Wieselburgs Wurzeln in der Kernstadt

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Wieselburgs Vizebürgermeister Dieter Reiter haben das Schild enthüllt.

Mit einer Hopfenbuche (lat. ostrya carpinifolia) schlägt Einbecks niederösterreichische Partnerstadt Wieselburg jetzt auch in der Kernstadt nicht nur sprichwörtlich Wurzeln. Die Städtepartnerschaft hat Einbeck ja mit der Gemeinde Kreiensen bei der Fusion 2013 „geerbt“. Ein Schild an dem Baum am Ostertor vor der Mendelssohn-Musikschule und in unmittelbarer Nähe des Neues Rathauses haben am Wochenende Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Wieselburgs Vize Dieter Reiter enthüllt. „Wir hoffen, dass dieser Baum wächst und starke Wurzeln bekommt, damit wir uns im Schatten treffen und aufhalten können, wenn wir alle älter geworden sind“, wünschte sich die Einbecker Rathauschefin. „Möge er ein Zeichen für unsere lange und intensive Freundschaft sein.“ Wieselburgs Vizebürgermeister Dieter Reiter wies darauf hin, dass der Hopfen für beide Städte gut passend sei, beide sind schließlich Bierstädte. Er möchte die Enthüllung des Schildes und den gestifteten Baum als einen Startschuss begreifen für ein gemeinsames Umweltprojekt beider Gemeinden. „Wir schauen, was draus wird“, sagte Reiter – und meinte damit vor allem die Hopfenbuche, die die Wieselburger bei ihren zweijährlichen Visiten im Auge behalten werden.

Beim Arbeitsgespräch zwischen den Delegationen aus den Räten und Verwaltungen beider Gemeinden haben die Teilnehmer über vielfältige Themen gesprochen. Im Mittelpunkt des Austausches habe die unterschiedliche Organisation der Kommunalen Bauhöfe gestanden, berichte Michalek im Anschluss. Überlegt worden sei außerdem, ein gemeinsames Klimaschutz- bzw. Umweltprojekt auf die Beine zu stellen. Immerhin habe Einbeck als Ratsvorsitzenden einen Umwelt-Staatssekretär (Frank Doods), sagte Michalek. Wieselburg ist als baldige so genannte E5-Stadt deutlich weiter als Einbeck. „Wir sind noch lange nicht so weit“, sagte die Einbecker Bürgermeisterin. Aber es seien unglaublich gute Ansätze da, bei denen man weiter voneinander lernen könne. Schon beim Bücherschrank oder beim „Zehner“ habe Einbeck von Wieselburg Ideen bekommen.

Über das Himmelfahrt-Wochenende war eine Delegation aus dem niederösterreichischen Wieselburg in Einbeck, hier an der gestifteten Hopfenbuche am Ostertor.

Kultur-Geld

Kultur und Geld – das ist eine immer schwierige Symbiose. Um Geld ging es in zwei Mitteilungen im jüngsten Kulturausschuss, wenn auch zugegeben in unterschiedlicher Ausprägung. Kultur-Sachgebietsleiterin Dr. Elke Heege berichtete über den Sachstand beim Dauerbrennerthema Kulturpforte, Einbeck-Marketing-Geschäftsführer Florian Geldmacher stellte die aktuelle Entwicklung beim Thema „Einbecker Zehner“ dar, er hat sich inzwischen intensiv des Themas angenommen. 20 Anbieter dieser „Währung“, die mehr als ein Gutschein ist, seien inzwischen an Bord, Ziel seien zum Jahresende 100, darunter nicht nur Geschäfte, sondern auch Kulturanbieter, die den „Zehner“ einlösen, berichtete Geldmacher. Die CDU hatte beantragt, einen „Einbecker Zehner“ als eigenes Zahlungsmittel wie in der österreichischen Partnergemeinde Wieselburg als Bekenntnis zur heimischen Wirtschaft einzuführen, dort sei dies ein „Erfolgsmodell“ wie Ausschussvorsitzender Walter Schmalzried sagte. Bei dem jüngsten Partnerschaftstreffen habe man sich intensiv zu dem Thema ausgetauscht, inzwischen laufe die Absprache direkt zwischen beispielsweise den Banken in Einbeck und in Wieselburg. Eine hohe Teilnehmerzahl sei wichtig, um den „Zehner“ erfolgreich einführen zu können, machte Geldmacher deutlich. Es sei Ziel, zu Ostern den „Einbecker Zehner“ zu starten.

