewesen ist, keinen nahtlosen Übergang in dieser Führungsposition im Einbecker Rathaus erreicht zu haben, der hat dieses Beispiel in der gestrigen Sitzung des Ratsausschusses für Stadtentwicklung finden können. Wie kopflos, wie führungslos, ja wie ratlos offenbar die Bauabteilung derzeit ist, hat eine schlichte Frage des Ausschuss-Mitgliedes Roland Heimann (CDU) in der Diskussion über die Schutzstreifen für Radfahrer auf dem Hubeweg gezeigt. Der wollte imgrunde nur wissen, wie denn in der Verwaltungsvorlage der Hinweis zu verstehen sei, in dem „verwaltungsseitig noch einmal darauf hingewiesen [wird], dass die in dem o. g. Vorschlag vorgesehenen Breiten der Schutzstreifen mit 1,50 m nicht den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung (STVO) und den Verwaltungsvorschriften zur STVO entsprechen.“

Was dann passierte, löste im gut gefüllten Zuschauerraum betroffenes Gemurmel aus: Vier anwesende Mitarbeiter des Bauamts, der aktuell amtierende Bauamtschef und die Bürgermeisterin fanden minutenlang keine wirkliche Antwort, einige blätterten eher hektisch in Unterlagen, andere zogen es vor, durch Schweigen zu führen. Dabei ist ja die Erklärung einfach: Wenn man der Vorlage folgt und den Hubeweg für rund 200.000 Euro komplett in der vorgeschlagenen Art und Weise ausbaut, verstößt man gegen die STVO.

Nun ist die ganze Debatte über diese Radfahrschutzstreifen nicht unbedingt das brennendste Problem dieser Stadt. Immerhin aber hat die Diskussion gestern interessante Neuigkeiten befördert, vielleicht auch nicht beabsichtigte. Zum einen fahren einige (Rolf Hojnatzki, SPD) bei 3 Grad Außentemperatur offenbar kein Fahrrad mehr, obwohl sie sonst gerne per Rad unterwegs sind. Zum anderen eine freilich nicht repräsentative Zählung von Schutzstreifen-Gegnerin Dr. Ursula Beckendorf (GfE), die am Mittwochvormittag zwischen 9.30 und 13.30 Uhr von ihrem Fenster am Hubeweg aus 21 Radfahrer in die eine Richtung und 19 Radfahrer in die andere Richtung notiert hat. Ich finde das eine erstaunliche Zahl, eine erstaunlich hohe Zahl angesichts schattiger Temperaturen. Gestern wurden außerdem Patienten in der Augenarzt-Praxis befragt, diese Praxis ziehe ja auch Menschen in die Stadt, sagte Beckendorf. 35 von 53 wollten eine Wiederherstellung der Parkplätze auf der Straße vor der Tür. Und sie gaben an, nicht allein den Doktor zu besuchen, sondern dann auch andere Besorgungen in Einbeck zu tätigen. Wenn allerdings die Patienten-Besucher ohnehin noch in die Innenstadt gehen wollen (zum Einkaufen, zum Wochenmarkt etc.), was ja löblich ist, kann man diesen dann nicht auch zumuten, anderswo als direkt vor der Praxis zu parken?

Der Stadtentwicklungsausschuss hat letztlich gestern mit den Stimmen von SPD und Grünen beschlossen, den vorhandenen Schutzstreifen beizubehalten und auf 1,50 Meter auf der östlichen Hubewegseite zu verbreitern, allerdings dies erst dann zu markieren, wenn ohnehin neue Farbe auf der Fahrbahn aufgetragen werden muss. Ob diese Beschlussempfehlung freilich im nächsten Verwaltungsausschuss, in dem die Mehrheitsverhältnisse ja gerne mal andere sind, weiter bestehen bleibt, ist offen.

Nachtrag 06.12.2014: Als hätte ich’s geahnt: Der Verwaltungsausschuss hat die Beschlussempfehlung des Fachausschusses gekippt und sich dafür ausgesprochen, die Schutzstreifen wieder zu entfernen und die Parkflächen auf dem Hubeweg wieder herzustellen.

Guter Rat

Die zwei Gebäude des ehemaligen Flüchtlingswohnheimes am Kohnser Weg, im Vordergrund der Festplatz an der Twetge.

