SPD will Downhill: Möglichkeiten statt Verbotsschilder

Die SPD-Ratsfraktion möchte den Berg hinunter fahren: In einem Antrag für die Sitzung des Stadtrates am 2. Dezember möchten die Sozialdemokraten die Verwaltung beauftragen, mit der Stadtjugendpflege und der Stadtforst nach möglichen Downhill- und Mountainbike-Strecken im Stadtgebiet zu suchen. Offizielle Strecken könnten einem gesicherten Freizeitverhalten Rechnung tragen, über Einbeck hinaus würde ein weiteres Angebot im Bereich des Freizeitsports geschaffen und zu einer Standortaufwertung führen, erklärte der Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Familie und Soziales, René Kopka (SPD), in einer Pressemitteilung. „Das Aufstellen von Verbotsschildern im Stadtgebiet kann hier nicht die Lösung sein.“ Vielmehr sollte der Bedarf erkannt werden und nach konstruktiven Lösungen gesucht werden, fordert die SPD.

Verboten: Ein Schild untersagt das Downhill-Fahren.

Bei der Suche nach geeigneten Strecken sollen nach dem Wunsch der SPD Haftungsfragen ebenso geklärt werden wie die Möglichkeit der Nutzung auf eigene Gefahr. Damit beziehen sich die Sozialdemokraten auf eine Aussage im Bürgermeisterwahlkampf: Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hatte erklärt, die Schilder (beispielsweise am Kirschenberg unweit der Tennisplätze und des Ehrenmals) seien aus Gründen des Versicherungsschutzes aufgestellt worden, um eine Haftung durch die Stadt auszuschließen.

Die SPD-Ratsfraktion möchte, bevor ein Konzept erstellt wird, Kontakt mit den Sportvereinen aufnehmen, um unter Umständen weitere Partner zu finden, den Bedarf zu klären und weitere Erfordernisse abzustimmen, wie die SPD es formuliert. Darüber hinaus soll die Verwaltung beauftragt werden, weitere mögliche Fahrradstrecken, insbesondere im Bereich des „Mountainbike-Sports“ über die Homepage auszuweisen oder gängige Apps im Internetauftritt einzubinden. Immer häufiger sei bei Spaziergängen auch das Interesse am Mountainbike und „Downhill fahren“ wahrzunehmen, schreibt Kopka. Die nächsten Angebote im aktiven Fahrradsportbereich (Bikepark, Singeltrail oder der geeigneten BMX-Hindernisbahn) seien aber erst im Solling oder Harz zu finden.

Beliebte Downhill-Strecke am Kirschenberg unweit des Ehrenmals.

Neue Grünen-Vorstandssprecher gewählt

Die Einbecker Grünen haben für die nächsten zwei Jahre Hans-Joachim Nehring und Marion Christ mit jeweils 92 Prozent der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder zu Vorstandssprechern gewählt. Günter Rönpagel, der schon viele Jahre die finanziellen Angelegenheiten regelt, wurde einstimmig als Kassenwart bestätigt. Dr. Ewald Hein-Janke haben die Grünen mit dem Ehrenvorsitz für seine langjährigen Aktivitäten im Ortsverein geehrt.

Neuer Grünen-Vorstand in Einbeck (v.l.): Günter Rönpagel, Marion Christ, Hans-Joachim Nehring. Foto: Bündnis 90/Die Grünen

Beide Sprecher der Grünen haben sich laut einer Pressemitteilung vorgenommen, junge politikinteressierte Menschen für parteipolitisches Engagement zu gewinnen und sie in ihren Zielen zu unterstützen. Nehring macht auf den dringenden Handlungsbedarf im Klimaschutz aufmerksam: „Das Klima verändert sich, das ist inzwischen für jede Bürgerin und jeden Bürger erkennbar. Früher kaum gekannte Unwetter nehmen zu, Wälder brennen ab und mit ihnen Jahrhunderte alte Lebensräume. Wir müssen über den Tellerrand des Stadtgebiets von Einbeck hinausschauen. Unser Handeln hier vor Ort wirkt sich gleichermaßen positiv oder negativ auf das Klima aus.“ Marion Christ ergänzte: „Wir alle müssen umdenken, auch wenn es uns in täglichen Gewohnheiten manche Überwindung kostet. Für die Fahrt zum Einkaufen, zur Kita, Schule oder Freunden kann auch das Fahrrad eine umweltfreundliche Alternative sein. Und es ist zugleich gut für die Gesundheit.“ Die Grünen wollen Einbeck zu einer fürs Fahrrad freundlichen Stadt machen. Auch setzen sie sich weiterhin für die Abschaffung der Straßenausbaugebühren ein und fordern realistische Flächennutzungspläne zur Förderung der Windenergieerzeugung, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen.