Die Kulturpforte hat ihre erste Startphase hinter sich, schilderte Dr. Elke Heege den Kulturpolitikern im Ausschuss. Inzwischen werde das Projekt, bei dem Bedürftige ähnlich wie bei der Lebensmittel-Tafel kostenlos Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen bekommen, bevor die Plätze verfallen würden, auch vom PS-Speicher oder vom Einbecker Schwimmbad unterstützt; auch für das DKKD-Kulturfestival Anfang Oktober gebe es 30 vergünstigte Dauerkarten. Es werde aber bis zu drei Jahren Anlaufzeit benötigt, bis die organisatorisch bei der Einbecker Tafel geöffnete Kulturpforte in Einbeck als etabliert gelten könne, sagte Heege, diese Erfahrungen habe man auch in Göttingen bei der dortigen Kulturpforte gemacht. „Die Schwellenängste sind nicht niedrig“, sagte die Kultur-Sachgebietsleiterin. Man müsse intensiv argumentieren, bis die Menschen, die sich einen Kulturbesuch nicht leisten können, sich auf die gespendeten Karten einlassen. Noch im Herbst werde man eine Datenbank aufbauen, die alle Datenschutzerfordernisse berücksichtigt, dann sei eine Zusammenarbeit zwischen der Tafel und dem Einbecker Kinder- und Familienservicebüro für die Kulturpforte möglich.

Den Kultur-Haushalt beschloss der (ja auch für Wirtschaftsförderung zuständige) Kulturausschuss einstimmig mit der Bitte an den Finanzausschuss, auf Anregung der SPD doch noch irgendwie Geld im Gesamtetat aufzutreiben für die angestrebte Machbarkeitsstudie für einen Tag der Niedersachsen in Einbeck (21.000 Euro). Den wünscht sich die SPD für 2021, das hatte sie jüngst beantragt.

Nüchterne Sitzung

Wieselburger Bier und andere Getränke auf dem Ratstisch.

Es ist möglich, dass bei Sitzungen des Einbecker Stadtrates das ein oder andere Kaltgetränk die ein oder andere hitzige Debatte erfrischen kann. Üblich ist, dass Wasser und Erfrischungslimonaden auf den Tischen der Ratsmitglieder (und auch der Pressevertreter) stehen. Kaffee, früher bei Sitzungen durchaus üblich, gibt es schon lange nicht mehr. Dass bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates einige Bierflaschen mit Bügelverschluss die Tische zierten, hatte einen Grund: Die Bürgermeisterin gab sozusagen einen aus, nachdem aus Einbecks niederösterreichischer Partnerstadt Wieselburg ihr eine Kiste des dortigen Bieres geschenkt worden war, als sie ihren Bürgermeisterkollegen Günther Leichtfried mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Einbeck bedacht hatte. Am Ende des öffentlichen Sitzungsteils ploppten dann auch deutlich hörbar einige Bügelflaschen in der Rathaushalle. Es sollen auch schon vorher Bierflaschen geöffnet und verkostet worden sein, wollen aufmerksame Beobachter gesehen haben. Dass dies für eine flüssigere Debatte gesorgt hat, ist indes unbestätigt. Dabei ging es bei der jüngsten Ratssitzung ja vor allem um nüchterne Zahlen. Die Bürgermeisterin brachte den Haushalt 2018 ein. Und einige außer- und überplanmäßige Ausgaben im Budgetjahr 2017 waren noch zu beschließen. Unter anderem schlanke 347.000 Euro für zwei Feuerwehrfahrzeuge (Löschgruppenfahrzeug und Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank). Ratsherr Hans-Jörg Kelpe (SPD) verlieh in einer Wortmeldung seiner Freude über diesen Beschluss Ausdruck. Was ihm prompt den Rüffel seiner Ratskollegen einbrachte, man habe sich doch zwischen den Fraktionen verständigt, dass man unkommentiert beschließen wolle, weil sich ja alle freuen, das müsse nun nicht auch noch jeder betonen. Was SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki prompt noch zu der Bemerkung verleitete, es sei ja schließlich die SPD gewesen, die für die zusätzlichen Löschmittel gesorgt habe. Heiterkeit im gesamten Plenum würde hier das Parlamentsprotokoll vermerken. Ob es dieses Bonmot war oder anderes, kann ich nicht sagen, jedenfalls hatte Ratsvorsitzender Frank Doods (SPD) prompt bei aller Freude vergessen, über die Feuerwehr-Vorlage abzustimmen und wollte schon freudig zur nächsten überplanmäßigen Auszahlung übergehen, als ihn die Verwaltung auf das Versäumnis hinwies. Und am Ende freudig alle noch die zwei neuen roten Autos bestellten. Ratsvorsitzender Frank Doods, im Hauptberuf Staatssekretär im Finanzministerium des Landes Niedersachsen, war es auch, der im weiteren Sitzungsverlauf für weitere Heiterkeit im Stadtrat sorgte. Er bat darum, die mit vielen Paragrafen und technischen Anmerkungen gespickten länglichen Beschlussvorlagen zu einigen Bebauungsplänen nicht im Wortlaut vorlesen zu müssen, schließlich habe ja jedes Ratsmitglied die Unterlagen und damit auch den Text vor sich. Doods: „Wir wissen ja alle was wir hier tun.“ Dass es dazu in der Rathaushalle Widerspruch gab, ist ein Gerücht.

