Wer vom Tourismus in Einbeck lebt

Dr. Manfred Zeiner berichtete im Fachausschuss über Tourismus als Wirtschaftsfaktor.

Tourismus ist in Einbeck ein Jobmotor. 810 Menschen können in Einbeck vom Tourismus leben. Das war eine der prägnantesten Zahlen, die Dr. Manfred Zeiner am Dienstag im zuständigen Fachausschuss des Einbecker Stadtrates präsentiert hat; am Freitag berichtet er über Tourismus als Wirtschaftsfaktor noch einmal beim Neujahrsempfang von Einbeck Marketing. Wie der Senior Expert von dwif (München) auf der Grundlage eigener Datenanalysen für das Jahr 2018 berichtete, ist mit Tourismus in Einbeck ein Bruttoumsatz von 41,1 Millionen Euro gemacht worden. Einbeck habe 1,3 Millionen Tagesaufenthalte zu verbuchen gehabt, hinzu kommen rund 85.000 Übernachtungen. Rechne man die Verwandten- und Bekanntenbesuche hinzu, die in der offiziellen Betten-Statistik nicht erfasst werden, liege man sicherlich bei mehr als 100.000 Übernachtungen im Jahr, sagte Zeiner. Die dwif Consulting GmbH gilt als erfahrene Tourismusberatung, die Abkürzung steht für Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr e. V. an der Universität München. Für die Einbeck-Analyse hat dwif keine eigene Erhebung gemacht, aber eine Fülle von zugänglichen und bekannten sowie eigene Daten verwendet. Beispielsweise den dwif-Tagesreisenmonitor, eine seit 2016 wöchentlich stattfindende Erhebung.

Aus dem Umsatz mit Tourismus hat Dr. Manfred Zeiner eine touristische Wertschöpfung von 18,8 Millionen Euro errechnet. 2,5 Prozent des Primäreinkommens in Einbeck hänge am Tourismus, anders gesagt: 810 Menschen können vom Tourismus in Einbeck leben. Tourismus werde nicht nur für die Gäste vorgehalten, betonte der Experte, jede Investition in diesem Bereich komme auch den Einbeckern zugute. Und nicht allein Gastronomie oder Hotellerie profitiere, sondern auch Einzelhandel (37 Prozent des Umsatzes) oder Dienstleistungen. Beispielsweise seien 24,8 Millionen Euro vom Nettoumsatz so genannte Vorleistungsaufträge, wie Zeiner erläuterte. Das seien Brötchen ebenso wie Gärtnereien, Großhandel oder auch Steuerberater und Werbeagenturen. Zeiner: „Diese Aufträge entstehen nur, weil es Tourismus in Einbeck gibt.“

Einbeck hat ein touristisches Steueraufkommen von 3,8 Millionen Euro (darin enthalten sind Mehrwertsteuer und Einkommensteuer), daraus ergeben sich touristische Steuereinnahmen von rund 1,3 Millionen Euro. Bei einer Kommunalen Kosten-Nutzen-Bilanz hat Dr. Manfred Zeiner sich die Zahlen im Haushalt der Stadt Einbeck dazu noch einmal genauer angeschaut. Erträge und Aufwendungen ergeben ein Plus von 167.000 Euro. Das sei bereits eine gute Zahl, sagte Zeiner. Ziehe man den Aufwand der Stadt für die Einbeck Marketing GmbH (rund 18.000 Euro) und die Stadtwerke/Schwimmbäder (rund 102.000 Euro) ab, bleibe mit 46.500 Euro immer noch Profit. „Gratulation, gut gearbeitet“, lobte der Tourismusforscher.

