Schulzentrum: Untermieter-Kooperation

In Anwesenheit zahlreicher Eltern, Lehrer und Schüler der betroffenen Schulen hat der Schulausschuss des Kreistages im bis auf den letzten Platz besetzten Forum der BBS II in Northeim, getagt. Foto: Landkreis Northeim

In Anwesenheit zahlreicher Eltern, Lehrer und Schüler der betroffenen Schulen hat der Schulausschuss des Kreistages im bis auf den letzten Platz besetzten Forum der BBS II in Northeim getagt. Foto: Landkreis Northeim

Ist das ein tragfähiger, in der täglichen Schulpraxis tauglicher Kompromiss? Oder (wieder einmal) nur ein politisches Ausweichen vor klaren, deutlichen, verlässlichen, zukunftsfesten Entscheidungen? Der Kreis-Schulausschuss hat sich bei der Schulentwicklungsplanung für den Bereich Einbeck zwar mit großer Mehrheit auf eine Empfehlung für den Kreistag am 10. März geeinigt. An den Reaktionen in den nächsten Tagen wird man jedoch erst noch sehen, ob die Betroffenen mit der gefundenen Formel leben können. Nach Einigung im Schulausschuss soll die Raumnot der Integrierten Gesamtschule (IGS) dadurch gelöst werden, dass im Gebäude der benachbarten Löns-Realschule Räume im Untergeschoss so umgebaut werden sollen, dass diese auch von der IGS genutzt werden können. Die Politik erwartet außerdem, dass beide Schulen künftig besser kooperieren. Als Kosten für den Umbau waren bereits einmal 1,7 Millionen Euro genannt worden, der Ausschuss hat die Kreisverwaltung aber nochmal aufgefordert, die notwendigen Baukosten schnellstmöglich zu ermitteln. Zwar sollen die Schülerzahlen für IGS und Löns-Realschule nicht formal gedeckelt werden, wie dies eine von der Verwaltung vorgelegte Variante vorsah, wohl aber soll nach dem Willen des Kreis-Schulausschusses die Landrätin den Ausschuss informieren, sobald sich abzeichnet, dass insgesamt mehr als sieben Klassenzüge pro Jahrgang im Schulzentrum beschult werden müssten. Dann will das Gremium erneut über die Situation beraten, waren sich SPD/Grüne und FDP/GfE einig. Aufgelöst werden sollen außerdem die Schulbezirke für die Realschule in Einbeck und die Haupt- und Realschule in Greene, so dass Eltern unabhängig vom Wohnort frei entscheiden können, welche Schule ihr Kind besuchen kann.

Nachtrag 26.02.2017: CDU (cdu-begruesst-einigung-beim-schulentwicklungsplan-17-02-26) und SPD (pm_6_2017_spd_schulentwicklungsplanung) haben in Stellungnahmen die Einigung im Schulausschuss begrüßt.

Nachtrag 14.03.2017: Der Kreistag hat am 10. März den Empfehlungen des Schulausschusses zugestimmt. „Ich hätte mir für den Schulstandort am Hubeweg einen eindeutigeren Beschluss gewünscht, der eine bessere Planung ermöglicht hätte“, erklärte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel mit Blick darauf, dass nun in jedem Jahr geschaut werden müsse, welche Zügigkeit die jeweilige Schule erreiche, denn mehr als eine Siebenzügigkeit insgesamt lasse sich in den Gebäuden nicht umsetzen. In seinem Beschluss zum Schulzentrum Hubeweg in Einbeck hat der Kreistag festgestellt, dass sowohl der IGS Einbeck als auch der Löns-Realschule die Chance zu einer positiven Entwicklung der Schülerzahlen am Standort gegeben werden soll. Teilbereiche der Realschule sollen so umgebaut werden, dass sie von beiden Schulen genutzt werden können. Vor allem das Konzept der integrativen Beschulung soll dabei räumlich berücksichtigt werden. Planungen für den Umbau werden im aktuellen Haushaltsjahr mit 300.000 Euro veranschlagt. Für die Umbaumaßnahmen, die von 2018 bis 2020 durchgeführt werden sollen, werden im Kreishaushalt 1,65 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Sobald sich abzeichnet, dass die Siebenzügigkeit im Schulzentrum am Hubeweg überschritten wird, soll die Landrätin den Kreisausschuss umgehend informieren, um gemeinsam das weitere Vorgehen zu entscheiden. Zusätzlich soll die Schulbezirkssatzung geändert werden, dass die Schulbezirke der Löns-Realschule und der Haupt- und Realschule Kreiensen jeweils das gesamte Gebiet der Stadt Einbeck umfassen.

Schulknoten

Weitere Wortmeldungen vor der Kreis-Schulausschuss-Sitzung am kommenden Montag (20. Februar): Die Frauen-Union in der CDU hat sich heute für den Erhalt von schulischer Vielfalt am Standort Einbeck ausgesprochen. „Dem demografischen Wandel muss begegnet werden, auch mit Maßnahmen, die die Attraktivität des Landkreises untermauern und nicht schwächen“, erklärte Heidrun Hoffmann-Taufall, Vorsitzende der Frauen-Union, in einer Pressemitteilung. „Eine Vielfalt an Schulformen stärkt die weichen Standortfaktoren. Wir brauchen junge Familien, und die suchen ihren Lebensmittelpunkt dort, wo sie ein Bildungsangebot mit Wahlmöglichkeiten vorfinden.“ Planungssicherheit und Wahlfreiheit der Eltern haben für die Frauen-Union im Landkreis oberste Priorität. „Wir sagen Nein zu Schulschließungsüberlegungen aus finanziellen Gründen oder zur Stärkung anderer Schulformen oder Standorte“, erklärte Beatrix Tappe-Rostalski (CDU), Mitglied im Kreis-Schulausschuss. „Einziger Indikator, der eine Schließung von Schulen rechtfertigt, sehen wir in der Einzügigkeit.“