Bei seinem jüngsten Besuch hatte Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried (r.) der Einbecker Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek für den Stadtrat Bierproben aus Niederösterreich mitgebracht, die jetzt verkostet wurden.

Florierende Partnerschaft 26+4

Ehrennadel in Gold im Gasthaus Ludwig Ernst in Ahlshausen beim offiziellen Empfang der Stadt Einbeck für Wieselburgs Bürgermeister Magister Günther Leichtfried, die Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek überreichte.

Goldene Ehrennadel für Günther Leichtfried, Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek verliest die Urkunde.

Glückwunsch! Am Ende hatten alle dicht gehalten, die Überraschung war gelungen, selbst wenn Günther Leichtfried nicht gerade sprachlos war, aber dafür ist der 68-Jährige zu sehr erfahrener Politiker, bis 2013 saß er für die SPÖ im Landtag. Der Bürgermeister der Partnerstadt Wieselburg ist beim Besuch einer Delegation aus Niederösterreich in Ahlshausen auf’m Saale mit der Ehrennadel in Gold der Stadt Einbeck für seine außergewöhnlichen Verdienste um die Partnerschaft von Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek ausgezeichnet worden; im Gasthaus Ludwig Ernst findet traditionell der Empfang der Gemeinde statt. Einstimmig hatte der Einbecker Stadtrat die Ehrung in öffentlicher Sitzung am 17. Mai beschlossen – und seitdem vertraulich behandelt. Leichtfried ist seit 1997 Bürgermeister von Wieselburg, hat die Städtepartnerschaft in diesen zwei Jahrzehnten persönlich gestärkt und wesentlich geprägt. Vor allem in der Übergangszeit, denn Einbeck hat die Städtepartnerschaft mit Wieselburg von Kreiensen bei der Fusion 2013 geerbt. „Ohne deinen persönlichen Einsatz wäre es schwer geworden“, würdigte Michalek die Verdienste Leichtfrieds. Der dankte herzlich für die Ehrung, und dass Einbeck die seit 1987 mit Kreiensen bestehende Parterschaft anerkannt habe. Dadurch sei das Band zwischen Einbeck/Kreiensen und Wieselburg ein besonderes geworden, 26+4 sozusagen. Ohne große Probleme habe man den Übergang nach erstem Beschnuppern und weiterem Besuch hinbekommen, die florierende Partnerschaft habe jetzt ein anderes Gewand. Günther Leichtfried bedankte sich bei den vielen Menschen, die der Partnerschaft Leben eingehaucht haben und dies weiterhin mit viel Herzblut tun. Im Einbecker Rathaus sei dies vor allem Ralf Köhler, der habe die Partnerschaft aus dem Rathaus in Kreiensen sozusagen mit hinüber genommen.

