Multifunktionshalle wird deutlich teurer

Baustelle Multifunktionshalle am Festplatz, rechts daneben das Haus der Jugend und das Jugendgästehaus. Archivfoto Dezember 2019

Die Multifunktionshalle am Kohnser Weg neben dem Festplatz wird deutlich teurer als ursprünglich geplant. Das erläuterte Baudirektor Joachim Mertens am Dienstag im Finanzausschuss. Auf insgesamt rund 320.000 Euro summieren sich die Mehrkosten; die Multifunktionhalle, die im Sommer fertig sein soll, wird damit nicht 2,2 Millionen Euro kosten wie im Haushalt bislang vorgesehen, sondern rund 2,5 Millionen Euro. „Mehr wird es nicht“, ist Mertens aktuell sicher. Der Zusatzaufwand wird zu zwei Dritteln gefördert (so wie die Gesamtmaßnahme durch das „Kleine Städte und Gemeinden“-Programm), so dass im städtischen Haushalt lediglich weitere 106.000 Euro zu Buche schlagen werden. Der Finanzausschuss hat diese Mehrkosten im ersten Nachtragshaushalt 2020 verankert, den das Gremium einstimmig auf den Weg gebracht hat. Der Bauamtsleiter schlüsselte die entstandenen Zusatzkosten auf: Darunter sind höhere Ausschreibungsergebnisse als bei der Kostenschätzung zugrunde gelegt bei den Gewerken Heizung/Sanitär (+13.000 Euro), Lüftung (+10.000 Euro) und Elektro (+64.000 Euro). Neben diesen Preissteigerungen mussten laut Mertens auch mehrere Pannen und Fehler kostspielig korrigiert werden: Bereits der Baugrund musste für 29.000 Euro stärker verfestigt werden als geplant und gutachterlich angenommen. Nach den archäologischen Grabungen (die mit 42.000 Euro auch teurer weil aufwändiger waren als angenommen) sei offenbar viel Wasser in die Baugrube gelaufen, was die Gründung zunächst nicht mehr als tragfähig erwiesen habe. Zusätzliche 22.000 Euro werden notwendig, weil weitere Sanitär-Armaturen notwendig würden, berichtete Mertens, weitere 5000 Euro, weil ein Dachaufsatz größer als geplant werde, weitere 4000 Euro für eine veränderte Fensteraufteilung im Durchgang zum Haus der Jugend. Weitere 13.000 Euro müsse man aufbringen, um eine nicht geplante, aber notwendige Lärmwand zwischen Technikraum und Veranstaltungsraum zu installieren. Zudem sei die Lüftung teurer geworden, außerdem ein Teil vergessen worden, was man nun nachhole. Und es entstehe Mehraufwand, weil man doch lieber auf digitale als analoge Veranstaltungstechnik setze. Schließlich werde eine Panne 30.000 Euro teuer, weil die Regenwasserleitung nicht wie ursprünglich gedacht über das Haus der Jugend angeschlossen werden könne, sondern nach dem Willen der Stadtentwässerung ein komplett neuer eigener Kanal zur Straße habe verlegt werden müssen. Und letztlich seien auch die Planungskosten um 54.000 Euro gestiegen, teils automatisch durch die Honorarordnung. Vor allem das wollten die Finanzausschuss-Mitglieder nicht widerspruchsfrei hinnehmen. Da würden Planer auch noch dafür belohnt, dass sie Fehler machten, ärgerte sich Ulrich Vollmer (CDU). Und Frank-Dieter Pfefferkorn (Bürgerliste) bezeichnete die Planungsfehler als so „nicht hinnehmbar“, künftig solle man überlegen, ob die Stadt mit so genannten Bonus-Malus-Verträgen arbeiten könne. Baudirektor Joachim Mertens sagte, die Stadt prüfe Regressmöglichkeiten gegen die Planer bei Fehlern, das sei aber nicht so einfach. Letztlich baue die Stadt die Multifunktionshalle so, wie sie politisch gewollt sei, und montiere auch keine goldenen Wasserhähne.

