Tourismus-Konzept: Einbeck soll als Reiseziel in Zukunft noch mehr glänzen

Kennen Sie Johanna? Oder Martin? Sie sind Ihnen bestimmt schon in Einbeck begegnet. Vielleicht waren es aber auch Johannes oder Martina? Tourismus-Experten erfinden solche fiktiven Personen und definieren sie so konkret wie möglich, um die Zielgruppe für ein Reiseziel möglichst plastisch beschreiben und das Profil des Ortes mit passgenauen Angeboten schärfen zu können. Schließlich gilt es, sich (auch finanziell) nicht zu verzetteln und nicht die „falsche“, weil unpassende Zielgruppe anzusprechen. Einbeck hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Reiseziel entwickelt, rund 100.000 Übernachtungen im Jahr sind erreicht. Das jetzt vom zuständigen Fachausschuss des Stadtrates einstimmig beschlossene Tourismus-Konzept „Einbeck 2030“ soll diese Entwicklung nachhaltig sichern und strategisch weiter ausbauen helfen. „Das Konzept soll eine Fortsetzung des Erfolges garantieren“, sagte Ulrike Lauerwald, Leiterin von Einbeck Tourismus.

Aktuelle Zahlen versprechen ein erfolgreiches Tourismusjahr 2025: Rund 4600 Übernachtungen gab es allein im Januar dieses Jahres, das sind rund 700 mehr als im Vorjahresmonat und immer noch gut 250 mehr als im bislang besten Jahr 2023. Die Übernachtungszahlen, die von 2015 nahezu verdoppelt worden sind, machen aber auch erste Grenzen deutlich: Es fehlen Kapazitäten für Übernachtungen, vor allem für große Gruppen, Reisebusse etwa, schon heute werde es in einigen Monaten knapp, sagte Ulrike Lauerwald. Laut Konzept ist bis 2026 weiterhin die Eröffnung eines Low-Budget-Hotels mit 50 Zimmern an der Hannoverschen Straße geplant. Konkretes wie einen Baubeginn hört man hier in letzter Zeit allerdings leider nicht mehr.

Das 95-seitige Konzept (hier zum Download) basiert auf einer umfassenden Markenstrategie, die seit 2019 gemeinsam mit lokalen Akteuren entwickelt wurde. Das Tourismus-Konzept soll flexibler Leitfaden und gemeinsamer Fahrplan sein, um Einbeck als Reiseziel zu positionieren, erläuterte Kristine Honig vom beauftragten Unternehmen „Realizing Progress“ im Fachausschuss. Es sei nicht starr, sondern könne jederzeit Herausforderungen angepasst werden. Das Tourismuskonzept „Einbeck 2030“ sei ein langfristiger Entwicklungsprozess, der die gesamte Stadt mit einbeziehe und aktuelle Trends sowie gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtige. Tourismus werde als Chance verstanden, um Einbeck nicht nur für Besucher attraktiver zu machen, sondern auch die Lebensqualität der Einheimischen zu steigern. Immerhin trägt der Tourismus auch mit 45 Millionen Euro pro Jahr zur Wertschöpfung in Einbeck bei. Eine belebte Innenstadt, kulturelle Angebote und wirtschaftliche Impulse seien wesentliche Faktoren, die gleichermaßen Gäste und Einwohner begeistern würden, heißt es in den Konzept. Dieses sei aus der vor sechs Jahren entwickelten Marke abgeleitet worden – in enger Zusammenarbeit zwischen Politik sowie Akteuren der Tourismuswirtschaft; an diese Adressaten wird das Konzept nun verschickt, dort wird das Konzept jetzt in der Breite bekannt gemacht und in Stammtischen diskutiert. „Die Umsetzung erfordert weiterhin eine enge Kooperation aller Beteiligten, um das Konzept mit Leben zu füllen und die gesetzten Ziele zu erreichen“, sagte Ulrike Lauerwald. „Nur durch diesen gemeinsamen Ansatz kann Einbeck langfristig eine Stadt bleiben, die Tradition und Innovation vereint und nachhaltig und agil für die Zukunft aufgestellt ist.“

Um das touristische Profil Einbecks weiter zu schärfen, wurden fünf grundlegende Prinzipien formuliert, die die Richtung künftiger Angebote bestimmen sollen: Die Verbindung zwischen Tradition und Moderne soll gefördert, das kulturelle Erbe auf vielfältige Weise erlebbar gemacht werden, Genuss und Lebensfreude sollen bewusst in den Mittelpunkt gestellt und das Erkunden der Stadt mit allen Sinnen eine neue Qualität des Erlebens ermöglichen, heißt es in dem Konzept. Damit diese Ziele erfolgreich umgesetzt werden können, wurden fünf Handlungsfelder definiert. Unter anderem ist dies die Angebots- und Produktentwicklung, bei der Einbecks touristische Kernthemen – Oldtimer, Fachwerk und Bier – durch innovative und qualitativ hochwertige Angebote erlebbar gemacht werden sollen. Hier soll beispielsweise ein Augmented-Reality-Erlebnis „Sprechende Häuser“ entwickelt werden, das das Fachwerk- und Stadterlebnis mit interaktiven Elementen anreichert. Bei AR-Erlebnissen können Nutzer meist über spezielle Brillen Texte, Bilder oder Animationen in der Umgebung sehen. Ein anderes Handlungsfeld konzentriert sich auf die Infrastruktur der Stadt, um den Aufenthalt angenehmer zu gestalten und digitale sowie persönliche Informationsangebote besser zu verzahnen. Beispielsweise sollen Rad-, Wander- und Themenwege angepasst oder neu gestaltet werden, aber auch die Wandlung der klassischen Tourist-Info zu einem Service-Center mit einer Kombination aus digitaler und persönlicher Beratung. Auch eine Weiterqualifizierung der Beteiligten ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts, um ein gemeinsames Verständnis für die touristische Strategie zu schaffen und eine hohe Servicequalität sicherzustellen. Regelmäßige Schulungen für touristisch relevante Betriebe sollen verstetigt, Weiterbildung in Digitalisierung, Marketing und Kommunikation angeboten werden.

Von Johanna und Martin

Für eine gezielte Ansprache potenzieller Gäste ist es wichtig zu wissen, wer sie sind und was sie möchten, um ihre Wünsche besser erfüllen zu können, wissen Touristiker. Daher wurden für Einbeck so genannte Personas entwickelt – das sind fiktive, aber realistisch beschriebene Personen: Johanna ist 54 Jahre alt, wünscht sich Qualität und ist an Geschichte, Kunst und Kultur interessiert. Authentizität, Nachhaltigkeit und Weltoffenheit sind ihr wichtig. Johanna vereint die Werte Neugier, Offenheit, Leichtigkeit und Genuss. Martin ist 42 Jahre alt, steht für die Mitte der Gesellschaft und entscheidet stark nutzenorientiert. Individualität, Flexibilität und Abwechslung sind ihm wichtig. Die Personas „Martin“ und „Johanna“ sollen helfen herauszufinden, was potenziellen Besuchern Einbecks wichtig ist, um darauf abgestimmte Angebote oder Erlebnisse zu entwickeln. „So entsteht etwas, das nicht nur gefällt, sondern auch wirklich passt“, heißt es in dem Konzept. Darüber hinaus bleibe Einbeck aber natürlich ein spannendes touristisches Ziel für verschiedene andere Zielgruppen, betonte Ulrike Lauerwald auf entsprechende Nachfragen im Fachausschuss.