Kloss-Antrag: WC-Fassade in der Maschenstraße soll schöner werden

Die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Stadtrates am 24. März füllt sich mit einem weiteren Antrag aus den Reihen der Politik: Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) möchte erreichen, dass die öffentliche Toilette in der Maschenstraße attraktiver wird. Kloss meint damit nicht die eigentliche WC-Anlage, die sei in Ordnung. Ihm geht es um die in die Jahre gekommene Fassade des Fachwerk-Toilettengebäudes direkt an der Stadtmauer und seine bessere Ausschilderung.

Das WC an der Maschenstraße gehört gerade auch für Touristen zu einer wichtigen Anlaufstelle, weiß Alexander Kloss auch aus seiner langjährigen Tätigkeit als Gästeführer der Stadt Einbeck. Vor allem Busbesucher, die nach ihrer Anreise vom Parkplatz am Tiedexer Tor in die Innenstadt gehen, kehren in der Maschenstraße gerne erleichtert ein – wenn sie denn das öffentliche WC finden und sich angesichts der wenig einladenden Fassade mit einem Holztor, das schon mal mehr Farbe gesehen hat, auch trauen hinein zu gehen.

Eingang zur öffentlichen Toilettenanlage in der Maschenstraße in Einbeck. Foto: Alexander Kloss

Stilles Örtchen mit Stil – so hat Ratsherr Alexander Kloss seinen Antrag Nummer 9 als parteiloses Ratsmitglied überschrieben. Die Verwaltung soll beauftragt werden, zeitnah die Außenfassade der Toilettenanlage in der Maschenstraße säubern und mindestens die Eingangstür zusätzlich neu streichen zu lassen. An der Anlage soll außerdem ein Schild mit den Öffnungszeiten angebracht werden, auf dem auch ein Hinweis auf die nächsten öffentlichen Toilettenanlagen im Keller des Alten Rathauses nicht fehlen sollten, meint Kloss. Am Busparkplatz Tiedexer Tor sollte nach der Idee des parteilosen Ratsherrn durch Beschilderung oder Bodenmarkierungen auf diese Toilettenanlage hingewiesen werden.

Sofern nicht bereits vorhanden, sei der Einbau eines Schlosses mit Euro-Schlüssel vorzunehmen, , fordert Alexander Kloss, damit in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, die über einen solchen Schlüssel verfügen, im Notfall auch außerhalb der Öffnungszeiten die Toilettenanlage öffnen und benutzen können. Auch einen wandhängenden, zusammenklappbaren Babywickeltisch im Innenbereich der Toilettenanlage wünscht er sich. Außerdem sollte die WC-Anlage mit Rauchwarnmeldern ausgestattet werden, meint Kloss.

Wie alle städtischen Toilettenanlagen sei auch jene, auf die sich der Antrag beziehe, im Inneren in einem gepflegten Zustand, schreibt Alexander Kloss zur Begründung seine Initiative. „Leider verspricht der Blick von Außen bei Weitem nicht das, was den Nutzer des ’stillen Örtchens‘ im Inneren erwartet – neben dem üblichen Großporzellan ist dies zum Beispiel ein direkter Blick auf unsere rund 800 Jahre alte Stadtmauer.“

Facebook-Post mit dem Antrag von Alexander Kloss

Immer noch „Besetzt“-Schild für Bahnhofs-WC-Lösung

Für eine Toilette auf dem Bahnhof in Kreiensen zeichnet sich weiterhin keine schnelle Lösung ab. „Wir drehen uns seit einem Jahr im Kreis“, sagte Baudirektor Joachim Mertens im Stadtentwicklungsausschuss. Seine Enttäuschung war kaum zu überhören. Nach dem Sachstand in der Frage hatte (nicht zum ersten Mal) Ratsherr Klaus-Reiner Schütte (SPD) gefragt; er wisse ja um die langwierigen Kommunikationswege mit der Deutschen Bahn.