Besonders vehement hatte sich jüngst die Grüne Jugend im Landkreis Northeim für die Schließung der Löns-Realschule ausgesprochen: „Aufschieberitis prägt seit Jahren die Schulpolitik des Kreistages“, heißt es in einer Position des grünen Nachwuchses. „Immer scheint man Angst vor ehrlichen Entscheidungen und der nächsten Wahl zu haben. Der Knoten muss platzen, Kreispolitik muss erkennen, dass sie mit ihrer permanenten Wahlkampfpolitik dem Landkreis schadet. Mit dem Vermeiden klarer Positionen und unehrlichen Aufschiebemanövern ist nur der Politikverdrossenheit gedient.“ Die Einbecker Schullandschaft biete derzeit vier Möglichkeiten, den Realschulabschluss zu machen: Löns-Realschule, IGS, Goetheschule-Gymnasium, Haupt- und Realschule Greene. „Hier herrscht Luxus, der den Rest des Landkreises auch finanziell belastet“, meinen die Grünen-Jugendlichen. Sie möchten die Löns-Realschule schließen, damit die benachbarte IGS in dem Gebäude die notwendigen Räume erhalten kann. „Die Schüler der Löns-Realschule könnten dann sowohl auf die IGS als nach Greene wechseln, was den Schulstandort Kreiensen-Greene langfristig stärken würde.“ Die IGS-Neubau-Alternative für 7,1 Millionen Euro sei keine, der Kreis habe dieses Geld nicht. Die Grüne Jugend fordert von den Kreistagsabgeordneten ein Bekenntnis zur IGS, für die sich schließlich der Kreistag der vergangenen Wahlperiode mehrheitlich entschieden habe. Allen voran die Einbecker Kommunalpolitiker müssten sich „der Luxussituation bewusst werden, über ihren Schatten springen“ und bereit sein, eine Lösung zu finden, die für den gesamten Landkreis fair und tragbar sei. „Einen Schulkrieg im Hubeweg auszusitzen, ist keine Schulpolitik. Kreistagsabgeordnete sollten in der Lage sein, über Gemeindegrenzen hinaus zu denken“, meinen die Grünen-Jugendlichen.

Die Einbecker Grünen hatten zuvor noch eine Fusion der Realschulen favorisiert, um im Realschulgebäude in Einbeck Raummöglichkeiten für die wachsende IGS zu schaffen.

Zuletzt hatte sich bereits der Stadtelternrat Einbeck in einer ausführlichen Stellungnahme für eine Schulvielfalt in Einbeck ausgesprochen.

Von SPD und Grünen aus dem Kreistag, der am 10. März über die Schulentwicklungsplanung entscheiden will, sind bislang keine Positionierungen bekannt.

Nachtrag 19.02.2017: Die Einbecker Grünen haben in einem von ihrem Ortsverbandsprecher Dr. Ewald Hein-Janke unterzeichneten Leserbrief ihre Position gegen Schulschließungen noch einmal deutlich gemacht (Worlaut: gruene-180217-lb-hein-janke-schulschliessungen): „Das Wachstum der IGS darf (…) nicht zur Verdrängung der Realschule führen.Wenn trotz umgelenkter Schülerkontingente der Raum in Einbeck für beide Schulen nicht reichen sollte, müsste notwendiger Weise in Einbeck angebaut werden, wie es der Elternrat verlangt. Das wäre eine sinnvolle Investition, die auch politisch vertretbar wäre, zumal für die IGS bisher – außer der neuen Mensa – keine größeren Baumaßnahmen erforderlich waren.“

Realschule in Gefahr?

Bislang hatten die Pläne nur für wenig öffentlichkeitswirksames Erstaunen gesorgt: Eine überraschte Bürgerwortmeldung in der Einwohnerfragestunde des städtischen Schulausschuss Anfang Dezember, während der Schulausschuss des Kreistages die Angelegenheit Ende November mehr oder weniger kommentarlos erstmal vertagt hatte. Dabei hatten die Pläne, die mit der „Schulentwicklungsplanung des Landkreises Northeim für die allgemein bildenden Schulen, Sekundarbereiche I und II“ von der Kreisverwaltung da vorgelegt worden waren, durchaus Brisanz. Denn eine Variante für die Platz suchende Integrierte Gesamtschule am Hubeweg in Einbeck lautet da: Schulaufhebung der Löns-Realschule. Mit anderen Worten: Schließung der Löns-Realschule. Für die nächste Ratssitzung am 8. Februar in Einbeck haben heute CDU und FDP in einer durchaus bemerkenswerten Allianz eine Resolution vorgelegt. Ob diese der Stadtrat mehrheitlich oder gar einstimmig beschließen wird? Das wird spannend, CDU und FDP allein haben keine Mehrheit, findet sich also nicht noch ein weiterer Bündnispartner, fällt die Resolution durch. Steht G³? Oder gehen bei dieser Schul-Appellation (die ja faktisch nichts verhindern kann, außer Aufmerksamkeit zu erregen) die grün-gelben-Genossen der jüngst erst besiegelten Gelb-Grünen-Gruppe bereits erstmals inhaltlich getrennte Wege (weil den Grünen die IGS dann doch eher am ideologischen Herzen liegt)?