Tourismus-Sachgebietsleiterin Ulrike Lauerwald schätzte anhand der ihr bislang vorliegenden Daten für 2019, dass sich der gezeigte positive Trend fortsetze und im gerade abgelaufenen Jahr beispielsweise mehr Übernachtungen registriert werden konnten. In der Tourist-Info im Eicke’schen Haus jedenfalls, diese Zahl einer eigenen Zählung habe sie bereits vorliegen, seien es 15 Prozent mehr Besucher gewesen als im Vorjahr. Lauerwald: „Wenn wir weiter in Tourismus investieren, werden wir alle etwas davon haben.“ Wichtig sei, dass Einbeck seine Betten-/ Übernachtungskapazität ausbaue, man brauche dringend ein Low-Budget- bzw. Familienhotel. Das hatte auch Experte Dr. Manfred Zeiner gesagt: Beim Übernachtungsvolumen in Einbeck „geht noch mehr“, es dürften aber nicht Betten um der Betten willen entstehen, sondern zielgerichtet. Eigentlich sollten Zeiners Zahlen schon im vergangenen Jahr in Einbeck vorgestellt werden, was aus Termingründen nicht funktionierte, wie es hieß.

Auch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek freute sich, endlich einmal aussagekräftige Zahlen bei dieser Thematik zu kennen. Tourismus sei eben nicht, wie das im Zusammenhang mit dem Zukunftsvertrag immer gerne erklärt werde, eine der freiwilligen Leistungen einer Kommune. Michalek: „Tourismus ist ein knallharter Wirtschaftsfaktor.“ Bei dem aktuell laufenden Markenbildungsprozess für den Tourismus in der Stadt Einbeck definiere man gerade die Zielgruppen, die künftig stärker angesprochen werden sollen.

Hilfreich für eine weitere, tiefere Bewertung der präsentierten Zahlen wäre ein Vergleich zu anderen, ähnlich touristisch strukturierten Städten. Danach fragte in der Sitzung auch Alexander Kloss (SPD). Dr. Manfred Zeiner gab zu Bedenken, dass ein solcher Vergleich schwierig sei, weil die Tourismus-Bedeutung von vielen Faktoren abhänge, deren Gewicht in den einzelnen Städten unterschiedlich sein könne. Beispielsweise eine große Firma in einer Stadt könne da schon das Gesamtgefüge und den Anteil des Tourismus an der Gesamtwirtschaft einer Stadt verändern.

Vermisst wurde von mehreren Ausschussmitgliedern in der Sitzung die Anwesenheit der neuen Einbeck-Marketing-Geschäftsführerin, die zum 1. Januar gestartet war. Vorgänger Florian Geldmacher war hinzugewähltes Mitglied des Ausschusses für Kultur, Tourismus und Wirtschaftsförderung. Konkret hatte Dirk Heitmüller (SPD) nachgefragt, wann sich denn die neue Geschäftsführerin im Ausschuss bzw. der Politik vorstelle. Die Gelegenheit wäre doch hier günstig gewesen, hieß es. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek erklärte, Anja Barlen-Herbig sei eingeladen gewesen zur Sitzung, mehr könne sie auch nicht dazu sagen.

Auch nicht erwähnt in der Sitzung, aber zumindest online verfügbar, sind die touristischen Werbemittel des aktuellen Jahres: Der Urlaubsplaner 2020 und ein Faltblatt über Stadtführungen sind hier online zum Download bereit. Gedruckte Versionen werden folgen.

Nachtrag 16.01.2020: Die Beteiligten legen Wert auf die Feststellung, dass die Einladung zur Sitzung an das noch hinzugewählte Mitglied Ex-Geschäftsführer Florian Geldmacher an die Büroadresse von Einbeck Marketing im Eicke’schen Haus gegangen ist, nicht an die neue Geschäftsführerin Anja Barlen-Herbig persönlich. So sei die Abwesenheit zustande gekommen.