Spatenstich für die Jugend, Richtfest für Senioren

Spatenstich zum Baustart der Multifunktionshalle neben dem Haus der Jugend und Jugendgästehaus am Kohnser Weg in Einbeck.

Da sage noch einer, es bewege sich nichts in Einbeck: Direkt an zwei aufeinander folgenden Tagen gab es für Politik und Verwaltung neben einem Richtfest auch einen Spatenstich zu feiern. Auf der einen Baustelle an der Kolberger/Liegnitzer Straße entsteht für 20 Millionen Euro der „Convivo Park Einbeck“, Wohnen für Senioren mit 87 Wohnungen, zwei Wohngemeinschaften und einer Tagespflege. Neben dieser privaten Investition des Bauherrn INP fand dann heute am Kohnser Weg der lange erwartete Spatenstich zum Baustart der 2,2 Millionen Euro kostenden Multifunktionshalle der Stadt Einbeck statt. Fehlt eigentlich nur noch ein Baubeginn am Neustädter Kirchplatz.

Der Richtkranz weht über der Baustelle (v.l.): Kai Güthermann (Leiter Baumanagement Convivo), INP-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Krug, Cornelius von Helmolt (INP), Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Convivo Park Einbeck-Leiterin Tanja Pfeiffer, Convivo-Markenbotschafter Andreas Weber.

Um das „flexible Sorglos-Wohnen für Senioren“, wie Betreiber Convivo das nennt, auf später 11.000 Quadratmetern Grundfläche mit der Region gut zu vernetzen, hat bereits Monate vor der für Ende dieses Jahres geplanten Eröffnung die Leiterin des Einbecker „Convivo Park“, Tanja Pfeiffer, ihre Tätigkeit aufgenommen. Erste Partnerschaften mit ortsansässigen Unternehmen sind das Ziel schon im Vorfeld, auch die Personalaquise wird Tanja Pfeiffer vor Ort betreiben. Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek betonte bei dem Richtfest ebenfalls den Impuls für das gesamte Quartier, der von den Neubauten auf dem knapp 8000 Quadratmeter großen Grundstück ausgehe.

Zimmerleute sprachen „mit Gunst und Verlaub“ den Richtspruch für den „Convivo Park“.
INP-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Krug (vorn) begrüßte die Richtfest-Gäste aus Politik und Wirtschaft auf der Baustelle an der Liegnitzer/Kolberger Straße.

Man braucht einen langen Atem und muss dranbleiben – das habe das Projekt Multifunktionshalle die Verwaltung und Politik in den vergangenen Monaten gleichermaßen gelehrt, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute beim ersten Spatenstich für die flexible Halle mit rund 1000 Quadratmeter Gesamtnutzfläche. „Wir lernen dazu.“ Die Rathauschefin dankte der Politik, dass sie trotz zwischenzeitlicher Kostensteigerung an dem Projekt für die Jugendlichen festgehalten habe. Michalek: „Was lange währt, wird endlich gut.“ In etwa einem Jahr soll die Multifunktionshalle stehen. Viele regionale Handwerker werden auf der Baustelle arbeiten, Gewerke in Höhe der Hälfte der Baukosten sind bereits vergeben. Zwei Drittel der Gesamtkosten in Höhe von insgesamt 2,2 Millionen Euro werden über das Förderprogramm „Kleine Städte und Gemeinden“ finanziert.

Stadtjugendpfleger Henrik Probst mit der Planung für die Multifunktionshalle.