Fahrrad-Parkhaus in der Knochenhauerstraße geplant

In der Knochenhauerstraße in Einbeck direkt neben der Tourist-Info im Eicke’schen Haus soll ein Fahrrad-Parkhaus entstehen. Außerdem soll der “Garten der Generationen” im Stiftsgarten erweitert und ein Konzept erstellt werden, wie Einbeck bei Bewegungen auf kurzen Distanzen klimafreundlicher mobil werden kann. Alles das ist Bestandteil einer Förderung durch das Programm “Zukunftsräume Niedersachsen” für das Projekt unter dem Titel “Einbeck macht (sich) fit”. 150.000 Euro erhält die Stadt Einbeck in den nächsten drei Jahren als Förderung, eigene 100.000 Euro kommen hinzu.

Am heutigen Spielplatz im Stiftsgarten: Fachbereichsleiter Joachim Mertens (l.), Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Projektleiter Peter Sobeck.

So schnell geht es sonst selten: Bis zum 15. März musste der Antrag gestellt werden, am 28. April hatte die Stadtverwaltung schon den Förderbescheid in der Post. Im Rathaus war man auf das Förderprogramm “Zukunftsräume Niedersachsen” aufmerksam geworden, hat sich eine fachliche Begleitung für den Antrag bei einem Büro in Hannover geholt und dann passgenau den Antrag gestellt. “Die Beratung durch das externe Büro hat sich bezahlt gemacht”, freut sich Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek über das Ergebnis der fachbereichsübergreifenden Arbeit in ihrem Rathaus. Einbeck erhält bis Mai 2023 insgesamt 150.000 Euro, im städtischen Haushalt waren bereits 100.000 Euro eingeplant für den “Garten der Generationen”. Somit hat die Stadt insgesamt 250.000 Euro zur Verfügung und eine Förderquote von 60 Prozent erreicht.

Unter dem Titel „Einbeck macht (sich) fit!“ bündelt die Stadt Einbeck drei Bausteine. Ziel aller Maßnahmen ist, die so genannte Nahmobilität im Sinne von Fahrradfreundlichkeit zu verbessern und außerdem die innerstädtische Aufenthaltsqualität zu erhöhen sowie gut erreichbare Angebote für Bewegung im Freien zu stärken, wie es in einer Presseinformation heißt.

Baustein A: Hier soll es ausschließlich um konzeptionelle Arbeit gehen. „Gesunde und klimafreundliche NahMobilität“ ist das Stichwort. Die Stadt möchte gemeinsam mit relevanten Akteuren und begleitet durch ein Fachbüro ein Konzept erstellen, um das Verkehrsnetz für den nicht-motorisierten Verkehr bedarfsgerecht zu optimieren. Im Fokus steht dabei das Fahrrad. Einbeck habe schon länger das Ziel, fahrradfreundliche Stadt zu werden, mit Maßnahmen wie Schutzstreifen oder Öffnung von Einbahnstraßen für den entgegen gesetzen Radfahrer habe man hier auch schon durchaus etwas erreicht, sagt die Bürgermeisterin. Ihr Wunsch ist jedoch, dass es in Zukunft mehr Wege für Fahrradfahrer gibt und dass beispielsweise Elektrofahrzeuge für eine Mobilität im Nahbereich ausgeliehen werden können – Besucher ebenso wie Einheimische. Einbinden möchte die Stadt die Bürgerschaft, Vereine wie den ADFC, Verkehrsträger wie die Ilmebahn, die Stadtwerke sowie ortsansässige Unternehmen und Einrichtungen (Kulturstiftung Kornhaus/PS-Speicher).

Das Haus Knochenhauerstraße 2 soll ein Parkhaus für Fahrräder werden.