Eine vielfältige und qualitativ hochwertige Schullandschaft in unserer Stadt ist die Basis für eine gute Ausbildung unserer Kinder“, heißt es in dem vorgelegten Resolutionsentwurf. „Die Löns-Realschule ist eine Qualitätsschule, die ihre pädagogische Leistungsfähigkeit seit Jahrzehnten kontinuierlich unter Beweis gestellt hat. Der Rat der Stadt Einbeck spricht sich für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt dafür aus, dass die Löns-Realschule als eigenständige Schulform am jetzigen Standort mit einer guten Perspektive für die Zukunft erhalten bleibt.“

„Das machen wir keinesfalls mit“, erklärte CDU-Ratsfraktionschef und Kreistagsabgeordneter Dirk Ebrecht heute zur Schließungsoption. „Wir haben immer gesagt, dass wir eine vielfältige und hochwertige Schullandschaft für Einbeck wollen. Dass nun einer möglichen räumlichen Erweiterung der IGS die Löns-Schule zum Opfer fallen soll, ist ein Unding.“

Dem Kreis-Schulausschuss hatten Ende November drei Varianten vorgelegen, um den Bedarf an weiteren Räumen in der zurzeit 326 Schüler besuchenden IGS zu befriedigen: Außenstellen-Lösung, Aufhebung der Löns-Realschule oder Anbau bei der IGS. Denn ab dem Schuljahr 2018/19 steht kein Raum für den neu aufzunehmenden Jahrgang mehr zur Verfügung. Für die IGS Einbeck könnte in der Haupt- und Realschule Kreiensen im Schulzentrum Greene ab dem Schuljahr 2018/19 eine Außenstelle für zwei Jahrgänge eingerichtet werden, wenn die HRS Kreiensen zum Schuljahr 2017/18 aufgehoben wird. Würde das Kreiensen klaglos akzeptieren? Wohl kaum. Bei der Anbau-Variante wäre an das Gebäude der IGS Einbeck für die fehlenden zwei Jahrgänge ein zweigeschossiger 3000-Quadratmeter-Anbau zu errichten, der von den Experten der Kreisverwaltung grob geschätzt voraussichtlich 7,1 Millionen Euro kosten würde (die der Landkreis Northeim nicht hat). Entstehen würden für das Geld zehn allgemeine Unterrichtsräume, vier Gruppenräume, zwei Lehrerstationen, sechs Fachunterrichtsräume mit Aufenthaltsräumen, Toiletten, Putzräume. Bis ein solcher Anbau stehen würde, würden jedoch zwei Jahre ab Kreistagsbeschluss vergehen.

Gegen eine Außenstellen-Lösung hat sich die Schulleiterin der IGS ausgesprochen, eine erfolgreiche Schule dürfe nicht auseinander gerissen werden. Die Leiterin der Löns-Realschule gab dem Kreis-Schulausschuss mit auf den Weg, dass die Raumproblematik bereits seit Errichtung der IGS 2014 bekannt sei. Es könne nicht sein, dass wegen der dort bestehenden Raumnot eine andere, erfolgreiche Schule aufgelöst werde. Die Löns-Realschule wachse, deshalb könne sie auch die Prognose der Kreisverwaltung mit bereits ab 2017/2018 sinkenden Schülerzahlen nicht nachvollziehen. Das Problem müsse dort gelöst werden, wo es entstehe, nämlich im Gebäude der Integrierten Gesamtschule. Bis zur nächsten Schulausschuss-Sitzung des Kreistages (20. Februar) ist die Landrätin auf Anregung der CDU beauftragt, die Daten zu den Schülerprognosen näher zu erläutern und Stellungnahmen der Schulen sowie der Stadt Einbeck einzuholen.

Begrüßung

Haben die Mensa der IGS in Einbeck eröffnet (v.l.): Christa Markert von der Landesschulbehörde, Erster Kreisrat Dr. Hartmut Heuer, IGS-Schulleiterin Sandra Meusel, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und Nadine Seifert-Doods, Vorsitzende des Kreistags-Schulausschusses.

Haben die Mensa der IGS in Einbeck eröffnet (v.l.): Christa Markert von der Landesschulbehörde, Erster Kreisrat Dr. Hartmut Heuer, IGS-Schulleiterin Sandra Meusel, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und Nadine Seifert-Doods, Vorsitzende des Kreistags-Schulausschusses.

Mit der Begrüßung ist das bei Feierstunden so eine Sache. Schnell kann man sich da protokollarisch verheddern, wenn man es besonders gut machen und alle namentlich und inklusive Funktion, Titel und Amt begrüßen möchte. Vor Jahren schon habe ich bei Gildentagen der Kreishandwerkerschaft die minutenlange Arie der Ehrengäste-Begrüßung mit deutlichen Worten kritisiert, stehen doch an diesem Tag eigentlich die jungen Handwerker im Mittelpunkt (und die wurden nur sehr knapp begrüßt). Mittlerweile ist dort die Willkommensrede übrigens deutlich kürzer, eine Liste der anwesenden Ehrengäste liegt aus für diejenigen, die es interessiert. Die Redner bei der Einweihung der neuen Mensa an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Einbeck hatten auch so ihre Mühe, alle Ehrengäste namentlich ohne Haspler willkommen zu heißen, gottlob brachten es einige beim vierten oder fünften Grußwort auf die Formel, dass schon die Vorredner alle begrüßt hätten, die Rang und Namen haben. Erschwerend hinzu kommt ja neuerdings bei Landkreis-Vertretern, dass nicht mehr schlicht ein Landrat begrüßt werden kann, sondern nicht minder willkommene Gäste mit längeren Funktionstiteln, beispielsweise Erster Kreisrat, Kreistagsvorsitzender, Vorsitzende des Schulausschusses. Ich finde ja nach wie vor, dass es ausreichend ist, eine Rede mit „Meine Damen und Herren“ zu begrüßen, allenfalls noch vorausgeschickt um ein „Frau Bundeskanzlerin“ oder „Frau Ministerin“. Das verkürzt manchmal Feierstunden wie auch Sitzungen ungemein.