Auch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek betonte, dass es wichtig bleibe, die Städtepartnerschaft von Bürgern zu tragen, nicht allein von ihren gewählten Repräsentanten. Viele Vereine und die Feuerwehr vor allem im Bereich der ehemaligen Gemeinde Kreiensen erfüllen seit drei Jahrzehnten die Partnerschaft mit Leben, besuchen sich gegenseitig regelmäßig. Gemeinsame Themen kommen seit einiger Zeit hinzu, das Bier zum Beispiel (der 4000-Einwohner-Ort Wieselburg ist Bierstadt wie Einbeck), aber auch die Auto- und Mobilitätsbranche. Die offizielle Wieselburg-Delegation, die an diesem Wochenende in Einbeck ist, besteht aus 22 Stadt- und Gemeinderäten mit Partnern mit Bürgermeister Magister Günther Leichtfried an der Spitze. Außerdem sind auch Jugendfußballer des SC Raika Wieselburg auf Einladung des PSV Kreiensen zu Besuch, die 13 Jugendlichen tragen gegen die U14-Jugendmannschaft des FC Kreiensen/Greene ein Match um den „Bürgermeister-Ronny-Rode-Wanderpokal“ aus.

Bei einem einstündigen Arbeitsgespräch im Neuen Rathaus in Einbeck war unter anderem der „Wieselburger Zehner“ Thema, ein Geld-Gutscheinsystem, das auf Antrag der CDU ähnlich auch in Einbeck eingeführt werden soll. Außerdem stand für die Delegation aus Österreich ein Besuch in Fürstenberg (Schloss und Porzellan-Museum) sowie beim Verkehrssicherheitstag in der Einbecker Innenstadt auf dem Programm, bevor eine abendliche Naturscouts-Führung am Leinepolder mit anschließender Visite der Salzderheldener Heldenburg in Einbecks zweitgrößtem Ortsteil die Visite beendete. Über das dortige Malheur bei der Zufahrt sind die Gäste aus Österreich übrigens bereits bestens im Bilde, unter anderem durch den im Wieselburger Rathaus gerne gelesenen Einbecker Politikblog…

Gruppenbild vor der Brauerei-Besichtigung zum Auftakt des Wieselburg-Besuchs in Einbeck.

Wer hat wem etwas zu sagen?

Am Ende ging es gar nicht mehr um die Sache. Sondern für einige nur noch ums Prinzip. Da hatten sich indes der Geschäftsführer von Einbeck Marketing, Florian Geldmacher, und Wirtschaftsförderung-Fachbereichsleiter Frithjof Look schon eine verbale Auseinandersetzung geliefert, die manchen verwundert zurück ließ, und bei der einer aus der Sackgasse nicht mehr herausfand, in die er sich selbst manövriert hatte. Der Kultur- und Wirtschaftsförderungausschuss hatte eine Mitteilungsvorlage zur Kenntnis zu nehmen, wie der CDU-Antrag, einen „Einbecker Zehner“ als eigenes „Zahlungsmittel“ wie in der österreichischen Partnergemeinde Wieselburg einzuführen, im Einbecker Rathaus geprüft worden war. Die Verwaltung bezog sich in ihrer Mitteilung an die Politik vor allem auf eine Stellungnahme der Einbeck Marketing GmbH und Geschäftsführer Florian Geldmacher, in der dieser im Januar geschrieben hatte, dass der „Einbecker Zehner“ bis Ende 2018 eingeführt werden könne, wenn die Wirtschaft das wolle und es dort eine Nachfrage gebe, man habe das auf der Agenda. Doch als der Fachausschuss Geldmacher jetzt dafür nochmal einen konkretisierten Auftrag gebe wollte, den „Einbecker Zehner“ weiter voranzutreiben und beim Wieselburg-Besuch mit der Delegation von dort über das Projekt zu sprechen, reagierte der Einbeck-Marketing-Geschäftsführer verschnupft. Einbeck Marketing werde von vielen als verlängerter Arm der Stadt gesehen, legte Geldmacher los, er könne als Geschäftsführer aber nur Weisungen von seinem Aufsichtsrat entgegen nehmen und nicht von einem Fachausschuss des Stadtrates, und in der GmbH habe ja seit dem Jahreswechsel 2016/17 auch nicht mehr die Stadt Einbeck, sondern die InitiativGemeinschaft die 51-Prozent-Mehrheit. Womit er formal ja bei allem Recht hat. Ob es aber so clever war, sich auf eine Kraftprobe einzulassen? Bei diesem Thema? Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sah sich das etwas merkwürdige, minutenlange Verbalduell zwischen ihrem Fachbereichsleiter (der immer wieder darauf hinwies, was Geldmacher selbst geschrieben und von sich aus angeboten hatte) und Florian Geldmacher eine ganze Weile an, am Ende jedoch schaltete sich die Rathauschefin ein und machte unmissverständlich deutlich, wie die Kräfteverhältnisse sind: Sie werde als Aufsichtsratsmitglied bei Einbeck Marketing (Michalek ist stellvertretende Vorsitzende) den Wunsch der Politik in den Aufsichtsrat tragen und sich dafür einsetzen, dass dieser dort Gehör findet, sagte sie. Der Geschäftsführer wird, damit ist nun zu rechnen, seine Weisung erhalten – von dem Gremium, das formal dafür zuständig ist. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat? Freundlich dürfte diese Aufsichtsratsansage kaum ausfallen.