Die zwei Gebäude des ehemaligen Flüchtlingswohnheimes am Kohnser Weg, im Vordergrund der Festplatz an der Twetge.

Da wurde offenbar im Vorfeld der für heute geplanten Haus-der-Jugend-Entscheidung intensivst hinter den Kulissen in den verschiedensten Kreisen telefoniert, diskutiert und ventiliert. Dass der Drops schon gelutscht sein könnte, wohin das dem PS-Speicher weichende Jugendzentrum umziehen soll, möchten manche nicht akzeptieren. Was zweifellos ihr gutes Recht ist.

Und auf den ersten Blick sieht die heutige Entscheidung des Fachausschusses für Jugend auch wie eine Kehrtwende aus. Mit sieben Ja-Stimmen gegen zwei Nein-Stimmen von Antje Sölter (CDU) und Dr. Ursula Beckendorf (GfE) bei einer Enthaltung von Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) hat der Ausschuss die Verwaltungs- und Bürgermeisterin-Empfehlung für das Gemeindehaus am Sülbecksweg (Jugendkirche Neustädter Gemeinde St. Marien) außer acht gelassen und stattdessen das ehemalige Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg als neuen Standort des Hauses der Jugend empfohlen. Für diesen Standort soll die Verwaltung jetzt auch noch mal die zwischenzeitlich verworfene Idee prüfen, ob dort nicht doch noch außerdem das Jugendgästehaus des DRK eine neue Heimat finden kann. Ob diese Entscheidung das letzte Wort bleiben wird, ist offen. Die so quälend lange Debatte scheint noch nicht am Ende, auch wenn die Jugendlichen längst eine verlässliche Entscheidung verdient hätten.

Völlig zu recht und vorausschauend hat Jugend-Fachbereichsleiter Albert Deike darauf hingewiesen, dass mit dem Grundstückseigentümer am Kohnser Weg die Kaufverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Die Kaufpreis-Vorstellungen, die in öffentlicher Sitzung nicht genannt werden können, sollen kaum akzeptabel hoch liegen. Eine getroffene Entscheidung für den Haus-der-Jugend-Standort Flüchtlingswohnheim drücke da den Preis nicht gerade, warnte Deike. In der Tat könnte genau das jetzt das Problem für den imgrunde guten, großräumigen, weiterentwicklungsfähigen Standort am Kohnser Weg werden. Da sollten die Verantwortlichen einen „Plan B“ in der Hinterhand haben, ob das der erst im Februar und nur halbherzig ins Spiel gebrachte Standort an der Walkemühle/Kolberger Straße sein könnte, sollte wenigstens nochmal geprüft werden. Bevor man am Ende mit leeren Händen da steht und noch erbitterter die von mir schon länger ins Spiel gebrachte normative Kraft des Faktischen zuschlägt. Weil man dann eventuell nämlich gar keine Wahl mehr hat.

Ich finde es richtig, dass am Ende jetzt der Stadtrat in einer für Ende April nach den Osterferien geplanten Sondersitzung über den Standort entscheidet. So wird das Votum der Politik auf eine breite Basis gestellt, noch dazu eine öffentliche. Nicht allein der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss entscheidet. Besonders in den Reihen der CDU, das wurde heute im Ausschuss sichtbar, sind die Meinungen uneinheitlich, wohin das Haus der Jugend umziehen soll. Die Ausschussmitglieder fühlten sich nicht repräsentiv für ihre gesamte Fraktion. Und auch wenn in der SPD heute im Ausschuss die Reihen geschlossen waren, könnte bei einer freigebenen Entscheidung im Rat eine bunte, nicht vorher berechenbare Mehrheit für die zur Wahl stehenden Varianten zusammen kommen. Wäre das schlimm? Ich finde, nein.

Das, was man als eine inhaltliche Chance begreifen kann, nämlich kirchliche und kommunale Jugendarbeit zueinander zu bringen, lässt sich natürlich ebenso trefflich als potenzielle Gefahr darstellen, die scheitern könnte. Natürlich weiß niemand, ob das Experiment, zwei durchaus heterogene Jugendgruppen an einem Standort benachbart zu vereinen, gut gehen wird. Experten glauben, es könnte gelingen. Experten können aber selbstverständlich auch irren. Antje Sölter (CDU) sagte richtigerweise, dass ja am Sülbecksweg nicht geplant sei, die Jugendkirche Marie und das Haus der Jugend unter ein gemeinsames Dach zu zwingen. Theoretisch könnten beide Einrichtungen im Gemeindehaus auch nebeneinander existieren. Falls es nicht gut geht, das Experiment. Ist es aber nicht wenigstens einen Versuch wert?