Ein diplomatischer Ritt auf der Rasierklinge war da schon eher die Begrüßung bei der IGS-Mensa-Feierstunde durch den didaktischen Leiter der Schule, Sascha Mroß. Es sei schade, sagte er, dass die Bürgermeisterin der Stadt Einbeck es wieder nicht geschafft habe, teilzunehmen. Dr. Sabine Michalek war bereits bei der Eröffnung der IGS vor einem Jahr nicht dabei gewesen. Damals hatte Alexander Kloss (SPD) als ehrenamtlicher Stellvertreter die Rathauschefin vertreten, diesmal war es an Beatrix Tappe-Rostalski (CDU), die Grüße von Rat und Verwaltung zu überbringen. Sie tat das eloquent wie stets und würdigte die Mensa als einen Ort der Begegnung, an dem nicht allein gegessen werde. Auch ich habe das Fehlen der Bürgermeisterin bei der IGS-Eröffnung 2014 kritisiert. Es jetzt aber bei jeder Gelegenheit zu erwähnen, dass es die Bürgermeisterin wieder nicht geschafft habe, ist diplomatisch suboptimal und macht einen Besuch der Rathauschefin bei nächster passender Chance nicht gerade leichter – und in der Zukunft auch nicht wahrscheinlicher. Zumal in diesem Fall heuer kein Paralleltermin bekannt ist (im September 2014 weihte Dr. Sabine Michalek lieber eine Straße ein) und die jetzige Abwesenheit ganz schlichte andere Gründe haben kann…

Später begrüßte Mroß dann noch nachgeschoben den CDU-Kreistagsfraktionschef Heiner Hegeler namentlich, bei der ersten Begrüßung der Ehrengäste hatte er ihn nicht genannt. Oder übersehen, saß doch der Christdemokrat nicht wie die SPD-Granden in der ersten Reihe. Und auch nicht in der zweiten Reihe, sondern weiter hinten.

Ein Rätsel für manche löste bei der Feierstunde übrigens die anwesende Kultusministerin persönlich, nachdem sie mehrmals „liebe Sandra“ zur Schulleiterin Sandra Meusel gesagt hatte. Sie nenne beileibe nicht jede Schulleiterin in Niedersachsen beim Vornamen, schmunzelte die Sozialdemokratin. Man duze sich, klärte Frauke Heiligenstadt auf, weil sie wie Sandra Meusel aus Gillersheim komme und noch dazu die Gärten aneinander grenzen.

Schulschließungsszenarien

Symbolfoto Archiv.

Symbolfoto Archiv.

Sie kommen so pünktlich und regelmäßig wie die Pausen-Klingel in der Schule: die Schuldebatten in der Politik. Der hiesigen Kommunalpolitik steht jetzt die nächste Welle einer Debatte über Schulstandorte bevor. Welche sind angesichts zurück gehender Schülerzahlen noch vertretbar? Darauf muss Politik eine Antwort finden, einfach ist das nicht, beliebt machen sich Kommunalpolitiker mit solchen Themen auch selten. Heute hat der Kreistag nicht nur den Schulentwicklungsplan für den gesamten Landkreis Northeim in die in den nächsten Monaten folgende Diskussion in den Kreistagsausschüssen gegeben, sondern auch einen Bericht des Landesrechnungshofes (LRH) zur Kenntnis genommen, der in Kürze auch komplett veröffentlicht werden soll. Im Kern sagt die im Frühsommer dieses Jahres erstellte Untersuchung (also noch vor dem Start der neuen Integrierten Gesamtschule in Einbeck), dass sieben weiterführende Schulen im Kreisgebiet ab 2021 überflüssig sind. Zwei sollten laut LRH sofort „aufgehoben“, d.h. geschlossen werden (Roswitha-Gymnasium Bad Gandersheim, Haupt- und Realschule Greene), fünf weitere zum Schuljahr 2017/18 (unter anderem Rainald-von-Dassel-Schule und Auetalschule Altes Amt). Und eigentlich hätte der Landkreis schon viel Geld sparen können (417.900 Euro jährlich), so die Aufsichtsbehörde. Der Landkreis habe jedoch „schulorganisatorische Maßnahmen“, sprich Schulschließungen unterlassen, obwohl die Schülerzahlen rückläufig seien und unter denen der Schulorganisationsverordnung liegen würden. Das Schulzentrum in Greene etwa hätte der Schulträger Landkreis schon 2012 „aufheben“ sollen, die Schüler könnten andere vorhandene Schulen in der Region aufnehmen. Und der Landkreis könnte so jährlich rund 188.000 Euro sparen sowie einmalig 1,3 Millionen Euro (an vorgesehenen Investitionen). Warum die Löns-Realschule weitergeführt werden und nicht in die neue IGS Einbeck überführt werden soll, versteht der LRH nicht. Beide Schulen würden um die gleichen Schüler konkurrieren.