Agenda 2020

Die regelmäßigen, treuen Leser dieses Blogs kennen das schon, einige warten sogar sehnsüchtig darauf, sobald sich das Jahr dem Ende neigt. Und so ist für einige schon heute Bescherung. Anderen ist für die Feiertage, an denen der kommunalpolitische Betrieb ruht und das Neue Rathaus geschlossen ist, ein wenig Diskussionsstoff für die Gespräche nach Gans, Glühwein und Geschenken im Kreise der Familie und Freunde mit auf den Weg gegeben. Hier kommt also die Agenda 2020, die Tagesordnung für das kommende Jahr aus meiner Sicht:

Dieses Thema wird die politische Agenda in Einbeck im Jahr 2020 bestimmen, zweifellos: Denn am 13. September wird der Chefposten im Rathaus besetzt, die achtjährige Amtszeit der Bürgermeisterin läuft aus. Ob neu besetzt, wird sich zeigen. Viel mehr als der Termin der Bürgermeisterwahl steht zum Jahreswechsel noch nicht fest. Einzig die Amtsinhaberin hat schon ihre Kandidatur angemeldet. Nach Gesprächen in der Familie und mit Freunden habe sie sich entschieden, erneut anzutreten, wieder als Einzelbewerberin, sagte Dr. Sabine Michalek in November bei ihrem „Ja, ich kandidiere“ während einer CDU-Versammlung. Die Christdemokraten, ihre politische Heimat, werden die 52-Jährige wieder unterstützen, das ist sicher. Doch wer noch? 2013 standen auch die GfE und die FDP hinter ihr. Sie werde um Unterstützer werben, sagte Michalek. Die Umworbenen zieren sich bis dato noch mit öffentlichen Aussagen dazu. Zu früh, winken einige ab. Erstmal schauen, wer bei der SPD antritt, sagen andere. Da werden wir also noch warten müssen, bis die Ausgangslage klar ist und Erfolgschancen eingeschätzt werden können. Klar ist, dass niemand sich als Bürgermeister innerhalb von acht Jahren ausschließlich Freunde gemacht haben kann. Es gibt Enttäuschte. Wie viele, wird sich zeigen. Spannend wird zu beobachten sein, mit welchen politischen Aussagen Michalek ins Rennen gehen wird, mit welchem Programm. Allein ein „weiter so, weil vieles gut war“ wird nicht genügen. Ziele sind gefragt, echte Ziele. Und wer kandidiert bei der SPD, der größten Fraktion im Einbecker Stadtrat? Die Sozialdemokraten haben ihre Mitglieder in den Tagen vor Weihnachten zu Bewerbungen aufgerufen. Bis Mitte Januar kann sich melden, wer sich berufen fühlt zu kandidieren. Nach Ende dieser Frist wird es ein parteiinternes Auswahlverfahren geben, am Ende steht eine Kandidatenwahl am 19. März. Gehandelt werden derzeit verschiedene Namen, bislang ausschließlich Ratsherren. Traut sich eine Frau? Gibt es aussichtsreiche Bewerbungen aus dem Mitgliederkreis? Auf diese Fragen wie auf viele andere wird das kommende Jahr eine Antwort geben, ganz sicher. Und vielleicht gibt es ja sogar eine weitere Einzelbewerbung ohne Parteibuch, wer weiß. Auffällig ist jedenfalls seit ein paar Wochen, dass einige potenzielle Bewerber deutlich stärker bei Facebook, Instagram & Co. aktiv sind bzw. sich dort neue Accounts eingerichtet haben. Und auch die Bürgermeisterin, das ist jedenfalls mein Eindruck, beginnt wieder, eigene Beiträge zu posten und nicht mehr allein die anderer Nutzer zu teilen.