Sabine Schmidt (r.) überreichte heute Unterschriften der Anlieger des Butterbergsweges an die Bürgermeisterin.

Sabine Schmidt (r.) überreichte heute über 100 Unterschriften der Anlieger des Butterbergsweges an die Bürgermeisterin.

Gegen den Standort am Sülbecksweg gibt es allerdings nicht nur ersten Anliegerprotest, auch wenn mehrere Politiker betonten, dass mit dem Haus der Jugend ja keine tägliche Diskothek neuer Nachbar werde. Bei diesem Standort scheinen auch längst nicht alle Beteiligten so mitgenommen worden zu sein, wie öffentlich dargestellt worden ist: Im kirchlichen Gemeindehaus heute etablierte Gruppen beispielsweise haben die Nachricht von dem möglicherweise in ihre Räume einziehenden Haus der Jugend aus den Medien erfahren. Das sind in der ohnehin schwierigen Diskussion alles keine vertrauensbildenden Maßnahmen.

Gut finde ich die Botschaft, dass die zunächst allein an den Standort Sülbecksweg gekoppelte 100.000 Euro-Drittmittelzusage von interessierten Unbekannten inzwischen offen und transparent dargestellt wird. Und dass diese Mittel scheinbar aus nun anderer Hand stammen. Das Geld kommt jetzt, das sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, von der AKB-Stiftung zum 90. Geburtstag der Ehrenvorsitzenden der Friedland-Hilfe, Johanne Büchting. Und es sei nicht an einen Standort gebunden.

Auch da haben offenbar einige Herren miteinander gesprochen.

Eine Anmerkung zum Schluss kann ich mir nicht verkneifen: Mit der spontanen Umdisposition der Ausschuss-Sitzung aus dem ursprünglich vorgesehenen engen Sitzungssaal in die Rathaushalle haben die Verwaltungs-Verantwortlichen im Rathaus zwar gerade so eben noch die Kurve bekommen. Was der Veranstaltung aber gut getan hätte, wäre eine installierte Mikrofonanlage gewesen. Das Zuschauerinteresse bei diesem Thema war schließlich erwartbar groß, die Akustik in der Halle ist bekanntermaßen suboptimal…

Großes Interesse: Volle Zuhörerreihen bei der Ausschuss-Sitzung, bis zuletzt mussten Stühle nachgestellt werden.

Großes Interesse: Volle Zuhörerreihen bei der Ausschuss-Sitzung, bis zuletzt mussten Stühle nachgestellt werden.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…

Diese Idee hat Charme und verdient es, umgesetzt zu werden: eine Kultur-Tafel. Und das Rad muss dafür in Einbeck beileibe nicht neu erfunden werden, es gibt Beispiele in der Nähe, die auf Einbeck übertragen und angepasst übernommen werden können. Was jedoch umgehend geschehen muss, ehe sich der Kulturausschuss in einigen Wochen mit dem Thema beschäftigen wird: Die großen Kulturanbieter in der Region sollten von den Überlegungen nicht – wie bei dem CDU-Antrag für den Stadtrat passiert – erst aus der Zeitung erfahren. Man sollte sie einbinden und ihre Erfahrungen nutzen. Sie sind es schließlich, die die Kultur-Tafel mit Leben, sprich mit Eintrittskarten versorgen.

Kultur auch für Menschen mit wenig Geld ermöglichen – das ist das Prinzip der Kultur-Tafel. Auf Antrag der CDU-Stadtratsfraktion soll es in Einbeck in Zukunft ein Angebot geben, das es beispielsweise Alleinerziehenden, Arbeitslosen oder armutsgefährdeten Frauen und Männern mit niedrigem Budget ermöglicht, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen.

Es ist wahr: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ So begründete CDU-Ratsfrau Heidrun Hoffmann-Taufall den Vorstoß ihrer Fraktion.