Nach dem von der Stadt Einbeck der Bahn unterbreiteten Vorschlag, im ehemaligen Gebäude der Bahnaufsicht ein WC einzubauen, habe die Bahn die Idee gehabt, ein separates WC-Gebäude zu errichten, berichtete Mertens. Diese Lösung sei jedoch der Bahn letztlich zu teuer gewesen. Auch der private Eigentümer des Bahnhofsgebäudes sei von der Bahn angesprochen worden, ob das WC nicht im Hauptgebäude installiert werden könne. Der Eigentümer habe sich jedoch dazu nicht geäußert. Den letzten Kontakt zu ihm habe die Stadt Einbeck vor einem Jahr gehabt, sagte Mertens.

Der einstige Bahnaufsichtpavillon auf dem Bahnhof in Kreiensen. Archivfoto

Nachtrag 10.09.2020: Möglicherweise gibt es einen kleinen Silberstreif am Horizont. Wie Baudirektor Joachim Mertens gestern im Stadtrat auf eine Anfrage der Behindertenbeauftragten Renate Leuschner sagte, habe sich der Bahnhofseigentümer Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft mbH (Frankfurt) zu einer Lösung im Bahnhofsgebäude bereit erklärt. Möglicherweise könne das WC (wieder) im großen Durchgang des Gebäudes entstehen. Wer die Kosten übernimmt, sei aber noch nicht klar, sagte Mertens.

Neuer Glanz im Alten Rathaus?

Giebelwand des Alten Rathauses. Archivfoto

Das Alte Rathaus macht seinem Namen leider immer öfter alle Ehre: Es zieht vor allem im Winter durch alle alten Fenster, die Akustik in der Rathaushalle ist imgrunde für Wortbeiträge nicht geeignet, erst recht nicht mit einer Mikrofon- und Lautsprecheranlage, die noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist und bei Sitzungen oftmals rauscht und pfeifft. Vom Charme der Halle des Historischen Rathauses und ihrer Beleuchtung ganz zu schweigen, der eher in die 1960-er Jahre gehört. Jetzt soll ein neuer Anlauf unternommen werden, das eigentlich wichtigste Gebäude der Stadt Einbeck mit seinen markanten drei Türmen zu modernisieren. Vor allem zunächst innen – wobei es auch die Außenfassade dringend nötig hätte. Ein Schmuckstück für Touristen ist das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert leider nur noch im Sonnenschein und wenn man an einigen Stellen nicht ganz so genau hinschaut.

2016/17 waren erste Planungen und Förderanträge für die Innengestaltung gescheitert. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses in dieser Woche hat der Hildesheimer Architekt Marco Evers aktualisierte Planungen seines Büros vorgestellt, die einstimmig auf den weiteren Weg durch die Gremien gebracht wurden. Die Kosten in Höhe von rund 900.000 Euro sollen im Haushalt 2021 eingeplant werden. Dafür ist die Prioritätenliste der städtischen Investitionen verändert worden. Die Maßnahme soll über das neu geschaffene Städtebauförderungsprogramm „Lebendige Zentren“ mitfinanziert werden.

Der Entwurf bezieht sich auf eine barrierefreie Erschließung mit Hilfe einer Aufzugsanlage, die Umbauten des Kellergeschosses als Multifunktionsraum und des Erdgeschosses mit Rathaushalle als multifunktional geeigneter Raum. Dazu werden dort auch die Fenster erneuert bzw. die Scheiben verdoppelt. Das zurzeit vermietete Obergeschoss ist nicht Bestandteil des Entwurfes. Der Fahrstuhl soll an der Giebelseite (Durchgang vom Marktplatz zum Hallenplan) innerhalb des Gebäudes entstehen und anders als bislang nicht mittig im Giebel, sondern mit dem Eingang in dem Durchgang in Richtung Marktplatz gerückt. So könnten alle historischen Pfeiler erhalten bleiben. Im zurzeit nur für einige touristische Führungen genutzten Keller soll das Fußbodenniveau auf die ursprüngliche Höhe abgesenkt, ausgeschachtet und ein Sandsteinbelag mit Fußbodenheizung verlegt werden. Für mehrere kritische Nachfragen sorgte im Bauausschuss die Überlegung der Planer, beim Zugang vom Marktplatz die Treppe wegen der zu erzielenden Tür-Höhe schon deutlich auf dem Marktplatz zu beginnen und dafür den Fußweg vor dem Haus fast komplett zu nutzen. Das sei ein zu großer, unglücklicher Eingriff in den Marktplatz, hieß es mit der Bitte, diese Möglichkeit noch einmal zu überdenken. Zum Hallenplan wird laut Planung ein zweiter Zugang (Fluchtweg) aus dem Keller angelegt. Außerdem sollen die dort vorhandenen (Marktbeschicker-)Toiletten und der Vorraum zum Tresor vom Keller aus zugänglich werden. Im Erdgeschoss sind in dem Bereich der ehemaligen Touristinfo zum einen der neue barrierefreie Zugang vom Fahrstuhl sowie Toiletten inklusive Behinderten-WC vorgesehen, zum anderen das Stuhllager. Die Rathaushalle soll mit Blick auf Akustik, Audioanlage und Beleuchtung neu gestaltet werden und damit auch besser für (Dauer-)Ausstellungen nutzbar sein.