Doch diesen sich alarmistisch lesenden Aussagen, die allein auf Zahlen beruhen, muss der politische Verstand nicht folgen. Diese Bedenken hat das Kreishaus auch bereits formuliert – und hat damit recht. Denn was nutzt es, wenn der Landkreis als Schulträger Kosten bei Personal, Sachkosten und Investitionen einspart, dadurch aber zum einen die Kosten für Schülerbeförderung steigen und leer stehende Schulgebäude auf dem Markt nicht verwertbar sind, totes Kapital werden. Und zum anderen durch veränderte Schülerströme einige Schulen baulich erweitert werden müssten, was haushalterisch gar nicht darstellbar ist. Dann würde Schulpolitik endgültig zum großen Mikado. Schließlich: Manche Vorschläge (z.B. Schließung Roswitha-Gymnasium Bad Gandersheim) dürften vor allem (regional-)politisch nicht durchsetzbar sein. Zumal zudem die Gymnasien in Einbeck und Northeim die Schüler aus der Kurstadt räumlich aktuell gar nicht komplett aufnehmen könnten. Womit wir wieder beim Mikado wären. Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Und wenn dies alles noch nicht genug Stoff für schulpolitische Diskussionen gibt, haben CDU und FDP in diesen Tagen weitere Aspekte zur Debatte beigetragen. Dabei stets im attackierenden Oppositionsblick: die Schulpolitik der SPD-geführten Landesregierung, maßgeblich vertreten von ihrer Kreistagskollegin und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Der FDP-Landtagsabgeordnete und Kreistagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Christian Grascha hat von der Landesregierung erfahren, dass fünf mehrzügige Grundschulen im Landkreis Northeim derzeit ohne einen Schulleiter auskommen müssen. Welche Schulen konkret das sind, teilt der Liberale in diesem Zusammenhang zunächst nicht mit (auch die Landesregierung nennt die Schulen nicht Antw zu 2096_06.11). Grascha will den Schulleitern mehr Geld geben und weniger Unterrichtsstunden gewähren.

Heute bereicherte der FDP-Mann die schulpolitische Debatte um die Aussage, dass seine Partei und Fraktion die Gymnasien in Niedersachsen stärken wolle (Wortlaut: FDP 2014-11-14 Gymnasium Besuch Goethe). Seine Mitteilung fußt auf einem Besuch des FDP-Bildungsexperten Björn Försterling im Einbecker Gymnasium, der Goetheschule. Im Fokus der FDP: die IGS und die neuen Pläne der rot-grünen Landesregierung, die Gesamtschulen zukünftig zur ersetzenden und nicht mehr nur ergänzenden Schulform umzuwandeln. Denn das würde bedeuten, befürchtet die FDP, dass keine andere Schulform vor Ort angeboten werden müsste. Gymnasien brauchten nur noch mit einer Stunde Fahrzeit erreichbar sein. Christian Grascha: „Das kann für den Landkreis Northeim bedeuten, dass nur noch ein Gymnasium im ganzen Landkreis erhalten bleibt.“ Wie realistisch das im Landkreis geopolitisch durchsetzbar sein soll (siehe oben), steht auf einem ganz anderen Blatt Papier, das Grascha offenbar nicht vorgelegen hat.

In der Goetheschule (v.l.): Schulleiter Hartmut Bertram, Björn Försterling, Marion Villmar-Doebeling, Christian Grascha.

In der Goetheschule (v.l.): Schulleiter Hartmut Bertram, Björn Försterling, Marion Villmar-Doebeling, Christian Grascha.

Grascha, Villmar-Doebling, Lindner

Grascha, Villmar-Doebling, Lindner.

Pikant an der Pressemitteilung der FDP von heute ist freilich, wer beim Besuch der FDP-Landtagsabgeordneten Grascha und Försterling neben dem Schulleiter noch dabei war und sich politisch-inhaltlich in der Presseinfo äußern durfte: Dr. Marion Villmar-Doebeling. Sie wird in der Mitteilung als „Elternvertreterin“ tituliert. Was nicht im Text steht: Sie ist als Vorsitzende des Elternrates Mitglied des Schulvorstandes der Goetheschule, der weitreichende Befugnisse für die inhaltliche Weiterentwicklung des Einbecker Gymnasiums hat. Und: Villmar-Doebeling ist FDP-Mitglied! Erst seit ein paar Monaten, das aber bereits verhältnismäßig öffentlichkeitsbewusst. Im Februar war sie auf einem Pressefoto der neu aufgenommenen Mitglieder in Hannover zu sehen, erst vor wenigen Tagen lächelte sie an der Seite des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner am Rande eines Strategietreffens zur Neuaufstellung der Liberalen in die Kamera. Da stellt sich mir die Frage: Als was hat sie denn an dem Besuch des FDP-Bildungspolitikers Försterling in der Goetheschule teilgenommen? Oder macht die Elternvertretung der Goetheschule jetzt FDP-Politik? (Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist ehrenamtlich Vorsitzender des Ehemaligen-Vereins der Goetheschule VE2R; mit dem Schulleiter besteht lediglich Namensgleichheit).