Partner aus fünf Städten empfangen

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell'Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene).

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit ihren Amtskollegen (v.l.) Richard Dell’Agnola (Thiais), Peter Reiter (Wieselburg), Wolfgang Koenen (Artern), Artur Rolka (Paczkow) und Kendell W. Lane (Keene).

Premiere gelungen! Zum ersten Mal waren einige Vertreter aus den Partnerstädten Einbecks am Eulenfest-Wochenende nicht nur unter anderem bei der Eröffnungsfeier auf der Bühne mit dabei. Es fand zum ersten Mal ein gemeinsamer Empfang von Stadt Einbeck und Stadtfest-Veranstalter Einbeck Marketing GmbH in der Rathaushalle statt – und aus allen fünf Partnerstädten Einbecks waren Gäste dabei, auch das eine Premiere. An diesem Abend wurde gelebte Städtepartnerschaft greifbar, weil menschlich. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek konnte offizielle Vertreter aus Thiais/Frankreich, Artern/Thüringen, Wieselburg/Niederösterreich, Paczkow/Polen und Keene/USA willkommen heißen. Mehr als 50 Jahre besteht die Freundschaft zum französischen Thiais (bei Paris) bereits, Bürgermeister Richard Dell’Agnola würdigte den Austausch auf vielen Ebenen. Zur Tradition geworden ist seit Jahren der Weinstand aus Thiais beim Eulenfest (in diesem Jahr zugunsten des Kunsthaus Einbeck), ebenso der Besuch der Einbecker zum Karneval oder zum Gärtnerfest in Thiais. Seit 25 Jahren in diesem Jahr besteht die Städtepartnerschaft mit Artern, der scheidende Bürgermeister Wolfgang Koenen ist im Sommer mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Einbeck ausgezeichnet worden, regelmäßige Besuche im wiedervereinigten Deutschland sind heuer wesentlich leichter möglich als noch zum Beginn im Wendejahr 1989/1990. Mit Patschkau, dem heutigen Paczkow in Polen, besteht seit 1992 eine offizielle Städtepartnerschaft, die ihre Wurzeln in der Verbindung zu den Vertriebenen aus Schlesien hat. Der neue Bürgermeister von Paczkow, Artur Rolka, war erstmals in Einbeck zu Besuch und sprach beim Eulefest-Empfang der Partnerstädte eine herzliche Einladung aus, um die gegenseitige Verbundenheit zu pflegen. Eine geerbte Partnerstadt für Einbeck ist Wieselburg in Österreich, seit 1987 mit der ehemaligen Gemeinde Kreiensen verbunden. Stadtrat Peter Reiter freute sich schmunzelnd, dass Einbeck das Erbe bei der Fusion mit Kreiensen nicht ausgeschlagen habe. Wieselburger Bier hatte der in Vertretung von Bürgermeister Günther Leichtfried nach Einbeck gekommene Reiter im Gepäck. Das müsse als Gastgeschenk auch in einer Bierstadt wie Einbeck erlaubt sein, sagte Peter Reiter.