Der Neustädter Kirchplatz wird 2020 das große kommunalpolitische Thema bleiben, selbst wenn mit viel Verzögerung jetzt endlich die ersten Bagger dort zu sehen sind und erste Abrissarbeiten stattfinden. Die Platzneugestaltung wird auch, neben dem auf Eis gelegten Ausbau Tiedexer Straße und den jetzt an Externe vergebenen Planungen für den ZOB, zu einem der großen Wahlkampfschlager werden, siehe oben. Vielleicht eröffnet sich beim Dauerbrenner Strabs (Straßenausbaubeitragssatzung) ja noch Anfang des Jahres eine Lösung, die den Konflikt befrieden kann. Ausschließen will ich das nicht. Beschlossen ist das aber auch noch nicht. Es wird ohnehin einige Kontrahenten im Bürgermeisterwahlkampf nicht davon abhalten, die Kirchplatz-Platte wieder und wieder aufzulegen: Zu teuer, zu falsch geplant. Und falls sich lange Zeit auf der Baustelle Neustädter Kirchplatz nichts sichtbar tut, ist das Wasser auf die Mühlen der Kritiker, selbst wenn es Gründe geben sollte. Selbst Gutmeinende haben beim jüngst auf der Baustelle platzierten Trafohäuschen das Grübeln begonnen, ob da die Entscheidenden wissen, was sie tun und es vor allem auch richtig kommunizieren. Wir werden im kommenden Jahr sehen, ob die Planungen für den Neustädter Kirchplatz noch einmal so verändert werden, dass von dem Gewinnerentwurf des Architektenwettbewerbs nicht mehr viel Substanz übrig bleibt. Das wäre ein fatales Signal für künftige Ausschreibungen dieser Art. Man könnte sie sich gleich sparen und das Geld sinnvoller verwenden, wenn man sowieso jeden fachlichen Ratschlag ignoriert, weil man es besser zu wissen glaubt.   

Das mit dem besser wissen wird auch auf der Tagesordnung 2020 stehen. Ist das Porzellan, das zerschlagen wurde, noch zu kitten? Gibt es noch eine Vertrauensbasis, ohne die eine Zusammenarbeit imgrunde schlechterdings nicht denkbar ist? Ich meine den Mega-Zoff um die 380-kV-Klage der Stadt Einbeck, der erst vor wenigen Tagen im Stadtrat eskaliert ist. Ich habe in mehr als 20 Jahren kommunalpolitischer Berichterstattung noch nie eine so poltrige, unharmonische Vorweihnachtssitzung erlebt und prohezeihe eher, dass die SPD dieses Thema und die „Causa Schröder“ noch befeuern wird, vor allem im Bürgermeisterwahlkampf. Fehler zuzugeben ist ja ohnehin in der Politik selten. Auf der anderen Seite sollte sich vermutlich auch Dr. Florian Schröder künftig mäßigen, wenn mit ihm mal wieder verbal die ironischen Pferde durchzugehen drohen. Ironie versteht nicht jeder. Leider.

Zum Jahresanfang startet Einbeck Marketing mit einer neuen Geschäftsführerin. Anja Barlen-Herbig will beim Neujahrsempfang am 17. Januar ihre Agenda vorlegen, dann läuft die übliche 100-Tage-Frist, vor der sich eine Bewertung ihrer Arbeit und Person nicht ziemt. Allein jedoch die Konstallation, die es ab Januar im Eicke’schen Haus geben wird, wirft Fragen auf: Die neue Stadtmarketing-Chefin Barlen-Herbig wurde (bewusst?) auch als erfahrene Touristikerin ein- und vorgestellt. Bekanntlich ist die Tourist-Information der Stadt im gleichen Gebäude zuhause. Deren Chefin Ulrike Lauerwald hat zurzeit einen Markenbildungprozess angeschoben, der vor allem touristisch für Einbeck wichtig ist. Bleibt Einbeck die Stadt der Brau- und Fachwerkkunst? Oder wird Einbeck die Stadt der Mobilität (der PS-Speicher lässt selbstbewusst grüßen), in der gutes Bier gebraut wird und übrigens auch Fachwerkhäuser stehen? Die Frage wird zu klären sein, wer in Einbeck für Tourismus zuständig ist und das Sagen hat (und wer nicht), um nicht neue Doppelstrukturen aufzubauen (wie bei der Wirtschaftsförderung). Ulrike Lauerwald und ihr Team sowie Anja Barlen-Herbig und ihr Team werden sich zusammenraufen müssen. Ob das gelingt? Auch auf diese Fragen werden wir 2020 Antworten erhalten. Das heißt nicht, dass uns diese alle gefallen müssen.