Die CDU-Kreistagsfraktion sieht die Schulpläne von Ministerin Heiligenstadt als „massiven Angriff auf die Schulvielfalt im Landkreis Northeim“, wie sie in einer Presseinformation schreibt (Wortlaut: CDU PM 23.2014 Auswirkungen des Schulgesetzes auf den LK Northeim). Und nennt „als kurzfristig extrem gefährdet“ genau diejenigen Schulen, die auch der Landesrechnungshof erwähnt hat. Ein bisschen dürften die Christdemokraten aber auch darauf spekulieren, aus finanziellen Gründen notwendige Schulschließungen dem politischen Gegner in die Schuhe schieben zu können. Darauf deuten einige Aussagen in der Pressemitteilung hin: Die SPD im Kreistag habe ja die Beschlussfassung über die Schulentwicklungsplanung immer wieder verschoben, bis der Gesetzentwurf für den Landtag auf dem Tisch lag, meint die CDU. Der Landkreis Northeim sei offenbar „das Versuchslabor der SPD“, aus dem Kultusministerin Frauke Heiligenstadt „ein SPD-Vorzeigeprojekt“ mit Einheitsschulen machen wolle.

IGS eingeschult

Symbaolische Schlüsselübergabe.

Symbolische Schlüsselübergabe durch Siegfried Pinkepank, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) in Rot in der ersten Reihe.

Die Politik, auch wenn sie mit Ministerrang vertreten war, ist heute etwas in den Hintergrund getreten. Das war auch richtig so, schließlich ging es bei der Feier im Wilhelm-Bendow-Theater nicht allein um die Eröffnung der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Einbeck, sondern vor allem auch um die Einschulung für 109 Mädchen und Jungen in den 5. Klassen. Und nicht um bildungspolitische Kontroversen. Ganz ohne Politik ging es dann aber doch nicht ab, dafür sind die Auseinandersetzungen um die Gesamtschulen in Niedersachsen auch zu präsent.

„Heute ist ein besonders schöner Tag für Euch, aber auch für mich“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) in Richtung der neuen Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern. Die Landesregierung bekenne sich „ohne Wenn und Aber“ zur IGS. Landesweit gibt es zum aktuellen Schuljahresstart 80 Integrierte und 35 Kooperative Gesamtschulen. Die Ministerin bedankte sich bei allen, „die mit gekämpft haben“. Dass es die neue IGS in Einbeck gebe, sei auch das Verdienst von Siegfried Pinkepank, dem Leiter der im gleichen Gebäude wie die IGS beheimateten Hauptschule. Über ein Jahrzehnt hat der Rektor der Wilhelm-Bendow-Schule für eine Gesamtschule in Einbeck gekämpft. Im Januar geht der dann 65-jährige Ahlshäuser in Pension. Seine Hauptschule läuft in den nächsten Jahren aus.

Landrat Michael Wickmann mit IGS-Schulleiterin Sandra Meusel.

Landrat Michael Wickmann mit IGS-Schulleiterin Sandra Meusel.

Es sei schon lange her, dass der Landkreis als Schulträger eine neue Schule eingeweiht habe, sagte heute der Landrat. Durch die neue Einbecker Gesamtschule gebe es zwar nicht mehr Schüler im Landkreis Northeim, aber einen sinnvollen schulischen Wettbewerb untereinander, erklärte Michael Wickmann. Da bin ich mal gespannt, wie die anderen Schulen auf die Herausforderung IGS in Einbeck reagieren werden. Konkurrenz belebt das Geschäft. Wichtig ist allerdings, dass der Wettbewerb fair abläuft und alle gleiche Chancen haben.

Eine Schule sei dann gut, wenn sie akzeptiert werde und dann schlecht, wenn sie das Ergebnis politischer Ränkespiele sei, sagte der Landrat. „Es war richtig, was wir im Kreistag beschlossen haben, der Elternwillen zeigt das“, sagte Wickmann. Und dass die aus Gillersheim stammende Kultusministerin als Kreistagsabgeordnete die IGS Einbeck mit beschlossen habe, sagte der Landrat auch.

Übrigens waren Vertreter aller Parteien bei der Eröffnungsfeier dabei. Einzig die FDP, die ja auch nicht gerade als Freundin der Gesamtschule bekannt ist, fehlte in den ersten Reihen. Und Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (CDU) war lieber bei einer Straßenfreigabe in Vardeilsen, ihr Stellvertreter Alexander Kloss (SPD) sprach dann auch von zwei Straßen, die heute fast zeitgleich eingeweiht würden. Die IGS Einbeck sei eine „Autobahn in eine neuen Einbecker Bildungsdimension“.

Wieviel IGS ?

IGS-Motor Siegfried Pinkepank (l.) und Landrat Michael Wickmann.

IGS-Motor Siegfried Pinkepank (l.) und Landrat Michael Wickmann bei der Pressekonferenz.

Diese Zahl wird in der politischen Diskussion der Lackmustest für die neue Gesamtschule in Einbeck sein, die ab dem Sommer im Schulzentrum am Hubeweg ihre Pforten öffnen wird, das ist Beobachtern klar: Wieviele Schüler werden von ihren Eltern für die IGS angemeldet? Die Planungen, die jetzt in die heiße pädagogische Phase starten, gehen von einer vierzügigen Schule aus, also von vier 5. Klassen zu Beginn. Also 4 x 24 = 96.

Die Schülerzahl wird aber definitiv erst nach den Zeugnissen im Sommer feststehen. Denn erst damit können Eltern die Wahl treffen, ihren Nachwuchs auf eine Integrierte Gesamtschule zu schicken. Und nicht auf Haupt- oder Realschule oder Gymnasium. Und sie müssen das aktiv tun, automatisch wechselt kein Kind von der Grundschule in die Gesamtschule, die damit pädagogisch wirbt, alle Kinder „mitzunehmen“.