Ehre für Bürgermeisterin: Schlüssel aus Keene.

Ehre für Bürgermeisterin: Schlüssel aus Keene.

Den weitesten Weg hatten die Freunde aus Keene in New Hampshire zurück gelegt. Doch in Zeiten von Mails, Skype und Facebook lässt sich auch zu der seit 2002 bestehenden Partnerstadt in Amerika über den großen Teich einfach regelmäßig Kontakt halten. Bürgermeister Kendell W. Lane hatte als besondere Auszeichnung einen symbolischen Schlüssel der Stadt Keene im Gepäck, den er Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek überreichte  – eine spezielle Ehre. Michalek ist nach Jörg Meister (Sportaustausch) erst die zweite Einbeckerin, die dergleichen ausgezeichnet worden ist. Sie sei jederzeit herzlich willkommen in Keene, sagte Lane. Keene freue sich auf viele Einbecker Besucher. Die US-Amerikaner sind in diesen Tagen mit einer großen Delegation in Einbeck, besuchen Bürgerspital, Polizei, PS-Speicher. Nach Sport und Kultur werden in Zukunft auch Schüleraustausch-Programme die Städtepartnerschaft mit Keene weiter beleben.

Erstmals fand beim Eulenfest in der Rathaushalle ein Empfang für alle fünf Partnerstädte Einbeck statt.

Erstmals fand beim Eulenfest in der Rathaushalle ein Empfang für Vertreter aus allen fünf Partnerstädten Einbecks statt.

Wieselburgs Neugier auf Einbeck

Vor zwei Jahren war noch alles neu. Und auch beim Besuch aus dem niederösterreichischen Wieselburg in Einbeck an diesem Wochenende ist noch vieles neu. Umso größer ist die Neugier bei unserer „geerbten“ Partnerstadt nach der Fusion Einbecks mit Kreiensen. Das wird nicht zuletzt daran deutlich, dass sich die Größe der Delegation nahezu verdoppelt hat: 29 Frauen und Männer, vor allem Ratsmitglieder, haben nach gut neun Busstunden Einbeck erreicht. Aus der Vorfreude vor zwei Jahren sei eine Freude geworden, sagte Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried heute am Willkommensabend in der wohl schönsten Jugendstilvilla Einbecks, dem einstigen Wohnhaus des Fahrrad-Versandkönigs August Stukenbrok. Und möge die Struktur zwischen der als Verein organisierten Einbecker Einrichtung und der städtischen Musikschule Wieselburg auch unterschiedlich sein, so Leichtfried: Musikalisch müsse sich Einbeck keinesfalls hinter Österreich verstecken, lobte der Bürgermeister nach mehreren Kostproben durch Mendelssohn-Musikschüler: „Sie leben Musik.“ Da mochte sich seine Einbecker Amtskollegin Dr. Sabine Michalek nur anschließen. Die Wieselburg-Partnerschaft mit der ehemaligen Gemeinde Kreiensen besteht bereits seit 1987. Das Besuchsprogramm startete mit einem Empfang in der Mendelssohn-Musikschule, auf der weiteren Agenda stehen Besuche bei KWS, im PS-Speicher und auf der Heldenburg, außerdem eine Fahrt mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen auf der bald wieder für regelmäßigen Personenverkehr reaktvierten Schienentrasse von Einbeck nach Salzderhelden. Der traditionelle Empfang der Gemeinde findet im Gasthaus Ernst „auf’m Saale“ in Ahlshausen statt.

Sören Schirmer am Flügel beim Auftaktempfang in der Mendelssohn-Musikschule.

Sören Schirmer am Flügel beim Auftaktempfang für die Wieselburg-Delegation in der Mendelssohn-Musikschule.

Welcome Wieselburg…

Wieselburger und Einbecker auf dem Keene-Platz vor dem Rathaus.

Wieselburger und Einbecker auf dem Keene-Platz vor dem Rathaus.

Wenn das keine symbolische Geste der Städtepartnerschaft ist: Vor dem Neuen Rathaus sind die Einbecker Farben und die schwarz-weiß-blaue Fahne Wieselburgs aufgezogen. Und die Besucherdelegation aus der „geerbten“ niederösterreichischen Partnerstadt stellt sich auf dem Keene-Platz zum Gruppenfoto. Der Platz vor dem Rathaus ist nach der US-amerikanischen Partnerstadt Einbecks in New Hampshire benannt.