Die Multifunktionshalle ist ein Projekt, das insgesamt gut zwölf Jahre bis zur Umsetzung benötigte. Der Traum sei langsam in den Köpfen gereift, sagte Stadtjugendpfleger Henrik Probst. Entstanden sei am Ende ein Konzept, das neu in Niedersachsen und wohl auch in ganz Deutschland sei. Denn die Halle hat viele Funktionen: Sie kann der Ort für auch mal „rustikalere Partys“ von jungen Menschen sein, vor allem aber ist sie ein Ort für „Sport verbunden mit Sozialpädagogik“, wie es Henrik Probst formulierte. Jugendliche bewegen sich viel zu wenig, die Antwort soll „Inszenierung von Bewegung“ sein, eine richtige Verpackung, die junge Leute dazu animiere, das Handy auch mal wegzulegen. Dafür stehen in der 600 Quadratmeter großen Halle ein Boxring, eine Boulder- und Kletteranlage, Skate- und BMX-Rampen zur Verfügung – oder auf dem flexiblen Multi-Court mit Sportboden kann wetterunabhängig Fußball, Basketball, Volleyball oder Badminton gespielt werden. Bei schlechtem Wetter sich bewegen oder feiern und auch mal lauter werden dürfen – das bietet nach den Worten der Bürgermeisterin die Multifunktionshalle.

Eine der Varianten, wie die Multifunktionhalle einmal genutzt werden kann. Grafik/Bild: Stadt Einbeck

Neben dem Haus der Jugend und dem Jugendgästehaus entsteht mit der neuen Multifunktionshalle am Kohnser Weg ein „Zentrum für die Jugendarbeit“ in Einbeck. Das bedeute natürlich auch, personell sich hier zu verstärken, sagte Michalek. Das habe man erkannt und sei „auf einem guten Weg“.

Halle mit vielen Funktionen

Außenansicht der neuen Multifunktionshalle in Einbeck, rechts das Haus der Jugend mit Durchgang. (c) Cortnum

Die Multifunktionshalle kann kommen. Der zuständige Ratsausschuss für Jugend, Familie und Soziales hat dem Entwurf einstimmig zugestimmt. Im Juli sollen die Bauarbeiten für die 45×20 Meter große Halle direkt neben dem Haus der Jugend beginnen, der Bauantrag wird noch im März gestellt, Ende des Jahres soll die Halle stehen. Mathias Cortnum vom gleichnamigen Ingenieurbüro stellte dem Ausschuss die Planungen vor. Für rund 1,4 Millionen Euro entsteht eine Halle, die knapp 600 Quadratmeter Aktionsfläche und 109 Quadratmeter Bühnenfläche bieten wird, dazu Nebenräume, Umkleiden mit Duschen, eine Empore sowie ein Tonstudio, das aus dem benachbarten Jugendzentrum „umzieht“. Das Haus der Jugend wird mit einem Gang direkt an die Multifunktionshalle angebunden, dort sind auch die Toiletten, die beim Jugendzentrum-Bau 2016 gleich größer dimensioniert wurden.

Freigeräumt und bereit zum Bauen: Direkt neben dem Haus der Jugend soll die Multifunktionshalle entstehen.

In der Halle, die für eine Feier rund 400 Menschen bestuhlt aufnehmen können wird, gibt es ein 12×18 Meter großes Sportfeld mit Rollfußboden, dort kann Fußball, Basketball oder Volleyball gespielt werden. Auch einen mobilen 5,50×5,50 Meter großen Boxring wird es in der Halle geben, den die boomende Boxgruppe des Hauses der Jugend schon sehnsüchtig erwartet. Die neue Multifunktionshalle wird zudem Skaterrampen haben, auch eine Kletterwand wird es geben. Die Fassade wird bewusst schlicht gehalten, auf ihr könnten sich in Zukunft vielleicht Street-Art-Künstler verewigen. Mit dem Bau der neuen Halle wird die Stadt Einbeck dann das Ensemble neben dem Festplatz am Kohnser Weg komplettieren, das Haus der Jugend, Jugendgästehaus und dann Multifunktionshalle umfasst.

Grundriss der Multifunktionshalle. (c) Cortnum

Friede, Freude, Freundschaftsverstärker

Karl-Heinz Rehkopf mit "Freundschaftsverstärker". So richtig entgegen nehmen wollte das Präsent niemand.

PS-Speicher-Stifter Karl-Heinz Rehkopf mit „Freundschaftsverstärker“.