Baustein B: Hier wird’s konkret. Das der Stadt gehörende, leerstehende denkmalgeschützte Fachwerkhaus Knochenhauerstraße 2 (direkt neben Tourist-Info im Eicke’schen Haus) soll zum ersten Fahrradparkhaus Einbecks mit abschließbaren Fahrradabstellmöglichkeiten werden, das Einheimische und Touristen gleichermaßen nutzen können. Dafür sind umfangreiche Umbauten notwendig, entsprechendes Mobiliar muss angeschafft und ein digitales Zugangssystem eingerichtet werden. Das Erdgeschoss mit rund 100 Quadratmetern Grundfläche soll durch den großen runden Torbogen betreten werden, sagt Baudirektor Joachim Mertens. Etwa zehn abschließbare Boxen werden man wohl installieren können. Eventuell lasse sich hier auch eine E-Ladestation für Fahrräder integrieren. Mertens hofft, dass das Angebot deutlich besser angenommen wird wie die bislang stehenden Metall-Fahrradboxen etwa am Möncheplatz. Eingebunden werden sollen unter anderem die Tourist-Information, die Stiftung Eicke’sches Haus, die Einbecker Wohnungsbaugesellschaft sowie Sparkasse und Volksbank.

Baustein C: Hier setzt die Stadt Einbeck auf bereits bestehende Überlegungen auf, den „Garten der Generationen“ im Stiftsgarten zu erweitern. Inklusive dem Kinder-Spielplatz soll dieser zu einem so genannten Aktivpark umgestaltet werden – und besser und barrierefreier erreichbar werden. Dafür soll unter anderem der aktuelle Fußweg an der Bahnstrecke für den Radverkehr geöffnet und besser befahrbar werden. Außerdem soll ein benachbartes Rasen-Grundstück der katholischen Kirchengemeinde integriert werden. Der Aktivpark soll nach dem Willen der Planer gleichermaßen Begegnungsraum und Bewegungsraum werden und Aktivitäten im Freien fördern, schildert Projektleiter Peter Sobeck. Es sind Bewegungsflächen für Jung und Alt geplant (von einem Bewegungsspielplatz für die Kleinen über ein Beachvolleyballfeld für
die Jugendlichen bis hin zur Bewegungsfläche mit Fitnessgeräten und einem “Wellenweg” für alle Altersklassen). Die bereits vorhandenen Angebote (z.B. Boulefläche, Basketballkorb oder Schach-Sitzecke) und Geräte bleiben dabei bestehen. Die Detailplanung will die Stadtverwaltung mit mehreren Akteuren (Planungsgruppe “Garten der Generationen”, Stadtrat, Seniorenrat, Kirche, Musikschule sowie Kinder und Jugendliche) betreiben.

Im künftigen Fahrradparkhaus im Haus Knochenhauerstraße 2 (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Baudirektor Joachim Mertens, Denkmalpflegerin Krimhild Fricke, Projektleiter Peter Sobeck.

250.000 Euro sind viel Geld. Die Beteiligten werden nun aber darauf achten müssen, dass nicht zu viel Geld in Papier, sprich in Konzepte investiert wird. Der Umbau eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses ist aufwändig (und kostet manchmal viel Geld), selbst wenn es zunächst nur um die Sanierung des Erdgeschosses geht. Gut daher, dass die heimischen Geldhäuser ins Boot geholt werden. Auch Geräte für den Outdoor-Sport haben manchmal ein beachtliches Preisniveau, das Projektpläne strapazieren kann. Außerdem werden alle darauf achten müssen, dass bei den eingeplanten und durchaus wichtigen Beteiligungsprozessen die Diskussionen zielführend sind und nicht so ausufernd geführt werden, dass am Ende keine Zeit mehr für die Umsetzung bleibt. Drei Jahre sind schnell vergangen.

Aber wir haben darüber gesprochen…

Die Situation für Fahrradfahrer am Ostertor soll sich ändern.

Man hätte darauf kommen können. Der Tagesordnungspunkt “Verbesserung der Radverkehrsführung im Bereich der Ostertorkreuzung” war schließlich als Mitteilung gekennzeichnet. Und hatte keinen abschließenden Beschlussvorschlag der Verwaltung, wie sonst üblich bei Rats- oder Ausschussvorlagen. Das Thema hätte der Bauausschuss lediglich zügig zur Kenntnis nehmen müssen, ohne Diskussion. Denn beschlossen ist in diesem Falle schon alles, im Frühjahr 2018 soll gebaut werden. Doch darauf kam der Bauausschuss erst nach mehr als halbstündiger, intensiver Debatte über den Sinn und Unsinn von Radwegen, Querungshilfen und Schutzstreifen für Radfahrer. “Was reden wir denn darüber”, platzte es aus Karsten Armbrecht (CDU), und Dietmar Bartels (Grüne) sekundierte: “Wenn doch eh schon alles entschieden ist.” Zugegeben, es ist ungewöhnlich, dass bei einer Mitteilungsvorlage der Experte eines beauftragten Büros referiert und – wie in diesem Falle geschehen – Pläne zeigt, sogar mehrere Varianten, dazu die Grundlagen für die Überlegungen erläutert. Das alles unterstellte schon ein wenig, dass der Bauausschuss hier noch entscheidend in die Speichen greifen könnte. Kann er aber nicht. Vielleicht auch ein wenig deshalb nicht, weil sich der Bauausschuss als Ratsgremium so oft nicht trifft, die letzte eigene Sitzung vor dem jüngsten Treffen fand im März (!) statt. Hätte er sich schon mal früher wieder getroffen, hätte er vielleicht mit seiner durchaus interessanten Debatte noch die eine oder andere Anregung geben können. Aber so ist zu spät. Und ein weiterer Beleg dafür, dass es (mindestens) ein Fachausschuss weniger auch tun würde.