Es ist das erste Treffen in Einbeck nach der Fusion, seit 25 Jahren ist Wieselburg bereits die Partnergemeinde von Kreiensen. Diese Partnerschaft lebt, in Vereinen wie dem PSV Kreiensen, oder bei der Feuerwehr in Garlebsen-Ippensen und Olxheim. Die ist bereits im Juni wieder zu Gast in Niederösterreich bei Freunden.

Beim Gespräch im Rathaus wurde schnell klar: Zwischen Neu-Einbeck und Wieselburg gibt es neue Berührungspunkte, die intensiv vertieft werden wollen. Und nicht zuletzt wäre es geradezu töricht, wenn es zwischen zwei Bierstädten wie Einbeck und Wieselburg nicht einen fachlichen wie süffigen Austausch von Hopfen und Malz geben würde.

Dr. Sabine Michalek und Günther Leichtfried.

Dr. Sabine Michalek und Günther Leichtfried.

Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried wählte ein schönes Bild, das auch seiner Amtskollegin aus Einbeck sehr gefiel: „Da ist Einbeck ein fremdes Kind in die Wiege gelegt worden“, sagte der seit 1999 für die SPÖ im Landtag von Niederösterreich sitzende Leichtfried. „Und wir haben jetzt gespürt, dass dieses Kind in Einbeck angenommen wird.“

Wer zählte die Namen?

Hat eigentlich mal jemand gezählt, wieviele Namen bei der konstituierenden Ratssitzung in Einbeck genannt worden sind? Es galt für den Stadtrat, eine Fülle von Positionen und Gremien zu besetzen. Das hat gut funktioniert, da war vieles vorher aber auch abgestimmt, echte „Kampfkandidaturen“ gab es nicht, ein harmonischer Start, bei dem nur der sonst meistens so souveräne Ratsvorsitzende ein paar Mal ins Stolpern kam. Aber bei den vielen Namen und Tagesordnungspunkten kann man schon mal durcheinanderkommen.

Aufmerksamen Zuhörern werden beim Durchrauschen der vielen Namen vielleicht ein paar Dinge aufgefallen sein, die meisten werden die Namenslisten in Ruhe nach der Sitzung nachgelesen haben, beispielsweise hier bei den Kolleginnen und Kollegen der Einbecker Morgenpost. Auf den Internet-Seiten der Stadt müssen die vielen Namen erst noch eingepflegt werden. Dann werden sie aber hier stehen.

Der geschätzten Aufmerksamkeit empfehlen möchte ich im Namen-Marathon beispielsweise empfehlen, dass das neue Einbeck jetzt zwei ehrenamtliche Partnerschaftsbeauftragte hat. Gerhard Jünke kümmert sich um die „alten“ Einbecker Partnerstädte, Manfred Friedrich aus Ippensen wie bisher um die jetzt für Einbeck neue Partnerstadt Wieselburg in Niederösterreich.  Wussten Sie, dass mit Wieselburg (Niederösterreich, 3700 Einwohner, liegt westlich von Melk) eine Bierstadt neue Partnerstadt der neuen Stadt Einbeck ist? Die Partnerschaft mit Kreiensen besteht seit 1987. Das Wieselburger Bier, das es seit 1650 gibt, wird in einer der größten Brauereien Österreichs gebraut, die ein eigenes Braumuseum hat.

Oder: Wer weiß eigentlich (außer Wikipedia), was sich hinter der 2. Kurie der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft verbirgt, in die die Bürgermeisterin entsandt worden ist. Hier ist noch Informationsbedarf 😉 Was machen die dort eigentlich?

Und offenbar in allerletzter Minute wurde die Besetzung des Patronatsvertreters der Stadt in der Neustädter Kirchengemeinde St. Marien geändert. Noch in der abgestimmten Entwurfsfassung der Namen stand hier (wie bisher) Christian Grascha. Beschlossen wurde jedoch statt des FDP-Landtagsabgeordneten die Besetzung der Position mit Stephan Richter, dem Vorsitzenden der Jugendinitiative Musik, kurz jimie.