In großer Harmonie ist vor einer Woche das neue Haus der Jugend in Einbeck eröffnet worden – unspektakulär, ohne als Eröffnungsgeste ein Band durchzuschneiden, einen Startknopf zu drücken oder einen symbolischen Schlüssel zu überreichen. Einfach nur durch die Kraft der Worte der Einbecker Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (Video). Die Jugendlichen haben ihr neues Jugendzentrum an dem Tag eingerockt und eine vorbereitete Rede dann doch nicht gehalten, waren offensichtlich einfach nur froh, dass sie ein „Schmuckstück“ (O-Ton Bürgermeisterin) nach gut einem Jahr Bauzeit und noch viel längerer Planungsphase in Besitz nehmen konnten – als ihren neuen Ort zum Treffen, Musik machen, Freizeit genießen. Kaum ein Wort war zu hören zur holprigen Historie, die monatelang emotional und hitzig die Kommunalpolitik in Einbeck beherrscht hatte. Die Eröffnungsveranstaltung sei nicht der richtige Ort dafür gewesen, hieß es anschließend von vielen. Mag sein. Die Bürgermeisterin erinnerte an die Standortsuche, okay. Die Stadt hat für den Umbau eines aus den 1990-er Jahren stammenden einstigen Flüchtlingswohnheims unter dem Strich etwas mehr als den Erlös aus dem Verkauf von Grundstück und Gebäuden am Tiedexer Tor an die Kulturstiftung Kornhaus in Höhe von 560.000 Euro investiert. Dazu bei der Eröffnung: kein Wort. Nur, dass (hoffentlich bald) durch Multifunktionshalle und Jugendgästehaus am Kohnser Weg ein Jugend- und Sportzentrum mit landesweiter Beachtung entstehen werde. Durch eine Spende der AKB-Stiftung zum 90. Geburtstag von Johanne Büchting von 100.000 Euro konnte weitere Einrichtung für das Haus der Jugend angeschafft werden. Das erwähnte die Bürgermeisterin, richtig. Einzig Jugendausschuss-Vorsitzende Margrit Cludius-Brandt (SPD) traute sich, den Weg vom alten zum neuen Haus der Jugend wenigstens „holprig“ zu nennen. Indes: ihre Kritik war schon mal schärfer.

Sehr deutliche, offene Worte (die durch die Zurückhaltung der Politik keine Replik oder Einordnung erfuhren) erlaubte sich dagegen Karl-Heinz Rehkopf, Stifter des PS-Speichers, als Gast der Veranstaltung. Die Debatte um das Haus der Jugend hatte 2012 begonnen, weil das damals gerade entstehende Oldtimer-Ausstellungshaus im ehemaligen Kornhaus die Fläche des Jugendzentrums zunächst für das Hotel, dann für den Parkplatz reklamierte. Tierisch geärgert habe er sich, wie in Bildzeitung-Jargon ihm unterstellt worden sei, er habe etwas gegen die Einbecker Jugend. Das habe ihn „abmotiviert“, er sei kurz vor dem „dann lassen wir das“ mit dem PS-Speicher gewesen. Die Facebook-Gruppe „Rettung der Einbecker Jugend“ sei bei ihm so angekommen wie „rettet die Jugend vor Karl-Heinz Rehkopf“. Man habe ihn beruhigt damals, das seien nur Wichtigtuer und Effekthascherei. Er habe ja nichts gegen Besorgnis, sagte Rehkopf. Es habe doch aber niemand ernsthaft glauben können, dass die Stadt und die Kornhausstiftung die Jugendlichen in Einbeck hängen lassen würden. Rehkopf erlaubte sich unverblümt den Hinweis, dass es ein neues Haus der Jugend heute nicht geben würde, es sich die Stadt nicht hätte leisten können, wenn nicht der PS-Speicher gewesen sei und das Grundstück kaufen wollte. Nun ja, ganz hat ja der Verkaufserlös bekanntlich nicht gereicht für das neue Jugendzentrum. Eine Freundschaft mit der Einbecker Jugend müsse nicht mehr geschlossen werden, meinte Rehkopf, sie beweise der PS-Speicher täglich und in Zukunft auch als außerschulischer Lernort. Wobei es „die Jugend“ ja nicht gibt. Als Geschenk überreichte Karl-Heinz Rehkopf einen „Freundschaftsverstärker“, ein modernes Sound-Gerät. Die Tante, die Klavier spielt, ist ja bekanntlich nicht so beliebt wie der Onkel, der Geschenke mitbringt.