Es stimmt: Kultur – und gemeint ist ganz bewusst nicht allein die vermeintliche Hochkultur wie klassische Konzerte oder Theatervorstellungen – darf kein Luxusgut sein, es geht um gesellschaftliche Teilhabe. Unter anderem für Kinder und Jugendliche seien es einprägsame Erlebnisse mit Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung, nicht dazu zu gehören, Kultur-Veranstaltungen wegen fehlenden Geldes nicht besuchen zu können, sagte die CDU-Politikerin. Das müsse sich ändern.

Rolf Hojnatzki (SPD) bat in der Stadtratssitzung darum, gute Beispiele aus anderen Städten wie Göttingen in die Debatte einzubeziehen. Vielleicht könne der dortige Verein Kulturpforte sein Angebot regional erweitern. Grundsätzlich sprach sich auch Dr. Ursula Beckendorf (GfE), die Vorsitzende des Kulturausschusses, für eine Kultur-Tafel aus. Sie wünschte sich schnell Informationen darüber, wie die „Bedürftigen“ an die freien Karten von Kultur-Veranstaltungen kommen, wer dieses regelt.

Möglichkeiten, wie eine Kultur-Tafel funktioniert, gibt es mehrere: Veranstalter stellen nicht verkaufte Restkarten zur Verfügung, oder aber bestimmte Ticket-Kontingente. Dauerkarten-Besitzer, die verhindert sind, geben ihre Plätze an die Tafel ab. Auch könnten Sponsoren eine bestimmte Zahl von Karten kaufen und der Kultur-Tafel zur Verfügung stellen. Über all das muss diskutiert werden.

Vor einer Diskussion im Kulturausschuss rate ich allerdings dringend dazu, dass die Kulturschaffenden und die Veranstalter in der Region eingebunden werden, denn ohne sie wird eine Kultur-Tafel nicht funktionieren.

Radfahrschutz vs. Parkplatz

Neu seit wenigen Wochen: der Radfahrschutzstreifen am Hubeweg in Einbeck.

Neu seit wenigen Wochen: der Radfahrschutzstreifen am Hubeweg in Einbeck.

Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen zu sein: Baudirektor Gerald Strohmeier hat in der Ratssitzung auf die Anfrage-Bitte der GfE-Ratsfrau Dr. Ursula Beckendorf, die neuen, Parkplätze fressenden Radfahrschutzstreifen noch einmal zu überprüfen, ein wenig Hoffungsschimmer erkennen lassen. Man werde sich die Situation dort genau anschauen, ob eventuell am unteren Hubeweg in Einbeck etwas zu verbessern ist, damit Anlieger und anliegende Praxen nicht mehr so arg unter den weggefallenen Parkplätzen leiden müssen. Am grundsätzlichen Konzept der Radfahrschutzstreifen in Einbeck werde aber festgehalten, hieß es. Kritiker hatten bemängelt, dass auf der Ostseite ein heute nutzloser Grünstreifen doch als Radweg verwendet werden könnte. Vielleicht kann er ja auch zu einer großen Parkplatzbucht werden, an der entlang dann der Radfahrschutzstreifen markiert werden kann. Aber sowas wäre sicherlich zu teuer.

Kiste weg, bitte!

Ratsvorsitzender Bernd Amelung an der "Kiste".

Ratsvorsitzender Bernd Amelung an der „Kiste“.

Die Akustik in der Rathaushalle ist seit jeher besonders. Nur eingeschränkt hilft da die Mikrofonanlage weiter. Voraussetzung: Man muss ins Mikro hinein sprechen, um von allen im großen Saal gehört werden zu können.

Ratsmitglied Dr. Ursula Beckendorf (GfE) hat bei der jüngsten Sitzung eine Anregung gegeben: Alle Ratspolitiker sollten doch bitte sitzen bleiben, wenn sie sprechen wollen, dann könnten sie direkt ins Mikro reden, und würden sich durchs Aufstehen nicht automatisch vom Mikro entfernen…

Ratsvorsitzender Bernd Amelung (SPD) konnte diesen Vorschlag nur unterstützen – und ergänzte ihn prompt. Er habe die Frau Bürgermeisterin gebeten, dass in Zukunft „die Kiste hier“ nicht mehr aufgestellt werde (er meinte das hölzerne Rednerpult). Wenn er nämlich sitze, sehe er im Ratsrund wegen der Holzkiste niemanden mehr… Vom Hören ganz zu schweigen.