Um was es überhaupt geht? Sechs Verkehrsarme, auf denen Radfahrer unterwegs sein können, münden in die Kreuzung am Ostertor, direkt vor dem Neuen Rathaus. Nach Auffassung von Fachleuten “funktionieren” nicht alle Verbindungen untereinander, Radfahrer verhalten sich deshalb oft regelwidrig, müssen sich quasi nicht regelkonform verhalten. Und weil die Ostertorkreuzung im Zug der Reaktivierung der Ilmebahn-Strecke ohnehin baulich angefasst (unter anderem werden die Schienengleise im Kreuzungsbereich spurrillenfrei) und der Bahnübergang ertüchtigt wird, sind die so genannten radverkehrsfördernden Maßnahmen (Kosten grob geschätzt 45.000 Euro) bei dem von der Ilmebahn GmbH und der Stadt Einbeck geplanten Bauprojekt „Bahnübergang Ostertor“ gleich mit enthalten. Und längst beschlossen und eingepreist. Vorgesehen sind neue Verbindungen zwischen Bürgermeisterwall und Einmündung, spezielle Pflasterungen und Bordsteinabsenkungen, eine Furt mit Radfahrer-Linksabbiegespur am Beginn des Hubewegs, um besser auf den Langen Wall gelangen zu können, schließlich eine Einfädelspur, damit Radfahrer sich gefahrloser vom Gehweg wieder auf den Hubeweg in Richtung Norden in den fließenden Verkehr einordnen können. Auch die bepflanzte Rabatte auf der westlichen Seite der Einmündung zum Neuen Markt soll vergrößert werden, um die Breite der Einmündung und damit die  Geschwindigkeit der Abbieger zu verringern.

Mehrere Ausschussmitglieder fanden die Veränderungen zu kompliziert, zu bemüht. Wenn diese umgesetzt sind, müssen sie jedenfalls gut erläutert werden, damit sie die Radfahrer verstehen – so der Tenor. “Ich verspreche Ihnen schon heute, dass sich die Radfahrer nicht daran halten”, sagte Lothar Dolle, hinzugewähltes Ausschussmitglied und als einstiger Einbecker Polizeichef mit 40 Jahren Erfahrung im Straßenverkehr ausgestattet.

Die Ostertor-Kreuzung in  Einbeck, Blickrichtung Westen, farblich hervorgehoben die vorgesehenen Veränderungen für Fahrradfahrer. (c) Ingenieurgemeinschaft Dr.-Ing. Schubert, Hannover

Radfahrschutz vs. Parkplatz

Neu seit wenigen Wochen: der Radfahrschutzstreifen am Hubeweg in Einbeck.

Neu seit wenigen Wochen: der Radfahrschutzstreifen am Hubeweg in Einbeck.

Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen zu sein: Baudirektor Gerald Strohmeier hat in der Ratssitzung auf die Anfrage-Bitte der GfE-Ratsfrau Dr. Ursula Beckendorf, die neuen, Parkplätze fressenden Radfahrschutzstreifen noch einmal zu überprüfen, ein wenig Hoffungsschimmer erkennen lassen. Man werde sich die Situation dort genau anschauen, ob eventuell am unteren Hubeweg in Einbeck etwas zu verbessern ist, damit Anlieger und anliegende Praxen nicht mehr so arg unter den weggefallenen Parkplätzen leiden müssen. Am grundsätzlichen Konzept der Radfahrschutzstreifen in Einbeck werde aber festgehalten, hieß es. Kritiker hatten bemängelt, dass auf der Ostseite ein heute nutzloser Grünstreifen doch als Radweg verwendet werden könnte. Vielleicht kann er ja auch zu einer großen Parkplatzbucht werden, an der entlang dann der Radfahrschutzstreifen markiert werden kann. Aber sowas wäre sicherlich zu teuer.