Neuer Ort für Jugendarbeit in Einbeck: Mit einem vielfältigen Programm für Kinder und Jugendliche, mit Konzerten und einem Tag der offenen Türen ist das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg eröffnet worden.

Neuer Ort für Jugendarbeit in Einbeck: Mit einem vielfältigen Programm für Kinder und Jugendliche, mit Konzerten und einem Tag der offenen Türen ist das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg eröffnet worden.

Viele Jugendliche packten beim Umbau mit an: Jugendzentrum-Leiterin Kerstin Hillebrecht bedankte sich stellvertretend dafür bei Alexandros Mizythras, Dany Kurtanovic und Kevin Kluge.

Viele Jugendliche haben beim Umbau mit angepackt: Jugendzentrum-Leiterin Kerstin Hillebrecht bedankte sich stellvertretend dafür bei Alexandros Mizythras, Dany Kurtanovic und Kevin Kluge.

 

Im März kommt der Maler

Das wird das neue Haus der Jugend, die Arbeiten im Innern laufen.

Das wird das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg, die Arbeiten im Innern des einstigen Flüchtlingswohnheimes laufen, rechts die Fundamentierungen für Balkon und Fluchttreppe.

Bald am Kohnser Weg.

Ein Transparent weist den Weg.

Eine (politische) Langzeitbaustelle neigt sich dem Ende zu: Die Arbeiten am neuen Haus der Jugend am Kohnser Weg gehen laut Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek planmäßig voran. Geplant sei, im März mit den Malerarbeiten zu beginnen. Anschließend folge die Schlussmontage bei Heizung, Sanitär und Elektro. Es könnte also beim Zeitplan Eröffnung im April 2016 bleiben. Zurzeit werden von Jugendlichen aus dem Jugendzentrum im ehemaligen Flüchtlingswohnheim in sämtlichen Räumen die alten Tapeten entfernt. Die Verwaltungschefin dankte für diese tatkräftige Unterstützung. Die erforderlichen Grundleitungen für das neue Haus der Jugend, dessen Standort der Stadtrat bereits im Mai 2014 (also vor fast zwei Jahren) beschlossen hatte, sind verlegt und auf Dichtigkeit geprüft, sagte Michalek in ihrem Baurapport vor dem Stadtrat. Die Heizung sei in Betrieb, Fenster und Außentüren seien eingebaut. Begonnen haben laut Bürgermeisterin auch die Ausbauarbeiten im Innenbereich (Stellung von Trennwänden, Verlegung von Elektrokabel und Sanitärleitungen). Zurzeit laufen die Fundamentierungsarbeiten für Balkon und Fluchttreppe.

Haus der Verzögerung

Das städtische Jugendzentrum am Standort Kohnser Weg in einem der ehemaligen Flüchtlingswohnheime wird später eröffnet als geplant. Das neue Haus der Verzögerung, pardon Haus der Jugend, soll dort erst im Mai 2016 seine Pforten für die Jugendlichen öffnen. Und warum? Noch immer liegt keine Baugenehmigung für den Umbau vor, als Grund für notwendig gewordene Veränderungen der Planungen nannte heute die stellvertretende Fachbereichsleiterin Angelika Winkler im Jugend-Ausschuss des Stadtrates Auflagen des Brandschutzes. Man hoffe aber, bis Ende der Woche alle Unterlagen beisammen zu haben für die Baugenehmigung. „Das ist für uns alle unbefriedigend“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Und erntete immerhin allgemeine Zustimmung. Zwischenzeitlich konnte man als Beobachter den Eindruck gewinnen, das im Frühjahr vergangenen Jahres so emotional diskutierte Thema interessiere niemanden mehr so wirklich – niemanden in der Politik, und auch niemanden in der Jugendarbeit. Die Auflagen der Brandschutzes seien nicht absehbar gewesen für das beaufragte externe Ingenieurbüro, sagte Michalek, die jüngste Verzögerung dort wegen Urlaubs jedoch ärgerlich. Klaus-Rainer Schütte (SPD) möchte geprüft wissen, ob von dem Honorar für das externe Büro nicht ein Teil einbehalten werden könnte, wenn Unterlagen nicht vollständig gewesen seien und die Angelegenheit sich daher verzögere.

