Der nordöstliche Teil der Stadtgrabenstraße soll von Radfahrern in Zukunft auch entgegen der Einbahnstraße benutzt werden können. Dafür sollen die Parkplätze im Kurvenbereich um einen reduziert und auf die andere Straßenseite verlagert werden. Das hat der Fachausschuss für Stadtentwicklung und Bauen einstimmig empfohlen. Verwaltung und Polizei hatten bereits grünes Licht gegeben, die Arbeitsgruppe Nahmobilität hatte die Veränderung unweit der Pestalozzi-Grundschule angeregt. Radfahrer bekommen dadurch eine Alternative für den vielbefahrenen Langen Wall. Die Änderung in der nördlichen Stadtgrabenstraße ist einzige konkrete Maßnahme aus der Fortscheibung des Nahmobilitätskonzepts für die Kernstadt, die der Ausschuss zur Kenntnis genommen hat. Thomas Müller von der beauftragten Ingenieurgemeinschaft Dr.-Ing. Schubert (Hannover) hatte im Fachausschuss berichtet.
Die Stadtgrabenstraße ist im nördlichen Abschnitt als Einbahnstraße ausgewiesen. Der ruhende Verkehr nutzt den rechten Fahrbahnrand. An Vormittagen an Werktagen gilt ein eingeschränktes Halteverbot unmittelbar vor der Pestalozzi-Grundschule. Die für den fließenden Verkehr verbleibende Fahrbahnbreite beträgt mindestens drei Meter, der Streckenverlauf wird von den Experten jedoch als nicht übersichtlich eingestuft. Deshalb soll eine Ausweichstelle im Kurvenbereich zu Lasten von einem Stellplatz geschaffen werden. Hier sollen die Parkmöglichkeiten aufgehoben werden. Südlich des Kurvenbereiches können vier Stellplätze auf der linken Seite angeboten werden.

Eine vergleichbare Regelung wurde auch in der Baustraße und am Hören/Breiter Stein geprüft. Hier sind jedoch die Fahrbahnen jeweils zu schmal; lediglich durch kompletten Wegfall von Parkplätzen auf einer Straßenseite wäre die Öffnung der Einbahnstraße in Gegenrichtung für Radfahrende zu realisieren.
Bei einer Zählung des Kfz- und des Radverkehrs hat sich laut Konzept-Fortschreibung gezeigt, dass zwischen Ostertor und Möncheplatz auf dem Neuen Markt in den vergangenen 20 Jahren der Autoverkehr um über die Hälfte zurück gegangen und der Radverkehr um über ein Drittel angestiegen ist. Diese Wirkungen seien aber nicht nur auf die Einrichtung der Fahrradstraße (seit Juli 2023) zurückzuführen, räumen die Experten ein. Haben 2003 den Neuen Markt noch täglich 2600 Kfz benutzt, wurden im Mai 2024 lediglich noch 1124 Autos pro Tag gezählt. Fuhren 2003 täglich 220 Radfahrer die Strecke, sind es heute (2024) 300.
Weitere Fahrradstraßen wie die am Neuen Markt empfehlen die Experten aktuell nicht. Der nördliche Abschnitt der Münsterstraße erfülle die Voraussetzungen zwar, der südliche vom Marktplatz bis zur Einmündung Oleburg/Wolperstraße jedoch nicht, und vor allem könnte die Fahrradstraße über Stiftplatz und Stiftplatz in Richtung Norden nicht fortgesetzt werden, weil hier wieder die Fahrbahn zu schmal wird. Eine Fahrradstraße wäre dort lediglich bei deutlicher Reduzierung der Stellplätze möglich. Auch für die Tiedexer Straße wäre eine Fahrradstraße nur möglich, wenn die Parkplätze in Schrägaufstellung aufgegeben würden, die Fahrbahn breiter würde. Dabei würde sich jedoch die Anzahl der Stellplätze deutlich reduzieren, erläuterte Thomas Müller.
Die Voraussetzungen zur Einrichtung von Fahrradzonen sind in der Stadt Einbeck nicht gegeben, die Verkehrsdichte wird nicht erreicht. In Fahrradzonen sind grundsätzlich nur Radfahrer und Elektrokleinstfahrzeuge erlaubt; Zusatzzeichen können anderen Fahrzeugverkehr zulassen. Der Aufwand zur Einrichtung einer Fahrradzone ist im Gegensatz zu Fahrradstraßen ungleich höher. Ein geschlossener Fahrradring um den Innenstadtkern ist zurzeit nur möglich, wenn die ehemalige Ortsdurchfahrt (Altendorfer/Hullerser Straße) einbezogen wird, erläuterte Thomas Müller.