Werden denn in der großen Brandlücke an der Altendorfer Straße irgendwann doch wieder ein oder zwei Häuser gebaut oder lassen wir dort wie in der Langen Brücke lieber unsere Kinder spielen? Auch diese Frage wird 2020 eine Antwort erhalten. Zugegeben, die Frage ist etwas unfair formuliert, denn wohl niemand will an der viel befahrenen Durchgangsstraße einen Spielplatz installieren. Nicht so wie in der Langen Brücke 5. Aber Container mit Oldtimer-Werbung sind auf Dauer zu wenig. Eng verknüpft mit möglichen Bauplänen für das Quartier an der Ecke zur Backofenstraße ist die Frage nach der Zukunft der Einbecker Hospitalstiftungen, die ursprünglich schon zum Jahreswechsel aufgelöst werden sollten. Bei allem Geschichtsbewusstsein für eine Jahrhunderte alte Institution: Auch für die Hospitalstiftungen, denen einige nicht mehr taufrische Immobilien gehören, gilt der Grundsatz: Eigentum verpflichtet. Und wenn in Zeiten des Niedrigzinses eine Stiftung wie diese nicht mehr genügend eigene Mittel hat, um Sanierungen und unter Umständen Neubauten zu stemmen, sollte man sie vielleicht im millionenschweren Etat der Stadt Einbeck integrieren und damit ausreichende Finanzkraft generieren: für Wohnungsbau beispielsweise. Oder man fragt andere naheliegende Unternehmungen, die sich mit Bauen und Wohnen auskennen.

Auch diesmal ließen sich noch viele weitere Themen nennen, die Kommunalpolitik und Öffentlichkeit im kommenden Jahr beschäftigen werden. Als Stichworte seien hier nur genannt: Multifunktionshalle (wird sie rechtzeitig fertig und im Kostenplan bleiben, wird sie vom jugendlichen Zielpublikum angenommen?), „Wissensquartier“ (werden die Pläne für die Zusammenfassung von Museum, Archiv und Bibliothek an einem Standort konkreter und was bedeutet das auch personell?), Spielplatz Lange Brücke (wird das komplett spendenfinanzierte Projekt in 2020 eingeweiht?).

Besonders aber freue ich mich wieder auch auf Überraschungen, auf Unvorhergesehenes. Denn es werden erneut politische Themen auf die Tagesordnung schaffen, die heute niemand erahnt. Auch 2020 lesen Sie davon in diesem Blog.

Impulsgeberin, Moderatorin, Stimme der Stadt

Anja Barlen-Herbig.

Sie tauscht die edle Büroadresse Unter den Linden in Berlin gegen die Einbecker Marktstraße, arbeitet als bekennender Fachwerkfreak dort aber künftig in einem Juwel der Holzschnitzkunst von nationaler Bedeutung, dem Eicke’sches Haus: Anja Barlen-Herbig wird zum 1. Januar 2020 neue Geschäftsführerin der Einbeck Marketing GmbH und Nachfolgerin von Florian Geldmacher, der nach vier Jahren in Einbeck im Dezember zur GWG Gesellschaft für Wirtschaftförderung und Stadtentwicklung nach Göttingen wechselt. Die 50-Jährige kehrt gewissermaßen zurück zu ihren Wurzeln: In Banteln bei Gronau hat sie lange gewohnt und im Kreis Hildesheim als Lokaljournalistin gearbeitet, nachdem sie in Hannover Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaften studiert hatte. Im Jahr 2000 hat sie sich dann gemeinsam mit Ehemann Frank mit einer eigenen Marketing-Agentur selbstständig gemacht, die heute ihren Hauptsitz in Berlin hat. In den vergangenen 15 Jahren hat Anja Barlen-Herbig mehrere Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie touristische Ziele und Institutionen begleitet.