Nachtrag 20.07.2015: Laut Sitzungsprotokoll ist eine Honorar-Reduzierung rechtlich nicht durchsetzbar. Ein Verzug könne nur geltend gemacht werden, wenn es eine Terminierung gegeben hätte. Es sei aber versäumt worden, die Beauftragung mit einem Fixtermin für die Vorlage zu versehen. Zusätzliche Kosten für die Änderung entstehen laut Stadt nicht, es sei schriftlich zugesichert worden, dass alle im Genehmigungsverfahren erforderlichen Änderungen im Rahmen des Gesamthonorars geleistet würden.

Schnellstmöglich

Äußerlich sichtbar hat sich noch nichts getan am ehemaligen Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg, das zum Haus der Jugend werden soll.

Äußerlich sichtbar hat sich noch nichts getan am ehemaligen Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg, das zum Haus der Jugend werden soll.

Das Thema Haus der Jugend steht nicht mehr auf der politischen Agenda. Und eilig hat es offenbar niemand der Beteiligten. Diesen Eindruck musste gewinnen, wer die jüngste Jugendausschuss-Sitzung verfolgt hat – so schnell und diskussionslos war der Tagesordnungspunkt „Sachstandsbericht“ abgehandelt. Vor einem Jahr war das noch anders, da wogte die kontroverse Debatte hin und her zwischen möglichen neuen Standorten für das städtische Jugendzentrum, bis im Mai 2014 der Einbecker Stadtrat die Grundsatzentscheidung getroffen hat, eines der zwei ehemaligen Flüchtlingswohnheime am Kohnser Weg zum neuen Haus der Jugend umzubauen. Seitdem hört man immer nur, dass es später würde mit dem Umzug, ursprünglich war einmal der April 2015 als Termin genannt worden, was allerdings schon schnell wieder Makulatur war – weil das städtische Bauamt länger benötigte und Planungsarbeiten nicht extern vergeben werden sollten.

Und so war auch in dieser Woche im Jugendausschuss von Verzögerung die Rede: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek teilte mit, dass alle erforderlichen Unterlagen für das Baugenehmigungsverfahren mittlerweile beisammen seien. Es gebe aber Probleme, den Zeitplan einzuhalten, der bislang einen Umzug im September/Oktober 2015 vorgesehen habe. Angestrebt werde aber eine „schnellstmögliche Umsetzung“, so die Verwaltungschefin, ohne neue Termine zu nennen. Keine Nachfrage aus den Reihen der Politik. Stadtjugendpfleger Henrik Probst steuerte noch eine Präsentation bei, wie es künftig in den umgebauten Räumen aussehen könnte. Und weiter ging’s zum nächsten Thema.

Das vor Jahresfrist noch so emotionale und für dringlich erachtete Thema Jugendzentrum scheint niemanden so wirklich mehr zu interessieren – jedenfalls vor den Kulissen. Politische Priorität genießt das Haus der Jugend schon länger nicht mehr – zumindest vor den Kulissen nicht. Ich stelle da gerne noch einmal die Frage, ob das Haus der Jugend überhaupt noch umziehen muss, wenn es doch – wie bekundet – auch am heutigen, alten Standort irgendwie geht. Und der PS-Speicher scheint das Gebäude und HdJ-Gelände (mit einem Mal?) ja auch nicht mehr allzu dringend zu benötigen. Eine Antwort erwarte ich nicht…

Es wird Herbst…

Nach allem, was man so hört, wenn man überhaupt etwas hört, dürfte das neue Haus der Jugend im ehemaligen Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg erst im Herbst kommenden Jahres eröffnen. Auch wenn die Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Familie und Soziales, Margrit Cludius-Brandt (SPD), heute nochmal nachfragte, ob man das beschleunigen könne, bleibt es nach den Worten von Fachbereichsleiter Albert Deike bei dem bereits vor Monaten genannten Zeitplan: September/Oktober 2015. Das habe ihm auch der Fachbereich Bau nochmal aktuell bestätigt. Die Baugenehmigung werde in Kürze erteilt. Die statische Berechnung sei beauftragt und Anfang des neuen Jahres vorliegen.