Die IGS Einbeck war nach einer Bedarfsabfrage bei den Eltern bereits 2012 von der rot-grünen Kreistagsmehrheit beschlossen worden, weil sie ein Potenzial gesehen hatte. Damals galt jedoch unter der CDU/FDP-Landesregierung noch eine Fünfzügigkeit als Pflicht. Dagegen klagte der Landkreis. Nach dem Regierungswechsel in Hannover im Januar 2013 sind jetzt auch vierzügige IGS möglich. Die vom Kreistag mit SPD/Grünen-Mehrheit im Juni vergangenen Jahres erneut beschlossene IGS Einbeck wurde am 13. August 2013 vom Land Niedersachsen genehmigt. CDU und FDP hatten immer eine erneute Elternbefragung gefordert und sehen durch die IGS bei rückläufigen Schülerzahlen vor allem die Gymnasien gefährdet.

Eine jetzt gebildete Planungsgruppe arbeitet bis zum Schulstart am 11. September an einem pädagogischen Konzept und an einem Leitbild für die neue Gesamtschule. „Die IGS in Einbeck ist durch den Elternwillen entstanden und eine tolle Schulform“, sagte der Leiter der Planungsgruppe, Siegfried Pinkepank (Kreiensen), bei einem Pressegespräch. Der Rektor der Wilhelm-Bendow-Hauptschule sieht die neue Einbecker Gesamtschule als Reform-IGS. Unter anderem muss die Planungsgruppe entscheiden, ob es – wie üblich an Gesamtschulen – so genannte Lernentwicklungsberichte geben soll oder aber auch Zensuren.

Neben Siegfried Pinkepank gehören Sandra Meusel (KGS Gieboldehausen) und Sascha Mroß (Oberschule Uslar) zum Gründungsteam. Meusel hat die KGS in Gieboldehausen mit aufgebaut und zuvor auch schon an der KGS Moringen unterrichtet. Sabine Greß und Holger Auer sind seit 14 Jahren Lehrer an der Wilhelm-Bendow-Hauptschule. „Wann habe ich schon die Chance, eine eigene Schule mit aufzubauen“, freut sich Auer auf die Herausforderung IGS. Jessica-Sabrina Leonhardt unterrichtet bislang ebenfalls an der Einbecker Hauptschule und hat dort Inklusionserfahrung sammeln können. Zur Planungsgruppe gehören außerdem noch der Leiter der IGS Bodenfelde, Michael Jaritz, sowie Martina Katzenstein-Schmidt (Kreiselternrat), Sandra Röder (Landesschulbehörde) und Werner Wendt (Landkreis).

Der Landkreis Northeim als Schulträger der neuen, dritten Gesamtschule im Kreisgebiet investiert in diesem Jahr 740.000 Euro in den Neubau einer 260 Quadratmeter großen Mensa mit 120 Plätzen und baut für 110.000 Euro einen Aufzug und eine Rampe im Gebäude der heutigen Wilhelm-Bendow-Hauptschule ein. Weitere 500.000 Euro fließen in den schrittweisen Umbau von Unterrichtsräumen zu Gruppenräumen. Die Bauarbeiten sollen im April starten, die Mensa mit ihrer Ausgabeküche wird voraussichtlich noch nicht bis September komplett gebaut sein. Für diesen Fall soll es eine Übergangslösung geben.

Sie planen die im September startende neue IGS in Einbeck (v.l.): Christa Markert (Landesschulbehörde), Jessica-Sabrina Leonhardt (Wilhelm-Bendow-Hauptschule Einbeck), Sascha Mroß (Oberschule Uslar), Sandra Meusel (KGS Gieboldehausen), Siegfried Pinkepank, Sabine Greß, Holger Auer (alle Wilhelm-Bendow-Hauptschule), Landrat Michael Wickmann und Michael Jaritz (IGS Bodenfelde).

Sie planen die im September startende neue IGS in Einbeck (v.l.): Christa Markert (Landesschulbehörde), Jessica-Sabrina Leonhardt (Wilhelm-Bendow-Hauptschule Einbeck), Sascha Mroß (Oberschule Uslar), Sandra Meusel (KGS Gieboldehausen), Siegfried Pinkepank, Sabine Greß, Holger Auer (alle Wilhelm-Bendow-Hauptschule), Landrat Michael Wickmann und Michael Jaritz (IGS Bodenfelde).

SPD hat verstanden

Martin Wehner, ehemaliger Bürgermeister von Einbeck.

Martin Wehner, SPD-Fraktionsvorsitzender im Northeimer Kreistag, ehemaliger Bürgermeister von Einbeck.

Margrit Cludius-Brandt (SPD).

Margrit Cludius-Brandt, SPD-Fraktionsvorsitzende im Einbecker Stadtrat.

„Richtig und angekommen“ ist die Kritik am überraschenden Vorpreschen und übereilten Verfahren, bereits im nächsten Sommer die Löns-Realschule in Einbeck schließen zu wollen, bei der SPD. Das haben nach einer gemeinsamen Sitzung von Kreistags– und Stadtratsfraktion die Sozialdemokraten heute Mittag erklärt. Und die SPD betont, dass das zurück gezogene Papier der Rot-grünen Kreistagsmehrheit nicht nur kurz zurück gestellt worden sei, sondern „ein echtes Zurückziehen des Antrages“ sei, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Die SPD möchte ein ähnliches Signal jetzt von der CDU hören – bei der diskutierten Schließung der Grundschule Drüber. Die Genossen fordern die Christdemokraten auf, den Antrag auf Schließung der Grundschule zurück zu ziehen und nicht nur kurz zurück zu stellen. Die SPD stehe geschlossen zusammen mit Eltern und Lehrern zum Erhalt der Grundschule in Drüber. Das Thema Grundschule Drüber steht morgen im Verwaltungsausschuss sowie am 4. Dezember im Stadtrat auf der Tagesordnung.