Unter anderem hat sie die Marke „Wissenschafts- und Tourismusstadt Heidelberg“ als Kommunikationsleiterin national und international betreut. Als Leiterin für Marketing und Kommunikation des deutsch-chinesischen Unternehmerverbandes „Zhongde Metal Group“ hat sie internationale Wirtschaftsstandorte in der deutschen Wirtschaft und Politik als Marke aufgebaut und positioniert. Anja Barlen-Herbig ist zurzeit wieder selbstständige Beraterin für Tourismus, Standort- und Stadtmarketing, ist außerdem Partnerin der chinesischen Handelskammer in Deutschland. „Einbeck hat alles, was Chinesen gerne mögen“, hat die neue Einbeck-Marketing-Geschäftsführerin bereits erkannt und sieht hier touristische Möglichkeiten.

Wechsel in der Geschäftsführung bei der Einbeck Marketing GmbH: Anja Barlen-Herbig folgt im Januar auf Florian Geldmacher (links), der nach Göttingen wechselt, berichtet Aufsichtsratsvorsitzender Martin Deutsch von der einstimmigen Entscheidung.

„Einbeck hat die Zukunftsthemen und viel Potenzial, kann zu den Gewinnerstädten gehören, gerade kleinere und mittlere Städte erleben eine Renaissance“, sagt Anja Barlen-Herbig, die nach eigener Aussage „der Stadt eine Stimme geben und die Botschaften der Stadt nach außen bringen“ will. Stadtmarketing sei Impulsgeber, gleichzeitig Moderator der Akteure einer Stadt. Im Wettbewerb mit anderen Standorten als Wirtschaftsstandort und Urlaubsziel gelte es bei Gästen, Fachkräften und Investoren Aufmerksamkeit zu erwecken, gleichzeitig aber die Ansprüche der Bewohner an ihre Stadt nicht zu vernachlässigen.

Die neue Geschäftsführerin ist nach eigener Aussage Anhängerin eines ganzheitlichen Stadtmarketing. Und Stadtmarketing sei mehr als pure Werbung. Aufgabe sei, alle Akteure einer Stadt in einen zukunftsfähigen Gestaltungsprozess einzubinden. „Alle zahlen auf die Marke ein“, sagt Anja Barlen-Herbig. Spannend wird sein, wie sich die neue Geschäftsführerin in den bereits laufenden Markenbildungsprozess der Stadt Einbeck einsortieren wird. Wenige Minuten nach der offiziellen Vorstellung der neuen Marketing-Chefin im Eicke’schen Haus diskutierten Vertreter aus Wirtschaft und Stadtgesellschaft im Alten Rathaus bei einem Workshop mehrere Stunden über die Marke Einbecks in der Zukunft. Der Diskussionsprozess wird noch mehrere Monate dauern, genug Zeit also für Anja Barlen-Herbig, sich dort einzubringen. Nach den bekannten 100 Tagen Einarbeitungszeit wird es ebenso zu beobachten sein, wie Einbeck Marketing unter neuer Chefin mit den großen Tourismus-Playern in der Stadt und den dafür zuständigen Institutionen der Stadt, die ja bis 2017 noch zur GmbH gehörten, zusammenarbeiten wird. Lothar Meyer-Mertel jedenfalls, den Geschäftsführer des PS-Speichers, der zuvor Hildesheim Marketing leitete, kenne sie schon seit gemeinsamer Hildesheimer Zeit, erzählte Barlen-Herbig.

Auf die Stelle der Einbeck-Marketing-Geschäftsführung gab es laut Aufsichtsratschef Martin Deutsch insgesamt 14 Bewerbungen, wobei acht ernstzunehmend gewesen seien, mit vier Bewerbern habe man Gespräche geführt. Nach der ersten Sichtung durch die beiden Wirtschaftsvertreter im Aufsichtsrat gab es eine zweite Runde, in der sich letztlich zwei Bewerber persönlich im Aufsichtsrat vorgestellt haben. Das Gremium habe sich dann einstimmig Ende Oktober für Anja Barlen-Herbig entschieden, berichtete Martin Deutsch.