Wie bereits geschrieben, hätte man den ursprünglichen Termin April 2015 nur halten können, wenn man die weitere Bauplanung mit Ausschreibungen extern vergeben hätte und nicht im durch andere Projekte belasteten Bauamt. Das dadurch nicht ausgegebene Geld möchte die Stadt lieber für eine Multifunktionshalle und ein neues Jugendgästehaus ansparen, die dann bei gewährten Zuschüssen eventuell 2016 realer werden könnten.

 

Haus der Jugend: Schneller als April 2015?

Die zwei Gebäude des ehemaligen Flüchtlingswohnheimes am Kohnser Weg, im Vordergrund der Festplatz an der Twetge.

Die zwei Häuser des ehemaligen Flüchtlingswohnheimes am Kohnser Weg: Im Gebäude links soll das Haus der Jugend entstehen, links daneben in einem zweiten Schritt eine Multifunktionshalle, im Gebäude rechts das Jugendgästehaus.

Es wäre den Beteiligten zu wünschen, dass sich der heute im Jugend-Ausschuss vorgestellte Zeitplan für die Zeit bis zum Umzug des Hauses der Jugend an den Kohnser Weg „noch etwas zusammenschieben lässt“, wie sich auch Fachbereichsleiter Albert Deike wünschte. Denn wenn es nicht noch irgendwo im Ablauf schneller gehen sollte, wäre ein Umzug des Jugendzentrums erst im April 2015 möglich, nachdem im November die Umbauarbeiten begonnen haben. Die Zeit davor geht mit Planung, Bauantrag, öffentlicher Ausschreibung und Auftragsvergabe drauf. Aber vielleicht ist da ja noch Luft, zumal den gesamten Job ein externes Architekturbüro übernehmen soll, weil sich laut Deike der Fachbereich Bauen und Planung im Rathaus aktuell nicht in der Lage sieht, die Aufgaben zu erledigen. Die SPD, die zuletzt Tempo verlangt hatte, ist offenbar mit dem aufgestellten Zeitplan zufrieden. „Das hört sich schon ganz gut an“, sagte Ausschuss-Vorsitzende Margrit Cludius-Brandt (SPD). Wenn es April würde, wäre sie froh. Wenn’s schneller ginge, natürlich auch. Wichtig sei, dass nach der Grundsatz-Entscheidung des Rates für den Standort Kohnser Weg der Fachausschuss beim weiteren Vorgehen beteiligt werde. Der Jugend-Ausschuss hat sich jedenfalls heute einstimmig „mit den Veränderungen zur räumlichen Unterbringung von Haus der Jugend und Jugendgästehaus sowie Multifunktionshalle einverstanden erklärt“.

Das von der Stadtjugendpflege und den Mitarbeitern des HdJ weiter entwickelte Raumkonzept für das neue Haus der Jugend im hinteren Gebäude der zwei ehemaligen Flüchtlingswohnheime hatte zuvor Stadtjugendpfleger Henrik Probst den Ausschuss-Mitgliedern vorgestellt. Für die Detailplanung möchte er den Arbeitskreis reaktivieren, in circa drei Wochen soll es hier ein erste Treffen der Jugendlichen geben. Das Konzept sieht zurzeit vor, auf dem Außengelände unter anderem Fläche für einen Fußballkäfig bereit zustellen, außerdem soll zwischen den Häusern in einem Atrium Platz zum Chillen und Grillen sein.