„In genügender Ruhe“ will die SPD laut ihrer Pressemitteilung von heute in den nächsten Monaten mit allen betroffenen Schulen, Lehrern, Schülern und Eltern in Einbeck über die Weiterentwicklung des Schulstandortes Einbeck sprechen. Dazu haben die Kreistags- und die Stadtratsfraktion eine Arbeitgruppe eingerichtet.

Allerdings werde dabei der Aufbau eines Ganztagszentrums am Hubeweg Thema sein, erklärte die SPD. Und übt sich in Schuldzuweisung: „Hier hätte man schon viel weiter sein können, wenn die Löns-Realschule nicht vor einigen Jahren die Chance verpasst hätte, Ganztagsschule zu werden, das Geld (95-Prozent-Förderung des Bundes) und Planung standen bereit“, heißt es in der Pressemitteilung. Um hier voran zu kommen, habe man als SPD/Grüne-Kreistagsgruppe einen vorbereitenden Antrag in die Kreistagssitzung vom 6. Dezember eingebracht.

Darüber hinaus gehen beide Fraktionen davon aus, dass künftig „in einer vernünftigen und sachlichen Form“ die drei Schulformen am Hubeweg in Einbeck (Haupt-, Real- und Gesamtschule) miteinander arbeiten und umgehen. „Eine Blockade oder gar ein Boykott der aufzubauenden IGS werde nicht akzeptiert und führe mit Sicherheit zu Reaktionen des Schulträgers“, meint die SPD. Und wenn man nicht nur schöne Erklärungen abgeben wollen, dass der ländliche Raum gestärkt werden müsse, dann dürfe man nicht immer nur das Zentrum stärken, sondern auch den Erhalt des Schulstandortes in Einbeck-Greene ernst meinen. Der SPD liege das „am Herzen“.

IGS-Genehmigung auf dem Weg

Die Genehmigung für eine Integrierte Gesamtschule (IGS) in Einbeck zum Schuljahresbeginn 2014 ist auf dem Weg. Das habe ihm Anfang der Woche die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) mitgeteilt, erklärte gestern Abend Landrat Michael Wickmann (SPD). In welcher Form eine IGS in Einbeck die Schullandschaft im Landkreis verändern wird, ist Gegenstand der politischen Diskussion – durchaus auch innerhalb der Sozialdemokraten, wie ebenfalls gestern Abend bei der Sommertour der SPD-Kreistagsfraktion in Drüber (einmal mehr) offenbar wurde. Kreistagsfraktionschef Martin Wehner (SPD) betonte mehrfach (auch gegenüber dem Landrat), ausschlaggebend für die SPD-Fraktion sei unverändert der Elternwille. Dieser werde auch entscheiden, wie und wo künftig bei einer Einbecker IGS beispielsweise eine Realschule sein könne.

„Ich freue mich, dass wir künftig nun auch für den nördlichen Teil des Landkreises Northeim ein attraktives Gesamtschulangebot vorhalten können“, lässt Landrat Michael Wickmann am Vormittag über seinen Pressedienst verlautbaren. Mit der in Aussicht gestellten Genehmigung stehe jetzt rein formal nichts mehr im Wege. Der Landrat will nun gemeinsam mit der Landesschulbehörde und den zuständigen Gremien des Kreises das weitere Verfahren zur Errichtung abstimmen. „Ich gehe derzeit davon aus, dass wir zum 1. August 2014 mit dem neuen Angebot in Einbeck starten können und bis dahin auch die Voraussetzungen für den Ganztagsschulbetrieb geschaffen haben“, wird Wickmann in der Pressemitteilung zitiert. In den Sommerferien war am Gebäude der Wilhelm-Bendow-Schule, in dem die IGS eingerichtet werden soll, die Fassade saniert worden.

(Aktualisiert: 08.08.2013, 09.30 Uhr)

IGS in Einbeck wird 2014 kommen

Der Schulausschuss hat gestern grünes Licht dafür gegeben, dass ab dem 1. August 2014 in der Wilhelm-Bendow-Schule Einbeck eine Integrierte Gesamtschule (IGS) eingerichtet werden kann. Politische Beobachter sehen jetzt keine Mehrheit mehr gegen eine IGS in Einbeck. Die rot-grüne Mehrheit setzte durch, dass es nicht – wie von der CDU und FDP vehement öffentlich gefordert – eine (neue) Elternbefragung geben soll. Gegner der Gesamtschule sehen die bestehenden Schulen, vor allem die Gymnasien, gefährdet, weil insgesamt die Schülerzahlen rückläufig sind.

Abschließend entscheidet jetzt am Montag der Kreisausschuss; auch der Kreistag beschäftigt sich in seiner nächsten Sitzung am 13. Juni (Vorlagen hier) mit dem Thema IGS.

Interessant ist dabei, dass das Kultusministerium eine Auffassung der Niedersächsischen Landesschulbehörde per Erlasse modifiziert hat; dem Ministerium unter der Leitung von Frauke Heiligenstadt (SPD), selbst Mitglied im Northeimer Kreistag, genügt es jetzt, wenn die alte Elternbefragung statistisch fortgeschrieben wird.

Nachtrag 11.06.2013: Wie Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer heute mitteilte, hat der Kreisausschuss am Montagabend mehrheitlich den Weg für eine IGS in Einbeck freigemacht. Der Landrat sei beauftragt, die schulbehördliche Genehmigung zu beantragen.