Anja Barlen-Herbig ist verheiratet und Mutter von drei Töchtern und zwei Söhnen. Zurzeit lebt die neue Einbeck-Marketing-Geschäftsführerin in Potsdam, möchte aber gerne mit ihrer Familie nach Einbeck ziehen.

Offiziell in Einbeck vorstellen wird sich die neue Geschäftsführerin beim Neujahrsempfang der Einbeck Marketing GmbH, zu dem am 17. Januar in der PS-Halle 250 Gäste erwartet werden.

Anmerkung: Der Autor dieses Blogs ist Mitglied im Verein Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft, der Mehrheitsgesellschafter (51 Prozent) der GmbH ist.

Umbau nach Umstrukturierung

Umbau geplant: Marktstraße 13 und 15.

Umbau geplant: Marktstraße 13 und 15.

Sichtbare Folge der zum Januar beschlossenen Umstrukturierung der Einbeck Marketing GmbH wird ein Umbau der Räume im Eicke’schen Haus sein. Tourist-Info und Kulturring (Events) gehören ab 2017 wieder zur Stadt Einbeck. Und die Büros im Obergeschoss des Eicke’schen Hauses können dann nicht mehr von den städtischen Mitarbeitern genutzt werden. Mit dem unter anderem deswegen geplanten Umbau beschäftigt sich der Kulturausschuss des Stadtrates in seiner Sitzung am Donnerstag, 1. Dezember (17 Uhr, Neues Rathaus, Raum 107). Die im Haushalt 2017 eingeplanten Kosten werden auf rund 65.000 Euro geschätzt, allein etwa 21.000 Euro sollen auf Elektroarbeiten und Beleuchtung entfallen, um den dunklen Raum besser auszuleuchten, etwa 13.000 Euro auf Verglasungsarbeiten und Regale. Bauherr, weil Eigentümer der Immobilie, ist die Stiftung Eicke’sches Haus. Die Stadt ist lediglich Mieterin.

Die Tourist-Information nutzt zwei Gebäudeteile. Im Eicke’schen Haus (Marktstraße 13) befindet sich eine runde Sitzecke, der Hauptschalter für die Beratung, Ticketverkauf und drei Mitarbeiter-Arbeitsplätzen. Im Haus Marktstraße 15 befinden sich zwei Mitarbeiterplätze, heißt es in der Beschreibung für die Ausschussmitglieder. In diesem Bereich findet auch der Souvenir-Verkauf aus einfachen Stahlgitter-Schränken statt. Beide Gebäudeteile sind mit Durchbrüchen und hinterleuchteten Regalen miteinander verbunden. Diese Beleuchtungsanlage ist jedoch ausgeschaltet, weil sie im Betrieb ein hochfrequentes, störendes Summen erzeugt, heißt es in der Ratsvorlage.

Vorgesehen ist, die beiden Gebäudeteile baulich zu trennen und die Durchbrüche als beleuchtetes Regal zu nutzen. In der Marktstraße 15 sollen vier ruhige Mitarbeiter-Arbeitsplätze und eine Besprechungsecke entstehen. Im Haus Marktstraße 13 (Eickesches Haus) soll die heute störanfällige Halogen-Beleuchtung so umgebaut werden, dass der Raum besser ausgeleuchtet wird. Außerdem soll der Tresen für Beratung und Verkauf stärker in den Fokus geraten.

Nachtrag 06.12.2016: Einstimmig hat der Ausschuss den Umbauarbeiten zugestimmt, wenn auch alle Fraktionen die kalkulierten Kosten als zu hoch empfunden haben. Da es aber eine erste Anlaufstelle für Touristen sei, könne man die Kosten rechtfertigen, hieß es.

Vorher, nachher: So soll umgebaut werden. (c) Stadt Einbeck

Vorher, nachher: So soll umgebaut werden. (c) Stadt Einbeck