Der Stadtrat tagt im Tische-Viereck in der Rathaushalle. Archivfoto

Magistrale der WC-Kultur

Die Tiedexer Straße soll zur Magistrale der Baukultur werden, aber nicht der WC-Kultur. Fotomontage

Die Tiedexer Straße soll zur Magistrale der Baukultur werden, aber nicht der WC-Kultur. Fotomontage

Das neue, leuchtend blaue Behinderten-WC auf dem Einbecker Hallenplan sorgt seit Tagen für lebhafte Diskussionen – vor allem über den prominenten Standort sprechen die Menschen. Dabei ist die barrierefreie Baustellen-Toilette erst der Anfang in der Einbecker Innenstadt, wie ich heute erfahren habe: Ein Teil der bislang unter dem Deckel gehaltenen Planung für die „Magistrale der Baukultur“ wird sich mit der WC-Kultur beschäftigen. Fördergelder dafür zu bekommen sei überhaupt kein Problem, sie werden fließen, heißt es aus dem Rathaus. Entlang der Magistrale, unter anderem in der Tiedexer Straße, sollen verschiedene mobile Toilettenhäuschen aufgestellt werden, in den markanten Farben Rot, Schwarz, Grün und Blau. Jedes WC-Häuschen wird mit WLAN-Repeater ausgestattet sein, so dass dadurch automatisch auch endlich ein freies Mobilfunknetz in der City realisiert werden kann. Auf Informationstafeln an den Plastik-Toiletten können Besucher einen sich durch Einbeck ziehenden Pfad nachvollziehen und sich gleichzeitig über die Geschichte der mobilen Toilette kundig machen, ebenso die Historie der fairen Autobahn-Raststätten-Toiletten soll Thema werden. Hier hofft die Stadt, einen Hauptsponsor aquirieren zu können. „Auch ein Dixi-Klo ist Baukultur“, sagte mir heute ein Architekt, der mit der delikaten Materie befasst ist. „Selbst, wenn es aus Plastik ist, es kommt ja darauf an was man daraus macht.“ In Planung sind ferner Depot-Führungen von verschiedenen Bauunternehmern in der Region zu ihren Stellplätzen mit Baustellen-WCs; auch Lehrgänge unter dem Titel „Toi, toi, toi: Wie benutze ich ein Dixi?“ sind bereits in Vorbereitung.

An mehreren Orten sollen mobile WC aufgestellt werden.

An mehreren Orten mobile WC.

Einbecks Touristiker jubeln schon, dass sie die neuen Toiletten in Kombination mit der beliebten abendlichen Stadtführung „Helles Bier, dunkle Schatten“ bestens einsetzen können. „Endlich ist eine entspannte Biertour für alle möglich, mit Ver- und Entsorgungsstationen auf den Wallanlagen zwischendurch“, sagte mir ein Bierexperte. Denn neben jedem Klo soll auch ein Bierwagen stehen. Bei der heutigen „Helles Bier“-Führung soll das alles zum ersten Mal getestet werden, werden mehrere Dixis entlang der Strecke aufgebaut. Einbeck Marketing kann sich sogar vorstellen, das Ganze auch bei den Segway-Touren rund um Einbeck anzubieten. Dafür sollen sogar eigens konstruierte Segway-Räder im Einsatz sein, bei denen jeder Teilnehmer auf Wunsch seine mobile Baustellen-Toilette als Anhänger mitnehmen kann. „Damit haben wir endlich ein konsistentes Alleinstellungsmerkmal“, hieß es aus dem Eicke’schen Haus.