Laut Raumkonzept soll es im Erdgeschoss des Gebäudes vor allem ein 100 Quadratmeter großes Jugendcafé geben, mit Bühne und direktem Eingang von außen. Hinzu kommt eine Küche, ein Büro und die große WC-Anlage. Außerdem für das Erdgeschoss vorgesehen ist ein etwa 70 Quadratmeter großer Fitnessraum. Die 40×20 Meter große eingeschossige Multifunktionshalle soll sich direkt südlich an das neue Haus der Jugend anschließen, beide Gebäude sollen die große Toilettenanlage gemeinsam nutzen. Herzstück des Halle soll 10×20 Meter Sportfläche sein, hinzu kommen Bühne, Theke, Kletterwand, Platz für Streeball und Skater sowie eine „Chill out area“.

Im Obergeschoss des neuen Hauses der Jugend in dem einen Gebäude des einstigen Flüchtlingswohnheims soll es laut derzeitigem Konzept drei Proberäume für Musikgruppen geben, außerdem ein Multimedia/Tonstudio. Die Kreativwerkstatt bekommt zwei Räume (nass & trocken), außerdem einen Lagerraum. Auch Zimmer für die Funker und die Zierfischfreunde sind geplant, sie könnten dann aus ihren Provisorien wieder ins städtische Jugendzentrum zurückkehren. Außerdem soll es im Oberschoss einen großen, teilbaren Multifunktionsraum geben.

Die Jugendlichen seien von dem Konzept begeistert, sagte Henrik Probst: „Das kann ein großer Wurf für Einbeck werden, so eine Chance bekommen wir nie wieder.“

Für den Bau einer Multifunktionshalle muss der Flächennutzungsplan der Stadt Einbeck geändert werden. Das dauert laut Fachbereichsleiter Albert Deike ein Dreivierteljahr, „passt gut in die Zeitschiene“. In der Tat: Wann sie, über die seit bald 20 Jahren diskutiert wird, gebaut wird, werden am Ende erst die Haushaltsberatungen für 2015 zeigen.

Und wann das Jugendgästehaus neben dem Haus der Jugend Realtität wird, werden ebenfalls die Etat-Debatten im Herbst weisen. Wie Fachbereichsleiter Albert Deike sagte, sei das DRK jedenfalls wieder daran interessiert, am Kohnser Weg im vorderen Gebäude ein Gästehaus für Jugendliche zu betreiben. Am Umbau finanziell beteiligen werde sich das DRK jedoch nicht. Und auch eine Miete werde vermutlich nicht kostendeckend für die Stadt sein, sagte Deike. Die Gespräche mit dem Roten Kreuz liefen aber noch.

Das hintere Haus (der Jugend)

Ort des neuen Hauses der Jugend: das Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg. Archivfoto

Das hintere Gebäude soll das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg werden. Archivfoto

Nachdem die SPD kürzlich mehr Tempo bei der Umsetzung des Ratsbeschlusses für den neuen Standort des städtischen Jugendzentrums angemahnt hatte, ist heute vor der nächsten (auf Antrag der SPD zustande gekommenen) Ausschuss-Beratung des Themas ein neues Detail bekannt geworden: Wie es in der Vorlage für das Treffen am Donnerstag, 12. Juni, heißt, soll das Haus der Jugend entgegen der ursprünglichen Planung im hinteren der zwei Gebäude des ehemaligen Flüchtlingswohnheims unterkommen.

Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 17 Uhr im Neuen Rathaus (Zimmer 107). Entgegen den ursprünglichen Überlegungen soll das vordere Haus am Kohnser Weg als Jugendgästehaus und das hintere Haus als Haus der Jugend genutzt werden, so dass für die Multifunktionshalle hinter dem Haus der Jugend mehr Platz zur Verfügung stehen könnte und dafür kein Gelände des Festplatzes mit in Anspruch genommen werden müsse, so die Planungen im Rathaus. Nähere Einzelheiten will die Stadtverwaltung in der Sitzung mitteilen. Das gelte auch für den aufzustellenden Zeitplan, den die SPD von der Bürgermeisterin angemahnt hatte.