Die kommunale Politik hat alles übrigens in einer einzigen Sitzung bereits beschlossen. Und nicht nur das: Ab der nächsten Kommunalwahl soll es einen eigenen Toiletten-Ausschuss im Einbecker Stadtrat geben. So wollen die Ratsmitglieder vermeiden, dass diese drängenden Themen zwischen Bau-, Sozial- und Kernstadtausschuss hin und her geschoben werden können. „Das ist uns ein dringendes Bedürfnis“, sagte mir ein Sprecher der CDU-Fraktion. Und ein SPD-Mann stimmte eilig zu.

Der Ort des barrierefreien WC in der Rathausecke auf dem Hallenplan ist übrigens bewusst gewählt worden. Denn so kann jeder sehen, wer diese Toilette aufsucht und ob er das mit Berechtigung auf einem Behinderten-WC tut. „Das ist gelebte Sozialkontrolle, kein stilles Örtchen!“, sagte mir heute ein Sprecher der Stadtverwaltung, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Aktualisiert (2. April 2016, 9:30 Uhr) April, April: Das war selbstverständlich nur ein April-Scherz, eine Magistrale der WC-Kultur wird es – zumindest nach derzeitigem Planungsstand für die Tiedexer Straße – nicht geben bei der „Magistrale der Baukultur“ in Einbeck. Kein Scherz bleibt das barrierefreie WC auf dem Hallenplan. 

Direkter Klo-Zugang auf der Autobahn.

Direkter Klo-Zugang auf der Autobahn? Nein, April, April, hier hatte nur ein Lkw-Fahrer aus Dassel seine mobilen WC verloren. Foto: Polizei Goslar

Provisorische Dauer-Toiletten-Baustelle

Von Bauarbeiten auf dem Hallenplan in Einbeck ist mir nichts bekannt – und das seit knapp einer Woche in einer Ecke des Alten Rathauses in bester Innenstadtlage stehende leuchtend blaue Baustellen-WC hat auch nichts mit Erdarbeiten fleißiger Bauarbeier zu tun, die auch nur mal austreten wollen. Die barrierefreie, große Toilette für Menschen mit individuellen Beeinträchtigungen, wie das Behinderten-WC wahrscheinlich korrekt genannt werden muss, ist eine vom Seniorenrat und Behindertenbeauftragten mühsam und hartnäckig erstrittene Übergangslösung, bis es dauerhaft in Marktplatznähe ein WC beispielsweise für Rollstuhlfahrer gibt. Es ist mir ein Bedürfnis, dieses hier noch einmal zu schildern, nachdem ich nach einem schlichten Foto-Posting „Schick, oder?“ auf meinem privaten Profil bei Facebook am vergangenen Donnerstag nicht nur Kopfschütteln, sondern fast ausschließlich fassungsloses Staunen ob dieser optisch so sehr eleganten Lösung erfahren habe… Fakt ist: Ein barrierefreies WC in Nähe des Marktplatzes ist wichtig und notwendig, längst überflüssig eigentlich. Ich finde es nach wie vor einen sehr schlechten bürokratischen Witz, dass nicht das vorhandene Marktbeschicker-WC im rechten Rathausturm als barrierefreies WC für alle genutzt werden darf. Und: Muss das Provisorium (das jährlich 2500 Euro kostet) dermaßen hässlich sein und an einer so prominent sichtbaren Stelle aufgestellt werden? Gut, immerhin steht das wie nach Baustelle aussehende Dixi-Klo nicht mitten auf dem Einbecker Marktplatz… Dennoch: Gibt es keine Lösung, das Plastik-WC beispielsweise auf den Rathausinnenhof zu stellen (wo es weniger im Blickpunkt ist) und den Weg dorthin auszuschildern? Oder lässt es sich wenigstens mit einfachsten Mitteln optisch verschönern, wenn es denn schon an dem Platz auf dem Hallenplan unverändert stehen bleiben muss? Hier könnten Street-Art-Künstler mal schnell und flexibel aktiv werden – legal versteht sich, nachdem das Einverständnis vorliegt. Der Seniorenrat hat in der jüngsten Sozialausschuss-Sitzung angekündigt, das neue WC-Provisorium mit einem so genannten Euroschlüssel zugänglich machen zu wollen, damit auch nur der betroffene Personenkreis diese Toilette nutzt (und andere keinen Schabernack treiben können). Vernünftig!

Und schließlich: Wenn ich mir die Unterlagen für die nächste Sitzung des Bauausschusses (12. April, 17 Uhr, Sitzungssaal Altes Rathaus) so durchlese, beschleicht mich der Verdacht, dass die Übergangstoilette ein Dauer-WC werden könnte. Zumindest eines für länger als für nur ein Jahr. Denn in der Prioritätenliste der Fördergelder für das Programm „Kleine Städte und Gemeinden“ 2017 ist die Sanierung des Alten Rathauses (zu der dann ein dauerhaftes Behinderten-WC gehören wird) ist das Rathausgebäude ziemlich weit nach unten gerutscht… und enthalten ist vor allem die Sanierung des Kellers – die aber nur Sinn macht, wenn man auch bereits eine Nutzung im Auge hat, was ich bislang nicht entdecke.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mehr Mülleimer

Die Einbecker SPD möchte wieder mehr Mülleimer in der Innenstadt installieren. Deren Zahl waren vor Jahren ausgedünnt worden – aus Kostengründen. Jetzt erklärte die Kernstadt-SPD in einer Pressemitteilung (Worlaut: PM_Innenstadt SPD 230915), dass Marktstraße, Marktplatz und Hallenplan häufig als unsauber empfunden würden, eigentlich aber Aushängeschilder der Stadt sein sollten. Dem könne man abhelfen, wenn mehr Papierkörbe in der Fußgängerzone aufgestellt und diese auch häufiger geleert würden. Das sei zwar mit Mehrkosten verbunden, „aber das sollte uns ein schmuckes Stadtbild auch wert sein“, meinen die Sozialdemokraten. Mehr Druck hat in diesem Zusammenhang die SPD auch bei der bereits seit einiger Zeit diskutierten öffentlichen barrierefreien WC-Anlage im Bereich Marktplatz gemacht. Die SPD erwartet von der Stadtverwaltung eine schnell umsetzbare Idee. Klare Worte schließlich von den Sozialdemokraten zur aktuellen Debatte über Straßenbeleuchtung und deren Abschaltung über Nacht: „Mit uns ist eine Abschaltung dort, wo schon jetzt nachts beleuchtet ist, nicht machbar.“

Ein dringendes Bedürfnis

Toilettenanlage.

Toilettenanlage.

Die Angelegenheit ist delikat. Es geht um Lebensmittel. Und um Barrierefreiheit für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen. Die gut erreichbare Toilette für Marktbeschicker im Turm des Alten Rathauses soll, so ein Vorschlag des Behindertenbeauftragten Herbert Klein und der GfE-Ratsfrau Dr. Ursula Beckendorf, zu einem WC umgebaut werden, das auch Behinderte benutzen dürfen; denn andere barrierefreie Toiletten in der City sind Mangelware. Doch das darf so nicht sein. Sagt zumindest der Landkreis Northeim als Lebensmittel-Hygiene-Behörde. Die Personaltoilette im Rathausturm müsse eine solche ausschließlich für die Beschicker des Wochenmarktes bleiben: „Eine Vermischung mit anderen Personenkreisen kann von hier aus nicht toleriert werden.“ Um Verbraucher vor Lebensmittelinfektionen zu schützen, müssten saubere, separate Toilettenanlagen zur Verfügung gestellt werden, um mindestens während der Marktzeit eine Übertragung von Infektionserregern zu verhindern. Die Angelegenheit sei damit aus fachlicher Sicht „abschließend geklärt“, lässt der oberste Verbraucherschützer im Kreishaus ausrichten.

Gut, dass die Kreisverwaltung eine Diskussion nicht einfach so für beendet erklären kann. „Ich nehme das zur Kenntnis, aber gebe nicht auf“, sagte GfE-Ratsfrau Dr. Ursula Beckendorf gestern im zuständigen Fachausschuss des Stadtrates. Der einigte sich einstimmig darauf, die Stadtverwaltung prüfen zu lassen, ob nicht das Marktbeschicker-WC zu einer barrierefreien Toilette umgebaut werden könnte (und was das kostet) und gleichzeitig für die Marktbeschicker eine andere WC-Lösung zu suchen. Bei anstehenden Planungen für den neuen ZOB, den Garten der Generationen im Stiftsgarten, den Möncheplatz und den Neustädter Kirchplatz soll ferner berücksichtigt werden, eventuell hier zentrale und gut erreichbare barrierefreie WC-Anlagen zu bauen. Das aktuell einzige öffentliche barrierefreie WC in der Innenstadt in der Maschenstraße soll außerdem dauerhaft geöffnet werden, entschied der Fachausschuss einstimmig.

Lebensmittelsicherheit ist ein hohes Gut – und ich möchte als Kunde sichergehen, dass ich auf dem Wochenmarkt gesunde, frische und nicht infizierte Lebensmittel kaufen kann. Nicht zuletzt deshalb ist mir ja die jüngste Hundekot-Aktion am Eulenspiegelbrunnen so dermaßen über die Hutschnur gegangen! Aber: Eine hundertprozentige Sicherheit kann es, gerade bei mobilen Händlern wie auf einem Wochenmarkt, nicht geben, ohne dass ich da jemanden unter Generalverdacht stellen möchte. Da schützt auch eine separate Toilette ausschließlich für diese Händler nichts. Zum einen wird niemand von den Händlern gezwungen, diese zu benutzen. Zum anderen kann es doch auch so sein, dass Händler A sich erst auf dem separaten WC infiziert, weil Händler B dort beim Geschäft oder beim Händewaschen seine Keime verbreitet. Der einzige Vorteil, den ich als Laie erkenne, wäre in einem solchen Infektionsfall, dass man den potenziellen Personenkreis, aus dem die Infektion stammen kann, rascher eingrenzen kann, wenn es sich ausschließlich um eine Personaltoilette für Wochenmarkt-Beschicker handelt.

Gut, dass Behindertenbeauftragter Herbert Klein gemeinsam mit dem Einbecker Seniorenrat und GfE-Ratsfrau Beckendorf aber hier nicht locker lässt und geklärt wissen möchte: Auf welche eindeutige Rechtsgrundlage bezieht sich die Landkreis-Ablehnung, die Toilette für Marktbeschicker und Behinderte zu nutzen? Und: „Aufgrund einer telefonischen Recherche lässt o.a. Entscheidung die Vermutung zu, dass in diesem Fall personenbezogene Argumente den Ausschlag gegeben haben.“ Mit anderen Worten? Der Landkreis lehnt ab, weil die beantragende Person nicht passt? Das wäre unglaublich und eine gewagte, zu belegende Behautung.

Die Position der Antragsteller schwächt, dass der Landkreis Northeim aktuell erklärt, auch in Alfeld, Göttingen, Duderstadt, Hann.Münden, Holzminden und Hildesheim seien separate Toiletten für Marktbeschicker vorhanden, entsprechende andere Behauptungen seien falsch. Behindertenbeauftragter und Seniorenrat hatten nach ihrer Telefonumfrage erklärt, nur Einbeck und Northeim hielten separate Marktbeschicker-WC vor, die anderen Städte nicht. Wer hat nun Recht? Wer nicht sauber recherchiert, dem werden auch die besten Argumente verwässert.

Nachtrag 29.05.2015: Auf Antrag des Seniorenrates hat der Verwaltungsausschuss den Fachausschuss-Beschluss in dieser Woche nicht nur bestätigt, sondern noch einmal explizit festgeschrieben, dass bei allen Baumaßnahmen auf öffentlichen Plätzen (Neustädter Kirchplatz, Möncheplatz, ZOB/Bahnhof-Umgestaltung) barrierefreie Toilettenanlagen einzuplanen sind. Das berichtete Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.